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Rumänisches Tagebuch cover

Rumänisches Tagebuch

Chapter 20: Koczmás, 25. Oktober 1916
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About This Book

A series of dated wartime diary entries sketches the daily life of an officer on the Western Front in 1916, blending battlefield movements, administrative duties, encounters with civilians, and moments of private reflection. It records marches, quartering, shortages and inspections, censorship, fears and small acts of kindness, sensory impressions of landscape and weather, and the emotional weight of separations and relics from home. Observations alternate between logistical details and humane vignettes—children's drawings, wounded prisoners, and domestic exchanges—revealing how routine, memory, and the constant presence of violence shape perception.

Koczmás, 25. Oktober 1916

Heute gelangten wir den ganzen Tag nicht aus dem Nebel. Eine Art Blindheit befiel die Augen, und als wir nach vier Uhr in Koczmás ankamen, erfuhr ich ein Verfließen äußeren und inneren Gesichts, von dem ich mir guten Gewissens berichte, weil der Geist frei blieb und der Täuschung gelassen zusah. Ich hatte mich bei einem Fußkranken aufgehalten, fand mich schließlich allein auf der Straße und suchte auf einem Seitenweg mein Quartier, dessen Richtung mir bezeichnet worden war. Als ich einmal stehenblieb, um mich zurechtzufinden, hörte ich ein Rauschen in der Nähe; es klang wie der Brunnen vor dem Hause der Mutter in S., und gleich kamen mir Weg, Zaun und Nebelbäume bekannt vor. Jeden Pfahl, jeden Stein hatte ich früher schon einmal gesehen, und nun hörte ich auch das breite Brausen der Donau. Ein Haus aber, das verschwommen im Dunst erschien, formte sich bis in Einzelheiten zu dem mütterlichen Häuschen aus. Kaum eine Viertelminute dauerte der angenehme Trug; ich folgte dem Rauschen, das sich aber auf einmal abschwächte, und als ich vor der Haustür stand und meinen Namen las, den der Quartiermacher mit Kreide daran geschrieben hatte, war alles vorüber. Eine ganz alte Frau trat heraus und führte mich in ein Stübchen, das ich mit Leutnant T. teilen soll. Später brachte sie sonderbare Milchspeise, die mit einer dicken Zimt- und Zuckerkruste überzogen war, dazu sehr scharfen, mir ungenießbaren Schafkäse. Ich habe mich beim Stab entschuldigen lassen und esse mit T. zu Abend, helfe ihm auch wieder beim Zensieren der Briefe. Die alte Frau erscheint von Zeit zu Zeit, stellt sich mit verschränkten Armen in die Tür und betrachtet uns unverwandt. Ihre Mienen sind kummervoll, ihr Blick ungesammelt, und wenn ich der Frau von Szentlélek gedenke, muß ich mich fragen, ob es hierzulande nicht mehr verwirrte und entrückte Menschen gibt als anderswo. Dann und wann kommt eine stämmige blonde Tochter, stellt die Alte wegen ihres zudringlichen Verweilens zur Rede und führt sie wie ein unverbesserliches Kind immer wieder hinaus.