Weib.
Schicksal im langen Haar,
Herrin, mir graut vor dir!
Reiß von der Heimat mich,
Raube die Freunde mir.
Brich meinen Tatenmut.
Höhne, verrate mich,
Schände die Ehre mir,
Hass' und verkaufe mich.
Foltere die Seele mir,
Hetz in die häßlichsten
Laster des Lebens mich,
Stürz in die ewigen
Peinen der Hölle mich:
Anbeten! Anbeten!
Anbeten muß ich dich,
Wonniger, göttlicher
Dämon — ich liebe dich!
Herrin, mir graut vor dir!
Reiß von der Heimat mich,
Raube die Freunde mir.
Brich meinen Tatenmut.
Höhne, verrate mich,
Schände die Ehre mir,
Hass' und verkaufe mich.
Foltere die Seele mir,
Hetz in die häßlichsten
Laster des Lebens mich,
Stürz in die ewigen
Peinen der Hölle mich:
Anbeten! Anbeten!
Anbeten muß ich dich,
Wonniger, göttlicher
Dämon — ich liebe dich!
Die Schrift im Sande.
Als man dem Herrn
Die Sünderin verklagt,
Da hat er bloß gesagt:
Wer selber sich weiß rein,
Der werfe seinen Stein!
Dann schrieb er etwas in den Sand ...
Sie gingen hin und guckten, was da stand.
Die Sünderin verklagt,
Da hat er bloß gesagt:
Wer selber sich weiß rein,
Der werfe seinen Stein!
Dann schrieb er etwas in den Sand ...
Sie gingen hin und guckten, was da stand.
— — — — — — — — — — — — — —
Verstanden hat's wohl jeder,
Der's geschaut.
Doch keiner hat sich's
Zu sagen getraut.
Der's geschaut.
Doch keiner hat sich's
Zu sagen getraut.
— — — — — — — — — — — — — —
Mit erbarmendem Lieben
Hat er es auf Sand geschrieben,
Wo es der Wind verweht.
Hat er es auf Sand geschrieben,
Wo es der Wind verweht.
Huldigung.
Die Frauen,
Sie bauen
An unserm Vertrauen
Im Spinnen
Und Sinnen
Am schneeweißen Linnen.
Die Süßen,
Wir müssen
Sie ehren und küssen.
Die Feinen
Und Reinen
Sind es, die wir meinen.
Sie bauen
An unserm Vertrauen
Im Spinnen
Und Sinnen
Am schneeweißen Linnen.
Die Süßen,
Wir müssen
Sie ehren und küssen.
Die Feinen
Und Reinen
Sind es, die wir meinen.
Bei mir stimmt's einzig nicht.
»Bei mir stimmt's einzig nicht, was steht geschrieben,
Daß Lieb' und Leidenschaft sich einig wissen.
Die ich genoß, war mir zu schlecht, zu lieben,
Und die ich liebt, zu wert, sie zu genießen.«
Daß Lieb' und Leidenschaft sich einig wissen.
Die ich genoß, war mir zu schlecht, zu lieben,
Und die ich liebt, zu wert, sie zu genießen.«
Seelisch Liebe.
Ich lieb' an einem Weib
Nicht bloß den feinen Leib,
Noch mehr die reine Seele.
Ist ihre Seel' nicht mein,
Auf ihren Leib allein
Verzicht' ich leicht und schnelle.
Nicht bloß den feinen Leib,
Noch mehr die reine Seele.
Ist ihre Seel' nicht mein,
Auf ihren Leib allein
Verzicht' ich leicht und schnelle.
Als ich um sie gefreit
War's für die Ewigkeit
Und nicht für kurze Blüte;
Die wahre Liebe keusch
Plangt nicht so sehr nach Fleisch,
Vielmehr nach Herz und Güte.
War's für die Ewigkeit
Und nicht für kurze Blüte;
Die wahre Liebe keusch
Plangt nicht so sehr nach Fleisch,
Vielmehr nach Herz und Güte.
Wer für Gestalt nur Sinn,
Für den sind bald dahin
Des süßen Glückes Triebe.
Doch auf der Jahre Höhn
Wird erst die Seele schön
In Ahnung ewiger Liebe.
Für den sind bald dahin
Des süßen Glückes Triebe.
Doch auf der Jahre Höhn
Wird erst die Seele schön
In Ahnung ewiger Liebe.
Schon fleißig, lieber Goldschmied?
Schon fleißig, lieber Goldschmied? Guten Morgen!
Ein bißchen, Herr Nachbar, guten Morgen!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Ringlein meiner Braut.
Das Ringlein wird glänzend und klar,
Ich führe sie bald zum Altar,
— Klopf, klopf, klopf!
Ein bißchen, Herr Nachbar, guten Morgen!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Ringlein meiner Braut.
Das Ringlein wird glänzend und klar,
Ich führe sie bald zum Altar,
— Klopf, klopf, klopf!
Noch fleißig, lieber Goldschmied, guten Abend!
Ich bin nicht mehr Goldschmied, guten Abend!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Kreuzlein meiner Braut,
Ein eisernes Kreuzlein fürs Grab,
Wir senken sie morgen hinab.
Klopf, klopf, klopf!
Ich bin nicht mehr Goldschmied, guten Abend!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Kreuzlein meiner Braut,
Ein eisernes Kreuzlein fürs Grab,
Wir senken sie morgen hinab.
Klopf, klopf, klopf!
Wenn du gehst von mir ...
Wenn du gehst, wenn du gehst von mir, mein Lieb,
So ist es aus mit mir,
Ich wandre dir nach durch die halbe Welt,
Und such' und ruf' nach dir.
Ich frage den Jäger im grünen Wald,
Den Schäfer auf blumiger Au:
Hast du nicht gesehn eine schöne Maid
Mit hellen Äuglein blau?
So ist es aus mit mir,
Ich wandre dir nach durch die halbe Welt,
Und such' und ruf' nach dir.
Ich frage den Jäger im grünen Wald,
Den Schäfer auf blumiger Au:
Hast du nicht gesehn eine schöne Maid
Mit hellen Äuglein blau?
Ich frage den Vogel im Tannenhag,
Den Fisch im Meeresgrund:
Hast du nicht gesehn eine schöne Maid
Mit rosenrotem Mund?
Ich frage den Gräber am Kirchhoftor,
Den Priester am hohen Altar:
Hast du nicht getraut eine schöne Braut
Mit krausem, güldnem Haar?
Den Fisch im Meeresgrund:
Hast du nicht gesehn eine schöne Maid
Mit rosenrotem Mund?
Ich frage den Gräber am Kirchhoftor,
Den Priester am hohen Altar:
Hast du nicht getraut eine schöne Braut
Mit krausem, güldnem Haar?
Und weiß ich dich schlafen im tiefen See,
Dann jauchz' ich mit hellem Mut,
Und tauche, mein Lieb, zu dir hinab
In die weiche, kühlende Flut.
Und weiß ich dich eines andern Braut
Mit runden Wängelein rot,
Dann leg' ich mich auf die Erden hin
Und weine, und weine mich tot.
Dann jauchz' ich mit hellem Mut,
Und tauche, mein Lieb, zu dir hinab
In die weiche, kühlende Flut.
Und weiß ich dich eines andern Braut
Mit runden Wängelein rot,
Dann leg' ich mich auf die Erden hin
Und weine, und weine mich tot.
Und wenn ich an Lieb' gestorben bin,
So graben sie ein tiefes Grab,
Und legen ein Kreuz mir auf die Brust,
Und senken mich still hinab.
So hast du dich, Kind, von mir gewend't,
Und ich bin blieben dein.
Gott mit dir, Gott mit dir, du hartes Lieb!
Ich leb' und sterb' allein.
So graben sie ein tiefes Grab,
Und legen ein Kreuz mir auf die Brust,
Und senken mich still hinab.
So hast du dich, Kind, von mir gewend't,
Und ich bin blieben dein.
Gott mit dir, Gott mit dir, du hartes Lieb!
Ich leb' und sterb' allein.
Halbverklungene Heldenkunde.
Halbverklungene Heldenkunde
Weiß zu sagen von dem Paare,
Das nach grausen Hunnenschlachten
Auf dem Roß, dem kampfesmüden,
Vor den grimmen Türken fliehet.
Weiß zu sagen von dem Paare,
Das nach grausen Hunnenschlachten
Auf dem Roß, dem kampfesmüden,
Vor den grimmen Türken fliehet.
Unterwegen rast der Flüchtling
Ob des Vaterlandes Jammer.
Angstvoll hütet er sein Weib noch
Vor der wilden Gier der Feinde.
Sieh, da stürzt das treue Rößlein.
Ob des Vaterlandes Jammer.
Angstvoll hütet er sein Weib noch
Vor der wilden Gier der Feinde.
Sieh, da stürzt das treue Rößlein.
»O verdammt!« so ruft der Reiter,
»Daß sie höhnend mich ermorden,
Ist beim Himmel nicht das Schlimmste,
Doch in ihre Hände fallend
Du, mein Weib, du Heißgeliebte ...«
»Daß sie höhnend mich ermorden,
Ist beim Himmel nicht das Schlimmste,
Doch in ihre Hände fallend
Du, mein Weib, du Heißgeliebte ...«
»Das wird nimmermehr geschehen,
Ich bin dein und will's verbleiben!«
So das Weib, die Brust entblößend.
»Zieh den Dolch und rette, Liebster,
Freudig mich vor den Barbaren.«
Ich bin dein und will's verbleiben!«
So das Weib, die Brust entblößend.
»Zieh den Dolch und rette, Liebster,
Freudig mich vor den Barbaren.«
Nächtige Brände fester Burgen
Glühn am schwerbewölkten Himmel.
Schnaubend nahn die wüsten Horden,
Sehn zwei purpurrote Brünnlein
Springen auf der dürren Heide.
Glühn am schwerbewölkten Himmel.
Schnaubend nahn die wüsten Horden,
Sehn zwei purpurrote Brünnlein
Springen auf der dürren Heide.
Des Landmanns Saat.
Der Landmann säet das Weizenkorn.
»O Maid, ich bin dir gut!«
Er mäht das reife Weizenkorn
Und küßt sie bis aufs Blut.
Der Stein zermalmt das Weizenkorn,
Die Maid liegt auf der Bahr'.
Als Hostie thront das Weizenkorn
Auf heiligem Altar.
Wie stiegst du hoch, mein Weizenkorn!
Und wer und wo blieb ich!
O Brot, der ewigen Liebe Born,
Erbarme dich!
»O Maid, ich bin dir gut!«
Er mäht das reife Weizenkorn
Und küßt sie bis aufs Blut.
Der Stein zermalmt das Weizenkorn,
Die Maid liegt auf der Bahr'.
Als Hostie thront das Weizenkorn
Auf heiligem Altar.
Wie stiegst du hoch, mein Weizenkorn!
Und wer und wo blieb ich!
O Brot, der ewigen Liebe Born,
Erbarme dich!
O sei mir gegrüßet, du grünender Baum!
O sei mir gegrüßet, du grünender Baum,
Wo ich mein Liebchen sah,
Die Myrt' in den Locken, auf blumigem Saum,
So nah! So nah! So nah!
Wo ich mein Liebchen sah,
Die Myrt' in den Locken, auf blumigem Saum,
So nah! So nah! So nah!
Wie küßte ich heiß ihren rosigen Mund!
Am Baum ein Vöglein sang.
O Wonne des Herzens, glückselige Stund'!
Wie lang, wie lang — wie lang!
Am Baum ein Vöglein sang.
O Wonne des Herzens, glückselige Stund'!
Wie lang, wie lang — wie lang!
Sie fällten den Baum, und sie bauten den Sarg,
Im Mai, im holden Mai.
Sie schlossen den Schrein, der mein Himmelreich barg.
Vorbei, vorbei, vorbei!
Im Mai, im holden Mai.
Sie schlossen den Schrein, der mein Himmelreich barg.
Vorbei, vorbei, vorbei!
Gedenken.
Aller Sonnenschein auf Erden
Ist ein traurig Ding,
Wenn nicht schwebt der Einzigen Schatten
Auf dem Wiesenring.
Ist ein traurig Ding,
Wenn nicht schwebt der Einzigen Schatten
Auf dem Wiesenring.
Könnt' ich einmal noch vernehmen
Ihrer Stimme Klang,
Wollt' ich gerne stumm und taub sein
Auf mein Leben lang.
Ihrer Stimme Klang,
Wollt' ich gerne stumm und taub sein
Auf mein Leben lang.
Alle Rosendüfte, welche
Da den Mai durchziehn,
Gäbe ich für einen Hauch
Ihres Mundes hin.
Da den Mai durchziehn,
Gäbe ich für einen Hauch
Ihres Mundes hin.
Alles, was ich noch genieße,
Was ich bin und hab',
Ist nicht wert des blassen Staubs
Auf ihrem Grab.
Was ich bin und hab',
Ist nicht wert des blassen Staubs
Auf ihrem Grab.
O Herrgott, wieviel an Liebe!
Es sinken vom Baum die Blätter,
Der Sommer ist vorbei.
Mein Mund ist noch rot und will küssen
Wie einst im Mai.
Der Sommer ist vorbei.
Mein Mund ist noch rot und will küssen
Wie einst im Mai.
Es fallen vom Haupt die Locken,
Mich schrecket der Eule Schrei,
Ich flüchte bange zum Mädel,
Wie einst im Mai.
Mich schrecket der Eule Schrei,
Ich flüchte bange zum Mädel,
Wie einst im Mai.
O Herrgott, wieviel an Liebe,
Und ach, wie wenig Zeit!
Die Lieb' ist nicht auszuschöpfen
In Ewigkeit.
Und ach, wie wenig Zeit!
Die Lieb' ist nicht auszuschöpfen
In Ewigkeit.
Welt
Mein Ideal.
*
Ein schöneres Ideal hat noch niemand geträumt,
Als meine sehnende Seele es hegt,
Ich seh' ein Paradies auf Erden erstehn,
Das wieder die Freude, die Liebe trägt.
Als meine sehnende Seele es hegt,
Ich seh' ein Paradies auf Erden erstehn,
Das wieder die Freude, die Liebe trägt.
Ich sehe die Völker des Erdenballs
Im Glanze der glorreichen Einheit stehn,
Ich seh' auf den Zinnen der Treue, des Rechts,
Der Bildung, die Fahne des Friedens wehn.
Im Glanze der glorreichen Einheit stehn,
Ich seh' auf den Zinnen der Treue, des Rechts,
Der Bildung, die Fahne des Friedens wehn.
Ich seh' nur die Waffe des Geistes gezückt
Zum Trotze dem Mordblei, zum Trotze dem Schwert;
Ich sehe das Eisen dem Baue des Felds,
Der sausenden Werkstatt zugekehrt.
Zum Trotze dem Mordblei, zum Trotze dem Schwert;
Ich sehe das Eisen dem Baue des Felds,
Der sausenden Werkstatt zugekehrt.
Ich sehe die Frau am häuslichen Herd,
Keine Sklavin der Willkür, der Mode mehr.
Eine Priesterin, traun, der wärmenden Glut,
An der Liebe Altar, des Hauses Ehr'.
Keine Sklavin der Willkür, der Mode mehr.
Eine Priesterin, traun, der wärmenden Glut,
An der Liebe Altar, des Hauses Ehr'.
Ich ahne — ich sehe die herrliche Zeit,
Ich sehe zur Wahrheit die Schönheit sich reihn,
Die Völker in Liebe verschlungen und frei,
Ich sehe die Menschen — Menschen sein!
Ich sehe zur Wahrheit die Schönheit sich reihn,
Die Völker in Liebe verschlungen und frei,
Ich sehe die Menschen — Menschen sein!
Wir weichen nicht von unsren Idealen!
Wir weichen nicht von unsren Idealen,
Sie schmücken, adeln dieses Erdenwallen,
Sie ehren uns,
Der Niederträchtigen Hohn wird uns zum Ruhm.
Ums welterlösende geweihte Heiligtum
Wir wehren uns!
Sie schmücken, adeln dieses Erdenwallen,
Sie ehren uns,
Der Niederträchtigen Hohn wird uns zum Ruhm.
Ums welterlösende geweihte Heiligtum
Wir wehren uns!
Der Völker, Rassen, Religionen Streit
Vergeht im warmen Glanz der Menschlichkeit.
Wir kehren uns
Zum treuen, ewigen Geist, der alle zählt,
Und wehe dem, der Haß statt Liebe wählt!
Wir wehren uns!
Vergeht im warmen Glanz der Menschlichkeit.
Wir kehren uns
Zum treuen, ewigen Geist, der alle zählt,
Und wehe dem, der Haß statt Liebe wählt!
Wir wehren uns!
Doch nicht mit Schwert und Feuer, wie Barbaren;
Denn unsrer Philosophen heilige Scharen,
Sie lehren uns,
Trotz Korybantenlärms von Schelm und Wicht,
Mit heiterer Ruh und lächelndem Gesicht
Zu wehren uns.
Denn unsrer Philosophen heilige Scharen,
Sie lehren uns,
Trotz Korybantenlärms von Schelm und Wicht,
Mit heiterer Ruh und lächelndem Gesicht
Zu wehren uns.
Mein Erz.
Mein deutscher Sang ist euch zu zahm,
Anstatt mein geliebtes Volk zu segnen,
Soll fluchen ich der Feinde stramm,
Dem Nachbar stets mit Trutz begegnen.
Anstatt mein geliebtes Volk zu segnen,
Soll fluchen ich der Feinde stramm,
Dem Nachbar stets mit Trutz begegnen.
Mein Herz ist froh, mein Erz ist rein,
Es dient dem Tod nicht, nur dem Leben;
Wie, muß denn alles Kanone sein?
Mag's nicht auch klingende Glocken geben?
Es dient dem Tod nicht, nur dem Leben;
Wie, muß denn alles Kanone sein?
Mag's nicht auch klingende Glocken geben?
Mein Ehrgeiz.
Die Ehr' ist jenes Gut,
Das mir am höchsten frommt,
Doch nicht die flüchtige Ehr',
Die nur von außen kommt.
Das mir am höchsten frommt,
Doch nicht die flüchtige Ehr',
Die nur von außen kommt.
Ein großer Dichter, traun,
Das hört sich süß und fein;
Doch höher stünd' mein Stolz:
Ein großer Mensch zu sein.
Das hört sich süß und fein;
Doch höher stünd' mein Stolz:
Ein großer Mensch zu sein.
Die Ehre, flach geweht
Hin über Länder weit,
Ist nichts gleich eines Menschen
Tiefer Dankbarkeit.
Hin über Länder weit,
Ist nichts gleich eines Menschen
Tiefer Dankbarkeit.
Wer nur um Ehre schafft,
Der ist zwar wert der Ehr',
Der äußeren bunten Zier,
— Doch sonst auch nicht viel mehr.
Der ist zwar wert der Ehr',
Der äußeren bunten Zier,
— Doch sonst auch nicht viel mehr.
Wenn einst ich sterben muß,
Soll keine Trauerschar
Von Gleisnern folgen mir
Zu meiner stillen Bahr'.
Soll keine Trauerschar
Von Gleisnern folgen mir
Zu meiner stillen Bahr'.
Nicht Nekrolog, nicht Stein,
O Gott, man kennt die Weis';
Sie ehren Tote bloß
Zu ihrem eigenen Preis. —
O Gott, man kennt die Weis';
Sie ehren Tote bloß
Zu ihrem eigenen Preis. —
Nur eines wollt' ich, daß
Ein Braver sagen kann
An meinem schlichten Grab:
Er war ein braver Mann.
Ein Braver sagen kann
An meinem schlichten Grab:
Er war ein braver Mann.
Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein ...
Ein Vater lag im Sterben,
Drei Söhne sollten erben.
Der eine war ein Bauersmann,
Der pflügen, säen und ernten kann,
Der erbte die Höfe, die Felder,
Die Gärten, die Wiesen, die Wälder.
Der andre war ein Hammerschmied,
Dem gab der Vater, als er schied,
Die Hämmer und all die Geräte,
Auf daß er Werkzeug hätte.
Der dritte war ein munterer Knab'
Mit Sängerkehl' und Wanderstab,
Nach Vaterswill' dem verbliebe
Sein Menschenherz voll Liebe. —
Drei Söhne sollten erben.
Der eine war ein Bauersmann,
Der pflügen, säen und ernten kann,
Der erbte die Höfe, die Felder,
Die Gärten, die Wiesen, die Wälder.
Der andre war ein Hammerschmied,
Dem gab der Vater, als er schied,
Die Hämmer und all die Geräte,
Auf daß er Werkzeug hätte.
Der dritte war ein munterer Knab'
Mit Sängerkehl' und Wanderstab,
Nach Vaterswill' dem verbliebe
Sein Menschenherz voll Liebe. —
Und als vorbei der Jahre zehn,
Da hat man schon das Ziel gesehn.
Der eine sorgte Tag und Nacht,
Bis endlich er's zu Geld gebracht;
Der andre sorgte Stund' um Stund',
Daß nur sein Haufen Geld nicht schwund;
Der dritte zog von Sorgen frei
Mit Sang an Not und Geld vorbei,
Und schöpft' mit Wonne, teilt mit Lust
Die Lieb' aus seiner Dichterbrust,
Und streut' ohn End' von Haus zu Haus
Die Gab' an Arm' und Reiche aus. —
Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein,
Wird ewig unerschöpflich sein.
Da hat man schon das Ziel gesehn.
Der eine sorgte Tag und Nacht,
Bis endlich er's zu Geld gebracht;
Der andre sorgte Stund' um Stund',
Daß nur sein Haufen Geld nicht schwund;
Der dritte zog von Sorgen frei
Mit Sang an Not und Geld vorbei,
Und schöpft' mit Wonne, teilt mit Lust
Die Lieb' aus seiner Dichterbrust,
Und streut' ohn End' von Haus zu Haus
Die Gab' an Arm' und Reiche aus. —
Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein,
Wird ewig unerschöpflich sein.
Ewiges Lied.
Im tiefen, dunkeln Felsental,
Da rauscht ein ewiger Wasserfall.
Ein Wandrer horcht der Melodei,
Es wird ihm wohl und weh dabei,
Und kann doch nichts verstehen.
Da rauscht ein ewiger Wasserfall.
Ein Wandrer horcht der Melodei,
Es wird ihm wohl und weh dabei,
Und kann doch nichts verstehen.
Er macht ein feines Sinngedicht,
Das klar die schönsten Worte spricht.
Doch sieh, ob dieser Poesei
Wird keinem wohl und weh dabei,
Und kann es doch verstehen.
Das klar die schönsten Worte spricht.
Doch sieh, ob dieser Poesei
Wird keinem wohl und weh dabei,
Und kann es doch verstehen.
Und — eh das Jahr von hinnen zieht
Ist schon verstummt des Sängers Lied.
Was man verstand und nicht empfand,
Das klingt nur einmal durch das Land.
— Ewig rauschen die Wasser.
Ist schon verstummt des Sängers Lied.
Was man verstand und nicht empfand,
Das klingt nur einmal durch das Land.
— Ewig rauschen die Wasser.
Die Harfe.
Unser Herz ist eine Harfe,
Eine Harfe mit zwei Saiten.
In der einen jauchzt die Freude,
Und der Schmerz weint in der zweiten.
Und des Schicksals Finger spielen
Kundig drauf die ewigen Klänge,
Heute frohe Hochzeitslieder,
Morgen dumpfe Grabgesänge.
Eine Harfe mit zwei Saiten.
In der einen jauchzt die Freude,
Und der Schmerz weint in der zweiten.
Und des Schicksals Finger spielen
Kundig drauf die ewigen Klänge,
Heute frohe Hochzeitslieder,
Morgen dumpfe Grabgesänge.
Die Hand an meiner Rechten.
*
Die Hand an meiner rechten Seiten
Ist lobenswert zu jeder Stunde,
Sie holt das Brot aus allen Weiten
Und führt es zärtlich mir zum Munde.
Ist lobenswert zu jeder Stunde,
Sie holt das Brot aus allen Weiten
Und führt es zärtlich mir zum Munde.
Und ballt die Linke, Unerzogne,
Sich hinterm Rock, wenn Gäste nahen,
So weiß die Rechte, Wohlgepflogne,
Mit edlem Anstand zu empfahen.
Sich hinterm Rock, wenn Gäste nahen,
So weiß die Rechte, Wohlgepflogne,
Mit edlem Anstand zu empfahen.
Und nahen schlechtgesinnte Mächte,
So greift sie rührig zu den Waffen,
Und weiß mit ritterlichem Rechte
Mir Schutz und Frieden zu verschaffen.
So greift sie rührig zu den Waffen,
Und weiß mit ritterlichem Rechte
Mir Schutz und Frieden zu verschaffen.
Und weil sie gütig von dem Hehren
Als treue Freundin mir gesendet,
So ist sie auch in allen Ehren
Der Küsse wert, die man ihr spendet.
Als treue Freundin mir gesendet,
So ist sie auch in allen Ehren
Der Küsse wert, die man ihr spendet.
Und trotzdem leider ist sie heute
Der Linken weit zurückgeblieben,
Denn dreist hat sie, und nicht gescheute,
Ihr eigenes schales Lob geschrieben.
Der Linken weit zurückgeblieben,
Denn dreist hat sie, und nicht gescheute,
Ihr eigenes schales Lob geschrieben.
Meine Taschenuhr.
Wie fühl' ich dich an meinem Herzen schlagen,
Du starkes, reges, goldnes Herz der Zeit!
So wandern wir selbander sonder Zagen
Den dunklen Stundenweg der Ewigkeit.
Du starkes, reges, goldnes Herz der Zeit!
So wandern wir selbander sonder Zagen
Den dunklen Stundenweg der Ewigkeit.
Der Zeiger kreiset stetig in der Runde,
Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist;
Dein Herz, o Mensch, ist endlich wie die Stunde,
Unendlich wie die Runde ist dein Geist.
Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist;
Dein Herz, o Mensch, ist endlich wie die Stunde,
Unendlich wie die Runde ist dein Geist.
Ungeduld.
*
O lieber Gott, wo werden jene Stunden sein,
In welchen mir der Lorbeer wird gewunden sein!
»Ha, suche dir die Zweige!« spricht die kluge Welt,
»Denn jedes Glück will mühevoll gefunden sein.«
Ich darf es nicht, die strenge Pflicht hält mich zurück.
Warum muß ich durch Sorg' und Not gebunden sein?
Vielleicht, daß man mir einst die schweren Bande löst,
Doch wird bishin schon Kraft und Will' verschwunden sein.
Und bis man mir zu Lab den milden Balsam beut,
Oh, können wohl vernarbt die heißen Wunden sein.
Und wenn man jauchzend einst den vollen Becher reicht,
Kann der Verschmachtete schon längst tief unten sein.
Der späte Tropfen, der sein einsam Grab benetzt,
Wird, traun, vom Schläfer nimmermehr empfunden sein.
In welchen mir der Lorbeer wird gewunden sein!
»Ha, suche dir die Zweige!« spricht die kluge Welt,
»Denn jedes Glück will mühevoll gefunden sein.«
Ich darf es nicht, die strenge Pflicht hält mich zurück.
Warum muß ich durch Sorg' und Not gebunden sein?
Vielleicht, daß man mir einst die schweren Bande löst,
Doch wird bishin schon Kraft und Will' verschwunden sein.
Und bis man mir zu Lab den milden Balsam beut,
Oh, können wohl vernarbt die heißen Wunden sein.
Und wenn man jauchzend einst den vollen Becher reicht,
Kann der Verschmachtete schon längst tief unten sein.
Der späte Tropfen, der sein einsam Grab benetzt,
Wird, traun, vom Schläfer nimmermehr empfunden sein.
Wilder Waldespsalm.
Ihr Häupter in goldiger Morgenglut,
O blicket aus Himmelshöh' nieder
Zum Sänger, der sinnend im Moose ruht,
Euch feiernd durch harmlose Lieder.
Wie lodert dort oben der Gletscherschein,
Wie flüstert im Schatten die Quelle:
O schenkt mir von eurer Herrlichkeit ein,
Bis trunken die sehnende Seele.
O blicket aus Himmelshöh' nieder
Zum Sänger, der sinnend im Moose ruht,
Euch feiernd durch harmlose Lieder.
Wie lodert dort oben der Gletscherschein,
Wie flüstert im Schatten die Quelle:
O schenkt mir von eurer Herrlichkeit ein,
Bis trunken die sehnende Seele.
Als einst ich verloren die ganze Welt,
Den Glauben, die Hoffnung, die Liebe,
Und als mir die glitzernden Freuden vergällt
Im wüsten Weltgetriebe;
Und als ich mein junges Leben verpraßt,
Weil es ohne Reiz mir und Wert war,
Und als ich den Mann auf der Straße gehaßt,
Weil er wie ich auf der Erd' war.
Den Glauben, die Hoffnung, die Liebe,
Und als mir die glitzernden Freuden vergällt
Im wüsten Weltgetriebe;
Und als ich mein junges Leben verpraßt,
Weil es ohne Reiz mir und Wert war,
Und als ich den Mann auf der Straße gehaßt,
Weil er wie ich auf der Erd' war.
Da zog ich hinaus wie ein dachloser Hund,
Mich selbst und das Dasein verfluchend,
Da schritt ich verloren, im Waldesgrund
Einen luftigen Baumast mir suchend.
Doch siehe, da war kein Ast mir recht,
Der war mir zu hoch, der zu nieder,
Ein dritter zu gut, ein vierter zu schlecht,
Ein fünfter mir anders zuwider.
Mich selbst und das Dasein verfluchend,
Da schritt ich verloren, im Waldesgrund
Einen luftigen Baumast mir suchend.
Doch siehe, da war kein Ast mir recht,
Der war mir zu hoch, der zu nieder,
Ein dritter zu gut, ein vierter zu schlecht,
Ein fünfter mir anders zuwider.
Und ein jeder tat so geheimnisvoll
Und flüsterte leis mit dem Nachbar;
Sie machten sich über mich lustig wohl,
Daß ich so elend und schwach war? —
O nein, nur die Welt verspotteten sie
Und schmiedeten eine Verschwörung;
Der Wald und die Welt, die vertragen sich nie,
Ob letzterer tiefen Betörung.
Und flüsterte leis mit dem Nachbar;
Sie machten sich über mich lustig wohl,
Daß ich so elend und schwach war? —
O nein, nur die Welt verspotteten sie
Und schmiedeten eine Verschwörung;
Der Wald und die Welt, die vertragen sich nie,
Ob letzterer tiefen Betörung.
Drum sagten die Bäume: 's wär alles wohl recht,
Die Vorzeit, die Zukunft, das Heute,
Selbst der Himmel ist gut und die Erde nicht schlecht,
Doch die Leute — die argen Leute!
Die Leute, die liegen sich alle im Haar
Und raufen, daß es ein Skandal ist,
Und spielen in Übermut mit der Gefahr
So lange, bis jeder am Fall ist.
Die Vorzeit, die Zukunft, das Heute,
Selbst der Himmel ist gut und die Erde nicht schlecht,
Doch die Leute — die argen Leute!
Die Leute, die liegen sich alle im Haar
Und raufen, daß es ein Skandal ist,
Und spielen in Übermut mit der Gefahr
So lange, bis jeder am Fall ist.
Und wenn sie zu Füßen den Abgrund sehn,
Dann schwindeln sie fluchend und taumeln,
Ja, dann erst will mancher zum Walde gehn,
Und — daß er nicht fallen kann — baumeln.
Oh, kämet ihr früher zu uns in den Wald
Mit jugendlich heiteren Sinnen,
Ihr wäret mit »Siebzig« noch immer nicht alt,
Und wüßtet gar zärtlich zu minnen! —
Dann schwindeln sie fluchend und taumeln,
Ja, dann erst will mancher zum Walde gehn,
Und — daß er nicht fallen kann — baumeln.
Oh, kämet ihr früher zu uns in den Wald
Mit jugendlich heiteren Sinnen,
Ihr wäret mit »Siebzig« noch immer nicht alt,
Und wüßtet gar zärtlich zu minnen! —
So sagten die Bäume und flüsterten fort,
Erzählten sich sondre Geschichten;
Ich habe verstanden ein jegliches Wort
Und weiß mich darnach nun zu richten.
Und kriegt mir die Fröhlichkeit jäh einen Sprung,
So kratze ich Waldharz und leime,
Und sprudle und jauchze und bin wieder jung,
Und schmied' ein paar hinkende Reime.
Erzählten sich sondre Geschichten;
Ich habe verstanden ein jegliches Wort
Und weiß mich darnach nun zu richten.
Und kriegt mir die Fröhlichkeit jäh einen Sprung,
So kratze ich Waldharz und leime,
Und sprudle und jauchze und bin wieder jung,
Und schmied' ein paar hinkende Reime.
Das Geheimnis.
Im Walde Frieden. Zwei Hummeln läuten.
Der Tag ist schon neigend.
Da nahen Gestalten aus alten Zeiten,
Die stille Reihe der alten Bekannten,
Sie grüßen mich schweigend.
Sie winken mir stumm ein Geheimnis zu
Und schwanken vorbei.
... Ich hab' nichts verstanden.
Der Tag ist schon neigend.
Da nahen Gestalten aus alten Zeiten,
Die stille Reihe der alten Bekannten,
Sie grüßen mich schweigend.
Sie winken mir stumm ein Geheimnis zu
Und schwanken vorbei.
... Ich hab' nichts verstanden.
Allseliges Leid.
Was glänzen doch dem die Augen so hell?
Und birgt in der Brust eine dämmernde Seel',
Und hüllet in staubige Spinnenweben
Geheimnisvoll sein glosendes Leben.
— Weiß es einer, wie wohl sie tut,
Die einsame Glut?
Und birgt in der Brust eine dämmernde Seel',
Und hüllet in staubige Spinnenweben
Geheimnisvoll sein glosendes Leben.
— Weiß es einer, wie wohl sie tut,
Die einsame Glut?
Was brennen doch dem die Wangen so rot?
Er ist ja kalt, er ist ja tot!
Er scherzt nicht mit Freunden, er kost nicht mit Frauen,
Er kann keine lustigen Leute schauen.
— Weiß es einer, wie weh kann sein
Die einsame Pein?
Er ist ja kalt, er ist ja tot!
Er scherzt nicht mit Freunden, er kost nicht mit Frauen,
Er kann keine lustigen Leute schauen.
— Weiß es einer, wie weh kann sein
Die einsame Pein?
Und weiß es einer, wie wohl es tut,
Wenn glühend das Herz in sich selber ruht,
Und weiß es einer, wie hart es kann sein —
Der schleiche vorüber und laß' ihn allein,
Den Mann in seinem allseligen Leid
Der Einsamkeit.
Wenn glühend das Herz in sich selber ruht,
Und weiß es einer, wie hart es kann sein —
Der schleiche vorüber und laß' ihn allein,
Den Mann in seinem allseligen Leid
Der Einsamkeit.
Erprobter Rat.
Magst du wissen, wann du sollst gesellig
Und wann einsam sein?
Willst du Freude, suche Menschen,
Willst du Glück, so bleib mit dir allein.
Wisse, wann dein Werk am schönsten
Und am reinsten mag gedeihn:
In der Arbeit suche Menschen,
Doch im Schaffen bleib mit dir allein.
Wie's auch jeder hält nach seiner Weise,
Lasse eins gesagt dir sein:
Wenn du hassest, meide Menschen,
Wenn du liebst, bleib nicht mit dir allein.
Und wann einsam sein?
Willst du Freude, suche Menschen,
Willst du Glück, so bleib mit dir allein.
Wisse, wann dein Werk am schönsten
Und am reinsten mag gedeihn:
In der Arbeit suche Menschen,
Doch im Schaffen bleib mit dir allein.
Wie's auch jeder hält nach seiner Weise,
Lasse eins gesagt dir sein:
Wenn du hassest, meide Menschen,
Wenn du liebst, bleib nicht mit dir allein.
Dichters Wunsch.
Ach, wie gerne möcht' ich wissen
Oft, zu wem mein Sprüchlein spricht!
Hunderttausend Leser hab' ich,
Aber einen hab' ich nicht.
Oft, zu wem mein Sprüchlein spricht!
Hunderttausend Leser hab' ich,
Aber einen hab' ich nicht.
Hunderttausend Leser heißen
Publikum, und ihre Zahl
Wird willkommen der Verleger
Heißen hunderttausendmal.
Publikum, und ihre Zahl
Wird willkommen der Verleger
Heißen hunderttausendmal.
Einen möcht' ich, einen haben,
Den ich kenn', von dem ich weiß,
Daß er jede meiner Zeilen
Liest mit Liebe und mit Fleiß.
Den ich kenn', von dem ich weiß,
Daß er jede meiner Zeilen
Liest mit Liebe und mit Fleiß.
Einen einzigen ganzen Menschen,
Einen ruft der Dichter an,
Dem er all sein Denken, Dichten,
Frohes Schaffen weihen kann.
Einen ruft der Dichter an,
Dem er all sein Denken, Dichten,
Frohes Schaffen weihen kann.
Einmal hatt' ich einen solchen,
Habe nur an ihn gedacht,
Habe nur für ihn gedichtet
Und mein Herz ihm aufgemacht.
Habe nur an ihn gedacht,
Habe nur für ihn gedichtet
Und mein Herz ihm aufgemacht.
Also sprach der Mensch zum Menschen
Traut mit leiser, warmer Stimm',
Und die hunderttausend Leser
Fanden sich in mir und ihm.
Traut mit leiser, warmer Stimm',
Und die hunderttausend Leser
Fanden sich in mir und ihm.
Als ich redete für einen,
Standen alle rings herum,
Red' ich allen, hab' ich keinen
Menschen — lauter Publikum.
Standen alle rings herum,
Red' ich allen, hab' ich keinen
Menschen — lauter Publikum.
Welch ein Los!
Welch ein Los! Im bunten Lebensgarten
Fröhlicher Genossen bin ich einsam.
Hab' mit ihnen Ziel, Geschick und Leiden,
Sprach' und Lied und Vaterland gemeinsam.
Streuen scherzend Rosen unsren Pfaden,
Lieben uns einander — und bin einsam.
Einsam, wenn das Blau der Fern' uns trennet
Mitten unter ihnen bin ich einsam.
Einsam, wie der Schiffbrüchig' im Meere,
Einsam, wie der Aar im Himmelskreise,
Einsam, wie der Mann, den sie begruben
Unter Nordlichtschein im öden Eise.
Brücken schuf Natur von Aug' zu Auge,
Hängend auf des Lichtes goldnen Stäben;
Schiffe auf dem Wellenmeer des Klanges
Zwischen Mund und Ohren heiter schweben.
Und des Blutes ehern ewige Bande
Flechten aneinander unsre Sinne;
Aber von der Seelen freier Zinne,
Auseinander fern sich ungemessen,
Hat Natur zu baun den Weg vergessen.
Nicht so einsam ist das Alpenröslein
An des starren Eises kalter Schwelle;
Nicht so einsam ist der Stern am Himmel,
Als in ihrem Leib die sehnende Seele.
Einsam, wenn dem Schönen sie und Reinen,
Mai im Herzen, grüne Kränze webet;
Einsam, wenn sie selige Pfade suchet
Nach dem Gottesreich, und ihnen lebet. —
Als in Tiefen mit Genossen kriechen
Ist es besser, hoch zu schweben einsam.
Größer, göttlicher gewiß — doch glücklich?
Glücklich ist der Erdsohn nur gemeinsam.
Fröhlicher Genossen bin ich einsam.
Hab' mit ihnen Ziel, Geschick und Leiden,
Sprach' und Lied und Vaterland gemeinsam.
Streuen scherzend Rosen unsren Pfaden,
Lieben uns einander — und bin einsam.
Einsam, wenn das Blau der Fern' uns trennet
Mitten unter ihnen bin ich einsam.
Einsam, wie der Schiffbrüchig' im Meere,
Einsam, wie der Aar im Himmelskreise,
Einsam, wie der Mann, den sie begruben
Unter Nordlichtschein im öden Eise.
Brücken schuf Natur von Aug' zu Auge,
Hängend auf des Lichtes goldnen Stäben;
Schiffe auf dem Wellenmeer des Klanges
Zwischen Mund und Ohren heiter schweben.
Und des Blutes ehern ewige Bande
Flechten aneinander unsre Sinne;
Aber von der Seelen freier Zinne,
Auseinander fern sich ungemessen,
Hat Natur zu baun den Weg vergessen.
Nicht so einsam ist das Alpenröslein
An des starren Eises kalter Schwelle;
Nicht so einsam ist der Stern am Himmel,
Als in ihrem Leib die sehnende Seele.
Einsam, wenn dem Schönen sie und Reinen,
Mai im Herzen, grüne Kränze webet;
Einsam, wenn sie selige Pfade suchet
Nach dem Gottesreich, und ihnen lebet. —
Als in Tiefen mit Genossen kriechen
Ist es besser, hoch zu schweben einsam.
Größer, göttlicher gewiß — doch glücklich?
Glücklich ist der Erdsohn nur gemeinsam.
Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm!
Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm!
Wie bin ich so arm an Lieb und Lust!
Ich fühle den Lorbeer ums Haupt herum,
Und keine Rose an meiner Brust!
Wie bin ich so arm an Lieb und Lust!
Ich fühle den Lorbeer ums Haupt herum,
Und keine Rose an meiner Brust!
Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm!
Aus Erde, die andern nur Dornen beut,
Entsproßten mir Lorbeern und flechten, traun,
Ein Haus, wo kaum ich zu wohnen weiß.
Mit Lorbeern umrankt ist mein schlichter Tisch,
Mit Lorbeern das einsame Lager bekränzt,
Zu kühlen die heiße, pochende Stirn,
Und Lorbeern, zu stillen das sehnende Herz.
Ich rief dich nicht, du prangender Zweig,
Du hast dich ums Herz mir schmeichelnd gerankt,
Und wirst du bald treulos verwelken mir,
Dann steh' ich, Unseliger, grau vor Gram
Auf schauerlich ödem Lebensplan.
Aus Erde, die andern nur Dornen beut,
Entsproßten mir Lorbeern und flechten, traun,
Ein Haus, wo kaum ich zu wohnen weiß.
Mit Lorbeern umrankt ist mein schlichter Tisch,
Mit Lorbeern das einsame Lager bekränzt,
Zu kühlen die heiße, pochende Stirn,
Und Lorbeern, zu stillen das sehnende Herz.
Ich rief dich nicht, du prangender Zweig,
Du hast dich ums Herz mir schmeichelnd gerankt,
Und wirst du bald treulos verwelken mir,
Dann steh' ich, Unseliger, grau vor Gram
Auf schauerlich ödem Lebensplan.
Wie bin ich so arm an Lieb' und Lust!
Ihr, die den Poeten beneiden scheel
Um Früchte der Liebe, o hört mich an:
Den grünen, duftenden Lorbeerhain,
Ich gäb' ihn für eine Rose hin.
Der rosenbekränzte Becher des Glücks,
Er mied die durstige Lippe mein;
Den heißen Schweiß auf der blassen Stirn,
Ihn trocknet ermunternde Liebe nicht.
Und Liebe nicht küßt auf dem Katafalk
Die letzte Träne vom Antlitz mir.
Ihr, die den Poeten beneiden scheel
Um Früchte der Liebe, o hört mich an:
Den grünen, duftenden Lorbeerhain,
Ich gäb' ihn für eine Rose hin.
Der rosenbekränzte Becher des Glücks,
Er mied die durstige Lippe mein;
Den heißen Schweiß auf der blassen Stirn,
Ihn trocknet ermunternde Liebe nicht.
Und Liebe nicht küßt auf dem Katafalk
Die letzte Träne vom Antlitz mir.
Nimmer will ich weinen!
*
Ist das Glas des Fensterleins nicht helle,
Ist das Aug' umflort von einer Träne,
Schaut die Welt zu düster in die Seele.
Ist das Aug' umflort von einer Träne,
Schaut die Welt zu düster in die Seele.
Nimmer will ich weinen, nimmer klagen,
Niemand wischt vom Auge mir die Zähren.
Einsam will ich tragen und entsagen.
Niemand wischt vom Auge mir die Zähren.
Einsam will ich tragen und entsagen.
Nur dem Retter, wenn er wird erscheinen,
Leis' mir winkend mit der Friedenspalme,
Will ich eine Freudenträne weinen.
Leis' mir winkend mit der Friedenspalme,
Will ich eine Freudenträne weinen.
Ein Eselslied.
Willst du, Freundchen, doch einmal das hochgelobte Land erlangen,
Wo es unserm alten Vater Adam einst so wohlergangen,
Darfst du nicht gen Westen ziehn, wo aller Tage Sonnen fallen,
Mußt du, wo sie auferstehen, hin ins Land des Ostens wallen.
Darfst du nicht das Dampfroß, nicht das stolze Pferd des Ritters reiten,
Selbst des Dichters Flügelhengste könnten leicht dich irreleiten.
Nur das Eselein, das arme, das beharrlich voll Geduld
Trägt auf seinem breiten Rücken eignes Kreuz und fremde Schuld,
Nur das Eselein, das arme, kann ins Paradies dich tragen,
Weißt du, Freund, wie ich das meine, brauch' ich weiter nichts zu sagen.
Wo es unserm alten Vater Adam einst so wohlergangen,
Darfst du nicht gen Westen ziehn, wo aller Tage Sonnen fallen,
Mußt du, wo sie auferstehen, hin ins Land des Ostens wallen.
Darfst du nicht das Dampfroß, nicht das stolze Pferd des Ritters reiten,
Selbst des Dichters Flügelhengste könnten leicht dich irreleiten.
Nur das Eselein, das arme, das beharrlich voll Geduld
Trägt auf seinem breiten Rücken eignes Kreuz und fremde Schuld,
Nur das Eselein, das arme, kann ins Paradies dich tragen,
Weißt du, Freund, wie ich das meine, brauch' ich weiter nichts zu sagen.