The Project Gutenberg eBook of Norby: Eine dramatische Dichtung
Title: Norby: Eine dramatische Dichtung
Author: Waldemar Bonsels
Release date: February 20, 2016 [eBook #51254]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Credits: Produced by Norbert H. Langkau, Norbert Müller and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Norby
Eine dramatische Dichtung
von
Waldemar Bonsels
1921
Verlegt bei Schuster & Loeffler
Berlin und Leipzig
Die Dichtung ist in den Jahren 1908 bis 1915 entstanden. Die vorliegende Ausgabe ist die dritte Auflage. Die erste Auflage ist unter dem Titel: »Der Pfarrer von Norby« im Verlag von Walter Schmidkunz in München im Jahre 1916 erschienen. Copyright 1919 by Schuster & Loeffler. Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig. Alle Rechte vorbehalten.
Viertes und fünftes Tausend.
Die Personen der Dichtung
Bernd Oerlsund, Lotse
Holger, sein Sohn
Naemi, Oerlsunds Pflegetochter
Arne, Pfarrer von Norby
Der Kirchenrat
Der Knecht Jörgen
Der Amtmann von Norby
Der Küster
Die Moorvettel
Zwei Moormännchen
Ein Fischer
Eine Pflegefrau, Burschen, Gesinde, Volk
Ort: irgendwo, Zeit: irgendwann, am Meer.
Erster Aufzug
Wohnraum des Lotsenhauses der Oerlsunds auf Norby. Nacht. Sturm. Mond und die wechselnden Lichter des Leuchtfeuers an den Scheiben. Auf dem Kamin Kerzen. Auf seinem Lager der sterbende Bernd Oerlsund. Holger Oerlsund. Der Großknecht Jörgen. Eine Pflegefrau. Am Kamin Gesinde.
Jörgen
Und zwiefach bringt sein Brausen Licht und Tod.
Ich sah den Tod im düstern Abendrot,
nun hat ihn Gott in dieses Haus gewiesen.
Solang ich denke, brach der Sturm noch nie
so fessellos und so allmächtig ein.
Gott soll dem Haus der Oerlsund gnädig sein.
Und die in Seenot sind, Gott schütze sie. —
Der Kranke schläft. Der Sturm wiegt seinen Traum.
Holger
daß er uns läßt. Er stirbt, wie er gelebt.
Nie hat der Tod ihm Graun und Furcht gemacht.
Jörgen
Holger
als Hög den letzten Seeadler erlegt,
der auf den Norbyer Klippen war,
war ich erzürnt und tief bewegt,
als sei nun eine große Zeit,
ihre freie und wilde Herrlichkeit
für immer dahin. Glutrot hinter den Hügeln
versank der Tag. Der Schuß traf gut.
Der Vogel peitschte mit zornigen Flügeln
das Meer, das aussah wie Blut.
Lang hinhallend über die See
klagte sein letztes Geschrei,
dann sanken die Schwingen. Es war vorbei.
Mir tat sein Tod in der Seele weh,
und immer war mir ums Herz bis heute,
als ob das Unheil für uns bedeute.
Jörgen
Holger
Zwei Wochen darauf ohne Dank und Gruß
verließ Naemi im Trotz das Haus.
Die Dirne des Pfarrers wurde daraus!
Jörgen
Holger
Oh, wer begreift den Zorn, die bittere Pein,
den Taumel von Erniedrigung und Not,
wenn die geliebten Augen nicht mehr sehn
und nicht mehr kennen, was ihr treuer Schein
noch gestern traf als Leben oder Tod!?
Ach, keine Macht auf Erden je gekannt,
war groß genug, den trüben Bann zu brechen,
in dem die teuren Augen nicht mehr sprechen,
was einst Verheißung allen Glücks genannt.
So muß ich gehen, wo ich kommen möchte,
und dort entweichen, wo ich stetig bin,
und alle Kraft erschöpft sich im Vergeben.
Mich würgt der Haß, den ich ihr täglich brächte,
wenn nicht mein Stolz ihn, im verkehrten Sinn,
zu Gift vertauschte meinem eigenen Leben.
Jörgen
und deinen Gram und deine Ungeduld.
Ich bin zu alt, als daß der Menschen Schuld
mir nicht erst weit nach ihren Schmerzen käme.
Doch sag mir eins, auf daß ich gut empfinde,
wie tief die Hoffnung noch in deiner Brust
zu recht sich regt. Du gabst dem lieben Kinde
dein ganzes Herz, mit Willen und bewußt,
doch hat auch sie dir je ein Wort gesprochen,
das sie mit ihrem Abschiedsgruß gebrochen?
Holger
und ihres ganzen Wesens holde Fülle
zu eigen war, wie ein vertrautes Glück,
fernher aus unserer Kindheit erster Stille.
Schlief nicht ihr Haupt an meinem Herzen ein,
wenn wir am Strand, als Kinder, müde waren.
Wer durfte ihr in Freuden und Gefahren
ihr Freund, ihr Retter, ihre Zuflucht sein?
Nur ich und niemand! Binden solche Gaben
und solch Vertrauen erst nach einem Spruch?
Oh, weh der Seele, der sie nicht genug
und mehr als alles eingegeben haben.
Wie sollt ich fordern, was ich nie erflehte,
und wie verlangen, was ich tief besaß.
Oh, schlechter Rat, durch den ich mich verräte,
wer denkt das Licht, das er noch nie vergaß?
Das Meer erwacht im unsichtbaren Wind,
und wer erblickt die Kraft, in der es ruht?
Jörgen
Gottes geheimnisvollstes Gut,
mit dem er nach seinem Willen tut.
Was uns wie Trotz und Willkür scheint,
war oft von seiner Güte gemeint.
Holger
hinter dem Ofen einander lehren.
Ich finde mich nie und nie darein.
Naemi war mein, Naemi ist mein.
Verflucht der Tag, an dem der fremde Mann
mit Satanskünsten und verstelltem Willen,
im heiligen Kleid sein Gaukelspiel begann,
um ihre reinen Sinne einzuhüllen.
Ach, dies Gewand der Schwermut lockt die Frauen,
Verrat an ihrer mütterlichen Seele
ist dieses Schauspiel aus Gelüst und Grauen,
das frömmelnd naht, auf daß es lüstern stehle,
was niemals aus gesundem, klarem Sinn,
aus Freimut oder Lust gegeben würde.
Er lockte durch die priesterliche Hürde
ein arglos Kind zu seinem Schandbett hin.
Jörgen
mit Ungebühr herabzusetzen!
Hat er Naemi je für sich begehrt?
Ein weites Herz ist leichter zu verletzen,
als zu erkennen. Schweig und hüte deins!
Sie ging zu ihm, er nahm sie hin,
weil sie nicht leben konnte ohne ihn.
Holger
Jörgen
Bedenke wohl, Naemi ist kein Kind
aus deiner Heimat und aus deinem Land.
Von Meer und Sturm ward sie uns fremd gesandt,
mit ihrer Seele, die in Licht und Wind
aus heißen Wundern unter uns erwachte.
Gott, der sie einst in unsre Mitte brachte,
der wußte auch, wozu er sie bestimmt.
Holger
Jörgen
Holger
Das war des dunklen Unheils zweiter Schlag,
das ihm so jäh die Lebenskraft zerbrach.
Ein Hornruf.
Jörgen
Holger
rüstet sich zur Ausfahrt
vergehn und uns nicht harte Arbeit bringen,
die schon soviel an Bösem aufgebracht!
Seht mich bereit, das Schwerste soll gelingen!
Ein Schiff in Seenot! — Vater, schlaf du still.
Dich soll Gefahr das letzte Mal nicht wecken.
Es soll kein Mensch in Seegefahr erschrecken,
weil dich der Tod nicht steuern lassen will!
Noch lebt ein Oerlsund, Norbys Ruhm bleibt wach.
Jörgen
Wenn er erwacht, ein letztes Mal, er litte
zu schwer, dich nicht an seinem Bett zu sehn.
Laß andre fahr’n. Geh du nicht fort!
Versteh mich, weil ich für den Vater bitte.
Ein zweiter Hornstoß nah am Haus.
Holger
stirbt er am leicht’sten, der getreue Mann.
Zum Gesinde
Schafft die Geräte, weckt mir, die noch ruhn.
Holt mir den Teerrock, Seile, geht mir sacht.
Die Ruder von den Stangen! Christen soll es tun.
Ein Schiffer tritt auf, Licht und Sturm im Nacken.
Der Schiffer
Der Sturm riß uns das letzte Feuer aus!
Das beste Boot zerbrach die Eichenrippen.
Ich lief nach Norby, Oerlsunds Lotsenhaus
war unsre Hoffnung. Helft uns, wenn ihr könnt!
Was muß ich sehn?! Bernd Oerlsund liegt darnieder?
Wenn Sturm und Tod dies letzte Haus berennt,
sieht draußen keiner je die Küste wieder.
Sie sind verloren! — Gott sei ihnen nah.
Jörgen
nicht Mut in die verzagten Knochen brüllt,
daß ihr dies Haus mit eurer Klage füllt?
Nehmt Mann und Boot und denkt an eure Pflicht.
Wenn diese Nacht nur einer schlafen mag,
ruft rasch das Horn die Schläfer wach!
Die besten unserer Leute gehn zur Hand
und auch ich selbst — ein Weilchen nur —
Der Schiffer
Holger
Das Rettungsboot von Norby ist bereit.
Hier kommt der Tod gewiß zu seinem Ziele,
dort draußen ist für uns noch Zeit!
Jörgen
zu Holger
oft nimmt die große Pflicht der kleinen Kleid,
die nächste aber zwingt.
Bernd Oerlsund
Es muß ein Schiff in Seenot sein.
Gebt mir die Hand. Helft mir, ich muß in See.
Daß ich nicht kann ... mich quält kein andres Weh.
Jörgen
hab ich für meine meinen Lohn dahin.
Auf, Holger! Eh die Zeit vorüber ist.
Das Boot vom Balken nach des Vaters Sinn,
jag’ den Verzagten Feuer in die Seele,
doch du komm wieder, daß dein Angesicht
dem letzten Trost des Sterbenden nicht fehle.
Der Schiffer
kommt mit hinab, das ist mein Bitt’ und Rat.
Und habt auch Dank. Von Attang kamen
fünf Leute mit mir. Kommt in Gottes Namen.
Er geht ab. Die Tür bleibt geöffnet. Sturm und Licht in der Nacht.
Holger
so wird mit mir an deinem Lager stehn
der stumme Jubel der vom Tod Befreiten.
Zu den Knechten
Holger, das Gesinde ab.
Es bleibt eine Weile still. Von draußen klingt der Lärm und die Rufe der Arbeitenden. Jörgen verriegelt die Tür.
Die Pflegefrau
Wie wünsch ich, daß ihn diese Stunde bringt.
Oh, steht mir bei! Bernd Oerlsund ringt
mit seinem letzten Funken Leben.
Jörgen
Daß auch die Botschaft, die er eben hörte,
dem Sterbenden die letzte Kraft empörte.
Ach, ich bin traurig. Dieses weiße Haar
an meinen Schläfen ist mit ihm erbleicht.
Ach einst, als er ein kleiner Knabe war,
hab ich die ersten Ruder ihm gereicht.
Die Kunst des Schwimmens hab ich ihm gezeigt,
ich hab bewacht, in dienender Geduld,
sein ganzes Leben, ohne Ruh und Schuld.
Ich seh im Geist, um dieses Bett geschart
die Menschen, die sein starker Arm bewahrt,
ich hör Gebete, Schluchzen, Dank,
ich seh sie knien und jauchzen, bleich vor Freude.
Ein junges Weib, das seinen Hals umschlang,
ward so, dem Tod entrissen, ganz die Seine.
Ach, Holgers Mutter hat der Tod genommen,
wie er sie brachte, fremd und über Nacht.
Auf meinen Armen hat das Kind gelacht,
an meinem Herzen ist sein Leben kommen.
Bernd Oerlsund
sinkst du auf mein liebes Leben,
und der neue Tag kommt ohne mich?
Kommt mit Licht und Dank und Sorgen,
und das Meer beruhigt sich ...
Er lauscht hinaus.
Jahre, meinem Sinn verhüllt ...
Meine Kraft ist ungebrochen,
meine Wünsche ungestillt.
Laßt mich leben! Über Maßen
schaurig ist die Nacht, die naht.
Erst im Dunkel kann ich fassen,
wie das Licht der Seele tat.
Es pocht heftig.
Stimme von draußen
Jörgen
Die Pflegefrau öffnet die Tür.
Der Küster, Arne, der Pfarrer von Norby, Naemi treten auf.
Licht und Sturm.
Der Küster
Empfangt sie freundlich. Möchte unser Gang
gesegnet sein, auch ohne Chorgesang.
Arne
Jörgen
Herr Pfarrer. Ein bitter Leid hat Euren Weg gewollt,
Bernd Oerlsund, unser Herr, wird uns genommen.
Naemi tritt an das Lager Bernd Oerlsunds.
Arne
Jörgen
Bernd Oerlsund nun nicht länger, der mit Zorn
und edlem Haß Euch bitterlich gekränkt.
Verzeiht ihm freundlich, Herr, bedenkt,
es sind die letzten Stunden seines Lebens.
Arne
Hat er von mir den Kelch des Herrn begehrt?
Jörgen
Naemi
Er kennt mich nicht, obgleich er mich erblickt.
Wie bleich die Stirn, wie matt die Hände sind.
Oh sieh mich an, ich bin’s, dein Kind.
Jörgen
zu Arne
Er hat es nie verschmerzt, sie zu verlieren,
und böse Reden, die den Ort durchdringen,
erreichten ihn. Sie setzten ihren
und Euren Wert vor ihm herab.
Arne
obgleich sie Oerlsund längst als eigen Kind
betrachtet. Glaube mir, wer ihren Schritt verachtet
und sie doch liebt, wie Oerlsund sie geliebt,
der stirbt nicht leicht, bevor sie ihm vergibt.
Jörgen
der lange hier gedient hat, spricht Euch an
und bittet Euch, vergebt die Ungebühr,
mein weißes Haupt entschädigt Euch dafür.
Ich weiß es, daß Naemis Gegenwart
die Ruhe scheucht, die wir ihm alle gönnen.
Er wird den Kelch des Herrn nicht nehmen können.
Das letzte Lebensfünklein arm bewahrt,
wird neu entfacht zu Zorn und Haß entbrennen.
Naemi
Oh, lieber Vater, glaube meiner Treue.
Wie lange sah ich nicht dein liebes Haus,
in dem ich Kind war. — Vater, ach erneue
noch einmal, eh der Tod dein Sein beschließt,
die alte Liebe, die ich flehend suche.
Bernd Oerlsund
Bist du ein Engel, daß ich selig werde?
Ach, wie von Herzen hab ich dich geliebt.
Du bist es wahrhaft? Ach, den Traum zerstört
die dunkle Welt, der noch mein Leib gehört.
So kommst du heute, um mir abzubitten,
was ich durch deinen leichten Sinn erlitten.
Ach, du kommst spät, und doch, hätt’st du gesäumt!
Ich hätte lieber so von dir geträumt,
wie du als Kind warst, eh man dich genommen.
Hinweg! Du bist mir herzlich unwillkommen.
Arne
zu Oerlsund
die Euch behüten, löschen manche Lichter
der irdischen Erkenntnis ängstlich hin.
Bedenkt, verändert schaun die Angesichter
der schwachen Menschen, wie von Anbeginn,
und ohne Schein der armen Tagesplage.
Wie leicht und mühlos löst sich manche Frage,
kein Vorteil winkt, kein Nachteil droht.
Was Pflicht und Klugheit einst gebot,
sinkt klein dahin im Schatten dieser Flügel.
Zürnt nicht Naemi, daß sie zu mir kam,
und zürnt nicht meiner Liebe, die sie nahm.
Bernd Oerlsund
mir meine letzte Stunde zu vergällen?!
Schweig still, Verführer! Hohle Narrenschellen
sind deine falschen Worte meinen Ohren.
Der Küster
Naemi
Jörgen
Der Küster
dem Lager, denn er bannt des Bösen Macht.
Jörgen
Ich bleibe bei Euch. Ich verlass’ Euch nicht.
Ich war Euch alles, Diener, Bruder, Freund,
laßt mich nicht leiden, daß Ihr ernstlich meint,
was Euch der Satan in die Sinne täuschte.
Bernd Oerlsund
Sind diese Beiden an mein Bett getreten,
um sich bei frechen, sündigen Gebeten
der Schwäche ihres Gegners zu erfreun?!
Zu Arne
Arne
zu denen Ihr Euch lebenslang bekannt.
Was immer Euch von Gottes Liebe trennte,
sein Blut verwand es. Gebt mir Eure Hand.
Es hat noch keines Dieners Schuld entweiht
die Hoheit dessen, welcher ihn gesandt.
Des Knechtes Schwäche ist sein eigen Leid,
doch Euer Leid liegt in des Vaters Hand.
Oerlsund
den Knecht, des Herren Rechte zu vertreten.
Wer, sagt mir an, wer hat Euch hergebeten?
Gott ist in keines Menschen Tun verstrickt.
Arne
Was Ihr ein reiches Leben lang getan,
wird keiner Euch in Norby je vergessen.
Wie tröstet unser schwankendes Gemüt,
daß Liebe abschließt, was sie selbst begonnen.
Sie lenkt uns alle, heimlich und besonnen,
was uns geschieht, verleitet in ihr Wesen,
ist schon für ihr Erlösungswerk erlesen.
Drum richtet nicht, bevor Ihr recht erkannt.
Es fällt kein Blättlein ohne Gottes Hand.
Bernd Oerlsund
Was habt Ihr je für Gott und Welt getan?
Was wißt denn Ihr von unsern Lebenslasten?
Ihr könnt nur das Bestehende betasten.
Sagt nicht die Schrift, mit der Ihr Euch gebrüstet:
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen?
Wenns Euch zum Abschied noch danach gelüstet,
will ich Euch Eure faulen Früchte nennen.
Wollt’ mir die Kraft nur noch ein Stündlein reichen,
ich würde mit den Fäusten unterstreichen.
Jörgen
Für Schuld ist oft die kleinste Zeit noch lang,
wer will die Zeit für ihre Sühne messen?
Mir ist um Eure letzte Ruhe bang.
Naemi
in hartem Irrtum ihre Rechte wahrt,
kein starkes Herz ward je vor ihr bewahrt,
die Not des Zweifels wird zu neuer Schuld.
Hör, Vater, hör, bevor dein Sinn vergeht,
du tust dem liebsten Freund, den ich gefunden,
ein bitterliches Unrecht an.
Bernd Oerlsund
die du mir schlugst, sind mir Gewähr, mein Kind,
von welchem Wesen deine Freunde sind.
Der Ort in Aufruhr, jedes Herz verwirrt,
Hochmut bei Jungen, Zorn und Schmerz bei Alten.
Wers Tugend nennt, wenn er mit Freuden irrt,
soll unsres Gottes Ämter nicht verwalten.
Jörgen
nehmt keinen Zorn im Scheiden mit ...
Arne
für sich
Bernd Oerlsund
die Andacht und die Ehrfurcht hingekommen?
Bald jeder Bube hat sich vorgenommen,
er änderte und ordnete die Zeit.
Zu Naemi
den Trug erkennen, den sie gerne hört?
Was wollt ihr?! Laßt mich alten Mann
glauben und sterben so gut ich kann.
Holger Oerlsund tritt auf. Licht und Sturm.
Holger
Nun füge Gott, daß sie Errettung bringt.
Er erblickt Arne
Jörgen
Holger
Pause.
Naemi
richtet sich am Bett Bernd Oerlsunds auf.
Sie tritt auf ihn zu.
Holger
Ich trug mit Würde, was das Schicksal sandte.
Warum bedankst du meinen Schmerz mit Haß?
Dies Haus bleibt rein von eurer Schande!
Hinaus!
Jörgen
Holger
Arne
zu Holger
bedenkt nicht, was dem Kranken Frieden schafft.
Hier, wo der Tod vollenden soll,
ist nicht der Ort für deinen Groll.
Ich denke mir mein Recht nicht zu erbitten!
Verlaß das Haus. Du siehst den Tod zu klein.
Komm wieder, wenn der Vater ausgelitten,
kannst du nicht Zeuge meiner Pflichten sein.
Holger
in eines Buben ungeweihten Händen!
Jörgen
zu Holger
Bernd Oerlsund
nicht ruhig in Christo sterben kann.
Zu Naemi
Naemi, Kind, sprich.
Das Meer hatte dein Schiff zerschlagen,
ich hab’ dich über den Strand getragen.
Warum verließt du mich?
In meine Hände, die du preßt,
hat Holger um dich geweint.
Eh mein Geist die Erde verläßt,
will ich euch wieder vereint.
Arne
dies Kind dem Meer zu neuem Sein entrißt,
so sollte Gottes Einsicht sich erfüllen,
als sie in meine Arme kommen ist.
Hab nicht die Hand um sie gerührt,
mein Blick, mein Mund war stumm.
Gott hat sie zu mir geführt.
Er weiß warum.
Bernd Oerlsund
als Gottes Wille, was ihm gefällt.
Holger, du kennst die rostigen Waffen,
Degen der Oerlsunds, Jahrhunderte alt,
reiß sie herunter! Laß dich vom Pfaffen
nicht tückisch berauben. Brauch Gewalt!
Mit versinkenden Sinnen
wer die Oerlsunds auf Norby sind?
Deine Ahnen waren ein Seeräubergeschlecht,
was ihnen gefiel, war auch ihr Recht.
Das Meer war unsicher weit und breit,
das war ihre Schuld, ihre Herrlichkeit ...
Mit letzter Kraft
Ich hab das Meer wieder sicher gemacht.
Im Todeskampf
Laß mich in deinen Frieden gehn.
Er stirbt.
Jörgen
Naemi
Nur einmal noch sei deinem Kinde gut.
Du starbst im Zorn! Wie weh das tut.
Oh, ungeschickter Tag, betrübte Stunde!
Daß nun des Todes Willkür deinen Fluch
zur dunklen Wahrheit meinen Schmerzen macht.
Daß kein Vertrauen dir die arge Kunde
erleichtert hat, kein freundlicher Versuch.
Zieh meine Kindheit nicht in deine Nacht!
Arne
die ihn zu seinem Tun und Lassen trieben,
es konnte keiner noch die Menschen lieben,
der nicht sich selbst mit Schmerzen treu geblieben.
Gib du uns, Vater, daß es jeder sei.
Oh, gib uns Armen, die du selig preist,
ein mutig Herz bis in die letzten Stunden,
der du allein den Weg der Seele weißt,
gib ihrer Heimkehr Licht aus deinem Geist
und Trost aus deinen bittern Todeswunden.
Oh selig, wer, wie der entschlafne Mann,
der seines Werkes Frucht und Segen schaute,
im reinen Sinn des Wirkens schlummern kann,
dem er, als Kind, bis in den Tod vertraute.
Holger