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Mein Besuch Amerika's im Sommer 1824 / Ein Flug durch die Vereinstaaten Maryland, Pensylvanien, New-York zum Niagarafall, und durch die Staaten Ohio, Indiana, Kentuky und Virginien zurück cover

Mein Besuch Amerika's im Sommer 1824 / Ein Flug durch die Vereinstaaten Maryland, Pensylvanien, New-York zum Niagarafall, und durch die Staaten Ohio, Indiana, Kentuky und Virginien zurück

Chapter 10: 9. Eine Tagreise nach Philadelphia. (24. Juli.)
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About This Book

A first‑person travel account follows a European visitor who crosses the Atlantic and tours coastal ports, cities, rivers, a famous waterfall, and interior states before returning by inland routes. Departure scenes include family objections and stated motives of curiosity, health, and the pursuit of knowledge. Descriptions combine practical details about shipping and emigrant camps with observations of landscapes, urban life, factories, and religious activity. Encounters with migrating groups and local commerce prompt comparisons between social customs and freedoms in different regions. The narrative balances lively anecdote and reflective commentary to convey the lived experience of travel and impressions of society, economy, and scenery.

9.
Eine Tagreise nach Philadelphia.
(24. Juli.)

»Wie weit ists von hier bis zur Hauptstadt Pensylvaniens?« fragte ich.

»Vormals ziemlich weit,« war die Antwort; »man mußte mehrere Tage unterwegs zubringen. Jetzt aber können Sie bei uns in Baltimore frühstücken und in Philadelphia zu Abend speisen. Die beiden Städte sind einander sehr nahe gerückt worden. Es sind, von Baltimore dahin, dreiunddreißig Stunden.«

In der That, wohin man bald gelangen kann, das ist nicht sehr entfernt. Je mehr sich die Vereinstaaten beleben, mit Kunststraßen, Kanälen und Schifferflüssen durchschnitten werden, Eilwagen und Dampfboote sich vervielfältigen und vervollkommnen, je kleiner wird dies ungeheure Gebiet, in welches man ziemlich bequem den größten Theil Europas hineinlegen kann.

Ich bestieg an einem schönen Morgen um fünf Uhr das Dampfschiff Richmond, welches, mit der Kraft von siebenzig Pferden, regelmäßig die Fahrt von New-York nach Albany macht. Ob ich gleich manches Dampfboot schon gesehen hatte, überraschte mich doch dieses durch seine Sauberkeit, innere Schönheit und die Pracht der Zimmergeräthe und Verzierungen. Der Dampf hörte auf zu zischen; das Räderwerk gerieth in Bewegung, und mit wunderbarer Geschicklichkeit flog das Boot mitten durch die Menge der Fahrzeuge, welche das Gewässer des Hafens bedeckten. Kaum von der Rhede etwas entfernt, kam uns das Dampfschiff the Maryland entgegen, das von Charlestown und Norfolk nach Baltimore gehend, uns einen Reisenden abgab, welcher nach New-York wollte.

Wenn man aus dem Hafen kömmt, mag die Chesapeakbay eine starke Viertelstunde breit sein und nimmt dann den Namen Susquehanna von dem Fluß an, der aus den Alleghanybergen in zwei verschiedenen Strömen kömmt. Diese Ströme vereinigen sich zu Sunbury ehe sie in die Chesapeakbay fallen.

Um acht Uhr wurde zum Morgenmahl geläutet. Jedermann setzte sich zum Tisch, wie ihm gefiel. Es waren der Reisenden ohngefähr sechszig Personen. Das Frühstück war, wie gewöhnlich, in üppiger Fülle aufgetischt; Kaffee, Rindfleisch, Geflügel, Fisch, auf mancherlei Weise bereitet; Backwerk, Butter und die sweah patatoes, oder süße Erdäpfel nicht zu vergessen, vom feinsten Geschmack, welche mein Lieblingsbissen blieben, so lange ich in Amerika war.

Das Schiff ging rasch; in einer Stunde stromaufwärts zwei Wegstunden. Beide Ufer, die sich einander allmälig näherten, waren mit artigen Landhäusern und wohlgebauten Feldern geschmückt. Im Hintergrunde unendlicher Wald.

Um eilf Uhr hielt das Schiff an. Wir mußten ans Land. Jeder Reisende erhielt eine Karte, welche die Nummer eines Wagens trug, in dem jeder nun vom Ufer der Susquehanna zum Delavarefluß fahren sollte, wo uns ein anderes Dampfschiff erwartete.

Sechs schöne Wagen, jeder mit vier kräftigen zierlich geschirrten Rossen bespannt, brachten uns in vierthalb Stunden von Newcastle ans Delavare-Ufer in den Delavarestaat. Es ist dies ein Weg von ohngefähr neun Stunden Länge. Man saß im Wagen bequem, obgleich immer drei Personen nebeneinander.

Wir hörten schon in der Ferne, ehe wir das Dampfboot sahen, den Dampf pfeifen. Eilfertig, als wäre Alles auf der Flucht begriffen, stieg man aus ins Schiff; das Gepäck kam sogleich mit, und wir flogen den Delavarestrom aufwärts. Die Ufer desselben sind so lieblich, wie die der Susquehanna. Wälder, durchschnitten von schönen Pflanzstätten, saubere Häuser von Back- und Felssteinen, mit Gärten, verkündeten freudigen Wohlstand und noch Raum genug für manchen Ansiedler. – Zwischen Gehölzen, Maisfeldern und üppigen Wiesen sahen wir auch zwei kleine Städte an uns vorüberschweben: Chester und Wilmington. Sie hatten freundliches Aeusseres; die Häuser mit vielem Geschmack erbaut, aus Steinen, Backsteinen und getünchtem Holz. Rechts lag uns der Staat Jersey, weniger volkreich, als Pensylvania zu unserer Linken.

Eine Menge Schiffe, Sloops und anderer Fahrzeuge begegneten uns, oder folgte uns. Ueberall Leben und Verkehr. Aber kein Schiff konnte mit unserm Boot gleichen Lauf halten; es legte in einer Stunde, gegen den Strom, über 2¼ Wegstunden zurück.

Es war sechs Uhr Abends vorbei, als wir schon den Wald von Schiffsmasten sahen, welcher den Hafen von Philadelphia besäumt. Bald erblickten wir am Ufer des Flusses, beim Eingang des Hafens, ein ungeheures steinernes Bauwerk, breit und schwerfällig. Es war die Veste Mifflins.

Am Landplatz lagen schon fünf andere Dampfboote. Wir befanden uns dem Marktplatz gegenüber. Eine Menge schaulustiger Menschen standen am Ufer. Neger erboten sich, mein Gepäck zu tragen. Nur 200 Schritte vom Hafen ist der Gasthof Brandson, wo ich einkehrte, und für einen Dollar täglich mich ganz wohl befand.

So war ich nun in der Stiftung des unsterblichen und ewig ehrwürdigen William Penn; in der Stadt, welche bis zum Jahre 1800 die Stadt des Kongresses gewesen, der dann nach Washington im Columbiastaat verlegt wurde.

General Lafayette kannte sein Amerika, für dessen Unabhängigkeit er einst als Jüngling gefochten hatte, nicht wieder, da er zum letztenmale dessen Gast ward. Und jeder Reisende, der nur einige Jahre später kömmt, als der frühere, findet Verwandlungen über Verwandlungen, neue Kolonien im Innern, wo sonst Einöden, neue Städte, wo sonst einzelne Bauerhöfe lagen, und kleine Ortschaften in Gewerbs-, Handels- und Prachtstädte verwandelt.

Laut der letzten Zählung steigt die Bevölkerung jetzt auf 12,508,000 Einwohner in den gesammten achtundzwanzig Staaten des Bundes. Ich will hier die Uebersicht von gegenwärtiger Bevölkerung der Vereinstaaten, nebst den Jahren ihrer Kolonisation und Aufnahme in den Bund, als selbstständige Republiken, beifügen.

Namen.   Kolonisation. Eintritt in
den Bund.
Bevölk.
Seelen.
Virginien 1610 1776 1,100,000
New-York 1614 1776 1,220,000
New-Jersey 1614 1776 314,000
Massachusetts 1620 1776 548,000
Newhampshire 1623 1776 274,000
Pensylvanien 1627 1776 1,078,000
Delavare 1627 1776 100,000
Maine 1630 1819 10,000
Connecticut 1635 1776 316,000
Rhode-Island 1635 1776 100,000
Maryland 1638 1776 450,000
Vermont 1664 1776 300,000
Nordkarolina 1669 1776 504,000
Südkarolina 1710 1776 662,000
Georgien 1732 1776 366,000
Louisiana 1734 1812 158,000
Tennesee 1750 1796 430,000
Allabama 1770 1822 85,000
Columbia 1638 1800 56,000
Kentuky 1773 1792 1,100,000
Indiana 1787 1816 130,000
Ohio 1780 1803 540,000
Illinois 1790 1818 55,000
Missouri 1790 1820 106,000
Missisippi 1780 1817 156,000
Ostflorida }   1822 1,000,000
Westflorida
Michigan 1810 1823 50,000
Die Länder westwärts Illinois u. s. w. zählen auch etwa 1,000,000.

Man sieht daraus, daß bei uns zu Lande die Geographien, welche erst vor einigen Jahren gedruckt sind, wo sie von den Vereinstaaten reden, durch die Riesenschritte, welche Bevölkerung und Anbau dort thun, unvollständig geworden sind.

Noch ein Vierteljahrhundert, und die Vereinstaaten sind durch ihre Lage, durch ihre Bevölkerung, durch ihren Reichthum, durch ihre vortrefflichen Einrichtungen, durch ihre weisen Gesetzgebungen eine Riesenmacht, die des gesammten Europens Trotz spotten kann, und auf unsern Welttheil mehr Einfluß haben wird, als er auf sie. Da, wo jeder Bürger für sein Vaterland das Gewehr trägt, wo beinahe eine Million Milizen in den Waffen geübt werden, wo Freiheitsgefühl, Nationalstolz und Mißachtung der alteuropäischen Einrichtungen begeistern, ist schon jetzt nichts mehr von schweren Anfechtungen aus Amerika zu fürchten, obgleich die gesammten achtundzwanzig Republiken nicht mehr, als kaum 6000 Soldaten, das heißt in Sold und Lohn stehendes Kriegsvolk, unterhalten. Daß die Amerikaner ihr Glück fühlen im Verhältniß zu den Europäern, muß uns gar nicht wundern. Denn ungerechnet die natürliche Liebe der Eingebornen zu ihrer Heimath, bringen die jährlichen Einwanderer und neuen Ansiedler wenig Lobreden auf den alten Welttheil mit, welche die Neigung für Europa erhöhen könnten; und dann erfahren sie wöchentlich aus zahllosen Zeitungen nur zu viel vom Bunterlei unserer Schick- und Drangsale.

10.
Die Stadt der Freunde.
(24. bis 30. Juli.)

Philadelphia trägt wohl seinen Namen mit Recht. Der Großtheil ihrer Bewohner besteht aus Personen, die zur Kirchpartei, oder wie sie es nennen, zur Gesellschaft der Freunde gehören, die man gemeinlich mit dem Spottnamen der Quakers und Zitterer bezeichnet.

Es war mir gleich anfangs, da ich durch die Stadt ging, auffallend, welche anständige, ich möchte sagen sonntägliche Stille in den volkreichen Gassen Philadelphia's herrschte, einer Stadt von ohngefähr 120,000 Seelen. Und doch durchkreuzte sich das Volk in lebendigem Verkehr nach allen Richtungen. Der Markt war voll Getümmels, von einem Ende zum andern mit Gartenfrüchten und Gemüsen jeder Art, wohlgeordnet besetzt; seitwärts mit ganzen Reihen von Bauerwagen und wohlgenährten Rossen; die Wagen waren mit Fleischwaaren, gerupftem und in saubere Leinwand eingeschlagenem Geflügel u. s. w. angefüllt, von Käufern und Käuferinnen umringt.

Jene Stille, die mich überraschte, hatte die nämliche Wirkung auf einen englischen Schriftsteller hervorgebracht, der sich darüber so ausdrückt: »Was mir, nicht nur zu Philadelphia, sondern in allen Städten der Vereinstaaten, ungewohnt entgegentrat, war das anständige, besonnene Wesen der Bürger. Da ist in den Straßen kein Lärmens, Schreiens, Zankens; und doch bezeichnet dieser Mangel des Lärmens so wenig einen Mangel an Lebhaftigkeit, als das Nichtdasein von Grausamkeit die fehlende Tapferkeit andeutet. Wer daran zweifelt, besuche den nordamerikanischen Bundesstaat.«

Am Sonntage ward die Luft von allen Seiten durch das Geläut der Glocken bewegt. Ich ging in die erste Kirche, die ich antraf; sie war sehr groß und doch schon von Personen beiderlei Geschlechts angefüllt. Ich bemerkte an den aufrecht stehenden Rockkragen der Männer, an den feinen aber blumen- und federlosen Strohhüten der Frauenzimmer, an der mangelnden Kanzel, die ich vergebens mit den Augen suchte, daß ich in einem Tempel der Gesellschaft der Freunde war.

Die Kirchenglocken schwiegen. Im weiten Raum des der Andacht geweihten Gebäudes entstand eine tiefe, anhaltende Stille. Alles schien in fromme Betrachtung untergegangen. Ich wartete geduldig anderthalb Stunden, und es änderte sich nichts. Ich war schon im Begriff fortzugehen, als eine gute alte Frau vom Sitz aufstand, und mit zitternder doch vernehmlicher Stimme das Schweigen brach, indem sie ein Gebet sprach. Dies mochte wohl eine Viertelstunde dauern; dann bedeckte sie sich das Gesicht mit beiden Händen und saß wieder nieder. Ich verweilte noch ein halbes Stündchen. Als niemand aber das Wort nahm, ging ich wieder und besuchte eine andere Kirche.

Es ist in der Art und Weise dieser Gesellschaft der Freunde viel Eigenes, Hartes, Schwärmerisches und Ueberspanntes. Wer könnte das ganz läugnen? Aber doch muß ich bekennen, keine von allen christlichen Kirchenpartheien hat dabei so viel Milde, Menschenfreundlichkeit, Selbstverläugnung, Selbstaufopferung und Wahrhaftigkeit, als eben diese. Sie leben freundlich unter allen Menschen, ohne deren wilde Thorheiten und Leidenschaften anzunehmen. Sie wenden die Vorschriften des Christenthums streng, ja buchstäblich auf das wirkliche Leben an, und werden dadurch auffallend, sonderlingsartig in den Augen derer, die eine andere Erziehung genossen haben, sogar lächerlich. Sie zanken nicht, wie andere Christen, um Formen und Dogmen; ihr Glaube liegt mehr sprechend in ihren Handlungsweisen. Das stammt schon von erster Erziehung her, die ihnen nachher das Gewohnte zum lieben Bedürfniß macht. Diese Erziehung weicht freilich von der gewöhnlichen ab; ist vielleicht in Manchem zu ängstlich. Aber vielleicht ist eben diese Aengstlichkeit das beste Verwahrungsmittel gegen die spätere Leichtigkeit, mit dem, was unehrbar und lasterhaft ist, in Unterhandlung zu treten. Tanz, Musik, Jagd, Hazardspiel und Theater sind untersagt. Die erzieherische Gesetzgebung William Penns scheint mir unendlich edler, in sich selbst weiser und in ihren Wirkungen nicht minder bewundernswürdig, als die vielbewunderte des Lykurg. Wer dies bezweifelt oder nicht begreift, müßte Pensylvanien, müßte die entlegensten Einsamkeiten Amerika's besuchen. Hier ist nicht Heuchelei, auf den Schein gemachte Frömmigkeit, verlarvter Stolz, wie bei manchen ähnlichen Sekten in Europa, sondern Ueberzeugung, die ins Leben durch die That tritt, und durch Erziehung und Gewohnheit Bedürfniß wird.

Es scheint mir, daß die Einfalt, Wahrhaftigkeit, Anspruchlosigkeit und Rechtlichkeit der Gesellschaft der Freunde, auf Denkart und Ton, Gesetzgebung und Verfassung der Amerikaner in den Vereinstaaten einen sehr bedeutenden Einfluß gehabt habe und noch immer übe. Ueberall bin ich den Spuren ihrer Gesinnungen begegnet. Auch geniessen sie allgemeine und wohlverdiente Achtung.

Unter ihnen herrscht vollkommene Gleichheit der Rechte; Reichthum und Armuth geben darin keinen Unterschied. Die Häupter ihrer Versammlungen beziehen keine Besoldungen, empfangen keine besondere Ehrenbezeugungen, und finden für ihre Meinungen kein Uebergewicht bei den Andern. Das weibliche Geschlecht hat, wie bei allen andern Kirchenpartheien, dieselbe Stellung, und genießt derselben Achtung und Ehrfurcht. Die liebenswürdige Bescheidenheit, Einfachheit, häusliche Ordnungsliebe und feine Verständigkeit der Frauenzimmer macht, daß diese auch von den achtbarsten Familien anderer Sekten gesucht werden. – Erfüllt einer von ihnen nicht seine Pflichten gewissenhaft, wird er von einem seiner nächsten Verwandten oder vertrautesten Freunde im Stillen gewarnt; ist dies fruchtlos, geschieht es von mehrern Seiten; zeigt sich alle Mühe eitel, ihn zu seinen Pflichten zurückzuführen, wird er aus der Gesellschaft der Freunde ausgeschlossen. Das Alles geschieht ohne Aufsehn im Stillen.

Die Verbesserung der Strafanstalten, die Versittlichung der Verbrecher, die Verhütung des Verarmens und der aus Armuth entspringenden Uebelthaten, die Verbreitung des Christenthums unter den Heiden, die menschlichere Behandlung der Indianerstämme, die Abschaffung des Negerhandels und der Sklaverei hat dieser Kirchpartei mehr, als allen andern in der Christenheit, zu danken. – Wenn man die Genossen derselben auch nicht schon an ihrer äussern, einfachen Tracht erkennen würde, die Männer an ihren breitkrämpigen schwarzen oder weißen Hüten, und schwarzen, braunen, dunkelfarbigen Röcken; die Frauenzimmer an der Abwesenheit aller bloßen Schmucksachen, der Ohrgehänge, Ringe, Armbänder, Federn, Kunstblumen u. s. w. – Trauer um die Todten legen sie nie an – so würde man sie an der strengen Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit im Handel und Wandel erkennen; an ihrer Treue im gegebenen Wort, an der Verschmähung jeder Art Betrugs und Ueberlistung.

Die Stadt Philadelphia hat etwas ungemein Gefälliges im Aeussern. Die Straßen sind geräumig und breit, manche achtzig bis hundert Schuh; alle sauber mit Plattsteinen gepflastert. In der Mitte stehen Hallen, oder zum Marktverkauf bestimmte, überdeckte Plätze, wo die Landleute, die ihre Erzeugnisse bringen, gegen das Wetter geschirmt stehen. Manche dieser Hallen sind über eine Viertelstunde lang. Die Fußgänge an den Seiten sind von Zeltdächern beschattet, viele der Kaufläden und Gewölbe gleichen an Fülle und Schönheit der Verzierung den schönsten in Paris.

Penn selbst hat den Riß zur Stadt der Freunde im Jahr 1682 entworfen. Sie ist wohl eine Wegstunde lang. Es ziehen vierundzwanzig breite, schnurgrade, oft seitwärts mit Fußgängen versehene Straßen neben einander hin, die von zwanzig andern ähnlichen im rechten Winkel durchschnitten sind. Die Häuser haben meistens weißen, gelblichen oder röthlichen Anstrich. Die Begräbnißplätze sind hier noch, wie in allen amerikanischen Städten, bei den Kirchen. Es fehlt nicht an vielen Sehenswürdigkeiten. Ich darf nur an das herrliche Museum erinnern, wo auch das vor einigen Jahren zu Bigbone in Kentuky, ohnweit Cincinnati gefundene Mammuthskelet aufbewahrt wird, das 18 Schuh lange, 11½ Schuh hohe Riesenthier der Vorwelt.

Neben allen schönen Gebäuden der Stadt zeichnen sich immer die Kirchen durch ihre Pracht und Majestät aus. Und ihrer sind nicht wenige. Und alle sind doch nur auf Kosten der verschiedenen Kirchpartheien gebaut. Denn, wie gesagt, hier ist keine herrschende, sogenannte Landesreligion. Der Staat hat den weisen und wohlthätigen, und Religiosität befördernden Grundsatz vollkommener Glaubensfreiheit anerkannt. Er zwingt niemanden zum Kirchenbesuch, und doch sind alle Tempel stets beim öffentlichen Gottesdienst angefüllt, während in Europa die Pfarrer über Verfall der öffentlichen Andacht und die Leerheit der Gotteshäuser häufig jammern. Der Staat gibt kein Geld zum Kirchenbau, besoldet keinen Geistlichen, und doch gibt es kaum ein Land, wo so viel Kirchen sind. Im Jahr 1817 hatte die Stadt Philadelphia bei ohngefähr 100,000 Einwohnern achtundvierzig Kirchen; Boston, damals bei etwa 40,000 Seelen dreiundzwanzig Kirchen; New-York, bei damals etwa 120,000 Einw., dreiundfünfzig Kirchen. Und heute sind überall, nach Maßgabe der gestiegenen Bevölkerung, auch der Tempel mehr geworden. – Worauf deutet das?

Weil der Staat ohne Unterschied jeder christlichen Glaubensgenossenschaft gleiches Recht und gleichen Schutz gewährt, hört man auch nichts von den ekelhaften Religionszänkereien, mit denen sich die Europäer ermüden und quälen. Es herrscht gegenseitige Achtung und Schonung. Man spricht nicht gern über Glaubensverschiedenheit. Man ist so verständig, zu begreifen, daß man keine fremde Glaubenslehre tadeln und beschimpfen könne, ohne die eigene dem Tadel und der Beschimpfung preis zu geben. Noch weniger darf sich das Kirchliche irgendwo in die Politik mengen, da beide durch die Grundgesetze des Staates so scharf und fest von einander geschieden stehen.

Unter den Sehenswürdigkeiten, die erst seit Kurzem ihr Dasein empfangen haben, zog mich ganz besonders das Kunstwerk am Shuykillstrom, eine Stunde von Philadelphia, an, durch welches die ganze Stadt mit Wasser versehen wird. Auf dem Wege dahin sah ich eben an einem neuen Zucht- und Besserungshause arbeiten. Ein weiter Platz war dazu geebnet und der ganze, große Raum mit einer mächtigen Mauer umgeben. Man sollte meinen, hier werde an einem Festungswerk gebaut: so schwer und stark ist alles aufgeführt. Das Thor ist eine mächtige Arbeit, und soll mit eisernen Gitterthüren geschlossen werden, die wohl mehr, als eines Mannes Arm vonnöthen haben dürften, um sich in ihren Angeln zu bewegen.

Eine halbe Stunde von da ist am Shuykill die Wassermaschine. Ein Vorbau drängt das Wasser des Flusses vom Ufer ab. Räder von 16 Schuh Durchmesser bewegen eine Pumpe mit doppeltem Stempel, wodurch das Wasser 120 Schuh hoch gehoben in ein ungeheures Becken gegossen wird. Die Pumpe liefert binnen vierundzwanzig Stunden bei 500,000 Gallonen Wasser. Sie steht erst seit zwei Jahren. Vorher hatte man eine durch Dampf getriebene, die man aber nun nicht mehr gebraucht.

Durch eine Menge Röhren und Kanäle fließt das Wasser aus dem ersten Behälter nach allen Stadtvierteln, ja fast in jedes Haus, wo man mit einem angebrachten Hahn so viel abzapft, als man will. In jeder Straße sind mehrere Brunnen, die man, im Fall einer Feuersbrunst, nach Belieben laufen läßt. Man legt nur den Schlauch der Feuerspritze an, die dann zweimal mehr Wasser schleudert, als die sonst übliche.

11.
Der Ausflug nach New-York.
(30. Juli.)

Wie gern hätte ich noch in Philadelphia verweilen mögen! Ich mußte mich immer recht ernsthaft daran erinnern, daß ich nur zum Besuch in Amerika sei und versprochen habe, vor Weihnachten wieder in meiner Heimath zu sein. Wie viel hatte ich noch zu sehen! New-York, der Hauptplatz des nordamerikanischen Handelsverkehrs, ist nur zweiunddreißig Stunden von Philadelphia entlegen. Kleinigkeit! Ich konnte also Abends dort sein.

Um halb sechs Uhr Morgens stieg ich ins Dampfboot, das an Bequemlichkeit und Zier allen frühern nicht wich. Der Reisenden waren ohngefähr achtzig auf dem Boot; Herren und Frauenzimmer; alle, ohne Ausnahme, sehr sauber und mit Sorgfalt gekleidet, als wären sie nicht zur Reise, sondern zu einem geselligen Vergnügen zusammengekommen. Auch, als man sich um sieben Uhr zum Frühstück setzte, am reich mit allerlei Speisen beladenen Tisch, glich die Reisegesellschaft einer freundlichen Vereinigung eingeladener Gäste.

Wir fuhren den Delaware aufwärts und erblickten nach einer halben Stunde die Schiffswerfte von Philadelphia, auf welcher neun große Fahrzeuge bereit lagen, ins Wasser gelassen zu werden. Die pensylvanische Küste bot uns aller Orten das Schauspiel fleißigen Anbaus dar. Zwischen zerstreuten Wäldchen und lichtstehenden Pappeln lachten uns freundliche Landhäuser an. Nicht so große Mannigfaltigkeit zeigte das zum Staat Jersey gehörige Ufer.

Das Dampfboot lief in einer Stunde zwei Wegstunden stroman. Schon um neun Uhr kamen wir an Burlington vorüber, wo Reisende von uns gingen, andere zu uns kamen. In Bristol, sechs bis sieben Stunden von Philadelphia, stiegen wir ans Land, wo neun Wagen warteten, um uns weiter zu bringen. Jeder suchte den seinigen nach der Nummer der empfangenen Karte. Der lange Zug unserer zierlichen Reisewagen machte sich sehr artig und rollte, wie durch einen weiten Garten, von Zeit zu Zeit neben hübschen Landhäusern und Bauerhöfen vorüber, die, gut unterhalten, einen behaglichen Wohlstand zu verrathen schienen.

Nach zwei Stunden hielt man in Trenton an, um die Rosse zu erfrischen, was man jedesmal alle zwei Stunden beobachtete. Die Stadt – bekanntlich ist sie die Hauptstadt von Jersey – macht den Augen ein ganz angenehmes Bild. Die Häuser stehen nicht in strenger Regelmäßigkeit, sind aber meistens in gutem Geschmack gebaut. Besonders ist die bedeckte Brücke, welche über die Delaware führt, von besonderer Schönheit.

Zu Princetown, wo die Pferde gewechselt wurden, begegneten uns zehn volle Reisewagen, die von New-York kamen, um das Dampfboot zu erreichen, welches wir verlassen hatten; dagegen wir in Brunswik ein anderes finden sollten, von dem sie herkamen. Immer und immer überraschte mich täglich die Menge der Reisenden. Hier schien mir fast Alles unterwegs zu sein. Die Gasthöfe hatten der Reisenden oft so viel zu beherbergen, wie etwa in Europa sonst nur große Badeanstalten. Welch ein Verkehr und Leben auf diesen noch vor vierzig bis fünfzig Jahren halböden Küsten!

Auch Princetown schien mir eine sehr artige Stadt. Ich konnte sie nicht näher besichtigen. Noch vor wenigen Jahren war hier aber die berühmteste Hochschule der Vereinstaaten. – Ueber Kingstown gelangten wir endlich nach der Stadt New-Brunswik, anmuthig am Rariton gelegen, über welchen eine 400 Schuh lange Brücke führt, die, wie gewöhnlich, auf den Seiten Fußgänge und in der Mitte zwei Fahrwege hatte.

Die Hitze war sehr stark gewesen. Unsere lange Wagenreihe hatte dicke Staubwolken aufgetrieben, und wir alle, wie wir zum Dampfboot kamen, trugen mehr oder weniger die Spuren dieser Wolken. Allein jetzt erschienen sogleich einige Mulatten und Neger, mit Bürsten, Handtüchern, Wasserbecken, und luden jeden, der ihre Dienste verlangte, in ein Zimmer ein, um sich da wieder entstäuben und schön machen zu lassen. Auch einige Barbierer waren mit ihren Waffen bereit, die Männer zu verjüngen. Fast alle Reisende unterwarfen sich dieser Purification, die weniger ängstlich, als die spanische unter dem Scheermesser der Apostolischen ist. – In Europa, selbst in England und Holland, kennt man diesen hohen Grad der Reinlichkeitsliebe nicht. Sie ist ein Beweis der gegenseitigen Achtung, welche sich selbst Fremde untereinander im geselligen Leben schuldig sind, und die bei uns oft tölpisch genug vernachlässigt zu werden pflegt. Ich halte mich bei diesem kleinen Umstand gern auf, der selbst im Unbedeutenden auf ein regeres, sittliches Feingefühl hindeutet.

So lange man in der Nähe von New-Brunswik ist, zeigt sich die Landschaft wohlbevölkert in malerischer Abwechselung. Je weiter hin, werden die Ufer flach, und von Ebb' und Fluth verschwemmt, die sich bis Brunswik fühlbar macht. – Links lagerte Perth-Amboy seine niedliche Häuserreihen vor uns auseinander; besonders stellte sich der Sommersitz der Familie Brun von New-York, Brightonhouse, anmuthig dar. Es liegt schloßähnlich auf einer kleinen Anhöhe und schaut von da weit durch die Ebenen. Rechts hatten wir Staaten-Island oder Richmond, welches uns im Vorüberfluge nichts Ausgezeichnetes in seinen Ländereien darbot, aber gegen New-York zu an Bevölkerung reicher zu werden schien. Nachdem wir noch am linken Rariton-Ufer, bei Elisabeth-Town, einige Reisende aufgenommen hatten, fuhren wir gegen sechs Uhr Abends, beim lieblichsten Wetter, in die Bai von New-York ein.

Da stieg plötzlich in der Tiefe des Hintergrundes vor uns eine, ich möchte sagen von tausend Schiffsmasten halbverschleierte Stadt aus den Wellen. Nur die Zinnen der Häuser, die Thürme, die Pappeln-Reihen, welche auf die Richtungen der Straßen deuteten, liessen sich über den Wimpeln wahrnehmen. Wie wir näher rückten, hatten wir die sogenannte Batterie vor uns. Es ist dies ein öffentlicher Lustplatz, von Linden und Pappeln überschattet, deren Zwischenräume am Boden wohlunterhaltenes Rasengrün deckt. Alles wimmelte von Lustwandelnden. Die schöne Welt war im schönsten Sommerschmuck dort versammelt. Am äussersten Ende, ohngefähr hundert Schritte vorwärts in der Bai, hat man ein niedliches, kreisförmiges Pavillon aufgeführt. Es ist zwei Stockwerke hoch; das Dach mit einer Gallerie umgeben. Man hat von diesem Belvedere in der That, wie ich nachher sie selbst genoß, eine wunderliebliche Aussicht. Ueber dem Bau erhebt sich ein dreißig Schuh hoher Mastbaum, mit der Flagge der Vereinstaaten. Der Hafen von New-York ist voll ewiger Bewegung. Täglich, stündlich laufen Schiffe ein, segeln andere ab. Bei dreißig Dampfschiffe schwärmen ab und zu, von den verschiedensten Formen und Bestimmungen. Flüchtige Rauchsäulen, die sich bald in den Lüften zerstreuen, schweben des Tags über ihnen; Nachts sind eben so viel Feuersäulen, gleich jenen, die in der Wüste den Kindern Israels leuchteten.

Als wir um sieben Uhr ans Land traten, boten Weiße, Mulatten und Schwarze ihren Dienst an, unser Reisegepäcke in die Stadt zu tragen; aber nicht mit jener frechen oder plumpen Zudringlichkeit, deren man von Leuten dieser Klassen in Europa gewohnt ist. Längs dem Quai stand eine lange Reihe eleganter Kutschen und Halbwagen, die wahrlich mit den Fiacren oder Lohnkutschen von Paris oder Wien wenig Aehnlichkeit, dennoch die nämliche Bestimmung, hatten. Sie sind geschmackvoll gestaltet, meistens gondelförmig. Die Lohnkutscher, wie alle Personen aus der arbeitenden Klasse, sind mit vieler Sorgfalt angekleidet, in ihrem Betragen gefällig, zuvorkommend, ohne jenes knechtisch-höfliche Wesen, welches bei uns die Würde des Mannes so oft entweiht.

Ein Sprung vom europäischen Ufer über den Ozean, ans amerikanische, macht, beim schnellen Wechsel der Welttheile, jenen Gegensatz der Sitte und Lebensweise ungemein fühlbar. Andern vielleicht scheint eine Beobachtung dieser Art unbedeutend; mir bedeutsamer aber, als die Beschreibung von Bildergallerien, Kunstkabineten und Bibliotheken, die wir Reisende gern besuchen. Es ist in den amerikanischen Städten durch alle Volksklassen eine gewisse Sittenfeinheit, ein Gefühl für das Anständige und Edle verbreitet, welches nicht aus Tanzmeisterlektionen, sondern aus dem Bewußtsein des eigenen Rechtes und der Achtung für fremdes stammt. Selbst die Einwanderer schleifen nach und nach die rohen Seiten ihres Betragens ab, welches sie von dem Stande oder der Kaste noch mitbrachten, der sie im andern Welttheil eingebürgert waren; das grobe Hochfahren des Adelmanns und Beamten, die stolze Leutseligkeit des Vornehmen gegen den Geringen, die Rang-Seligkeiten des spießbürgerischen Kleinstädters, die unbehilfliche Steifheit des Handwerkers, die unterthänige Kriecherei und patzige Frechheit der Herrendiener. Wo der Mensch als Mensch gilt, ist ächter Adel – Menschenadel daheim. Wer Freiheit und Recht hat, wie jeder, ehrt beides gern im Andern, um beides geehrt in sich zu bewahren.

Ein Mulatte, mit einem Nummerschild am Rocke, trug mein Gepäck in die Beaver-Street, wo ich bei einer Privatperson einkehren mußte, der ich schon durch einen Freund in Philadelphia empfohlen war. Die Gastlichkeit der Familie bedrückte mich fast. Eine Woche lang mußte ich bei ihr verweilen; dann aber bezog ich den schönen Gasthof Columbian-House.

12.
Von New-York.
(30. Juli bis 14. August.)

Vor etwa 200 Jahren schickten die Holländer Ansiedler hieher, die bauten am Zusammenfluß des Hudson- und Ostflusses am Meere, auf der äussersten Morgenseite der Insel Manhattan, ihre Niederlassung New-Amsterdam; später empfing die Pflanzstätte den Namen New-Stockholm; und seit sie in Besitz der Engländer kam, hieß sie New-York. Die Insel ist etwa vier Wegstunden lang und eine halbe breit. Jetzt steht hier eine reiche blühende Stadt von 130,000 Einwohnern, die nach allen Welttheilen Handel treibt, für Wissenschaften und Künste mehr Anstalten, Gesellschaften, Sammlungen, Bibliotheken u. s. w. hat, als der Mehrtheil königlicher Hauptstädte in andern Welttheilen, und daneben eine ausserordentliche Menge Fabriken in thätiger Bewegung sieht.

Von der Batterie, deren ich schon erwähnte, hat man die Aussicht auf mehrere Inseln. Die größten sind Richmond oder Staaten-Island rechts und Long-Island links. Governor-, Ellis- und Gill-Island, worauf Vesten zur Vertheidigung der Bai angelegt sind, haben geringen Umfang. – In der Ferne, doch etwa nur einer Stunde, sieht man die Stadt Jersey, Hauptort vom Staate dieses Namens; noch eine schwedische Gründung. Die Höhen alle herum sind da mit Windmühlen bepflanzt, die ihre luftigen Flügel rührig herumtreiben.

Das Innere von New-York hat keinen so regelmäßigen Straßenbau, als Philadelphia. Die bald breiten, bald engen Kreuz- und Quer-Gassen europäern ein wenig. Doch eine Straße, wie der Broadway zu New-York, von solcher Breite, eine volle Stunde Wegs lang, die Fußgänge an den Seiten mit Pappelbäumen eingefaßt, links und rechts schöne Gebäude, prachtvolle und reiche Kaufmannsgewölbe – findet man in Europa nicht leicht. Das schönste Gebäu aber steht in der Mitte des Broadway, ganz von weißem Marmor, in großen, riesenhaften Parthien. Es ist das Rathhaus. Davor liegt ein öffentlicher Lustplatz, mit Geländern eingefaßt. Er heißt der Park, ist aber nur ein weitläuftiger, mit Gängen durchschnittener und von einigen Bäumen leichtbeschatteter Rasenplatz. Verschiedene Häuser haben Ebendächer und Balkone, die an lieblichen Sommerabenden gern benutzt werden, um der Aussicht auf den Hafen zu geniessen, der drei Viertel der ganzen Stadt begrenzt, und wohl der größte der Vereinstaaten ist. Ueberhaupt liegt New-York in einer äusserst anmuthigen Landschaft.

Man sieht hier nur wenige Neger, und die man sieht, sind frei. Zahlreicher werden sie in den südlichern Staaten gefunden, und wiewohl man sie auch dort schon sehr menschlich behandelt, rückt doch schon der bloße Gedanke an ihr Sklaventhum diese Unglücklichen zur dienstbaren Thierklasse nieder. Dieser Stand der Neger ist noch ein Nachlaß, eine Hefe von der Herrschaft der christlichen Europäer. Ach, man sollte sich doch bei uns zu Lande nicht brüsten mit Zivilisation und Christenthum, sollte nicht die Grausamkeit der Araber, Türken, Mauren, nicht die Barbareien des Orients stolz verdammen, so lange man noch nicht auf europäischen Schiffen den verruchten Menschenhandel abgethan hat! – In den Vereinstaaten ist jetzt wahrer Wetteifer, das Loos der Schwarzen zu verbessern, ihnen allmälig die volle Freiheit zu geben und sie zu vermenschlichen. Man weiß, die ersten wurden im Jahr 1503 in die neue Welt aus Afrika hinübergeschleppt. Jahrhunderte lang wurden diese beklagenswürdigen Mitmenschen wie Hausthiere behandelt; oft schlechter. Wie lange wird es dauern, ehe die moralischen Narben der Sklavenkette ganz verwachsen sind?

Die in Amerika gebornen Neger sind weniger schwarz, als die, welche unmittelbar aus Afrika kommen. Man behauptete mir, das Schwarz vermindere sich von Geschlechtsfolge zu Geschlechtsfolge.

Es ist möglich. Denn auch die Europäer in Amerika scheinen mir mit den Jahrhunderten ihre Farbe allmälig zu ändern. Ich glaubte ziemlich gut eingeborne Amerikaner von neuen Ansiedlern schon an Farbe, Bau und im ganzen Wesen unterscheiden zu können. Sie sind im Allgemeinen wohl geformt. Selten erblickt man einen Mißwuchs, wie man wohl in Europa oft genug sieht. Aber die Farbe ihres Gesichts hat nicht das Leben und die Frische, wie bei uns; die Stadtbewohner haben eine, ich möchte sagen kränklichblasse Haut; die Landbewohner sind freilich brauner, ohne darum frischer und farbiger zu sein. Die Gesichter sind gewöhnlich mehr länglich, als rund; und die Züge derselben, die meistens zusammengesetzter, als bei uns, sind, verrathen so wenig, als das übrige Aeussere der Gestalt, Gewerb und Beruf, die man in Europa so leicht bei den verschiedenen Volksklassen unterscheiden kann.

Eine zuvorkommende, edle Gastfreundlichkeit ist wohl die herrschendste Tugend unter den Amerikanern. Sie sind im Umgange gefällig, fein und offen. Man muß sie nicht nach dem rohen, leidenschaftlichen Ton ihrer zahllosen Zeitungen beurtheilen. Da treibt der politische Parteigeist sein freies und derbes Spiel. Aber das schadet niemandem; denn man kennt das Geklätsch und Treiben der Publizisten, und weiß, daß die, welche die zarten Verfädelungen der Diplomatik und Politik auseinanderschlichten wollen, dazu gern die gröbsten Finger gebrauchen.

Diese Sonderbarkeit dort ist, wie bei unsern europäischen Gelehrten, einheimisch. Bei uns zwar nicht überall in der Politik, aber doch in andern Fächern. Welche Klasse von Schriftstellern pudelt sich ungezogener und ungeschliffener vor dem Publikum herum, als die der Jugenderzieher, der Pädagogen und Philologen? Wer zeigt weniger die Wirkungen der Humanität, als die Klasse derer, die Humaniora treiben? Wer handelt wüthender und unchristlicher wider fremde Meinungen, als die Lehrer der Religion der Liebe? Wer schreibt besser über Landwirthschaft, als wer dadurch ökonomisch zu Grunde ging? Wer hat unphilosophischern Stolz, als die Philosophen?

13.
Der Besuch beim Oheim.

Zwölf Stunden von New-York, am linken Hudson-Ufer, wohnte ein Oheim von mir, der sich schon vor vielen Jahren dort niedergelassen hatte. Ich nahm mir vor, ihn zu besuchen, und bestieg ein Fahrzeug von der Größe unserer größten Schiffe auf Seen und Flüssen, mit zwei Segeln, das heißt, einen Sloop. Dies Fahrzeug hatte ein Verdeck, wie andere Schiffe, und eine niedliche Cajüte. Meine Reisegefährten waren meistens Weiber und Mädchen, die zur Stadt gekommen waren, einzukaufen oder zu verkaufen. Obgleich in Amerika geboren, sprachen sie doch noch das Holländische, ihre Stamm-Landessprache, untereinander. Mehrere rauchten Tabak aus kurzen, irdenen Pfeifen. Das wunderliche Schauspiel dieser Schmaucherinnen, und der ernsthaften, nachdenklichen Geberden, die sie dazu machten, fing an mich zu belustigen.

Ein Landmann erklärte mir, das sei so Brauch bei den Holländerinnen; indessen bei den Mädchen käme jetzt das Rauchen ganz ab. Gegen Abend langten die Weiber ihre Körbe vor mit Speisevorrath gefüllt, und machten Thee. Eine der Frauen trank ihre Tasse voll aus, füllte sie dann wieder und bot sie mir. Ich mußte annehmen. Jede der Andern reichte mir nun noch von ihrem Vorrath, eingemachte Pfirsiche, Brödchen, Honig, Butter, Käse.

Nun gings ans Fragen: »Ißt man bei Euch in Europa auch dergleichen? Wie sind dort die Weiber? Ist das, was Ihr tragt, bei Euch Landestracht? Sehen die Männer alle so munter bei Euch aus? Wie kleiden sich die Frauen?« – Eine sagte: »Ihr seid ein kräftiger, starker Mann, und werdet ein guter Landbauer werden.« Nach dieser Bemerkung über mein Körperliches rückte sie stockend mit der zarttastenden Neugier aus: ob ich verheirathet sei? – Als ich mit Nein antwortete, war sie ausser sich vor Erstaunen; »Was?« rief sie lebhaft: »Muß man denn bei Euch so spät heirathen?«

Wir kamen spät nach Tapan. Der Oheim wohnte noch eine Stunde Wegs weiter. Ein hablicher Landmann, der desselben Wegs fuhr, erbot sich, mich in seinem Wagen mit dahin zu nehmen. Ich setzte mich in seinen »Gig«, den zwei brave Rosse zogen, und ein schwarzer Diener führte. – Unterwegs gaukelten die Flämmlein unzähliger Irrwische zu allen Seiten, über vermuthlich sumpfigen Wiesen, als wollten sie mit den Gestirnen des Himmels über sich wetteifern.

Der Oheim war sehr überrascht, plötzlich einen europäischen Neffen um Mitternacht erscheinen zu sehen. Er erquickte diesen indessen gastfreundlich mit Speis' und Trank und gutem Nachtlager und sparte die Fragen einer verzeihlichen Neugier dem folgenden Tage auf.

Der Aufenthalt hier war für mich, wenn gleich kurz, doch belehrend, und, einen Unfall abgerechnet, angenehm. Ich wurde in die Bekanntschaft aller Nachbarn eingeführt; auch in die Familie dessen, der mich von Tapan hierher gebracht hatte. Als wir diesem einen Besuch machen wollten, gab man mir ein Reitpferd. Ich hatte es aber kaum bestiegen, gebehrdete es sich so wild, schlug aus, bäumte sich, daß ich zehn Schritte weit aus dem Sattel flog und drei Stunden ohne Besinnung, doch ohne weitern Schaden, blieb, als daß ich einige Tage lang Rippenschmerz fühlte. Ich machte nun meine Besuche zu Fuß.

Als ich zu meinem obenerwähnten nächtlichen Fuhrmann kam, stellte er mir seine Frau, seine Mutter und seine Großmutter und seine Urgroßmutter vor. Letztere mochte etwa hundert Jahre alt sein, und sprach, als geborne Holländerin, nur holländisch. Vater und Sohn waren in dieser Familie die einzigen männlichen Geschlechts. Bei Tische setzten sich die beiden alten Frauen. Die beiden jüngern standen hinter den Stühlen ihrer Mütter, um sie zu bedienen. Das feinste Tischzeug von schneeweißem Linnen und glänzendes Silbergeschirr deckte die Tafel.

Ich fühlte mich in dieser patriarchalischen Familie sehr glücklich. Der größte Theil des Tages verfloß unter Gesprächen über den Unterschied der alten und neuen Welt.

Es wird gewöhnlich den Amerikanern schwer zu fassen, daß wir Europäer das Vernünftige, Naturgemäße und Volksbeglückende ihrer Verfassungen, Gesetze und Einrichtungen anerkennen, und doch bei uns an das Beengende und Zwängende des oft zweckwidrigen, verderblichen Herkommens und Erbes aus den Zeiten mittelalterischer Barbarei festhalten. Europa, wenn es sich plötzlich der alten Einrichtungen und Gewohnheiten entledigen wollte, würde in ein hundertjähriges, namenloses Elend versinken und sich doch nicht der tausendjährigen Banden ganz entstricken können. Eine allgemeine, gewaltsame Umgestaltung der Verfassungen, Gesetze und Sitten würde eine allgemeine, gewaltsame Verheerung alles öffentlichen und häuslichen Glücks, eine Hemmung des ruhigen Fortschreitens zur Vollendung, ja eine Verwilderung der Sitten und Lebensansichten werden, und doch zuletzt, nach Erschöpfung aller Kräfte, von zweifelhaftem Ausgang sein. Wer kennt die Wege der Leidenschaften? – Sie lassen sich nicht vorher berechnen, gleich den Wegen der Vernunft.

Nordamerika dankt seine Vorzüge der gesellschaftlichen Ordnung eigentlich keiner Revolution. Die sogenannte amerikanische Revolution war ein Kampf für Unabhängigkeit gegen drückende Ministerialwillkühren, Regierungsunbesonnenheiten und Handelsdespotismus, und half nachher zur Gestaltung des Bessern als erleichterndes Mittel. Amerika dankt jene Vorzüge der Eigenthümlichkeit seines Werdens. Hier schuf kein altes Volk sich einen neuen Staat; nein, hier entsprang in weiten, fruchtbaren Einsamkeiten ein neues Volk, das sich den Staat und die Gesetzgebung, bereichert mit den Gedanken der Weisen des achtzehnten Jahrhunderts und aller Jahrhunderte, getrieben vom tiefgefühlten Bedürfniß des Zeitalters, unbeengt durch bestehende positive Rechte Anderer, nach Einsichten und Umständen beliebig bilden konnte. Es würde vielmehr ein ewiger Schimpf für den Verstand der Amerikaner geblieben sein, wenn sie ohne alle Noth das bei sich aufgenommen hätten, was sie bei alten Völkern Verwerfliches gefunden.

Nun ist es zwar richtig, daß unter den gebildeten Nationen Europens die Erkenntniß und das Bedürfniß dessen, was und wie es sein sollte, im Widerspruch steht mit dem, was wirklich vorhanden ist und gilt. Dieser Widerspruch erregt Mißmuth und Kampf. Aber das scheint mir eben der richtige, naturgemäße Gang der Menschheit zu ihrer Veredelung. Vernunft und Leidenschaft begegnen sich feindselig. Im Streit um Verbesserungen der bürgerlichen Gesellschaft mag die Partei derer, die aus Unwissenheit, oder Schüchternheit, oder Eigennutz das Schlechtere festhalten, durch Macht, Reichthum, Stellung und Volksvorurtheil die überwiegende sein; aber sie wird unmerklich geschwächt und besiegt, weil sie, eben durch ihren Kampf, wider Willen, die Erkenntniß des Bessern ausbreiten hilft. So schreitet die europäische Menschheit allmälig zum Bessern vor, ohne es zu ahnen. Hundert Wahrheiten, sonst als Ketzereien verdammt, sind jetzt Alltagsgedanken der Priester und Edelleute, und sie selbst erstaunen über die Verkehrtheit und Unmenschlichkeit der Alten, die das Gegentheil behaupten konnten.

14.
Die Gesandtschaft der Indianer.

Da ich nach Newyork zurückgekehrt war, hatte sich unterdessen in dieser Stadt die Gesandtschaft von sechs indianischen Stämmen eingefunden, die an den Quellen des Missisippi und an den Westküsten Amerika's wohnen. Die Gesandtschaft bestand aus vierundzwanzig Häuptern der Stämme, nebst vier Weibern und zwei kleinen Kindern. Sie waren, nur um bis zur Vereinigung des Ohio mit dem Missisippi zu gelangen, sechs Monate unterwegs gewesen. Dort hatte man sie in Dampfboote aufgenommen und wieder stromaufwärts bis Pittsburg geführt. Von Pittsburg waren sie in Wagen nach Washington gebracht, wo sie vom Präsidenten der Vereinstaaten mit Auszeichnung empfangen wurden. Mit Hilfe von vier Dollmetschern, die unter ihnen gewohnt hatten, ward mit ihnen ein Bundesvertrag abgeschlossen. Um ihnen eine Vorstellung von höherer Landesgesittung zu geben, ließ der Präsident diese Männer der Wildniß, begleitet von zwei Gliedern der Regierung, durch die vornehmsten Städte des Landes reisen. Sie kamen durch Baltimore und Philadelphia nach Newyork.

Hier gab man ihnen auf der Batterie ein Fest. An Wein, Branntewein und Leckereien durft' es nicht fehlen. Eine ausgewählte Musik spielte den ganzen Abend. Ein Feuerwerk beschloß das Tagwerk.

Ich begegnete ihnen unter einem Haufen Neugieriger beim Eintritt des Lustgangs der Batterie. In demselben Augenblick liessen sich die ersten Töne der Musik hören. Auf der Stelle erhoben diese Gesandten ihrerseits einen Fest- oder Kriegsgesang, mit solcher Macht, daß sie fast den Odem darüber verloren. Sie begannen und endeten ihr Geheul immer mit einem Laut, der wie Hu! oder Kohu! klang, daß den Hörern in der Nähe davon die Ohren gellten. Der Gesang selbst hatte eine Art Melodie. In verschiedenen Zeiträumen fuhren sich die Sänger dabei, und alle zugleich, mit der Hand über den Mund. Ihr Gebrüll hatte etwas Furchtbares. Dabei waren ihre Geberden und Leibesbewegungen mit den Streitäxten in den Fäusten so drohend und schrecklich, daß Jeder, der diese ihre Artigkeiten zum ersten Mal sah, jeden Augenblick fürchtete, die Erde mit Blut und verstümmelten Menschen bedeckt zu sehen.

Um einen Schelling erhielt ich Erlaubniß, in die Batterie einzutreten. Da war ein runder Tisch, rings mit Stühlen, für sie bereitet. Vier- bis fünfhundert neugieriger Zuschauer bildeten einen Kreis.

Als sich die Wilden gesetzt hatten, war ihr erstes Geschäft, die brennenden Kerzen auszulöschen. Man bat sie, es nicht zu thun; reichte ihnen gefüllte Gläser zum Trinken, und bot nun dem Obersten der Gesandtschaft eine von den Schüsseln dar, sich selber davon zu bedienen. Er legte den Schurz, den er um die Hüften trug, über die Knie auseinander, leerte die Schüssel darein aus und gab sie wieder zurück. Von nun an hütete man sich wohl, Jedem die gefüllte Schüssel darzubieten, sondern gab jedem Einzelnen seinen Theil davon. Die Gäste hörten essend immer der Musik aufmerksam zu. Als nach dem Schluß derselben alle Zuschauer freudig mit den Händen Beifall klatschten, wurden die Indianer gleich beim ersten Klatschen unruhig, sahen sich unter einander an und fuhren mit den Fäusten nach den Streitäxten. Ihre Furcht verlor sich, als die Musik wieder begann; und da sie schloß, erhoben sie zum Zeichen ihrer Zufriedenheit ein gar entsetzliches Geschrei.

Man ließ endlich das Feuerwerk aufsteigen, was ihnen eine angenehme Verwunderung zu erregen schien, und um acht Uhr zogen sie sich zurück. Beim Heimgehen war ich dem Zuge dieser Gesandten sehr nahe gekommen. Einer dieser Naturmenschen, neben welchem ich zufällig ging, betrachtete mich seitwärts so neugierig, wie ich ihn. Ich bot ihm lächelnd die Hand dar; er schüttelte sie mir treuherzig. Sein Haupthaar war, wie meistens auch bei den übrigen, zur Hälfte weggeschoren, und der Schopfbüschel mit buntfarbigen Federn ausgeschmückt; andere trugen die Haare lang, bis auf die Achseln niederfallend; in der Nase Metallringe; die Arme und den ganzen Oberleib unbedeckt, eben so die Beine. Einigen hing ein Wildthierfell von der Schulter herab.

Es waren wohlgebaute, starkgemuskelte Leute, ungefähr sechs Schuh groß, von schmutzig rother Hautfarbe, die durch das Beschmieren mit Fett und rother Erdfarbe noch schmutziger geworden war. Einige von ihnen hatten Tatowirungen. Ihr Gang war ganz eigen. Es kam mir vor, als hätten sie ihn bei den Wanderungen auf dem Boden ihrer Urwälder zur Gewohnheit angenommen. Stets haben sie die Augen vor sich nieder auf die Erde geheftet; so gehen sie, ohne rechts noch links umherzuschauen. Die Weiber, etwas kleiner und in Felle gehüllt, schienen sehr furchtsam zu sein. In der ihnen angewiesenen Wohnung wollten sie sich nie von einander trennen lassen. Sie schliefen alle beisammen.

Sie sind nachher mit Dampfschiffen auf dem Hudsonfluß und über die großen Seen in ihre Heimath zurückgekehrt. Als zu Albany eins ihrer Häupter starb, legten sie seinen Leichnam in einen doppelten Kasten und nahmen ihn mit sich.

Die amerikanischen Zeitungen enthielten die Namen dieser Gesandten, mit der Uebersetzung. Ich füge sie hier bei. Sie sind alle bezeichnend: Ganzgift, Wind, hockender Adler, Fuchswach, Wolkenaufgang, Matt-Auge, Sperling im Gehen jagend, Löffel, Büffel, fliegendes Täubchen, Bär brüllend daß Felsen zittern, weißnasiger Fuchs, Fuchssprung linksum, geduckter Fuchs, Sonne, Weißnebel, krausgeschwänzter Fuchs, Starkläufer, Donnerschnell.

Leider mußte ich mich stets daran erinnern, daß ich nur zum Besuch in Amerika sei. Ich hatte noch so viel zu sehen und genoß so angenehme Tage. Ich war durch Empfehlung in eins der ersten Häuser in Newyork eingeführt. Das Haupt der Familie, der Vater, wohnte auf einem Landgut am Ufer des Rariton. Ich ward auch dort mit großem Wohlwollen aufgenommen. Der alte Herr führte mich unter andern in seine Bibliothek und rollte da einen Haufen Pergamente und Karten auf, um mir Titel und Umfang seiner gesammten Länderbesitzungen zu zeigen. Demzufolge besaß er einen ungeheuern Flächenraum Landes, der zusammen beinah soviel an Größe betrug, als etwa ein kleines deutsches Königreich. Er bat mich, wenn ich durch Virginien käme, einige seiner Besitzungen zu besuchen und besonders ihm Schweizer zum Anbau zu verschaffen.

Sein weitläuftiges Wohngebäu auf dem Landgut, eine Viertelstunde von der Amboy-Bay, zählt achtzig Gemächer und beherrscht eine der reizendsten Aussichten. Zwei seiner Söhne führen in Newyork eine der ersten Großhandlungen. Sie besitzen zwei Züge Schiffe, von denen der eine regelmäßig nach Livorno, der andere nach Ostindien die Fahrt macht. Ein dritter Sohn hat sich der Verbreitung des Evangeliums unter den Heiden gewidmet und ist schon seit vielen Jahren Missionär. Er verschmäht den bequemen Genuß eines großen Reichthums und duldet mit apostolischem Muthe die größten Entbehrungen, um durch die unwirthbaren Einöden der Wilden die Saat christlicher Gesittung auszustreuen.

15.
Die Fahrt nach Albany und Saratoga.
(14. bis 16. Aug.)

Kein Monarch Europens kann sich rühmen, einen glänzendern und größern Triumphzug gefeiert zu haben, von den Völkern mit höhern Ehren begrüßt worden zu sein – selbst Napoleon nicht, wenn er die bezwungene Welt durchreisete –, als General Lafayette, der Mitstifter amerikanischer Unabhängigkeit, da er das Vaterland seines Ruhmes zum letzten Male sah.

Ungeboten, ja unaufgefordert rüstete sich Alles, den edeln und geliebten Gast zu empfangen. Arm und Reich ward für ihn thätig. Die ganze Nation wollte ihn empfangen, ihn sehen, ihn segnen. Was sind daneben die kalten Feierlichkeiten, mit welchen prunklustigen Großen der andern Welttheile, unter steten Einmischungen der Polizei, geschmeichelt und gehuldigt werden muß! Wie der greise Lafayette diese Reihe von rührenden Auftritten und geräusch- und prachtvollen Festen ohne Zerstörung seiner Gesundheit ertragen konnte, bleibt mir noch immer unbegreiflich.

Und dieser große Edelmann, als er wieder in sein Geburts- und Vaterland Frankreich zurückkehrte, wo er der Gegenstand des Hasses oder Widerwillens des Hofes, der Minister, der Großen und ihrer Diener und Beamten war – wie anders mußte ihm da Alles erscheinen! Ein Welttheil bringt ihm Verwünschungen für dieselben Gesinnungen, derentwillen ihm ein anderer dankbar den unsterblichen Lorbeer reichte. Die Nachwelt wird strenges Gericht über die Menschen unserer Tage halten.

Gern wäre ich Zeuge von Lafayettens Empfang in Newyork gewesen, wo schon große Zubereitungen veranstaltet wurden. Da sich seine Ankunft aber von Tag zu Tag verzögerte, wollte ich nicht länger verweilen und bestieg ein Dampfschiff, welches nach Albany ging.

Täglich fahren drei Dampfboote von Newyork dahin, die auf dem Hudson binnen achtzehn bis vierundzwanzig Stunden die fünfzig Wegstunden lange Strecke bis Albany zurücklegen. Diese Boote, welche zu den größten der Vereinstaaten gehören, gehen nicht über Albany hinaus, sondern werden von minder großen abgelöset, die dann den Hudson hinauf durch den Georgs- und Champlainsee auf dem Lorenzenstrom nach Canada gehen. Der Hudson, oder Northriver, wie er auch heißt, und bei New-York, wo er sich ins Meer ausmündet, drei Viertelstunden, bei Albany beinah noch eine kleine halbe Stunde breit ist, bildet sich eigentlich in seiner Größe erst durch die einfallenden Gewässer des Sacondaga und Mohawk. Seine Ufer sind an einigen Orten sehr schroff, von weißgrauen Kalkfelsen, mit Tannen und Eichen besäumt. Von Zeit zu Zeit erscheinen artige Landhäuser, Bauerhöfe und kleine Ortschaften auf fruchtbarem Gefilde.

Weil ich immer auf dem Verdeck geblieben war, hatte ich nicht bemerkt, wie große Gesellschaft sich mit mir auf dem Boote befand. Es waren hundert und achtzig Reisende. Frauenzimmer und Herren hatten ihre besondern Säle; wer mit jenen speisen wollte, mußte, mit Angabe seines Namens, beim Kapitän um Erlaubniß bitten. Er führte mich also in ihren Saal. Man setzte sich in bunter Reihe an zwei langen Tafeln zum Frühstück, welches mit ausgewählten Platten versorgt war. Auch hier schien weniger eine vom Zufall zusammengeführte Reisegesellschaft, als eine Versammlung eingeladener Gäste beisammen zu sein; so sorgfältig und anständig war der Anzug Aller, so gesellig, fein und ungebunden war die gegenseitige Unterhaltung.

Wir kamen am Städtchen Orange-Town, dreizehn Stunden von Newyork, dann fünf Stunden weiter bei West-Point vorbei, wo das vorzüglichste Kollegium für die Jugend der Vereinstaaten ist. Unter den hiesigen Zöglingen befinden sich auch zweihundert und fünfzig meistens Söhne von Wittwen, oder von Militärpersonen, die den letzten Krieg mitgemacht hatten. Sie werden hier für den Land- und Seedienst der Vereinstaaten auf öffentliche Kosten erzogen.

Der Hudson wimmelt von Sloops und Fahrzeugen, die sich nur mit dem Winde, oder der Fluth und Ebbe fortbewegen, welche noch über dreißig Stunden von der Flußmündung spürbar ist. Man sagte mir, es wären täglich wohl bei zweitausend solcher Sloops auf dem Hudson thätig.

Die drei größten Dampfboote dieses Flusses waren damals der Chancellor Levington von achtzig Pferdestärken, und geräumig genug, um fünfhundert Reisende bequem zu halten; der Richmond zu siebenzig Pferdestärken, für vierhundert Reisende; und der Kent von sechszig Pferdestärken, der dreihundert Reisende aufnehmen konnte. Alle diese Fahrzeuge sind in verschiedene Gemächer getheilt. Das schönste derselben ist für die Frauenzimmer, und zwar als ihr ausschließlich eigenes, bestimmt; das nachschönste ist für sie und für die jungen Männer, denen der Kapitän Zutritt gestattet. Zwei andere, größere Säle sind einzig für Männer. Alle diese Zimmer sind, wie auf andern Schiffen, seitwärts mit Betten versehen, von denen stets eins über ein anderes angebracht und mit Umhängen, einen auswärts gehenden Bogen bildend, verdeckt sind.

In der Schiffsmitte und zur Seite befinden sich noch kleine Gemächer zu besonderm Zweck, z. B. ein Badstübchen, ein Lesezimmer mit den Werken amerikanischer und britischer Schriftsteller; die Küchen, die Gemächer der Schiffsmannschaft, der Mechaniker, Matrosen, Köche, Mägde und Bedienten, deren zusammen etwa zwanzig Personen sind.

Des Nachts verbreiten große Hängeleuchter die möglichste Heiterkeit rings ums Schiff und warnen die Sloops schon von Weitem, auszuweichen. – Die Seitenräder haben zweiunddreißig Schuh im Durchmesser, und geben dem Schiffe die Geschwindigkeit, binnen einer Stunde Zeit stromauf zwei Wegstunden, und stromab drei Wegstunden zurückzulegen.

Das Ausschiffen und Aufnehmen von Reisenden unterwegs raubt wenig Zeit. Die Schiffsglocke ruft an. Ein am Aussenbord hangender Nachen, groß genug, acht Personen zu fassen, wird schnell ins Wasser gelassen. Die Reisenden steigen bequem auf einer eisernen Geländerstiege vom Schiff ein. Zwei Ruderer bringen den Nachen schnell ans Ufer, während der Matrose am Steuer hinten ein Seil, das am Dampfboot befestigt ist, allmälig abrollen läßt. Aus- und Einladen des Nachens am Ufer ist Sache weniger Minuten. Der Pilot gibt dem Dampfschiff ein Zeichen; sogleich setzt sich dort durch den Mechanismus ein Zylinder in Bewegung, der das Seil des Nachens aufrollt und diesen an sich zieht.

Es war an einem schönen Sonntagsmorgen um fünf Uhr (15. Aug.), als wir vor dem Städtchen Hudson anlangten. Es stellt sich dem Auge gar freundlich dar. Es mag drei- bis viertausend Einwohner haben. Von Zeit zu Zeit tönten den ganzen Vormittag die Kirchenglocken über die Landschaft, welche die Bewohner der umherliegenden Höfe zur Andacht riefen. Um eilf Uhr Morgens kamen wir endlich zu Albany an.

Diese Stadt zählt jetzt vierzehntausend Bewohner und ist ganz in Art und Weise der übrigen neuen Städte Amerika's gebaut. Albany's Handelsverkehr ist sehr bedeutend, weil sich hier der Stapelplatz aller Erzeugnisse vom Norden des Newyorker Staates bis Canada befindet, besonders seit dem Bau des herrlichen Kanals, der vom Hudson bei Albany bis zum Erie-See läuft.

Dies Meisterstück der Kunst und des amerikanischen Gemeingeistes verdient gekannt zu sein. Man denke sich, daß dieser Kanal hundert und zehn Stunden lang ist; daß man über demselben fünfhundert und sechsundfünfzig hölzerne Brücken zählt, und siebenundvierzig Schleusen, jede sieben Schuh höher (denn dies ist der Fall vom Eriesee bis zum Hudsonufer); man denke sich, daß mehrere Leitungen angebracht sind, die das Wasser über Sümpfe und kleine Seen führen (die größte bei Rochester, mehr denn sechsundsechszig Stunden von Albany, ganz von Stein, mit einer Seitenstraße für die Rosse, um die Schiffe zu ziehen) – man denke sich diesen großen, festen Bau des Ganzen, und dann – daß das Alles in Zeit von zwei Jahren vollendet ward.

Ich verweilte in Albany nicht lange; begnügte mich mit einer Besichtigung des Innern der Stadt, nahm einen Reisewagen, übernachtete in Skenectady und befand mich andern Morgens in den berühmten Bädern von Saratoga.

16.
Saratoga's Heilquellen. Utica.
(16. bis 19. Aug.)

Ein junger, gebildeter, sehr unterrichteter Quaker war mein Reisegefährte bis hierher gewesen. Wir gewannen einander lieb und blieben in Saratoga beständig beisammen. Alle Religionen und alle Kirchpartheien haben ihren heiligen Grund und sind wahrlich in ihrem Wesentlichen und Göttlichen nicht so sehr von einander verschieden, als die Menschen in denselben, welche aus Religion und Kirche Werkzeuge ihrer Selbstsucht, ihres Hochmuths, ihrer Milzsüchtigkeit machen und die dummgläubige Unwissenheit Anderer fanatisiren und leiten.

Die Umgegenden von Saratoga schienen mir gar wild. Die Stadt selbst besteht nur aus einer einzigen, sehr breiten aber noch ungepflasterten Straße. Baumstöcke, die hin und wieder mit Wurzelstöcken über einander liegen, deuten an, vor wie weniger Zeit noch der Platz, wo der Ort aufgebaut ist, ein finsterer Wald gewesen, den die Bären bewohnten, die auch jetzt noch oft in der Nachbarschaft sichtbar sind.

Jäger entdeckten vor etwa zehn Jahren zuerst hier die Mineralquellen. Erst seit vier Jahren baute man die prächtigen, pallastartigen Gasthäuser auf, deren nun schon zehn vorhanden sind. Das vornehmste derselben ist ohne Zweifel Congreß-Hall; dann folgen Union-Hall, United-Staten-Hall und der Pavillon. Die Anzahl der Kurgäste, welche sich bei meiner Ankunft hier befand, betrug 1230 Personen, Leute aus allen Staaten des Vereins und Südamerika's, auch einige Europäer.

Der Heilquellen sollen um Saratoga bei zwanzig sein. Begleiter von meinem Freunde, dem Quäker, besucht' ich und kostete ich mehrere. Man bemerkte uns jedesmal, bei welcher die Kur begonnen, bei welcher sie beendet werden müsse. Einige lauwarme Quellen hatten den Geschmack von denen zu Baden im Kanton Aargau; andere glichen dem Selterserwasser; die Quelle von Balston, zwei Stunden von Saratoga, hatte die größte Aehnlichkeit mit der vom Schwarzbrünnli bei Gurnigel im Kanton Bern.

Nur wenige Gäste baden; die meisten begnügen sich mit Trinken des Wassers. Des Morgens sieht man in dieser werdenden Stadt Alles von Gehenden und Kommenden belebt. An jeder Quelle stehen ein paar Kinder, die mit einem Stabe, an dessen Ende drei Gläser in eisernen Reifen oder Käfigen hängen, das Wasser schöpfen und den sie umringenden Trinkern bieten.

Unter den Trinkern befand sich auch der ehemalige König von Spanien, Joseph Bonaparte. Er scheint sich als freier harmloser Bewohner eines Freistaats weit glücklicher zu fühlen, denn vor Zeiten im königlichen Glanz. Er, von etwas mehr als mittlerer Stärke, hat ein volles, ausdrucksreiches Gesicht und angenehmere, freundlichere Züge, als sein Bruder, der große Napoleon.

Noch ist in Saratoga nur Alles erste, rohe Anlage; Sorge für das dringendste Bedürfniß. Noch fehlt es selbst an Lustgängen für die Gäste. Die Umgegend hat indessen viel Anmuth, obgleich sie von Wäldern und kleinen Hügeln umringt ist. Auf einem dieser Hügel, nicht weit vom Orte, hat man eine Aussicht bis zum St. Georgensee.

Dennoch fehlt es in dieser Gegend, wo sonst die Wilden, vom Stamm der Irokesen, hauseten, wo man in den nahen Waldungen noch die Ueberbleibsel ihrer zahlreichen Befestigungen, ihrer Gräber u. s. w. erblickt, nicht an Mitteln des geselligen oder einsamen Genusses. – In einem Lesesaal fand ich die Werke der besten amerikanischen und englischen Gelehrten, und bei hundert verschiedene Zeitungen aus allen Staaten des Vereins. Der Saal war von stillen Lesern angefüllt. Ueber demselben ist ein anderer Saal, in welchem man Liebhabern eine Sammlung von Mineralien und andern Naturmerkwürdigkeiten, oder Kunsterzeugnissen der Indianer vorzeigt, die man in den Umgegenden gefunden hat.

Auch Schauspiel fand sich. Eine Gesellschaft kommt zu gewissen Zeiten von Newyork hierher und giebt ihre Vorstellungen. Ich hatte sie schon in Newyork gesehen und sehr mittelmäßig gefunden. In Congreß-Hall gab es, durch Unterschriften, Abends einen Ball. Man walzt in Amerika wenig; desto mehr sind Quadrillen beliebt und eine Art Hopser.

In Skenectady, wo ich einen Preussen mit seiner Gemahlin fand, der von St. Thomas kam, wo er Consul war, und nach Saratoga reisete, bestieg ich ein langes, bedecktes Schiff, um den großen Kanal hinauf zu fahren. Zwei Jagdhörner gaben das Zeichen zur Abreise; sie waren es auch, welche den Schleusenwächtern die Ankunft des Schiffes verkündeten, so wie den beiden Zugpferden, die alle zwei und eine halbe Stunde gewechselt wurden, da sie in dieser Zeit im scharfen Trott fünf Wegstunden zurückgelegt hatten. – Der Uebergang von einer Schleuse in die andere ist Geschäft von zwei Minuten. In vierundzwanzig Stunden hatten wir vierzig Wegstunden gemacht.

Bei Utica, einem Städtchen von zweitausend Seelen, am Ufer des Mohawkflusses, hielten wir an. Der Kanal geht über diesen sich viel schlängelnden Strom mehrmals hinüber, oft zwanzig Schuh mit der Wasserleitung über der Oberfläche des Flusses. Und immer ist dabei seitwärts doch Raum zu einem Weg für die Rosse gespart, die das Schiff ziehen.

Wir waren unserer sechsunddreißig Reisende auf dem Fahrzeuge. Von der Gegend war selten viel zu sehen, der Kanal schneidet meistens schnurgrade durch Thäler und unermeßliche Waldungen. Hier ist noch der Boden in uralter Wildniß; wenig bevölkert. In der Nähe des kleinen Fleckens Frankfurt hörten wir das Tosen eines Wasserfalles, der ziemlich beträchtlich sein soll.

Aber diese Einöden werden durch die Nähe des Kanals bald lebendig und urbar werden. Schon jetzt wird die Stadt Utica blühend. An einer Seite derselben, wo vor Kurzem noch der finstere Rest eines Waldes verschont stand, ist jetzt ein breites Wasserbecken gebaut, in welchem zierliche Schiffe, beladen mit Waaren und Menschen, landen. Täglich brachten in den Monaten Juli und August, der Zeitung von Utica zu Folge, zwei Schiffe fünfzig bis sechszig Reisende, von denen die mehrsten nach dem Erie- und Ontario-See gingen. Nicht so zahlreich, wie ich nachher aus der Newyorker Zeitung ersah, sind die Reisenden im Spätjahr. Hingegen der Waarenverkehr zeigte sich noch im Oktober 1824 so lebhaft, wie im August, da ich selbst in Utika war.*)

*) Es kann Liebhabern der Statistik vielleicht lieb sein, zu erfahren, welche Arten Waaren vorzüglich nach Utica gebracht wurden. In einem Jahrzehend ist's gewiß anders; aber dann könnte es noch geschichtlich anziehend werden. Ich will also das Verzeichniß der in Utica während der ersten Oktoberwoche 1824 eingeführten Waaren hersetzen, wie ich dasselbe in mein Reisetaschenbuch aus der Newyorker Zeitung damals eintrug.

Die in erwähnter Woche zu Utica eingelaufenen 127 Fahrzeuge führten: 3310 Faß Mehl, das Faß zu 6 Scheffel; 1686 Faß Salz; 315 Faß Lebensmittel; 460 Faß Asche; 6300 Scheffel Getreide; 130 Scheffel Leinsamen; 763 Scheffel Pfirsiche zum Destilliren; 9094 Gallonen Whisky (Kornbranntwein, der Gallon hält 2 Maas); 105,844 Fuß Brett- und Zimmerholz; 10,000 Latten- und Schindelbünde; 158 Zentner Speck und Butter; 323 Tonnen Gyps; 500 Tonnen anderes Material; 27 Tonnen Käse; 30 Tonnen Hopfen; 953 Kisten Glaswaaren; 19 Zentner Sämereien; 91 Tonnen Porzellanthon; 15 Kisten Kleider; 3 Kisten rohe Häute; 3 Tonnen Gänsefedern. Ausserdem viele andere Kleinigkeiten.