Und dieser Garten blüht,
Nie Gold und Silber das Leitmotiv war.
Doch als die Zeit verstrich,
Sachte das Haupthaar blich,
Nahet dem Werke das silberne Jahr.
Mit seiner Lesewelt
Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn.
Altern nicht wehe tut;
War nur die Ehe gut,
Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn.
Schlicht dieses Blatt entstand,
Liegen, wie immer, die Geister in Streit.
Und dieser Garten hier
War teils ein Kampfrevier,
Teils ein Idyll auch in stürmischer Zeit.
Freilich auf Sand und Dorn,
Oft hat gesäter Wind Sturm auch gebracht.
Ist es auf Bergeshöhn
Nicht der befreite Föhn,
Der aus dem Eise den Frühling entfacht?
Soll ewig Herrscher sein;
Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern!
Was wir im Lenz gesät,
Ahnend schon aufersteht:
Freude den Menschen und Ehre dem Herrn!
Einst auch der Gärtner müd,
Reichend den Spaten dem andern zur Hand,
Wird das Vermächtnis sein:
Treuet den Garten mein,
Heimgarten ewig dem steirischen Land!
Sonnengruß.
Den Deutschen in Amerika.
1904.
Der Sonnenball
Flicht täglich Bruderbande,
Und grüßt euch all!
Des Westens nahm,
Das euch in Lichteshelle
Von Osten kam.
Des Westens Mut
Führt euch mit Kraft das Steuer
Durch hohe Flut.
Die uns bescheint;
Die Liebe ist's, die reiche,
Die uns vereint.
Von uns zu euch;
Die Sonne geht nicht unter
Im Deutschen Reich.
Es zieht ein Segen von Haus zu Haus.
Zum Schillertag 1905.
Es klingt in den Lüften und klingt nie aus,
Es rauscht in den tiefen Gewässern.
Es ruht in der Erde und keimt empor,
Es blüht aus den holden Maien hervor
Und glüht in den Herzen der Bessern.
Dahin durch des Himmels ewigen Dom,
Daß der Erde Urgrund erbebet.
Es tönet ein zarter, süßer Gesang
Wie Saitenzittern, wie Nachtigallklang,
Der alles weckt und belebet.
Das Sehnen nach Großem, die Hoffnung auch
Zu schauen einst glückliche Zonen.
Ein heiliger, glühender Geist durchzieht
Wie Sonnenleuchten das dunkle Gemüt,
Die höchste der Religionen. —
Hie Todestag — hie Ostertag,
Der Geist wird freigegeben.
Wenn große Menschen schlafen gehn,
So ist es ein neues Auferstehn
Zu wahrem, wirkendem Leben.
Durch dieses Lebens Fried' und Sturm
In Freud' und Leid uns läutet,
So Friedrich Schillers hehrer Sang
Dem Menschensohn auf lebelang
Viel Trost und Heil bedeutet.
Schon tönt's ins zweite Jahrhundert fort
Und hallet im dritten wieder.
Der Hirt in der Alpen Himmelsnäh',
Der Schiffer auf ferner, wildwogender See
Empfindet und singt seine Lieder.
Der Sklaven den Drang zur Freiheit schuf
Und sie zu Menschen erkoren.
O kennt ihr des Sängers wildweckenden Schrei:
Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und wär' er in Ketten geboren!
Ans Vaterland, Bürger, schließ dich an,
Bleib treu deinem Lande und Blute!
Dann deutet er mahnend himmelwärts:
Nicht an die Güter hänge dein Herz!
Häng es allein an das Gute!
Die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben! —
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht
In ihrem heiligen Streben. —
Ein Gut, der Deutschen Stolz und Glück,
Ein flammendes Gotteszeichen;
Das Erbe der Nibelungen und
Die Schätze all in Kyffhäusers Grund
Sind nicht damit zu vergleichen.
Des Dichtererbes den treuen Bund
Auf allen unseren Wegen:
In Güte treu, in Frieden frei,
Ein einzig Volk von Brüdern sei
Des deutschen Dichters Segen!
Ruf zur Hilfe
bei einer Elementarkatastrophe in Steiermark.
Der Charitas Gesang.
Seht ihr die Menschen wallen
Die Straßen froh entlang?
Sie ziehen, traun, dem Rufe nach,
Durch Täler, über Berg und Bach,
Dem Weihesang zu lauschen.
Es wogt der blaue See,
Und Minnelaute tauschen
Das Böcklein und das Reh.
Es schwillt und knospet Trieb um Trieb,
Es blüht die heilige Bruderlieb'
Im schönen Lande Steier.
Des Schicksals dunkle Hand
Senkt nieder grause Schleier
Mit Sturm und Blitzesbrand.
Des Landmanns Haus und Feldeshab'
Verwandelt sich zum Wüstengrab. —
Gehört das auch zum Feste?
Ein wohlerwogner Rat:
Der Heimatsehren beste
Ist eine gute Tat.
Hißt auf die Fahnen weiß und grün,
Und laßt das Alphorn schallen hin,
Die Brüder all zu rufen.
Die wir der Styria
In heißer Liebe schufen,
Kommt her aus Fern und Nah.
Der Mund für Sang und Bechersrand,
Das Aug' dem Licht, die offne Hand
Den armen Landsgenossen.
Ist uns der Väter Art
Ins warme Herz gegossen,
Daß sie die Scholle wart'.
So danken wir in Tat und Spiel,
Daß dieses Land vom Himmel fiel
Und unser Heim geworden.
Zieh' fremder Geist herein,
Der Ahnen Kraft zu morden,
Die Brüder zu entzwein —
Des laßt in Einigkeit uns stark
Der heißgeliebten Steiermark,
Der heiligen Heimat walten.
Die Heimatliebe mag,
Soll nunmehr sich gestalten
Ein froher Steirertag,
Zu zeigen, daß in Glück und Not,
Und wenn den Brüdern Unheil droht,
Wir treu zusammenhalten.
Festgruß.
Geweiht dem Wiener Sängerbunde zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum.
Naht brüderlich deutschen Söhnen,
Zu grüßen als Sänger mit schlichtem Wort
Die Sänger mit klingenden Tönen.
Grüß Gott! Grüß Gott! erschall aufs neu
Des Vaterlandes Ehr' und Treu!
Mit frohem Festesrauschen,
Bereit, der Menschheit hohem Lied
Von eurem Mund zu lauschen.
In ernster Zeit aus Mannesbrust
Ein froher Sang ist Trost und Lust.
Das Gelöbnis zum Bruderbunde,
Es klinge hinaus im dreifachen Lied
Der hehren Weihestunde;
Es wecke Freude, Mut und Kraft
Und dämpfe rohe Leidenschaft.
Im seligen Ahnen und Sehnen,
Er gilt dem Geiste der Ewigkeit,
Er gilt dem Guten und Schönen.
Die Guten und Schönen auch unserer Wahl,
Begrüßet sie minnig im Liedesschall!
Er braus' von Geschlecht zu Geschlechte,
Das Schwert in der Hand, so weihet ihn, traun,
Für heilige Menschheitsrechte.
Der Unschuld Schutz, der Freiheit Wehr,
Der Falschheit Trutz, der Wahrheit Ehr'!
Die Schilder kühn geschwungen!
Des Vaterlandes Hochgesang
Erschall von allen Zungen.
Dem deutschen Volk in Fried' und Streit
Mit Herz und Hand in Ewigkeit.
Erschuf auch klingende Kehlen,
Und manches, was das Schwert zerriß,
Das Lied kann's wieder vermählen.
Der Schönheit Band, der Freude Gruß
Die Menschen brüderlich einen muß.
Zum Kongreß der Schwachsinnigenfürsorge in Graz.
1908.
Führet jeden mit euch, der vergessen vom Glück.
Dem die Ampel verlosch, dem die Glut nie gebrannt,
Das Kind, das den leitenden Stern nie gekannt,
Sie taumeln in Nacht und Verlassenheit. —
Ihr begnadeten Pilger der Ewigkeit,
Führt alle mit euch in Liebe und Pflicht.
Lasset keinen zurück auf dem Wege zum Licht!
Gruß den Touristen.
Hat man — ich ward es inne —
Vom tiefen, kühlen Kellersgrund
Und von der Alpenzinne.
Den Erdenpilger beseelen,
Gott schütz uns gnädig vor flacher Öd'
Und flachen Alltagsgesellen!
Aus dunkler Tiefe nach oben,
Und unsere Jakobsleiter ist
Aus Fels und Gletschern gewoben.
Als Endziel nicht unser Eigen,
Wohl ungeahnte Höhen noch
Die Menschheit hat zu ersteigen.
Auf himmelansteigenden Wegen.
Ich reite auf hinkendem Pegasus
Dem leuchtenden Ziele entgegen.
Der Menschlichkeit Taten und Lieder
Im reinen göttlichen Sonnenstrahl,
Dort oben sehn wir uns wieder.
Dichter der Heimat.
Gottfried Ritter von Leitner.
(Zum 90. Geburtstag.)
In Rat und Tat, in Sag' und Sang gegeben,
Darum der Landesfarbenschmuck in hohen Jahren,
Der grüne Lorbeer auf den weißen Haaren.
Robert Hamerling.
Die größte Lust, den tiefsten, unbegrenzten Schmerz,
Schon eins zu schwer für schwache Erdenpilger,
Gott' legt sie alle in dies Dichterherz.
Ludwig Anzengruber.
(Redakteur des »Figaro«.)
Der muß ein Witzblatt machen,
Ein tragischer Witz, bei meiner Seel',
Man möchte Tränen lachen!
Karl Morre.
Gab dir Gott mit voller Hand,
Ungezählt und ungewogen
Streust du Schätze in den Sand,
Doch gezählt und wohlgewogen
Wird dein Name sein im Land.
Dichtergassen.
Baut sie nicht an Häusermassen,
Nicht in staubdurchqualmter Enge,
Wo nach Mammon hetzt die Menge.
Bauet sie durch grüne Auen,
Wo die kühlen Wälder tauen,
Bauet sie nach Bergesspitzen,
Wo beim Mahl die Götter sitzen.
Und wenn euch in Niederungen
Fast ersticken Herz und Lungen,
Laßt den Plunder liegen, stehen,
Folgt den Dichtern zu den Höhen! —
Wer dies Märchen nicht kann fassen,
Der soll alles Dichtergassen-,
Dichterstraßentaufen lassen.
Musiksegen.
(An meinen Sohn.)
Sie ist ein Heiland auch mir,
Wenn sie als treuer Engel
Dich führend bleibt bei dir.
Wenn sie, mein Kind, dich behütet
Vor Lastern, den gemeinen,
Wenn sie dich hebt und leitet
Zu Freuden, zu den reinen.
Zieh unterm Lorbeerzweige
Auf klingendem, seligem Eiland,
Voll Dornen zwar sind die Steige,
Und ein Kreuz trägt jeder Heiland.
Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz.
*
O Mensch, du sollst deine Eltern ehren!
Und ein neues Gesetz die Weisung gab:
O Mensch, du stammst vom Tiere ab!
Die Moral davon, die liegt nicht weit,
Du sollst achten die Tiere zu aller Zeit.
Und erkennst du sie schon als Stammeltern nicht,
So ist es als Mensch deine heilige Pflicht,
Den Tieren, die dir ihr Dasein weihn,
Ein gütiger, milder Schutzherr zu sein.
Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du,
Das Tier hat Freude und Schmerz wie du.
Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du,
Das Tier hat ein Recht zum Leben wie du.
Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben,
Doch kürzer noch ist des Tieres Leben.
Und muß es dein armer Sklave schon sein,
In dunkler Nacht wie im Sonnenschein,
Und opfert es dir seine Kraft und Ruh'
Und wendet dir all seine Neigung zu,
Oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint
Du seiest sein allergrößter Feind:
O sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen
Den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen.
O sieh sein flehendes Auge an,
Es blickt dich eine verwunschene Seele an.
Schon vor vieltausend Jahren die Alten
Haben deutsam an dem Glauben gehalten:
Die Menschenseele müsse wandern,
Von Tier zu Tier, von einem zum andern.
's ist Wahres dran; der Mensch ist geschaffen
Aus ähnlichem Stoff wie Vögel und Affen.
Die Tierexistenz und das Menschenleben
Ist einem und demselben Geschick untergeben;
Wir haben mit jedem Wurm gemein
Das Kämpfen und Ringen ums irdische Sein,
Und wenn wir auch manches Hohe erwerben,
Wir haben mit jedem Tiere gemein:
Das Leiden und Sterben! Das Leiden und Sterben!
O glaubt mir doch, es nimmt besseren Lauf,
Der Mensch hebt das Tier zu sich hinauf,
Als, er stiege durch Roheit und unreine Taten
Zum niedrigsten Tiere hinab in den Schatten.