Zwei Millionen!
(Gelegentlich der Nationalsammlung[C]).
Die Rechnung ergrimmt sie?
Wenn in deutschen Landen auch Deutsche wohnen,
Dann stimmt sie.
Darf man das sagen?
Die Deutschen haben das Spiel gewonnen,
Wenn sie es wagen.
Die Rechnung ist richtig.
Ich kann auch die Reichen nicht ganz verschonen,
Die Sache ist wichtig.
Mutig und heiter!
Sonst dichte ich in diesen erhabenen Versen
Erschrecklich weiter.
[C] Aufforderung, vermögende Deutsche möchten sich verpflichten, dem deutschen Schulverein in Wien zur Gründung deutscher Schulen an den bedrängten Sprachgrenzen je 2000 Kronen zu spenden, für den Fall als 1000 solcher Spender sich melden. — Innerhalb zweier Jahre waren fast 3 Millionen Kronen gezeichnet.
Gruß-Sprüche und Allotrias [D].
[D] Für diese Abteilung würde der Verfasser sich besonders zu entschuldigen haben. Er wollte aber mit dem Büchlein nichts Literarisches machen, wollte sich in demselben nur geben wie er ist, auch im Alltag.
Auf den Wunsch, Neujahrsgratulationen zu dichten.
Dem Volk zum neuen Jahre gratulieren?
O lausche, deutsches Volk, den deutschen Lyren,
Dann gratulier dir selbst zu deinen Dichtern.
Der Meisterschütz.
1889.
Kann mir niemand verwehren,
Etwas treff' ich immer.
Treff' ich schon die Scheibe nimmer,
Schieß' ich halt der Luft ein Loch,
Etwas treff' ich doch. —
Böcke schieß' ich mir zum Preis,
Fällt der Bock nicht, fällt die Geiß,
Oder gar ein junges Kitz,
Treffen, treffen tu ich immer,
Denn ich bin der Meisterschütz'.
An Alexander Girardi.
1899.
Ist Glück nicht süßer noch als Ruhm?
Buchwidmung an die Schwiegermutter.
1899.
Wie der Schwiegersohn schön dichten kann.
Er dichtet früh, er dichtet spat,
Und wenn er just Courage hat,
So dichtet er, der tapfre Mann,
Sogar — die Schwiegermutter an.
Die Schwieger —? Wie? Gemach, gemach,
Sie ist danach.
Nachhall.
1899.
Da blieb ich über Nacht,
Und als das Mühlrad rauschend ging,
Und als mich milder Traum umfing,
Da hab' ich deiner gedacht.
Da gab es einst fröhliche Zeit,
Die Jugend hat uns angelacht,
Die erste Liebe war erwacht,
O selige Tage — wie weit!
Es ewigen Frühling gibt,
Und was, o Freund, einst unser war,
Genießt heut eine junge Schar
Und lebt und lacht und liebt.
Zum 28. August 1900.
Und ist doch so viele Jugend in dir.
Das Klagen, das magst du sparen!
Eine vierzigjährige junge Frau,
Die gibt — ich rechne ganz genau —
Zwei Mädchen von zwanzig Jahren.
Auf die Einladung
zu einer Kirchenbaufeier auf dem »Ölberg« in M. (1900.)
Da blieb' ich allwegs lieber fern,
Doch in Bethanien Festwein blitzen
Am Ostertag, das tät ich gern.
Indessen, wollen wir nicht warten,
Eh' aus dem Hals der Stoppel springt,
Bis auf des Ölbergs hehrem Garten
Vom Turm die erste Glocke klingt?
Zwar tät es not, daß wir uns laben
Zu dieser kampfesheißen Frist.
Doch Feste wollen wir erst haben,
Wenn unser Werk vollendet ist.
An T. Sch.
1900.
Zu dir hots mih gfreit,
Zu dir geh ihs öfter,
Koa Weg is ma z weit.
Koa Weg is ma z weit
Und koa Steg is ma z krum,
Koa Glos is ma z tiaf
Und koa Gspoaß is ma z dum.
Koa Gspoaß is ma z dum
Und koa Red is ma z gscheit,
Mei Toni, ba dir
Hots mih ollemol noh gfreut.
Schlaraffia.
1901.
Ich bring' euch den Humpen, ehe!
Ihr merkt es schon, Sassen, aha!
Ich möchte ins Reich Uhu
Und kann nicht zu euch, oho!
Geh' zu Seiner Majestät, dem Narren.
Was dich lehrt bombastisch der Lektor,
Das lebt der Narr dir lachend vor.
Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.
Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins.
Nun sei auch mein flinker Pegasus,
Der froh überbringt den Dankesgruß
Bis nah den Gestaden von Mainz.
Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur,
Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur
Den Männern des Künstlervereins —
O Tropfen, der mich erquickt und beglückt,
O Flamme, die mich berückt und entzückt,
Im seligen Taumel des Seins.
Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht,
Als du, mich den Göttern so nahe gebracht,
Voll wonnig olympischen Scheins.
— Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu!
Ich preise dich, feurige Labe du,
Allheitere Seele des Rheins!
Der Tischgesellschaft.
1901.
Doch zu Hause bleiben mußt' ich,
Hab's ein bißchen auf der Brust ich.
Traun, die halben Nächte pfauch' ich
Und die andern halben hust' ich.
Abschied vom Krug.
Da saßen wir zu zehnt, zu zweit
In Kleinoscheggers Weinlokal.
Es war einmal.
Und fürcht', der Krug, der hat ein End',
Er ging zum Brunnen sonder Zahl.
Er war einmal.
Was wir erlebt, das bleibt uns treu
In dichtender Erinnerung
Damit genung.
Einem mit dem Verdienstkreuz Ausgezeichneten.
1901.
Mit andern hat getragen,
Den muß man an der Ehre Kreuz
Mit goldnen Nägeln schlagen.
An einer Wiege.
1902.
Kehren wieder,
Wo mir erklungen
Die süßen Lieder.
Tat ich liegen,
Nun schläft ein anderes
In dieser Wiegen.
Lieblich lachen,
O möcht' es nimmer
Daraus erwachen!
Wegen einer Vorlesung.
1902.
Les' ich am Sonntag.
Wann wär' ich gänzlich wohl?
Wann hätt ich Schontag?
Jetzt mein Beruf,
Hoff', daß es besser wird,
Freund Toni Schruf.
Schreibt dir der Peter,
Dann geh zum Tischl du
Als sein Vertreter[E].
Entgegnung.
Gnade erbeten:
Es mög' mein' Gesundheit
Dein Kranksein vertreten.
Mein Herzherzensdichter,
Man hört nicht gern mir zu,
Wenn's heißt: Heute spricht er.
(Die soll auch dabei sein):
Man hört mich wohl an, doch,
Der »Eintritt« muß »frei« sein!
Dein Toni.
Sehnsucht nach Bayreuth.
1902.
Und atmen Liebe hehr und rein,
Wie möcht' ich dort im Speisesaale
Beim großen Tor — der größte sein.
Der heilige Weltbesieger Christ,
Deß' Herzenskraft und Seelenspeise
Die Einfalt und die Liebe ist.
Zur Urkunde im Schlußstein des Veitscher Schulhauses.
1903.
Die Geister gären und liegen im Streit.
Die Seelen sinken und suchen nach Licht,
Durchwühlen den Erdball und finden es nicht.
Wir weihen dies Haus dem göttlichen Geist,
Der wieder die Menschheit gen Himmel weist.
Widmung in ein Buch.
1903.
Man kann auch so zur Weltweisheit genesen.
Man sagt dem edeln Spender besten Dank!
Und stellt's, statt in den Kopf, bloß in den Schrank.
An Ferdinand v. Saar.
1903.
Sind wir uns begegnet
Ein einziges Mal,
Doch das war gesegnet.
Bist du mir nimmer,
Und jene Stunden
Währen noch immer.
(Läßt sich's ereilen?)
Zehen der Jahre,
Zwanzig der Meilen.
Der Königin Elisabeth.
1906.
Wie müßte die Krone dich drücken,
Läg' drunter der Lorbeerkranz nicht
Auf der glühenden Stirn.
Der Urania in Wien.
Die Schönheit mit Würde,
So gründet auf Erden ihr kühn
Der Urania Reich.
Auf Einladung zu einer Scheffelfeier.
1903.
Und das ist die schönste Scheffelfeier.
Weißt du, worin sie besteht, mein Treuer?
Ich lese zu Hause den »Ekkehardt«.
Einem Sprachvereinsfeste.
Und furchet sein wacker
Den siechenden Acker
Der kahlköpfig glatten
Vertrockneten Sprache.
Und streut in die Brache
Papierner Mache
Die kräftigen Saaten
Lebendiger Mundart.
So wie sie uns kund ward
Von ackernden Alten,
So sollen sie erndende
Enkel erhalten!
Widmung ins »Sünderglöckel«.
1903.
Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken,
Zwar, die Schelme soll es necken;
Arme Sünder soll es wecken;
Aber keinen soll's verletzen,
Und die Guten soll's ergötzen.
Einem Künstler.
Sie muß wahr sein, auf Kosten der Schönheit.
Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter,
Sie darf schön sein auf Kosten der Wahrheit.
An Martinelli zum 70. Geburtstag.
1904.
Denn was sich liebt, das neckt sich.
Ich grüße dich zu Siebzig,
Denn was sich neckt, das liebt sich.
An Fräulein E. B.
1905.
Und ist er für dich auch der Doktor, der rechte,
So reicht euch, wie's recht ist, fürs Leben die Rechte.
An die »Kritik der Kritik«.
1905.
Den Löwen beißen?
Dummes Schaf, er wird dich zerreißen.
Nichts ist so wütig, so impertinent,
Als ein kritisierter Rezensent.
Richard und Luise.
Zum »hölzernen« 10. Hochzeitstag 1905.
Weil sie so hoch in den Jahren hängt,
Die goldne Hochzeit ist die herrlichste,
Weil in dem Gold noch die Myrte prängt.
Weil noch die Liebe zusammenzwängt,
Die eiserne Hochzeit ist die begehrlichste,
Weil noch das Blut in den Adern drängt.
Weil sie am leichtesten Feuer fängt.
Hochzeitsgruß.
Mit seligsüßem Blick lachen,
Man kann aus kurzer Seligkeit
Ein lebenlanges Glück machen.
Die Lieb' allein ist nicht genug,
Man muß es mit Geschick machen.
Und seid ihr liebevoll und klug,
So wird euch Gott die Brück' machen.
Habt Nachsicht mit Roseggers Gruß,
Er kann kein schöneres Stück machen.
Tafelgruß zu einer Vermählung.
Heil sei den Liebenden,
Die heut im siebenten
Himmel frohlocken.
Lasset nun diese Zwei
Im Paradiese frei
Wundersam süße Mai-
Blümlein brocken.
Doch ist's leicht selig sein,
Wenn uns den Himmel ein
Andrer gebaut.
Denk' ich dein, lobesams
Stammhaus des Bräutigams,
Denk' ich dein, Stammhaus
Der lieblichen Braut.
Segle nun frohgemut,
Schifflein, auf hoher Flut,
Unter den Sternen der Liebe und Treu.
Ich will zu dieser Stund'
Preisen der Eltern Bund,
Leuchtendes Vorbild der glücklichen Zwei
Preise, mein Weihgesang,
Waldsängers Treugesang,
Preise den Schöpfer
Der künftigen Welt.
Was einst in Fleiß und Recht
Erntet ein neu Geschlecht,
Haben weitschauende
Ahnen bestellt. —
Und der Vergangenheit
Ist der zur Trauung
Geschmückte Altar.
Wenn ich des Rheines Reb'
Urdeutschen Wein erheb',
Grüß ich dich, junges,
Dich, älterlich Paar.
Heil sei den Preislichen,
Die hier am häuslichen
Herde warm hocken!
Heil sei den Liebenden,
Die heut im siebenten
Himmel frohlocken!
Euch eint, ihr Ziehenden,
Der mit dem glühenden
Hammer des Herzschlags
Geschmiedete Ring.
Haltet den Talisman,
Der euch das Glück gewann,
Nimmer den goldnen
Hüter gering.
Segle nun, frohgemut,
Schifflein, auf hoher Flut,
Segle ins wogende
Leben hinaus.
Paar, als dein Engel mit
Ein in dein alpen-
Umfriedetes Haus.
Einem dramatischen Volksführer.
1905.
Zum Lachen und Weinen,
Zum Jubeln und Greinen;
Zum launigen Spiele,
Es hüpft und es kriecht.
Froh dorthin, o Dichter,
Wo du es haben willst,
Wo du es retten kannst,
Bringst du es nicht.
Flüchtiges.
Auf der Erde und dann selig sein.
Ohne Leid zu kennen, dürfte eben
Wahre Lust mir nicht recht stellig sein.
Auch der Himmel braucht vom Gegensatze,
Will er uns so ganz gefällig sein.
Und morgen ist es schon: gestern.
Es lohnt sich nicht, um zu sorgen,
Nicht, um zu loben, zu lästern.
Die Freude an gestern, die Sorge um morgen,
Sind zwei müßige Schwestern.
Sylvester.
Hör' ich laute Kreise tagen?
Sylvestergläser klingen,
Sylvesteruhren schlagen.
Essen, trinken, spielen, scherzen!
Ohne Sorge, ohne Reue
Taumeln sie von Jahr zu Jahre,
Und vom alten in das neue.
Ob auch ich dabei bin? — Nein.
Lasset mich mit mir allein.
Will ich Glücks und Leids gedenken,
Muß ich doch ein Stück von meinem
Leben in die Grube senken,
Muß ich doch mein wundes Herze
In die fremde Zukunft tragen.
Ist's denn möglich, daß man scherze,
Wenn verhüllte Zeiten tagen? —
Diese Weihestund' ist mein.
Lasset mich mit mir allein.
Nagelprobe.
Ich hab' mich restlos euch gegeben.
Ich legte mich in euer Leben,
Dem Tode bleibt nichts übrig mehr.
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