Sechstes Kapitel.
In der Linde.
»Nun bist du endlich bei uns,« rief Trinle Grill, als Alette den Hausflur betreten hatte.
»Ja, endlich,« rief Kasperle. Sie taten, als hätten sie mitsammen schon zehn Jahre auf Alettes Besuch gewartet. Und just als wäre sie schon seit zehn Jahren mit den Grills in Freundschaft verbunden, so heimatlich, traulich, so zu Hause fühlte sich Alette Amhag gleich in der Linde. Sie saß unter den andern am Familientisch und vergaß darüber allen Gassenlärm, und sie lachte so herzhaft, wie sie noch wenig gelacht hatte. Alles gefiel ihr, und selbst den Bauchwehtröpflegeruch fand sie lieblich, und das Honigbrot schmeckte ihr wie selten etwas.
Nach der Schmauserei mußte sie das Haus sehen. Die Buben fanden dies zwar überflüssig, aber Trinle entschied: »Sie muß doch wissen, wie's bei uns ist!« Das war richtig, und alle fünf zogen sie treppauf, treppab. In alle Stuben und Kammern schauten sie hinein, auch in die, in denen eigentlich nichts zu sehen war. Ein paarmal verlangten die Buben: »Mach Schluß!« Aber immer behauptete Alette: »Es gefällt mir.« Und es gefiel ihr auch wirklich. Es war nämlich, als säße sie auf einmal mitten drin in einer Geschichte ihres Großvaters. Breitenwert und das Löwengäßle waren dem über alles gegangen, und die Linde stimmte viel mehr in seine Erzählungen hinein als die Rose. Drüben war der Hausrat neu, alles war still und kühl, aber hier war es so, wie es der Großvater geschildert hatte.
Doch die Buben sagten endlich: »Nun ist's genug, jetzt gehen wir in den Kaninchenstall und dann ins Räuberschlößle; da wirst du staunen, das ist am feinsten!«
»Geht net, das darf sie net,« rief Trinle plötzlich.
»Hoho, Trinle, rappelt's bei dir, warum net?« riefen Veit und Steffen entrüstet. »In unsern Kaninchenstall kann man einen König führen, warum nicht Alette?«
Trinle schüttelte ihren Kopf, als wäre der ein Apfelbaum. »Geht net, ihr Kleidle ist zu fein.«
Die Buben schauten betroffen das Kleid von oben bis unten an, liefen um ihren Gast rund herum und sagten schließlich beide kleinlaut: »Seide ist's.«
Und auf einmal fühlte Alette, wie die Blicke der vier Geschwister staunend, ja ein wenig fremd und scheu auf ihr ruhten, und es war ihr, als trenne sie das schöne Kleid wieder von den neuen Freunden. Sie schluchzte auf und klagte. »Das dumme Kleid, ach, und ich will doch so gern in den Kaninchenstall, so furchtbar gern!«
Der Wunsch war den Geschwistern begreiflich, aber das Kleid war doch bedenklich. Sie selbst wurden gehalten, ihre Sachen gut zu schonen, und Feiertagskleider paßten nicht für alle Spiele.
»Ich hab' doch noch so viele seidene Kleider!« jammerte Alette Amhag. Sie tat dies in einem Ton, als verkünde sie, sie sei arm wie eine Kirchenmaus.
»Viele?« rief Steffen. »Oh, wenn du noch viele hast, kannst du mit!«
Aber Trinle forschte erst vorsichtig: »Sag mal, wie viele, und trägst du oft alltags so feine Kleidle?«
»Ja,« flüsterte Alette bedrückt, »ich habe drei Koffer voll.«
Da war auch Trinle beruhigt, und alle vier führten ihren Gast in den Kaninchenstall, der in einem Hofwinkel lag, und in dem nicht allein Kaninchen, sondern auch eine weiße Ziege wohnte. Die gehörte Veit zu eigen, aber die andern taten meist, als gehöre ihnen die Ziege ebenfalls, womit Veit nicht immer einverstanden war. Er war von ihrer Klugheit und Schönheit entzückt und erzählte Alette gleich: »Sie ist furchtbar klug; wenn man sie was fragt, antwortet sie. Paß mal auf!« Er schrie die Ziege laut an: »Schnupperle, hast du Hunger?«
»Mmmäh!« machte die schläfrig.
»Siehst du, sie hat geantwortet!« erklärte der Eigentümer triumphierend.
»Was denn?« fragte Alette verdutzt
»Nein hat sie gesagt; das versteht doch jeder!« rief Veit. Das Lachen der Geschwister ärgerte ihn, und er bat: »Sag, Schnupperle, kennst du mich?«
»Mmmäh!« Die Ziege glotzte ihren kleinen Herrn dumm an, aber der erklärte stolz: »Jetzt hat sie ›ja‹ gesagt.«
»Ich will sie auch was fragen,« sagte Alette eifrig. Sie trat neben die Ziege und bat: »Sag mir, wie du heißt.«
»Mmmäh!« Schnupperle hielt den Kopf schief und schielte Alette von der Seite an. Ob der Ziege das seidene Kleid so gut gefiel, oder ob sie dem Gast besondere Höflichkeit erweisen wollte, verriet sie nicht, aber sie sprang urplötzlich auf Alette zu. Die verlor das Gleichgewicht und purzelte in das Stroh hinein, das auf dem Boden lag.
»Pfui, aber pfui, Schnupperle!« schalt Trinle. »Du bist dumm; Alette hat doch ein seidenes Kleidle an!« Ängstlich half sie der Freundin empor und strich ihr das Kleid zurecht. »So ein dummes Schnupperle!«
Alette sah etwas erschrocken aus, aber sie weinte nicht. Damit erntete sie Veits Anerkennung. Der sagte: »Na, wenigstens flennst du net gleich! Schnupperle wollte dir nämlich nur guten Tag sagen, so nett ist das Tierle – uff!«
Patsch, lag Veit im Stroh, und das liebenswürdige Schnupperle sah aus, als wolle es dies sonderbare Spiel mit allen seinen Besuchern fortsetzen.
Die hatten keine Lust dazu, und da die Kaninchen sich in allen Winkeln verkrochen hatten, schlug Steffen vor: »Wir gehen ins Räuberschlößle, das ist am allerfeinsten.«
»Räuberschlößle!« Alette riß ihre Augen weit auf. Das klang wie finsterer Wald, wie Schreck und Grauen, klang gar nicht verlockend. Doch die vier Geschwister erzählten alle auf einmal, ungeheuer schön sei's und gar nicht graulich.
»Es sind nur manchmal 'n paar Mäusle drin, sonst nichts,« versicherte Veit, und Steffen erzählte: »Herr Baldan sagt: es geistert, aber der will uns nur schrecken.«
»Es hat einen Turm,« berichtete Trinle. »Johann freilich, unser Gärtner, sagt, der fällt bald ein und die Decke auch, aber fein ist's doch!«
»Und schmutzig auch nicht,« schwätzte Kasperle. »Nur Berta nennt mich immer Dreckbartele, der aus dem Schmierwinkele kommt.«
Da ging denn Alette neugierig mit, um dieses seltsame Wunderwerk zu schauen. Sie dachte es sich groß und düster, fürchtete sich heimlich ein wenig und blieb dann höchst verdutzt vor einem kleinen Gartenhaus stehen, das einen lächerlich kurzen, dicken Turm hatte. Das ganze Ding sah aus, als hätte beim Bauen einer aus Versehen den Turm wo anders hergenommen.
»Gelt, fein ist's!« rief Steffen und stieß die Türe auf, die schon etwas morsch war. Drinnen standen Gartengeräte, ein paar Stühle und Tische, die offenbar hier überwintert hatten. Eine blitzeblaue Tapete bedeckte die Wände, und an der Seite führte eine altersschwache Holztreppe zum Turm hinauf.
»Dort oben ist's am schönsten, dort sitzen wir immer, wenn wir Ritter und Räuber spielen,« erklärte Veit mit stolzer Handbewegung. »So gut spielt sich's nirgends wie hier.«
»Aber,« klagte Kasperle, »allweil muß ich 's Prinzeßle sein; Trinle will net.«
»Ich bin Räuber,« rief Trinle kühn; »weißt, Alette, du kannst fein Prinzessin sein, und ich raube dich und verstecke dich im Kaninchenstall oder im Kartoffelkeller, und die Buben befreien dich.«
»Ja, wir sind zusammen Prinzeßle,« bettelte Kasperle, und seine kleine, dicke Hand legte sich in die der Freundin. Da erschien der der Kaninchenstall und der Keller nicht mehr so furchtbar; mit dem Kasperle zusammen hielt sie es dort wohl aus. Und sie stieg auch ganz tapfer mit den Geschwistern die wackelige Treppe empor und überschaute von dort aus das Gewirr von Gärten und Höfen, das sich unter dem Turm ausbreitete. Über den Büschen lagen grüne Schleier, die Bäume schimmerten rötlich, alles erzählte vom Frühling, der bald kommen würde.
»Die Störche sind schon da,« rief Trinle froh, und Kasperle tat gleich seinen Mund auf und sang den Heimgekehrten jubelnd zu:
Mit den langen Beiner,
Flieg mir in das Bäckerhaus,
Hol mir einen Weck heraus.
Ist der Storch nicht ein schönes Tier,
Hat 'nen langen Schnabel und säuft kein Bier?«
Alette Amhag hatte noch nie einen Storch gesehen, sie hatte noch nie mit Gesang einen Vogel begrüßt und sich so auf den Frühling gefreut, wie es die Grills taten.
Die zeigten ihr das runde Nest auf einem spitzgegiebelten Haus und erzählten ihr von kommenden Sonnentagen, von ihren Gartenspielen und den Festen, denn alle vier waren Sommerkinder und feierten darum so viele Sommerfeste.
Über dem Schwatzen vergaßen alle ein wenig die Zeit. Plötzlich duckte sich Veit und sagte rasch: »Kauert euch zusammen, unten geht Herr Baldan.«
Der Provisor konnte das Räuberschlößle nicht leiden. Er sagte immer, es sei zu baufällig, behauptete, es könnte einfallen, und wenn er darum die Kinder drinnen traf, schalt er und trieb sie hinaus.
Denen gefiel das nicht. Sie huschelten sich geschwinde zusammen, und Veit legte sich platt auf den Boden, um ein wenig hinabsehen zu können. Trinle vertraute Alette flüsternd an, warum sie sich vor Herrn Baldan versteckten, bis Veit ihr zuraunte: »Still doch, er kommt!«
Unten knarrte die Türe, und der Eintretende brummte: »Schon wieder nicht verschlossen!« Herr Baldan hatte die Eigenschaft, laut mit sich selbst zu reden, zumal wenn er sich über irgend etwas oder irgend jemand geärgert hatte. Da dies oft vorkam, mußte er viel mit sich reden. Dazu suchte er gern das Räuberschlößle auf und ärgerte sich, wenn er die Kinder darin fand.
An diesem Tage galt sein Groll noch immer Herrn Häferlein, und da er um diese Stunde gerade wenig zu tun hatte, suchte er das Gartenhaus auf und schritt nun in dem kleinen Raum aufgeregt hin und her. »Herr Häferlein, das war nicht nett von Ihnen,« schrie er plötzlich, und die Kinder im Turmstübchen erschraken.
War denn Herr Häferlein unten? Veit tuschelte: »Der ist gar net da!«
»Nein, freundschaftlich war das nicht, Herr Häferlein, auf so ein dummes Kindergeschwätz hin mich gleich anzuschreien. Kasperle ist doch ein Dummkopf!« schalt Herr Baldan.
Kasperle riß Mund und Augen auf, und Trinle legte rasch ihre Hand auf seinen Plappermund. »Still, still!« flüsterte sie.
»Es ist freilich schrecklich, daß so ein unvernünftiges Tier August heißt, man muß sich ja ärgern, ja ärgern!« Herrn Baldans Stimme schwoll an: »Ich werde den Affen umbringen, jawohl, umbringen!«
Alette, die mit ängstlichen Augen zuhörte, bekam gleich zwei Hände auf den Mund. Trinle und Steffen machten gleichzeitig »pst, pst«.
»Sind Mäuse hier?« rief Herr Baldan unten und rasselte mit einem Stuhl.
Die Kinder, die wohl wußten, daß der gute Herr Baldan ein wenig furchtsam war, unterdrückten ein Kichern, und dabei entrutschte dem Kasperle sein Murmelsäckchen, das er zu Lust und Zeitvertreib immer mit sich herumtrug. Es ging auf, und gerade als unten Herr Baldan vorwurfsvoll rief: »Sie sind schuld, Herr Häferlein,« rollerten und kollerten alle grauen, blauen, roten und grünen Murmeln über den Boden der Turmstube dahin, und etliche hopsten und sprangen mit viel Getöse die Treppe hinab.
Herr Baldan meinte nicht anders, als der ganze Turm fiele zusammen. Vielleicht, ja vielleicht waren es auch wirklich Ratten, Mäuse oder sonst unheimliche Wesen! Herr Baldan sah nicht erst nach, Herr Baldan riß aus. Rutsch, war er draußen, warf die Türe zu, schloß auch noch den Schlüssel herum, und Veit, der an eins der Fenster gesprungen war, rief: »Er rennt weg!«
»Er holt jemand,« sagte Steffen bedächtig, »kommt fix raus.«
»Meine Murmeln!« klagte Kasperle, und Trinle bückte sich rasch, hob auf, so viel sie erwischen konnte, und versprach: »Wir suchen die andern morgen.«
Damit war Kasperle zufrieden, und alle kletterten die Treppe hinab, um das Räuberschlößle zu verlassen, aber wie es wohl einst in richtigen Räuberwohnungen manchem ergangen sein mochte, sie fanden die Tür verschlossen, sich gefangen.
Alette Amhag erschrak sehr, aber die Grills lachten sie aus. »Ich steige durch das Fensterle und schließe euch die Türe auf,« erklärte Veit. Er öffnete das kleine Fenster und sprang hinaus; Steffen folgte. Beide liefen zur Türe und riefen von dort: »Er hat den Schlüssel mitgenommen.«
»Da springen wir auch durch das Fensterle,« sagte Trinle gelassen. Sie fand das weder aufregend noch sonderbar; aber Alette, die noch nie in ihrem Leben so etwas getan hatte, wehrte sich ängstlich: »Nein, nein, ich will nicht.«
Sie ist doch eine Zimpersuse, dachte Veit, und er sagte ein bißchen von oben herab: »Na, freilich, du bist ja auch net aus dem Löwengäßle!«
Alette Amhag erglühte tief. Das Wort kränkte sie, und schon stiegen ihr langsam die Tränen in die Augen, als Trinle sie tröstend umfing. »Ich helfe dir, das lernst du schon.«
Trinle half, Steffen half, Veit wollte helfen und Kasperle auch, und es ging nach dem Wort, daß viele Köche den Brei verderben. Alette kam so ungeschickt als möglich aus dem Räuberschlößle heraus: ihr seidenes Kleid trug drei lange Risse davon, und daß sie nicht auf die Nase fiel, war ein Wunder zu nennen.
Über das zerrissene Kleid war Trinle außer sich, Alette gar nicht; die tröstete: »Ich gehe gleich hinüber und ziehe ein anderes an.«
Doch Trinle stellte ihr Jammern nicht ein, und die Brüder riefen geärgert: »Na, wenn sie sich selbst net grämt und noch so viele hat, dann brauchst du doch net zu jammern, als hätte sich Alette den Kopf abgerissen.«
Aber da wurde Trinle böse. »Über ein zerrissenes Sonntagskleidle muß man sich wohl grämen,« rief sie, »sonst ist man ein Schlumperle.«
»Na, da gräm dich!« fuhr Steffen Alette an, und obgleich die gar nicht wußte, was eigentlich ein Schlumperle war, fing sie doch gleich an zu weinen, und die Geschwister mußten sie alle miteinander trösten.
Zum Unglück kam just Laura, um Alette abzuholen, und als sie die letzten Tränen sah, – denn Alette wollte gerade lachen – erhob sie ein lautes Klagegeschrei. »Was haben sie dir getan, mein Zuckerlämmchen?« jammerte sie.
»Sei doch still,« flehte Alette erschrocken, »wir waren doch nur im Räuberschlößle!«
»Wo?« kreischte Laura entsetzt, »wo haben sie dich hingeführt?«
»Alette ist nur zum Fensterle rausgesprungen,« erzählte Kasperle.
»Ja, weil Herr Baldan kam,« erklärte Trinle, »da mußten wir flüchten.«
»Um des Himmels willen!« Laura schlug die Hände zusammen; sie hatte keine Ahnung, wer Herr Baldan war. Der Gedanke, Alette habe flüchten müssen, und der Name Räuberschlößle brachten sie in die größte Aufregung.
Den Kindern war das Geschrei sehr unangenehm; wenn es drinnen im Hause gehört wurde, wenn es gar Herr Baldan …
»Da kommt Herr Baldan,« rief Kasperle, und Steffen, der immer sehr dafür war, geheimnisvoll zu flüchten, zu tun, als wären Indianer im Anzug, tuschelte erschrocken: »Fliehen, wir müssen fliehen!«
»Alle guten Geister,« stöhnte Laura, »das ist ja gräßlich! Wer überfällt uns denn?«
»Schnell, schnell,« drängten die Buben, »er kommt!« Sie schoben Laura; Trinle, Alette und Kasperle zogen, Steffen befahl: »In den Stall!« In rasender Eile ging es durch den Garten auf den Hof, und Laura befand sich auf einmal in einem Kaninchenstall, und Schnupperle begrüßte die Gesellschaft mit lautem »Mäh!«
»Hu!« kreischte Laura und wich entsetzt zurück, »was für 'n Tier!«
»Das ist doch nur Schnupperle!« rief Veit gekränkt. »Und überhaupt, hier ist's doch fein!«
»Was, fein? Ich möchte wissen, was hier fein ist!« schalt Laura. »Und nun sagt einmal, warum sind wir eigentlich ausgerissen?«
»Wegen Herrn Baldan; weil der mit Herrn Häferlein geredet hat und Herr Häferlein doch nicht da war, und sich Herr Baldan darum ärgert, wenn man das hört, darum!« erklärte Veit.
»Ach!« Laura riß Mund und Augen sperrangelweit auf; sie war noch genau so klug wie vorher, und wenn ihr jemand etwas auf Chaldäisch gesagt hätte, so hätte sie nicht weniger verstanden. Eins nur merkte sie, daß die Flucht nicht so nötig gewesen war, und sie sagte: »Alette, erzähl du mal, wo –«
»Im Räuberschlößle habe ich mein Kleid zerrissen,« unterbrach sie Alette rasch, die dachte, die Frage gelte dem Kleid.
»Dein Kleid?« Nun erst sah Laura die drei Risse; sie wollte schelten, aber sie kam nicht dazu, denn nun redete Trinle, und Kasperle, Veit und Steffen sagten auch etwas. Alette sprach mit hinein, und Schnupperle schrie fortgesetzt »mäh, mäh!« Dazu war es so eng im Stall und roch sehr schlecht. Laura stöhnte: »Laßt mich raus, und du, Alette, komm, du erzählst mir drüben alles!«
Die Grills fanden Laura etwas sehr schwer von Begriffen; sie hatten sich doch so viele Mühe gegeben, ihr alles zu erklären. Sie söhnten sich aber rasch mit ihr aus, da Laura, die sah, wie ungern sich Alette von den neuen Freunden trennte, gutmütig alle vier Nachbarskinder zu Schokolade und Kuchen einlud. »Samstag,« sagte sie; das war übermorgen, also bald. Nur Kasperle klagte: »So lange!«
»Drüben gibt's wenigstens keine Räuberhöhle und keinen Stall!« meinte Laura.
»Aber Augustle ist drüben, grüß Augustle schön!«
Und an den Affen dachten die Kinder noch, als Alette wieder mit Laura über die Straße schritt, und alle vier riefen beiden nach: »Viele Grüße an Augustle; er soll uns mal besuchen.«
Gleichzeitig sagten Herr Häferlein in seinem Laden und Herr Baldan in der Apotheke: »Unerhört ist's doch, einen Affen August zu nennen, ganz unerhört; so einen schönen Namen gibt man doch nicht einem Affen!«