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Chapter 96: AN EINEN UNMODERNEN ARZT
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About This Book

A series of brief, fragmentary pieces—essays, letters, aphorisms and vignettes—presents intimate impressions of urban life, artistic circles and personal relationships. The narrator alternates between melancholic observation and wry epigram, reflecting on friendship, creativity, illness, memory and the small incidents of cafés, theatres, bathing places and country retreats. Portrait sketches and short episodes mingle with poetic asides, postcards and aphoristic formulations to form a collage of moods that privileges momentary sensation over sustained narrative. Recurring concerns include aesthetic perception, social manners, solitude and the consolations and limits of recollection.

AN EINEN UNMODERNEN ARZT

Werde gläubig! Gehe doch endlich von deinen eingewurzelten Prinzipien ab, die für niemanden passen als eventuell für dich selbst, und siehe, für dich sogar vielleicht auch nicht! Denn du sogar bist besser als dein eigenes Wissen!

Wolle neue, dir unbekannte, dir noch unverständliche Welten kennen lernen, öffne deine Augen und Ohren den neuen merkwürdigen Ereignissen!

Was du selbst weißt und erfahren hast, ist alt, vermodernd und tot!

Was andere dir bringen aus anderen Welten, kann dich erneuern!

Schaue mit ihren Augen, horche mit ihren Ohren, fühle mit ihren Seelen, denke mit ihrem Geiste!

Wehe dir, wehe, wehe, der du deine eigene Welt den anderen aufoktroyieren willst!

Solches durfte nur der Heiland — — —. Denn er wußte es, wofür er sich kreuzigen ließ — — —.

Aber du hast dich ewig zu bescheiden und den Welten der anderen zu lauschen, von denen du Töne vernehmen kannst, die dir bisher leider fremd waren!

Nicht was du bisher wußtest, kann dich bereichern, sondern das, was du bisher nicht wußtest!

Aus der Weltenwurzel ewig neuartige Säfte, Kräfte ziehen, heißt, ein feiner, nobler, kultivierter Mensch sein!

Sein eigenes armseliges Weltchen den ungeheuren Komplikationen des Weltenalls entgegenstemmen wollen, ist eine feige Gemeinheit!

Ergib dich den neuen, dir noch unverständlichen Wundern, und erhoffe es dir, durch neue Erfahrungen dich selbst endlich desavouieren zu dürfen!