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Peterchens Mondfahrt: Ein Märchenspiel cover

Peterchens Mondfahrt: Ein Märchenspiel

Chapter 6: 4. Bild.
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About This Book

Two children help a May beetle recover a missing leg and embark on a magical nocturnal voyage to the Moon, encountering personified celestial and weather beings along the way. Presented as a fairy play in episodic scenes, the action shifts between homely bedtime moments and theatrical meetings with figures such as the Sandman, the Moon Man, winds, storms, and stars. The narrative blends adventure and whimsy with songs, dances, and moral touches that emphasize courage, friendship, compassion, and the wonder of the night sky.

Uax – uax – noaaaa – das tut mir leid!

Milchstraßenmann

Frau Holle hat ein Stück Straße verweht,
Der Eismax hat der Jungfrau den Kopf verdreht.

Eismax

Kann nischt dafür, daß alberne Ziegen
Mir immer jleich zu Füßen liegen;
Bin innerlich überhaupt sehr kühl,
Weiß jarnich, was das Mächen will?

Milchstraßenmann

Er muß sich eben bescheidener führen
Und nicht so mit den Sporen klirren!

Eismax

Stramme Haltung, mein Element,
Weiß jeder, der den Eismax kennt!

Milchstraßenmann

Das ist mir gleich, ihr seid alle schlecht,
Und ich bitte die Nachtfee um mein Recht!

Nachtfee

Liebe Gäste, der Milchmann hat sich beschwert,
Und Sie haben seine Klagen gehört;
Sie dürfen den Braven mir nicht verletzen
Und müssen ihm den Schaden ersetzen.

Alle

Natürlich, natürlich, es tut uns leid;
Wir sind dazu sehr gern bereit.

Nachtfee

Lieber Milchmann, nun habe die Freundlichkeit
Und sieh’ doch, wo das Sandmännchen bleibt.
Ich hatte es auch für heute geladen,
Es ißt so gerne die Mondscheinfladen.
Hoffentlich hat es das nicht vergessen!

(Der Milchstraßenmann geht hinaus.)

Für meine anderen Gäste indessen
Soll jetzt die Musik und der Tanz beginnen.

(Sie hebt winkend die Hand, eine Schar weißgekleideter Knaben kommt herein, die silberne Kannen und Platten mit Kuchen tragen. Sie schenken den Gästen ein, während leise Musik ertönt. Eine Schar lieblicher Sternenmädchen tanzt Reigen im Vordergrunde. Plötzlich kommt der Milchstraßenmann wieder herein. Er lacht und kann sich vor Vergnügen kaum halten.)

Milchstraßenmann

Ho ho, ha ha – na sowas, ha ha!
Sowas war überhaupt noch nicht da!
Hi – hi – ha – ha –

Nachtfee

Aber Milchstraßenmann,
Was fehlt Ihm denn? Was fängt Er an?
Das ist ja ein ganz tolles Betragen!

Milchstraßenmann

Nu – nu – hi – hi – das muß ich sagen!
Entschuldigen die Herrschaften, aber ha – ha –
Na, sowas war überhaupt noch nicht da!

Nachtfee

Nun also, wir sind sehr gespannt, lieber Mann.

Milchstraßenmann

Jawohl – sie kommen schon selber an!
Das Sandmännchen, hi hi, es ist verrückt;
Ich glaube, es hat den Mondstich gekriegt!
Es hat auf seinem Wagen, ha ha –
Nu sehen Sie doch, – da sind sie ja!

(Das Sandmännchen kommt gravitätisch herein, an der rechten und linken Hand die beiden Kinder, hinter ihm der Maikäfer. Bei ihrem Hereinkommen erhebt sich am Tisch zur Linken der Fee ein gewaltiges Freudengetöse; der Donnermann donnert, die Blitzhexe blitzt, der Hagelhans trommelt, der Wassermann kriecht halb aus der Badewanne und patschelt sich den Bauch vor Vergnügen. Der Eismax klemmt das Monokel ein und stößt ein schnarrendes Gelächter aus. Die Nachtfee erhebt sich und streckt die Hand aus. Es wird still.)

Nachtfee

Sandmännchen, du bist spät gekommen,
Und ich sehe, du hast da mitgenommen
Zwei Menschlein und ein Käfertier.
Warum tatest du das, und was sollen sie hier?

Sandmännchen

(mit Verneigung)

Hochwerte Nachtfee, ich muß dir sagen,
Seltsames hat sich zugetragen;
Etwas ganz Neues auf dem Mond,
Seit ihn das Sternenvolk bewohnt.
Ich hatte grad’ meine Arbeit verrichtet,
Die Sterne noch etwas ausgerichtet,
Da sah ich urplötzlich am heiteren Himmel,
Nicht weit von meiner Sternenbimmel,
Wie ganz vergnüglich diese Drei
Kamen durch die Luft herbei.
Ich fiel vor Erstaunen fast auf die Nase,
Lief schnell nach dem großen Guckeglase,
Da waren sie aber schon angekommen
Und hatten mich aufs Korn genommen.
Erst hab’ ich sie furchtbar angekracht,
Das hat aber gar keinen Eindruck gemacht;
Dann hab’ ich sie mal ausgefragt,
Und da hat mir das Peterchen gesagt ...

(Es schiebt das Peterchen vor.)

Ich glaube, er wird es dir selber sagen;
Man braucht ihn garnicht lange zu fragen.
Hör’, Peterchen, gib der Nachtfee Bescheid,
Warum ihr zum Monde geflogen seid!

Peterchen

(mutig)

Du mußt nicht böse sein, liebe Fee der Nacht,
Anneliese und ich haben die Reise gemacht,
Weil wir dem Maikäfer sein Beinchen wollen;
Das muß man vom Mond herunterholen.
Und der Mondmann hat es ihm abgehackt,
Und es ist auf dem Mondberg eingepackt.
Und die Sumsemanns haben nur fünf Beine,
Und das ist schrecklich, und ich meine,
Der Mondmann hat das Beinchen gestohlen,
Und darum muß man es wiederholen.

Nachtfee

Vor viel’ hundert Jahren ist das gescheh’n,
Es ist richtig, und ich muß gesteh’n,
Daß ich sehr erfreut und verwundert bin,
Daß nun doch zwei Kinder es wagen wollen,
Das Beinchen vom Mondberg herunterzuholen.

Peterchen

Liebe Nachtfee, wir fürchten uns nicht eine Spur!

Nachtfee

Ich glaube dir schon, liebes Peterchen, nur
Liegt der Mondberg sehr, sehr weit von hier,
Im äußersten, dunkelsten Nachtrevier.
Dorthin ist äußerst gefährliche Fahrt;
Doch, wenn ihr immer artig wart ...

Sandmännchen

(fällt ein)

Sie waren’s, ich hab’ ihre Sternchen gefragt,
Die haben sehr günstig ausgesagt.

Nachtfee

Nun, dann ist es gut und kann euch gelingen,
Den bösen Mondmann zu bezwingen;
Doch müssen wir erst die Elemente befragen
Was sie zu eurer Reise sagen. (Sie wendet sich an den Donnermann.)
Wie denkt darüber der Donnermann?

Donnermann

(steht auf und kommt näher, stellt sich breitbeinig vor die Kinder, rollt fürchterlich mit den Augen. Anneliese faßt Peterchen etwas ängstlich am Zipfel des Hemdchens. Peterchen legt den Arm um sie und sieht den Donnermann furchtlos an.)

Donnermann

Potz Knatter – Knäblein, er will was wagen?
Kann er denn einen kräftigen Donner vertragen?

Peterchen

Herr Donnermann, ich hab’ gar keine Angst!

Donnermann

So? Wollen mal sehen, ob du dich bangst! –
Blitzweib, komm’ her ...

Blitzhexe

(springt neben ihn)

Sirrrrr – –

Donnermann

Schlag mal ein!
Achtung, geladen!...

(Es wird plötzlich pechfinster.)

Feuer hinein!...

(Ein greller Blitz zuckt, dem ein schmetternder Schlag folgt, der langhin nachrollt. Es wird ganz allmählich wieder heller. Man sieht Peterchen und Anneliese eng umschlungen, aber tapfer aufrecht; neben ihnen liegt der Maikäfer auf dem Rücken.)

Peterchen

(laut)

Das war noch gar nichts, mach’s ruhig nochmal!

Donnermann

(lacht laut)

Potz Knatter, das ist ja ein prächtiger Junge,
Der wird mal Artilleriegeneral! –
Aber höre doch, was ist denn bloß
Mit deinem fünfbeinigen Maikäfer los?

(Er lacht unbändig, die anderen stimmen ein.)

Peterchen

(hilft dem Maikäfer auf die Beine)

Ach, Herr Donnermann, das ist nicht schlimm,
Er wohnt auf dem Baum, und da ist es ihm
Nicht angenehm, wenn es donnert und blitzt,
Weil er doch immer draußen sitzt;
Und wenn es einschlägt, fürchtet er sich.

Maikäfer

(zu Peterchen)

Ich danke, ja, das war fürchterlich!

Donnermann

So so! – Aber du? Nu guck mal an;
Du gefällst mir, du tapferer, kleiner Mann! –
Also, wie es auch immer sei,
Wir stehen dir auf deiner Reise bei,
Mein Blitzweib und ich, das nimm nur an!

Anneliese

(gibt ihm einen Apfel)

Wir danken dir schön, lieber Donnermann.

Donnermann

(nimmt den Apfel)

Potz Krach, ein Apfel? Nett von der Kleinen;
Da gib meinem Blitzweib auch gleich einen!

Peterchen

(gibt der Blitzhexe einen Apfel)

Hier hast du ihn!

Blitzhexe

Sirrrr, ich danke sehr!
Komm, Donnermann, setz’ dich wieder her!

(Sie zieht den Donnermann zu seinem Platze.)

Donnermann

Potztausend Granaten, der Junge ist prächtig!

(Zum Publikum.)

Daß alle Jungen so wären, das möcht’ ich!

Nachtfee

So, Peterchen, das war sehr schön.
Nun aber müssen wir weiter sehen
Und wollen den Wassermann befragen;
Vielleicht hat er noch etwas zu sagen.

Peterchen

Erlaubst du es, lieber Wassermann,
Daß ich das Beinchen holen kann?

Wassermann

Uax – ich finde nichts dabei,
Weiß ja, er ist nicht wasserscheu;
Hat seinen Schwamm und seine Wanne
Und seine uax – uax – Wasserkanne;
Putzt sich die Zähne, hat Seife und Schrubber
Und plantscht gern Wasser, blubber, blubber.
Er hat auch beim Baden nie gefehlt,
Das haben die Wassernixen erzählt.
Noaaaa – wie ist es, kann er schwimmen?

Peterchen

Wie’n Frosch!

Wassermann

Uax, so will ich bestimmen,
Daß von den Meergeistern ihn keiner stört,
Wenn er uax – uax – zu dem Mondberg fährt.

Anneliese

(gibt ihm einen Apfel)

Danke schön, lieber dicker Wassermann!

Wassermann

(nimmt den Apfel)

Uax, einen Apfel, das nehm’ ich an.

(zu dem Sternenmädchen.)

Du, Mädchen, begieß’ mich noch einmal,
Die Luft ist sehr trocken in dem Lokal.

(Das Mädchen begießt ihn, und er rutscht in seine Wanne zurück.)

Nachtfee

Haben Wasser und Feuer nichts zu klagen,
So müssen wir jetzt die Luft befragen;
Hat der Sturmriese uns noch etwas zu sagen?

(Der Sturmriese springt auf, hebt die Keule, es wird abermals finster, und ein heulender Sturm fegt daher. Man hört das Krachen und Splittern niederbrechender Bäume und das Rollen der Hageltrommel. Dann wird es still und allmählich wieder heller. Der Sturmriese steht vor den Kindern mit gesenkter Keule. Der Maikäfer liegt wieder auf dem Rücken.)

Sturmriese

Ho ho, sie stehen noch kerzengrade!
Ich hab’ sie nicht umgeblasen, schade;
Und bin doch gewaltig dahergefegt;
Bloß den Maikäfer habe ich umgelegt.

Peterchen

(hilft dem Maikäfer auf die Beine.)

Sturmriese

(lacht)

Kraft ist in dem Jungen, das ist wahr!
Wenn man stark ist, fürchtet man keine Gefahr!
Will ihm helfen auf seinem Reiseritte!

Peterchen

Dank’, lieber Windmann, ein Apfel? – bitte?

Sturmriese

(nimmt den Apfel)

Hab’ viel so Dinger von Bäumen gebrochen
Und nicht einmal daran gerochen;
Aber so, aus einer Kinderhand – –
Das nehm’ ich, das wäre ungalant.

(Er kehrt auf seinen Platz zurück.)

Nachtfee

Feuer, Wasser und Luft sind jetzt gefragt
Und haben euch Hilfe zugesagt;
Die Erde schläft unter dem Himmelsraum
In meiner Hut, und ihren Traum,
Der heilig ist, darf ich nicht stören;
Doch wenn ihr sie ruft, so wird sie euch hören. –
Und nun kommt her, ihr kleinen Wesen

(Sie breitet die Arme aus.)

Und laßt euch küssen ...

(Sie küßt beide Kinder, die zu ihr auf den Thron kommen.)

Vor allem Bösen
Will ich euch hüten, soweit ich vermag. –
Eure Fahrt muß schnell sein, denn, naht der Tag,
Und es trifft auf dem Mond euch sein erster Blick,
So findet ihr nie mehr zur Erde zurück. –
Ihr sollt auf dem großen Bären reiten,
Und das Sandmännchen soll euch begleiten.

Milchstraßenmann

Frau Nachtfee, der Bär hat heut’ grüne Augen,
Da wird er für den Ritt nicht taugen;
Er hat schrecklich an seiner Kette gerissen
Und mich beim Füttern beinahe gebissen.

Nachtfee

Er ist der Schnellste, hol’ ihn herein;
Man wird ihn zähmen, denn es muß sein.

(Der Milchstraßenmann geht kopfschüttelnd ab.)

Hör’, Sandmännchen, auf der Weihnachtswiese,
Da macht ihr halt, und Anneliese
Und Peterchen sehen sich das mal an
Und begrüßen den guten Weihnachtsmann.
Dann aber geht’s weiter in großer Schnelle,
Bis nah’ an den Mondberg, an jene Stelle,
Wo die silberne Riesenkanone steht.
Versuch’ es, Sandmännchen, und wenn es geht,
So lade sie in den Kanonenlauf
Und schieße sie auf den Mondberg hinauf.
Dort müssen sie dann selber sehen,
Wie sie ihr Abenteuer bestehen.

Sandmännchen

(Kratzfuß)

Ich werde sie führen, ganz genau
Nach deiner Weisung, edle Frau!

(Er wendet sich.)

Dort kommt auch schon der Milchstraßenmann
Und bringt uns den großen Bären an.

(Der Milchstraßenmann tritt in den linken Eingang, an einer Kette einen großen, weißen Bären, der nach Art der Kinder-Petzbären auf einem mit Rollen versehenen Brett läuft. Der Bär bleibt in der Tür stehen, klappt mit dem Rachen und starrt mit grün leuchtenden Augen in die Versammlung.)

Milchstraßenmann

Er ist furchtbar böse heute, der Bär!

Nachtfee

Den Kindern wird es gewiß nicht schwer,
Ihn zu besänftigen.

Sandmännchen

(zu den Kindern)

Hört mal her:
Wenn er böse ist, hat er grüne Augen,
Und wird er gut, so bekommt er rote;
Dann macht er Männchen und gibt die Pfote,
Man kann mit ihm Reiter und Pferdchen spielen
Und ihm ganz ruhig im Fellchen wühlen. –
Gebt ihm einen Apfel, wir wollen mal seh’n,
Ich glaube, dann wird die Geschichte geh’n.

(Peterchen und Anneliese gehen zu dem Bären. Der Bär starrt sie mit grünen Augen an, klappt mit dem Rachen und stößt ein fürchterliches Gebrüll aus. Peterchen nimmt einen Apfel, stellt sich auf die Zehen, zielt und wirft ihn in den offenen Rachen. Der Bär verschluckt den Apfel, bekommt für einen Augenblick rote Augen, dann aber wieder grüne, dann rote, dann grüne und so fort, während er abwechselnd brüllt und brummt.)

Sandmännchen

Seht ihr, was so ein Apfel tut!
Halb ist er schon gezähmt und gut.
Nun gebt ihm schnell noch einen zweiten,
Dann paßt mal auf, dann könnt ihr ihn reiten.

(Anneliese versucht, einen Apfel auf den Zehenspitzen hinaufzureichen; da sie aber zu klein ist, nimmt Peterchen ihr den Apfel ab und wirft ihn, wie vorher, dem Bären in den Schlund. Augenblicklich schließt der den Rachen, brummt gemütlich und hat dauernd rote Augen. Allgemeines Gelächter.)

Sandmännchen

Seht ihr, was hab’ ich euch gesagt?
Nur immer frisch drauf los gewagt!

Peterchen

(kühn zum Bären)

Petz, gib mal Pfötchen!

(Der Bär gibt ihm die ungefüge Pfote.)

Nun mach’ mal schön!

(Der Bär richtet sich steif auf den Hinterbeinen auf und klappt dann wieder zurück.)

Milchstraßenmann

(mit Kennermiene)

Ich glaube, Frau Nachtfee, jetzt wird es geh’n!

Nachtfee

Dann schnell, und keine Zeit verloren!

(Ein Sternenmädchen bringt eine kleine Leiter, und sie steigen auf.)

Sandmännchen lenkt ihn bei den Ohren,
Peterchen, Anneliese dann,
Und ganz zuletzt der Maikäfermann.

(Sie sitzen.)

Nachtfee

Sitzt ihr jetzt sicher?

Die Reiter

Wir sitzen gut!

Nachtfee

Dann reitet von dannen und seid in Hut!
Lebt wohl! Lebt wohl! – (Sie winkt.)

Sandmännchen

Hopp, Petz! – He – he! –

(Der Bär rollt mit seinen Reitern schnell hinaus.)

Alle

(winken)

Glück auf die Reise! – Ade – ade! –

Vorhang.

Ende des dritten Aufzuges.

4. Bild.

Die Weihnachtswiese.

(Im Hintergrunde eine dichte Hecke von kleinen Weihnachtsbäumchen, deren jedes ein Sternchen an der Spitze trägt. In der Mitte dieses kleinen Waldes steht eine winzige, goldene Wiege, in der ein Kindchen mit silbernem Krönchen schläft. Vorn rechts steht ein silberner Baum mit vergoldeten Äpfeln und Nüssen, links ein goldener Baum mit Pfefferkuchen und Brezeln. Der Mittelgrund ist in zwei Hälften geteilt. Auf der rechten Seite wachsen aus der Erde wie Spargel Soldaten, Pferdchen, Nußknacker, Hampelmänner, Petze usw.; auf der linken Seite Puppen in allen Größen und Formen. Teils gucken diese Spielsachen nur erst mit dem Kopfe aus der Erde hervor, teils sind sie halb, teils ganz herausgewachsen. Neben der Wiege im Hintergrunde sitzt der Weihnachtsmann in Pantoffeln, Pelzmütze und Pelzrock, die Pfeife im Munde und wiegt das Christkindchen. Im Vordergrunde springt das Pfefferkuchenmännchen mit grotesken Sprüngen herum und begießt die Puppen, Soldaten und Weihnachtsbäumchen. Es hat einen kaffeebraunen Anzug an mit großen, blauen Zuckerknöpfen und auf Bauch und Rücken je ein großes, goldenes Pflaster. Es herrscht eine goldmatte Dämmerung.)

Weihnachtsmann

(wiegt leise die Wiege und singt dazu:)

Stille Nacht – heilige Nacht – (den ersten Vers.)

(dann zum Pfefferkuchenmännchen.)

Nun, Printenmännchen, wächst alles fleißig?
Sind die Weihnachtsbäumchen schön im Reisig?
Und steht es gut mit der Spielzeugsaat?

Pfefferkuchenmännchen

Brillant in dem Jahre, es ist ein Staat!

Weihnachtsmann

Wird also ’ne gute Ernte werden?

Pfefferkuchenmännchen

Ein bissel noch fehlt’s bei den Hottepferden
Und bei den Hampelmännern, allein,
Die Soldaten, die werden extrafein;
Und nun im Puppengarten gar,
Da ist das Wachstum ganz wunderbar!

Weihnachtsmann

Müssen in dem Jahre auch reichlich haben;
Es gibt viel artige Mädchen und Knaben!

Pfefferkuchenmännchen

Allermeist genug für alle artigen Kinder;
Bonbons und Printen für die Leckermünder
Und was sonst Wünsche gemeldet werden,
Von Luftballons bis zu Schaukelpferden;
Soviel als sie immer haben wollen.

Weihnachtsmann

Man müßte sich bald mal die Liste holen
Vom Sandmännchen ... ach, da fällt mir ein,
Es muß doch jetzt die Stunde sein,
Daß Peterchen und Anneliese
Herkommen nach der Weihnachtswiese!
Sie reiten hier auf dem Bären vorüber,
Das Sandmännchen bringt sie zum Mondberg hinüber;
Die Nachtfee hat mir das sagen lassen. –
Also, wenn sie uns jetzt besuchen,
Pflück’ du ihnen Nüsse und Pfefferkuchen.
Sind artige Kinder, alle beide,
Machen ihrem Mütterchen Freude.

(Er wiegt weiter.)

Pfefferkuchenmännchen

Wird gemacht, wird gemacht, mit größtem Vergnügen! –
Jetzt müssen die Weihnachtsbäumchen was kriegen!

(Er begießt die Bäumchen und singt dazu, während der Weihnachtsmann wieder wiegt:)

O Tannebaum, o Tannebaum – (den ersten Vers.)

(Ein Sausen wird in der Luft hörbar.)

Weihnachtsmann

(steht auf)

Es summt und surrt, es brummt und braust,

(weist nach rechts in die Luft)

Ich glaube, dort kommen sie angesaust.
Sie reiten mit gewaltiger Schnelle!...

(Das Sausen reißt ab; von rechts rollt der Bär mit seinen Reitern heran.)

Sandmännchen

Hallo, hallo, wir sind zur Stelle!

Weihnachtsmann

Ei, ei, das ist mir eine Freude!
Guten Tag, ihr lieben Kinderchen beide,
Und Sandmännchen und Maikäfermann.
Kommt nur herunter und seht euch an,
Was alles wächst auf der Weihnachtswiese!

(Er stellt eine Leiter an, und sie klettern herunter.)

Guten Tag, Peterchen, (gibt Peterchen die Hand.)
guten Tag, Anneliese! (gibt Anneliese die Hand.)
Ja, ja, ich kenn’ euch, wißt ihr’s nicht mehr?
Ich kenne euch gut, noch von Weihnachten her!

Peterchen

Ach ja, ich weiß, es war furchtbar fein,
Du kamst ganz leis’ in die Stube hinein,
Ganz voll von Schnee waren deine Füße,
Und ein großer Sack voll Äpfel und Nüsse,
Der hing über deinen Rücken und Bauch,
Und Pelzhandschuhe, die hattest du auch,
Und einen großmächtigen, goldenen Stock,
Ja, und einen ganz grünen, dicken Rock.
Und Anneliese hat sich versteckt,
Und nachher hab’ ich sie so geneckt,
Weil du gar nicht böse gewesen bist
Und was erzählt hast vom heiligen Christ
Und unser Weihnachtsbäumchen gebracht hast
Und Nüsse und Äpfel und weil du gelacht hast
Und uns gelobt, weil wir ganz allein
Unsern Spruch gesagt haben, ja, das war fein!

Weihnachtsmann

Nun, siehst du, da sind wir ja beide gut Freund.

(zu Anneliese)

Und warum hat Anneliese geweint?

Anneliese

(zutraulich)

Ach, weißt du, damals war ich noch klein;
Jetzt fürcht’ ich mich gar nicht mehr, o nein,
Auch nicht ein bißchen, weil wir dich besuchen,
Und ... hier ist so vieler Pfefferkuchen!

Weihnachtsmann

(lacht)

Ja ja, hier ist es wunderschön! –
Und nun kommt, nun wollen wir alles besehen!

(Er nimmt die Kinder an der Hand und führt sie umher. Inzwischen pflückt das Pfefferkuchenmännchen zwei Pakete mit Pfefferkuchen vom Baum.)

Seht ihr, hier wachsen die Soldaten;
Wenn sie reif sind, nehme ich einen Spaten
Und grabe sie jeden aus seinem Beet
Mit einem Stück Rasen, daß er steht. –
Hier wachsen die Petze, die Pferde und Hasen;
Wenn sie größer sind, fangen sie an zu grasen
Und laufen immer lustig im Kreise
Und quietschen, jedes auf seine Weise.

Anneliese

Ach, das ist lustig!

Peterchen

Das ist mal schön!

Weihnachtsmann

Ja, es ist drollig anzusehn;
So ausgelassen sind die Rangen,
Und schließlich werden sie eingefangen. –
Und hier ist die Bilderbücherwiese,
Die wachsen da lustig wie Gemüse. –
Dies ist das Trompeten- und Trommelbeet,
Wenn sie reif sind, werden sie abgemäht. –
Dort an den Sträuchern wachsen Bonbons,
Die Schilfkeulen werden Zeppelin-Ballons. –
Und hier, seht – hier ist der Puppengarten.

Anneliese

(schlägt staunend in die Händchen)

Ach ja!! –

Weihnachtsmann

Die muß man pflegen und warten
Und sehr behutsam putzen und hüten.
Erst sehen sie aus wie ganz kleine Blüten,
Gelb und grün und rot und blau,
Und man weiß es noch nicht ganz genau,
Wie sie werden, man kann es noch nicht sehen;
Dann wachsen Gesichterchen ...

Anneliese

(klatscht in die Händchen)

Ach, ist das schön!

Weihnachtsmann

Ja, und schließlich, wenn sie reifen,
Wachsen die Haare, die Schühchen, die Schleifen.
Und ganz zuletzt, wenn alles geglückt,
Werden sie vorsichtig abgepflückt.

(Die Kinder stehen ganz versunken.)

Peterchen