Gott sei gelobet und gebenedeiet,
Der uns selber hat gespeiset
Mit seinem Fleische und mit seinem Blute,
Das gib uns, Herr Gott, zu Gute.
Kyrieleison.
Herr, durch deinen heiligen Leichnam,
Der von deiner Mutter Maria kam,
Und das heilige Blut
Hilf uns, Herr, aus aller Not.
Kyrieleison.
Der heilig Leichnam ist fur uns gegeben
Zum Tod, daß wir dardurch leben.
Nicht großer' Gute kunnt er uns geschenken,
Dabei wir sein solln gedenken.
Kyrieleison.
Herr, dein Lieb so groß dich zwungen hat,
Daß dein Blut an uns groß Wunder tat
Und bezahlt unser Schuld,
Daß uns Gott ist worden hold.
Kyrieleison.
Gott geb uns allen seiner Gnaden Segen,
Daß wir gehen auf seinen Wegen
In rechter Lieb und bruderlicher Treue,
Daß uns die Speis' nicht gereue.
Kyrieleison.
Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß,
Der uns geb' zu halten rechte Maß,
Daß dein arm Christenheit
Leb in Fried und Einigkeit.
Kyrieleison.
Der Lobsang: Mitten wir im Leben sind.
Mitten wir im Leben sind
Mit dem Tod umfangen.
Wen suchen wir, der Hulfe tu,
Daß wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine;
Uns reuet unser Missetat,
Die dich, Herr, erzurnet hat.
Heiliger Herre Gott,
Heiliger starker Gott,
Heiliger barmherziger Heiland,
Du ewiger Gott,
Laß uns nicht versinken
In des bittern Todes Not.
Kyrieleison.
Mitten in dem Tod anficht
Uns der Hellen Rachen.
Wer will uns aus solcher Not
Frei und ledig machen?
Das tust du, Herr, alleine.
Es jammert dein Barmherzigkeit
Unser Klag und großes Leid.
Heiliger Herre Gott,
Heiliger starker Gott,
Heiliger barmherziger Heiland,
Du ewiger Gott,
Laß uns nicht verzagen
Fur der tiefen Hellen Glut.
Kyrieleison.
Mitten in der Hellen Angst
Unser' Sund' uns treiben.
Wo solln wir denn fliehen hin,
Da wir mugen bleiben?
Zu dir, Herr Christ, alleine.
Vergossen ist dein teures Blut,
Das gnug fur die Sunden tut.
Heiliger Herre Gott,
Heiliger starker Gott,
Heiliger barmherziger Heiland,
Du ewiger Gott,
Laß uns nicht entfallen
Von des rechten Glaubens Trost.
Kyrieleison.
Die zehen Gebot Gottes, auf den Ton: In Gottes Namen fahren wir.
Dies sind die heilgen zehn Gebot,
Die uns gab unser Herre Gott
Durch Mosen, seinen Diener treu,
Hoch auf dem Berg Sinai.
Kyrioleis.
Ich bin allein dein Gott, der Herr,
Kein Götter sollt du haben mehr,
Du sollt mir ganz vertrauen dich,
Von Herzengrund lieben mich.
Kyrioleis.
Du sollt nicht fuhren zu Unehr'n
Den Namen Gottes, deines Herrn,
Du sollt nicht preisen recht noch gut,
Ohn was Gott selbs red't und tut.
Kyrioleis.
Du sollt heilgen den siebent' Tag,
Daß du und dein Haus rugen mag,
Du sollt von deim Tun lassen ab,
Daß Gott sein Werk in dir hab.
Kyrioleis.
Du sollt ehrn und gehorsam sein
Dem Vater und der Mutter dein,
Und wo dein Hand ihn'n dienen kann,
So wirst du langs Leben han.
Kyrioleis.
Du sollt nicht toten zorniglich,
Nicht hassen, noch selbs rächen dich,
Geduld haben und sanften Mut
Und auch dem Feind tun das Gut'.
Kyrioleis.
Deine Ehe solltu bewahren rein,
Daß auch dein Herz kein ander mein',
Und halten keusch das Leben dein
Mit Zucht und Mäßigkeit fein.
Kyrioleis.
Du sollt nicht stehlen Geld noch Gut,
Nicht 'wuchern jemands Schweiß und Blut,
Du sollt auftun dein milde Hand
Den Armen in deinem Land.
Kyrioleis.
Du sollt kein falscher Zeuge sein,
Nicht lügen auf den Nähsten dein,
Sein Unschuld sollt auch retten du
Und seine Schand decken zu.
Kyrioleis.
Du sollt deins Nähsten Weib und Haus
Begehren nicht, noch etwas draus,
Du sollt ihm wundschen alles gut,
Wie dir dein Herz selber tut.
Kyrioleis.
Die Gebot all uns geben sind,
Daß du dein Sund, o Menschenkind,
Erkennen sollt und lernen wohl,
Wie man vur Gott leben soll,
Kyrioleis.
Das helf uns der Herr Jesu Christ,
Der unser Mittler worden ist,
Es ist mit unserm Tun verlorn,
Verdienen doch eitel Zorn.
Kyrioleis.
Die zehen Gebot, aufs kürzeste.
Mensch, willtu leben seliglich
Und bei Gott bleiben ewiglich,
Solltu halten die zehn Gebot,
Die uns gebeut unser Gott.
Kyrioleis.
Dein Gott allein und Herr bin ich,
Kein ander Gott soll irren dich,
Trauen soll mir das Herze dein,
Mein eigen Reich sollt du sein.
Kyrioleis.
Du sollt mein'n Namen ehren schon
Und in der Not mich rufen an,
Du sollt heilgen den Sabbattag,
Daß ich in dir wirken mag.
Kyrioleis.
Dem Vater und der Mutter dein
Solltu nach mir gehorsam sein,
Niemand toten, noch zornig sein
Und deine Ehe halten rein.
Kyrioleis.
Du sollt eim andern stehlen nicht,
Auf niemand Falsches zeugen icht,
Deines Nähsten Weib nicht begern
Und all seines Guts gern embehrn.
Kyrioleis.
Das deutsche Patrem.
Wir gläuben all an einen Gott,
Schepfer Himmels und der Erden,
Der sich zum Vater geben hat,
Daß wir seine Kinder werden.
Er will uns allzeit ernähren,
Leib und Seel auch wohl bewahren,
Allem Unfall will er wehren,
Kein Leid soll uns widerfahren.
Er sorget fur uns, hüt't und wacht,
Es steht alles in seiner Macht.
Wir gläuben auch an Jesum Christ,
Seinen Sohn und unsern Herren,
Der ewig bei dem Vater ist,
Gleicher Gott von Macht und Ehren.
Von Maria der Jungfrauen
Ist ein wahrer Mensch geboren
Durch den heiligen Geist im Glauben,
Für uns, die wir warn verloren,
Am Kreuz gestorben und vom Tod
Wieder auferstanden durch Gott.
Wir gläuben an den heilgen Geist,
Gott mit Vater und dem Sohne,
Der aller Blöden Tröster heißt
Und mit Gaben zieret schone,
Die ganz Christenheit auf Erden
Hält in einem Sinn gar eben,
Hie all Sund' vergeben werden,
Das Fleisch soll auch wieder leben.
Nach diesem Elend ist bereit't
Uns ein Leben in Ewigkeit.
Gott der Vater wohn' uns bei.
Gott der Vater wohn' uns bei
Und laß uns nicht verderben,
Mach uns aller Sunden frei
Und helf uns selig sterben.
Für dem Teufel uns bewahr,
Halt uns bei festem Glauben,
Und auf dich laß uns bauen,
Aus Herzen Grund vertrauen,
Dir uns lassen ganz und gar
Mit allen rechten Christen
Entfliehen Teufels Listen,
Mit Waffen Gotts uns fristen
Amen, amen, das sei wahr,
So singen wir Alleluja.
Jesus Christus, wohn' uns bei .....
Heilig Geist, der wohn' uns bei .....
Der Lobgesang Simeonis: Nunc dimittis.
Mit Fried und Freud ich fahr dohin
In Gotts Wille,
Getrost ist mir mein Herz und Sinn,
Sanft und stille.
Wie Gott mir verheißen hat:
Der Tod ist mein Schlaf worden.
Das macht Christus, wahr'r Gottes Sohn,
Der treu Heiland,
Den du mich, Herr, hast sehen lon
Und g'macht bekannt,
Daß er sei das Leben mein
Und Heil in Not und Sterben.
Den hast du allen vurgestellt
Mit groß Gnaden,
Zu seinem Reich die ganze Welt
Heißen laden,
Durch dein teur heilsams Wort,
An allem Ort erschollen.
Er ist das hell und selig Licht
Fur die Heiden,
Zu 'rleuchten, die dich kennen nicht,
Und zu weiden.
Er ist deins Volks Israel
Der Preis, Ehr, Freud und Wonne.
Das deutsche Sanctus.
Jesaia dem Propheten das geschach,
Daß er im Geist den Herren sitzen sach
Auf einem hohen Thron in hellem Glanz,
Seines Kleides Saum den Chor fullet ganz.
Es stunden zween Seraph bei ihm daran,
Sechs Flugel sach er einen idern han.
Mit zwen verbargen sie ihr Antlitz klar,
Mit zwen bedeckten sie die Fuße gar,
Und mit den andern zwen sie flogen frei,
Gen ander rufen sie mit großem Schrei:
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Sein Ehr die ganze Welt erfullet hat!
Von dem Schrei zittert Schwell und Balken gar,
Das Haus auch ganz voll Rauchs und Nebel war.
Te Deum laudamus.
Herr Gott, dich loben wir,
Herr Gott, wir danken dir.
Dich, Vater in Ewigkeit,
Ehrt die Welt weit und breit.
All Engel und Himmelsheer
Und was dienet deiner Ehr,
Auch Cherubin und Seraphin
Singet immer mit hoher Stimm:
Heilig ist unser Gott,
Heilig ist unser Gott,
Heilig ist unser Gott,
Der Herre Zebaoth.
Dein göttlich Macht und Herrlichkeit
Gehet uber Himmel und Erden weit.
Der heiligen Zwelfboten Zahl
Und die lieben Propheten all,
Die teuren Martrer allzumal
Loben dich, Herr, mit großem Schall.
Die ganze werte Christenheit
Ruhmt dich auf Erden alle Zeit,
Dich, Gott Vater im höchsten Thron,
Deinen rechten und einigen Sohn,
Den heiligen Geist und Tröster wert
Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt.
Du König der Ehren, Jesu Christ,
Gott Vaters ewiger Sohn du bist;
Der Jungfrau Leib nicht hast verschmecht,
Zu 'rlösen das menschlich Geschlecht.
Du hast dem Tod zerstört sein Macht
Und all Christen zum Himmel 'bracht.
Du sitzt zur Rechten Gottes gleich
Mit aller Ehr ins Vaters Reich.
Ein Richter du zukunftig bist
Alles, das tot und lebend ist.
Nu hilf uns, Herr, den Dienern dein,
Die mit deim teurn Blut erlöset sein.
Laß uns im Himmel haben teil
Mit den Heiligen in ewigem Heil.
Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ,
Und segen', das dein Erbteil ist,
Wart und pfleg ihr zu aller Zeit
Und heb sie hoch in Ewigkeit.
Täglich, Herr Gott, wir loben dich
Und ehrn dein Namen stetiglich.
Behüt uns Gott, o treuer Gott,
Für aller Sund und Missetat.
Sei uns gnedig, o Herre Gott,
Sei uns gnedig in aller Not.
Zeig uns deine Barmherzigkeit,
Wie unser Hoffen zu dir steht.
Auf dich hoffen wir, lieber Herr,
In Schanden laß uns nimmermehr.
Amen.
Der 46. Psalm: Deus noster refugium et virtus.
Ein feste Burg ist unser Gott,
Ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
Die uns itzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
Mit Ernst ers itzt meint,
Groß Macht und viel List
Sein grausam Rüstung ist,
Auf Erd ist nicht seins gleichen.
Mit unser Macht ist nichts getan,
Wir sind gar bald verloren.
Es streit für uns der rechte Mann,
Den Gott hat selbs erkoren.
Fragst du, wer der ist,
Er heißt Jesu Christ,
Der Herr Zebaoth
Und ist kein ander Gott,
Das Feld muß er behalten.
Und wenn die Welt voll Teufel wär
Und wollt uns gar verschlingen,
So fürchten wir uns nicht zu sehr,
Es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
Wie saur er sich stellt,
Tut er uns doch nicht,
Das macht, er ist gericht,
Ein Wörtlin kann ihn fällen.
Das Wort sie sollen lassen stahn
Und kein Dank dazu haben.
Er ist bei uns wohl auf dem Plan
Mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib
Gut, Ehr, Kind und Weib:
Laß fahren dahin,
Sie habens kein Gewinn,
Das Reich muß uns doch bleiben.
Da pacem Domine, Deutsch.
Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist ja doch kein ander nicht,
Der für uns künnte streiten,
Denn du, unser Gott, alleine.
Gott, gib Fried in deinem Lande,
Glück und Heil zu allem Stande.
Herr Gott, himmlischer Vater, der du heiligen Mut, guten Rat und
rechte Werke schaffest, gib deinen Dienern Friede, welchen die
Welt nicht kann geben, auf daß unsere Herzen an deinen Geboten
hangen und wir unser Zeit durch deinen Schutz stille und sicher
fur Feinden leben durch Jesu Christ, deinen Sohn, unsern Herren.
Amen.
Ein Kinderlied auf die Weihnacht Christi.
Vom Himmel hoch da komm ich her,
Ich bring euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich singen und sagen will.
Euch ist ein Kindlein heut geborn
Von einer Jungfrau auserkorn,
Ein Kindelein so zart und fein,
Das soll eur Freud und Wonne sein.
Er ist der Herr Christ, unser Gott,
Der will euch führn aus aller Not,
Er will eur Heiland selber sein,
Von allen Sunden machen rein.
Er bringt euch alle Seligkeit,
Die Gott der Vater hat bereit't,
Daß ihr mit uns im Himmelreich
Sollt leben nu und ewiglich.
So merket nu das Zeichen recht,
Die Krippen, Windelin so schlecht,
Da findet ihr das Kind gelegt,
Das alle Welt erhält und trägt.
Des laßt uns alle fröhlich sein
Und mit den Hirten gehn hinein,
Zu sehn, was Gott uns hat beschert
Mit seinem lieben Sohn verehrt.
Merk auf, mein Herz, und sieh dort hin,
Was liegt doch in dem Krippelin,
Wes ist das schöne Kindelin?
Es ist das liebe Jesulin.
Bis willekomm, du edler Gast,
Den Sunder nicht verschmähet hast,
Und kommst ins Elend her zu mir,
Wie soll ich immer danken dir?
Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,
Wie bist du worden so gering,
Daß du da liegst auf dürrem Gras,
Davon ein Rind und Esel aß.
Und wär die Welt viel mal so weit,
Von Edelstein und Gold bereit't,
So wär sie doch dir viel zu klein,
Zu sein ein enges Wiegelein.
Der Sammet und die Seiden dein,
Das ist grob Heu und Windelein,
Darauf du, König so groß und reich,
Her prangst, als wärs dein Himmelreich.
Das hat also gefallen dir,
Die Wahrheit anzuzeigen mir,
Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
Für die nichts gilt, nichts hilft noch tut.
Ach mein herzliebes Jesulin,
Mach dir ein rein, sanft Bettelin,
Zu rugen in meins Herzen Schrein,
Daß ich nimmer vergesse dein.
Davon ich allzeit fröhlich sei,
Zu springen, singen immer frei
Das rechte Susaninne schon
Mit Herzenlust den süßen Ton.
Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
Der uns schenkt seinen ein'gen Sohn,
Des freuen sich der Engel Schar'
Und singen uns solch neues Jahr.
Ein Lied von der heiligen christlichen Kirchen, aus dem 12. Kapitel Apokalypsis.
Sie ist mir lieb, die werte Magd,
Und kann ihr nicht vergessen.
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt,
Sie hat mein Herz besessen.
Ich bin ihr hold,
Und wenn ich sollt
Groß Unglück han,
Da liegt nicht an:
Sie will mich des ergetzen
Mit ihrer Lieb und Treu an mir,
Die sie zu mir will setzen
Und tun all mein Begier.
Sie tregt von Gold so rein ein Kron,
Da leuchten in zwelf Sterne,
Ihr Kleid ist wie die Sonne schon,
Das glänzet hell und ferne.
Und auf dem Mon
Ihr Füße ston,
Sie ist die Braut,
Dem Herrn vertraut.
Ihr ist weh und muß gebären
Ein schönes Kind, den edlen Sohn,
Und aller Welt ein Herren,
Dem ist sie unterton.
Das tut dem alten Drachen Zorn,
Und will das Kind verschlingen.
Sein Toben ist doch ganz verlorn,
Es kann ihm nicht gelingen.
Das Kind ist doch
Gen Himmel hoch
Genommen hin
Und lasset ihn
Auf Erden fast sehr wüten.
Die Mutter muß gar sein allein,
Doch will sie Gott behüten
Und der recht Vater sein.
Gloria in excelsis deo.
All Ehr und Lob soll Gottes sein,
Er ist und heißt der Höchst allein,
Sein Zorn auf Erden hab ein End,
Sein Fried und Gnad sich zu uns wend.
Den Menschen das gefalle wohl,
Dafür man herzlich danken soll.
Ach lieber Gott, dich loben wir
Und preisen dich mit ganzer Gier.
Auch kniend wir anbeten dich,
Dein Ehr wir rühmen stetiglich.
Wir danken dir zu aller Zeit
Um deine große Herrlichkeit.
Herr Gott im Himmel, Kön'g du bist,
Ein Vater, der allmächtig ist.
Du, Gottes Sohn, vom Vater bist
Einig geborn Herr Jesu Christ.
Herr Gott, du zartes Gotteslamm
Ein Sohn aus Gott, des Vaters Stamm,
Der du der Welt Sund trägst allein,
Wollst uns gnädig, barmherzig sein;
Der du der Welt Sund trägst allein,
Laß dir unser Bitt g'fällig sein.
Der du gleich sitzst dem Vater dein,
Wollst uns gnädig barmherzig sein.
Du bist und bleibst heilig allein,
Uber alles der Herr allein.
Der Allerhöchst allein du bist,
Du lieber Heiland Jesu Christ,
Samt dem Vater und heilgem Geist
In göttlicher Majestät gleich.
Amen, das ist gewißlich wahr,
Das bekennt aller Engel Schar
Und alle Welt so weit und breit
Von Anfang bis in Ewigkeit. Amen.
Das Vaterunser, kurz ausgelegt und in Gesangsweise gebracht.
Vater unser im Himmelreich,
Der du uns alle heißest gleich
Brüder sein und dich rufen an
Und willt das Beten von uns han:
Gib, daß nicht bet' allein der Mund,
Hilf, daß es geh von Herzen Grund.
Geheiliget werd der Name dein,
Dein Wort bei uns hilf halten rein,
Daß auch wir leben heiliglich
Nach deinem Namen wirdiglich.
Behüt uns, Herr, für falscher Lehr,
Das arm verführet Volk bekehr.
Es komm dein Reich zu dieser Zeit
Und dort hernach in Ewigkeit.
Der heilig Geist uns wohne bei
Mit seinen Gaben mancherlei.
Des Satans Zorn und groß Gewalt
Zerbrich; für ihm dein Kirch erhalt.
Dein Will gescheh, Herr Gott, zu gleich
Auf Erden wie im Himmelreich.
Gib uns Geduld in Leidenszeit,
Gehorsam sein in Lieb und Leid.
Wehr' und steur' allem Fleisch und Blut,
Das wider deinen Willen tut.
Gib uns heut unser täglich Brot
Und was man darf zur Leibesnot.
Behüt uns, Herr, für Unfried und Streit,
Für Seuchen und für teurer Zeit,
Daß wir in gutem Frieden stehn,
Der Sorg und Geizens müßig gehn.
All unser Schuld vergib uns, Herr,
Daß sie uns nicht betrüben mehr,
Wie wir auch unsern Schüldigern
Ihr Schuld und Feil vergeben gern.
Zu dienen mach uns all bereit
In rechter Lieb und Einigkeit.
Führ uns, Herr, in Versuchung nicht,
Wenn uns der böse Geist anficht.
Zur linken und zur rechten Hand
Hilf uns tun starken Widerstand,
Im Glauben fest und wohlgerüst
Und durch des heilgen Geistes Trost.
Von allem Ubel uns erlös,
Es sind die Zeit und Tage bös,
Erlös uns vom ewigen Tod
Und tröst uns in der letzten Not.
Bescher uns auch ein seligs End,
Nimm unser Seel in deine Händ.
Amen, das ist: es werde wahr!
Stärk unsern Glauben immerdar,
Auf daß wir ja nicht zweifeln dran,
Daß wir hiemit gebeten han
Auf dein Wort in dem Namen dein,
So sprechen wir das Amen fein.
Der Hymnus: Hostis Herodes, in Ton: A solis ortus.
Was furchst du, Feind Herodes, sehr,
Daß uns geborn kommt Christ der Herr?
Er sucht kein sterblich Königreich,
Der zu uns bringt sein Himmelreich.
Dem Stern die Weisen folgen nach,
Solch Licht zum rechten Licht sie bracht;
Sie zeigen mit den Gaben drei,
Dies Kind Gott, Mensch und König sei.
Die Tauf im Jordan an sich nahm
Das himmelische Gotteslamm,
Dadurch der nie kein Sünde tat,
Von Sünden uns gewaschen hat.
Ein Wunderwerk da neu geschach,
Sechs steinern Krüge man da sach
Voll Wassers, das verlor sein Art,
Roter Wein durch sein Wort draus ward.
Lob, Ehr und Dank sei dir gesagt,
Christ, geborn von der reinen Magd,
Mit Vater und dem heilgen Geist
Von nu an bis in Ewigkeit. Amen.
Ein geistlich Lied von unser heiligen Taufe
darin fein kurz gefasset: Was sie sei? wer sie gestiftet habe? was
sie nütze? usw.
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von St. Johann's die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zu 'rfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sunden,
Ersäufen auch den bittern Tod
Durch sein selbs Blut und Wunden,
Es galt ein neues Leben.
So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbs die Taufe,
Und was ein Christen gläuben soll,
Zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, das Wasser sei
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heiligs Wort ist auch dabei
Mit reichem Geist ohn maßen.
Der ist allhie der Taufer.
Sölchs hat er uns beweiset klar
Mit Bilden und mit Worten;
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbs am Jordan horte.
Er sprach: Das ist mein lieber Sohn,
An dem ich hab Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinem Lehren.
Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit.
Der heilig Geist 'ernieder fährt,
In Taubenbild verkleidet.
Daß wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden,
All drei Person' getaufet han,
Da mit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.
Sein' Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin, all Welt zu lehren,
Daß sie verlorn in Sünden ist,
Sich soll zur Buße kehren.
Wer gläubet und sich täufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben.
Wer nicht gläubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden
Und ist verdammt zum ewigen Tod
Tief in der Hellen Grunde.
Nichts hilft sein eigen Heiligkeit,
All sein Tun ist verloren,
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbs nichts helfen.
Das Aug allein das Wasser sieht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi.
Und ist für ihm ein rote Flut,
Von Christus' Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut,
Von Adam her geerbet,
Auch von uns selbs begangen.
Hymnus: O Lux beata, verdeutscht.
Der du bist drei in Einigkeit,
Ein wahrer Gott von Ewigkeit,
Die Sonn mit dem Tag von uns weicht:
Laß leuchten uns dein göttlich Licht.
Des Morgens, Gott, dich loben wir,
Des Abends auch beten für dir,
Unser armes Lied ruhmet dich
Itzund immer und ewiglich.
Gott Vater, dem sei ewig Ehr,
Gott Sohn, der ist der einig Herr,
Und dem Tröster heiligen Geist
Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.
Ein ander Christlied.
Von Himmel kam der Engel Schar,
Erschien den Hirten offenbar,
Sie sagten ihn'n: Ein Kindlein zart,
Das liegt dort in der Krippen hart
Zu Bethlehem in Davids Stadt,
Wie Micha das verkündet hat.
Es ist der Herre Jesus Christ,
Der euer aller Heiland ist.
Des sollt ihr billig fröhlich sein,
Daß Gott mit euch ist worden ein,
Er ist geborn eu'r Fleisch und Blut,
Eu'r Bruder ist das ewig Gut.
Was kann euch tun die Sünd und Tod,
Ihr habt mit euch den wahren Gott.
Laßt zürnen Teufel und die Hell,
Gotts Sohn ist worden eu'r Gesell.
Er will und kann euch lassen nicht,
Setzt ihr auf ihn eu'r Zuversicht;
Es mögen euch viel fechten an,
Dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.
Zuletzt müßt ihr doch haben Recht,
Ihr seid nu worden Gotts Geschlecht,
Des danket Gott in Ewigkeit,
Geduldig, fröhlich allezeit. Amen.
Ein Kinderlied,
zu singen wider die zween Erzfeinde Christi und seiner heiligen
Kirchen, den Papst und Türken.
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort
Und steur' des Papsts und Türken Mord,
Die Jesum Christum, deinen Sohn,
Wollten stürzen von deinem Thron.
Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,
Der du Herr aller Herren bist,
Beschirm dein arme Christenheit,
Daß sie dich lob in Ewigkeit.
Gott heilger Geist, du Tröster wert,
Gib deim Volk ein'rlei Sinn auf Erd,
Steh bei uns in der letzten Not,
G'leit uns ins Leben aus dem Tod.
Nachwort
Der vorliegende Neudruck der geistlichen Lieder Luthers
beruht vornehmlich auf dem dritten Band von Wackernagels
großer Sammlung. Doch sind alle späteren kritischen
Ausgaben der Luthergesänge (Goedeke, Zelle, Leitzmann,
Klippgen) zum Vergleich herangezogen worden. Die Reihenfolge
der Lieder, die annähernd chronologisch sein möchte,
entspricht gleichfalls im ganzen der von Wackernagel aufgestellten
Ordnung. Einige Verschiebungen waren dadurch
bedingt, daß inhaltlich zusammengehörige Lieder aus den
Jahren 1523 bzw. 1524 (Psalmen, Weihnachtsgesänge,
Pfingstlieder u. a.) zu je einer Gruppe vereinigt worden sind.
Aus dem Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der chronologischen
Ordnung und der Wackernagelschen Reihenfolge
ergibt sich schon, daß der Herausgeber — was hier nur kurz
und ohne Begründung angedeutet sei — sich nicht dazu entschließen
konnte, der von Friedrich Spitta vertretenen Hypothese
über die Entstehungszeit der Lutherschen Lieder (»Ein
feste Burg ist unser Gott«, Göttingen 1905) zu folgen. So
bewunderungswürdig im einzelnen Spittas Scharfsinn sich
bewährt, so führt er doch im ganzen zweifellos in die Irre.
Der Herausgeber hält nach wie vor an der altüberlieferten
Anschauung fest, daß der Reformator, einerseits durch das
praktische Bedürfnis des neugestalteten Gottesdienstes gedrängt
und andernteils durch die ersten blutigen Zeugen des
Evangeliums innerlich aufs tiefste bewegt, erst in seinen
Mannesjahren zum Dichter (im engeren Sinne) geworden
ist, wenn dieser Schritt natürlich auch durch die mannigfaltigsten
Lebenserfahrungen und ihren bleibenden Eindruck
auf das Gemüt Luthers und im besonderen durch die Arbeit
an dem Psalmenkolleg und der Psalmenverdeutschung, der
sich der Wittenberger Professor immer wieder mit immer
neuer Liebe unterzogen hatte, längst vorbereitet war.
Das erste Gedicht des Reformators, das von den zween
Märtyrern, ist im leicht erzählenden Balladenton des Landsknechtslieds,
offenbar unter Zugrundlegung einer sangbaren
Volksmelodie, geschaffen worden. Dagegen trägt das zweite
Lied »Nu freut euch, lieben Christen gmein« rein lyrischen
Charakter und bildet ein höchst persönliches freudiges Bekenntnis
zu dem Satz von der Gerechtigkeit des Christen allein
durch den Glauben. Dann aber lenkt der Dichter, dem der
Gemeindegesang als erstrebenswertes Ziel vor Augen steht,
in den Ton des echten evangelischen Kirchenlieds ein, das ja
— trotz Spittas gegenteiliger Behauptung — nicht die Gefühle
des einzelnen zum Ausdruck bringen will, sondern das,
was die Gemeinde als solche erfüllt und bewegt. »Seine
persönlichen Sorgen und Anfechtungen, seine privaten Leiden
und Freuden behält Luther seinem Kämmerlein vor. Wenn
er Kirchenlieder dichtet, fühlt er sich unter den weiten Bogen
und Hallen der Kirche und auf einer Bank mit der Gemeinde.
Er singt nur das, was alle seine Brüder mit ihm bewegt und
was der Geringste wie der Größte mit ihm singen können.
Die Persönlichkeit des Dichters verschwindet hinter der großen
Schar, deren Gesamtüberzeugung er bekennt.« (Hausrath II,
156.) Für Dichtungen solchen Charakters aber bieten die von
Luther über alles geliebten Psalmen die gegebenen Grundlagen,
und so entsteht vom Herbst 1523 ab eine ganze Anzahl von mehr
oder weniger selbständig ausgestalteten Psalmparaphrasen, angefangen
von der warmherzigen Klage und Bitte: »Ach Gott
vom Himmel sieh darein« bis hin zum eisengepanzerten,
siegesgewissen Schutz- und Trutzlied von der festen Burg,
der gewaltigsten Dichtergabe des Reformators. Des weiteren
aber sucht Luther jene Zeugnisse alter kindlicher Gläubigkeit
und Bekennerfreude, wie sie in so mancher lateinischen Hymne
überliefert waren, für den evangelischen Gottesdienst umzumünzen,
und so bearbeitet er bald in freierer Weise, bald im
engen, fast ängstlichen Anschluß an das Original die alten
Weihnachts-, Pfingst- und Osterlieder und andere Gesänge,
die ihm für seine Zwecke geeignet erschienen (vgl. S. 21,
22, 26, 27, 31, 36, 37: Gott der Vater wohn' uns bei; 39,
42: Verleih uns Frieden; 46, 49, 50, 52), oder er gestaltet
ein lateinisches Abendmahlslied, das dem Johannes Hus zugeschrieben
wird, um (vgl. S. 29), wobei es ihm — was
überdies von allen seinen dichterischen Paraphrasen gilt —
wohl auf Bewahrung des Sinnes ankommt, während er in
bezug auf die sprachliche Form sich jede Freiheit nimmt, nur
darauf achtend, daß ungewohnte Ausdrücke vermieden werden;
denn das Volk wolle, wie er selbst einmal an Spalatin schreibt,
einfache und gebräuchliche Worte singen, die seinem Fassungsvermögen
gemäß seien. Daß Luther sich zu seinen poetischen
Schöpfungen auch durch ältere deutsche Lieder hat anregen
lassen, die ihrerseits wiederum wenigstens zum Teil auf noch
ältere lateinische Vorlagen zurückgehen mochten, ist nicht verwunderlich
(vgl. S. 20, 24: Christ lag in Todesbanden; 28,
30, 42), und gerade diese oft nur durch eine einzige altüberlieferte
Strophe, gewöhnlich die Anfangsstrophe, angeregten
Lieder gehören zu den köstlichsten Erzeugnissen des Lutherschen
Genius, mag er nun den heiligen Geist um den rechten
Glauben bitten, oder mag er Gott loben und benedeien, weil
er seinen Leib und sein Blut im Abendmahl uns gegeben,
mag er sein Halleluja über den Auferstandenen hinausjubeln
oder den menschgewordenen Heiland kindlich verehren,
oder mag er endlich im innigsten und liebsten aller seiner
Lieder die Geburt des Herrn durch den Engel verkünden
lassen. — Schließlich bot Luther auch die oder jene biblische Erzählung
oder irgendeine andere Stelle der Heiligen Schrift
Veranlassung zu dichterischer Neugestaltung (vgl. S. 24, 37,
38, 53; 44). Ausgesprochen dem Bedürfnis der heranwachsenden
evangelischen Jugend aber dienen die Umschreibungen
der Gebote (S. 33, 35) und des Vaterunsers (S. 47); das
Trutzlied wider den Papst und den Türken aber mag rein
aus dem Bedürfnis der Zeit ohne besondere Vorlage entstanden
sein.
Die ersten Lieder des Reformators waren als lose Blätter
hinausgeflattert in die Länder deutscher Zunge und hatten
auch bei den deutschen Stämmen, die in anderen Dialekten
zu schreiben, zu reden und zu singen gewöhnt waren als der
mitteldeutsche Dichter und die sich seine Ausdrucksweise oft
erst in ihre Sprache umsetzen mußten, den tiefsten Eindruck
gemacht, so daß bald allerorten die frischen und frohen Jubeltöne
der Wittenbergisch Nachtigall siegreich erschollen. Kein
Wunder, daß sich die buchhändlerische Spekulation bald um
die Sammlung der zerstreuten Einzeldrucke bemühte, die denn
auch im sogenannten Achtliederbuch bald (Anfang 1524) zustande
kam, das neben drei Gesängen von Paul Speratus
und einem Gedicht eines unbekannten Poeten vier Luthersche
Lieder enthielt. Luther selbst war an der Herausgabe des
Wittenberger Chorgesangbuchs von 1524 beteiligt, das man
gemeiniglich nach dem Namen des kurfürstlichen Kapellmeisters
Johann Walther benennt und das manche Forscher an
den Anfang der ganzen Reihe stellen möchten. Es enthält
unter 32 Nummern 24 Gesänge Luthers. Die beiden Erfurter
Enchiridien des gleichen Jahres 1524 scheinen ohne Luthers
Mitwirkung entstanden zu sein, auch die des Justus Jonas,
der des öfteren als Redaktor genannt wird, könnte nach
neueren Funden in Zweifel gezogen werden. — In den Jahren
1526, 1529, 1536 und öfter kamen dann bei wechselnden
Verlegern weitere Ausgaben des evangelischen Gesangbuchs
heraus, die uns leider zum Teil nicht erhalten sind. Das letzte
Liederbuch für die evangelische Kirche, an dem Luther selbst
noch mitwirkte, erschien 1545 und ist in Leipzig durch Valentin
Babst gedruckt worden.
Man hat wiederholt die Meinung geäußert, daß die dichterische
Tätigkeit im Leben unseres Reformators nur eine zwar mit
vollster Energie einsetzende, aber ebenso schnell vorübergehende
Episode bedeute. Das ist im ganzen sicher richtig, denn Luther,
der vorher der Dichtkunst nur als wohlwollender Freund, als
genießender Liebhaber gegenübergestanden und kaum jemals
daran gedacht hatte, sie selbst auszuüben, konnte 1523/24
im Zeitraum etwa eines Jahres eine überraschend reiche Ernte
religiöser Lyrik einheimsen, während er in den ihm dann noch
beschiedenen 22 Lebensjahren nur noch selten einmal in die
Saiten der Leier gegriffen hat, wobei vielleicht die direkte
Aufforderung der Verleger oder Herausgeber bei Gelegenheit
von Neuauflagen der Gesangbücher wenigstens den äußeren
Anstoß gegeben haben mochte. Diese Tatsache der auffallend
reichen und raschen Produktion im »Liederjahr« erklären wir
uns aus dem schon eingangs angedeuteten Umstand, daß die
überaus starke, den ganzen Mann erschütternde Erregung
über den Tod der beiden jungen Augustinermönche in den
Niederlanden einen anderen sprachlichen Ausdruck suchte, als
er von Luther bisher angewendet worden war. Um wieviel
wirksamer mußte ein Lied, das vom Märtyrertod der glaubensstarken
Jünglinge erzählte und das allerorten gesungen werden
konnte, die gute Sache der Reformation in den breiten
Schichten des Volkes unterstützen, als es die temperamentvollste
prosaische Flugschrift je vermocht hätte. Dabei ist zu
betonen, daß dieses Vorgehen keineswegs das Ergebnis einer
bewußten Überlegung zu sein braucht, sondern daß es sehr
wohl aus reiner Intuition hervorgegangen sein kann. Nachdem
nun erst einmal die psychischen Hemmungen, die sich
im Bewußtsein des Doktor Martinus dem Gebrauch der
poetischen Formen entgegengestellt haben mochten, überwunden
waren, brach aus dem Innern des zum Sänger
werdenden Reformators mit elementarer Gewalt der überreiche
Schatz von Gedanken und Gefühlen hervor, der dort
seit Jahren blühte und nun erst im Liede den Ausdruck fand,
der seiner eigensten Art gemäß war. — Auch auf das oben
erwähnte Bedürfnis des Gottesdienstes sei in diesem Zusammenhang
als auf ein erklärendes Moment noch einmal
hingewiesen und ebenso auf die Tatsache, daß die Freunde,
an die Luther sich dieserhalb wendete, ihn entweder ganz im
Stiche ließen, wie Spalatin oder der Hofmarschall Dolzig,
oder doch seinen Erwartungen nur in sehr ungenügender
Weise entsprachen, wie etwa Justus Jonas. Da sprang, resolut
wie er war und vom stärksten Willen bewegt, der große
Mann selbst in die Bresche und bewies seinem Volk, wie zart
und innig das religiöse Empfinden, wie felsenfest und unerschütterlich
das fröhliche Gottvertrauen des Mannes war,
den es bisher nur als Theologen und Prediger, als Gelehrten
und Publizisten kennen gelernt hatte. — Die Stilungleichheit,
die von manchen Forschern an den Gedichten hervorgehoben
wird, welche wir in das »Liederjahr« verlegen, und
die man als Beweis gegen die Richtigkeit dieser Datierung
verwendet, erklärt sich zur Genüge aus dem wechselnden Verhältnis
der Lieder Luthers zu ihren Vorlagen und aus dem
Charakter dieser Vorlagen selbst, der ja oft genug noch durch
die Gestalt hindurchschimmert, die Luther ihnen gegeben
hat.
Die schon oben mit berührte Tatsache aber, daß die Dichterperiode
Luthers ebenso rasch vorübergegangen ist, als sie gekommen,
wird nur dem verwunderlich erscheinen, der über der
Beschäftigung mit dem Poeten Luther den Blick auf das
Ganze seiner Persönlichkeit und seines Werkes verliert. Der
Reformator war eben kein Dichter von Berufs wegen, wenn
man so sagen darf, wie Goethe oder wie die aus äußeren Gründen
des öfteren mit Luther in Parallele gesetzten Conrad Ferdinand
Meyer und Fritz Reuter, die bei aller Vielseitigkeit ihrer
Interessen zuletzt doch in der Gestaltung von dichterischen
Kunstwerken ihre eigentliche Lebensaufgabe erblickten. Luther
war — im direkten Gegensatz zu solchen Männern — keineswegs
das unabweisbare Bedürfnis eingeboren, das in Rhythmus
und Reim oder sonstige künstlerische Ausdruckform einzukleiden,
was ihn persönlich bewegte; der innere unbedingte Zwang
zum dichterischen Gestalten des individuellen Erlebens fehlte
ihm und damit das, was den Dichter als solchen macht. — Wie
er dem Drama nur um deswillen das Wort redete, weil es
für die Jugend nützlich und gut sei, so erkannte er auch der
lyrischen Poesie keinen Selbstzweck zu, wie hätte er sonst gegen
das deutsche Volkslied, gegen »die Buhllieder und fleischlichen
Gesänge« eifern können. Sein Wirken stand nicht im Dienst
Apolls und der Musen, sondern in der Pflicht eines Höheren.
Ihm und der heiligen Kirche zu Ehren, die sein Reich auf
Erden herbeiführen helfen möchte, griff Luther zur Leier, und
als er seinen Zweck erfüllt und das begonnene Werk durch
würdige Nachfolger gesichert sah, legte er sie wieder beiseite.
Daß mit solcher Feststellung dem gewaltigen Mann das
starke, tiefinnerliche künstlerische Empfinden und die Kraft
der künstlerischen Gestaltung nicht abgesprochen wird, muß
wohl nicht erst betont werden. Die gehen natürlich nicht
vorüber als eine Episode, sie sind ein köstliches, unverlierbares
Gut, das den beglücken muß, der es besitzt. Und auch die
daraus sich ergebenden Folgen sind klar: beide, das künstlerische
Gefühl und die Fähigkeit, ihm im geeigneten Moment
Ausdruck zu geben, werden im ferneren Verlaufe des Lebens
je und je wieder einmal entbunden werden müssen, sei es
nun in Briefen, die aus dem Gebiet der sachlichen Erörterung
wissenschaftlicher oder sonstiger Fragen herausfallen, wie
die goldige Epistel an Hänsichen oder das Sendschreiben an
die Tischgenossen, beide aus den bedrängten Tagen stammend,
die Luther auf der Veste Coburg verlebte, sei es in
religiösen Liedern. Und gerade die Gedichte aus späterer Zeit
gehören zu Luthers tiefsten und schönsten Erzeugnissen. Es
ist, als ob im Gesang von der festen Burg, im Kinderlied
auf die Weihnacht Jesu Christi und in anderen jeweilig eine
Summe angesammelter künstlerischer Energie entladen
würde, die diesen Liedern die köstliche Frische und Unmittelbarkeit,
die warme Innigkeit und Gemütstiefe verleiht, die
alle Welt heut an ihnen rühmt.
Wenn so die schaffende Tätigkeit des Poeten im Leben des
Reformators tatsächlich nur eine Episode gebildet hat und
späterhin nur noch selten in Erscheinung getreten ist, so bedeutet
das schmale Bändchen, das die poetischen Werke Luthers
umschließt, doch für alle Deutschen einen kostbaren Schatz,
über dessen Wert kein Wort zu verlieren ist. Und schon deshalb
wird es willkommen sein, wenn die Inselbücherei, zu
deren vornehmsten Zielen die Wiedererweckung älterer deutscher
Werte gehört, Luthers Lieder ihren Reihen einverleibt.
In bezug auf die Textgestaltung der vorliegenden Ausgabe
sei noch kurz hervorgehoben, daß der Herausgeber sich für
berechtigt hielt, aus den Lesarten der verschiedenen Originaldrucke,
wie sie z. B. Wackernagel und Klippgen verzeichnen,
diejenigen auszuwählen und dem Wortlaut einzufügen, die
ihm für den hier verfolgten Zweck möglichst leichter Verständlichkeit
am angemessensten erschienen. Für die Orthographie
galt das in den Neudrucken des Inselverlags durchgängig
angewandte akustische Prinzip, doch mußte in Zweifelfällen
bequemes Verständnis wichtiger als das korrekte
Klangbild erscheinen. Folgende Änderungen sind u. a. vorgenommen:
S. 8, 3: leugnen < leuken. S. 10, 19: lügen
< liegen, 10, 25: herfur < erfur. S. 13, 9: Gsatz < Satz.
S. 21, 5 v. u.: blüht' < bluet, 21, 3 v. u.: blieb < bleib,
21, 2 v. u.: hervur < ervur. S. 22, 10: Führ' < Fuhr',
22, 17: g'ton < ton. S. 34, 14: lügen < liegen. S. 37, 3
v. u.: g'macht < macht. S. 38, 3: ganze < ganzen. S. 53, 3:
Erschien < Erschein. Der Apostroph am Anfang des Wortes
deutet auf ein ausgefallenes Praefix hin (be, ge, ver u. a.).
Folgende Erläuterungen sind vielleicht dem Laien willkommen:
S. 7: die beiden Augustinermönche Johannes Esche
und Heinrich Voes waren Anhänger der neuen Lehre und sind
am 1. Juli 1523 als erste Märtyrer der Reformation verbrannt
worden. S. 8, 4: täuben = taub machen (Weigand II.
1029), S. 8, 6: mit ihrer verlorenen d. h. unnützen Kunst und
Gelehrsamkeit, S. 9, 6: Man legte ihnen vor ..., S. 9, 8:
zeichten = zeichneten, S. 9, 9 v. u.: Schimpf = Scherz,
S. 9, 8 v. u.: schon = schön und so noch häufig, S. 9, 7 v.
u.: turn, von türren = sich getrauen, wagen (Weigand II.
1090), S. 9, 6 v. u.: fast = sehr, S. 10, 11: schmucken
= beschönigen. S. 11, 10 v. u.: treib = trieb. S. 11, 1 v.
u.: Er ließ es sich sein ... S. 13, 4 v. u.: schon = schön.
S. 13, 3 v. u.: Lahr = Lehre? Spitta schlägt für »Lahr«
die einleuchtende Konjektur »gar« vor. S. 14, 4 v. u.: daß es
sich nicht mit uns verflechte oder vermenge. S. 14, 1 v. u.:
erhaben = erhöht, part. praet. von mhd. erheben (Weigand I.
461). S. 15, 3: meinen = im liebenden Gedächtnis tragen.
S. 15, 6: zwar = in Wahrheit. S. 15, 11: Sie zu schauen,
entäußerte er sich seiner selbst. S. 15, 13: gerichtet d. h. aufs
gute. S. 15, 17: ausschritten = vom rechten Weg abgeirrt.
S. 15, 19: verlorene Sitten = schlechte Sitten. S. 15, 11
v. u.: Mut = pharisäisches Selbstbewußtsein. S. 15, 10
v. u.: müßt' = müsse. S. 16, 3: schmecht = schmäht. S. 16:
das Lied ist hier in der älteren fünfstrophigen Fassung abgedruckt.
S. 18, 2: uber alle = überall. S. 19, 8: angenehm
= wohlgefällig. S. 19, 8 v. u.: an uns setzen = uns angreifen.
S. 21, 5 v. u.: Und blühte als eine Frucht aus des
Weibes Fleisch. S. 22, 12: enthalt = vor der Sünde bewahre.
S. 22, 16: Schein = Glanz. S. 26, 12: Daß sie
früher deine Geschöpfe sind. S. 35, 5 v. u.: nicht = nichts.
S. 35, 4 v. u.: gegen niemand etwas Falsches zeugen. S. 36, 8
v. u: Blöden = Furchtsamen, Verzagten. S. 37, 10: lassen
= überlassen. S. 44, 15: Susaninne, wahrscheinlich der Refrain
eines alten Wiegenlieds. S. 44, 4 v. u.: besessen = in
Besitz genommen. S. 45, 12 v. u.: tut = verursacht. S. 47,
7 v. u.: für ihm = gegen ihn. S. 50, 13 v. u.: schlecht = einfaches.
S. 51, 9: ergeben = entschlossen.
C. H.
Inhalt
| Luthers Vorrede zum Waltherschen Chorgesangbüchlein 1524 |
3 |
| Luthers Vorrede auf alle gute Gesangbücher (aus Walthers Lob
und Preis der löblichen Kunst Musica 1538) |
5 |
| Ein neu Lied von den zween Märterern Christi, zu Brüssel von
den Sophisten zu Löwen verbrannt 1523 |
7 |
| Ein Danklied für die höchsten Wohltaten, so uns Gott in Christo
erzeigt hat 1523 |
11 |
| Der zwölfte Psalm 1523 |
13 |
| Der vierzehnte Psalm 1523 |
15 |
| Der 130. Psalm 1523 |
16 |
| Der 67. Psalm 1523/24 |
17 |
| Der 128. Psalm 1524 |
18 |
| Der 124. Psalm 1524 |
19 |
| Ein Lobgesang von der Geburt Christi, vielleicht Weihnachten 1523 |
20 |
| Hymnus: Veni redemptor gentium 1524 |
21 |
| Der Hymnus: A solis ortus 1524 |
22 |
| Ein Lobsang auf dem Osterfest 1524 |
24 |
| Der Lobsang: Christ ist erstanden, gebessert 1524 |
24 |
| Der Hymnus: Veni creator spiritus 1524 |
26 |
| Der Gesang: Veni sancte spiritus 1524 |
27 |
| Der Lobgesang: Nu bitten wir den heiligen Geist 1524 |
28 |
| Das Lied S. Johannis Huß, gebessert 1524 |
29 |
| Der Gesang: Gott sei gelobet 1524 |
30 |
| Der Lobsang: Mitten wir im Leben sind 1524 |
31 |
| Die zehen Gebot Gottes, auf den Ton: In Gottes Namen fahren
wir 1524 |
33 |
| Die zehen Gebot aufs kürzeste 1524 |
35 |
| Das deutsche Patrem 1524 |
36 |
| Gott der Vater wohn uns bei 1524 |
37 |
| Der Lobgesang Simeonis: Nunc dimittis 1524 |
37 |
| Das deutsche Sanctus 1526 |
38 |
| Te Deum laudamus 1527 |
39 |
| Der 46. Psalm: Deus noster refugium et virtus 1527 oder 29 |
40 |
| Da pacem Domine, Deutsch 1529 |
42 |
| Ein Kinderlied auf die Weihnacht Christi 1535 |
42 |
| Ein Lied von der heiligen christlichen Kirchen, aus dem 12. Kapitel
Apokalypsis 1535 |
44 |
| Gloria in excelsis deo ca. 1536 |
46 |
| Das Vaterunser, kurz ausgelegt und in Gesangsweise gebracht 1539 |
47 |
| Der Hymnus: Hostis Herodes, in Ton: A solis ortus 1541 |
49 |
| Ein geistlich Lied von unser heiligen Taufe 1541 |
50 |
| Hymnus: O Lux beata, verdeutscht 1542 |
52 |
| Ein ander Christlied 1542 |
53 |
| Ein Kinderlied, zu singen wider die zween Erzfeinde Christi
und seiner heiligen Kirchen, den Papst und Türken 1542 |
54 |
| Nachwort |
55 |