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Mein Lied

Chapter 201: Nachhall.
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About This Book

A lyrical collection of poems that dwells on rural life, homeland, and nature, using pastoral imagery and simple folk voices to evoke childhood, family ties, and mountain and forest landscapes. Many pieces turn inward to examine love, longing, and moral feeling, while others offer social observation, satire, or didactic reflection on ambition and artistic vocation. Several poems adopt devotional registers—prayers, hymns, and meditations on sin and consolation—so that the sequence moves between earthy nostalgia and spiritual yearning, balancing intimate lyric moments with broader ethical and existential questions.

Zwei Millionen!

(Gelegentlich der Nationalsammlung[C]).

2000 Kronen = zwei Millionen!
Die Rechnung ergrimmt sie?
Wenn in deutschen Landen auch Deutsche wohnen,
Dann stimmt sie.
2000 Kronen = zwei Millionen!
Darf man das sagen?
Die Deutschen haben das Spiel gewonnen,
Wenn sie es wagen.
2000 Kronen = zwei Millionen!
Die Rechnung ist richtig.
Ich kann auch die Reichen nicht ganz verschonen,
Die Sache ist wichtig.
Zwei Millionen! Öffnet die Börsen
Mutig und heiter!
Sonst dichte ich in diesen erhabenen Versen
Erschrecklich weiter.

[C] Aufforderung, vermögende Deutsche möchten sich verpflichten, dem deutschen Schulverein in Wien zur Gründung deutscher Schulen an den bedrängten Sprachgrenzen je 2000 Kronen zu spenden, für den Fall als 1000 solcher Spender sich melden. — Innerhalb zweier Jahre waren fast 3 Millionen Kronen gezeichnet.

Gruß-Sprüche und Allotrias [D].

[D] Für diese Abteilung würde der Verfasser sich besonders zu entschuldigen haben. Er wollte aber mit dem Büchlein nichts Literarisches machen, wollte sich in demselben nur geben wie er ist, auch im Alltag.

Auf den Wunsch, Neujahrsgratulationen zu dichten.

Die Dichter sollen, traun, mit ihren Lichtern
Dem Volk zum neuen Jahre gratulieren?
O lausche, deutsches Volk, den deutschen Lyren,
Dann gratulier dir selbst zu deinen Dichtern.

Der Meisterschütz.

1889.

Einen Schuß in Ehren
Kann mir niemand verwehren,
Etwas treff' ich immer.
Treff' ich schon die Scheibe nimmer,
Schieß' ich halt der Luft ein Loch,
Etwas treff' ich doch. —
Böcke schieß' ich mir zum Preis,
Fällt der Bock nicht, fällt die Geiß,
Oder gar ein junges Kitz,
Treffen, treffen tu ich immer,
Denn ich bin der Meisterschütz'.

An Alexander Girardi.

1899.

Ich gratulier' zum kleinen Bubn,
Ist Glück nicht süßer noch als Ruhm?

Buchwidmung an die Schwiegermutter.

1899.

In diesem Buch man finden kann,
Wie der Schwiegersohn schön dichten kann.
Er dichtet früh, er dichtet spat,
Und wenn er just Courage hat,
So dichtet er, der tapfre Mann,
Sogar — die Schwiegermutter an.
Die Schwieger —? Wie? Gemach, gemach,
Sie ist danach.

Nachhall.

1899.

In deiner schönen Heimatstadt
Da blieb ich über Nacht,
Und als das Mühlrad rauschend ging,
Und als mich milder Traum umfing,
Da hab' ich deiner gedacht.
In deiner schönen Heimatstadt
Da gab es einst fröhliche Zeit,
Die Jugend hat uns angelacht,
Die erste Liebe war erwacht,
O selige Tage — wie weit!
In deiner schönen Heimatstadt
Es ewigen Frühling gibt,
Und was, o Freund, einst unser war,
Genießt heut eine junge Schar
Und lebt und lacht und liebt.

Zum 28. August 1900.

Du dünkst dich alt, so klagst du mir,
Und ist doch so viele Jugend in dir.
Das Klagen, das magst du sparen!
Eine vierzigjährige junge Frau,
Die gibt — ich rechne ganz genau —
Zwei Mädchen von zwanzig Jahren.

Auf die Einladung

zu einer Kirchenbaufeier auf dem »Ölberg« in M. (1900.)

Am Ölberg sein, um Blut zu schwitzen,
Da blieb' ich allwegs lieber fern,
Doch in Bethanien Festwein blitzen
Am Ostertag, das tät ich gern.
Indessen, wollen wir nicht warten,
Eh' aus dem Hals der Stoppel springt,
Bis auf des Ölbergs hehrem Garten
Vom Turm die erste Glocke klingt?
Zwar tät es not, daß wir uns laben
Zu dieser kampfesheißen Frist.
Doch Feste wollen wir erst haben,
Wenn unser Werk vollendet ist.

An T. Sch.

1900.

Zu dir bin ihs gonga,
Zu dir hots mih gfreit,
Zu dir geh ihs öfter,
Koa Weg is ma z weit.
Koa Weg is ma z weit
Und koa Steg is ma z krum,
Koa Glos is ma z tiaf
Und koa Gspoaß is ma z dum.
Koa Gspoaß is ma z dum
Und koa Red is ma z gscheit,
Mei Toni, ba dir
Hots mih ollemol noh gfreut.

Schlaraffia.

1901.

Schlaraffenbrüder, lu lu!
Ich bring' euch den Humpen, ehe!
Ihr merkt es schon, Sassen, aha!
Ich möchte ins Reich Uhu
Und kann nicht zu euch, oho!

Willst du, Freund, der Weisheit viel erfahren,
Geh' zu Seiner Majestät, dem Narren.
Was dich lehrt bombastisch der Lektor,
Das lebt der Narr dir lachend vor.

Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.

O heiliger Becher goldenen Weins!
Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins.
Nun sei auch mein flinker Pegasus,
Der froh überbringt den Dankesgruß
Bis nah den Gestaden von Mainz.
Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur,
Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur
Den Männern des Künstlervereins —
O Tropfen, der mich erquickt und beglückt,
O Flamme, die mich berückt und entzückt,
Im seligen Taumel des Seins.
Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht,
Als du, mich den Göttern so nahe gebracht,
Voll wonnig olympischen Scheins.
— Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu!
Ich preise dich, feurige Labe du,
Allheitere Seele des Rheins!

Der Tischgesellschaft.

1901.

Ach wie wär's im Kruge lustig,
Doch zu Hause bleiben mußt' ich,
Hab's ein bißchen auf der Brust ich.
Traun, die halben Nächte pfauch' ich
Und die andern halben hust' ich.

Abschied vom Krug.

Es war einmal 'ne schöne Zeit,
Da saßen wir zu zehnt, zu zweit
In Kleinoscheggers Weinlokal.
Es war einmal.
Nun bin ich traun ein Patient
Und fürcht', der Krug, der hat ein End',
Er ging zum Brunnen sonder Zahl.
Er war einmal.
»Es war einmal« wird immer neu,
Was wir erlebt, das bleibt uns treu
In dichtender Erinnerung
Damit genung.

Einem mit dem Verdienstkreuz Ausgezeichneten.

1901.

Wer oft und treu das schwere Kreuz
Mit andern hat getragen,
Den muß man an der Ehre Kreuz
Mit goldnen Nägeln schlagen.

An einer Wiege.

1902.

Die alten Zeiten
Kehren wieder,
Wo mir erklungen
Die süßen Lieder.
Ein kleines Kindlein
Tat ich liegen,
Nun schläft ein anderes
In dieser Wiegen.
Ich seh's im Traume
Lieblich lachen,
O möcht' es nimmer
Daraus erwachen!

Wegen einer Vorlesung.

1902.

Wenn ich schon lesen soll,
Les' ich am Sonntag.
Wann wär' ich gänzlich wohl?
Wann hätt ich Schontag?
Husten und schnaufen ist
Jetzt mein Beruf,
Hoff', daß es besser wird,
Freund Toni Schruf.
Sollt sich's verschlimmern, so
Schreibt dir der Peter,
Dann geh zum Tischl du
Als sein Vertreter[E].

[E]

Entgegnung.

So sei denn vom Himmel die
Gnade erbeten:
Es mög' mein' Gesundheit
Dein Kranksein vertreten.

Vertreten in dir, du
Mein Herzherzensdichter,
Man hört nicht gern mir zu,
Wenn's heißt: Heute spricht er.

Und nun kömmt die Hauptsach'
(Die soll auch dabei sein):
Man hört mich wohl an, doch,
Der »Eintritt« muß »frei« sein!
Dein Toni.

Sehnsucht nach Bayreuth.

1902.

Die sitzen jetzt beim Göttermahle
Und atmen Liebe hehr und rein,
Wie möcht' ich dort im Speisesaale
Beim großen Tor — der größte sein.
Der größte Tor, der größte Weise,
Der heilige Weltbesieger Christ,
Deß' Herzenskraft und Seelenspeise
Die Einfalt und die Liebe ist.

Zur Urkunde im Schlußstein des Veitscher Schulhauses.

1903.

Wir bauen dies Haus in stürmischer Zeit,
Die Geister gären und liegen im Streit.
Die Seelen sinken und suchen nach Licht,
Durchwühlen den Erdball und finden es nicht.
Wir weihen dies Haus dem göttlichen Geist,
Der wieder die Menschheit gen Himmel weist.

Widmung in ein Buch.

1903.

Ein neues Buch. Doch brauchst du's nicht zu lesen.
Man kann auch so zur Weltweisheit genesen.
Man sagt dem edeln Spender besten Dank!
Und stellt's, statt in den Kopf, bloß in den Schrank.

An Ferdinand v. Saar.

1903.

Im irdischen Tal
Sind wir uns begegnet
Ein einziges Mal,
Doch das war gesegnet.
Seither entschwunden
Bist du mir nimmer,
Und jene Stunden
Währen noch immer.
Einzig nur trennen uns
(Läßt sich's ereilen?)
Zehen der Jahre,
Zwanzig der Meilen.

Der Königin Elisabeth.

1906.

Gütige Frau und Fürstin,
Wie müßte die Krone dich drücken,
Läg' drunter der Lorbeerkranz nicht
Auf der glühenden Stirn.

Der Urania in Wien.

Das Nützliche weihet mit Schönheit,
Die Schönheit mit Würde,
So gründet auf Erden ihr kühn
Der Urania Reich.

Auf Einladung zu einer Scheffelfeier.

1903.

Ich ehre den Dichter nach meiner Art,
Und das ist die schönste Scheffelfeier.
Weißt du, worin sie besteht, mein Treuer?
Ich lese zu Hause den »Ekkehardt«.

Einem Sprachvereinsfeste.

Nun schärfet den Spaten
Und furchet sein wacker
Den siechenden Acker
Der kahlköpfig glatten
Vertrockneten Sprache.
Und streut in die Brache
Papierner Mache
Die kräftigen Saaten
Lebendiger Mundart.
So wie sie uns kund ward
Von ackernden Alten,
So sollen sie erndende
Enkel erhalten!

Widmung ins »Sünderglöckel«.

1903.

Wenn das Sünderglöcklein läutet,
Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken,
Zwar, die Schelme soll es necken;
Arme Sünder soll es wecken;
Aber keinen soll's verletzen,
Und die Guten soll's ergötzen.

Einem Künstler.

Die Natur ist des Stoffes gefesselte Sklavin,
Sie muß wahr sein, auf Kosten der Schönheit.
Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter,
Sie darf schön sein auf Kosten der Wahrheit.

An Martinelli zum 70. Geburtstag.

1904.

Du grüßtest mich zu Sechzig,
Denn was sich liebt, das neckt sich.
Ich grüße dich zu Siebzig,
Denn was sich neckt, das liebt sich.

An Fräulein E. B.

1905.

Dein Hans ist ernannt nun zum Doktor der Rechte.
Und ist er für dich auch der Doktor, der rechte,
So reicht euch, wie's recht ist, fürs Leben die Rechte.

An die »Kritik der Kritik«.

1905.

Die Kritik kritisieren?
Den Löwen beißen?
Dummes Schaf, er wird dich zerreißen.
Nichts ist so wütig, so impertinent,
Als ein kritisierter Rezensent.

Richard und Luise.

Zum »hölzernen« 10. Hochzeitstag 1905.

Die diamantne Hochzeit ist die beschwerlichste,
Weil sie so hoch in den Jahren hängt,
Die goldne Hochzeit ist die herrlichste,
Weil in dem Gold noch die Myrte prängt.
Die silberne Hochzeit ist die entbehrlichste,
Weil noch die Liebe zusammenzwängt,
Die eiserne Hochzeit ist die begehrlichste,
Weil noch das Blut in den Adern drängt.
Die hölzerne Hochzeit ist die gefährlichste,
Weil sie am leichtesten Feuer fängt.

Hochzeitsgruß.

Ich seh' die lieben jungen Leut'
Mit seligsüßem Blick lachen,
Man kann aus kurzer Seligkeit
Ein lebenlanges Glück machen.
Die Lieb' allein ist nicht genug,
Man muß es mit Geschick machen.
Und seid ihr liebevoll und klug,
So wird euch Gott die Brück' machen.
Habt Nachsicht mit Roseggers Gruß,
Er kann kein schöneres Stück machen.

Tafelgruß zu einer Vermählung.

So steht's geschrieben denn:
Heil sei den Liebenden,
Die heut im siebenten
Himmel frohlocken.
Lasset nun diese Zwei
Im Paradiese frei
Wundersam süße Mai-
Blümlein brocken.
Doch ist's leicht selig sein,
Wenn uns den Himmel ein
Andrer gebaut.
Denk' ich dein, lobesams
Stammhaus des Bräutigams,
Denk' ich dein, Stammhaus
Der lieblichen Braut.
Segle nun frohgemut,
Schifflein, auf hoher Flut,
Unter den Sternen der Liebe und Treu.
Ich will zu dieser Stund'
Preisen der Eltern Bund,
Leuchtendes Vorbild der glücklichen Zwei
Preise, mein Weihgesang,
Waldsängers Treugesang,
Preise den Schöpfer
Der künftigen Welt.
Was einst in Fleiß und Recht
Erntet ein neu Geschlecht,
Haben weitschauende
Ahnen bestellt. —
Grenzstein der neuen Zeit
Und der Vergangenheit
Ist der zur Trauung
Geschmückte Altar.
Wenn ich des Rheines Reb'
Urdeutschen Wein erheb',
Grüß ich dich, junges,
Dich, älterlich Paar.
Heil sei den Preislichen,
Die hier am häuslichen
Herde warm hocken!
Heil sei den Liebenden,
Die heut im siebenten
Himmel frohlocken!
Euch eint, ihr Ziehenden,
Der mit dem glühenden
Hammer des Herzschlags
Geschmiedete Ring.
Haltet den Talisman,
Der euch das Glück gewann,
Nimmer den goldnen
Hüter gering.
Segle nun, frohgemut,
Schifflein, auf hoher Flut,
Segle ins wogende
Leben hinaus.
Unsere Liebe zieht,
Paar, als dein Engel mit
Ein in dein alpen-
Umfriedetes Haus.

Einem dramatischen Volksführer.

1905.

Das Volk bringst leicht du
Zum Lachen und Weinen,
Zum Jubeln und Greinen;
Zum launigen Spiele,
Es hüpft und es kriecht.
Froh dorthin, o Dichter,
Wo du es haben willst,
Wo du es retten kannst,
Bringst du es nicht.

Flüchtiges.

Eine kurze Zeit wohl möcht' ich leben
Auf der Erde und dann selig sein.
Ohne Leid zu kennen, dürfte eben
Wahre Lust mir nicht recht stellig sein.
Auch der Himmel braucht vom Gegensatze,
Will er uns so ganz gefällig sein.

Das Heute war gestern: morgen,
Und morgen ist es schon: gestern.
Es lohnt sich nicht, um zu sorgen,
Nicht, um zu loben, zu lästern.
Die Freude an gestern, die Sorge um morgen,
Sind zwei müßige Schwestern.

Sylvester.

Wie? Zur mitternächtigen Stunde
Hör' ich laute Kreise tagen?
Sylvestergläser klingen,
Sylvesteruhren schlagen.
Essen, trinken, spielen, scherzen!
Ohne Sorge, ohne Reue
Taumeln sie von Jahr zu Jahre,
Und vom alten in das neue.
Ob auch ich dabei bin? — Nein.
Lasset mich mit mir allein.
Einsam in der Scheidestunde
Will ich Glücks und Leids gedenken,
Muß ich doch ein Stück von meinem
Leben in die Grube senken,
Muß ich doch mein wundes Herze
In die fremde Zukunft tragen.
Ist's denn möglich, daß man scherze,
Wenn verhüllte Zeiten tagen? —
Diese Weihestund' ist mein.
Lasset mich mit mir allein.

Nagelprobe.

Die irdene Schale ist nun leer.
Ich hab' mich restlos euch gegeben.
Ich legte mich in euer Leben,
Dem Tode bleibt nichts übrig mehr.

Anmerkungen zur Transkription

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Text, der im Original gesperrt gesetzt war, wurde hier fett dargestellt.

Zeichensetzung und Rechtschreibung wurden übernommen. Nur offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt.

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