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Polnische Gedichte

Chapter 27: NACHWORT
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About This Book

A sequence of lyric and dramatic poems voices a restless Polish longing for justice and freedom, alternating conversational debates, patriotic songs, and intimate wartime reflections. Speakers include students, emigrants, soldiers, and poets who appeal to other nations and to a shared conscience, recount migrant hardship, battlefield strain, and the sanctity of homeland soil. Recurring motifs are collective labor, sacrifice, renewal through struggle, and transnational solidarity, while imagery shifts between cities, plains, ports, and border crossings to convey political urgency alongside personal melancholy.

Die besten Deutschen haben geschworen,

Polen sei noch nicht verloren;

einst werden die besten Russen Dich schützen —

Wer Dich zwang und besessen

hatte, Polen, sollst Du vergessen.

Aber, eh nicht der Stern zerfällt,

Polen, vergiß die Russen nicht,

Polen, vergiß nicht die Deutschen,

Polen, vergiß nicht die Welt!

Das Nationalgefühl, wenn es über einen ohne sittliche Qualitäten wirkenden Instinkten einer Überzeugung gediehn ist, damit aber anders und höher aufrichtig wurde als der bisher geltende Urtrieb, und für sich und andre berechtigter, muß, neben andern Tugenden, die freudige Anerkennung jedes fremden Nationalgefühls zur Folge haben. Wovon ich überzeugt bin, daß ich — und nicht als der so oder so zufällig Veranlagte, sondern als der überhaupt Seiende — es darf, ja daß ich es soll, dessen Recht und mehr als Recht muß ich allen in gleichem Stande Seienden zugestehn. Das Bestehn der Nationen ist nicht nur die Voraussetzung des Internationalismus: Folge des eignen Nationalgefühls ist die Anerkennung des Prinzips der Nationen, und es ist bloße Anwendung, ist nur der letzte Schritt zum Wissen um die Vielfalt ihres Reichtums und bis zur Liebe der Nationen, zur Weltliebe. Ja, dieser Schritt ist schon getan, — wie der wahre Individualist, der sich nicht nur obenhin fühlt, sondern sich menschlich, warm und interessiert liebt, die andern nicht hassen kann (und nur der fragwürdige Hasser sich auszunehmen nicht bereit, nicht naiv, sondern unaufmerksam genug ist) und, aus gläubiger Achtung vor lauter Individuen, die Menschen lieben muß: ein wahrer, ein besserer Sozialist.

Wer nicht andern Völkern das eigne Gute gönnt, nicht das Gedeihn andrer Länder wünscht, dem brauchen wir nicht zu glauben, daß er von Ländern und Völkern etwas weiß; auch vom eignen nicht — oder der ist nicht kühn oder stark genug, vor sich selbst die moralische Regel zu behaupten. Da uns bei der Arbeit die weite Festlichkeit einer prächtigen, sicheren, erregenden Melodie russischer dramatischer Musik im Ohr liegt und mehr als nur den Blick weitet, haben wir recht, uns sehr deutsch zu wissen. Und es heißt deutsche Überlieferung aufnehmen, die beste und deutscheste Überlieferung, wenn wir mit den Völkern in die Zukunft gehn, und die Hoffnungen eines schönen, stolzen und strebenden Volkes mitfühlen. Auch Deutsche kämpften bei Missolunghi und (im Politischen wohl falsch genug eingenommen) bei Ladysmith. Der Marquis San Bacco Heinrich Manns, in den Romanen der Herzogin von Assy, kämpft in allen Erdteilen für die Völker, die ihre Freiheit suchen, ohne Besinnen und Bedenken; so sehr hat der Garibaldianer seines Volkes Freiheit geliebt. Wir haben noch San Baccos; ihnen wären, wüßte ich sie namentlich zu nennen, diese Gedichte leidenschaftlich gewidmet.

Diese Gedichte werden vielleicht einem Vorurteil entgegengehn, da sie der übel beleumundeten Gattung der politischen Lyrik angehören. Es bleibt am besten ihnen selbst überlassen, sich und ihre Familie zu rechtfertigen und diesem Vorurteil zu begegnen. Es werde nur bemerkt — neben dem Hinweise, daß auch alle berühmte Kriegslyrik zur politischen gehört — es werde nur bemerkt, daß die Bezeichnung als „politische Lyrik“ eben nur, und zwar in stofflicher Hinsicht, eine Gattung bezeichnet und gar nichts über den möglichen und wirklichen Wert der politischen Lyrik aussagt. Sie verheißt nicht mehr als etwa „Liebeslyrik“, und es wird meistens übersehn, daß es auch unter den politischen Gedichten gute und schlechte gibt! Darum braucht von der notwendig verführenden Wirkung aller Lyrik hier gar nicht erst gesprochen zu werden.

Diese Zeilen aber sollen diese Gedichte nicht etwa entschuldigen, und müssen sie, hoffe ich, nicht erläutern. Sie sollen nur bei ihnen stehn wie die Bezeichnung von Gang und Art bei der Musik, nur anzeigend: presto alla polacca — der Leser fühle selbst, wo hier das Andante zum Largo erstarrt, wo zum Furioso sich aufschleudert.

Göttingen, Ende September 1916

Rudolf Leonhard

INHALT

 Seite
Gespräch zweier Deutschen5
Lied der Polen an Europa7
Die Polen an Irland8
An Amerika9
Lied polnischer Studenten10
Polnische Erde11
Poniatowski auf dem Balkan12
Lied des jungen Witold Napierogocki13
Gesang eines polnischen Dichters14
Lied eines berittenen Legionärs16
Polnische Reiter17
Begegnung der Brüder18
Weichselübergang20
Das verlassne Dorf21
Polnisches Barock22
Der polnische Adler23
Zum König von Polen24
Bild eines Republikaners25
Heimkehr des Verbannten26
Verwandlung des Verschwörers27
Der Mischling28
Polnische Schauspielerin29
Worte zu einem polnischen Tanz30
Johann Kasimir Landris Erlebnis32
Ein sterbender Minister hinterläßt den Polen33
 
Nachwort des Verfassers35

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