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Mein Lied

Chapter 19: Urwaldstimmung.
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About This Book

A lyrical collection of poems that dwells on rural life, homeland, and nature, using pastoral imagery and simple folk voices to evoke childhood, family ties, and mountain and forest landscapes. Many pieces turn inward to examine love, longing, and moral feeling, while others offer social observation, satire, or didactic reflection on ambition and artistic vocation. Several poems adopt devotional registers—prayers, hymns, and meditations on sin and consolation—so that the sequence moves between earthy nostalgia and spiritual yearning, balancing intimate lyric moments with broader ethical and existential questions.

Ich bin ein armer Hirtenknab',
Der Wald, das grüne Feld,
Mein Brotsack und mein Birkenstab
Ist meine ganze Welt.
Und zieht mein Schäflein grasend hin
Auf grüner, frischer Au,
So gras' auch ich für meinen Sinn
Im hohen Himmelsblau.
Und bricht die dunkle Nacht herein,
So schau ich dort hinauf:
Es blühet in der Sterne Schein
Die Liebe Gottes auf! —

Ich bin daheim auf waldiger Flur.

Ich bin daheim auf waldiger Flur,
Mein Hüttchen ist ein grüner Baum,
Mein Ruhebett der Wiesensaum
Am Herzen der Natur.
Ein Rehlein kommt durch Zweige dicht,
Mir dringt ans Ohr sein weicher Laut,
Es sieht mich an, es spricht so traut,
Und ich versteh' es nicht.
Nun kommt ein blühend Mädchen noch,
Und sinnend steht es auf der Flur;
Es sieht mir stumm ins Auge nur,
Und ich versteh' es doch.

Kindesgebet.

Da hat mir einmal ein Vöglein erzählt,
Wenn fromm ein Kind im Abendgebet
Voll Liebe für Vater und Mutter fleht,
Da klinge ein Lied durch die ganze Welt,
Da säusle ein Mai'n durch die Lüfte hin,
Da strahlten die Felsen im Alpenglühn,
Da steige der Ewige niederwärts
Und schließe Eltern und Kind ans Herz!

Das Kind in seiner jungen Zeit.

Das Grünen ist ein Auferstehn,
Das Reifen ist ein Sinken.
Drum laß' das Kind zu seiner Zeit
Die reinen Freuden trinken.
Das Kind in seiner jungen Zeit
Ist Brennpunkt aller Sonnen,
Des Daseins hold begrenztes Ziel,
Des heiligen Glückes Bronnen.
Wächst es heran, ist nichts mehr sein,
Muß um die Wette laufen,
Mit jedem Tag und jeder Plag'
Sein Leben neu erkaufen.
Der erste Drang der Lieb' ist schon
Des Todes erstes Fodern,
Ein Korn, das junge Keime treibt,
Fängt selbst schon an zu modern.
Das Grünen ist ein Auferstehn,
Das Reifen ist ein Sinken,
Drum laß' das Kind zu seiner Zeit
Die reinen Freuden trinken.

Mein süßes Kind, du weißt noch nicht ...

Da hüpft mein liebes, lockiges Kind
Im grünen, sonnigen Rosenhag,
Umblüht von Knösplein schwellend hold,
Umschallt von hellem Lerchenschlag.
Sein Äuglein strahlt, sein Mündchen jauchzt
In unbewußter Lebenslust.
Mein süßes Kind, du weißt noch nicht,
Wie bald du wieder sterben mußt.
Wie sieht sich doch im Wahn des ewigen
Lebenstags ein Frühling an?
Du fühlst, was aufblüht — doch was welkt?
Zu Grabe sinkt? Du denkst nicht dran.
Ein junger Gott bist heute noch;
Wie wirst du dich entsetzen, Kind,
Wenn dir die erste Botschaft kommt,
Daß alle Wesen sterblich sind.
Ach, ich verschweig' dir, was ich weiß,
Nur blick mir nicht ins Aug' hinein,
Es könnt' sich spiegeln drinnen noch,
Was ich gesehn im schwarzen Schrein. —
O, leb in Glück, mein Kind! Und erst
Wenn du von allem, allem satt,
Erst dann vernimm, was Gott für dich
In seiner Lieb' bereitet hat.

Zum Weihnachtsbaum.

Ein Herzensgruß allen kindlichen Gemütern.

*

Friede war im Wald und jeder Baum beglückt
Durch schöne, reife Frucht, womit der Herbst geschmückt
Die Äste all, daß jeder Zweig sich bieget,
Bis hoch hinauf, wo leis' die Krone wieget.
Doch höret: wo's zum Segen will gedeihn,
Da findet sich auch gern der Hochmut ein
Und selbst der Neid. Und jeder wollt' sich prahlen,
Daß seine Frucht die schönste sei von allen;
Und jeder hing an seine längsten Äste
Als stolzes Aushängschild der Früchte beste.
Es war ein herrlich Wogen bis zur Spitze,
Ein Wetten, wer das Feinste wohl besitze. —
Nur Eines litt im Wald viel Weh und Gram
Und barg sich ins Gesträuch voll tiefer Scham.
Ein Tannenbäumchen war's, gar schmächtig, schlank,
Wohl aller Früchte, auch der ärmsten, blank;
Und während andere stolz im vollen Prangen,
Hatt' es an seinem Stamm nur Nadeln hangen,
Nur dunkelgrüne Nadeln, zart und spitz;
Sie stachen leicht, doch schärfer stach der Witz
Der andern, und ihr Höhnen, schal und widrig,
Dieweil das Bäumchen, ach, so arm und niedrig.
Es flüsterte der Wald sich in die Ohren
Vom Taugenichts, der da umsonst geboren,
Und warf ihm boshaft gar zu Spott und Schmach
Die ersten gelben, dürren Blätter nach.
Das schnitt dem Bäumchen tief ins junge Herz,
Es wollte schier vergehn in Leid und Schmerz
Und weinte, tiefbedrängt vom Weh, dem schweren,
Das Harz heraus, die bittersten der Zähren. —
So duldete das Bäumchen still und fromm;
Da zog hernieder durch den nächtigen Dom
Ein Engel aus des Himmels heiligen Hainen,
Der sah den armen Dulder schmerzlich weinen.
Er ließ sich erdenwärts vom weiten Raum
Zur armen Tanne, sprechend: »Liebster Baum!
Du warst bisher verachtet und verflucht,
Doch tragen wirst du noch die schönste Frucht,
Die je ein Baum getragen hier auf Erden,
Du sollst der Baum der höchsten Freude werden!« —
Wie wurde jetzt der Himmel trüb und grau.
Es blies ein kalter Wind auf Heid' und Au,
Er heulte durch den Wald voll herber Hast
Und rüttelte die letzte Frucht vom Ast.
Wie bald war jeder Baum, der einst geprahlt,
Der Frucht und Blätter bar — gar kahl und alt,
Es fielen Flocken, und es krächzten Raben,
Und sieh, der stolze Wald war wie begraben.
Nur jenes Bäumchen steht noch frisch und frei
Und grünt und flüstert sanft, wie einst im Mai. —
Und als die heilige Nacht gekommen war,
Da schwebte durch den Wald die Engelsschar
Zum Bäumchen zart und trug es durch die Nacht
In festlich aufgegangener Strahlenpracht.
— Wie Flammen sich zu Sternenkränzen reihn!
Und Früchte, die im Himmel nur gedeihn,
Die reifen auf dem Baum, und Gottes Herz
Sank liebevoll erlösend erdenwärts. —
So trägt der Baum, dereinst verschmäht, verflucht
Wie unser Heiland selbst, die schönste Frucht.
Und wo er kommt, da kommt er nicht allein,
Da bringt er Gaben mit für groß und klein,
Er führt den Jubel ein ins stille Haus
Und streckt die hundert vollen Arme aus,
Und bei dem Kindsgemüt im trauten Raum,
Da ist er recht daheim, der Weihnachtsbaum. —
— O, hört ihr säuseln es in seinen Zweigen,
O, hört ihr klingen sie, die Himmelslieder?
O, seht die Engelsschar in lichten Reigen,
Sie steigt zum lieben Kindesherzen nieder.
Dann grünt und blüht sie auf, die Lieb', im reinen
Allseligen, alleinzigen Erdentraum.
O sei mir hoch gegrüßt, du Freund der Kleinen,
Du Himmelsbote, heiliger Weihnachtsbaum!

Einst wirst du die Träne fliehen.

O weine, liebe Jugend, weine,
Solang die Träne dir noch süß ist,
Ein Bote milder Herzensreine,
Und nicht der herben Kümmernis ist.
Denn einst wirst du die Träne fliehen,
Und lachend laut, trotz innrer Peinen sein,
Doch bittrer wird dein schrilles Lachen,
Als heut dein stilles Weinen sein.

Die Erweckung.

Die Mutter schläft in der Friedhofsruh'.
Da kommt ihr ältester Sohn auf Besuch
Und ruft mit freudiger Stimme aus:
»Liebe Mutter, komm in mein schönes Haus,
Ich habe ein holdes, ein fröhliches Weib
Und Kinder so frisch wie die Rosen im Mai,
O Mutter, Mutter, ich lade dich ein,
Komm, und hilf uns glücklich sein.«
Die Zypressen schweigen — die Mutter schläft.
Dann kommt der zweite Sohn geritten,
Mit stolzer Würde und feinen Sitten.
»O Mutter, könntest du auferstehn,
Um selbst zu sehen, was mir ist geschehn.
Der König hat mich zum Minister erwählt,
Es jubelt mir zu die halbe Welt.
Mutter, o komm, nimm teil an der Ehr',
Die deinem Sohn so reich widerfährt.«
Die Zypressen schweigen — die Mutter schläft.
Da kommt der jüngste Sohn gegangen,
Hat rote Augen, fahle Wangen.
Sein Ton ist heiser, sein Wort ist müd,
Er weiß von Glück und Ehren kein Lied.
»O Mutter, ich bin so ganz allein,
So seelenverlassen und ganz allein,
Und Hunger —«
Am Hügel rieselt der Sand — die Mutter wacht auf.

Es kann einem wunderlich träumen!

Nun wollt' ich schlafen.
Das Tagwerk ist recht hart gewesen.
Bin ich erschaffen
Für Bauernbrot und Bauernnot?
Das ist meine Frag' gewesen.
Da seh' ich ein Häuslein wohl schön gebaut,
Und ein Weib in Huld zum Fenster ausschaut;
Der Fenster waren eben drei,
So schauten aus auch Kindlein zwei
Und riefen: Vater! — Ich tat mich heimen.
— Es kann einem wunderlich träumen!
Dann ging ich dichten.
Und die Leute taten mir Kränze winden.
Und muß berichten:
Eine Maid sagt: Du bist mein allein,
Ich will dir Sträußlein im Lenze binden.
Ich sag': Was soll mir dein Blumengruß,
Wenn ich ein Geheimnis verschweigen muß,
Daß Fraue du zu aller Frist
Mein' herzallerliebste Freude bist!
Drauf tat sie mit Küssen nit säumen.
— Es kann einem wunderlich träumen!
Jetzt kamen Freunde
Und taten mich in die Ferne führen.
Mein Lieb, das weinte.
Ich steig' zum Glück, sie bleibt zurück
Und klagt: »Ich wollt' dich gerne führen!« —
Ich finde Freude, Gut und Geld
Und alle hohe Ehr' der Welt. —
Endlich die Lieb' mich zur Heimat ruft,
Da find' ich die Maid in der Totengruft.
Drum sollst du dein Herz nicht versäumen.
— Es kann einem wunderlich träumen!

Ich bin ein großer Herre!

Ich gebe mir die Ehre
Und sing' ein Liedel fein,
Ich bin ein großer Herre,
Die ganze Welt ist mein.
Der Landmann, der mag säen
Und ernten Korn und Lein;
Doch Feldesblühn und -wehen
Zur Maienzeit ist mein.
Die Karner mögen tauschen
Und nutzen Baum und Stein,
Doch Waldesgrün und -rauschen
Und Waldesruh ist mein.
Wie arm sind doch die Reichen,
Vom Herzensfrieden fern,
Oft Knechte sondergleichen
Sind diese hohen Herr'n.
Sie streiten sonder Labe
Mit Schwert um Land und Meer;
Ich zieh' mit meinem Stabe
Erobernd hinterher.
Wie lustig ist das Wandern,
Die Sorgen sind ja klein;
Die schwere Welt ist andern,
Die schöne Welt ist mein.

Habt Dank, ihr guten Leute!

Habt Dank, ihr guten Leute,
Für dieses reiche Mahl,
Das ihr mir aufgetragen
In buntbekränzten Schüsseln
Und Goldpokal.
Mein Herze dürstet nimmer
Nach Weltgenuß und Ehr',
Im stillen Dorf zu leben
Als Mensch bei schlichten Menschen,
Was soll ich mehr?
Daß ich im Frieden atme
Und dankbar, angesichts
Der heiligen Wunder Gottes
Mich meines Lebens freue,
Sonst will ich nichts.
Ich werde nimmer müde,
Des Himmels Glanz zu schaun,
Auf seiner Wolken Spiele,
Auf seiner Flocken Reigen
Mein Lust zu baun.
Der Lüfte sanftes Wiegen
Und wild gewaltige Macht,
Der Wässer Steigen, Stürzen,
Hat stets mir Seligkeiten
Ins Herz gebracht.
Und sink' ich einst zu Grabe
Von heitrem Tageslicht,
Die Erde, ewig Rosen
Aus ihrem Schoße sendend —
Ich fürcht' sie nicht.

Ich will nichts von dir.

*

Ich hab' mir erbaut
Ein Häuschen allhier,
O Leben so laut,
Was willst du von mir?
O führ mich nicht hin
Ins friedlose Feld,
Ich bleib', was ich bin,
Mir selber die Welt.
Mein Glück ist in mir,
Behalte du dich;
Ich will nichts von dir,
Nur lasse mir — mich!

Urwaldstimmung.

O ruhsamer Wald, wie bist du fein!
Wie bist du in Ewigkeit jung und rein!
Vom blutigen Kreuzweg der Menschensöhne
Entweiht keine Spur deine heilige Schöne.
Wohl heut wie zur Urzeit die Stürme tosen,
Und wühlen im See und brechen den Baum.
Wohl heut wie zur Urzeit blühen die Rosen
Und funkelt der Tau am Blütensaum. —
In dir ist Ruh'.
Mein Leib will liegen
In blumiger Wiegen.
Meine Seele kam her aus unendlichen Zeiten,
Und wie der wandernde Vogel den Ast,
So wählt diesen Leib sie zur kurzen Rast,
Ehe weiter sie fliegt in die Ewigkeiten.

Wenn alle Wälder schlafen.

Wenn alle Wälder schlafen
Und alle Quellen schweigen,
Die Nebel stille steigen,
Die Sterne leis' sich neigen,
Da ist das einsam Leben
Ein selig, selig Sein.
Wenn alle Wipfel flüstern
Und alle Vögel singen,
Wenn alle Geigen fiedeln
Und alle Kehlen klingen,
Da ist das einsam Leben
Wohl eine harte Pein.
Ob träumen still, ob jubeln
Im lauten Kreis der Freuden,
Das beste ist, vom Leben
Ohn' allen Abschied scheiden.
Drum sei das einsam Sterben
Gesegnet nur allein.

Ruh' im Walde.

In der Berge Falten tief geschmiegt
Und gewickelt in den weichen Wald,
Wie das Kindlein in der Wiege liegt,
Ist mein liebster Aufenthalt.
Wie die Mutter sang, so singt der Bach,
Und in Wipfeln muntre Vögelein
Rufen mir der Jugend Märchen wach,
Singen mich zum Schlummer ein.
Von den Kronen wehen Blütenreigen,
Decken mich im kühlen Schatten zu,
Und ein Engel flüstert's allen Zweigen:
Leise rauschet seiner Ruh!
Laß mich einstens, Götterlieblingssohn,
Finden in der Waldesruh mein Ziel,
Kränz mir dort die Stirn, anstatt mit Mohn,
Mit dem heiligen Asphodil.

Wollte heim in meine Berge.

Wollte heim in meine Berge,
Um den Frieden zu umfassen,
Den ich weltlusttrunken einst im
Grünen Wald zurückgelassen.
Gab ihn einem muntren Vöglein
In Verwahrung, bis ich käme,
Und den süßen Jugendfrieden
Wieder an den Busen nähme.
Hab' mit meinem heißen Herzen
Ruhlos nun den Wald durchzogen.
Doch das liebe muntre Vöglein
Ist schon längst davongeflogen.

Alpenrose — Edelweiß.

Edelweiß und Alpenrose,
Sinnbild ihr der Menschenlose,
Sinnbild unsres höchsten Glücks.
Blutige Rose! Liebe, Leben,
Nimmermüdes Lustanstreben,
Flammenleuchte des Geschicks.
Doch wie bald ist es geschehen,
Daß die Rose muß vergehen,
Bald sind Erdenfreuden fern.
Dann empor zu höchsten Zinken,
Dort wird noch dem Wandrer winken
Der Entsagung blasser Stern.
Ach, an seinen heißen Gluten
Muß zu früh das Herz verbluten,
Und zurück, als letzter Preis,
Bleibt ein wunschlos kühles Träumen
In dem Haupt mit Silbersäumen
— Süßes, seliges Edelweiß!

Meine Lust ist Leben.

Gute Nacht, ihr Freunde,
Ach, wie lebt' ich gern!
Daß die Welt so schön ist,
Dankt' ich Gott dem Herrn.
Daß die Welt so schön ist,
Tut mir bitter weh,
Wenn ich schlafen geh!
Ach, wie möcht' ich einmal
Noch von Bergeshöhn
Meine süße Heimat
Sonnbeleuchtet sehn!
Und den Herrn umarmen
In des Himmels Näh',
Eh' ich schlafen geh.
Wie man abends Kinder
Ernst zu Bette ruft,
Führt der Herr mich schweigend
In die dunkle Gruft.
Meine Lust ist leben,
Doch sein Will' gescheh,
Daß ich schlafen geh!

Gruß aus Italien an die Heimat.

Du treues Haus auf stiller Bergeshöh',
Von weichem Mondessilber mild umgossen,
Wie grüß' ich dich aus fernem welschem Land,
Wo nirgends deine Tannenwälder sprossen.
Wo nie ein Wort der heiligen Sprache klingt,
Die du zum deutschen Erbe mir gegeben,
Und wo man leicht im tollen Fastnachtstanz
Verschachert und verjohlt sein heißes Leben.
Ein Land, so schön und reich und hochberühmt,
Bewohnt von frohem Volk in Bettlerlappen,
Das auf den Trümmern seiner großen Zeit
Sich kindisch freut an bunten Narrenkappen.
Ein Land, ein Märchengarten auf dem Meer,
Ein Eden, das sonst nichts mit dir gemein,
Du Heimatsmatte auf der Bergeshöh',
Als Gotteshimmel mit dem Sonnenschein.

Vergib mir, o Süden!

Vergib mir, o Süden!
Ich kann dich nicht lieben,
Ich muß dich meiden,
Meine Wünsche, meine Freuden
Stehn auf dunklem Grund geschrieben.
Meine blassen Taten
Leuchten nur in nordischem Schatten.
In Sturmessausen
Und Wälderbrausen,
In Schnee und Eiseskern,
In düsteren Nebeln
Glänzt mein Stern.
Du, o Süden,
Mit deines Lichtes Grelle,
Versengst mir die Seele.
Deine kahlen Berge und Schluchten,
Deine schattenlosen Buchten,
Deine heißen Terrassen
Und staubigen Straßen,
Deine gekochten Lüfte,
Deine einschläfernden Düfte
Und übelriechenden Dünste,
Deiner schmutzigen Gassen
Lautes Sichgehenlassen,
Deiner Wirte Kniffe und Künste,
All das zusammen
Macht mich erlahmen.
Wie soll im weltfremden Wesen
Der Sohn des stillen Waldes genesen?
Dazu des Meeres unendliche Weite,
Die Länder der Erde all bespülend,
Die Sehnsucht weckend und nicht erfüllend.
So muß man am fremden Eiland kleben
Wie ein Verbannter, und tatlos leben.
O sonniger Süden
Mit deinen Rosen, mit deinen Maien!
Weltumworbenes Paradies,
Ich will dich benedeien;
Wärst du meiner Kindheit
Trautsame Heimat,
Wie wollt' ich in Treuen
Selig mich freuen.
Doch ich bin Germane,
Die sonnige Glut,
Der süße, südliche Seim
Zersetzt mir das Blut.
Meines Glückes Kern und Keim
Ist deutscher Wald,
Und mein Paradies heißt Nebelheim.

Ein Freund ging nach Amerika.

Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb mir vor einigen Lenzen:
Schicke mir Rosen aus Steiermark,
Ich hab' eine Braut zu bekränzen!
Und als vergangen war ein Jahr,
Da kam ein Brieflein gelaufen:
Schicke mir Wasser aus Steiermark,
Ich habe ein Kindlein zu taufen!
Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund,
Ach, noch was anderes haben:
Schicke mir Erde aus Steiermark,
Muß Weib und Kind begraben!
Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen.

Daheim!

Was dies Leben mir beschieden,
Es war gut, ich bin's zufrieden.
Könnt' ich eines noch erwerben:
Nur Daheim, Daheim zu sterben.
Nicht auf fernen Wanderswegen
Möcht' ich mich zur Ruhe legen,
Nirgends auf der ganzen Erde,
Als Daheim am eignen Herde.
Vor des Todes dunklen Schrecken
Wollt' ich nimmer mich verstecken
Wenn aus Augen schmerzbefeuchtet
Liebe mir zu Bette leuchtet,
Wenn die Meinen mich umgeben,
Atmend mein entschwindend Leben,
Und aus gottergebnem Sterben
Meines Herzens Frieden erben.

Wir grüßen dich!

Wir grüßen dich, Bergland, du teure Heimat!
Wir jauchzen dir zu, wie sehr wir dich lieben.
Wir lieben die blühende Flur — den Brautkranz der Jugend.
Wir lieben des Kornes wogenden Feldplan — den nährenden Vater.
Wir lieben der Weinhügel sonnigen Busen — die säugende Mutter.
Wir lieben den Wald, den dämmernden Garten der blauen Blumen.
Wir lieben der stillen Heide traumvoll sinnende Muse.
Wir lieben den friedlich gebetteten Alpsee,
Wo müde gehetzt das Weltkind rastet
Weich in des Kahnes schaukelnder Wiege.
Wir singen ihm leise ein süßes Schlaflied. —
Vor allem doch euch, ihr stillen Felsen,
Ihr schneegekrönten Wächter der Heimat,
Mit Ehrfurcht grüßen wir euch.
Behütet mit ehernem Wall der Vorfahren heilige Stätte.
Behütet, ihr ewigen Berge, den deutschen Enkeln
Das Land der Treue und Freude!

Steiermark.

Gottbegnadet Land! Zur Maienzeit
Sei dir, Styria, ein Strauß geweiht.
Du bist göttlich schön. — Die Felsenstirn
Stolz gekrönet mit diamantnem Firn!
Leuchtend als dein Aug' die klaren Seen,
Wo als Braun die heiligen Tannen stehn.
Hier die goldnen Ähren, dort die Reben
Froh um deinen Busen Kränze weben,
Und allda, wo anderwärts der Spaten
Nichts zu finden weiß, als ewigen Schatten,
Tief in deiner Berge treuem Herzen
Bist du reich an unschätzbaren Erzen,
Deren Kraft der Erde Frucht erneut,
Deren Klang das reine Herz erfreut,
Deren Droh'n die Feinde macht erbeben. —
Schön bist du und herrlich, mild und stark,
Noch im Grabe weltaufbauend Leben
Birgst du, hochgeliebte Steiermark.

Echte Tracht.

Mein Steirer, tracht',
Daß echte Tracht
Wird angewandt
Im Heimatland.
Nicht kostümiert,
Nicht falsch geziert;
Im Stoffe echt,
Dem Zweck gerecht,
Die Form gewahrt
Nach Väterart
Und mit Bedacht
Zu Haus gemacht. —
Ob alt, ob neu:
Stets wahr und treu.
So wie der Mann,
So sein Gewand,
Das ist der Brauch
Im Steirerland.

Singet, jauchzet eure Lieder!

Singet, jauchzet eure Lieder,
Hochgemute Steirerkehlen!
In der Steirer Herzen wider
Hallt der Jubel eurer Seelen.
Deutscher Heimat süße Sänge
Klingen in den lauen Lüften,
Schlagen an die Felsenhänge,
Wehen über Seen und Triften.
Auf der weiten Gotteserden
Wird kein schöneres Land gefunden;
Durch weißgrüne Bande werden
Mit dem Himmel wir verbunden.
Auf die Scholle sinkt der Sänger,
Daß er fromm das Erdreich küsset:
O geliebtes, heiliges Waldland
Steiermark, sei uns gegrüßet! —
Heimatfreude ist getragen
Von des Liedes Ätherschwingen,
Unsre Lust ist nicht zu sagen,
Darum müssen wir sie singen.

Dem Heimatlande.

Hörst du das Läuten, Freund?
Her aus den Weiten, Freund?
Weckt es nicht wonnig des
Wanderers Drang? —
Glaub diesen Glocken nicht,
Laß dich verlocken nicht
Von der Sirene
Weltpreisendem Sang!
Und mußt du dennoch fort,
Jagend von Ort zu Ort,
Suchend die Ziele, die
Nirgendwo sind:
Kehre fein balde um,
Freund, in dein Heiligtum,
Wo du bist Gatte und
Vater und Kind.
Reiße vom Strande dich,
Eh' fremde Bande dich
Festgewebt; nimmer ihr
Sklave sollst sein.
Denn deine größte Kraft
Und deine Meisterschaft
Sproßt aus der heimischen
Erde allein. —
Panzre mit Steirererz,
Land, deines Sohnes Herz,
Heb auf den Schild ihn
Des leuchtenden Firn.
Kränze mit Lärchenreis
Und mit dem Edelweiß
Würdig des Älplers
Teutonische Stirn. —
Östlicher Rosenhauch,
Südlicher Lorbeerstrauch
Gleicht nicht des Tannenbaums
Duftendem Reis.
Was auch in weiter Welt
Herrliches aufgestellt,
Heiliges Heimatland,
Dir sei der Preis!

Ein Lied, ein Schwert und einen Gott!

Vom Ortler bis zum Kahlenberg
Am reichen Donaustrand
Ist unsrer deutschen Ahnen Haus,
Ihr freies Heimatland —
Im Reich der Tannen.
Ob's Bayern oder Steiern heißt:
Die Drau, die Traun, die Donau fleußt
Durchs Hochland der Germanen.
Die wildgewaltige Felsenburg
Stellt Ost und Westen gleich.
Es pocht ein einig Volkesherz
Durchs ganze Alpenreich.
Erhebt die Fahnen!
Es hat in Fried' und Streit und Not
Ein Lied, ein Schwert und einen Gott
Das Hochland der Germanen.

Heimatsegen.

Gott grüß dich, teures Heimatland,
Du Hort von hoher Alpenwand
Bis an die nordischen Meere.
Vom Murgestad' bis an den Rhein,
O heilige Erde, bist du mein.
Behüt dich Gott der Herre!
Er weck in dir die alte Treu,
Die alte Kindlichkeit aufs neu
Und milderer Tage Sitten,
Für die der Ahnen Heldenherz
Im frommen Schauen himmelwärts
Gelitten und gestritten.
Und bräch' ein böser Feind herein,
Ich könnte nimmer fröhlich sein,
Ich müßt' vor Wehe sterben.
Ach, laß der Väter Lehr und Ehr,
Der Brüder Freudigkeit und Wehr,
O Herrgott, nicht verderben!