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Percy Wynn

Chapter 13: 2. Fischen und Klettern.
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About This Book

A shy new pupil arrives at a boys' boarding school and slowly becomes part of daily life through friendship, tests of character, and steady moral development. He faces mischief, rivalries, pranks, games and sporting contests, as well as more serious incidents that lead to rescues, illness, and recovery. Episodic chapters mix adventure, quiet reflection, and communal celebrations to show how play, discipline, and peer relationships shape courage, loyalty, and conscience. Recurring companions both challenge and support him, and the school environment provides the framework for the youths' ethical formation and growing social bonds.

8. Kapitel.
Ein freier Tag.

2. Fischen und Klettern.

Nach einem weitern Marsche von fünfundzwanzig Minuten waren sie am Gestade eines Sees angelangt und wählten eine liebliche Uferstrecke, wo der Schatten ästiger Bäume weit ins Wasser fiel, zum Fangplatze aus.

Tom reichte Percy sogleich eine Angel und einen Wurm als Köder.

Percy faßte behutsam den Wurm, aber als er sah, wie sich derselbe hin- und herwand, ließ er ihn mit einem Schrei zu Boden fallen.

„O! was soll ich jetzt machen?“

„Heb’ ihn auf! Er beißt Dich nicht!“

Nach manchen erfolglosen Versuchen gelang das schließlich. Percy unterdrückte mutig eine Anwandlung des Schauderns und wollte den Wurm an den Angelhaken bringen. Allein wie er es auch anstellen mochte, stets entschlüpfte er ihm.

„Ruhig liegen, unartiges Ding!“ rief er, fast aufgeregt.

Da kam ihm Tom zu Hilfe.

„Das Zappeln kannst Du ihm leicht abgewöhnen,“ sprach er, nahm den ‚unartigen‘ Wurm in die eine Hand und gab ihm mit der andern einen kräftigen Schlag. Der Wurm zappelte nicht mehr, und Percy brachte ihn mit seinen geschickten Fingern leicht an den Angelhaken.

„Es giebt zwei Arten von Fischen,“ erklärte jetzt Tom, „kleine, zum Beispiel Barsche und Sonnfische, die ganz nahe an der Oberfläche schwimmen, und große, die gewöhnlich unten auf dem Grunde bleiben. Die großen sind sehr schwer zu fangen. Sie haben Mäuler wie Scheunenthore, und einen Angelhaken, wie den Deinen da, verschlucken sie mit dem größten Vergnügen und ohne alle Beschwerde; das ist nur eine kräftige Speise für sie.“

„Gewiß!“ ergänzte Quip. „Und sie thun sehr beleidigt, wenn man den Haken wieder herausziehen will.“

„Sie sind imstande,“ fuhr Whyte fort, „plötzlich heraufzukommen und Dich mit einer Schwanzspitze aufzuspießen.“

„Danach spüre ich nun wenig Verlangen.“

„Deshalb ist es am besten für Dich,“ nahm Tom wieder das Wort, „wenn Du sie ganz in Ruhe läßt. — Ich rate Dir überhaupt, mit den kleinen zu beginnen, die man am Ufer ganz leicht fangen kann. Wirf nur dort hinten, wo der dicke Holzklotz aus dem Wasser ragt, gleich einmal aus!“

Percy folgte der Anweisung. Ein paar Minuten lag der Kork seiner Angelschnur unbeweglich auf der glatten Wasserfläche. Aber auf einmal fing er an, hin und her gezerrt zu werden.

„Tom, sieh doch nur! Was ist mit meinem Korke los?“

Tom war ganz in Anspruch genommen, seine eigene Angel für die ‚Tiefsee-Fischerei‘ instand zu setzen.

„Ist er am Ertrinken?“ fragte er, ohne seine Augen abzuwenden.

„Nein. Aber bitte, Tom, schau’ doch!“

„Vielleicht hat ein Fisch Streit mit Deinem Wurm.“ Und Tom schlenderte seine Angel weit ins Wasser hinaus.

„Ich meine, Tom —“

„Was meinst Du?“

„Mein Kork ist fort. Ich sehe nichts mehr davon.“

„So zieh’ doch! es hängt ein Fisch daran.“

War es nun bloße Aufregung, oder glaubte Percy, es hänge ein Walfisch oder sonst ein Wasserungetüm an seiner Schnur: kurz, er schwang die Angelrute mit aller nur möglichen Anstrengung aufwärts, und ein winziges Fischlein flog in die Zweige eines Baumes empor; dort verwickelte sich die Schnur, und das Fischlein zappelte hilflos in der Luft.

Ratlos stand Percy da. Man wußte nicht, wer mehr verdutzt war, der Fisch oder er.

„Was soll ich jetzt machen?“ fragte er.

„Leg’ ihm etwas Salz auf den Schwanz!“ riet Harry.

„Ist Dir das bedacht, Harry?“

„Der Quip schwätzt nur Unsinn,“ versicherte Donnel, und strengte alle Muskeln des Gesichtes an, um ernst zu bleiben. „Aber ich will Dir einen besseren Rat geben. Geh’ zur nächsten Farm und leih’ Dir eine Axt. Dann haust Du den Baum um und bekommst den Fisch ohne Mühe.“

„O Johann! Eine Axt habe ich mein Lebtag noch nicht in der Hand gehabt!“

„Baumfällen solltest Du nun doch lernen,“ sprach jetzt Keenan. „Du weißt ja, daß der große Gladstone keine bessere Erholung kennt.“

„Aber ich kann es noch nicht. — Vielleicht kommt der Fisch von selbst hinunter, meinst Du nicht, Johann?“

„Er wollte es ja gern, wenn er nur wüßte, wie. — Aber Du kannst gewiß verwirrtes Garn in Ordnung bringen, Percy.“

„Ja, ich habe es oft gethan, wenn ich meinen Schwestern beim Garnwickeln half.“

„Gut, dann paß auf!“ Der starke Donnel ergriff Percy bei den Knöcheln und hob ihn vom Boden auf, so daß er die Zweige, in denen die Schnur verwickelt war, fassen konnte.

Etliche Wochen vorher wäre Percy bei einem solchen Vorgange vor Angst in Ohnmacht gefallen. Jetzt aber blieb er ganz ohne Furcht, entwirrte geschickt die Schnur und ließ den Fisch herab.

„O Donnel!“ sagte er, als er wieder auf dem Boden stand, „Du bist ja ein wahrer Herkules! — Aber wie kann ich jetzt den Fisch vom Haken bekommen?“

„Sehr einfach! Faß ihn fest am Kopfe, dann gleitet er Dir nicht aus der Hand; wenn Du nun den Haken vorsichtig zurückdrückst, — so —“ hier zeigte ihm Donnel den einfachen Kunstgriff — „so bringst Du ihn heraus, ohne den Fisch weiter zu verletzen.“

„S—s—st!“ flüsterte jetzt Tom. „Seht doch, was meinem Kork einfällt! Ich glaube, ich mache einen herrlichen Fang.“

Toms Kork bewegte sich in der That sonderbar. Anstatt, wie es sonst zu geschehen pflegt, unregelmäßig auf und ab, nach rechts und nach links, hierhin und dorthin gezerrt zu werden, schwamm er in stets gleicher Geschwindigkeit, oder besser gesagt Langsamkeit, der Mitte des Sees zu. Nur dann und wann tauchte er für einen Augenblick unter, um sogleich die frühere Bewegung wieder fortzusetzen.

„Festgebissen hat der Fisch noch nicht,“ sprach Keenan. „Aber er scheint es zu wollen, sonst würde er die Angel nicht mitziehen.“

Toms Angelschnur war mit dem einen Ende auf ein Rädchen gewunden, mittels dessen sie bequem verlängert oder verkürzt werden konnte. Tom rollte sie um eine gute Strecke ab, und der Kork schwamm noch weiter in den See.

Alle hatten bereits ihre Angeln aus dem Wasser gezogen und sich erwartungsvoll um Tom versammelt.

„Was ist zu thun?“ fragte dieser nach einer Weile, indem er wieder Schnur abrollte. „Das ist der verrückteste Fisch, der es je auf eine Angel abgesehen hat. Er sollte doch festbeißen oder davonschwimmen.“

„Schau’! jetzt bewegt er sich im Kreise!“ flüsterte Hodder.

„Der Fisch ist mondsüchtig,“ meinte Quip.

„Vielleicht ist es gar kein Fisch,“ versetzte Whyte.

„Zum Beispiel eine Wasserschlange!“ fuhr Percy fort, und sah aus, als wolle er im nächsten Augenblicke davonlaufen.

„Jetzt ist meine Geduld zu Ende!“ sprach Tom. „Wenn der Fisch nicht beißen will wie alle ehrlichen Fische auf dem weiten Erdenrund, so kann ich meine kostbare Zeit nicht länger mit ihm vertrödeln.“

Er gab der Angel einen starken Ruck nach oben, aber weder Angel noch Fisch wurden sichtbar. Die Rute bog sich, als wollte sie brechen.

„Jetzt weiß ich’s!“ rief er. „Ich habe ein tüchtiges Stück Holz gefangen.“

„Nein! Sieh nur! Sieh nur!“ sprach Keenan.

Der Kork bewegte sich wieder der Mitte des Sees zu, aber viel schneller als vorher.

„Der Kork ist verrückt, nicht der Fisch!“ sagte Whyte.

„Verhext ist er!“ meinte Hodder.

Percy war schon voller Aufregung.

„Leg’ ihm doch Salz auf den Schwanz, Tom!“ riet er.

Man lachte, aber nicht viel; denn die erfahrenen Fischer waren zu gespannt, um den Scherz recht würdigen zu können.

Der Kork schwamm indes der Tiefe zu und verschwand plötzlich, um nicht wieder aufzutauchen. Da fing Tom an zu ziehen. Aber das rätselhafte Wesen am andern Ende der Leine zog auch. Zuerst waren die Kräfte einander gleich. Plötzlich schrie alles vor Freude laut auf: das gefangene Wassertier fing an nachzugeben.

„Es ist mindestens ein Haifisch,“ sprach Tom, während er langsam die Leine weiter anzog.

„Vielleicht,“ sprach gravitätisch der Dichter Donnel, „ist es der Schatten eines abgeschiedenen Pani-Häuptlings, der über den Styx zurückgeschwommen ist und jetzt aus des Hades Finsternissen emportaucht, um zu atmen im rosigen Licht!“

„Und den es gelüstet,“ fuhr Keenan fort, „noch einmal den Kriegspfad gegen den weißen Mann zu beschreiten, mit dem seine Nachkommen bereits die Friedenspfeife rauchen.“

„Eher ist es ein alter Holzschuh!“ beschloß Tom nüchtern die poetischen Ergüsse.

Der Angelhaken kam indessen mit dem, was daran hing, immer näher. Ein Fisch konnte es unmöglich sein; denn ein solcher würde ruckweise gezerrt und gerissen haben, auch wahrscheinlich das eine oder andere Mal aus dem Wasser gesprungen, oder für Augenblicke nahe an die Oberfläche gekommen sein. Statt dessen merkte Tom nur ein anhaltendes starkes Ziehen.

„Meiner Ansicht nach ist es ein Esel,“ sprach Quip ernsthaft.

„Nein,“ sprach Whyte, „dafür ist es zu dumm. Ich glaube, ein Kürbis ist noch gescheiter, als dieses Ding.“

„Ich sehe es!“ rief Hodder. „Es ist jetzt in seichterem Wasser.“

„Nicht wahr, es hat lange Ohren?“ fragte Quip.

„Ich sehe es auch!“ rief Whyte. „Es ist rund, wie ein Schild.“

„Der Geist eines Indianerschildes!“ bemerkte Donnel.

„Nein, eine Schildkröte! Eine Schildkröte!“ riefen sie alle. „Eine Schnappschildkröte!“

Die runde Rückenschale war sehr deutlich sichtbar, immer mehr kroch das Tier auf dem Boden des Sees dem Ufer zu und endlich trat es in seiner ganzen Häßlichkeit aus dem Wasser. Es klappte sein abscheuliches, breites Maul mit wütendem Kreischen auf und zu, vermochte aber das Drahtende der Angelschnur nicht abzubeißen und wollte sich deshalb mit seinen ungeschlachten Vorderfüßen von derselben befreien.

„Nimm Dich in acht!“ sprach Keenan, als Tom dem seltsamen Fang etwas nahe kam. „Ehe Du Dich versiehst, hast Du einen Biß! Wir wollen sie lieber erst töten.“

„Aber wie?“

Keenan hatte bereits Toms kleines Jagdgewehr geholt und gab dem Tiere eine Ladung, die allem weiteren Sträuben ein Ende machte.

„Herrlich!“ rief Quip. „Eine solche Fischerei hab’ ich nie erlebt.“

„Ich habe wohl schon Schildkröten gefangen,“ sagte Donnel; „aber nicht mit der Angel und nie eine so große. Ich glaube, diese wiegt wohl fünfzig Pfund. Es ist schade, daß man Schnappschildkröten nicht essen kann.“

Plötzlich schaute Tom bestürzt auf.

„Wo ist Percy?“ rief er.

Percy war verschwunden.

„Percy! Percy!“ klang es in den Wald hinein.

„Hier bin ich ja!“ kam eine zitternde Stimme von oben.

Sie erhoben ihre Augen, und wer beschreibt ihre Verwunderung, als sie Percy zehn Fuß über dem Boden rittlings auf einem dicken Baumaste sitzen sahen!

„Aber, Percy,“ riefen sie überrascht und erfreut, „wie bist Du da hinaufgekommen?“

„Das weiß ich selber nicht. Ich meinte immer, ich könnte gar nicht klettern. Als aber die Schildkröte aus dem Wasser kam und so wütend pfauchte und schnappte, war es mir, als könnte ich alles.“

„Ihr habt gut lachen,“ fuhr er fort, als er bemerkte, wie heiter man seine Worte auffaßte. „Aber meine Lage ist keineswegs lächerlich. O, wenn mich meine Mutter hier sähe, sie würde in Ohnmacht fallen. Und wie soll ich wieder hinunter kommen?“

„Eine Art wäre, wieder herabzuklettern,“ sprach Tom, ohne sein Gesicht zu verziehen.

Harry Quip bot sich an, eine Axt herbeizuholen. „Dann haue ich den Baum um, und Du kommst ganz von selber aus den Boden.“

Percys Beklommenheit mehrte sich.

„Sollte es nicht in der Nähe eine Leiter geben?“ fragte er zaghaft.

Neues, herzliches Lachen begrüßte diese Bitte.

„O, was soll ich machen, was soll ich machen?“ jammerte Percy. „Noch nie war ich in einer so schrecklichen Lage.“ Seine Lippen zitterten, und die Augen wurden feucht.

Aber niemand hatte beabsichtigt, Percy weh zu thun.

„Es geht sehr einfach!“ sprach Donnel, der am allerwenigsten ein Mitgeschöpf betrübt sehen konnte. „Thu’ nur genau, was ich Dir sage. — Bring’ Deine beiden Füße nebeneinander auf den Ast, auf dem Dein linker Fuß steht! — Prächtig, Percy! — So, jetzt kniest Du auf diesen Ast und hältst Dich an dem obern Aste fest, auf dem Du gesessen hast. — Gut! — Jetzt fasse den untern Ast neben Deinen Knieen mit den Händen, und laß Dich getrost hinab!“

Percy, der auf seine Freunde großes Vertrauen setzte, wagte alles ohne Bedenken. So konnte ihn Donnel an den Füßen ergreifen und dann auf den Boden stellen.

Erfreut und beschämt zugleich blickte er um sich.

„Ich bin noch lange kein rechter Junge,“ sprach er. „Aber wenn mich je wieder eine Schildkröte bedroht, so werde ich es ganz anders machen — ich werde zeitig weglaufen.“