WeRead Powered by ReaderPub
Plattdeutsche Briefe, Erzählungen und Gedichte / mit besonderer Rücksicht auf Sprichwörter und eigenthümliche Redensarten des Landvolks in Westphalen cover

Plattdeutsche Briefe, Erzählungen und Gedichte / mit besonderer Rücksicht auf Sprichwörter und eigenthümliche Redensarten des Landvolks in Westphalen

Chapter 26: De Vorgänger[A].
Open in WeRead

About This Book

A collection of letters, short narratives, and poems written in Westphalian Low German that preserves regional proverbs, idioms, and vernacular expressions. The pieces present humorous and plainspoken sketches of rural life and customs, deliberately avoiding modern linguistic borrowings to convey an authentic folk tone. Editorial notes and occasional explanations accompany the texts to aid comprehension, so the volume functions both as a resource for dialect and idiom study and as light, vernacular entertainment intended to keep traditional speech and sayings accessible to younger readers.

[1] dwaasige: einfältige, närrische.

[2] uptuagen: aufgezogen.

[3] allfaartan: ferner.

[4] mählick: allmählich.

[5] wanket: umhergehen, anzutreffen.

[6] diig're: gedeihliche, vernünftige.

[7] Geschichten: Handlungen, Ereignisse.

[8] raaket: gekommen, vorgeschritten.

[9] Daamelschnack: Narrenschnack, Träumerei.

[10] verweums: fürwahr.

[11] fetten: fett machen, mästen.

[12] in'n Tuage: im Zuge, auf dem Wege.

[13] alldach: dennoch.

[14] leige: schlecht.

[15] Uut'r ächtersten Balgen: aus der hintersten Kufe, Zuber.

[16] neffens: neben.

[17] Waskelsteen: Gossenstein.

[18] Kliggen: Kleie.

[19] Fierkensuuge: Mutterschwein.

[20] tosett't: eingemacht, zusammengemengt.

[21] achter: hinter.

[22] küüren: sprechen.

[23] en Präusken: ein Weilchen.

[24] Lüüt: Mädchen.

[25] nütte goot: sehr gut.

[26] tück'den: zuckten.

[27] wegg'den: bewegten.

[28] Driibeen: Spinnrad mit drei Beinen.

[29] Fissen: Fäden.

[30] lüünsk'de: launte, forschte, spähte.

[31] gissen: (to guess)[B] muthmaßen.

[32] Niggelaut: Neugier.

[33] manchs: oft, manchmal.

[34] afschliet'nen Holsk': abgeschlissenen Holzschuh.

[35] wier upklaunen: wieder aufklötzen.

[36] sau'n Käär'n van Sünt' Annen bito: so etwas Liebelei nebenher.

[37] Tüs: Halt, ey, ey!, p'st.

[38] de Diösken toreet: die Drösche aufgelegt.

[39] uutspiir'gen: ganzen.

[40] Brauddeege kniäet: Brodteige geknätet.

[41] Wocken: Spinnrocken.

[42] all'batt: immer.

[43] haujahnd': gähnte.

[44] söcht'de: seufzte.

[45] faarts: sofort.

[46] wiss': nicht wahr? gewiß.

[47] schwöögen: jammern, klagen, verwundern.

[48] to Maute kuomen: übel ankommen.

[49] uutluacken: ausgerissen.

[50] tokleggen: zukratzen, verdecken.

[51] ginten: dort.

[52] to Bierge in dwaalt: in den Berg gelaufen.

[53] gawwe: schnell, rasch.

[54] spööt di: spute dich.

[55] Aal: Mistjauche.

[56] Ruuten: Fensterscheiben.

[57] Wandriiter: Tuchhändler.

[58] Laaken: Tuch, wollen Zeug.

[59] Bücksens: Hosen, Beinkleider.

[60] pattket: pättjen.

[61] riiret: rufen (wie die Gänse) nicht schnattern, d. h. schnaatern.

[62] schrewwet: schreyen.

[A] Das ist wirklich der Fall gewesen und zwar auf einer Ferien-Wanderung desselben im Herbste 1842.

[B] Sprichw: Van Gissen kuomet Landlüügen; Vermuthungen sind der Grund falscher Gerüchte.

Handwerker-Fest-Gruß.

Met Gunst!

As ick van Uänern[1] gönk spatzeeren,
Dau kwam et mi sau vor den Sinn,
Dat wi to Jahr[2] sau lustig wöören
Bi'n Handwierksfest, un nicks to minn[3]
Et auck van Daag' wual konnen sien. —

Wi hebb't sintdeß een Jahr düürschlennert;
Hauptsächlick heft sick Nicks verännert;
Gönk't baule liike[4], baule twas[5],
Is't dach in'n Ganzen bliewen as't was.
De Aemter un de Gilden alle
Sind nau in eeren aulen Talle[6]
Un blögget reefaarts[7] auck nich minner vorwahr,
As in aulen Tiien un asse to Jahr;
Dann de Schniider, de maaket nau Bücksen un Röcke;
De Disker Schäppe un Schreene un Plöcke;
De Schooster Stieweln un Pantuffeln;
De Kürßner Pelße un Katten un Muffeln;
De Schlächter schlachtet nau Ossen un Schwiine;
De Kräumer handelt met Kaffe un Wiine;
De Schmedt, de schmieet nau Hengte un Schuuten[8];
Dat Schilderamt[9] pinselt, un bietert de Ruuten;
De Bäcker schüt[10] den Deeg in'n Uawen
Un backet us Krieklinge, Stuuten un Kluawen;
De Gierwer gierwet un schrappet de Felle
Un maak't daarvan Handsken un Reemen un Bälle;
De Läher[11] lähet dat grööne Lieer
To Schäften un Suahlen, na Jeders Begiehr;
De Wüllker[12], verwäumkes![13] wann de'r nich n wöör',
Dann göngen wi meestig wual naaket'r hier;
De Goldschmedt maaket nau Kiien un Ringe
Un alle söcke düüre Dinge;
De Bookbiiner kliistert un liimet de Bööker,
De lieset man fliitig, dann weeret ji klööker;
De Wandriiter handelt met Multum un Luuren[14]
De Prüükmaaker krüllet de Prüüken un Tuuren;
De Kuärwker flechtet nau Kuärwe un Weegen,
De kaupet bi Tiien, süß konnt' ju bedreegen;
De Blaufarwers leef't mi den Krimskrams to sehr,
Waar kriig't se dach alle de Musters wual hier?
De Hootmaaker filtet nett as vor'n Düssen
De Haare to Hööen un Pajatzmüssen;
De Baartputzer schieret all'wiss'weg den Baart
Met blaubunter Seepen, na'r aulen Aart;
De Büüker[15] biönet dat Pieckelfatt;
De Steenhöwwer pickert de Steene glatt;
De Müürker un de Timmermann,
De bowwet Hüüser allfaart an;
Man de Brüwwers, de bruwwet en niggemoods'k Beer,
Das is vull köppsker[16] as tovöör.
Proost!
Ick hebb' et sau wat düür en eene schmieten
Un hebb'k vellicht Een of den Andern vergieten,
Dat niem't mi nich üüwel; — de Düüwel mag wieten,
Wat't hüüt to Daag' alle vor Handwierker gift
Un in welker Riige se Hüggelmegger[A] schrift.
Dach Summe-Summooren, se sind nett[17] sau bliewen,
As se wöören, as wi een un vertig schriewen.

Man, leewe Confraaters, Een's mot ick ju seggen:
De upstunds voran will, de mag sick wual weggen[18];
Dann't geht all'wisseweg an een Erfiinen
Van Mekanismus un Dampmaschienen.
Blitz, wann wi dach nu nau Gesellen wöören!
De gah't nich mehr wandern, se lautet sick föhren
Up Iisenbahnen, van Stuckert[19] na Aacken;
Wat mosten wi ehrdaag's us anners afracken[20]. —
Ick gläuw' de Bedenksels gah't baule sau wiet,
Dat se to Pierde uäwer den Ocean riiet;
To'm Minnsten beliew'k't nau, asse mi ducht,
Dat wi tohaupe asse Lüüninge[21] fleeg't düür de Lucht[22],
Un wann uuse Herrgatt nich ännert siinen Sinn,
Sau fusk't se Em sülwent in't Handwierk henin;

Dach leewe Confraaters, siid man nich to bange,
He stüüret de Bäume, dat wiet' wi al lange;
Alldach sii Jeder bi der Hand,
Et geht' ne schwaare Tiid düür't Land;
Dann alle Gewierwe, de grauten un kleenen,
Gah't all'wiss'weg vuörwerts up Steltenbeenen
Un Jeder mag wual spintiseeren,
Wo he will etwas Nigges lehren.
An Middeln feggelt et Keenen van us,
Daarvor suarget uuse üpperste Technikus
Un siine Gehülpen... Wann me dat berieket,
Wat de sick tohaupe de Köppe terbrieket,
Wo se us klööker maaken willt,
Dann is uuse Harte met Danke erfüllt.
Wi biddet, se willen us faartan belehren,
Un us de niggemoodsken Bedenksels erkläären.

Proost!

De gooen Tiien sind längst verliien.

Siewen Klausterknechte dröögen eene Flechte[23];
De Schulte rööp: Doo't ju nich seer[24]
'r sind der Knechte je na mehr.

[1] van Uänern: heut Nachmittag.

[2] to Jahr: vorig Jahr.

[3] nicks to minn: nicht minder.

[4] liike: gerade.

[5] twas: queer.

[6] Talle: Zahl.

[7] reefaarts: jetzt.

[8] Schuuten: Spaten.

[9] dat Schilderamt: das Maler- und Glaser-Amt.

[10] schüt: schießt.

[11] Läher: Lohgerber.

[12] Wüllker: Tuchweber.

[13] verwäumkes: fürwahr.

[14] Luuren: Wickelbänder.

[15] Büüker: Böttcher.

[16] köppsker: berauschender.

[17] nett: ganz.

[18] weggen: rühren.

[19] Stuckert: Stuttgart.

[20] afracken: abquälen.

[21] Lüüninge: Sperlinge.

[22] Lucht: Luft.

[23] Flechten: die Seitenbretter am Mistwagen.

[24] seer: wehe.

[A] Hüggelmeyer war ein Osnabrückscher Bürger und gab ein beschreibendes Gedicht über die ehemaligen eilf Ämter heraus.

Der ist ein Mann,
Der sich, wo Bessres zu gewinnen,
Am Alten nicht genügen läßt.

Hallo Michel! spigge es resolute in de Füüste un räuge di; dann de Tiidt is 'r to bewennt un de upstunds voran will, mag sick vorwahr wual weggen, segg'k di.

De Vorgänger[A].

'n Buure up 'ner grauten Stiie,
De mehr as Jürgen, Klaus un Geert
In Böökern löös un mank de Lüüe
Den Weltloop häärde, hönk den Steert
An alles Nigge, dat em duchte
Van Vordeel un to Nütt' to sien,
Un föhrd 't in siiner Werthskup in.

De Naubers keiken 't an van Feeren
Un menden, wel[1] bi'n Aulen blift,
Den schall de Heer' auck bett[2] wual nähren;
Man de vull nigge Tenten drift,
De blift tolest wual nich bi Braae
Un seit' he auck wual nau sau waarm,
He ööl't un wööl't sick biedelaarm:

Man Vikter kehrd' up Feild un Wisken
Un Holtdeel, Bierg un Hügel to,
As woll he Gold un Sülwer fisken,
Des Auwends laat', 's Muarens fro.
He lööt se spiiten[3] wat se wollen
Un lusterde na Spott un Haun
Der Naubers nich; he lööt se gaun.

Un dachte bi sick: O wau geeren
Schiöl' ji na wual 'n anner Jahr
'r annern Sinn's un wiis van weeren,
Wat ju misducht, as dull und daar[4].
De aule Schlüür kann nich mehr baaten,
Dann Weltloop un de Buurbedriif
Gaa't Hand in Hand, as Mann un Wiif.

Un wel dat Dink, in uusen Daagen,
Met Riekeln uäwer't Heck[5] ankickt,
De is vorwahr met Bliindheet schlaagen
Un is bedaun; — alldaarüm schickt
'n wiis Mann sick bi gooer Tiidt
In Düüwelsmiöten, un beginnt
Wat Nigges, dat em deensam schint.

Statts Pierde mosten freeske[6] Rinner
Un Kögge siine Plööge theen;
Dau rööpen alle Minskenkinner:
Wel heft wual saunen Daaren sehn!
De löppt vorwahr heel met 'n Dölffken.
Wel dat van us nich säuge in,
Möst' wual 'n dummen Iisel sien.

De Beester[7] foord' he up den Ställen,
Met Klawwer, Häcksel, Heu un Gress;
De Baas, siä he, in allen Fällen,
Is vor de Werthskup Fliit un Mess.
Dau wünnt he Mielke, Battern, Keise,
In Uäwerfloot, un sülwenst att
He met de Siinen uäwersatt.

Bi gooen Foore wöören baule
De Ossens un de Rinner fett;
Dann gaf't wat in de Wuöstemaule
Un schmööe Braaens an et Spett;
Un wat de Huushalt nich verschleit,
Daar tröck he met na daar un hier
Un kwam met vullen Katten wier.

An siinen Kalwern, Schwiinen, Fierken,
De he vor düüret Geld verkafd',
Konn jedder Schlächter baule mierken,
Dat he de Faasel[8] af e schafft.
Dat Spinnewierk un Linnentüügen
Dat gaf he up; dann he besünn,
Dat he'r nich mehr dat Salt bi wünn.

He plantede in allen Hööken[9],
De uäwerlegsam wiise Mann,
Kastangen, Dannen, Eeken, Bööken
Un dachte, hest du'r auck Nicks van,
Sau heft dach diine Achterkumst[10],
Wann uuse Herrgatt met 'n geht,
Na vielen Jahren dat Geneet.

Auck Appel-, Biiren-, Pruumen-Bäume
Liä he sick to; dau harr he wat,
Dat, wann em es 'ne Heerskup kweime,
Of Fründe, of wel uut'r Stadt,
Daar he se met trakteeren konn'; ·
Un gaff uuse Herrgatt riiken Siegen,
Lööt he se na den Mark'de driägen.

Eemswiien[11] lööt he fliitig stiäken,
De ümmesicht'ge Wiisebaart,
An alle Pööle[12], alle Bieken[13],
De wuössen dann van sülwent faart.
Des Auwends un bi Winterstiidt
Saug me den Werth, met siinen Knechten,
Twiigkuärwe, Wannen, Weegen flechten.

Twuälf Imme harr he, in den Hööwen[14],
Na 'r Riige unner'n Schuure staun,
De haalden uut den gielen Rööwen-
Un Heede-Bloomen Hanig an;
De brachte em, bi weenig Mööte,
Viel' schäune, blanke Daalers in;
Dat was sau'n stillken Bigewinn.

Un wat he wiiders nau begunnen,
Dat weet ick alle sülwenst nich;
Dach baule harr he sauviel wunnen,
He kafde sick kaw'leeren frig
Un harr up siinen ganzen Kraum
Nich eenen Pennink Schuld of Last.
Was dat nich wual 'n klooken Gast? —

He wünnt sau manngen blanken Grössen,
Daar süß nin Minske an e dacht;
De Grössen wuössen dann to Vössen,
De he up Rente unnerbracht'.
Kurzum, kurzam, de Mann wöörd riik.
As dat de häunsken[15] Naubers säugen,
Dau wollen se sick auck wual räugen.

Et ist der Buuren aule Wiise:
Kümmt Eene met wat Nigges an,
Dann lästert se; dach sacht' un liise,
Wann't baatet, folget se den Mann
De 't 'n vormaakt ... Man 'r häärt wat to,
Dat se eerst inseh't wat 'ne fligget[16],
Un eeren Wualstand deent un digget.

Ick segge Ju, »met Schlüür un Jahnen
»Werd hüüt'ges Daag's Nicks mehr berenn't[17],
»Sint Damp un Wiind un Iisenbahnen
»De Welt regeer't, van End' to Wend',
»D'rüm, Michel, spigge in de Fuust;
»Most du'r auck manng's ens He! bi seggen,
»Du most di dach na'n Weltloop dreggen.—


— — — — — Wohl dem Ganzen, findet
Sich nur erst Einer, der ein Mittelpunkt
Für viele Tausend wird; ein Halt — sich hingestellt
Als eine feste Säul', an die man sich
Mit Lust mag schließen und mit Zuversicht.
So Einer ist der General — — — — — —
— — — — — — — — — der Armee
Frommt nur ein Solcher.

[1] wel: wer.

[2] bett: ferner.

[3] spiiten: spotten.

[4] daar: thöricht.

[5] Heck: Lattenthür, Geländer.

[6] freeske: friesische.

[7] de Beester: das Hornvieh.

[8] Faasel: sparsame Durchfütterung.

[9] Hööken: Ecken.

[10] Achterkumst: Nachkommenschaft.

[11] Eemswiien: Emsweiden.

[12] Pööle: Pfützen.

[13] Bieken: Bäche.

[14] Hööwen: Bienenkörbe, Hauben.

[15] häunsken: hönischen.

[16] fligget: nützt.

[17] berennt: beschickt, beschafft.

[A] Bei Gelegenheit der Berathung über die Stiftung eines landwirthschaftlichen Vereins vorgetragen und den Beförderern und Freunden solcher nützlichen, zeitgemäßen Vergesellschaftungen gewidmet,

vom Verfasser dieses Werkchens.

Hans Michel was wual, sau to rieken,

'n Verreljahr un en paar Wieken
Bi siinen Vedder in der Stadt;
Daar, mend' siin Aule, leerd' he wat.
Knapp konn he siinen Naamen schriiwen,
Dau woll he'r auck nich länger bliiwen
Un keerde wier torügg' na Huus.
Nu was uuse Hans 'n rechten Duus:
Siin Rock harr heel 'n annern Schnitt,
Van Puuder wöör'n de Haare witt,
Nu dröög he eenen haugen Hoot,
Met eenen Waard': Van Kopp to Foot'
Was he binah nich mehr to kennen
Un lööt sick Musche Michel nennen.
He dää sau stuur un wunderbaar,
Sprack Haugdüütsk blaut un wann siin Vaar
En rööp: Hans, kumm un dask 'n Bieten!
Dää he, as harr he't ganz vergieten.
Ens lag de Hark' em vor den Fööten,
Dau fänkt he an se weg to stäuten
Un frägt den Aulen: Saget mir,
Was für ein Ding ist dieses hier?
De Aule spreckt: Wost du mi brüüen?
Gaa, Jung', un schiäm di vor den Lüüen!
He geht, un trett eer up de Tiäne,
Baff schleit de Hark' em vor de Schiene.
»Au!« schreggd Hans, »dumme Harke du!«
»Süh«, rööp de Vaar, »kennst du se nu?«

(Eingesandt.)

De Kapuziner Broor Eernst, as em de Daut dat Memento mori ankündigede.

Ach Heer miin Gatt! ick ligge hier vor di, up miinen Knee'n,
Un uäwerdenk, wat in den langen Jahren,
Mi up'r Welt is alles widerfahren.

Ick aarme Broor Eernst, hier ligg' ick up'r Eeren
Un woll üm diine Gnaad' di hartelick begehren,
Wiilen de Daut, wann he auck sau gliick nich kümmt,
Mi sieker dach baule dat Liewen nimmt;
Dann he is'n Schelm un'n Erz Bedreeger,
He kümmt een' alle Daage neiger,
He schnitt un frett un baaselt met Macht,
Düür allen Pomp un alle Pracht;
Sau weenig de Aarmen as de Riiken,
Kiönet dem starken Daut entwiiken;
Deshalw ick up en nich to lange bouwe,
Noch up düssen liidigen Gast vertruwwe,
Dann he krüpt mi sau van Feeren an,
Un maakt van Harten bange mi aarmen Mann.
He mag wual denken: Brüüe
[1] du diine Moor[A],
Bist dach man'n aulen Kapziiner Broor:
D'rüm nu gooe Nacht, ji Heeren Paaters,
Gooe Nacht, leewen Lüüe, gooe Nacht, Fraaters!
Ick hewwe biedelt sau mannigen Stuuten,
Iände, Gäuse un auck wual Schruuten,
Wuorteln, Rööwen un Kabuus
Un nümmer kam ick liig to Huus.
Dat dää, ick konn sau goot geweeren
Met de grauten riiken Heeren,
Den'n gaf ick dann, up miinen Reesen,
Wual eenen Schnüüfken uut miiner Döösen
Un daarbi wünskede ick eer viel Glücke,
Dann kreig ick meestens graute Stücke.
Apart bi de Buur'möörs konn ick mi goot schicken, —
Un alltiidt most'et mi dann glücken;
Wann ick man na den Wiemen keik,
Wo faaken dat'k'n Schinken kreig;
Un Iersten, gieele un dicke griise,
De kreig ick oftmals schiepelswiise.
Man wat lacheden dann auck de Bröörs,
Wann ick wierkam van uuse Möörs,
Wann Broor Eerenst hick, hack, hack,
Kwam met siinen Biedelsack;
Jau, wann se mi man häärden schellen,
Sprüngen se as Vösse uut eeren Zellen
Un neimen mi tohaupe wahr,
As de lütken Kinner eeren Vaar.
Nu gooe Nacht, ji gooen Buurenmöörs,
De ji uuse aarmen Bröörs,
Sau faaken holpen uut'r Naut,
Met Schlachtelwierk, met Battern un Braut;
Naamentlick: Meggerske, Elseke Hunings,
Anne M'rigge Weetkamps, Gretliesken Brunings;
Gooe Nacht tohaupe, o gooe Nacht!
Dann ji hebb't us jümmer best bedacht.
Ick mot mi nagraae van düsser Eeren
Na uusen leewen Herrngatt henkehren,
De gintebuawen föhrt 't Regiment,
Aune Anfank un sunder End.
Ach konn ick dach met düssen Heeren
Sau goot as met ju Möörs gewehren! —
Bloot, wat was ick dann vor'n Gast,
Sunder Suargen un sunder Last;
Dann woll ick auck nich länger süümen,
Woll geeren van düsser Eeren rüümen;
Dann scholl he mi, de bittre Daut,
Bringen eenen gooen Mout.
Abers denk' ick an de Eewigkeit,
Dat Hart'bloot mi in Mielke vergeht. —
Dach, wat helpt dat bange Zaagen,
Un all' dat bedrööw'de Klaagen.
Nimm 'n Harte, Broor Eernst, un sii en Mann!
Mostet du auck van Stund'r an.
Süh, du hest dach Gatt den Heeren
Diin Liewe lank socht, up düsser Eeren;
Den ganzen Dag, o leewe Heere,
Dää ick je Alles to diiner Ehre;
Baule met bruwwen, baule met backen,
Baule met Holt 'ntwee to hacken;
Un was't in'n Suomer auck faaken to heet,
Un was'k auck sau natt as'n Otter van Schweet,
Dat miine Kaputze, van Waater stiif,
As 'n Kloß mi mannigsens hönk an'n Liif;
Un mogde't schniggen, oder freesen[2],
Broor Eerenst moste dach jümmeran reesen,
Baule in'n Haagel un baule in'n Riegen,
Was ick aarme Broor Eerenst alldach up 'n Wiegen;
Jau, mogt'r auck kuomen, wat'r kam,
Broor Eerenst moste alltiidt voran.
Et het wahrhaftig kostet Mööte un Last,
Dat ick bin wooren sau 'n aulen Gast.
Drüm' o Heere in'n Paradiese,
Denke gnädig an mi aulen Griisen;
Help mi in miiner lesten Naut,
Wann he nu kümmt, de bittre Daut;
Hebb' ick auck wual es uäwertrieden,
Met'n Drinken, oder met'n Reeden,
Heer, laut et di nich kuomen an,
Up 'n Mundvull Wäärde un up 'ne Kann';
Hebb' ick mi dach ümm' diinetwillen
Miin Liewentlank möst lauten drillen;
Drüm' gedenke miiner to'm Gnaadenlohn
Un gif 'n Broor Eerenst de Himmelskroon!

Böntkemeyer.