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Rübezahl / Neue Sammlung der schönsten Sagen und Märchen von dem Berggeiste im Riesengebirge cover

Rübezahl / Neue Sammlung der schönsten Sagen und Märchen von dem Berggeiste im Riesengebirge

Chapter 53: Neunte Szene.
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About This Book

A collection of folk tales and legends about a capricious mountain spirit who appears to humans in many guises, alternately punishing greed and deceit and aiding the poor and virtuous. An opening narrative traces the spirit’s origins in the high mountains and explains his motives and powers; subsequent short stories stage encounters with villagers, travelers, officials and craftsmen that showcase shapeshifting, magical gifts, comic deceptions and moral reckonings. Episodes range from helpful interventions and rewards to trickery and retribution, and the volume includes an assortment of regional variants, local customs and an occasional dramatic piece.

Dank dir, du guter Rübezahl!

Mutter.

Mein Dank ist stumm und ohne Wort.

Elisabeth.

Wie bringen wir aber den Korb nun fort?

Der Weg ist weit hinab ins Tal. —

Wir müssen auch den Vater führen;

Denn eher lass’ ich die goldene Beute.

Neunte Szene.

Die Vorigen. Rübezahl (als wandernder Chirurgus).

Rübezahl.

O sagt mir doch, ihr guten Leute,

Kann ich hier nicht den Weg verlieren?

Mutter.

Wo kommt er her? Wo will er hin?

Rübezahl.

Aus fremden Ländern ward ich verschrieben,

Weil ich ein berühmter Wundarzt bin,

Meine Kunst in Hirschberg auszuüben;

Dort, sagt man, lebt ein reicher Mann,

Dem ist einmal vor vielen Jahren,

Als er im Kriege sich hervorgetan,

Eine Kugel in das Knie gefahren;

Ein Ignorant hat es schlecht kuriert,

Davon ist der Fuß ihm steif geblieben;

Weil er nun nicht gern auf Krücken marschiert,

So hat er mich aus Paris verschrieben.

Über Hals und Kopf komm’ ich von dort,

Bin auf der Reise schon viele Wochen;

Soeben ist mir der Wagen zerbrochen,

Da wollt’ ich denn zu Fuße fort. —

Mutter.

I nun, die Beschwerde ist noch erträglich;

Hirschberg ist eben nicht mehr weit.

Thomas.

Ach, sag er mir, Herr! ist das wohl möglich,

Daß er den Fuß von der Lähmung befreit,

Wenn schon eine geraume Zeit verstrichen

Und alles schon verwachsen ist?

Rübezahl.

Freund, das ist mir eine Kleinigkeit;

Mutter.

Ach Gott, welch’ neuer Hoffnungsstrahl! —

Rübezahl.

Doch freilich ist mein Balsam teuer.

Elisabeth.

Befreit den Vater von seiner Qual,

Und was wir besitzen, sei flugs euer.

Rübezahl (lachend).

Blutwenig ist wohl, was ihr besitzt?

Mutter (rasch).

Hier, dieser Korb —

Thomas.

O nicht doch, Kind!

Ein gesunder Fuß euch ja weit minder,

Als dieser Schatz im Korbe nützt.

Mutter.

Mit Freuden wollen wir alles missen.

Rübezahl.

Was habt ihr denn im Korbe dort?

Mutter.

Gold! lauter Gold!

Rübezahl.

Das schenkt ihr fort,

Als wären’s Schalen von Haselnüssen?

Mutter.

Ach, Herr! für ein Weib, das redlich liebt,

Auf Erden kein größer Glück es gibt,

Als wenn sie für einen wackern Mann

Das Beste und Liebste opfern kann.

Elisabeth.

Hilft er, so spring’ ich deckenhoch.

Gustav.

Und Gustel ihm ein Liedchen singt. —

Thomas.

Nicht wahr, Herr, wenn’s auch nicht gelingt,

Ein glücklicher Vater bleib’ ich doch? —

Rübezahl (beiseite).

Bin, ich doch sonderbar bewegt,

Fast scheint’s — trotz meinem geistigen Wesen — —

Daß Neid sich gegen die Menschen regt.

(laut) Wohlann, mein Freund, ihr sollt genesen!

Mutter.

Ist’s möglich, Herr!

Rübezahl.

Ja, eure Krücken

Werft nur in Gottes Namen weit,

Es tut in wenig Augenblicken

Mein Balsam seine Schuldigkeit.

(Er setzt sich zu Thomas, zieht ein Büchschen hervor und reibt ihm das Knie).

Mutter.

O Rübezahl! jetzt fühlen wir erst

Den ganzen Wert von deinem Geschenke.

Thomas.

Ha! diese zerschmetterten Gelenke —

Wie ist mir — neues Leben zuckt

Durch jede Muskel, jede Nerve —

Die Last, die mich zu Boden gedrückt,

Wie leicht ich sie von der Schulter werfe! —

Gustav (faltet die Hände).

Ach, Mutter! ich bete Sprüch’ und Psalter,

Das wird vielleicht von Nutzen sein.

Thomas.

Geschmeidig wird mein Fuß. —

Rübezahl.

Nun, Alter?

Versucht? einmal und steht allein!

Thomas.

Es ist geschehen! ich bin gesund!

Gott! Gott! ich danke dir; und ihm!

Mutter und Elisabeth (umarmen Rübezahl von beiden Seiten).

O Herr! —

Gustav.

Gott wollt’s ihm segnen alle Stund’.

Rübezahl.

Nun, nun, nur nicht so ungestüm,

Mein Balsam hat den Dienst verrichtet;

Doch schwebt euch auch wohl noch im Sinn,

Zu welchem Geschenk ihr euch verpflichtet?

Elisabeth.

Da steht der Korb!

Mutter.

Nehmt alles hin!

Rübezahl.

Zuweilen die Menschen sich hoch vermessen,

Zu geben und schenken, was es auch sei;

Ist aber die Gefahr vorbei,

So wird das Gelübde gar oft vergessen.

Mutter.

Nein, zieh er nur hin mit der goldnen Bürde.

Elisabeth.

Auch nicht ein Blättchen nehmen wir an! —

Thomas.

Nun fühl ich erst wieder des Hausvaters Würde,

Da ich für die Meinigen arbeiten kann.

(Mutter und Kinder umschlingen den genesenden Thomas; währenddessen verwandelt sich Rübezahl.)

Alle.

Ha! Rübezahl! — der gute Geist!

(Sie heben die Hände zu ihm empor — er verschwindet.)

Anmerkungen zur Transkription

Die folgenden Korrekturen am Originaltext wurden vorgenommen:

  • dem — geändert in den
  • um — geändert in zum
  • schlimme — geändert in schlimmen
  • ("es" eingefügt) — geändert in es
  • plötz- — geändert in plötzlich
  • eine — geändert in ein
  • die — geändert in der
  • ihm — geändert in ihn
  • Perrücken — geändert in Perücken
  • Müssiggänger — geändert in Müßiggänger
  • multiple Wiederholungen von Ilse — geändert in Else
  • wir — geändert in mir
  • Riter — geändert in Ritter
  • seinen — geändert in seinem
  • seinen — geändert in seinem
  • dem — geändert in den
  • dem — geändert in den
  • Eßlöfel — geändert in Eßlöffel
  • Mäner — geändert in Männer
  • den — geändert in dem
  • Die — geändert in die
  • hälst — geändert in hältst
  • komen — geändert in kommen
  • zeriß — geändert in zerriß
  • den — geändert in dem
  • "Hocke forttragen könne. — Das hatte nun seine Richtigkeit und" — diese Zeile steht zweimal im Original (hier und weiter unten) und die eigentliche Zeile an dieser Stelle fehlt — auch in anderen Auflagen. — geändert in FEHLZEILE
  • seinen — geändert in seinem
  • Wad — geändert in Wald
  • einen — geändert in einem
  • ließen — geändert in ließ