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Chapter 105: ANGSTSCHREI
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

ANGSTSCHREI

Es gibt nur einen einzigen, einen allereinzigsten Beweis einer Frau, ihrer echten, menschlichen, aufrichtigen, anständigen Beziehung zu uns: das ist, uns mit Absicht und heiligem Willen jegliche Eifersuchtsqual zu ersparen, ja sie in jedem Augenblick einfach unmöglich zu machen! Dieser gütige Wille allein beweist uns ihre wirkliche Zusammengehörigkeit mit uns! Diesen gütigen Willen kann sie sich zulegen! Sonst bekommt unser Edelgehirn den Verfolgungswahn, gleich diesem adeligsten Gehirn Strindbergs!

Eine geliebte Frau muß uns schützen wollen zu jeglicher Stunde, da wir einmal in bezug auf ihren geliebten, vergötterten Leib in einer Art von mysteriöser Hypnose uns befinden! Diese unsre schreckliche, durch sie allein erzeugte Krankheit muß sie behandeln wie ein Arzt einen unglückseligen schwer Erkrankten, der seiner Obhut sich gläubig überläßt! Wehe, wenn sie diesen ohnedies schwer Leidenden auch noch absichtlich schwächen wollte, statt ihm Heilung zu bringen, da es doch nur von ihrem edlen anständigen Willen abhängt, es zu erreichen!

Diese Heimtücke, uns absichtlich unglückselig zu machen, ist die Schlange in ihr. Denn jede anständige Persönlichkeit hat den natürlichen Wunsch, ihren armen Nebenmenschen zu helfen und zu dienen, soweit es nämlich möglich ist! Die Zerstörungselemente sind eine gottlose infame Gemeinheit, die nur in teuflischen Organisationen liegt. Jede andre sucht zu schützen und zu helfen, soweit es möglich ist!

Eifersucht ist eine schwere Erkrankung des Gehirns, die von jeder menschenfreundlich gesinnten Frau gebannt, geheilt werden kann. Wenn sie es absichtlich unterläßt, so ist sie eine Teufeline, eine, die sich an der Zerstörung unsrer heiligen Lebenskräfte weidet, weil sie nur Böses überhaupt leisten kann und Zerstörendes, nicht aber Leben, Freudiges und Gedeihendes!

Mögen die wertvollen, kultivierten Männer ein wenig genauer zusehen, wodurch ihnen der größte Teil ihrer wertvollsten Lebensenergien eigentlich vollkommen grundlos täglich geraubt und vernichtet wird, und mögen sie endlich anfangen, sich ernstlich zu schützen vor dieser tiefsten Gefahr: Ungezogenes, eitles, freches und sich überhebendes Weib! Teufeline statt Schutzengel!