Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen, da die grüngekleidete Frau an Holzweibchen erinnert, welche im Vogtlande grün erscheinen. Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, die zu den Pflanzendämonen gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße erscheinenden Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die Leute im Walde irre führen, verwandt sind.
Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün gekleidet. (Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)
62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.
(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)
Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue ein Fräulein gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der Mulde dahin schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst eines Sonntags in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle gingen, um daselbst Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die sogenannte Ochsenwiese und den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese kamen, setzten sie sich nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei kamen sie auf den Gedanken, dem Fräulein ein Morgenständchen zu bringen, und als sie eine Weile geblasen hatten, näherte sich ihnen das in einen Schleier gehüllte Fräulein und warf jedem ein Sträußchen in den Schoß. Der eine von ihnen steckte dasselbe in eine Tasche seines Kittels, der andere aber warf es weg. Als am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen eingesteckt hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe so schwer vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er sein Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte. Voll Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe eilends nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen, konnte er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder nach Hause zurückkehren.
Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des Nachts am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher in der Burg umgeht, ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält ein grünes Buchenreis, welches jedoch nur einer behält; am andern Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 193.)
63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.
(Mündlich.)
Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von ihr beschenkt. – Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit dieser Frau hat, kann niemand sagen.
64. Die alte Frau in der Isenburg.
(Mündlich.)
In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt, deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder erschienen.
65. Das Fegeweib vom Katzenstein.
(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27. Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)
In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen, sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.
66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.
(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)
Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur zu Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen Trauerhabit anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu Glauchau früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin vertreten habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus Leipzig, namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, in welchem sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, dann hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen gelegen, gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn Löffel fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des Superintendenten langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube seiner Frau, welche an der Wand gehangen, heruntergenommen, den Mantel und die Schaube oben darauf umgenommen und ist so in der Stube herumspaziert, als aber das Kindermädchen darüber gelacht und gesagt: »Was macht denn der Narr!« ist es ihr schlecht bekommen, denn sie hat augenblicklich im Munde und Gesicht heiße Blasen bekommen und deshalb 14 Tage das Bett hüten müssen. So oft aber, als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A. Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern, es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern hat sich nur durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren Steine in die Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden ist; darauf ist es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten Ziege den Hals umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine Henne erdrückt. Seit dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Nähterin gekommen und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten, sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, hat sie es doch nicht lassen können, sondern gefragt, was es denn wolle, worauf es mit einer ganz ungewöhnlichen Stimme geantwortet, sie solle mit ihm gehen und einen Schatz heben, der gehöre zwar dem Superintendenten, allein sie solle davon allen im Hause soviel bringen, daß sie alle genug hätten.
Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in den Händen haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal hinaus von selbst auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten Mönchen entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, der sich nach ihr hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: Ach Jesus! Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, daß es schien, es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf ist sie vor Schreck davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in das Schlafgemach des Superintendenten gekommen, der von dem Lärm aufgewacht war und gemeint hatte, es sei ein großer Stein in seine Studierstube geworfen worden. Als er aber die Nähterin erblickt, hat er ihr zugerufen zu beten, und selbst angefangen zu singen; das Mädchen aber hat gesehen, wie die ganze Kammer nach und nach durch das Absingen der geistlichen Lieder von den schwarzen Mönchen, mit denen sie angefüllt war, leer ward. In der nächsten Nacht ist das Gespenst zu der Nähterin, die mittlerweile krank geworden war, wiedergekommen und hat gesagt, sie hätte sich nicht fürchten sollen, denn die schwarzen Männer würden ihr nichts gethan haben, der Schatz stehe schon außen und bestehe aus Kirchenkleinodien, welche vor etlichen 100 Jahren dorthin gebracht worden seien, sie möge nur nachsuchen lassen, so würden sich gewiß Vorzeichen finden. Als man nun nachgesucht, haben sich verschiedene Gefäße von Zinn und etliche Lampen von Thon gefunden, welche noch so neu und weiß waren, als wenn sie erst gestern hineingelegt worden wären. Unter der Grundmauer hat man auch ein mit Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende desselben starke Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne Schiefertafeln gefunden, mit welchen das Behältnis oder die Kästen zu den Kleinodien bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber nicht mehr zu sehen gewesen, sondern waren, wie man meinte, verrückt worden. Aber über den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat, gelegen, auf welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist. Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen. Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, welche vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, so zu diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. Es hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches nicht wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn nachdem man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die Ziegelsteine herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, ob sich etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen Bratspieß mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem gegen den Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg wieder einzufüllen, hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um sich geworfen, daß die Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch in der folgenden Nacht die Betten des Frauenvolks mit Schutt und Erde bestreut, daß darüber etlichen, zumal den Mägden, der Mund mit Erde angefüllt ward, den sie im Schlafen offen gehalten.
Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein gehen wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, sie habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen. Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes sich das Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund Schlüssel in die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten schlief, und sagte: Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als später die Kindermagd einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, ist das Gespenst darauf losgegangen und hat es aus dem Bett reißen wollen mit den Worten: »Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß, das Gespenst aber hat das Kind fahren lassen und ist auf die Magd gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, daß sie kaum mehr Atem holen können. Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der eigenen Schlafkammer des Superintendenten, wo dessen Söhnlein in einem Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat dasselbe öfter beunruhigt, die Flügel in dem Bettchen aufgemacht und es gereizt, es solle aufstehen und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe Pfennige geben, es hat auch dergleichen Goldstücke mitgebracht und dem Kinde gezeigt. Während dem ist aber die Nähterin einmal über das andere von dem Gespenste genötigt worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen werde, es solle weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie werde soviel finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde. Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat, welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock, den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn des Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich darüber aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen gegeben, daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken Hand fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen, Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches alle im Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der Nähterin an die Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen Hund sitzen, der eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist aber davon noch mehr erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, Hund beißt! Hund beißt! worauf es sich aus den Händen des Gespenstes gerissen und wieder in die Studierstube gelaufen ist. Da nun die Nähterin solches gesehen, entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls um, allein es ist ihr wie das erste Mal nicht wohl bekommen, sondern die bösen Geister haben sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen und etliche Mal wider den Boden gestoßen, wobei es ihr vorgekommen ist, als wenn neben ihrem Kopfe lauter Pistolen losgeschossen würden. Indem sie nun noch mit großer Mühe in die Studierstube gekommen und niedergesunken, nicht wissend, wo sie sei noch wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein umgewandt, sie bei der Hand genommen, und vollends in seines Vaters Schlafkammer geführt, wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer gelaufen kamen und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde des Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil sie zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie jedoch fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf in der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft, so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht ganz still geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem Spuk hören lassen.
67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 453.)
In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau und ward gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf ein Student auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften der Grabsteine. Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende Frauensperson stehen, die auf sein Befragen, warum sie das thue, antwortet: »Ach, daß Gott erbarm, ein Kind und keine Windeln!« Da hat der Student aus Mitleid sein Halstuch abgebunden und es ihr zugeworfen, worauf sie sogleich verschwunden war. Nun hat den Studenten eine große Angst befallen, es möge diese Person kein lebendes Wesen, sondern ein Gespenst gewesen sein, er ist also sogleich zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen und hat die Sache angezeigt, worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen ließ und man fand, daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte, welches tot zu ihren Füßen in das Halstuch des Studenten, welches dieser, durch seinen darin gestickten Namen als sein recognosciert hat, eingewickelt lag.
68. Der Katzenhans und seine Genossen.
(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)
Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein schmaler Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem die Sage den Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein weithin tönendes »hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und treibt ihn auf Irrwege. Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft über Crottendorf hinweg nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem Orte und Scheibenberg, um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage berichtet aber nicht mehr, wer jener Katzenhans gewesen sei und woher es komme, daß er gerade dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger ist der Glasmeister mit sehr großen Glasaugen, der in der oberen Braunelle, da, wo die Straße von Neudorf nach Crottendorf den Wald durchschneidet, den Wanderer in der Nacht schreckt und irre führt. Ob sein Herkommen auf die ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf zurückzuführen ist, weiß aber niemand zu sagen. – Ist nun der Fußgänger des Nachts glücklich durch Ober-Crottendorf und ein gutes Stück auf der Straße nach Scheibenberg weiter gekommen, so begleitet ihn eine gespenstische Laterne eine gute Strecke.
In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden des Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach auf- und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück verkündet, wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe des Ortes, wo die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein Feuer entstehen werde.
Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische Sage. Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem Laufe des Wassers oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die ihn Begegnenden führt er irre. Sein Roß hat er sich aus dem Meere geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche Schimmel daraus hervor, ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn aufsitzen, trug ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt, die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 54.)
69. Der Rachhals zu Aue.
(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)
In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals. Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine Furcht ein, so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem Wege ging. Nach seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine finstere Kammer seines Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt worden und spuke darin um Mitternacht. Die Kammer hatte nur ein kleines Fenster nach dem Hofe, und es wurde erzählt, sobald dieses Fenster geöffnet werden würde, sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig aber würde auch das Haus abbrennen. Das Haus stand in der Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel. Als daselbst im Jahre 1859 Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals Rachhals'sche Haus ein Raub der Flammen.
70. Das Hammergespenst.
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)
Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte zugetragen, daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld ins nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, begegnet ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor zwei Jahren gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg angezogen gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du es? Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der Knabe erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er nicht verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. Da der Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie müde bin ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen Hammer, an dem Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und damit däuchte es dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein Gebüsch gehen mußte, da fing sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer, die den Hammermeister umringten. Bald verwandelten sie sich in große rote Hirsche, daß der Knabe nicht wußte, wo aus oder ein; bald sah er einen Mann kommen, der hatte eine Rute in der Hand und drohte damit den Gespenstern und den Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn noch eines Stück Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, lehnte sich's noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf unter die Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.
Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein guter Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, ein geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch hat der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. Er ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die Arbeiter, daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe und Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr über eine unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie heimfahren und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel wieder an und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 schlägt er stark an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post und macht auf; da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz und mit einem spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begehet andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor diesem gespenstischen Gaste sehr gefürchtet haben.
71. Der unheimliche Hansmichel.
(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. 1879. S. 60.)
Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich der wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, kommt nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel dahergebraust. In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen stürmt er beim Glaserbergel über den Ort und verschwindet im Walde. Während seiner rasenden Fahrt läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, bethört dadurch die Wanderer in der Waldung und leitet sie auf falsche Wege. Früher hauste der unheimliche Hansmichel auch mit besonderer Vorliebe am sogenannten Hammerwege. Nach der Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter Spindlerhofes gewesen und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu dieser ruhelosen Luftfahrt verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat sich der unheimliche Hansmichel nie gezeigt.
72. Der rote Hohensteiner.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf seiner Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht.
Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der Teufel hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote Lütli, Tüfelshüttli« und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot wurdist« heißt: »Daß Dich der Teufel holte!« Der einen roten Bart tragende Gewittergott Donar wurde zum Teufel. (Rochholz, deutscher Brauch und Glaube. II. S. 224.)
73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)
Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, fand sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte ihn Vollmer den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die Liebe der schönen Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, gewonnen, und dieselbe hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie ehelichen. So ritt er denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor ein, zog ersteres, ohne daß jemand es sah, – nur hören konnte man seinen Tritt, – in den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am Schall seines Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam ihm seine Braut entgegen, der reichte er seine Hand, – das war der einzige fühlbare Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt – und nun sprachen und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. Dann schritten sie in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des Fräuleins harrte, und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken nach Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der Wein in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es hinkam. Man hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der Graf, dem früher vor seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte immer mehr Neigung zu ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen Berater und Warner bei bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl vorüber war, verließ der Graf die beiden Brautleute, und so saßen sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm der gespenstische Gast eilig Abschied, so trieb er es viele Jahre; da äußerte einmal das Fräulein, wie sie sich nach einem Kusse von seinem Munde sehne, und siehe, ihr geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe wohl auf ewig; weil ich an Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ ich mein himmlisches Reich, um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische Liebe denkst, ist mein Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie wieder!« Damit verschwand er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe empfunden.
74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters hat sich am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, des Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen lassen, welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, übel bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das Gespenst in seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den Berg hinunter geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg verwundet. Einen Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain heimgeritten, hat's mit dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, und ist der Richter mit großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.
75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.
(Alfr. Moschkau in der Saxonia II., S. 91.)
Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in alten Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese Wesen meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt man sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, in den Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen versucht, sich in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.
76. Der Mönch von Komotau.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)
Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand desselben bemerkt man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht vom Rathause bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen ist die ganze Stadt abgebrannt.
77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)
Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, erzählte, daß er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus schönen Brunnen angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen geleuchtet habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen Quell zu betrachten und wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein auf einer Seiten, auf der anderen aber ein Mönch mit einem offenen Buche gesessen, darüber er erschrocken und davon gelaufen. Er habe aber seit dieser Zeit den Brunnen nicht wieder antreffen können.
78. Der Laternenmann in Alberode.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, entsteigt dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr ein Mönch mit einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der Laternenmann genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes auf dem Marktsteige nach dem Klosterholze und verschwindet in einem Keller des Rittergutes Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.
In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne bei Hackpfiffel in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a. O. No. 195.) Wir finden überhaupt, daß in den Sagen von Laternen tragenden und feurigen Männern, sowie von Irrlichtern mancherlei Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. heißt das Irrlicht »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das »Lichtmandl« hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte, als es derselbe anrief, ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr. Touristenzeitung 1884, No. 21.)
79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)
In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man die Stube reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. Dieser Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil treiben wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz gekommen, und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn sehen wollen. Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, hat er es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel Mühe gegeben. So ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von Kameraden einmal nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an und als unterdessen seine Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er später aussagte, von einem Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich – es war gerade Winterszeit – geworfen worden, und hat ihn derselbe dermaßen geängstigt, daß, als seine Kameraden, die wieder umkehrten, ihn suchten, sie ihn winselnd und fast vor Schrecken stumm antrafen, für tot herauszogen und so nach Hause brachten. Sein Mund war ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er über ein halb Jahr zubrachte, ehe er wieder gesund ward, auch in der Kirche für ihn gebetet ward.
80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)
Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. Da nun ein Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen Brunnen ging, um Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen unbekannten Mann liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern auf dem Rückwege ihm auf den Hals fiel und ihn braun und blau drückte, so daß er infolge dessen acht Wochen krank lag.
81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)
Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von Stützengrün aus dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es habe ihn ein Gespenst erschreckt. Als er im Februar des nächsten Jahres wieder hinausgeht, höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder ich thue es! Greif lieber selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann sein Messer heraus und schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme in den Schnee fallen. Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, finden ihn etliche Köhler in seinem Blute liegen und führen ihn noch lebend heim. Nachdem er gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, auch getröstet worden war, ist er bald darauf verschieden.
82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs. Obererzgebirge. Programmarbeit. 1862. S. 39.)
Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund hat, sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr soll derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, mit seiner Peitsche knallen und dabei »Hüoh!« rufen.
83. Der Feuermann von Komotau.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, S. 21.)
In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann sehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, bricht in derselben Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.
84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)
Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten »Berg« des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen unangenehm, da schon mancher von einer Gestalt, die dort mit einem Lichte herumläuft, geäfft worden ist.
85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)
Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« Als sie sich aber dessen geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den Laden, daß sie auch den Schatten am Fenster sehen konnte, und weil sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: »Gehst Du garstiges Aas!« Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillet und wieder hinaus in das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie, welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen 11 und 12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket, ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt: »Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen, und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund hatte es gemerkt und sehr gewinselt.
86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
(Mündlich.)
Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein schwarzes Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand hatte. Eines Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak darüber so sehr, daß er bald darauf starb.
87. Der Schamprich zu Nossen.
(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)
Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von der Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt führt, trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, sein Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des Weges nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf bis zum Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last immer schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei der auch der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. Der Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, in welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, links am Wege.
In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen Schloßgraben entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an der sogenannten Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal in einer Winternacht von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen, daß ihm die Pelzmütze den Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack dem Schamprich zu.
88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.
(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.)
Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels, der Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden Bewohner hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den Soldaten einem armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein angezündet. Da verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß nun die Seele des Soldaten in der Gestalt eines schwarzen Mannes an dem Jüdensteine, wo auch reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos umherwandeln. Viele Leute wollen diesen schwarzen Mann schon gesehen haben.
Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht, denn es gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an dem Steine vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah es, daß er einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich setzte sich ein schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer schwerer und schwerer wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen nicht mehr weiter ziehen. Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle ihn nur erschrecken, deshalb drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige. Aber ebenso schnell bekam er eine solche von unsichtbarer Hand wieder. Er mußte den Wagen stehen lassen, ging nach Hause und starb nach neun Tagen.
89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.
(Mündlich.)
Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war, zog man ihm seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand sich noch ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des Nachts um 12 Uhr wieder nach Hause. In der zweiten Nacht soll der Pfarrer anwesend gewesen sein, der hat ihn gefragt, was er wolle. Darauf sagte die Erscheinung, sie fände im Grabe nicht eher Ruhe, bis man den mitgenommenen Pfennig wieder geholt hätte.
90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.)
Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames Gespenst mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines verrufen gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald das Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner Kette um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer erschrickt, betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber begleitet ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und sieht ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet hat. Da ist das Gespenst wieder verschwunden.
91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz.
(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße, Sagenschatz etc. No. 264.)
Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das Thal der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der Umgegend als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen dort verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz reine Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf sah vor Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine alte Frau vom Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos in ihrer Heimat ankam. – In demselben Thale, bei der langen Brücke am Felsen hin, befindet sich auch der Nixentump, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist.
92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.
(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.)
Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält, soll der Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein. Einmal soll des Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte, eine Gestalt mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal wieder eine lange weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem großen Schlüsselbunde zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt, und noch ein anderes Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen worden sein.
93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.
(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.)
Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte man früher, daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich da manchem schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe.