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Rumänisches Tagebuch cover

Rumänisches Tagebuch

Chapter 8: Am 13. Oktober
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About This Book

A series of dated wartime diary entries sketches the daily life of an officer on the Western Front in 1916, blending battlefield movements, administrative duties, encounters with civilians, and moments of private reflection. It records marches, quartering, shortages and inspections, censorship, fears and small acts of kindness, sensory impressions of landscape and weather, and the emotional weight of separations and relics from home. Observations alternate between logistical details and humane vignettes—children's drawings, wounded prisoners, and domestic exchanges—revealing how routine, memory, and the constant presence of violence shape perception.

Am 13. Oktober gegen abend wurden wir in Aubigny-au-Bac mit unbekanntem Ziele verladen. Es vollzog sich langsam und umständlich. Der kleine Kommandeur hält noch immer nicht viel von schwäbisch-bayrischer Gewandtheit und Findigkeit und will wieder alles allein tun, jede Feldküche, jedes Maschinengewehr selbst verstauen. Alles lacht und schimpft über ihn wie über das Urböse, während er mit kummervoll verbissenem Gesicht und heftigen spastischen Gebärden Befehle bellt, welche niemand versteht, bis endlich der Bahnhofkommandant ungeduldig wird und ihm hochmütig droht, er werde den Zug in fünf Minuten unter allen Umständen abfahren lassen. Dies gerät nun unserem aufgeregten Gebieter zum Heile; mit einem Schlag regen sich alle Hände für ihn. Denn wenn er uns auch oft gar zu sehr in Atem hält und mancher ihm eine kleine Unannehmlichkeit wohl gönnte, er ist doch unser Kamerad, und sein dürftiges, fahlgraugrünes Umhängchen, stearinsteif von den Kerzenlichtern vieler Unterstände und verdreckt von allen Erden Frankreichs und Flanderns, ist uns wahrlich ehrwürdiger als der nagelneue Prunkmantel des Herrn Oberstleutnants vom Bahnhof. Ungeheißen greift jetzt jeder zu, ein Viertelstündchen, und der Zug steht bereit.

Es begann aus tiefen Wolken zu regnen; ich fand Platz bei zwei Kompagnieführern, aß noch einen Apfel und wickelte mich in die Decke. Etwas Fieber scheint mir im Blute zu spuken, – wie froh bin ich, daß Ruhetage kommen und hinter ihnen eine große Reise! Ich schlief bald ein und träumte mancherlei. Einmal sah ich Vally mit Wilhelm an einem Tischchen sitzen. Sie hatten Spielkarten zu Reihen gelegt und sahen, die Stirnen in die Hände gestützt, Schachspielern ähnlich, darauf nieder. Später kam auch die kleine Regina, setzte sich zu ihnen und tat wie sie. Plötzlich zog sie einen versiegelten Brief hervor, hielt ihn mir hin, ohne von den Karten aufzublicken und sagte: „Es ist nichts Eiliges. Nur eine Botschaft vom Heiligen Geist.“ Beim Erwachen war mein Rücken feucht; ich merkte, daß das Fieber geschwunden war.