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Chapter 104: ÜBERS SCHREIBEN
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

ÜBERS SCHREIBEN

Ich bin durch einen Brief meines wirklichen Freundes und freundschaftlichsten (er schreibt unerhört flink auf einer allerbesten Schreibmaschine) Fr. W. erst zur Erkenntnis gekommen, zur plötzlichen einbrechenden einfachsten Erkenntnis, daß gut Briefe schreiben nur bedeuten könne, so zu schreiben, als höre der Briefempfänger während des Lesens unmittelbar den neben ihm sitzenden Schreiber des Briefes laut und eindringlich mit ihm sprechen! Diesen Unterschied des schweigend Schreibenden und des tönend Sprechenden ausgleichen können, vollständig, in einem Briefe, heißt Brief schreiben können! Alles andere ist literarischer Mumpitz mit Lorbeeren gekrönt à la Schweinskopf. Temperament, Ungezogenheiten, Eigenheiten, Frechheiten, Dummheiten, alles muß herausgellen, gellen, gellen; sonst ist es eine gemachte, verlogene und daher ennuyante Sache! Briefmomentphotographie!

Zu mir kam einmal einer meiner Freunde, der Uhrmacher Josef T. Er hatte seine wunderbare 23jährige Geliebte zu Grabe geleitet.

»Peter, Sie kennen mich, helfen S’ mir! Eine Grabschrift von Ihnen für meinen marmornen Gedenkstein! Wann darf ich hoffen, daß Ihnen was Passendes einfallen dürfte?!?«

»Sofort,« erwiderte ich mitten auf der Straße, »oder nie

Er riß sein Notizbuch heraus.

Ich schrieb:

»Ich war der Uhrmacher Josef T.,
Und dann war ich im Paradiese durch Dich — — —.
Und jetzt bin ich wieder der Uhrmacher
Josef T. — — —.«

So rasch, so prompt muß man seine Menschlichkeiten ausschütten; denn später wird es eine fade Sauce! Daher die vielen faden Saucen — — —.