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Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen cover

Modernste Kriegswaffen - alte Erfindungen

Chapter 53: 51. Alte Kriegsautomobile.
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About This Book

A collection of illustrated essays surveys historical antecedents of modern military technologies, tracing how ancient, medieval, and early modern sources describe precursors to firearms, explosives, balloons and flying machines, submarines and diving suits, torpedoes and naval innovations, siege engines, signaling systems, and various field implements. Each brief chapter pairs descriptive narrative with folkloric, literary or technical citations and engraving references, assessing plausibility and showing recurring patterns of inventive thought and practical adaptation across different cultures and eras.

51.
Alte Kriegsautomobile.

Der genannte Valturio zeigt uns auch zum ersten Male, wie man sich einen Kriegskraftwagen bauen kann.

Gedecktes Automobil mit Schießscharten für Gewehr und Geschütz,
Malerei von 1558.


GRÖSSERE ANSICHT

Bereits im Jahre 1257 sagt der Gelehrte Roger Baco, „es können Wagen hergestellt werden, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ Der Ingenieur Fontana, dessen Teufelslaterne und Torpedo wir schon kennen lernten, zeichnete im Jahre 1420 einen Kraftwagen, der mittelst eines Seilantriebes von dem bewegt wurde, der darin fahren wollte. Im Jahre 1421 führte man bei der Belagerung von Zateo an der Eger einen Sturmschild vor, der von den darunter stehenden hundert Mann mittelst eines besonderen Mechanismus fortbewegt wurde. Die Memminger Chronik berichtet, daß am 2. Januar 1447 ein Wagen ankam, der „ohn Roß, Rindter und Leutt“ fuhr. Er wurde von dem Meister bewegt, der in dem Wagen saß. Auf welche Weise dies geschah, habe ich nicht sehen können, weil der Wagen „wol verdeckht“ gewesen sei. Und die Chronik von Pirna weiß zu erzählen, daß im Jahre 1504 ein Wagen „mit rädern und schraubengezeug“ von seinem Erfinder nach Dresden gefahren werden sollte. Die Straße war aber zu schlecht, sodaß der Meister wieder umkehren mußte. Ähnliche Nachrichten finden sich später noch häufig.

Durch Windräder getriebener Kriegswagen,
Holzschnitt von 1472.

Valturio will zum erstenmal eine Naturkraft, den Wind, zur Fortbewegung des Wagens verwenden, und er hofft ihn so für den Krieg brauchbar zu gestalten. Bei Betrachtung des Bildes müssen wir uns an die ungewöhnliche, im Mittelalter sehr beliebte Darstellungsart, einen Gegenstand von mehreren Seiten zugleich zu zeigen, gewöhnen. Wir sehen nämlich den Wagen nicht nur von vorn, sondern auch von beiden Seiten. Das Wagengestell ist sehr hoch und es soll mit starken Bohlen gegen feindliche Geschosse verschalt werden. Die vier Laufräder weisen zwischen den Laufkränzen Zahntriebe auf, in die große Zahnräder eingreifen. Diese Räder werden durch kleine Zahngetriebe bewegt, an denen je ein Windrad sitzt. In der Zeichnung sind die Räder viel zu klein geraten. Wie der Wagen gelenkt werden soll, ist nicht gezeigt. Als diese Abbildung wenige Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung in einem deutschen Buch erschien, verstand man sie so wenig, daß man das ganze Bild auf dem Kopf stehend abdruckte.

Durch Segel getriebener Kriegswagen des Prinzen Moritz
von Nassau-Oranien, 1599.

Zur praktischen Verwendung kamen die durch Windkraft bewegten Wagen im 16. Jahrhundert. Besonders gerühmt wird das Fahrzeug, in dem Prinz Moritz von Nassau-Oranien — bekanntlich einer der Ahnen des deutschen Kaisers — nach der Schlacht von Nieuport (2. Juli 1600) mit dem gefangenen Admiral Don Francisco de Mendoza „an den holländischen Ufern, wo es eben war, zur recreation angefahren“. Es gibt von diesem Wagen verschiedene Darstellungen, die einen flach gebauten, langen Wagen zeigen, der von zwei großen Segeln fortbewegt wird. Es erschien damals aber auch ein prächtiger Kupferstich, der den Wagen in übertriebener Form zeigt. Ich bilde ihn hier nach einer Photographie ab und verweise auf die Geschützrohre und auf den Mann unter dem Großsegel, der das Herannahen des Wagens durch Hornsignale ankündigt.