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Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen cover

Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Chapter 123: 121. Der Anfang des Fahrrades.
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About This Book

A collection of illustrated essays surveys historical antecedents of modern military technologies, tracing how ancient, medieval, and early modern sources describe precursors to firearms, explosives, balloons and flying machines, submarines and diving suits, torpedoes and naval innovations, siege engines, signaling systems, and various field implements. Each brief chapter pairs descriptive narrative with folkloric, literary or technical citations and engraving references, assessing plausibility and showing recurring patterns of inventive thought and practical adaptation across different cultures and eras.

121.
Der Anfang des Fahrrades.

Der in Mannheim lebende Forstmeister Freiherr Drais von Sauerbronn hatte sich im Jahre 1813 ein kleines Fahrzeug mit drei Rädern gebaut, auf dem er zum nicht geringen Erstaunen seiner Landsleute in den Straßen herumfuhr. Als der Kaiser von Rußland damals nach Mannheim kam, ließ er sich das sonderbare Fuhrwerk vorführen, „fand Wohlgefallen daran und sandte dem Erfinder einen brillantenen Ring für das Vergnügen, welches ihm damit gemacht worden sei“.

Diese Ehrung stieg dem phantastisch veranlagten Freiherrn zu Kopf, er verließ den Forstdienst und wurde Erfinder. Eine ganze Menge von Ideen brachte er im Laufe seiner immer mehr abwärts neigenden Lebensbahn zu Tage. Nur wenige vermochte er zu verwirklichen. Einige seiner Pläne kamen erst lange nach seinem Tode zur Durchführung, darunter das Fahrrad, die Schreibmaschine und die Spiegel, mit denen man Tageslicht in dunkle Zimmer wirft.

Das Draissche Fahrrad, wie es hier in seiner ältesten bekannten Form abgebildet ist, hatte keinerlei Tretmechanismus. Man setzte sich auf den Sattel, legte die Unterarme bequem auf die Lenkstütze und stieß sich mit den Füßen vom Fußboden ab. Um die Schuhspitzen nicht so sehr abzunutzen, schraubte man sich Eisenkappen unter. Am 12. Juli 1817 machte Drais auf seiner Laufmaschine die erste Fahrt von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Dieser Weg, der vier Poststunden lang war, wurde von ihm auf dem Rad in weniger als einer Stunde zurückgelegt. Drais verstand es meisterlich, für seine Erfindungen Reklame zu machen, und so lesen wir denn auch bald in fast allen größeren Zeitungen und Zeitschriften von dieser seiner erfundenen Laufmaschine. Besonders empfahl er das Fahrrad dort zu benutzen, wo man sonst einen Eilreiter, die Stafette, nötig hatte. Im Jahre 1818 erhielt Drais auf seine Erfindung ein badisches Patent, und man ernannte ihn zum Professor der Mechanik. Es ist der einzige mir bisher bekannt gewordene Fall, daß jemand wegen einer Erfindung kurzerhand zum Professor ernannt wurde.

Nach allen Weltgegenden wurden die Draisschen Fahrräder, die man damals Velocipedes oder Draisiennen nannte, verschickt. Besonders die Fürstlichkeiten interessierten sich für dieses neue Verkehrsmittel. In England gab man der Maschine sogleich einen Antrieb durch Handhebel. Die miserablen Wegeverhältnisse der damaligen Zeit verhinderten jedoch damals eine dauernde Verwendung dieser „Knochenschüttler“.

Das Fahrrad im Jahr 1817, Farbenkupferstich.

Erst nach dem Tode des verarmten Erfinders (1851) begann man mit Versuchen, die Laufmaschine mit Tretkurbeln zu versehen. Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wurden solche Fahrräder von den Franzosen bereits in bescheidenem Umfange angewandt.