EINE BEGEBENHEIT
Ich lernte eine junge, sehr, sehr empfindsame Frau kennen, die Martyrien durchmachte wegen der Ruhe und Gleichgültigkeit ihres entzückenden Gatten. Sie sah Gespenster von fünfzehnjährigen, sechzehnjährigen Mädchen, lebte in unglückseliger innerer Hast dahin, verzehrte sich selbst. In dieser schweren Krankheit ihrer süßen kindlichen Seele entwickelte sich in ihr der Plan, für dieses endlose Martyrium Strafe, eventuell Erlösung zu haben. Sie begann daher, einem netten gutmütigen Manne Avancen zu machen. Der Gatte rührte sich nicht. Das machte sie noch kranker. Sie trieb sich kopfüber hinein. Der Gatte rührte sich nicht. Als ich diese gefährliche Situation überblickte, las ich eines Abends nach dem Nachtmahle den beiden mein Gedicht »Das Bangen« vor.
Das Gedicht lautet:
Das Bangen
Ich las es langsam und eindringlich vor.
Pause.
Der Mann erhob sich, trat langsam auf mich zu, nahm meine Hand in seine beiden Hände, sah mich lange, lange, lange an — — —. Die Frau starrte hin, starrte hin, schrie auf: »Er liebt mich, er leidet, oh, er liebt mich! Ich Unglückliche — —!« und fiel hin.
Ich hatte das Gedicht um vierundzwanzig Stunden zu spät vorgelesen.
In das Gedenkbüchlein einer Amerikanerin:
»It’s inside in the human nature, to hate all those, who are better speaking, better dancing, better thinking, better feeling as we self!«
Wintersport am Semmering:
»Schneeglöckchen, immer sangen die Dichter von dir, du läutest den Frühling ein — — —.
Für mich begräbst du den herrlichen Winter!«