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Sagenbuch des Erzgebirges

Chapter 474: 471. Schwanhildis.
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About This Book

Eine systematische Sammlung von Volkssagen und Legenden aus dem Erzgebirge, die geographische Grenzen, historische Besiedlung und die Entwicklung des Bergbaus als Kontext darstellt. Der Text führt mündliche Überlieferungen, Chroniken und verstreute Quellen zusammen, ordnet Spuk‑, Gespenster‑, Dämonen‑ und Schatzsagen sowie Wander‑ und Herkunftsmotive und erläutert, wie Einwanderungen und bergmännische Traditionen Erzählstoffe überregional verbreiteten. Ergänzt wird die Sammlung durch erklärende Einleitungen und Anmerkungen, die helfen, lokale Varianten und gemeinsame Motive zu erkennen.

VIII.
Völker-, Helden- und Geschlechts-Sagen.

Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern des Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls nur zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls auf dem Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden und teilweise nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden haben. Ebenso arm sind die Sagen von bergentrückten Helden und versunkenen Kriegern; sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise gestalten sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die Sagen von den edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden, wenn Glieder der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig waren oder noch sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen, obschon sie wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten. Im Volksmunde haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind wohl kaum dem eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt geworden, und so finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder Grimm in der Vorrede zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben, daß sich nämlich die Sage um die seltsame Bildung eines Felsens dauernder, als um den Ruhm selbst der edelsten Geschlechter sammelt.

468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.

(Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 50. – Oettel, Alte und neue Historie der freien Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 3, 202.)

Bei Eibenstock sind von den alten Wenden noch verschiedene Spuren anzutreffen; z. B. an der Mulde gegen Schönheide liegt die Cunitzhöhe und die daneben am Dorfbache liegenden Wiesen heißen die wendischen. In derselben Gegend hat auch ein Dorf gestanden und der über der Mulde angebaute Hammer hat sonst Windischthal geheißen. Ferner die anstreichende Höhe von der Mulde nach der Stadt zu heißt noch jetzt der wendische Berg oder wendische Knock, und die auf derselben Höhe befindlichen drei Freihöfe sollen aus einem zerteilten Rittergut entstanden und nach der Überlieferung die Wohnung des vornehmsten wendischen Herrn gewesen sein. Dieselben haben auch mit der Schwarzenberger Herrschaft keine Verbindung gehabt und bereits mit der Lehnsfolge nach Dresden gehört, ehe noch Eibenstock mit Schwarzenberg an das Kurhaus Sachsen verkauft wurde. – Man ist auch der Meinung, es wäre mit dem Seifen des Zwitters der Anbau Eibenstocks erfolgt, und die Wenden hätten schon den ganzen Grund der Wendisch- oder Windischwiesen bis an die jetzige Stadt ausgeseift.

469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 69.)

Der am Fuße des Erzgebirges, 1½ Stunde südlich von Zwickau liegende Ort Rottmannsdorf, welchen man zum Unterschiede von Alt-Rottmannsdorf auch Wendisch-Rottmannsdorf nennt, soll von Wenden bewohnt gewesen sein, die später vom Landesherrn genötigt wurden, in die Lausitz auszuwandern.

Der Zusatz »Wendisch« zu dem Namen Rottmannsdorf, welcher sich auch häufig in andern jetzt deutschen Provinzen und Ländern, wie in der Altmark und in Thüringen findet, oder welcher wenigstem früher daselbst gebräuchlich war, weist vielleicht darauf hin, daß sich in dem Dorfe unter den Bewohnern die slavische Sprache und slavische Gebräuche und Sitten länger als anderswo erhielten. Im alten Pleißnerlande behielten die daselbst wohnenden Nachkommen der ehemaligen sorbischen Bevölkerung lange Zeit ihre Sprache bei, so daß man sie auch vor Gericht hören mußte. Im Jahre 1327 ward aber ernstlich anbefohlen, daß weder Parteien noch Advokaten ihre Klagen und Verantwortungen in wendischer, sondern allein in deutscher Sprache anbringen sollten. (Gottl. Göpfert, Gesch. d. Pleißnergrundes, S. 18.)

470. Der Riese Einheer.

(Tob. Schmidt, Chronica Cygnea, II, 1656, S. 5 und 6.)

Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, die aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von Zwickau, um hier, sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe die mit den Böhmen verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege hat auch die Fürstin Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser getreulich gedient, so daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur Mark wider die Wenden und Böhmen machte. In derselben Zeit lebte auch ein Riese oder Recke, der hieß Einheer (sein rechter Name ist aber Aenotherus gewesen) und war ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau in der Schweiz. Dieser watete durch alle Wasser, durfte über keine Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem Schwanze nach und sagte allezeit: »Nun Gesell, du mußt auch hernach«. In den genannten Kriegen des Kaisers half er diesem gegen die Wenden. Er mähete die Leute wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug sie über den Achseln wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam und seine guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet hätte und wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und Zorn: »Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben oder achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken, ist der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und Wenden und meinten, er wäre der leidige Teufel.

Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau. Es heißt darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in Kriegen schier einem Heer vergleicht und also viel ausrichtet.

471. Schwanhildis.

(Tob. Schmidt, Chronica Cygnea, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)

Aus dem Geschlechte der Cygnus ist entsprossen Schwanhildis, der letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels, eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich, daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis Epitaphium gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche, welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. – Dieselbe hat Karls des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan.

472. Libussas Tanzplatz.

(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 112.)

Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus, in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben.

473. Die Herren von Einsiedel.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen, Adelslex. I, 364. Peccenstein, Theatrum Sax. I, 73. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)

Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte nicht festgestellt ist.

Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären suchen, damit in Verbindung gebracht werden können.

Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen. Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde. Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.

Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard). Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück.

474. Die Herren von Rechenberg.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332. Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles. Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S. 129.)

In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses, welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor.

Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb. Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt.

Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust, aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten Vorderbeinen ohne Krone und Federn.

475. Die Herren von Sebottendorf.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. I, S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)

Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo ihre Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen hatten, waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz und Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige Dorf wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. Ein Herr von Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher Majestät geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem Namen »Seebote« beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches im Schilde eine Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, auf dem Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden Seerosen enthält.

476. Das Geschlecht Callenberg.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher, Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, Sagenbuch der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 193.)

Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des Begründers, Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen Gräfin von Callenberg aus Muskau, benannt.

Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung von Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen Otto Wilhelm erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von Callenberg, von der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses aus mit vieler Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau betrachtet habe, 1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren von dem verwitweten Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) genannt.

Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei Marburg. Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser Karl der Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in jene Gegend schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen Einwohner zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der Mark bekriegte, kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg und ließen sich dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit gegen die Saracenen.

Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das »Rennfeld«. Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst geschehenen Treffen, bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben sind, oder davon abgeleitet, daß hier ehemals ritterliche Übungen auf einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses Lichtenstein gehalten wurden.

477. Die Familie von Berbisdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)

Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, hat die Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis 1767, da Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut Lippersdorf besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme mit dem leuchtenden Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt darüber: »Anno 1140 hat der Großmeister Weinrich von Kniprode mit Knisdude, Fürstin zu Littaw, so eine Hewdin (Heidin) gewesen, eine Schlacht vor Khaen in Littaw gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich gewesen, und sein Fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen gewesen, im Maule davon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens willen er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein Wappen mit dem abgehawenen gekrönten schwartz und rothen Armen (welches ohne Zweiffel blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den darüber leuchtenden Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«

Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister blieben, auch allda Anno 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen, hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey Freybergk erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) 4000 Rheinische Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so geschehen Ao. 1300.«

478. Die Herren von Hartitzsch.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)

Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die von Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, erzählt man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen Kaiser auf der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, und sei nachher von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in dem Hartitzschen Wappen hindeuten.

Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der reichen Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im Rate zu Freiberg bekleidet.

479. Die Herren von Pardubitz.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)

Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158 Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend, und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten Felde zum Wappen.

480. Geschlecht von Vitzthum.

(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I. II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)

Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den Vicedominis, welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.

481. Die Herren von Wildenfels.

(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)

Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233 Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602 ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde.

482. Die Herren von Ortwinsdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)

Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben, und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte, welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen. Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von Remse als Wildenfelser Afterlehen. – Vielleicht dankt auch das Dorf seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734. S. 18).

483. Geschlecht von Arnim.

(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)

Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit Kainsdorf, Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde zwei silberne Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach rühren dieselben davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die Friesen der Feldherr einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine hölzerne Brücke, welche zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen liegend, diesen die Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. Der tapfere Mann vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins Wasser zu werfen, sondern es blieben zwei übrig, über welche die nachsetzenden Friesen das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim ließ sich nicht von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich so lange zu halten, bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von dem Grafen von Holland, seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und das obengedachte Wappen. Später nannten sich die Arnheims Arnim.

484. Geschlecht von Auerswald.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)

Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren von Auerswald, deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt geworden ist. Der erste dieses Geschlechts, so aus Preußen gekommen und Oberster gewesen ist, hat ein gräfliches Fräulein von Dohna geheiratet und ist vom Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, so er erbauet und nach seinem Namen genannt, belehnt worden. Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die Herren von Auerswald hier ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen leben noch im Königreiche Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren von Schönberg hier Gerichtsherren gewesen.

485. Die Herren von Bünau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)

Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; ein Heinrich von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau an den Zwickauer Rat. (Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)

Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst in Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser habe mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten sie sich an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen aber auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. Ihr Wappen, ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch das Wappen jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im Turnierbuche Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen Witwe Günthers von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom Markgraf Ludolph von Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen Turniere zu Braunschweig den vierten Dank dem Turniervogt Kilian von Wolfskäl, einem Franken gab, so mußten die Herren von Bünau eher aus Italien als erst im Jahre 1232 nach Deutschland gekommen sein, wenn sie italienischer Abkunft wären. Einer aus diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun aber Kurfürst von Trier gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II. (nach anderen sei das viel früher geschehen und zwar unter Kaiser Konrad III. und jener Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier, sondern von Mainz gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät folgende drei Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem Geschlechte der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein (rotes) Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die von Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz, welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten S. K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. Weil nun seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, habe er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum ewigen Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich an je zwei in Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von deren Einkommen das ganze Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein aber meldet in seinem Theatr. Saxon. I. No. 50 von den drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolph, daß solches aus einem besonderen Zufall und Betrug eines, so sich ihres Stammes gerühmt und damit ein Falsum gebraucht, auch allerhand Unglück gestiftet, nach deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen sein sollte, oder daß vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr 1608) das Geschlecht bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte, da dann diese damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen fort und fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später geschehen, erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder dieser Familie gefallen waren.)

486. Die Ritter von Bärenstein.

(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)

In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), Walzig v. Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 oder 1315?). Ein Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem Schlosse Bärenstein wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, da er auf seine Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches der Herzog von Baiern und König von Sardinien anstellten, beiwohnte. Früher schrieben sich die in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter von »Bernstein«, weil sie aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen sollen und dieser Name dort mehr (z. B. Bern) angetroffen wird. Späterhin schrieb man aber, wahrscheinlich wegen der früher in der Gegend hausenden vielen Bären und wegen einer gehabten sehr glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«. Viele andere Orte in der Nähe haben davon ihre Namen, als: Bärenklau, Bärenhecke, Bärenburg, Bärenfels, Bärenklause u. s. w.

Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: Ein in silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit geschickter Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.

487. Das Geschlecht von Lüttichau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach Hesekiel, Wappensagen, S. 175.)

Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und drei schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll einst ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im Felde gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, allein ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen Reiterei des Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf seinem Helme auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze Hahn« erhalten hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die Reihen der Gegner gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen die Schlacht gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den Namen Lüttichau, weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, und als Wappen zwei Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, verliehen.

Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige Besitzer der bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und Nieder-Ulbersdorf, sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein, Hammerbärenklau, Groß- und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt.

488. Das Wappenschild der Schönburge.

(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.)

In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf dem Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn im weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der hohe Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte Nachwelt forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!« Da nahten sich ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die Kleinode in ihren Wappenschildern oder fügte denselben neue bei. Jetzt fiel sein Blick auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach, ohne Kleinod war das Silberschild des blonden jugendlichen Helden. »Schönburg!« sprach zu ihm der große König, »auch Deine Thaten sah ich in dem letzten Kampfe, auch Deiner Tapferkeit verdanke ich den Sieg; willst Du kein Kleinod in das Wappenschild?« Da erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener Herr und König! Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt für Dich, ohne für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein sei es in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit wahres Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue Vorbild Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden kommen!« Und sie kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog der Sachsen, als Feind gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare Schlacht entbrannte; Karl wurde umgangen, die Felsen im Rücken seines Heeres waren vom Feinde besetzt, Steine hagelten nieder und entwurzelte Baumstämme rollten auf die Streitenden herab. Da zerschmetterte ein Felsenstück Kaiser Karls Schild und seine Brust war nun den Waffen der Feinde freigegeben. In dieser Not erhob sich aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten einer. Blässe deckte das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen Brust. Er reichte dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder nieder. Die Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn sie hatten den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und zum Tode getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute erfüllt und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man suchte einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe schlug die Augen auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein Herr und König!« Der Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse Lippe geküßt: »Du hast vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin ich und Dein Freund!« Dann berührte er mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger seiner Rechten die blutende Wunde und strich mit der Wunde reinem Blute zweimal über das silberfarbene, herzförmige Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des edlen reinen, für Christentum, König und Vaterland vergossenen Blutes es verherrlichten. »Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut das Wappenkleinod Deines Hauses!«

489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.

(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 58.)

In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit Jahrhunderten auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf Purschenstein angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein Ritter aus dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der Jagd an einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren, von einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter so zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie nun der Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward, da fand es sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und grün aussah. Der Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit in sein Wappen einen kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün, der Oberleib aber rot ist, aufgenommen.

490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.)

Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau in der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil er kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr werde in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf geschehen ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux geblieben, sondern auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig reich geworden, daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei nebeneinander gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau geführt wurden, davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die Silberstraße genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu jener Zeit eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist. Weil aber das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein kleines Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann auch wohl ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt haben kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat drei Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben nach Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er nun nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet, welche er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse. Aber diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu Markte, da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause zurückmachen müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein Vorhaben dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur das Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er gesagt, er habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da antworteten sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen wolle? Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm gegangen, dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der Probierung, als jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er ihm noch ein Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen werde, wolle er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt: Ja Herr, wenn es mehr wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg wohl thun! Darauf hat er ihm die drei Wagen mit Silber beladen gezeigt und gesagt, er habe dessen noch mehr. Darüber ist der Kämmerer sehr erschrocken und hat nicht gewußt, wie er mit ihm daran sei, hat aber gesagt, er wolle es den Herrn anzeigen. Nach diesem ist ihm für so viele Zentner Silbers, als er gehabt, ebensoviel gemünztes Geld zugewogen, er von ihnen zu Gaste geladen und herrlich traktiert und für einen gnädigen Herrn tituliert und geehrt worden. Als er nun seine Ware losgeworden, ist er wiederum mit seinen drei Wagen mit Geld beladen nach Zwickau gekommen. Darauf hat aber Herzog Albrecht von Sachsen zu ihm geschickt, ob er ihm auf seiner weiten Reise zum heiligen Grabe mit etlichen tausend Gulden dienen könne, worauf er denn zurück gemeldet hat, dafern es seiner fürstlichen Gnade gefällig, so wolle er selbst mit, welches denn auch geschehen, und hat dieser Römer seinen Fürsten mit 150 Pferden bis zum heiligen Grabe und dann wieder anheim freigehalten und endlich quittiert, welche Reise ohne Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird gekostet haben. Darum ist er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen und er und die Seinen edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die Römer, so in Zwickau wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen Pilgerstab) im Wappen. Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am Markte eine Gasse lang nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte nebst dem Kornhause am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das Kornhaus dem Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter geschenkt und sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also daß sie nur Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen und studieren würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren Eltern nichts koste, sie möchten studieren, wo sie wollten.

491. Die Siebenschläfer.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)

Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre lang schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal den Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen und ihnen helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb gefärbt von dem Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen, und auf dem Berge liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde abgedrückt sind. Früher soll den Schloßberg eine Mauer umgeben haben; es ist aber davon nichts mehr übrig, als das Thor, durch welches die Ritter aus- und einritten. Bei diesem Thore soll in der Nacht von 12–1 Uhr ein großer, starker Mann ohne Kopf umgehen.

Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende Gott Wuotan mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in den kalten Wintertagen Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte, da glaubte man, daß die Winterdämonen zur Herrschaft gelangt seien. Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg, nach späteren Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen, um hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings zu warten. Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres Volks, der in einem Berge schlafend auf die Wiedergeburt des deutschen Reiches harrt. So schläft nach der Sage Karl der Große in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der Vogelsteller im Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern die Stelle des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage der Böhmen vom Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick zurückzuführen. – Die Sage von den Siebenschläfern im Schloßberge zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem bestimmten Helden, der an die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das Gepräge der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter, welche den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge Wuotans, auf welchen vielleicht die Abdrücke der Hufe in den Steinen und die gespenstische Erscheinung eines großen Mannes ohne Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben, weisen ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst im wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen ab und blieb an einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf erinnert an den wilden Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle getreten ist. (Mannhardt a. a. O. S. 135.)

492. Die Türkenheide.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)

In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück sumpfiges Land aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide bekannt ist. Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von einem Regimente Türken haben, welche hier, als sie ins Gebirge dringen wollten, versunken sind. In der Karwoche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen sich dort blaue Flämmchen sehen lassen und türkische Musik und Pferdegetrappe zu hören sein.

Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem versunkenen Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in jene Gegend gekommen sind. Hängt der Name vielleicht mit einer Begebenheit, welche Dr. Joh. Pöschel (Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen? Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von Preßnitz und Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich Türck. Als nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General Gallas, welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere an Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kontribution. Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. Gallas entsandte 2000 Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß gegen die Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide. Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen animirt und abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich wenn er darbey wahr vnd ihnen zusprach.« – Es drängt sich die Vermutung auf, daß die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem Bauernanführer Friedrich Türck erhalten hat.

493. Die Korporallöcher bei Schönau.

(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.)

Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts der Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht, es sei im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit weißlichem Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen.