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Chapter 121: PETER ALTENBERG ALS SAMMLER
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

PETER ALTENBERG ALS SAMMLER

Die »Internationale Sammlerzeitung« veröffentlicht in ihrer eben erschienenen Nr. 13 eine interessante Rundfrage über den Wert des Sammelns. Die Zeitschrift bringt unter anderem Beiträge vom Unterrichtsminister Grafen Stürgkh, Alfred Lichtwark, Alma Tadema, Harden, Paul Heyse, Max Kalbeck, Eduard Pötzl, Felix Salten, Balduin Groller, Ginzkey. Peter Altenberg gab auf die Frage nach seiner Sammelliebhaberei die folgende interessante Antwort: »Es ist ganz merkwürdig, daß Sie sich gerade an mich wenden in dieser Angelegenheit. Denn Sie können es absolut nicht wissen, daß ich, ein ganz Armer, seit vielen Jahren ein einfach fanatischer Sammler bin, und mir, gleich den Milliardären, eine heißgeliebte, gehegte und mit vielen Opfern zustande gebrachte herrlichste Bildergalerie verschafft habe: 1500 Ansichtskarten, 20 Heller das Stück, in zwei herrlichen japanischen Kästchen mit je sechs Fächern. Es sind ausschließlich photographische Aufnahmen von Landschaften, Frauen, Kindern, Tieren. Ich fand vor einigen Wochen, daß der wirklich Ausgebildete des Lebens sich seiner Schätze entäußern müsse, um das tiefste einzige Glück des »Gebens«, des »Spendens« auch noch bei seinen Lebzeiten miterleben zu können an seinen »Beschenkten«. Daher sandte ich beide japanische Kästchen mit den seit 1897 gesammelten 1500 Ansichtskarten nach Hamburg an die junge Dame, die allein von allen Frauen dieses Geschenk zu werten weiß. Seitdem sammle ich desto eifriger, desto leidenschaftlicher, um nun die Sammlung meiner Freundin zu komplettieren. — — Hier also sind gleich zwei heilsamste Ablenkungen von dem gefährlichen Bleigewicht des eigenen Ich: erstens das Glück des Sammelns selbst, zweitens das Glück, es für einen anderen, ebenso Verständnisvollen tun zu können! »Sammeln« heißt, sich auf etwas außerhalb der eigenen Persönlichkeit Liegendes konzentrieren können, das aber nicht so gefahrvoll und undankbar ist wie eine geliebte Frau — — —.«