Vorwort.
Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält. Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel in dankenswertester Weise.
Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere, die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet werden.
Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten. Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf diesem Gebiet beitragen möchten.
Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich mit der betreffenden Wildart machte.
Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben. Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen.
Radebeul, im Herbst 1915.
Hans Besser.