WeRead Powered by ReaderPub
Nebel der Andromeda / Das merkwürdige Vermächtnis eines Irdischen cover

Nebel der Andromeda / Das merkwürdige Vermächtnis eines Irdischen

Chapter 25: Noch etwa eine Woche hatten wir vor
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A seafaring captain recounts an encounter at a Venezuelan port where a towering, nearly unclothed white man rescues a wounded revolutionary in the nearby mountains; a chain of events yields possession of the rescuer's extraordinary written legacy, which becomes the key to a baffling mystery. Vivid tropical travel and rescue scenes alternate with reflective, quasi-philosophical passages that treat the document as a connective thread, arranging disparate human actions into a larger pattern. The narrative combines adventure and exotic description with contemplations on purpose and order, and the manuscript's revelations drive the unfolding inquiry into human design and destiny.

Noch etwa eine Woche hatten wir vor uns. Irid nutzte sie, um in der Stille ihre Angelegenheiten zu ordnen. Unter heißen Tränen schrieb sie einen Abschiedsbrief an den geliebten Vater. Auch ich fügte Worte des innigsten Dankes hinzu.

Die letzten Tage, nachdem sie alles erledigt hatte, lebte sie wie in einer Art von Ekstase. Ihre Augen leuchteten in innerer Glut, ihre Füße schienen, wenn sie schritt, kaum den Boden zu berühren, und ihr Mund, der so mitteilsam gewordene, war wieder verstummt und flüsterte nur noch meinen Namen. –

Am Abend vor der Nacht unsres Fortgehens trat sie nackt in mein Zimmer. Wie ein goldschimmernder Mantel lag ihr Haar um das Weiß ihres herrlichen, makellosen Körpers.

Gleich einer Priesterin breitete sie die Arme aus, und ihre Augen waren wie die Verheißung des Paradieses.

Ich kniete vor ihr und küßte ihren Leib.

Als die Nacht halb vorüber war, schritten wir, noch trunken von Wollust, nackt hinunter zum See, wo ich ein Lager bereitet hatte.

Irid flocht ihr Haar in schwere Zöpfe. Wir legten uns nieder, verbanden uns durch Irids Zöpfe, umschlangen uns fest und blickten, all’ unser Inneres auf den einen Gedanken unsres Ziels richtend, hinauf zu dem winzigen Nebel, in dem meine Erde kreiste.

Gleich einem einzigen Körper und einem einzigen Gedanken lagen wir ineinander gefügt in einer nie gefühlten Fülle sinnlichen Vergehens.

Als der Himmel sich rötete, war mir, als ob mein Körper sich zu erleichtern begänne. Fester umschlangen meine Arme den zitternden Leib meines jungen Weibes, dessen Mund im Paroxysmus den meinen suchte.

Das Klingen, Harfenschwirren hub an, ein tiefer Orgelton erfüllte die Luft, und als die ersten Sonnenstrahlen über den Wald huschten, war die Verbindung mit dem Lager gelöst:

Ich schwebte frei empor und – durch die Wollust der Ekstase hindurch fühlte ich die Freude über den Erfolg – Irid blieb fest in meinen Armen.

Ihr Atem floß heiß über mein Gesicht. In allem Brausen der beginnenden Transfiguration vernahm ich deutlich das süße Wimmern ihres Mundes, wie sie meinen Namen stammelte. Dann schwand mir das Bewußtsein.