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Chapter 127: Das Bangen
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

EINE BEGEBENHEIT

Ich lernte eine junge, sehr, sehr empfindsame Frau kennen, die Martyrien durchmachte wegen der Ruhe und Gleichgültigkeit ihres entzückenden Gatten. Sie sah Gespenster von fünfzehnjährigen, sechzehnjährigen Mädchen, lebte in unglückseliger innerer Hast dahin, verzehrte sich selbst. In dieser schweren Krankheit ihrer süßen kindlichen Seele entwickelte sich in ihr der Plan, für dieses endlose Martyrium Strafe, eventuell Erlösung zu haben. Sie begann daher, einem netten gutmütigen Manne Avancen zu machen. Der Gatte rührte sich nicht. Das machte sie noch kranker. Sie trieb sich kopfüber hinein. Der Gatte rührte sich nicht. Als ich diese gefährliche Situation überblickte, las ich eines Abends nach dem Nachtmahle den beiden mein Gedicht »Das Bangen« vor.

Das Gedicht lautet:

Das Bangen

Mir bangt um dich, Anna — — —.
Weshalb mir bang ist, weiß ich nicht,
Ich weiß nur, daß mir bang ist.
Mir ist bang!
Wie einer Mutter bang ist ohne Grund,
Noch sind sie alle munter und gesund — — —!
Und wie dem Schiffer bang ist, bange, bange,
Während die anderen noch lange
Den wolkenlosen Himmel blöd betrachten,
Und den Warner ob seiner Weisheit nur verachten.
Mir bangt, wie einem bangt,
Der Kinder auf dem Meer-Sand-Hügel spielen sieht,
Und weiß, daß nun die Flut vom Land sie abtrennt — flieht!
Mir bangt, wie einem bangt,
Der weiß, er wird gehenkt um sieben Uhr früh.
So, so bangt mir um dich — — —
Du bist mein Leben, es bangt mir um mich
Du aber, du gehst deinen Weg von mir,
Nicht bangt vor meinem bangen Bangen dir
Dem neuen Schicksal treibst du jach entgegen — — —
Und perlt mein Todesschweiß auf deinen Pfad hernieder,
Nimmst du’s als Tau auf neuen Morgenwegen!

Ich las es langsam und eindringlich vor.

Pause.

Der Mann erhob sich, trat langsam auf mich zu, nahm meine Hand in seine beiden Hände, sah mich lange, lange, lange an — — —. Die Frau starrte hin, starrte hin, schrie auf: »Er liebt mich, er leidet, oh, er liebt mich! Ich Unglückliche — —!« und fiel hin.

Ich hatte das Gedicht um vierundzwanzig Stunden zu spät vorgelesen.

In das Gedenkbüchlein einer Amerikanerin:

»It’s inside in the human nature, to hate all those, who are better speaking, better dancing, better thinking, better feeling as we self!«

Wintersport am Semmering:

»Schneeglöckchen, immer sangen die Dichter von dir, du läutest den Frühling ein — — —.

Für mich begräbst du den herrlichen Winter!«