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Nebel der Andromeda / Das merkwürdige Vermächtnis eines Irdischen cover

Nebel der Andromeda / Das merkwürdige Vermächtnis eines Irdischen

Chapter 19: Als die Wintersonne aufstieg über dem
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About This Book

A seafaring captain recounts an encounter at a Venezuelan port where a towering, nearly unclothed white man rescues a wounded revolutionary in the nearby mountains; a chain of events yields possession of the rescuer's extraordinary written legacy, which becomes the key to a baffling mystery. Vivid tropical travel and rescue scenes alternate with reflective, quasi-philosophical passages that treat the document as a connective thread, arranging disparate human actions into a larger pattern. The narrative combines adventure and exotic description with contemplations on purpose and order, and the manuscript's revelations drive the unfolding inquiry into human design and destiny.

Als die Wintersonne aufstieg über dem Schnee, erwachte ich aus tiefem Traum. In meinen Armen schlief Irid.

Ihr reiches, blondes Haar lag wirr über dem zerstörten Bett, aber ihre Brust atmete ruhig.

Als sie unter meiner leisen Liebkosung die Augen aufschlug, fiel ein unendlich rührender Blick süßer, ergebener Weiblichkeit auf mich, und ihre Lippen flüsterten meinen Namen. –

Über jedes menschliche Begreifen reiche und köstliche Monate folgten dieser Nacht.

Jeder beginnende Tag ward uns zum Ereignis, und jede neue Nacht bescherte uns neue Kostbarkeiten.

Unsere Liebe ward uns zu einem Borne, den auszuschöpfen uns nie verliehen zu sein deuchte.

Alles was die Welt an Großem und Schönem geschaffen und besessen in den Jahrtausenden, schien uns winzig gegen die überquellende Fülle unserer immer wachsenden Leidenschaft.

Ein Hauch dieses süßen Mundes war mir mehr als alle Weisheit des alternden Menschengeschlechtes, inmitten dessen ich lebte als eine neu aufgesprossene Jugend.

Die Frucht, die unserem Bunde entsprießen sollte, dünkte uns der Keim zu einem Rinascimento der Menschheit. –

Seit jener ersten Nacht war Irids geistige Überlegenheit gewichen. Der Stärkere war jetzt ich. Was ihr bisher an mir barbarisch geschienen hatte, ward ihr nur lieb und wert.

Ihre Sprache floß von Tag zu Tag leichter. Es machte ihr Freude, zu sprechen. Immer mehr schwand die angeborene Neigung zum nur inneren Verarbeiten ihrer Gedanken.

Ich begann, sie meine eigene Sprache zu lehren. Sie begriff sie überraschend schnell, und bald redeten wir ein lustiges Kauderwelsch ihrer hochentwickelten Gedankensprache, von der ich ja nur weniges beherrschte, und meiner primitiven Wortsprache, in die sie sich mit Inbrunst immer tiefer hineinlebte.

Auch meine einfache Art zu denken begann ihr geläufig zu werden. Sie vergaß es bald, ihre Gedanken zu Begriffskomplexen zusammenzuballen, und erlernte die einfache Urform des logischen Denkens ihrer Vorfahren mit seiner übersichtlichen Gliederung in Ursache und Wirkung.

Ich fand, daß es offenbar leicht fällt, in der Erbreihe rückwärts schreitend, zu den primitiven Gewohnheiten einer längst versunkenen Vergangenheit zurückzukehren, während es unendlich viel schwerer ist, einen Sprung nach vorwärts zu machen.

Mein Verhältnis zu Irid hatte sich dergestalt geändert, daß nicht mehr ich zu ihr, das Körperliche zum Vergeistigten, hinaufschritt, sondern sie zu mir hinab, in halb unbewußter Preisgabe ihrer überlegenen Fähigkeiten.

Daß diese reziproken Bewegungen in gewissem Umfange auch einen Ausgleich unserer persönlichen Qualitäten verursachten, war für uns beide ein Gewinn, und das allmählich aufkommende Bewußtsein dessen ein hohes Glück. –

In eigenartiger Weise veränderte sich Irids Fähigkeit als Kinderlehrerin durch ihr Verhältnis zu mir.

Ich stellte fest, daß durch ihr Fortschreiten in der primitiven Denkart und der einfachen Logik meiner Urwelt ihre Fähigkeit, sich den Kindern mitzuteilen und von diesen verstanden zu werden, immer mehr wuchs: sie ward selber ein Kind, „redete wie ein Kind und hatte kindliche Anschläge.“

Es war eine Freude, zu sehen, wie sie sich immer mehr den Kindern seelisch näherte und diese zu ihr heranwuchsen, und wie in seltener Weise Lehrer und Schüler sich zu einem Gemeinsamen zusammenschlossen.