»Weiß ich nicht, geht mich auch Nichts an — « sagte der Constable, »wir können nicht die ganze Stadt arretiren — ich habe Nichts zu thun, als Sie zum Friedensrichter Oppel zu bringen, der das Weitere dann bestimmt.«
»Und dort werde ich Ihnen beweisen,« rief Hopfgarten rasch, »daß dieser Henkel der abgefeimteste Schurke ist, der auf Gottes Erde wandelt, und wenn er mir jetzt durch Ihre Schuld entwischt, mache ich das Gericht dafür verantwortlich.«
»Ist mir doch was Unbedeutendes.« rief Lobsich im höchsten Erstaunen aus; »was der Bursche noch für eine Frechheit hat. Hm, hm, hm, werden ihn aber schon zahm kriegen da oben, werden ihn schon zahm kriegen.«
Hopfgarten wollte sich ärgerlich nach dem Wirth umdrehen, besann sich aber eines Besseren und folgte dem Constable, von einigen zwanzig Neugierigen begleitet, zu dem Friedensrichter.
Diesen fanden sie jedoch schon gar nicht mehr in seiner Office — er war, wie Hopfgarten zu seinem Erstaunen erfuhr, mit den Herren Henkel und Dr. Hückler zum Essen gegangen, und wurde erst in einer Stunde zurückerwartet. Vergebens machte jetzt der Deutsche dem Constable die dringendsten Vorstellungen, sich den wirklichen Verbrecher — und die Beweise sei er jeden Augenblick bereit zu bringen, nicht entwischen zu lassen, während er selber hier festgehalten wurde; der Mann hatte weiter keine Befehle erhalten, sich auch gar nicht darum zu kümmern, welche Aussage eingebrachte Gefangene machten. Das Alles würde der justice of the peace, wenn er nachher zurückkam, schon untersuchen.
Hopfgarten gab jetzt, in seiner Verzweiflung und Ungeduld, einem der dort in der Nähe befindlichen Leute einen Dollar, in die Wohnung des Doktor Hückler zu laufen und diesen aufzusuchen. Er war der einzige Mensch, der ihn in Milwaukie kannte, eine volle Stunde verging aber, und weder Bote noch Doktor kam. Auch zu dem Staatsanwalt hatte der Gefangene seine Karte geschickt, und ihn dringend ersuchen lassen, augenblicklich zu ihm zu kommen, da die Sache von höchster Wichtigkeit sei. Es geht das nicht selten so in der Welt, wenn die Policey einmal wirklich nothwendig gebraucht wird, ist sie nirgends zu finden, und Hopfgartens größte Angst war jetzt, daß der schlaue Verbrecher seine Zeit benutzen, und sich aus dem Staube machen würde.
Darin hatte er sich nicht geirrt; als bald nach zwei Uhr der Friedensrichter zurückkam, fehlte der Kläger noch, der, seiner Aussage nach nur fortgegangen war, die nöthigen Papiere zum Beweis seiner Klage zu holen. Erst als Hopfgarten jetzt ernstlich darauf drang, den Staatsanwalt zu sprechen, und dabei erklärte, daß dieser sogenannte Henkel ein alias Soldegg, alias Holwich und Gott weiß was sonst noch sei, und das Gericht sogar wohl thun würde, auch die Leute zu vernehmen, mit denen er in intimer Verbindung gestanden, wurde der Richter doch stutzig und schickte vor allen Dingen einen Constabler nach dem Postdampfschiff, das zu untersuchen, ob jener Henkel nicht etwa an Bord sei, in dem Fall aber ihn ungesäumt hierher zu bringen.
Das Postdampfschiff war vor etwa einer Viertel Stunde abgefahren.
FOOTNOTES — FUSSNOTEN
1: Spottvogel, die Amerikanische Nachtigall.
2: Hilf Dir selbst.
3: Soldatenländereien, mit denen in Amerika ein nicht unbedeutender, sehr häufig aber auch höchst betrügerischer Handel getrieben wird.
4: Schwarz-Deutsche — ein Schimpfwort der ungebildeten Amerikaner für die Deutschen.
5: Toddy eine Art kalten Grogs.
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TRANSCRIBER'S NOTE — ZUR KENNTNISNAHME
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Contemporary spellings have generally been retained even when inconsistent. A small number of obvious typographical errors have been corrected and some names regularised; missing punctuation has been silently added. |
Zeitgenössische Schreibungen wurden generell beibehalten, auch wenn gelegentlich mehrere Variaten auftauchen. Einige wenige orthografische Fehler wurden korrigiert und Namen vereinheitlicht; fehlende Zeichensetzung wurde ergänzt. |
The following additional changes have been made; they can be identified
in the body of the text by a grey dotted underline: |
Die folgenden zusätzlichen Änderungen wurden vorgenommen und sind im Text grau unterstrichelt: |
| konnte ihren nicht länger wehren | konnte ihren Thränen nicht länger wehren |
| Reyleys | Rileys |
| im Little Rock | in Little Rock |
| das theilen was er und seine Familie hat | das theilen was er und seine Familie haben |
| sagte Mac Culloch freundig | sagte Mac Culloch freundlich |
| ein mit Streichhölzchen gefülltes, und einige Bündel derselben | ein mit Streichhölzchen gefülltes Kästchen, und einige Bündel derselben |
| in einem solchen Zustand vor sich sehn | in einem solchen Zustand vor sich zu sehn |
| durch ihre Eier und dem zarten Fleisch der jungen Hähne | durch ihre Eier und das zarte Fleisch der jungen Hähne |
| so vertieft (…), viel Notiz (…) zu nehmen | zu vertieft (…), viel Notiz (…) zu nehmen |
| lieb und vertrauungsvoll lächelnd | lieb und vertrauensvoll lächelnd |