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Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen cover

Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Chapter 102: 100. Wie eine Kriegsflugmaschine im Jahre 1709 aussehen sollte.
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About This Book

A collection of illustrated essays surveys historical antecedents of modern military technologies, tracing how ancient, medieval, and early modern sources describe precursors to firearms, explosives, balloons and flying machines, submarines and diving suits, torpedoes and naval innovations, siege engines, signaling systems, and various field implements. Each brief chapter pairs descriptive narrative with folkloric, literary or technical citations and engraving references, assessing plausibility and showing recurring patterns of inventive thought and practical adaptation across different cultures and eras.

100.
Wie eine Kriegsflugmaschine im Jahre 1709 aussehen sollte.

Ein Kurier, der mit allerlei neuen Nachrichten anfang Juni 1709 nach Wien kam, berichtete auch über eine Flugmaschine, die am 24. Juni in Portugal erprobt werden sollte. Man veröffentlichte damals in Wien sogleich diese Neuigkeit mit dem nebenstehenden Bild in der Zeitung: „... eine Kunst zu fliegen, vermittelst welcher man in 24 Stunden durch die Lufft 200 Meyl machen, denen Kriegs-Heeren in denen weit entlegenen Ländern die Ordre, auch zu jenen neben denen Brieffen, Volck, Lebens- Kriegs- und Geld-Mitteln überschicken“ könne.

Nicht weniger könne man „die belagerten Plätze mit allen Nothwendigkeiten versehen“. Diese Erfindung sei von einem Brasilianer gemacht und dem König von Portugal angeboten worden.

Kein Wunder, daß die Nachricht von diesem Kriegsluftfahrzeug schnell durch Sonderdrucke und Flugblätter verbreitet wurde. Ein findiger Buchdrucker erweiterte die Nachricht sogar und erzählte sogleich von einer geschehenen Luftreise von Portugal nach Wien. Die Reise sei sehr gefährlich gewesen und der Luftschiffer habe mit Adlern, Störchen und auf der Erde unbekannten Vögeln kämpfen müssen. Auf dem Mond sei ein großer Tumult entstanden, als das Luftschiff gesichtet worden sei, und der Luftfahrer habe die Mondbewohner deutlich erkennen können. Leider sei die Landung in Wien mißlungen; denn das Fahrzeug sei gegen die Spitze des Stephansturmes gefahren und dort hängen geblieben, so daß man den Luftfahrer nur mit Mühe habe retten können. Zunächst habe man den kühnen Mann in Wien gastlich aufgenommen, hernach aber doch eingesehen, daß er ein Hexenmeister sei, sodaß man ihn verhaften mußte. Er „dürffe nebst seinem Pegaso erster Tage verbrandt werden; vielleicht; damit diese Kunst, welche, wenn sie gemein werden sollte, große Unruhe in der Welt verursachen könnte, unbekannt bleiben möge“.

Phantasie einer Luftfahrt von Portugal nach Wien, 1709.

Von der „großen Unruhe“, die die Luftschiffahrt zu bringen vermag, kann jetzt manche Stadt, zumal London etwas erzählen.