Gegen eine Welt von Widersachern hatten die Ibsen und Nietzsche die Freiheit der Persönlichkeit verkündet, in jahrelangem, schmerzvollem Ringen hatten wir sie erobert; ein Heiligtum war sie uns, dessen ewige Lampe sich von unserem Herzblut tränkte. Und nun kamen die vielen lärmenden Leute und griffen nach ihr ohne Ehrfurcht, und nichts als ein neues Spielzeug war sie ihnen. Dem gebildeten Pöbel galt jeder als ein Freier, der schrankenlos seinen Begierden folgte. Die entgötterte Menschheit suchte nach Götzen, und jeder fand eine anbetende Gemeinde, der alte Werte mit Füßen trat.
»Die sexuelle Freiheit ist doch nicht die Freiheit an sich!« sagte ich einmal voller Empörung zu Polenz, der mir Hartlebens »Hanna Jagert« gebracht hatte. »Gewiß gibt es Frauen mit denselben sinnlichen Leidenschaften, wie Männer sie haben, aber in ihnen den ›großen freien Weibtypus der Zukunft‹ zu suchen, ist ebenso frevelhaft, als wenn man den modernen Lebemann für das Ideal der Männlichkeit erklären würde.«
»Sie kennen eben unsere jungen Dichter nicht, die zumeist aus dem engsten Kleinbürgertum stammen und von da aus direkt der Großstadtbohême in die Arme laufen. Eine andere Welt ist ihnen fast allen fremd und bleibt ihnen fast immer verschlossen. Gerade Sie sollten es wagen, in die Höhle der Löwen zu kommen,« antwortete Polenz.
Ich zögerte noch, aber Georg, dem jedes Mittel willkommen war, das ihm geeignet schien, mich heiterer zu stimmen, redete zu, und so folgte ich eines Abends Polenz' Einladung. Er hatte eine heterogene Gesellschaft zusammen gebeten: alte Regimentskameraden und anarchistelnde Schriftsteller, sächsische Gesandschaftsattachés und die Blüte der berliner Kaffeehaus-Literaten. Eine unbehagliche Stimmung herrschte; die Herren von der Feder fühlten sich sichtlich nicht wohl in ihren Fräcken, und die Damen, die sich von ihnen etwas ungeheuer Interessantes erwartet hatten, vermochten trotz aller Mühe die genierte Steifheit der fremden Gäste nicht zu überwinden. Erst bei Tisch und beim Wein wurde es ein wenig lebendiger. Einer der modernsten und beliebtesten Schriftsteller, der mit einer gewissen Grazie die gewagtesten Dinge zu schildern pflegte, saß neben mir, ein anderer, der die Hoffnung der Moderne war, mit dunkler Brille über den lebhaften Augen, mir gegenüber. Ich ließ alle meine oft erprobten, geselligen Künste spielen, schlug alle Saiten an, von denen ich einen Ton erwarten konnte, — vergebens. Wie Backfische, die zuerst in Gesellschaft kommen, antworteten sie mit einem Ja, einem Nein und einem verlegenen Lächeln, wenn ich glaubte, gerade ihre Interessen berührt zu haben. Ich sah forschend die lange Tafel herauf und herunter: überall dasselbe Bild, — und langsam legte sich eine bleierne Langeweile über die zu krampfhaftem Höflichkeitsgrinsen verzerrten Züge. Man atmete schließlich erleichtert auf, als das Essen zu Ende war; und so rasch sie konnten, verschwanden die Herren im Nebenzimmer, von wo bei Kognak und Zigarrren bald dröhnendes Lachen herrüberscholl.
Als ich, die Elektrische erwartend, auf der Straße stand, trat eine kleine Frau mit blitzenden Saphiraugen, ein Spitzentuch lässig über den dicken, blonden Schopf geworfen, auf mich zu. »Er ist wohl noch immer da drin, der Franzl,« sagte sie und wies mit dem Daumen zu der erleuchteten Etage herauf, die ich eben verlassen hatte. Überrascht sah ich sie an — »Juliane Déry! Was machen Sie denn hier?« — »Ich warte! — mit dem letzten Bissen im Munde wollte er diesem Menschenragout entlaufen. Aber es muß doch pikanter ausgefallen sein, als ich prophezeite ...« Ich lachte hellauf und gab ihr eine Schilderung der letzten drei Stunden. »Und Sie dachten wirklich an gedeckten Tischen, zwischen Grafen und Baroninnen, unsere jungen Genies kennen zu lernen?!« Sie konnte sich vor Vergnügen nicht lassen, amüsiert blieben die Vorübergehenden bereits neben uns stehen. »Kommen Sie!« mahnte ich leise und schob meinen Arm in den ihren.
»Richtig! — Wir haben ja schon einmal eine nächtliche Promenade gemacht! Seitdem sind Sie ethisch geworden und haben —« sie stockte ein wenig — »geheiratet!«
»Und Sie?« Ich frug ohne Interesse, im Grunde nur, um irgend etwas zu sagen.
»Ich? — Gott — Sie sehen: ich lebe! Was sollte unsereins auch sonst noch tun!« Ein düsterer Schatten verdunkelte einen Augenblick lang ihre Augen, dann lächelte sie wieder: »Wissen Sie was? Kommen Sie heute mit mir, — ich bin ein besserer Cicerone der Bohème als Ihre Gastgeber eben! Überdies —« sie musterte mich unter der nächsten Laterne von oben bis unten — »werde ich mit Ihnen Furore machen.«
Bis zu unserem Ziel, einer kleinen Weinstube in der Friedrichstadt, erzählte sie mir mit der ihr eigenen sprühenden Lebhaftigkeit von all den freien Geistern, die ich finden würde. »Der große...«, »der geniale...«, »der einzige...«, — mit diesen Adjektiven begleitete sie Namen, die mir kaum bekannt waren.
Als wir eintraten, schlug ein Wolke dicken Rauches uns entgegen; ein paar Lampen, ein paar Lichtpünktchen brennender Zigaretten leuchteten hindurch. Ein Chor schwatzender Stimmen machte jedes Wort unverständlich. Erst als wir im Lichtkreis der Gasflammen standen, verstummte die Gesellschaft. Die Herren erhoben sich und umringten uns. Sie rochen nach Kognak, — unwillkürlich trat ich einen Schritt zurück. Man hörte meinen Namen. »Bist wohl verrückt geworden, Juliane!« brummte eine Männerstimme, und ein Arm legte sich um ihre Taille. Ich setzte mich abseits in eine Ecke. Nach einer Weile schien ich vergessen und fühlte mich wie eine Zuschauerin vor der Bühne. Es war zweifellos ein interessantes Spektakelstück, das ich sah, und Menschen eigener Art, die darin spielten.
Zu Füßen eines großen, tiefbrünetten Mannes, um den sich allmählich die leeren Flaschen häuften, saß eine blasse Frau mit blonder Haarkrone auf dem vornehmen Köpfchen. Das mußte die dänische Gräfin sein, die der »satanische« Dichter, wie die Déry ihn nannte, entführt hatte. Wenn er redete, sah sie andächtig zu ihm auf, und die Nächststehenden schwiegen.
»Ja — was ich sagen wollte — —« er sprach mit einem scharfen slawischen Akzent — »was — was war es doch?« Er goß sich roten Wein in das Glas, — ein paar Tropfen spritzten der Frau zu seinen Füßen auf die weiße Stirn, — er vergaß zu trinken und starrte sie an: »wie schön das ist: die Dornen deines unsichtbaren Kranzes haben dich verwundet, — wie ein Rubin leuchtet dein königliches Blut ...«
»Zum Donnerwetter, was schweigt ihr,« brüllte er im nächsten Augenblick und stürzte den Wein hinunter, »was geht das Euch Kanaillen an?!« Die anderen lachten.
»Du hast uns deinen Helden schildern wollen!« sagte jemand.
»Meinen Helden!« begann er wieder, »das wird ein Kerl sein! Kein waschlappiger Schmachtfetzen, der die Weiber anhimmelt, sondern einer, der zupackt, wie ich!« — seine Riesenfaust umklammerte den Arm der blonden Frau, die schmerzhaft zusammenfuhr, — »keiner, der den Lahmen Krücken schenkt und den Blinden Brillen, sondern einer, der beiseite stößt, was ihm im Wege steht. Oder meint ihr, das Gesindel um uns sei was besseres wert?! Glaubt mir, wenn wir nicht empor kommen, die Starken, die Hartherzigen, dann wird das Gewürm, das Junge wirft wie die Kaninchen, uns auffressen. Den Schwachen helfen, winselt ihr mit dem verwässerten Christenblut in den Adern? Nein, sage ich: den Schwachen den Gnadenstoß geben, damit die Starken Platz haben!«
Ich hielt mich nicht länger. »Es muß sich aber erst erweisen, wer die Starken sind,« rief ich.
»Erweisen? Nein, schönste Frau, — wenn wirs nur von uns selber wissen,« antwortete er, stand auf und trat auf mich zu, — er schwankte ein wenig — »Sie sind ja so Eine, die sich opfert — der Menschheit — der Ethik — pfui Teufel! Mit so einem Gesicht und solcher Gestalt —« seine große Hand streckte sich, ich wich ihr erschrocken aus — »sich behaupten sollten Sie, — Glück schenken und Liebe, — das ist mehr als Traktätchen — und — und — Kinder kriegen —«
Er fiel wie ein gefällter Baum der Länge nach zu Boden. Ich strebte hastig der Türe zu. Juliane Déry kam mir nach und drängte ihr glühendes Gesicht dicht an das meine.
»So bleiben Sie doch — Schönste — Beste,« schmeichelte sie — ich fühlte ihre Hand auf meiner Hüfte. »Ist er nicht groß? — herrlich? Und jetzt wird es erst schön — komm! komm! — laß uns Freundinnen sein —« Sie versuchte mich zu küssen. Ich schüttelte sie ab. »Hochmütige Närrin —« knirschte sie.
»Sie — sie hat kein Herz — kein Herz — wie all die — die Tribünenweiber!« lallte der Betrunkene, der sich halb aufgerichtet hatte.
Ich lief hinaus wie gejagt und sprang in den nächsten Wagen. Warum nur brach ich schluchzend in den Kissen zusammen, — warum?!
Leise schlich ich in die Wohnung, in mein Zimmer. Zum erstenmal verschwieg ich Georg, was ich erlebt hatte; nur von dem Abend bei Polenz erzählte ich und von den Menschen dort, die »auch nicht die unseren sind«.
Er hörte kaum zu, seine Gedanken waren bei dem Brief, den er zwischen den Fingern rollte und mir lächelnd reichte.
»Hier werden wir die unseren finden!« sagte er.
Es war eine Einladung zu einem Festkommers »unserem verehrten Genossen Friedrich Engels zu Ehren«, von den Mitgliedern des Parteivorstands unterschrieben. »Du willst hingehen?« frug ich erstaunt, »als preußischer Universitätsprofessor?!«
»Die Freude will ich mir nicht entgehen lassen, einmal im Leben dazu zu gehören! — und den Kragen wird es nicht kosten!«
Ein großer Saal. Grüne Girlanden, mit roten Blumen besteckt, schwebten in runden Bogen um die Galerien, von einer Säule zur anderen. »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« leuchtete es in riesigen Goldbuchstaben auf rotem Grund von der Tribünenwand herab den Eintretenden entgegen. Unter Lorbeerbüschen glänzten die weißen Büsten von Marx und Lassalle. Als wir kamen, war der Riesenraum schon dicht gefüllt: Männer im Festtagsrock, Frauen und Mädchen in bunten Blusen und hellen Kleidern, die Gesichter verklärt, wie die der Kinder von Weihnachtsvorfreude. Ein Glanz der Jugend strahlte aus allen Augen und verwischte die Furchen, die Leidenszüge, die Kummerfalten, und gab den früh gebleichten Wangen die Röte der Kinder des Glücks.
Neugierig richteten sich alle Blicke auf uns: den bleichen Mann im Rollstuhl und die junge Frau ihm zur Seite. Der alte Bartels führte uns bis nach vorn, wo an gedeckten Tischen die Plätze für die Gäste reserviert waren.
»Daß ich das noch erlebe — Herr Professor — das noch erlebe,« wiederholte er immer wieder, mit dicken Freudentränen in den kleinen, zwinkernden Äuglein.
Brausende Hochrufe erschütterten die Luft. — Alles erhob sich — schwenkte die Hüte und wehte mit den Taschentüchern — auf die Tische und auf die Schultern wurden die Kinder gehoben, so daß ihre Köpfchen wie Blumen aus dichtem Wiesengrund über die Massen emporragten. Und durch den breiten Mittelgang, an dem sich rechts und links, eine undurchdringliche Mauer, die Menge staute, kamen sie alle, die alten Kämpfer, deren Namen ein blutiger Schrecken für die einen, ein Symbol künftiger Glückseligkeit für die anderen war.
Mein Blick blieb nur auf den vier Voranschreitenden haften, die ich um mich herum immer wieder flüsternd nennen hörte: Liebknecht — Bebel — Auer — Engels. Groß war der eine, mit grauem Vollbart, hoher Stirn, geistvoll sprühenden Augen, einen feinen Zug von Sarkasmus um den Mund, klein der andere, mit widerspenstiger voller Haarsträhne, die ihm immer wieder nach vorne fiel, so daß sein Blick sich noch mehr verschleierte, — jener merkwürdige Blick, wie ihn nur Dichter und Träumer haben. Einen breiten, hellen Germanenkopf trug der Dritte stolz auf den starken Schultern, ein paar Augen, die gewiß kampflustig zu blitzen verstanden wie die alter Häuptlinge, sahen über die Menge hinweg. Vorne aber ging der alte gefeierte Gast mit einem Lächeln so voll gerührter Güte und freudiger Menschenliebe, als wären das alles seine Kinder, die ihm entgegenjauchzten.
Gesang, Musik, Begrüßungsreden wechselten miteinander ab, wie bei einem großen Familienfest. Nichts Pathetisches, aber auch nichts, das an Aufruhr und revolutionäre Schrecken erinnerte, störte die Stimmung. Das Rot der vielen Schleifen und Fahnen im Saal schien heute nur die Farbe der Freude zu sein, nicht die des Bluts. Auch die ›Freiheit‹, die auftrat, mit der phrygischen Mütze auf dem schwarzen Krauskopf, ihre Verse skandierend wie ein Schulkind, glich mehr einem Boten des Frühlings als der Revolution.
Drunten im Saal, wie oben auf der Tribüne herrschte eitel Fröhlichkeit.
Von einem Tisch zum anderen begrüßten sich die Bekannten, und er, der Held des Tages, drängte sich mit den Freunden immer wieder durch die Reihen und schüttelte die Hände alter Kampfgenossen aus den schweren Zeiten der Verfolgung. Sie kamen auch zu uns und setzten sich um Georgs Rollstuhl, und seine Lippen zuckten, und seine Augen wurden feucht vor Bewegung. Mit einer altväterisch-chevaleresken Verbeugung schenkte mir Engels ein paar Blumen aus der Fülle, die ihm gegeben worden war. »Ein gefährliches Zeichen,« lachte Liebknecht und wies auf die rote Nelke darunter. »Eins des Sieges, wie ich hoffe,« antwortete ich.
Wir gingen still nach Haus. Eine große Freudigkeit erfüllte uns.
An einem grauen, naßkalten Dezembertag war es. Das Reichshaus sollte eingeweiht werden. Am Brandenburger Tor stand ich, Eindrücke zu sammeln für das, was ich schreiben wollte. Man lachte — schwatzte — höhnte rings um mich her: vom »Gipfel der Geschmacklosigkeit« sprach der Eine, — so hatte S. M. jüngst in Italien den Bau Wallots bezeichnet —, von der leeren Tafel über den Toren erzählte der andere, die auf die Inschrift »Dem deutschen Volke« vermutlich vergebens warten würde; — »den Junkern und Pfaffen, — wirds statt dessen heißen,« fügte bissig ein Dritter hinzu. »Wenn man die Umsturzvorlage det janze Dings nich umstürzen wird,« zischelte es dicht neben mir. Der stramme Polizeileutnant, der hier Wache hielt, wandte stirnrunzelnd den Kopf. In offenem Wagen fuhren die Abgeordneten vorüber: Zivilisten mit glänzenden Zylindern auf dem Kopf und bunten Bändchen im Knopfloch, auf den Zügen den Ausdruck ernsthafter Wichtigkeit, Geistliche in der schwarzen Soutane mit runden glänzenden Gesichtern; Reserveoffiziere, denen der enge Kragen das Blut blaurot in die Stirne trieb, und deren bunter Rock sich in Falten über Brust und Leib spannte. »Drum müssen sie doch alle stramm stehen vor dem obersten Kriegsherrn, — die M. d. R.s —« zischelte dieselbe Stimme wie vorhin.
Aufgeregt sprengten die Polizisten noch einmal hin und her, — ihre Pferde drängten die angstvoll aufkreischenden Zuschauer zur Seite.
Vom Schloß die Linden hinunter trabte eine Schwadron Garde du Korps in glänzender Uniform mit wehenden Fähnlein. Da plötzlich ein klirrender Stoß — ein Schrei, — und zwei Reiter wälzten sich unter ihren Pferden.
Im gleichen Augenblick nahte ein Wagen: der Kaiser! Schweigend — erwartungsvoll — kaum, daß ein paar Hüte von den Köpfen flogen — harrte die Menge, — schwankend, mit totblassem Gesicht richtete der eine der gefallenen Soldaten sich auf die Kniee, — dicht vor ihm schlugen die Hufe des Viergespanns schon auf das Pflaster.
Das Bronzegesicht des Monarchen tauchte sekundenlang auf — ein einziger kalter Blick streifte den Garde du Korps — die feindselig-stumme Menge hinter ihm, — und vorüber raste der Wagen.
Erregt, mit verbissenem Grimm stoben die Menschen auseinander. Das war, so schien mir, der rechte Auftakt für das kommende Schauspiel: den Kampf um die Umsturzvorlage, die als erster Gesetzentwurf den Volksvertretern im neuen Hause zur Entscheidung vorlag.
Unter kriegerischem Gepränge war es heute geweiht worden, — Kriegszeiten standen bevor.
Auf dem Wege durch den feuchtdunstigen Tiergarten war mein Plan gefaßt, und noch ehe Georg aus der Universität zurückkam, lag meine »Erklärung« schon auf dem Schreibtisch. »Im Namen des weiblichen Geschlechts protestieren wir unterzeichneten Frauen gegen die Umsturzvorlage,« begann sie, und weiter hieß es darin: »›Beschimpfende Äußerungen gegen Ehe und Familie‹ gefährden das sittliche Leben des Volkes nicht so sehr wie die gesetzliche Sanktionierung der Unsittlichkeit; und nicht durch ›Kundgebungen‹ werden ›weite Bevölkerungkreise‹ zu dem Glauben verführt, daß die Grundlagen unseres Lebens auf ›Unwahrheit und Ungerechtigkeit‹ beruhen, sondern durch eine Gesetzgebung, die die Hälfte des Menschengeschlechts, die Mütter der Staatsbürger, mit Unmündigen, Wahnsinnigen und Verbrechern auf eine Stufe stellt und durch wirtschaftliche Zustände, die Millionen von Frauen in den Kampf ums Dasein treiben, das Familienleben zerstören, die Ehe erschüttern ...«
Ich versandte noch an demselben Abend meine Erklärung mit der Bitte um Unterschriften an die Presse. Kaum war sie veröffentlicht, als Onkel Walter mich mit seinem Besuch überraschte. »Ich komme, dich zu warnen,« sagte er, »man hat ein Auge auf dich, man kennt im Polizeipräsidium deine geheimen Beziehungen zur sozialdemokratischen Partei, und heute im Reichstag hat der Minister des Innern mir im Vertrauen gesagt, daß, wenn die Umsturzvorlage oder ein dem Sinne nach ihr ähnliches Gesetz in Kraft treten sollte, du zu den Ersten gehören wirst, die davon getroffen werden; — vorausgesetzt natürlich —,« er sprach langsam und betonte jede Silbe — »daß du nicht klug genug bist, vorher andere Wege einzuschlagen.«
»Ich danke dir für deine Freundschaft, lieber Onkel, — aber daß ich deinem Rat folgen werde, wirst du von mir kaum erwarten.«
»So sind wir geschiedene Leute!« rief er, und krachend fiel hinter ihm die Tür ins Schloß.
Seltsam, — er hatte mir niemals nahe gestanden, und doch: in diesem Augenblick krampfte sich mir das Herz zusammen, — ein Stück der Kindheitsheimat nahm er mit sich fort. Was wird der Vater sagen, dachte ich furchtsam. Aber er kam nicht, er schrieb mir nur zwei Zeilen ohne Anrede und Unterschrift: »Nach Deinem letzten Benehmen wirst Du Dich nicht wundern, wenn wir Dir eine Zeitlang fern bleiben. Wir hoffen zu Gott, daß er Dich wieder auf den rechten Weg leiten möge! ...«
Eisig fegte der Ostwind durch die Straßen, feine, schimmernde Eiskristalle tanzten in der Luft, und der Rauhreif wandelte den Tiergarten in ein Wintermärchen. Jeden Morgen begleitete ich jetzt Georg in die Universität. Seine Vorlesungen über soziale Ethik füllten das Auditorium bis in den fernsten Winkel und leidenschaftlich erregte Menschen — alte und junge — Männer und Frauen — begrüßten ihn mit heftigem Beifallsgetrampel. Hinter dem Pult war nichts von ihm zu sehen als der bleiche, dunkel umrahmte Kopf mit den strahlenden Kinderaugen. Er sprach, wie er noch nie gesprochen hatte, er geißelte die Sünden des Kapitalismus mit einer Schärfe, wie sie in diesen Räumen noch nie gehört worden war, und verteidigte die Rechte der Frauen und die der Arbeiter mit einer Begeisterung, die alles mit sich fort riß.
»Der Glaube, daß wir jetzt vor tief gehenden Wandlungen, vor einer Weltwende stehen, wie die Menschheit noch keine erlebt hat, ist eine Überzeugung, die immer weitere Kreise ergreift ... Jetzt ist keine Zeit mehr zu beschaulichem Träumen ...« — Seine Stimme hob sich in ungewohnter Kraft und bekam einen Klang wie eine tiefe Glocke. »... Wir müssen uns klar werden über die Lage der Dinge und wach sein für die Nöte des Tages ... Wir müssen uns bewußt werden, wohin wir gehören ...«
»Er spricht sein Todesurteil ...« hörte ich leise flüstern. Kirchenstill war es. Er wurde vom Katheder heruntergehoben, sein Rollstuhl setzte sich in Bewegung, mit scheuer Ehrfurcht grüßten ihn die Studenten.
Fauchend schlug ihm der Wind in das heiße Gesicht, als wir ins Freie traten, und fröstelnd zog er sich den Pelzkragen höher. Vergebens bat ich ihn, sich aus seinem offenen Rollstuhl in einen geschlossenen Wagen heben zu lassen. Den ganzen langen Weg über die Linden, durch den Tiergarten, über den Lützowplatz kämpften wir mühsam wider den Schneesturm.
Vor unserem Hause ging ein Herr auf und ab: groß und schlank, den feingeschnittenen Kopf zurückgeworfen, den Bart keck in die Höhe gewirbelt, — »Hessenstein!« rief ich überrascht.
»Kein anderer, gnädige Frau!« sagte er und küßte mir die Hand — »ich warte auf Sie — ich konnte Europa nicht verlassen, ohne von Ihnen Abschied zu nehmen —«
Wir begaben uns zusammen in unsere Wohnung. Seltsam fragend betrachtete Georg den Gast, den ich so freudig willkommen hieß.
»Sie verlassen Europa?« frug ich, »und warum?«
»Seit meinen kriegerischen Erfahrungen im Bergwerksbezirk war mir nicht mehr wohl im bunten Rock —« antwortete er, während sein Blick sekundenlang peinlich überrascht zwischen Georg und mir hin und her flog — »und die neu eröffnete Aussicht, gelegentlich einmal auf Eltern und Geschwister schießen lassen zu müssen, hat meinen militärischen Ehrgeiz auch nicht wesentlich steigern können. — — Ich habe einen Bruder in Java, — dorthin will ich. Eigentlich auch kein erstrebenswertes Ziel! Aber — was soll man tun —, wenn man den Mut nicht aufbringt, unter die Roten zu gehen!«
»Dann ist Ihre Wahl sicherlich die beste,« sagte Georg mit feindseliger Schärfe. Rote Flecken brannten ihm über den Backenknochen.
Sichtlich verletzt, erhob sich Hessenstein. In dem Wunsch, gut machen zu wollen, was Georg verfehlt hatte, war ich doppelt herzlich.
»Vielleicht treffen sich unsere Wege doch einmal wieder! Möchten Sie recht, recht glücklich werden« — damit reichte ich ihm beide Hände. Er senkte tief den Kopf darauf. »Ich danke Ihnen!« flüsterte er bewegt.
Kaum war er fort, als Georg mich zu sich rief. Sein Kopf glühte — seine Hände waren heiß.
»Du fieberst!« rief ich erschrocken.
»Mir war schon diese Nacht nicht recht wohl, — ich wollte nur heute die Universität nicht versäumen —« ein harter Husten ließ ihn verstummen. »Aber es ist nichts, Kindchen, nichts, — ein Katarrh vielleicht!« Wieder eine Pause. — »Komm einmal her zu mir, Liebling, — ganz nah —« ich kniete neben ihm — sein rascher, heißer Atem berührte mein Gesicht — »du — du — liebtest wohl jenen Hessenstein?«
»Georg!!« Mir stieg das Blut in die Schläfen. »Wie kommst du darauf?«
»Ihr — ihr saht euch an — wie — wie Menschen, die zusammen gehören!«
Lächelnd drückte ich meine Wange an seine schmalen Hände. »Nie — Georg, — nie — gehörten wir zusammen!« meine Augen richteten sich klar auf ihn. »Und wenn es gewesen wäre, — bin ich heute nicht dein — nur dein?!«
»O du — du!« stöhnte er; seine Arme preßten sich sich um meine Schultern, — in meinen Haaren vergrub er sein Gesicht, — gegen meine Brust pochte sein Herz in wilden Schlägen.
Er hatte keine Ruhe mehr vor dem Schreibtisch, ich mußte ihn auf und ab fahren; der Husten nahm zu, und jedesmal, wenn er den armen Körper schüttelte, verzogen sich schmerzhaft die Züge. Ich schickte zum Arzt. Er untersuchte ihn und lächelte beruhigend, als Georgs Blick in angstvoller Frage den seinen suchte.
»Eine Erkältung. Halten Sie sich hübsch ruhig, — dann ists bald vorbei.«
In der Nacht stieg das Fieber. Er ließ meine Hand nicht los. Von Zeit zu Zeit sah er mich flehend an, und flüsterte kaum hörbar: »Küsse mich!«
Ich wich nicht von seiner Seite, drei Tage und drei Nächte lang.
»Sie müssen Hilfe haben,« — sagte schließlich der Arzt. Ich schüttelte nur den Kopf. Am Nachmittag des vierten Tages schien das Fieber zu sinken. Die Augen wurden wieder klar.
»Ich habe mit dir zu sprechen, meine Alix,« begann der Kranke mit ruhiger, fester Stimme. »Es geht zu Ende mit mir, — weine nicht, Kindchen, — bitte, weine nicht! — Ich habe, glaube ich, meine Schuldigkeit getan —; was ich ungetan ließ, — du, du wirst es vollenden! — — Du wirst mir treu sein, — im höchsten Sinne treu —« fassungslos brach ich neben ihm zusammen — seine Hände lagen auf meinem Kopf — »über alles in der Welt habe ich dich geliebt —.« Nur wie ein Hauch kamen die Worte über seine Lippen — »zum Paradiese hast du mir das Leben gemacht, — hab Dank, — Dank —.« Ich verlor die Besinnung —
Auf meinem Bett fand ich mich wieder; es war tief in der Nacht, nur ein Licht brannte im Zimmer, die Mutter war neben mir, — so sanft und gut und leise, wie immer, wenn sie Kranke pflegte.
»Alix —« klang es tonlos aus dem Nebenzimmer. Ich stürzte hinein. Aufrecht auf seinem Stuhl saß Georg. Ich schlang den Arm um seine Schulter.
»Warum — warum läßt du mich sterben?!« flüsterte es vor meinem Ohr. Sein Kopf sank an meine Schläfe. Tiefe, röchelnde Atemzüge kamen aus seiner Brust.
Wie lange ich regungslos saß, — ich weiß es nicht. — Fahl dämmerte der Tag durch die Scheiben. Der Arzt trat ein und umfaßte die wachsbleiche Hand —
»Es ist vorüber —«
Einundzwanzigstes Kapitel.
Ein heißer Sommertag. Auf den Wiesen Grainaus brannte die Sonne. In üppiger Farbenpracht glänzten die bunten Blumen, ein sprühender Perlenregen war der Bach. Die Zugspitze spiegelte ihre leuchtenden Schneefelder im Rosensee. Schwül duftete um das Haus der Jasmin.
Ich lag in Decken gehüllt auf der Altane, — ich sah das alles, und doch sah ichs nicht. Tante Klotilde ging ab und zu. Sie war in Berlin eines Tages in mein Zimmer getreten, hatte mich tränenüberströmt in die Arme geschlossen und immer wieder die zwei Worte wiederholt: verzeih mir! Ich hatte ihr versprechen müssen, im Sommer zu ihr zu kommen.
Und nun war ich hier, — zu einer letzten, stillen Rast. Ich wußte, was ich zu tun hatte, wenn ich ihm, der unter grünem Epheu und roten Rosen lag, treu sein wollte. Mein Entschluß war gefaßt. In meinem Schreibtisch lag mein Abschiedswort an die Leser der Zeitschrift, die wir miteinander geleitet hatten, — und der Brief an meine Eltern, von dem ich wußte, daß er sie schmerzen würde, wie nichts vorher. »Sie werden es überwinden —« dachte ich in meinen schlaflosen Nächten, — »ich werde ihnen von da an eine Gestorbene sein!«
All das war mir nicht einmal schwer geworden, solange ich zu Hause in meinen einsamen Räumen war. Losgelöst fühlte ich mich schon von aller Vergangenheit: Zu den Eltern zurückkehren sollte ich, hatten Vater und Mutter in sorgender Liebe gemeint, — so wenig wußten sie von mir! Großmamas Heim im Schloß von Pirgallen hatte mir Onkel Walter als Ruhesitz angeboten, — so wenig ahnten sie, daß ich nicht ruhen durfte!
Nur Martha Bartels hatte mich verstehen gelernt, während sie mir in den schwersten Tagen der ersten Einsamkeit viele Arbeitsstunden opferte.
»Sie werden uns eine liebe Genossin sein —« hatte sie gesagt.
Eine Genossin! — Keines Menschen Geliebte, keines Kindes Mutter, — eine Gefährtin nur der Elenden und der Verfolgten. Es war fast ein Gefühl von Freude gewesen, mit dem ich Abschied genommen hatte.
Und nun wurde es mir auf einmal so bitter schwer!
O du Sommertag über den Bergen, wie wunderschön bist du!
Es liegt in der Luft wie eine große Sehnsucht, — und jubelnde Erfüllung zwitschern die Vögel und duften die Blumen. In den Sonnenstrahlen glüht jedes Blatt wie Gold, blutrot färben sich zur Abendstunde die grauen Felsen. Und ein ganzer, großer Korb blühender Alpenrosen steht vor mir. — Ich will die Augen schließen, will das prangende Leben nicht sehen, — aber dann schleicht auf unhörbar linden Sohlen die Erinnerung in meine Träume ... Hier begegnete mir vor Zeiten das Glück ...
In der Morgenfrühe gleitet mein Kahn über den Badersee. Tief, tief bis zum Grund kann ich sehen, wo um samaragdne Moose glitzernd die Forellen streichen und versteinerte Baumriesen schlafen. Langsam schlepp ich meine müden Füße heimwärts durch den Wald, wo die Orchideen blühen.
Drüben beim Bärenbauern herrscht jetzt der Sepp als Hausherr. Sein junges blondes Weib trägt den ersten Buben an der Brust. Verlegen, die Mütze zwischen den Händen drehend, hatte er die alte Spielgefährtin begrüßt. Sie wußten im Dorf von mir: daß ich die »heilige Kirche« bekämpfte und es mit den Freidenkern hielt! Warum schmerzt mich das alles so sehr? Was konnten die Wenigen mir sein, da ich den Vielen gehörte?
»Übermorgen muß ich fort,« sagte ich entschlossen zu meiner Tante, — »du weißt, die Arbeit wartet nicht, und ich bedarf ihrer —«
»Bleib noch, mein Kind, bleib noch, — du bist noch so schwach —« bat sie.
»Ich werde dir morgen beweisen, daß ich stark bin —« lächelte ich ...
Es läutete gerade zur Frühmesse, als ich aus dem Gartentor trat. Einen Atemzug lang stand ich still, die Hände auf dem pochenden Herzen. Mir war, als hätte ich drüben, zwischen den Bäumen einen Menschen gesehen, — eine Erscheinung aus ferner, ferner Vergangenheit.
Dann ging ich festen Schrittes weiter und warf ohne Besinnen meine Briefe in den blauen Kasten an der Post. Hörte ich nicht einen Schritt? — Es war wohl nur das Klopfen und Rauschen meines eigenen Blutes in den Ohren.
Auf den Stock gestützt, schritt ich langsam bergauf. Wie doch die Bäume gewachsen waren auf der Schonung! Früher reiften hier in der Sonne die süßesten roten Beeren. Und weiter droben war ein neuer Schlag, — kleinwinzige Tannenpflänzchen guckten schon neugierig zwischen Grasbüscheln und alten Wurzeln hervor.
Über die Steinhalde lief ich sonst, — heute wurde mir das Atmen recht schwer!
Nun gings durch den Wald über Sturzbäche, höher und höher, bis der Weg nur als schmales Band an der schroffen Felsenwand des Waxensteins entlang führt. Tief unten braust und schäumt der Höllentalbach.
O, ich kenne noch keinen Schwindel, — findet meine Sohle nur einen Fuß breit Erde, so stehe ich sicher!
Wie frei weht die Luft hier oben, — wie leicht läßt es sich atmen! Über himmelhohem Abgrund schwingt sich die eiserne Brücke von Berg zu Berg, und jenseits führen Leitern wieder empor. Auf weichem Moos unter einer Tanne, die ihre Wurzeln keck um einen Felsvorsprung klammert, halte ich Rast. Im Halbkreis schieben sich hier die Berge aneinander, ein Zirkus, von Riesen gebaut, bestimmt für die Spiele unsterblicher Götter.
Da hör' ich Schritte, — Nagelschuhe auf Felsstufen, — ein Wilddieb vielleicht, oder ein Bergführer, der über die Knappenhäuser zur Hochalm will. Ich stehe auf — die Hand fest um den Stock —, hier gibt es kein Ausweichen. Und schon sehe ich ihn vor mir, den einsamen Wanderer, die Spielhahnfeder am grünen Hut, ein gebräuntes Antlitz darunter, mit Augen — —! Ein Zittern durchläuft meinen Körper —
»Warum erschrickst du vor mir, Alix, — ich bin ja nur ein Gespenst unserer Jugend —«
Ich raffe mich zusammen und seh ihm gerad' ins Gesicht. Wie hart sind die weichen Züge geworden, denke ich. Das Blut strömt mir wieder zum Herzen.
»Laß mich vorüber, — ich glaube nicht an Gespenster,« sag' ich, den Ton meiner Stimme zur Kälte zwingend.
»Du gingst denselben Weg, wie ich: hinauf!« gibt er leise zurück und rührt sich nicht von der Stelle.
»Denselben Weg?! Nein, — unsere Wege sind längst auseinandergegangen, — und daß der deine emporführt, — daran erlaubst du mir wohl, zu zweifeln!« antworte ich höhnisch, — meine eigenen Worte stechen mich wie lauter Nadeln.
»Ich suchte dich, Alix, — seit Wochen, — kein Zufall ists, daß ich hier bin —;« aus seinen Augen dringt ein blaues Blitzen —
»Du — mich?!« Ich lache, daß es vom Felsen wiederklingt, — aber in meinem Herzen weint es.
»Ich liebe dich,« flüstert er — »ich habe geglaubt, ich könnte dich vergessen, — aber meine Sehnsucht bliebst du, — mein ganzes Leben war ein einziges Warten auf dich. Endlich hab' ich dich gefunden! Alix, mein Lieb, — verlaß mich nicht wieder!« Und flehend, wie ein Hungernder, streckt er die geöffneten Hände mir entgegen.
»An eine Nacht denke ich, Hellmut, in der ich vor dir stand und dir schenken wollte, was du heut' begehrst; — jetzt hab' ich nichts mehr, bin bettelarm! — Ich liebe nur noch die Erinnerung, — nicht dich; — du bist ein fremder Mann für mich, — an dem ich vorüber muß —«
In meinem Herzen zuckt es, wie ein verborgenes Leben, das mit dem Tode ringt —
»Ich will um dich werben, Alix, — demütig — geduldig, — an meiner Liebe wirst du Kalte wieder warm werden —«
Ich schüttle den Kopf. »Nein!« sagt eine harte Stimme. War das die meine?!
Er richtet sich auf, sein Blick erstarrt, — er tritt zurück, und ohne aufzusehen, schreite ich an ihm vorbei, — sehr langsam, schwer atmend, auf den Stock gestützt.
Hoch oben, wo auf grüner Halde um die Ruinen der Knappenhäuser in dichten Büschen dunkelblaue Vergißmeinnicht blühen, sah ich noch einmal hinab: auf dem Wege zu Tal steht eine graue Gestalt, vom Dunst der Tiefe halb verwischt: meine Jugend.
Und der steile Steg, den ich gehen will, wohin führt er?