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Chapter 113: AN EINE ELFJÄHRIGE (†)
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

AN EINE ELFJÄHRIGE (†)

Hilde, Elfjährige, ich wußte nichts bis dahin über dich — — —.

Nun aber habe ich deine Stimme vernommen, deine wunderbar klare tönende Stimme,

wie Seelenglocken so hinaustönend in die dumpfe stumpfe Welt!

Und diese Stimme wird alles viel deutlicher, viel tiefer, viel erhabener, viel verzweifelter einst sprechen, was das Leben des Tages und der Stunde uns zu sagen zwingt!

Wie wird diese Stimme einst sagen: »Bleibe bei mir!?«

Wie wird sie es sagen: »Du liebst mich nicht mehr!?« Und: »Adieu, adieu — — —.«!?

Diese Stimme ist so klar und rein wie Gottes Träume über das Leben der Menschen!

Aber das Leben der Menschen selbst ist unklar und schmutzig-trübe! Diese Stimme wird hineintönen wie eine Seelenglocke, ernst, erhaben, liebevoll, feierlich, rührend, in das dumpfe Gebrause der Menschheit, sie wird verklingen, übertönt werden und ausgelöscht — — —. Sie wird ihren tönenden Glockenklang verlieren und dumpf werden wie die Umwelt — — —.

Aber ein alter Dichter auf dem Sterbebett hat sie noch vernommen und nimmt den Klang mit aus einer dumpfen stumpfen Welt, tief gerührt und ergriffen — — —.

Stimme der elfjährigen Hilde, klare tönende Seelenglocke, läute, töne, solange, solange es irgendwie geht — — —.

Und wenn sie dumpf wird im Brausen des Lebensgetriebes, dann gedenke, Hilde, des unglückseligen Dichters, der noch die Seelenglocke deines edlen elfjährigen Herzens im Ohre mit hinübernahm — —.