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Chapter 56: DER TAG DES REICHTUMS
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

DER TAG DES REICHTUMS

Ich wollte einmal einen halben Tag lang das Leben eines Reichen erleben. Ich ließ mich von einer reizenden Frau und ihrem Gatten in ihrem Mercédès vom Hause aus abholen. Ich fuhr zu meinem Raseur, Teinfaltstraße, mich verjüngen zu lassen, besonders mit der Menthol-Franzbranntwein-Spritze auf den Kopf. Ein Ersatz für jedes kalte Bad! Dann fuhren wir nach Baden. Dort badeten wir in den Kurhauswannenbädern, vierundzwanzig Grad Celsius. Dann ließen wir uns kühle Hotelzimmer aufsperren und schliefen eine halbe Stunde lang. Dann aßen wir Solospargel, Hirn en fricassé. Dann fuhren wir weiter, nach Heiligenkreuz. In kühler Halle tranken wir duftenden Tee mit Zitrone. Abends zurück, in eiliger Fahrt.

Die Wiesen dufteten, und die Wälder standen schwarz und unbeweglich-melancholisch unter dem Abendhimmel, der leise leuchtete.

In Wien verabschiedete ich mich.

Im Café Ritz fand ich jene junge Dame, die schon lange meine Augen beglückte. Braunes Haar, blauer Strohhut, Stumpfnase. Ich wollte den Tag feierlich beschließen. Ich sandte ihr drei wunderbare ganz dunkle Rosen und einen Eierpunsch, dieses Lieblingsgetränk der meisten solchen Damen. Sie nahm es huldvollst an, ausnahmsweise.

Sie kam an meinen Tisch und sagte:

»Macht es Ihnen wirklich eine so große Freude, mir Aufmerksamkeiten zu erweisen?!?«

»Ja, gewiß, sonst täte ich es ja nicht!«

»Also, dann brauche ich ja nicht dankbar dafür zu sein — — —!?«

»Nein, keineswegs. Sondern ich Ihnen!«

Das war der Tag des Reichtums — — —.