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Meister Eckart

Chapter 13: Anhang.
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About This Book

A theological study examines German Christian mysticism of the fourteenth and fifteenth centuries, arguing that mystical experience functions as a form of speculative theology rather than mere enthusiasm or the supra-rational. It focuses on a prominent German mystic by presenting a sermon and analyzing mystical consciousness through him and contemporaries such as Tauler and Suso. Major sections treat the mystery, revelation, the highest good and virtue, and the relation of mysticism to Jacob Böhme's theosophy, and the volume includes contextual commentary and an appendix of supporting materials.

Anhang.

Um die Vorstellung vom Vortrage Eckart's zu vervollständigen, wird hier eine seiner Predigten abgedruckt. Sie findet sich in der Baseler Ausgabe 1521, fol. 301.[29]

Vff sant Johans enthauptung, ein vast subtil vnd hoch verstendige predig, anzeigende grossen underscheid vnder schöpffen und machen, got vnd gotheit, deß innern menschen und des eussern. Item wie gott sich selber liebhat, vnd schmacket, vnd hierinn auch alle creaturen. Anfengklich gesetzt vff die wort Christi Matthei X. Nolite timere eos qui corpus occidunt, animam autem occidere non possunt. Nit förchtent die euch tödten wöllent etc. Waß blutt vnd fleisch dem menschen guts oder böses bringen mög, wenn es wol oder übel will.

Nit förchtent die euch tödten wöllent an dem leyb, die sel mögen sy nit tödten. Wann geist tödt nit geist. Geist gibt dem geist leben. Die euch tödten wöllent, das ist blut vnd fleisch.

Das da ist fleisch vnd blut, das stirbet mit einander. Das edelst das an dem menschen ist, das ist blut wenn es wol wil. Aber es ist auch das ergest an dem menschen so es übel wil. Gesiget aber das blut dem fleisch an, so ist der mensch demütig, gedultig vnd keusch, vnd hat alle tugent an im. Gesiget aber das fleisch dem blut an, so wirt der mensch hoffartig vnd zornig vnd unkeusch, vnd hat alle vntugent an im. Hie ist gelobt mein herr sant Johanß, der vmb der warheit willen enthaubt ward (als wir heut begeend). Ich kan jn nit mer loben, gott hat jn mer gelobt. || Nun bitt ich euch das ir eben vernemet, wann ich wil sprechen, das ich nye gesprach. Do got geschuff hymel vnd erden vnd alle creaturen, do würckte gott nit, er hat nit zu würcken, in im was auch kein werck. Do sprach gott: Wir sollen machen einen gleichen, das ist einen menschen der vns gleych sey. Schöpffen, das ist ein leicht ding, das thut man, wenn man wil vnd wie man wil. Aber das ich mach, das mach ich selb, vnd mit mir selber, vnd in mir selber, vnd truck mein bild zumal daryn. Wir machen (spricht got) einen gleychen, nit du vatter, noch du sun, noch du heiliger geist. Wir in dem ratt der heiligen Tryualtigkeit, wir machent einen gleichen. || Do gott den menschen gemachet, do würckt er in der sel sein gleich werck vnd sein würck werck vnd sein yemmer werendes werck. Das werck was so groß das es anders nicht was, denn die seel, vnd die seel was anders nit dann das werck gottes. Gottes natur vnd sein wesen vnd sein gotheit die hangent daran, das er muß würcken in der seel, (Gott segen, gott segen) da gott würcket in der seel, da liebet er sein werck. Wo ist nun die seel, da gott sein werck inn würcket? Das werck ist so groß das es anders nit ist dann die liebe, vnd die liebe ist anders nit dann gott. Gott der liebet sich selber vnd sein natur vnd sein wesen vnd sein gottheit. In der liebe, da sich gott inn liebet, da inn liebhat er auch alle creaturen. Mit der liebe, da sich gott inn liebet, da liebhat er auch alle creaturen, nit als creaturen sonder creaturen als gott. In der liebe da sich gott inn liebhat, da liebhat er alle ding (Gott segen, gott segen). Nun bit ich euch, das ihr vernement Ich wil sprechen, das ich nye me gesprach. Gott schmackt im selber, vnd in dem schmack, da sich gott inn schmacket, da inn schmacket er alle creaturen. Mit dem schmack da sich gott inn schmacket, da schmacket er alle creaturen nit als creaturen, creaturen als got. In dem schmack da sich got inn schmacket da schmacket er alle ding.

Nun merckent: Alle creaturen haben iren lauff vff ir höchste volkommenheit. Nun bitt ich euch das ir vernement (Bey der ewigen warheit vnd bei yemmerwerender warheit vnd bey meiner sel) ich wil sprechen das ich nye me gesprach. Gott vnd gotheit hat vnderscheid als verr, als himel vnd erde. Ich sprich me Der inner mensch vnd der eusser mensch die habent als verr vnterscheid als hymel vnd erd. Got der hat vil tausent mal meilen darob. Gott der wirt vnd entwirt. Nun komm ich wider vff mein red. Gott schmacket im selber an allen dingen. Die sonn wirfft auß iren liechten scheyn vff alle creaturen, vnd da die sonn iren scheyn vffwürfft, das zeucht sy in sich, vnd verleurt doch nit ir scheinlikeit. Alle creaturen verzeihent sich irs lebens vff ir wesen. Alle creaturen die tragent sich in mein vernunfft, das sy in mir vernünfftig seyent. Ich allein bereytt alle creaturen wider in Gott. || (Wartent was ir alle thunt.) Nun komm ich wider vff mein innern menschen vnd vff mein eussern menschen. Ich sich offt die gylgen vff dem velde vnd iren liechten scheyn an ir farb vnd an alle ir bletter, aber ir schwelge der sihe im nit. Warumb? Da ist der schwelg in mir, aber das ich sprich das ist in mir, vnd ich sprich es auß mir. Alle creaturen die schmacken meinen eussern menschen als creaturen, wein als wein, brot als brot, wein vnd fleisch etc. Aber mein inner mensch schmacket nit als creaturen, mer als gaben gottes. Aber mein innerster mensch, der schmacket nit als gaben gottes, dann als ye vnd yemmer. || Ich nimm ein beckin mit wasser vnd leg daryn ein spiegel, vnd setz es vnder das rad der sonnen, so würfft die sonn auß iren liechten scheyn auß dem rad vnd aus dem boden der sonnen, vnd vergeet doch nit. Das widerspilen deß spiegels in der sonnen, das ist in der sonnen sonn, vnd sy ist doch das sy ist. Also ist es vmb gott. Gott ist in der sel mit seiner natur vnd mit seinem wesen vnd mit seiner gottheit, vnd er ist doch nit die sel. Das widerspilen der seel das ist in gott gott, vnd sy ist doch das sy ist. Gott der wirt da alle creaturen Gottes sprechen, da wirdt Gott. || Do ich stund in dem grund der gottheit vnd in dem boden der gottheit vnd in dem refier der gottheit vnd in dem quell der gottheit, do fragte mich niemant was ich wolt oder was ich thet, do was da niemant der mich fragte. Do ich floß, do sprachent alle creaturen got. Fragte man mich Bruder Eckart, wannen giengen ir ausserm hauß, da was ich da inn. Also sprechent alle creaturen von gott. Vnd warumb sprechent sy nit von der gottheit? Alles das in der gottheit ist, das ist ein, vnd dauon ist nit zu sprechen. Gott der würcket der gotheit nit. Sy hat auch nit zu würckende, in ir ist auch kein werck. Gott vnd gottheit hat vnderscheid an würcken vnd an nit würcken, sy geluget nye vff kein werck. Wenn ich komm wider in got, bild ich da nit, so ist mein durchbrechen vil edler denn mein außfluß. Ich allein, ich bring alle creaturen auß ir vernunfft in mein vernunfft, das sy in mir ein seind. Wenn ich komm in den grund der gottheit vnd in den boden der gottheit vnd in das refier der gotheit, vnd in den quall der gottheit, so fraget mich niemant, wannen ich komm, oder wo ich sey gewesen, da vermisset mein niemant, das entwürt.

Wer dise predig hat verstanden, dem gönn ichs wol. Wer hie niemant gewesen ich müßt sy disem stock geprediget haben. Es seind etlich arm leüt, die kerent wider heim vnd sprechen: Ich wil sitzen vff ein statt vnd wil essen mein brot vnd dienen gott. Ich sprich bey der ewigen warheit, das die leüt verirret müssent bleiben, noch nyemmer eruolgen noh erkriegen, das die andern eruolgen die gott nachuolgent in armut vnd in elendigkeit. Das wir diß erlangen, deß helff vns got, Amen.