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Sagenbuch des Erzgebirges

Chapter 651: 648. Die Grillenburg.
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About This Book

Eine systematische Sammlung von Volkssagen und Legenden aus dem Erzgebirge, die geographische Grenzen, historische Besiedlung und die Entwicklung des Bergbaus als Kontext darstellt. Der Text führt mündliche Überlieferungen, Chroniken und verstreute Quellen zusammen, ordnet Spuk‑, Gespenster‑, Dämonen‑ und Schatzsagen sowie Wander‑ und Herkunftsmotive und erläutert, wie Einwanderungen und bergmännische Traditionen Erzählstoffe überregional verbreiteten. Ergänzt wird die Sammlung durch erklärende Einleitungen und Anmerkungen, die helfen, lokale Varianten und gemeinsame Motive zu erkennen.

Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) – Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10–13.)

Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?

592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.

(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)

Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.

593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.

(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)

Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl hervorgequollen sei.

594. Der Claußberg in Schneeberg.

(Meltzer, Hist. Schneeberg., 1716, S. 24.)

Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll.

595. Der Galgenberg bei Euba.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)

Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg.

596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.

(Dr. Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)

Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden »Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.

Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels »Buttertöpfchen«.

597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.

(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)

In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.

598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.

(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)

Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.

Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz bewachen.

Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen den Felsen nieder.

In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.

599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.

(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)

Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.

Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:

Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch bei Außig.

600. Von den Namen einiger Brunnen.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)

1) Der Jüdenbrunnen bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.

2) Mit dem Wasser des Löffelbrunnens auf Satzunger und Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.

3) An dem Traubrunnen zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die Eheleute getraut.

4) Der kurfürstliche Jagdbrunnen liegt eine Meile von Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern.

5) Der süße Kühl- und Löschbrunnen zu Schlettau. Am 23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.

6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt Finkenbrunnen. Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.

7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die Goldbörner heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte.

8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der Goldborn heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.

In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.

9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der Zigeunerbrunnen. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; daher der Name desselben.

601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.

1) »Grauen Manns Fundgrube« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren.

2) »Glockenklang und Vogelgesanger Fdgr.« bei Johanngeorgenstadt hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.

3) »Hohe Tanne« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.

4) »Scheller Traum« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.

(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.)

5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein alter Stollen, das Bocksloch genannt. In demselben soll sich ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die Vorübergehenden zu necken.

(Meltzer, Historia Schneebergensis, 1716, S. 47.)

6) Die fruchtbare Thorheit, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)

602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.

(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)

Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.

603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.

(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 150.)

In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen und ihn zu rufen pflegte: Bacchale patszem! welches in böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen Bacchale zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.

604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.

(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)

Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.

605. Das Stadtwappen von Geyer.

(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, 1740, S. 31 u. 32.)

Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.

606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.

(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.)

Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.

607. Das Stadtwappen von Öderan.

(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.)

Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, um damit anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder 13. Jahrhundert ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze eine Herberge erbaute. Bald gesellten sich noch andere Anbauer und unter anderen einige Mönche hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein großes Kreuz aufpflanzten und Vorübergehende um Almosen ansprachen. Man nannte sie »Schmerbrüder«, und es soll zu diesem Namen die Wagenschmiere den Fuhrleuten Veranlassung gegeben haben, wie alte Erzählungen berichten, nach denen auch der lang erhaltene Gebrauch des schwarzen Siegels bei dem Rate zu Öderan darauf zurückzuführen ist.

608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.

(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)

Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden, sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben.

609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.

(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)

Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst aufgehalten haben, ableiten.

610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.

(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)

Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.

611. Das Wappen der Stadt Zwickau.

(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea. Zwickau, 1656, S. 136.)

Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot, oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt, daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß, und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron gegeben.

Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.

612. Das Wappen der Stadt Freiberg.

(Moller, Theatrum Freibergense Chronicum. Freiberg, 1653, S. 21.)

Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für geleistete Dienste dazu verliehen haben.

613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.

(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge, 2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)

Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.

In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.

614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)

Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt Dippoldiswalde war.

615. Siegel der Stadt Frauenstein.

(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)

Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.

Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.

616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.

(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)

Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht, der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden Walde zu flüchten.

617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.

(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)

Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.

Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache, welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt deshalb einen Auerhahn am Bache.

618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.

(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea, Zwickau, 1656, S. 37.)

Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf dergleichen Zeichen zu achten pflegten.

619. Die Wahrzeichen Freibergs.

(Moller, Theatrum Freibergense Chron., 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)

Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der 1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. – Als Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand, sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.

Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.

Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. Vulpius (Plagium Kauffungense, als Beigabe zu Dr. Daniel Wilh. Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702 der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war, daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen, in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget, gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf recta darauff.«

Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube, über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten vierecketen Stein.«

620. Wahrzeichen von Crimmitschau.

(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)

Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf dem Markte eingemauert war.

621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.

(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)

Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache 1415 geschehen.

Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.

622. Das Wahrzeichen von Tharand.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)

Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Ort selbst Granaten hieß.

623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)

Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein »Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.

Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.

624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.

(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)

Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!) gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein.

625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.

(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)

Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16. Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen, gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten Dienerkornes genießen.

626. Die wüste Mark Kraxdorf.

(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A. Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)

Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.

In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten.

627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.

(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)

Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht. Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten.

628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und Königswalde.

(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea. II, 1656, S. 157. G. Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)

Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde, findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt, daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen, weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)

629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.

(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863, S. 3. Der Schluß mündlich.)

Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.

630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.

(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1. Teil, 1776, S. 111.)

In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit Namen Kempfersgrün gestanden haben.

631. Die wüste Mark Oberopritz.

(Dr. Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. 92.)

Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein mündet, die Wüstung Niederopritz.

632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.

(Dr. Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)

1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 16. B., S. 19.)

2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes, in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her, deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 114.)

3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels- oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz (Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.

633. Wüste Marken bei Augustusburg.

(Dr. Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)

1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.

2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag.

3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen »Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg, 1750, S. 268.)

634. Von früheren Festen bei Schneeberg.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 14.)

Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher. Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut befindet, eine Warte gestanden haben.

635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)

Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen, weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist. Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und Ackerbeete.

636. Die wüste Mark Eibendorf.

(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)

Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden sein soll.

637. Die wüste Mark Nennigkau.

(Dr. Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)

Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet.

638. Wüstungen bei Bärenstein.

(Dr. Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)

Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im 30jährigen Kriege zerstört wurde.

639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.

(Dr. Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)

Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das Dorf Kuhren stand.

Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)

640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.

(Dr. Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)

I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.

II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.

III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme als Decem gehalten haben.

641. Die Wüstung Sahnau.

(Dr. Herzog a. a. O., S. 109.)

In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.

642 Die Wüstung Rappendorf.

(Dr. Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)

In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen gefunden.

643. Die Wüstung Boberau.

(Herzog a. a. O., S. 64.)

An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.

644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.

(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)

Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.

645. Die wüste Mark Warnsdorf.

(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 174)

In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.

646. Die ehemalige Burg Sohra.

(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)

Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.

647. Alt-Elbogen.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)

Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.

Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.

648. Die Grillenburg.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und Dörfer, 1727, II, S. 287.)

Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich gestatten würde.

Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht, sie lauteten: