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Chapter 110: BETTLERFRECHHEIT
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

BETTLERFRECHHEIT

Es ist doch selbstverständlich, daß ein Bettler, der in einem palastartigen Zinshause im ersten Stocke schüchtern-bescheiden anklopft oder vielmehr auf den elektrischen Knopf kurz drückt und in äußerster Zerknirschung um ein Stückchen Brot bittet, es erwartet, daß man ihm ein Beefsteak mit Spiegelei und extra eine Krone bar hinausreiche.

Sollte aber jemand naiverweise den Wunsch nach einem Stückchen Brot à la lettre erfüllen, so darf er sich über die vollständig korrekte Antwort nicht wundern: »Dös können’s selber fressen!«

Daher zeugt die Art, ohne demütig zerknirscht anzuklopfen, sondern ernst und in gerader Haltung 1000 Kronen geborgt zu verlangen, von tieferer Menschenkenntnis; denn hier klammert sich das Opfer der »ungerecht verteilten Lebensgüter im Dasein« wenigstens an diese letzte Hoffnung: »Er wird zurückzahlen, falls er kann — — —.« Nein, Esel, falls er will! Aber er will nie, nie, nie. Denn wenn er die Kraft mitbekommen hätte von seines Gehirnes Gnaden, zurückzuzahlen, so hätte er auch vor allem die Kraft mitbekommen, so sparsam zu leben, daß er nie in eine so verzwickte, also bereits der Unanständigkeit und dem Betruge nahe Lage gebracht worden wäre!