Wir wissen bereits, daß Tschitschikow sehr besorgt um seine Nachkommen war. Es ist damit eine kitzliche Sache. So mancher würde nicht so tief in den fremden Beutel greifen, wenn sich ihm nicht immer die seltsame, unbegreifliche Frage wie von selbst auf die Lippen drängte: „Und was werden meine Kinder sagen?“ Und der künftige Stammvater greift eilig nach dem, was ihm zu allererst unter die Finger kommt, wie ein vorsichtiger Kater, welcher ängstlich zur Seite schielt, ob nicht der Hausherr in der Nähe ist: sieht er ein Stück Seife liegen, eine Kerze, ein Endchen Speck, kommt ihm ein Kanarienvogel unter die Pfoten, er nimmt alles mit und verschmäht nichts. So jammerte und klagte unser Held, und doch arbeitete sein Kopf unaufhörlich weiter. Unabläßlich wollte sich etwas formen und wartete nur auf den Plan zu dem neu zu errichtenden Bau. Und wiederum schrumpfte er zusammen, wieder begann er ein hartes Arbeitsleben, wieder schränkte er sich in allem ein, wieder stieg er aus der Sphäre des Wohlstandes und der Reinheit in den Schmutz und das Elend des Daseins hinab. In Erwartung eines Besseren ließ er sich sogar dazu herbei, das Amt eines Gerichtsvollziehers zu übernehmen, ein Beruf, der sich bei uns noch nicht das Bürgerrecht erkämpft hat, dessen Träger von allen Seiten Püffe und Stöße erdulden müssen, von den niederen Gerichtsbeamten und von ihren Vorgesetzten verachtet werden und zum Antichambrieren, zum Erleiden jeglicher Grobheiten und Beleidigungen verurteilt sind. Allein die Not machte unsern Helden zu allem fähig. Unter den mancherlei Aufträgen, mit deren Ausführung er betraut wurde, gab es auch folgenden: es sollten einige hundert Bauern bei Vormundschaftsgericht verpfändet werden. Das Gut, zu dem die Bauern gehörten, stand vor dem Ruin. Furchtbare Viehseuchen, die Mißwirtschaft spitzbübischer Verwalter, Epidemien, denen die besten Arbeiter zum Opfer fielen, Mißernten und nicht zum mindesten die Unvernunft des Gutsherrn hatten es dem Ruin entgegengeführt. Der Besitzer hatte sich in Moskau ein modernes Haus im neusten und vornehmsten Geschmack erbaut, dabei aber war sein ganzes Vermögen bis zur letzten Kopeke draufgegangen, so daß ihm kaum noch was zum Essen übrig blieb. So sah er sich denn gezwungen, sein einziges Gut, das ihm noch übrig geblieben war, zu verpfänden. Hypothekengeschäfte mit dem Staate waren damals noch ziemlich unbekannt und erst vor kurzem eingeführt, daher entschloß man sich nicht ohne inneres Unbehagen zu einem solchen Schritt. Tschitschikow hatte in seiner Eigenschaft als Gerichtsvollzieher sämtliche Vorbereitungen zu treffen; vor allem sorgte er, daß auch alle Anwesenden in der rechten Stimmung waren (ohne diese vorbereitende Maßnahme ist es bekanntlich nicht einmal möglich, die einfachsten Erkundigungen einzuziehen — unter einer Flasche Madeira pro Kopf geht’s jedenfalls nicht ab), nachdem er also alle, auf die es hierbei ankam, in die rechte Geistesverfassung versetzt hatte, erklärte er ihnen: es gäbe bei dieser Sache noch einen Umstand, der unbedingt berücksichtigt werden müsse: „die Hälfte der Bauern sei gestorben, da müsse man sich in acht nehmen, daß später nicht etwa Klagen laut würden ...“ „Sie stehen aber doch in der Revisionsliste, nicht wahr?“ sagte der Sekretär. „Freilich,“ erwiderte Tschitschikow. „Nun was fürchten Sie denn dann noch?“ sagte der Sekretär. „Der eine stirbt, ein andrer wird geboren, nun gut, dann ist doch nichts verloren.“ Wie man sieht, verstand es der Sekretär in Versen zu sprechen. Hier aber blitzte in unserem Helden der genialste Gedanke auf, der je einem Menschen in den Kopf gekommen war. „O, ich Einfaltspinsel!“ sprach er zu sich selbst, „ich suche meine Handschuhe und sie stecken ruhig in meinem Gürtel! Hätte ich mir all diese Leute, welche gestorben sind, gekauft, noch ehe die neuen Revisionslisten aufgestellt wurden; hätte ich sie mir, sagen wir einmal, für tausend Rubel erworben und dann beim Vormundschaftsgericht verpfändet; dann hätte ich zweihundert Rubel für die Seele bekommen, und das würde heute genau zweimal hunderttausend Rubel ausmachen! Und dazu ist jetzt gerade der günstigste Augenblick: die Epidemie ist erst eben vorüber, die hat gottlob nicht wenige das Leben gekostet! Die Gutsbesitzer haben ihr Geld verspielt, zechen jetzt herum, und haben ihr ganzes Vermögen durchgebracht; alles will nach Petersburg und in den Staatsdienst treten: die Güter liegen darnieder, die Verwalter kümmern sich kaum um sie, mit jedem Jahre wird’s schwerer, die Steuern einzutreiben; wie gern wird mir da jeder seine toten Bauern abtreten, nur um keine Kopfsteuer für sie bezahlen zu müssen, ja am Ende nehme ich noch diesem oder jenem ein paar Kopeken dafür ab. Das ist natürlich nicht leicht, es kostet viele Mühe, man muß ewig in Sorgen schweben, daß man hereinfällt, und daß eine neue Geschichte daraus entsteht. Aber wozu hat denn der Mensch schließlich seinen Verstand? Das Gute dabei ist ja eben dies: daß die Sache so unwahrscheinlich ist: niemand wird es recht glauben wollen. Freilich ohne Land kann man sie weder kaufen noch verpfänden; aber ich werde sie eben zu Ansiedelungszwecken kaufen, natürlich: zu Ansiedelungszwecken; jetzt bekommt man ja das Land im Gouvernement Taurien und Cherson fast umsonst; dort kannst du kolonisieren soviel dein Herz begehrt! Ich führe sie eben einfach dorthin: ins Chersonsche Gouvernement; da mögen sie meinetwegen leben! Und die Ansiedelung läßt sich ja auf ganz gesetzlichem Wege vollziehen, nach allen Regeln der Kunst, durch das Gericht. Wenn sie ein Zeugnis verlangen, gut, ich habe nichts dagegen: Warum nicht? Ich werde auch ein Zeugnis mit der eigenhändigen Unterschrift irgend eines Kreisrichters vorlegen. Das Gut wird „Tschitschikowka“ oder nach meinem Taufnamen „Pawlowskoje“ genannt.“ So kam im Kopfe unseres Helden dieser seltsame Plan zustande; ich weiß garnicht, ob ihm die Leser sehr dankbar für ihn sein werden, dagegen läßt es sich kaum ausdrücken, wie sehr der Verfasser sich ihm verpflichtet fühlt; wie dem auch sei, wäre Tschitschikow nicht auf diesen Gedanken gekommen — nie hätte diese Dichtung das Licht der Welt erblickt.
Er schlug nach russischer Sitte ein Kreuz und ging an die Ausführung seines großen Planes. Indem er vorschützte, er suche sich ein Plätzchen, wo er sich niederlassen könne, und noch unter mancherlei anderen Vorwänden, begann er damit, sich alle Ecken und Enden unseres Reiches anzusehen, vorzüglich aber die, welche mehr als andere unter allerhand Unglücksfällen zu leiden hatten, als da sind: Mißernten, Todesfälle usw. usw. Mit einem Wort, wo sich ihm die günstigste Gelegenheit bot, sich möglichst billig Bauern zu erwerben, deren er ja bedurfte. Dabei wandte er sich nicht aufs geradewohl an den ersten besten Gutsbesitzer, sondern wählte sich Leute nach seinem Geschmack aus, nämlich solche, mit denen sich ein Geschäft dieser Art ohne große Schwierigkeiten abwickeln ließ. Hierbei suchte er zunächst ihre nähere Bekanntschaft zu machen und ihre Zuneigung zu gewinnen, um die Bauern womöglich zum Geschenk zu erhalten und sie nicht bar bezahlen zu müssen. Daher darf der Leser auch dem Autor nicht böse sein, wenn die Personen, die bisher im Laufe unserer Erzählung auftraten, nicht immer nach seinem Geschmacke waren: das ist Tschitschikows Schuld; denn hier ist er der Herr der Situation, und wir müssen ihm folgen, wohin zu wandern es ihm einfällt. Wir unsererseits können, wenn man uns den Vorwurf macht, unsere Personen und Charaktere seien unscheinbar und blaß, nur immer wieder sagen, daß man im Beginn einer Sache nie ihren ganzen Umfang und die ganze Breite und Tiefe ihres Verlaufs ermessen kann. Die Einfahrt in eine Stadt, und sei es selbst die in die Reichshauptstadt, ist immer uninteressant. Zunächst erscheint alles grau und einförmig. Endlose Fabriken und rauchgeschwärzte Werkstätten ziehen sich in trübseliger Monotonie dahin. Erst später erscheinen die Ecken sechsstöckiger Häuser, vornehme Läden, Aushängeschilder, die langen Zeilen der Straßen mit Türmen, Säulen, Denkmälern, Kirchen, mit ihrem Straßenlärm und Glanz und all den Wundern, die Menschenhand und Menschengeist erschaffen. Wie die ersten Einkäufe zustande kamen hat der Leser selbst gesehen; wie die Sache weiter gehen wird, welche Erfolge und Mißerfolge unsern Helden erwarten, was für Hindernisse weit schwierigerer Art er zu besiegen und zu überwinden haben wird, wie dann gewaltige Gestalten vor uns auftreten, wie sich die geheimsten Hebel unserer sich breit ergießenden Erzählung in Bewegung setzen werden, wie der Horizont auseinander treten, und sie selbst in majestätisch-lyrischem Strome dahinfluten wird, dies werden wir später sehen. Ein weiter Weg ist’s, den unsere Brigade zurückzulegen hat bestehend aus einem Herrn mittleren Alters, einer Kutsche, wie die Junggesellen zu benutzen pflegen, dem Diener Petruschka, dem Kutscher Seliphan und dem Dreigespann edler Rosse, denen wir ja vorgestellt sind, vom Assessor bis zum niederträchtigen Schecken. Da haben wir unsern Helden wie er leibt und lebt. Aber vielleicht wird man noch eine Charakteristik durch einen letzten Strich von mir verlangen: was ist er für ein Mann nach der Seite seiner moralischen Qualitäten? Daß er kein Held, erfüllt von allen Tugenden, Vorzügen und allen nur möglichen Vollkommenheiten ist — das ist evident. Wer also ist er? Folglich wohl ein Schurke? Warum ein Schurke? Warum sollen wir so streng gegen andere Leute sein? Jetzt gibt’s bei uns keine Schurken mehr. Es gibt wohlgesinnte, gesinnungstüchtige, angenehme Menschen, aber solche, die ihre Physiognomie zur öffentlichen Beschimpfung darbieten müßten, um den Streich auf die Wange in Empfang zu nehmen, gibt es nur sehr selten. Von dieser Sorte werden wir kaum zwei bis drei finden und selbst sie reden heute schon laut von der Tugend. Das Richtigste wäre es wohl, ihn einen guten Wirt oder ein Erwerbsgenie zu nennen. Der Erwerbstrieb — trägt die Schuld an allem: er ist die Ursache all jener Affären und Geschäfte, die die Welt „nicht ganz sauber“ nennt. Freilich, so ein Charakter hat schon etwas Abstoßendes an sich, und derselbe Leser, der sich auf seinem Lebenswege mit so einem Menschen anfreundet, ihn in sein Haus einführt und manche angenehme Stunde mit ihm verbringt, wird ihn mißtrauisch ansehen, sowie er ihm in irgend einem Drama oder einer Dichtung begegnet. Aber dreimal weise ist der, der überhaupt keinen Charakter verabscheut, sondern prüfend seinen Blick auf ihn heftet und ihn begreifen lernt in seinen innersten Triebfedern; wie schnell wandelt sich alles im Menschen: eh man sich’s versieht, hat sich im Innern ein furchtbarer Wurm eingenistet, der wächst und wächst und alle Lebenskräfte herrisch in sich aufsaugt. Und mehr als einmal schon geschah es, daß in einem Menschen, der zu Höherem geboren war, nicht nur eine übermächtige Leidenschaft gewaltig emporwuchs und erstarkte, nein oft schon ließ ein armseliger minderwertiger Trieb ihn all seine hohen und heiligen Pflichten vergessen und in elenden Nichtigkeiten etwas Großes und Verehrungswürdiges sehen. Unendlich wie der Sand am Meere sind des Menschen Leidenschaften, und keine gleicht der andern, alle sind sie dem Menschen im Anfang gefügig und gehorsam, die hohen wie die niedrigen, und erst später werden sie zu furchtbaren Despoten. Selig ist der zu preisen, der sich unter allen die herrlichste Leidenschaft erwählte: er wächst und mehrt sich täglich und stündlich sein grenzenloses Glück, tiefer und immer tiefer dringt er ein in das unendliche Paradies seiner Seele. Aber es gibt Leidenschaften, deren Wahl nicht vom Menschen abhängt. Sie werden mit ihm geboren in der Stunde, da er zur Welt kommt, und keine Kraft ward ihm gegeben, sie weit von sich zu stoßen. Ein höherer Plan ist es, der sie lenkt, und es liegt etwas in ihnen, das ewig ruft und lockt und keinen Augenblick im Leben verstummt. Ihre große irdische Laufbahn zu vollenden ist ihre Bestimmung, ob sie nun als finstere Gestalten vorüberwandeln oder als herrlich leuchtende Erscheinungen, die den lauten Jubel der Welt entfachen, indem sie an uns vorüberziehen — ganz gleich — sie kamen, um das dem Menschen unbekannte Gute zu erfüllen. Und vielleicht stammt auch die Leidenschaft die unseren Helden Tschitschikow lenkt und vorwärtstreibt nicht aus ihm selber, und es liegt auch in seinem kalten frostigen Dasein etwas beschlossen, was einstmals den Menschen auf die Kniee und in den Staub niederzwingen wird vor der Weisheit des Himmels. Und es ist noch ein Geheimnis, warum diese Gestalt gerade in dieser Dichtung erscheinen mußte, die hiermit den Schauplatz der Welt betritt.
Aber nicht das ist das Bittere, daß man mit unserem Helden unzufrieden sein wird; weit bitterer und schmerzlicher ist dieses: in meiner Seele lebt die unumstößliche Gewißheit, daß die Leser dennoch und trotz alledem mit diesem Helden, mit demselben Tschitschikow zufrieden sein könnten. Hätte der Autor ihm nicht so tief ins Herz geblickt, hätte er nicht alles aufgerührt, was im tiefsten Grunde seiner Seele lebt und nur dem Blick der Welt entgeht und verborgen bleibt, hätte er nicht seine geheimsten Gedanken enthüllt, die kein Mensch dem andern vertraut, sondern ihn so gezeigt, wie er der ganzen Stadt, Manilow und all den anderen — erschienen war, — so wären alle Leute sehr befriedigt, und jeder würde ihn für einen äußerst interessanten Menschen halten. Freilich wäre dann sein Bild und seine Gestalt nicht so lebendig vor unser Auge getreten: dafür hätte auch keine Erregung in unserer Seele nachgezittert, nachdem wir das Buch aus der Hand gelegt hätten, und wir könnten uns ruhig wieder an unseren Kartentisch setzen, welcher der Trost und die Freude ganz Rußlands ist. Ja meine braven Leser, ihr wollt der Menschen nackte Armut lieber nicht sehen: „Warum nur?“ sprecht ihr, „wozu dient das alles? Wissen wir denn nicht selber, daß es gar viel Verächtliches und Törichtes in der Welt gibt? Auch ohnedies muß man oft Dinge sehen, die keineswegs tröstlich sind. Zeigt uns doch lieber das Schöne, das was entzückt und begeistert! Helft uns, uns lieber selbst zu vergessen!“ — „Warum sagst du mir, daß es schlecht um meine Wirtschaft steht, Bruder?“ sagt ein Gutsbesitzer zu seinem Verwalter „ich weiß das auch ohne dich, lieber Freund: kannst du denn wirklich nicht von etwas andrem reden? Wie? Hilf mir lieber das alles zu vergessen, und nicht daran zu denken — dann bin ich glücklich.“ Und so wird das Geld, das dazu hätte dienen können, um das Gut etwas in die Höhe zu bringen, für allerhand Mittelchen ausgegeben, um sich selbst zu vergessen. Der Geist wird eingeschläfert, der vielleicht plötzlich einen Quell gewaltiger Reichtümer entdeckt hätte; das Gut kommt unter den Hammer, der Gutsherr muß betteln gehen, um sich zu vergessen; mit einer Seele, die zu jeder äußersten Niedertracht und Gemeinheit bereit ist, vor denen er selbst einst zurückgeschreckt wäre.
Noch eine andere Klage wird gegen den Autor laut; sie rührt von den sogenannten Patrioten her, welche ruhig in ihren Winkeln sitzen und sich mit ganz gleichgültigen Dingen abgeben: sich ein Kapital aufhäufen und sich ein schönes Los auf Kosten anderer bereiten; sowie aber etwas geschieht, was nach ihrer Meinung dem Vaterland zur Unehre gereicht, sowie irgend ein Buch erscheint, das eine bittre Wahrheit enthält — dann kommen sie aus allen Ecken und Winkeln herausgekrochen, wie die Spinnen, welche eine Fliege entdeckt haben, die sich in ihr Netz verstrickte, und erheben ein lautes Geschrei: „Ja, ist es denn gut, solche Dinge ans Licht zu bringen, sie offen zu verkünden. All das, was da beschrieben wird, gehört ja zu uns — ist’s also klug, so etwas zu tun? Und was sollen die Ausländer sagen? Ist es denn angenehm, zu hören, daß andre Leute schlecht von uns reden?“ Und sie denken: tut es uns denn nicht weh? Denken: sind wir etwa nicht Patrioten? Auf solch weise Bemerkungen, besonders hinsichtlich der Ausländer, kann ich keine passende Antwort finden. Es wäre denn etwa diese: In irgend einem entlegenen Winkel Rußlands lebten einmal zwei Männer. Der eine war der Vater einer großen Familie und hieß Kifa Mokiewitsch; er war ein sanfter friedlicher Mensch, der ein Freund eines bequemen und ruhigen Lebens war. Mit seiner Familie beschäftigte er sich kaum; sein Dasein war mehr der Spekulation gewidmet, ihn beschäftigten in erster Linie „philosophische Fragen“ wie er sie nannte: „Nehmt z. B. das Tier,“ pflegte er zu sagen, indem er im Zimmer auf und abging, „das Tier wird doch ganz nackt geboren. Warum gerade nackt? Warum nicht vielmehr befiedert wie der Vogel: warum kriecht es z. B. nicht aus dem Ei? Nein, wirklich, es ist sonderbar ... man versteht die Natur immer weniger, je mehr man sich in sie vertieft!“ So dachte der Bürger Kifa Mokiewitsch. Aber das war noch nicht das Wichtigste. Der andre Bürger war Mokij Kifowitsch, sein leiblicher Sohn. Er war das, was man in Rußland einen Helden zu nennen pflegt, und während sich der Vater mit der Geburt des Tieres beschäftigte, drängte es seine zwanzigjährige, breitschultrige Gestalt mit aller Macht danach, sich zu entfalten und auszuleben. Er konnte nie eine Sache leicht und nur so obenhin in Angriff nehmen — stets brach sich jemand dabei den Arm oder er trug eine Beule auf der Nase davon. Zu Hause und in der Nachbarschaft liefen alle, von den Mädchen auf dem Hofe — bis auf den letzten Hund — davon, wenn sie ihn erblickten, sogar sein eigenes Bett, das in seinem Schlafzimmer stand, schlug er in Trümmer. So war Mokij Kifowitsch, sonst aber war er ein braver, gutmütiger Mensch. Jedoch das ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste hierbei ist das, was nun kommt: „Ich bitt dich gnädiger Herr Kifa Mokiewitsch,“ sagten die eigenen und fremden Knechte und Mägde zum Vater: „was ist dein Mokij Kifowitsch doch für ein Herr? Der läßt keinen Menschen in Ruhe, ist der zudringlich!“ „Ja, ja, etwas mutwillig ist er schon,“ erwiderte gewöhnlich der Vater: „aber was ist da zu tun? Hauen kann ich ihn doch nicht mehr, alle Menschen würden über meine Härte und Grausamkeit schreien, und dann ist er ein so ehrgeiziger Mensch; wenn ich ihm in Gegenwart anderer Leute einen Vorwurf machte — würde er sich wohl in acht nehmen; aber vergeßt auch die Öffentlichkeit nicht — das ist eben das Unglück. Wenn die Stadt es erfährt, wird sie ihn gleich einen Schweinehund nennen. Glaubt ihr denn, daß mir das nicht weh tun würde? Bin ich denn nicht sein Vater? Meint ihr, weil ich mich mit der Philosophie beschäftige und mitunter keine Zeit für andere Dinge habe, sei ich nicht Vater? O nein, ihr irrt euch. Ich bin Vater, jawohl ich bin Vater, zum Teufel noch einmal, das laß ich mir nicht nehmen. Mokij Kifowitsch — der sitzt mir hier ganz tief im Herzen.“ Und Kifa Mokijewitsch schlug sich mit der Faust kräftig auf die Brust und geriet in die größte Erregung: „Und wenn er schon sein Leben lang ein Schweinehund bleiben sollte, so soll man es wenigstens nicht von mir erfahren; ich kann ihn doch nicht verraten!“ Nachdem er so von seinem väterlichen Gefühl Zeugnis abgelegt hatte, ließ er Mokij Kifowitsch ruhig seine Heldentaten fortsetzen und kehrte selbst zu seinen geliebten Gegenständen zurück, indem er sich plötzlich irgend eine Frage wie etwa die folgende vorlegte: „Hm, wenn die Elefanten Eier legten, müßten die Eierschalen da nicht so dick sein, daß keine Kanonenkugel sie zertrümmern könnte; ja, ja, es ist Zeit ein neues Schießwerkzeug zu erfinden!“ So verbrachten unsere zwei Bewohner des friedlichen Erdenwinkels ihr Leben, sie, die am Schluß unserer Dichtung so plötzlich wie aus einem Fenster hervorguckten, um ihre bescheidene Antwort auf den Vorwurf glühender Patrioten vorzubringen, welche sich vielleicht lange ganz ruhig mit irgendwelchen Philosophemen oder mit der Vergrößerung ihres Wohlstandes auf Kosten des von ihnen so glühend geliebten Vaterlandes beschäftigten und keineswegs darum besorgt sind, daß nur nichts Böses geschieht, sondern allein darum, daß nur ja niemand sage, sie täten Schlimmes. Doch nein, weder der Patriotismus noch jenes erste Gefühl sind der Grund all dieser Anklagen und Vorwürfe. Dahinter versteckt sich etwas ganz andres. Warum soll ich es verheimlichen? Wer anders, wenn nicht der Autor hätte die Pflicht, die heilige Wahrheit zu verkündigen? Ihr fürchtet den tiefen forschend auf euch gerichteten Blick. Ihr wagt es nicht, diesen Blick selbst auf die Gegenstände zu richten, ihr liebt es, mit blinden Augen gedankenlos über alles hinwegzugleiten. Ihr werdet vielleicht auch von Herzen über Tschitschikow lachen: vielleicht sogar den Autor loben und sagen: „Übrigens, manches hat er wirklich sehr fein beobachtet! Das muß doch ein Mensch von heiterem Temperament sein!“ Und nach diesen Worten werdet ihr mit verdoppeltem Stolze zu euch selbst zurückkehren, ein selbstgefälliges Lächeln wird euer Gesicht verklären, und ihr werdet fortfahren: „Man muß doch sagen: in einigen Gegenden Rußlands gibt es wirklich höchst merkwürdige und komische Menschen, und recht abgefeimte Schurken dazu!“ Doch wer von euch wird sich voll christlicher Demut, nicht laut und öffentlich, sondern in aller Stille, in jenen Augenblicken wo die Seele einsame Selbstgespräche mit sich führt, tief im Innern die Frage vorlegen: „Wie? lebt nicht vielleicht auch in mir etwas von Tschitschikow?“ Warum nicht gar. Laßt dagegen irgend einen Beamten, einen Mann mittleren Ranges an einem andern vorübergehn — sofort wird er seinen Nachbarn anstoßen, und während er sich fast ausschütten möchte vor Lachen, zu ihm sagen: „Sieh, sieh, das ist Tschitschikow, da geht er vorüber!“ Und er wird allen Anstand, den er seinem Rang und Alter schuldig ist, vergessen, ihm wie ein Kind nachlaufen, ihn verhöhnen, necken und ihm nachrufen: „Tschitschikow! Tschitschikow! Tschitschikow!“
Aber wir sprechen so laut und vergessen ganz, daß unser Held, der während der Erzählung seiner Lebensgeschichte fest schlief, schon aufgewacht ist und leicht hören könnte, daß man seinen Familiennamen so oft wiederholt. Er ist doch ein Mensch, der sich leicht gekränkt fühlt und sehr unzufrieden ist, wenn man ohne die schuldige Achtung von ihm spricht. Dem Leser kann’s freilich ziemlich gleich sein, ob ihm Tschitschikow böse ist oder nicht; was dagegen den Autor anbelangt, so darf er sich unter keinen Umständen mit seinem Helden veruneinigen: er hat noch manches Stück Weges Hand in Hand mit ihm zurückzulegen; noch liegen zwei große Teile dieser Dichtung vor ihm, und das ist doch wirklich keine Kleinigkeit.
„He, he! Was fällt dir ein!“ rief Tschitschikow Seliphan zu, „du ...?“
„Wie?“ sagte Seliphan langsam.
„Wie? fragst du! Trottel du! Wie fährst du denn? Vorwärts, rühr dich!“
Und in der Tat, Seliphan saß schon lange auf seinem Bock und blinzelte mit den Augen. Nur hie und da schlug er im Halbschlaf die gleichfalls schlafenden Pferde mit den Zügeln leicht auf den Rücken. Auch Petruschka hatte schon lange und, Gott weiß, wo seine Mütze verloren, er war auf dem Bock zurückgesunken und stützte seinen Kopf auf Tschitschikows Knie, von dem er manchen kräftigen Puff empfing. Seliphan wurde munter und versetzte dem Schecken ein paar tüchtige Hiebe, worauf dieser einen lebhaften Trab anschlug; dann ließ er seine Peitsche über den Rücken der Pferde sausen und rief mit dünner Stimme gleichsam singend: „Nur keine Furcht!“ Die Pferde wachten auf und zogen den leichten Wagen mit sich fort, der wie ein Flaum dahinflog. Seliphan schwenkte bloß die Peitsche und rief: „He, he, he!“ indem er auf seinem Bock rhythmisch hin und her hopste, während der Wagen über die Berge und Täler der Landstraße dahinjagte, welche langsam bergab führte. Tschitschikow wurde auf seinem Polster leicht emporgehoben, er lächelte vergnügt, denn er liebte das schnelle Fahren. Und welcher Russe liebt das schnelle Fahren nicht? Sollte seine Seele, die sich überall und immer nach dem Taumel und Wirbel sehnt, und oft laut ausrufen möchte: „Ach was, hol’ doch alles der Teufel,“ sollte seine Seele es nicht lieben? Es nicht lieben, wenn etwas so Wundersames, Beseeligendes darin liegt? Wie eine unbekannte Gewalt hebt dich’s auf seinen Flügel, du fliegst dahin und mit dir alles um dich her: die Meilensteine, die Kaufleute auf ihren Wagensitzen, der Wald zu beiden Seiten mit den dunklen Reihen seiner Tannen und Fichten, dem Lärm der Äxte und dem Rabengekrächze: der ganze Weg flieht vorüber — weit fort in unbekannte Fernen; und etwas Furchtbares, Schreckliches liegt in diesem rasenden Aufblitzen und Verschwinden, wo der vorübergleitende Gegenstand kaum Zeit hat, feste Formen anzunehmen und nur der Himmel über uns, die leichten Wolken und der sich Bahn brechende Mond allein unbeweglich still zu stehen scheinen. Mein Dreigespann, o du Vogeldreigespann! wer hat dich erfunden? Nur aus einem kecken mutigen Volk konntest du hervorgehen — in jenem Lande, das nicht zu spaßen liebt, sondern sich wie die unendliche Ebene streckt und breitet über die halbe Erde: versuch’s doch die Meilensteine zu zählen, ohne daß dir’s vor den Augen flimmert! Wahrlich kein schlau ersonnenes Gefährt bist du, genietet durch eiserne Klammern. Sondern schnell, aufs geratewohl mit Axt und Meißel hat dich ein flinker Jaroslawscher Bauer verfertigt und zusammengefügt. Dich lenkt kein Postillon in deutschen Stulpenstiefeln, bebartet und behandschuht sitzt er da, der Teufel weiß worauf; und wenn er aufsteht, seine Peitsche schwingt und sein unendliches Lied anstimmt — dann stürmen die Rosse dahin wie ein Wirbelwind. Zu einer runden, glatten Fläche fließen die Speichen der Räder zusammen. Es donnert der Weg. Erschrocken schreit der Fußgänger auf und bleibt wie angewurzelt stehen. — Und dahin fliegt das Gefährt, fliegt und fliegt! ... Und schon sieht man in der Ferne nichts wie eine dichte Staubwolke, und wirbelnd folgt die Luft.
Jagst nicht auch du, Rußland, so dahin, wie ein keckes unerreichbares Dreigespann? Rauchend dampft unter dir der Boden; es dröhnen die Stege. Und alles bleibt zurück, weit hinter dir zurück. Wie durch ein göttliches Wunder betäubt, steht festgebannt der staunende Zuschauer. Ist es ein Blitz, der aus den Wolken zuckte? Was bedeutet diese grauenerweckende Bewegung? Und was für unbekannte Kräfte wohnen in diesen, nie gesehenen Rossen? Oh, ihr Rosse! Ihr wunderbaren Rosse! Lebt ein Wirbelwind in euren Mähnen? Bebt ein wachsames Ohr euch in jeder Ader? Lauscht ihr auf ein trautes altbekanntes Lied von oben, und spannt jetzt einträchtig eure ehernen Brüste? Kaum rühren eure flüchtigen Hufe die Erde, in eine langgestreckte Linie verwandelt fliegt ihr durch die Lüfte, und fort stürmt das ganze, gottbegeisterte! ... Rußland? Wohin jagst du, gib Antwort! Du bleibst stumm. Wundersam ertönt der Gesang des Glöckchens. Wie von Winden zerfetzt, braust und erstarrt die Luft; alles, was auf Erden lebt und webt, fließt vorüber; und es weichen vor dir, treten zur Seite, und geben dir Raum alle anderen Staaten und Völker.
Anhang zum ersten Teil
I.
Vorrede
zur zweiten Auflage des ersten Bandes
der
„Toten Seelen“
1846
Der Verfasser an den Leser
Wer du auch sein magst, lieber Leser, auf welchem Platze du stehst, welches Amt du bekleidet, ob du Rang und Würden dein eigen nennt, ein schlichter Mann von einfachem Stande bist, wenn dir Gott die edle Gabe des Lesens verliehen hat und dir ein Zufall dieses Buch in die Hände spielte, so bitte ich dich, mir zu helfen.
In dem Buche, das vor dir liegt und dessen erste Auflage du wahrscheinlich schon gelesen hat, ist ein Mensch dargestellt, der mitten aus dem russischen Staate herausgegriffen ward. Er bereist unser russisches Vaterland, und trifft hier mit Menschen jeder Art und jedes Standes, mit vornehmen und einfachen zusammen. Er ward mehr darum zum Helden ausersehen, um die Laster und Mängel, als die Vorzüge und Tugenden des Russen aufzuzeigen; aber auch all die Menschen, die ihn umgeben, sind so gewählt worden, daß sie unsere Fehler und Schwächen widerspiegeln, die besseren Menschen und Charaktere sollen erst in den folgenden Teilen vorgeführt werden. In diesem Buche ist manches unrichtig dargestellt, und nicht so, wie die Dinge sich wirklich im russischen Vaterlande zutragen, weil ich ja nicht alles kennen lernen und in Erfahrung bringen konnte. Ein ganzes Menschenleben würde nicht ausreichen, um auch nur den hundertsten Teil von dem zu erforschen, was in unserer Heimat vorgeht. Zudem mögen sich infolge meiner eigenen Unachtsamkeit, Unreife und Übereilung mancherlei Irrtümer und Fehlschlüsse eingeschlichen haben, sodaß es wohl keine Seite in diesem Buche gibt, an der nicht irgend etwas zu berichtigen wäre, und daher bitte ich dich, lieber Leser, wo du es kannst, mich zu verbessern. Du darfst diese Mühe nicht gering schätzen. Auf welch hoher Stufe der Bildung und des Lebens du auch stehen mögest, so unbedeutend und nichtig dir auch mein Buch erscheinen und so kleinlich und unwichtig dir es vorkommen mag, mein Werk zu verbessern und deine Bemerkungen dazu niederzuschreiben, ich bitte dich dennoch darum, es zu tun. Aber auch du, lieber Leser, von schlichter Bildung und einfachem Stande, sollst dich nicht für zu unwissend halten, mich zu belehren. Ein jeder Mensch, der gelebt, die Welt gesehen hat, und mancherlei Menschen begegnet ist, hat sicher vielerlei gemerkt, was einem andern entgangen ist, und vieles erfahren, was andere nicht wissen. Ich möchte daher nicht gerne auf deine Bemerkungen verzichten. Es ist unmöglich, daß du nicht etwas zu irgend einer Stelle meines Buches zu sagen hättest, wenn du es nur aufmerksam durchliest.
Wie schön wäre es zum Beispiel, wenn auch nur einer von jenen Leuten, deren Kenntnisse so groß, deren Lebenserfahrung so reich ist, und die den Kreis von Menschen, die ich beschrieben habe, genau kennen, seine Anmerkungen zu dem ganzen Buche niederschreiben und gar nicht anders an die Lektüre gehen wollte, als mit einer Feder in der Hand und einem Stück Papier, das er vor sich auf dem Tische liegen hat. Wie schön wäre es, wenn er jedesmal, nachdem er einige Seiten gelesen hat, sich an sein ganzes Leben und das aller der Menschen, denen er auf seinem Wege begegnet ist, an alle Ereignisse, die sich vor seinen Augen abspielten, und auch an alles das erinnern wollte, was er selbst sah oder hörte, ob es nun Ähnlichkeit mit den Begebenheiten hat, die in meinem Buche geschildert sind, oder ihnen gerade entgegengesetzt ist — und wenn er dann alles genau so beschriebe, wie es sich in seiner Erinnerung darstellt und mir hierauf jedes vollgeschriebene Blatt zusenden würde, bis er auf diese Weise das ganze Buch zu Ende gelesen hätte. Welch einen großen wahrhaften Dienst würde er mir damit erweisen. Der Stil und die Schönheit des Ausdrucks brauchen ihm hierbei keine Sorge zu machen: hier handelt es sich nur um die Sache selbst und um ihre Wahrheit und nicht um den Stil. Auch braucht er sich nicht zu zieren, wenn er mich tadeln, oder mir einen Vorwurf machen, oder mich auf eine Gefahr und auf den Schaden hinweisen wollte, den ich durch die falsche und unüberlegte Darstellung einer Sache gestiftet habe, wo doch nur Nutzen und Besserung meine wahre Absicht war. Für all dieses wäre ich ihm von Herzen dankbar.
Ferner wäre es sehr gut, wenn sich ein Mensch aus dem höheren Stande finden würde, welcher durch alles — durch das Leben selbst und durch seine Bildung — jenen Kreisen fernsteht, die in meinem Buche geschildert sind, der aber das Leben des Standes kennt, zu dem er selbst gehört, und wenn ein solcher Mensch sich entschließen könnte, mein Buch auf die gleiche Weise von Anfang an zu lesen, alle Menschen der höheren Stände an seinem geistigen Auge vorüber ziehen zu lassen und streng darauf zu achten, ob es nicht doch etwas Gemeinsames zwischen allen Ständen gibt, ob sich nicht doch zuweilen in den höheren Kreisen dasselbe wiederholt, was in den niederen Sphären zu geschehen pflegt? Und wenn er nun alles, was ihm hierüber einfällt, das heißt also jedes Vorkommnis aus den höheren Gesellschaftskreisen, das zur Bestätigung oder Widerlegung dieses Gedankens dienen kann, ganz so schildern wollte, wie es sich vor seinen Augen abspielte, ohne die Menschen selbst mit ihren Sitten, Neigungen und Gewohnheiten zu vergessen oder die seelenlosen Sachen, die sie umgeben, zu übergehen, von der Kleidung bis hinab zu den Möbeln und den Mauern der Häuser, die sie bewohnen. Ich muß diesen Stand kennen, der die Blüte der Nation repräsentiert. Ich kann die letzten Bände meines Werkes nicht in die Welt hinausgehen lassen, bevor ich das Leben Rußlands nach all seinen Seiten kennen gelernt habe, wenigstens in dem Maße, als dies für mein Werk notwendig ist.
Auch wäre es nicht schlecht, wenn irgend jemand, der mit einer reichen Phantasie und der Fähigkeit ausgestattet ist, sich alle möglichen menschlichen Verhältnisse recht lebhaft vorzustellen, und die Menschen in Gedanken auf Schritt und Tritt in allen Lebenslagen zu begleiten — mit einem Wort, wenn jemand der es versteht, sich in den Geist eines jeden Autors, den er liest, hinein zu versetzen oder seine Ideen weiter zu führen und zu entfalten — jede Person, die ich in meinem Buche auftreten lasse, aufmerksam verfolgen und mir dann sagen wollte, wie sie sich in diesem oder jenem Falle verhalten muß, was ihr, nach dem Anfang zu schließen, im weiteren Verlauf der Erzählung zustoßen müßte, was für neue Situationen sich hieraus ergeben könnten, und was ich wohl noch zu meiner Beschreibung hinzufügen sollte; ich würde nämlich dies alles sorgsam berücksichtigen bis zu der Zeit, wo mein Buch in einer neuen, besseren und würdigeren Ausgabe vor den Leser treten wird.
Um eines noch möchte ich den, der mich durch seine Anmerkungen erfreuen will, herzlichst bitten: wenn er sie niederschreibt, soll er nicht daran denken, daß er sie für einen Menschen schreibt, der ihm an Bildung gleich steht, der denselben Geschmack und dieselben Gedanken hat, wie er selbst, und vieles auch ohne weitere Erklärungen verstehen wird; vielmehr bitte ich ihn, so zu tun, als ob er einen Menschen vor sich hat, der sich in bezug auf Bildung nicht mit ihm messen kann, und der fast gar nichts gelernt hat. Es wäre vielleicht noch besser, wenn er sich an meiner Statt irgend einen Wilden vorstellen würde, der sein ganzes Leben in einem entlegenen Dorfe verbracht hat, dem man jede kleinste Einzelheit umständlich erklären muß, wenn er sie verstehen soll, und dem gegenüber man sich der einfachsten Ausdrucksweise befleißigen muß, fast wie vor einem Kinde, um nur ja kein Wort zu gebrauchen, das über seinen Horizont geht. Wenn jeder das stets im Auge behalten wird, wenn jeder von denen, die dazu bereit sind, ihre Bemerkungen zu meinem Buche niederzuschreiben, das stets im Auge behält, dann werden diese Anmerkungen noch weit interessanter werden und noch mehr an Wert gewinnen, als er es selbst glaubt; mir aber wird er einen großen und wahrhaften Dienst erweisen.
Wenn es sich also so fügen sollte, daß meine Leser meinen Herzenswunsch berücksichtigen und erfüllen, und wenn sich unter ihnen wirklich ein paar Menschen von so gutem Herzen finden sollten, die bereit wären, meine Bitte zu erfüllen, dann können sie mir ihre Anmerkungen auf folgendem Wege übersenden: sie mögen ein an mich adressiertes Paket in ein andres Paket einpacken und dieses an eine der hier nambar gemachten Personen schicken: entweder an den Rektor der St. Petersburger Universität Seine Exzellenz Peter Alexandrowitsch Pletnew (zu adressieren an die Universität von St. Petersburg) oder an den Professor der Moskauer Universität S. H. Stepan Petrowitsch Schewyrew (zu adressieren an die Universität Moskau) je nachdem, welche Stadt dem Absender näher liegt.
Zuletzt spreche ich noch allen Journalisten und Literaten überhaupt, meinen aufrichtigen Dank aus für die Rezensionen und Besprechungen, welche sie meinem Buche angedeihen ließen; sie haben meinem Herzen und meiner Seele, trotz mancher Maßlosigkeiten und Übertreibungen, wie sie nun mal in der menschlichen Natur liegen, einen großen Vorteil und Nutzen gebracht, und daher bitte ich sie alle, mich auch diesmal mit ihrem Urteil nicht im Stiche zu lassen. Ich kann ihnen das aufrichtige Versprechen geben, daß ich alles was sie mir zu meiner Aufklärung und Belehrung zu sagen haben, mit Dank entgegennehmen werde.
II.
Reflexionen,
die sich auf den ersten Teil beziehen.
Die Idee einer Stadt — äußerster Grad von Hohlheit des in ihr herrschenden Treibens. Klatschereien und Zwischenträgereien, die alle Grenzen übersteigen. Wie dies alles aus dem Müßiggang entspringt und den höchsten Grad der Lächerlichkeit angenommen hat, und wie ganz gescheite Leute schließlich dazu kommen, die größten Dummheiten zu begehen.
Einzelheiten aus den Gesprächen der Frauen. Wie sich in die allgemeinen Klatschereien noch solche von privatem Charakter mischen, und wie hierbei keine die andere schont. Wie Gerüchte und Vermutungen entstehen. Wie diese Vermutungen den Gipfel der Lächerlichkeit erreichen. Wie alle unwillkürlich an diesen Klatschereien teilnehmen, und wie Pantoffelhelden und Weiberknechte entstehen.
Wie die Hohlheit, die Ohnmacht und Tatenlosigkeit des Lebens abgelöst werden durch einen trüben, nichtssagenden Tod. Wie sinnlos dieses furchtbare Ereignis eintritt und vorübergeht. Nichts bewegt sich. Der Tod überrascht dieses völlig unbewegte Leben. Dem Leser muß jedoch die tote Gefühllosigkeit des Lebens dadurch noch furchtbarer erscheinen.
Die entsetzliche Dämmerung des Lebens zieht vorüber, darin liegt ein tiefes Mysterium verborgen. Ist das nicht etwas ganz Furchtbares? Dieses sich aufbäumende rebellierende müßige Leben — ist es nicht eine Erscheinung von furchtbarer Größe? ... Leben! ... Im Ballkostüm, im Frack, da, wo man klatscht und Visitenkarten wechselt — da glaubt keiner an den Tod ....
Einzelheiten. Die Damen zanken sich gerade deswegen, weil die eine haben möchte, daß Tschitschikow dies sei, während die andere wünscht, daß er etwas anders sei — und daher merken sie sich nur die Gerüchte, die zu ihrer Idee von ihm passen.
Andere Damen erscheinen auf der Bildfläche.
Die in jeder Beziehung angenehme Dame hat einen Hang zur Sinnlichkeit und liebt davon zu erzählen, wie sie diesen Hang zuweilen besiegt habe, und zwar mit Hilfe ihres Verstandes, und wie sie es immer verstanden habe, die Männer in einer gewissen Distanz zu halten. Übrigens geschah das eigentlich ganz von selbst und auf ganz unschuldige Weise. Es trat ihr nie einer zu nahe, aus dem einfachen Grunde, weil sie schon in ihrer Jugend eine große Ähnlichkeit mit einem Nachtwächter hatte, trotzdem sie so angenehm war und trotz all ihrer guten Eigenschaften. — „Nein, meine Liebe, wissen Sie, ich liebe es, den Mann erst ein wenig anzulocken, ihn dann abzustoßen und dann wieder anzulocken.“ So verfährt sie auch auf dem Ball mit Tschitschikow. Die andern überlegen sich es gleichfalls, wie sie sich benehmen sollen. Die eine tritt sehr respektvoll auf. Zwei Damen fassen sich unter, gehen auf und ab und nehmen sich vor, solange als möglich zu lachen. Dann finden sie plötzlich, daß Tschitschikow keine guten Manieren hat.
Die in jeder Beziehung angenehme Dame liebt es, Beschreibungen von Bällen zu lesen. Auch die Beschreibung des Wiener Kongresses interessiert sie sehr. Ferner interessiert sich diese Dame sehr für Toiletten, d. h. sie liebt es, andre Damen daraufhin zu beobachten, ob ihnen ein Kleid gut sitzt oder nicht.
Während sie auf ihrem Stuhl sitzt, beobachtet sie die Eintretenden. „Die N. versteht sich garnicht zu kleiden, nein wirklich sie versteht es nicht. Dieses Tuch kleidet sie garnicht.“ — „Wie reizend die Tochter des Gouverneurs gekleidet ist!“ — „Aber Liebste, sie ist doch abscheulich gekleidet.“ — Und wenn es selbst so wäre — —
Die ganze Stadt mit ihrem wilden Durcheinander von Klatschereien und Zwischenträgereien — ist das Urbild der Tatenlosigkeit und Hohlheit des menschlichen Lebens in seiner Masse. Das Geschwätz ist in die Welt gesetzt und mit ihm alle nur möglichen Kombinationen. Die Hauptzüge der Ballgesellschaft.
Das Urbild des Gegensatzes im II. Teil, der sich mit der in sich zerrissenen und zerklüfteten Tatenlosigkeit beschäftigt.
Wie könnte man alle Welten der Tatenlosigkeit und des Müßigganges in all ihren Spielarten auf die eine Art des städtischen Müßigganges zurückführen, und wie könnte man den städtischen Müßiggang zum Urbild der Untätigkeit und des Müßigganges der ganzen Welt erheben.
Dazu müssen alle ähnlichen Züge mit eingeschlossen werden, und es muß eine gewisse Stetigkeit in die Erzählung kommen.
III.
Ende des neunten Kapitels
in veränderter Fassung.
Sie dachten nach und überlegten und beschlossen endlich, die Verkäufer auszufragen, mit denen Tschitschikow verhandelt, und denen er diese rätselhaften toten Seelen abgekauft hatte. Dem Staatsanwalt fiel die Aufgabe zu, zu Sabakewitsch zu gehen und mit ihm zu sprechen, und der Präsident erbot sich persönlich zu Karobotschka zu fahren. Wir wollen uns daher gleichfalls aufmachen, ihnen nachgehen und zusehen, was sie dort alles erfuhren.
Kapitel ...
Sabakewitsch lebte mit seiner Gemahlin in einem Hause, das etwas abseits von dem lauten und lärmenden Getriebe lag. Er hatte sich ein massives, solide gebautes Haus gewählt, wo ihm die Decke nicht überm Kopfe einzustürzen drohte, und in dem es sich bequem und glücklich leben ließ. Der Besitzer des Hauses war ein Kaufmann namens Kolotyrkin, auch ein sehr solider Herr. Sabakewitsch hatte nur seine Frau bei sich, seine Kinder waren nicht mitgekommen. Er fing schon an, sich zu langweilen, dachte bereits an die Abreise und wartete nur noch auf den Zins für ein Stück Land, das drei Bürger der Stadt bei ihm gepachtet hatten, um Rüben darauf zu pflanzen, sowie ferner auf ein modernes wattiertes Kleid, das seine Frau bei einen Schneider bestellt hatte, und das bald fertig sein sollte. Er wurde bereits ein wenig ungeduldig und schimpfte, während er in seinem Lehnstuhl saß, beständig auf die Gaunereien und Launen anderer Leute, wobei er an seiner Frau vorbeisah und auf die Ofenecke blickte. In einem solchen Moment trat der Staatsanwalt ins Zimmer. Sobakewitsch sagte: „Ich bitte,“ indem er sich einen Augenblick erhob, um sich jedoch sogleich wieder zu setzen. Der Staatsanwalt ging auf Feodulia Iwanowna zu, küßte ihr die Hand und nahm gleichfalls auf einem Stuhle Platz. Auch Feodulia Iwanowna ließ sich auf einem Stuhle nieder, nachdem sie den Handkuß in Empfang genommen hatte. Alle drei Stühle waren mit grüner Ölfarbe angestrichen, und die Ecken waren mit gelben Wasserlilien, der rohen Malerei eines Dilettanten geziert.
„Ich bin gekommen, um über eine wichtige Angelegenheit mit Ihnen zu sprechen,“ sagte der Staatsanwalt.
„Herzchen, geh doch auf dein Zimmer! Die Schneiderin wartet wahrscheinlich auf dich.“
Feodulia ging auf ihr Zimmer.
Der Staatsanwalt begann folgendermaßen: „Gestatten Sie mir eine Frage: was für Bauern haben Sie an Pawel Iwanowitsch Tschitschikow verkauft?“
„Wie meinen Sie das: was für Bauern?“ sagte Sabakewitsch. „Wir haben doch einen Kaufkontrakt aufgesetzt; da steht es drin, was es für Leute waren: der eine ist Wagenbauer ...“
„In der Stadt kursieren jedoch ....“ versetzte der Staatsanwalt ein wenig verlegen .... „In der Stadt kursieren Gerüchte ....“
„Es gibt eben zuviel Narren in der Stadt, von denen werden wohl die Gerüchte herstammen,“ sagte Sabakewitsch ruhig.
„Nein, nein, Michael Semjonytsch, das sind so merkwürdige Gerüchte, daß einem davon ganz wirr im Kopfe wird, es heißt, es handele sich hier garnicht um Bauern, und ihre Ansiedelung, und man behauptet, dieser Tschitschikow sei eine höchst rätselhafte Persönlichkeit. Es werden höchst verdächtige Vermutungen laut, man redet so eigentümliche Dinge in der Stadt ...“
„Gestatten Sie mir bitte eine Frage: Sind Sie etwa ein altes Weib?“ fragte Sabakewitsch.
Diese Frage verblüffte den Staatsanwalt aufs äußerste. Er hatte sich noch nie gefragt, ob er ein altes Weib sei, oder irgend etwas andres.
„Sie sollten sich schämen, solche Fragen zu stellen und noch damit zu mir zu kommen,“ fuhr Sabakewitsch fort.
Der Staatsanwalt stammelte einige Entschuldigungen.
„Gehen Sie doch zu den alten Klatschweibern, die hinter ihrem Webstuhl sitzen und sich abends Schauergeschichten über Gespenster und Hexen erzählen. Oder wenn Ihnen mit Gottes Hilfe nichts Besseres einfallen will, dann spielen Sie doch lieber Knöchel mit den kleinen Jungen. Was kommen Sie und beunruhigen Sie einen ehrlichen Menschen? Bin ich etwa Ihr Hanswurst, wie? Sie kümmern sich zu wenig um Ihren Beruf, und denken zu wenig daran, dem Vaterland zu dienen, Ihren Nächsten nützlich zu sein und Ihre Kollegen zu schonen. Sie wollen immer der erste sein und laufen gleich hin, wenn irgend ein Esel Sie irgendwo hinschickt. Passen Sie auf, Sie werden noch einmal um nichts und wieder nichts zu Falle kommen, und elendiglich zugrunde gehn, ohne eine gute Erinnerung an sich zu hinterlassen.“
Der Staatsanwalt war ganz bestürzt und wußte absolut nicht, was er auf diese unerwartete Moralpredigt antworten sollte. Ganz beschämt und vernichtet verließ er Sabakewitsch: dieser aber rief ihm noch nach: „Pack dich zum Teufel, du Hund!“
In diesem Augenblick erschien Feodulia: „Warum ist der Staatsanwalt so plötzlich fortgegangen?“ fragte sie.
„Der Kerl hat Gewissensbisse bekommen und ist weggelaufen,“ versetzte Sabakewitsch. „Da hast du wieder so ein Beispiel, Herzchen. So ein alter Knabe! hat schon graue Haare und doch weiß ich, daß er noch immer den Frauen anderer Leute keine Ruhe läßt. Das ist einmal die Art dieser Menschen: sie sind eben Hundesöhne alle miteinander. Nicht genug, daß sie der lieben Erde durch ihren Müßiggang zur Last fallen, sie machen solche Sachen, daß man sie allesamt in einen Sack stecken und ins Wasser werfen sollte! Die ganze Stadt ist nichts wie eine Räuberhöhle. Wir haben hier nichts mehr zu suchen. Wir wollen nach Hause fahren.“
Frau Sabakewitsch wollte einwenden, daß ihr Kleid noch nicht fertig sei, und daß sie sich noch zu den Feiertagen ein paar Haubenbänder kaufen müsse, aber Sabakewitsch erklärte: „Das sind alles Modetorheiten, Herzchen; das nimmt noch ein schlechtes Ende.“ Er befahl, alles für die Reise vorzubereiten; begab sich selbst mit einem Polizeikommissar zu den drei Bürgern der Stadt, um die Pacht für die Rüben einzukassieren; ging hierauf zu der Schneiderin, nahm ihr das unfertige Kleid, an dem noch gearbeitet wurde, weg, ganz so wie es war, mit der darinsteckenden Nadel und dem Faden, um es zu Hause fertig nähen zu lassen, und fuhr bald darauf zur Stadt hinaus. Unterwegs wiederholte er fortwährend, es sei geradezu gefährlich, in diese Stadt zu kommen, denn hier säße ja ein Schuft und Gauner auf dem andern, und da könne es einem noch leicht passieren, daß man mit ihnen in dem allgemeinen Sumpfe versinke.
Inzwischen eilte der Staatsanwalt in der höchsten Bestürzung über den Empfang, den ihm Sabakewitsch bereitet hatte, nach Hause. Er befand sich in einer solchen Verlegenheit, daß er sich nicht einmal darüber klar werden konnte, wie er dem Präsidenten das Resultat seines Besuches mitteilen sollte.
Indessen auch der Präsident hatte nur wenig zur Aufklärung der Sache beigetragen. Er fuhr zuerst in seiner Kutsche in die Stadt und geriet dabei in eine so enge und schmutzige Gasse, daß während des ganzen Weges bald das rechte, bald das linke Rad seines Wagens höher stand als das andre. So kam es, daß er erst mit seinem Kinn und dann mit dem Hinterkopf sehr heftig auf seinen Spazierstock aufstieß und seine Kleider ganz mit Kot bespritzt wurden. Quatschend und schlürfend bahnte sich der Wagen den Weg durch den Kot, bis man endlich beim Probst anlangte, wo die Insassen von lebhaftem Schweinegegrunze begrüßt wurden. Der Präsident ließ seine Kutsche halt machen und ging zu Fuß an allerhand Zimmern und Stuben vorüber nach dem Hausflur. Hier bat er sich zunächst ein Handtuch aus, um sich das Gesicht abzuwischen. Karobotschka empfing ihn ganz so wie Tschitschikow, mit demselben melancholischen Ausdruck im Gesicht. Um den Hals hatte sie etwas wie ein Flanelltuch geschlungen. In dem Zimmer schwirrten unzählige Scharen von Fliegen, und auf dem Tisch stand ein undefinierbares Gericht, das ihnen offenbar sehr widerwärtig war, an das sie sich jedoch schon gewöhnt zu haben schienen. Korobotschka bat ihn Platz zu nehmen.
Der Präsident begann zuerst damit, daß er ihren Mann gekannt habe und ging dann plötzlich zu der Frage über: „Sagen Sie bitte, ist es wahr, daß neulich in der Nacht ein Mensch mit der Pistole in der Hand zu Ihnen gekommen ist und Ihnen gedroht hat, Sie zu ermorden, wenn Sie ihm nicht, der Teufel weiß was für Seelen abtreten wollten? Können Sie uns nicht erklären, was er damit eigentlich für eine Absicht verfolgte.“
„Gewiß, warum sollte ich das nicht können! Versetzen Sie sich doch in meine Lage: fünfundzwanzig Rubel in Banknoten! Ich weiß wirklich nicht: ich bin Witwe und habe ja gar keine Erfahrung; es ist doch so leicht, mich zu betrügen und noch dazu in einer Sache, von der ich wahrhaftig auch nicht das Mindeste verstehe, Väterchen. Was Hanf kostet, das weiß ich, Speck habe ich auch schon verkauft, noch voriges ...“
„Nein, bitte, erzählen Sie mir doch die Sache erst recht ausführlich. Wie war das doch? Hatte er wirklich eine Pistole in der Hand?“
„Nein, Väterchen. Gott behüte, Pistolen habe ich keine gesehen. Aber ich bin bloß eine Witwe — ich kann doch wirklich nicht wissen, wie hoch die toten Seelen im Preise stehen. Nicht wahr Väterchen, Sie werden mich nicht im Stiche lassen, sagen Sie es mir doch bitte, damit ich den richtigen Preis erfahre.“
„Was für einen Preis? Was für einen Preis, Mütterchen? Was für einen Preis meinen Sie?“
„Den Preis für tote Seelen, Väterchen!“
„Ist sie dumm geboren oder ist sie übergeschnappt?“ dachte der Präsident, indem er ihr starr ins Gesicht sah.
„Fünfundzwanzig Rubel? Ich weiß wirklich nicht, vielleicht sind sie fünfzig Rubel wert, oder sogar noch mehr.“
„Bitte zeigen Sie mir doch den Schein,“ sagte der Präsident und hielt ihn ans Licht, um sich zu überzeugen, ob er nicht falsch sei. Aber es war ein ganz gewöhnlicher ordentlicher Schein.
„Aber so erzählen Sie doch bloß, wie der Kauf zustande kam, und was er Ihnen eigentlich abgekauft hat. Es will mir nicht in den Kopf ... ich kann absolut nichts verstehen ...“
„Gewiß hat er mir welche abgekauft,“ sagte Karobotschka, „aber warum wollen Sie mir bloß nicht sagen, was die tote Seele kostet, damit ich doch ihren richtigen Preis kennen lerne.“
„Ich bitte Sie, was reden Sie da! Wo hat man denn je davon gehört, daß tote Seelen verkauft werden?“
„Warum wollen Sie mir den Preis durchaus nicht sagen?“
„Ach was Preis! Ich bitte Sie, von was für einem Preise kann denn hier die Rede sein? Sagen Sie mir doch ernstlich, wie die Sache war. Hat er Ihnen mit etwas gedroht? Wollte er Sie etwa verführen?“
„Nein, Väterchen, was Sie für Dinge reden! ... Jetzt sehe ich, daß Sie auch ein Käufer sind.“ — Und sie sah ihm argwöhnisch in die Augen.
„Ach was! ich bin doch Gerichtspräsident, Mütterchen!“
„Nein, Väterchen, sagen Sie, was Sie wollen, Sie wollen mich wohl auch .... Sie haben auch die Absicht ... mich zu betrügen. Aber was haben Sie bloß davon? Sie haben doch nur selbst den Schaden davon. Ich hätte Ihnen gern Daunen verkauft: ich werde zu Weihnachten schöne Daunen haben.“
„Mütterchen! Ich sage Ihnen doch, daß ich der Gerichtspräsident bin. Was mache ich mit ihren Daunen, sagen Sie doch selbst! Ich will Ihnen doch gar nichts abkaufen.“
„Aber das ist doch ein ganz christliches Werk, Väterchen,“ fuhr Karobotschka fort. „Heute verkaufe ich Ihnen was und morgen werden vielleicht Sie mir etwas verkaufen wollen. Sehen Sie, wenn wir uns gegenseitig übers Ohr hauen, wo blieben da Recht und Gerechtigkeit? Das wäre doch eine Sünde gegen Gott!“
„Ich bin aber doch kein Kaufmann, Mütterchen, ich bin Gerichtspräsident!“
„Gott weiß, vielleicht sind Sie wirklich der Gerichtspräsident. Ich kann das doch nicht wissen. Nun also? Ich bin doch eine arme Witwe? Warum fragen Sie mich denn so aus? Nein, Väterchen, ich sehe, daß Sie selbst ... auch ... welche kaufen wollen.“
„Mütterchen, ich rate Ihnen, sich an den Arzt zu wenden,“ sagte der Gerichtspräsident wütend. „Bei Ihnen scheint’s wirklich dort oben nicht ganz richtig zu sein“ — fuhr er fort, indem er mit dem Finger auf seine Stirn zeigte. Mit diesen Worten stand er auf und ging hinaus.
Karobotschka aber blieb dabei, daß sie es mit einem Kaufmann zu tun gehabt habe und wunderte sich bloß, wie unfreundlich und bösartig die Leute heutzutage geworden seien, und wie schwer es doch eine arme Witwe auf dieser Welt habe. Der Präsident aber gelangte mit Mühe und Not, von unten bis oben mit Kot bespritzt, nach Hause, nachdem ihm unterwegs noch ein Wagenrad gebrochen war. Das war das Resultat dieser unfreundlichen und erfolglosen Reise, wenn man nicht noch die Beule am Kinn mitrechnen wollte, die er sich mit seinem Stock beigebracht hatte. In der Nähe seines Hauses traf er den Staatsanwalt, der ihm in einer Kutsche entgegengefahren kam. Er schien sehr schlechter Laune zu sein und ließ den Kopf hängen.
„Nun was haben Sie von Sabakewitsch erfahren?“
Der Staatsanwalt senkte das Haupt und versetzte: „In meinem ganzen Leben bin ich noch nicht so behandelt worden.“ ...
„Wieso?“
„Er hat mir einen Fußtritt gegeben,“ sagte der Staatsanwalt mit betrübter Miene.
„Wie?“
„Er hat mir gesagt, ich sei ein unnützer Mensch und tauge nicht für meinen Posten: und doch habe ich meine Kollegen noch nie denunziert. Andere Staatsanwälte schreiben jede Woche Denunziationen, ich habe doch unter jedes Aktenstück mein „Gelesen“ gesetzt, selbst in solchen Fällen, wo es eigentlich meine Pflicht gewesen wäre, über die Kollegen Bericht zu erstatten. — Ich habe auch nie eine Sache absichtlich in die Länge gezogen.“
Der Staatsanwalt war ganz zerknirscht.
„Nun und was sagt er über Tschitschikow?“ fragte der Präsident.
„Was er gesagt hat? Er hat uns alle alte Weiber und Schafsköpfe genannt.“
Der Präsident wurde nachdenklich. Doch in diesem Augenblick kam eine dritte Kutsche angefahren: es war der Vize-Gouverneur.
„Meine Herren! Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß wir auf der Hut sein müssen. Man sagt, unsere Provinz soll wirklich einen Generalgouverneur erhalten.“ Der Präsident und der Staatsanwalt rissen den Mund auf, und der Gerichtspräsident dachte sich: „Der kommt auch gerade zur rechten Zeit, um die Suppe auszuessen, die wir hier eingebrockt haben, und für die sich der Teufel selbst bedanken würde. Wenn der erfährt, was für eine Unordnung in der Stadt herrscht!“
„Schlag auf Schlag!“ dachte der Staatsanwalt, der ganz geknickt dastand.
„Und wissen Sie nichts darüber, wer zum Generalgouverneur ernannt werden soll, was er für ein Mensch ist, und was für einen Charakter er hat?“
„Davon ist noch nichts bekannt,“ sagte der Vizegouverneur.
In diesem Moment kam der Postmeister in einer Droschke angefahren.
„Meine Herren! Ich gratuliere Ihnen zum neuen Generalgouverneur.“
„Wir wissen schon, wir wissen schon, aber es ist doch noch gar nichts bekannt,“ versetzte der Vizegouverneur.
„O, nein, man weiß schon, wer es ist,“ erwiderte der Postmeister: „Fürst Odnosorowski-Tschementinski.“
„Nun und was spricht man von ihm?“
„Er soll ein sehr strenger Herr sein,“ sagte der Postmeister, „ein sehr weitsichtiger Mann von sehr starkem Charakter. Er soll früher bei irgend einer staatlichen Baukommission gewesen sein, verstehen Sie wohl. Da seien einmal kleine Unregelmäßigkeiten vorgekommen. Nun, was denken Sie wohl Verehrtester, er hat alle miteinander zerschmettert, er hat sie ganz zu Staub zermalmt, sodaß überhaupt nichts mehr von ihnen übrig blieb, sehen Sie wohl.“
„Hier in der Stadt sind doch aber die strengen Maßregeln garnicht am Platze.“
„O je, das ist ein gelehrtes Haus! lieber Herr! Ein Mensch von kolossalen Dimensionen!“ fuhr der Postmeister fort. „Einmal passierte was ....“
„Aber meine Herren,“ sagte der Postmeister, „wir reden hier ganz offen auf der Straße in Gegenwart unserer Kutscher. Fahren wir doch lieber zu ...“
Erst jetzt kamen die Herren wieder zu sich. Auf der Straße hatten sich nämlich schon mehrere Zuschauer angesammelt, welche dastanden und die vier Herren, die sich von ihren Droschken aus miteinander unterhielten, angafften. Die Kutscher spornten ihre Pferde an und die vier Droschken fuhren eine hinter der andern zum Gerichtspräsidenten.
„Daß uns der Teufel diesen Tschitschikow auch gerade im ungünstigsten Augenblick hierher senden mußte!“ dachte der Präsident, während er im Vorzimmer seinen bis oben mit Dreck bespritzten Pelz auszog.
„Mir wirbelt alles im Kopfe herum,“ sagte der Staatsanwalt und legte gleichfalls den Pelz ab.
„Aus dieser Sache werde ich nicht klug,“ sprach der Vizegouverneur, indem er sich seines Pelzes entledigte.
Der Postmeister sagte gar nichts und begnügte sich damit, seinen Pelz abzulegen.
Man trat ins Zimmer, wo sofort ein kleiner Imbiß hereingetragen wurde. Die Provinzialbehörden können nun mal nicht ohne solch einen Imbiß auskommen, und wenn sich zwei Beamte in einer Provinz zusammenfinden, so stellt sich der Imbiß ganz von selbst als dritter im Bunde ein.
Der Gerichtspräsident trat an den Tisch, goß sich ein Gläschen bitteren Wermuth ein und sagte: „Schlagt mich tot, ich weiß nicht, wer dieser Tschitschikow ist.“
„Ich noch weniger,“ versetzte der Staatsanwalt. „Eine so verwickelte Affäre ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen, ich habe wirklich nicht den Mut, die Sache in die Hand zu nehmen.“
„Und doch! trotzalledem. Was der Mensch für einen weltmännischen Schliff besitzt!“ meinte der Postmeister, indem er sich erst einen dunklen Likör einschenkte, ein paar Tropfen von einem rosafarbenen hinzugoß und beide miteinander mischte: „Er war sicher in Paris. Ich glaube bestimmt, er ist etwas Ähnliches, wie ein Diplomat gewesen.“
In diesem Augenblick betrat der Polizeimeister das Zimmer, der allbekannte und so hoch verehrte Wohltäter der Stadt, der Abgott der Kaufmannschaft und berühmte Künstler und Arrangeur opulenter Diners, Soupers und sonstiger Festivitäten.
„Meine Herren,“ rief er aus, „ich habe nicht das Geringste über Tschitschikow erfahren können. Ich konnte doch nicht in seinen eigenen Papieren herumstöbern: er verläßt ja auch sein Zimmer garnicht mehr, und scheint krank zu sein. Ich habe mich auch bei seinen Leuten erkundigt. Seinen Bedienten Petruschka und den Kutscher Seliphan ausgefragt. Der erste war ein wenig betrunken, übrigens scheint er sich immer in solch einem Zustande zu befinden.“ Bei diesen Worten trat der Polizeimeister an das Anrichtetischchen und bereitete sich eine Mischung aus drei Likören. „Petruschka behauptet, sein Herr hätte mit allerhand Leuten zu tun gehabt, ich glaube, es sind lauter ehrenwerte Männer, die er nannte, so z. B. Perekrojewski ..... er führte dann noch eine Reihe von Gutsbesitzern an — alles Kollegienräte oder sogar Staatsräte. Der Kutscher Seliphan erzählt, alle hätten ihn für einen gescheiten Mann gehalten, weil er sich im Dienste vortrefflich bewährt und ausgezeichnet habe. Er habe im Zollamt gedient und hätte in irgend einer staatlichen Baukommission gesessen! Was das für eine Kommission gewesen sei, das konnte er mir jedoch nicht sagen. Er habe drei Pferde: „Eins hätten sie vor drei Jahren gekauft, den Schecken hätten sie gegen ein anderes von gleicher Farbe umgetauscht und das dritte hätten sie gleichfalls gekauft .....“ sagte er. Er erklärt ganz bestimmt, Tschitschikow heiße wirklich Pawel Iwanowitsch und sei Kollegienrat.“
Alle Beamten versanken in tiefes Sinnen.
„Ein anständiger Mensch, und dazu noch Kollegienrat!“ dachte der Staatsanwalt, „und entschließt sich zu einer solchen Sache! Will die Tochter des Gouverneurs entführen, kommt auf die wahnsinnige Idee, tote Seelen zu kaufen und in tiefer Nacht alte Scharteken von Gutsbesitzerinnen aus dem Schlafe zu stören — das schickt sich wohl für einen Husarenleutnant, aber doch nicht für einen Kollegienrat!“
„Wenn er Kollegienrat ist, wie kann er sich denn dann zu einer so verbrecherischen Handlung, zur Fälschung von Banknoten, entschließen,“ dachte der Vizegouverneur, der selbst auch Kollegienrat war, die Flöte spielte und in seinem Innern weit mehr zu den schönen Künsten als zum Verbrechen neigte.
„Sagen Sie, was Sie wollen, meine Herren, aber wir müssen dieser Sache ein Ende machen! Komme was da wolle! Denken Sie doch, wenn der Generalgouverneur erscheint und dahinter kommt, daß bei uns weiß der Teufel was los ist!“
„Und wie denken Sie, daß wir handeln müssen?“
Der Polizeimeister versetzte: „Ich glaube wir müssen entschlossen vorgehen.“
„Wie meinen Sie das: entschlossen?“ wandte der Präsident ein.
„Wir müssen ihn verhaften lassen, als einen Menschen, der sich verdächtig gemacht hat.“
„Ja aber wie? wenn er statt dessen uns als verdächtige Individuen verhaften läßt?“
„Waaas?“
„Nun, ich meine, wenn er etwa hierhergesandt worden ist und geheime Vollmachten hat! Tote Seelen? Hm! Wenn das nur kein Vorwand ist, daß er sie kauft, ein Vorwand, um etwas über jene Toten zu erfahren, die, wie es im Bericht heißt, ‚aus unbekannten Ursachen‘ verstorben sind.“
Diese Worte ließen alle verstummen. Der Staatsanwalt war aufs äußerste überrascht. Auch der Präsident, der sie selbst ausgesprochen hatte, wurde nachdenklich. Beiden ...
„Also meine Herren, was sollen wir tun?“ sagte der Polizeimeister, der Wohltäter der Stadt und der Liebling der Kaufleute, indem er die wunderbare Mischung aus dem süßen und bitteren Likör hinabstürzte und einen Bissen in den Mund steckte.
Ein Diener brachte eine Flasche Madeira und einige Weingläser herein.
„Ich weiß wirklich nicht, was wir anfangen sollen?“ sagte der Präsident.
„Meine Herren,“ erklärte hier der Postmeister, nachdem er ein Glas Madeira hinabgegossen und ein Stück holländischen Käse mit Butter nebst einem Bissen Stör verschlungen hatte, „ich bin der Meinung, daß wir diese Sache gründlich untersuchen müssen, wir müssen sie gründlich durchforschen und gemeinsam in corpore beraten, d. h. wir sollten alle zusammenkommen wie im englischen Parlament, verstehen Sie wohl, um den Gegenstand zu ergründen, damit er uns in all seinen feinsten Details deutlich und durchsichtig wird, verstehen Sie?“
„Meinetwegen wollen wir uns irgendwo versammeln,“ sagte der Polizeimeister.
„Ja, wir wollen uns versammeln,“ fiel der Präsident ein, „und gemeinsam entscheiden, wer dieser Tschitschikow ist.“
„Ja, das wird das vernünftigste sein — wir müssen entscheiden, wer Tschitschikow ist.“
„Wir wollen jeden um seine Meinung fragen, und dann entscheiden, wer Tschitschikow ist.“
Bei diesen Worten verspürten alle zugleich eine unbändige Lust nach ein paar Flaschen Champagner. Man trennte sich, höchst befriedigt darüber, daß das Komitee alles aufklären und den sicheren Beweis erbringen werde, wer eigentlich Tschitschikow war.
IV.
A. Die Geschichte vom Hauptmann Kopeikin.
(Nach einer der ersten Fassungen.)
„Nach dem Feldzuge vom Jahre 1812, werter Herr,“ hub der Postmeister an, obwohl nicht ein einzelner Herr, sondern ganze sechs im Zimmer anwesend waren, „nach dem Feldzuge von 1812 wurde zusammen mit andern Verwundeten auch ein Hauptmann namens Kopeikin ins Lazarett eingeliefert. War es bei Krasnoje oder in der Schlacht von Leipzig gewesen, genug, lieber Herr, er hatte im Kriege ein Bein und einen Arm verloren. Sie wissen doch, damals gabs noch keine von den bekannten Veranstaltungen und Einrichtungen für die Verwundeten: dieser Invalidenfonds — das können Sie sich wohl denken — der wurde sozusagen erst viel später gegründet. Unser Hauptmann Kopeikin sieht also, daß er arbeiten muß, aber verstehen Sie wohl, er hatte ja doch nur einen Arm, nämlich den linken. Er schrieb also nach Hause an seinen Vater, aber der Vater gab ihm zur Antwort: ‚Ich kann dich nicht auch noch ernähren.‘ Denken Sie sich! ‚Ich verdiene mir nur selbst mit knapper Not meinen Unterhalt.‘ Nun sehen Sie wohl, werter Herr, da beschloß denn mein Kopeikin nach Petersburg zu reisen und an die Gnade des Monarchen zu apellieren, ob dieser ihm nicht eine kleine Unterstützung bewilligen wolle: er habe doch gewissermaßen, sozusagen sein Leben geopfert und sein Blut vergossen ... Er fuhr also in einem Gepäckwagen oder in einem staatlichen Transportwagen nach der Hauptstadt, Verehrtester, und gelangte so mit Mühe und Not nach Petersburg. Und nun stellen Sie sich vor: da befindet sich nun dieser selbe, d. h. dieser Hauptmann Kopeikin plötzlich in der Hauptstadt, die sozusagen in der ganzen Welt nicht ihresgleichen hat! Mit einem Male ist es um ihn herum licht und hell, gewissermaßen ein weites Feld des Lebens, so eine Art märchenhafte Scheherazade, verstehen Sie mich wohl. Also denken Sie nur, plötzlich liegt vor ihm so ein Newski-Prospekt oder solch eine Erbsenstraße oder, hol’s der Teufel, irgend so eine Liteinaja, da ragt irgend so ein Turm in die Luft und dort hängen ein paar Brücken, wissen Sie, so ohne jegliche Stützen und Pfeiler, mit einem Wort die reinste Semiramis. Verehrtester, tatsächlich! Erst trieb er sich eine Weile in den Straßen herum, um sich eine Wohnung zu mieten; aber das war ihm alles zu brenzlich: all diese Gardinen, Rouleaux und all das Teufelszeug, verstehen Sie, diese Teppiche, das reinste Persien, Verehrtester ... Mit einem Wort, beziehungsweise, man tritt das Kapital nur so mit Füßen. Man geht über die Straße, und die Nase merkt schon von ferne, daß es nach Tausenden riecht; und, Sie wissen doch, die ganze Staatsbank meines Hauptmannes Kopeikin besteht aus fünf blauen Scheinen das war alles, verstehen Sie wohl. So mietete er sich denn schließlich ein Zimmer in einem Gasthaus zur Stadt Reval für einen Rubel pro Tag. Sie wissen: ein Mittagessen aus zwei Gängen, eine Kohlsuppe und ein Stück Suppenfleisch dazu. Er sieht also: große Sprünge kann er da nicht machen. Er beschloß daher, am folgenden Tage zum Minister zu gehen, Verehrtester. Der Kaiser war nämlich damals nicht in der Hauptstadt, denn die Armee war noch nicht aus dem Kriege zurückgekehrt, das können Sie sich wohl denken. So stand er denn eines Morgens etwas früher auf, kratzte sich mit der linken Hand seinen Bart, denn sehen Sie wohl, wäre er zum Barbier gegangen, so hätte das im gewissen Sinne neue Ausgaben verursacht, zog sich seine Uniform an und begab sich auf seinem Holzfuß umherhumpelnd zum Minister. Und nun stellen Sie sich vor, er fragt erst einen Schutzmann, wo der Minister wohnt. ‚Dort,‘ antwortet dieser und zeigt auf ein Haus am Schloßquai. Eine feine Bauernhütte kann ich Ihnen sagen! Große Fensterscheiben, meterlange Spiegel, Marmor und überall Metall, denken Sie sich bloß, Verehrtester! So’ne Türklinke, wissen Sie, da muß man zuerst in einen Laden laufen, sich für einen Groschen Seife kaufen und sich sozusagen stundenlang die Hände reiben, ehe man es wagt sie anzufassen! Mit einem Wort, nichts als Ebenholz und Lack, daß einem fast die Sinne schwinden, Verehrtester! Am Eingang, verstehen Sie, da steht so ein Portier: der reinste Generalissimus: so’ne Grafenphisiognomie, mit einem Säbel in der Hand und einem Battistkragen, Teufel auch! Wie ein wohlgepflegter Mops. Mein Kopeikin schleppt sich also auf seinem Holzfuß ins Vorzimmer, setzt sich in einen Winkel, um nur nicht mit dem Arm gegen irgend so ein Amerika oder Indien, gegen so eine vergoldete Porzellanvase zu stoßen, verstehen Sie. Sehen Sie wohl, natürlich mußte er eine halbe Ewigkeit dort warten, weil er zu einer Zeit gekommen war, wo der Minister sozusagen noch kaum aus dem Bette gestiegen war und sein Kammerdiener ihm eben irgend so ein silbernes Becken reichte, verstehen Sie wohl, wo man sich drin wäscht. Mein Kopeikin wartet also vier Stunden lang, da kommt endlich der Adjutant oder ein anderer diensthabender Beamter und sagt: Der Minister wird gleich erscheinen. Im Vorzimmer aber drängen sich schon die Menschen wie die Bohnen in einer Schüssel. Lauter hohe Beamte der vierten Klasse, Oberste und hie und da sogar einer mit Markronen auf den Achselklappen, verstehen Sie wohl, mit einem Wort sozusagen die ganze Generalität. Schließlich betritt denn auch der Minister das Zimmer, Verehrtester! Sie können sich vorstellen: er geht erst zum einen und dann zum andern: Warum sind Sie gekommen? Und Sie? Was wünschen Sie? Zuletzt kommt auch mein Kopeikin an die Reihe, nimmt seinen ganzen Mut zusammen und sagt: ‚so und so, ich habe mein Blut vergossen und ein Bein und einen Arm verloren, sozusagen: ich kann nicht mehr arbeiten, und habe daher die Kühnheit, an die Gnade des Monarchen zu apellieren.‘ Der Minister sieht: der Mann hat einen Stelzfuß und der rechte Ärmel baumelt leer herunter. ‚Gut,‘ sagte er, ‚fragen Sie nach ein paar Tagen wieder an.‘ Na also Verehrtester, es vergehen keine vier oder fünf Tage, da erscheint mein Kopeikin schon wieder bei dem Minister. Dieser erkennt ihn sogleich wieder, verstehen Sie wohl. ‚Ah!‘ sagt er, ‚leider kann ich Ihnen diesmal keinen andern Rat geben, als sich bis zur Rückkunft des Kaisers zu gedulden. Dann wird sicherlich etwas für die Verwundeten und die Invaliden geschehen, aber ohne die Einwilligung des Monarchen, sozusagen, vermag ich nichts für Sie zu tun.‘ Hierauf macht er eine kurze Verbeugung und die Audienz ist zu Ende. Sie können sich denken, daß mein Kopeikin sich in einer recht prekären Lage befand, als er den Minister verließ; hatte er doch gewissermaßen weder eine Zusage noch eine Absage erhalten. Das Leben in der Hauptstadt aber wurde natürlich immer schwieriger für ihn, das können Sie sich wohl vorstellen. Er denkt sich also: ‚ich will doch noch einmal zum Minister gehen und ihm sagen: Machen Sie was Sie wollen, Exzellenz, ich habe bald nichts mehr zu essen; wenn Sie mir nicht helfen, dann muß ich gewissermaßen vor Hunger sterben.‘ Aber wie er zum Minister hinkommt, da heißt es: ‚Es geht nicht, der Minister empfängt heute niemand, kommen Sie morgen wieder.‘ Am folgenden Tage — dieselbe Geschichte, der Portier sieht ihn kaum noch an. Mein Kopeikin hat nur noch ein Fünfzig-Kopekenstück in der Tasche. Früher da leistete er sich noch einen Teller Kohlsuppe, und ein Stück Suppenfleisch dazu, jetzt aber kauft er sich höchstens irgend so einen Häring oder so eine Salzgurke und für zwei Groschen Brot — mit einem Wort, der arme Kerl hungert tatsächlich, und doch hat er einen Appetit wie ein Wolf. Oft kommt er an irgend so einem Restaurant vorüber und nun stellen Sie sich vor: der Koch das ist ein Teufelskerl, so ein Ausländer, wissen Sie, der trägt immer nur die feinste holländische Wäsche, steht vor seinem Herd und bereitet euch irgend so ein Finserb oder Kottelets mit Trüffeln, mit einem Wort, irgend so eine Delikatesse, daß unser Hauptmann sich am liebsten selbst aufgefressen hätte vor Appetit. Oder er kommt an den Miljutinschen Läden vorbei: lacht ihm da sozusagen irgend so ein geräucherter Lachs, oder ein Körbchen mit Kirschen — zu fünf Rubel das Stück, oder so ’ne Riesin von Wassermelone, so’n ganzer Omnibus, wissen Sie, aus dem Fenster entgegen, und sucht nach einem Narren, der einem überflüssigen Hunderter in der Tasche hat, verstehen Sie, mit einem Wort, nichts wie Verführungen auf Schritt und Tritt, es läuft einem sozusagen das Wasser im Munde zusammen, für ihn aber heißt’s: warte gefälligst bis morgen. Und nun stellen Sie sich seine Lage vor: einerseits, sehen Sie wohl, dieser Lachs und die Wassermelone, und andererseits irgend so ein bitteres Gericht unter dem Namen: ‚Komm morgen wieder.‘ Endlich hielt es der arme Kerl nicht mehr aus und beschloß, sich um jeden Preis noch einmal eine Audienz zu verschaffen. Er stellte sich also am Eingang auf und wartete, ob nicht noch irgend ein Bittsteller erscheinen werde; schließlich schlüpft er denn auch mit irgend so einen General, wissen Sie, ins Haus, und humpelt auf seinem Stelzfuß bis ins Vorzimmer. Der Minister erscheint wie gewöhnlich zur Audienz: ‚Was haben Sie? und was wünschen Sie?‘ ‚Ah,‘ ruft er, wie er Kopeikin erblickt, ‚ich habe Ihnen doch schon erklärt, daß Sie warten sollen, bis über Ihr Gesuch entschieden wird.‘ — ‚Ich bitte Sie, Exzellenz, ich habe nichts mehr zu essen, sozusagen ...‘ — ‚Was soll ich denn machen? Ich kann nichts für Sie tun, Sie müssen sich schon selbst helfen und sich selbst die Mittel zu verschaffen suchen.‘ — ‚Aber Eure Exzellenz, das können Sie doch selbst gewissermaßen beurteilen, was kann ich mir denn für Mittel verschaffen, wo mir eine Hand und ein Fuß fehlt.‘ Er wollte noch hinzufügen: ‚mit der Nase aber kann ich erst recht nichts anfangen; da kann man sich höchstens einmal schneuzen, aber selbst dazu muß man sich ein Taschentuch kaufen.‘ Allein der Minister, sehen wohl, lieber Herr, — sei es nun, daß Kopeikin ihn langweilte, oder daß er tatsächlich mit wichtigen Staatsangelegenheiten beschäftigt war — der Minister also, können Sie sich vorstellen, wird ganz aufgeregt und zornig. ‚Gehen Sie!‘ ruft er, ‚solche wie Sie, sind noch viele da, gehen Sie und warten Sie ruhig, bis die Reihe an Sie kommt!‘ Jedoch mein Kopeikin antwortete — der Hunger treibt ihn zum äußersten, wissen Sie —: ‚Tuen Sie was Sie wollen, Exzellenz; ich rühre mich nicht vom Flecke, bevor Sie die entsprechende Ordre erteilt haben.‘ Da aber, lieber Herr, können Sie sich vorstellen, da geriet der Minister ganz außer sich. Und in der Tat, bis dahin war es wohl in den Annalen der Weltgeschichte noch nie vorgekommen, daß sich sozusagen irgend ein Kopeikin erkühnte, so mit einem Minister zu sprechen. Sie können sich vorstellen, was ein erzürnter Minister ist, das ist doch gewissermaßen ein Staatsmann sozusagen. ‚Sie frecher Mensch!‘ schrie er: ‚Wo ist der Feldjäger? Der Feldjäger soll kommen und ihn nach seiner Heimat abschieben!‘ Der Feldjäger aber, verstehen Sie wohl, der steht schon da und wartet schon hinter der Tür: so’n baumlanger Kerl, wissen Sie, mit einer Hand wie von der Natur selbst für den Kurierdienst geschaffen. Mit einem Wort: ein richtiger Zahnzieher. So wird denn unser braver Knecht Gottes in den Wagen befördert, und ab geht’s in Begleitung des Feldjägers. ‚Na,‘ denkt Kopeikin, ‚da spar’ ich wenigstens das Reisegeld. Auch dafür bin ich den Herren dankbar.‘ So fährt er denn, Verehrtester, mit dem Feldjäger, und während er so an der Seite des Feldjägers sitzt, spricht er gewissermaßen, sozusagen, zu sich selber: ‚Schön,‘ sagt er, ‚der Minister erklärt mir, ich soll mir selbst helfen und die Mittel suchen! Gut, meinetwegen‘ sagt er, ‚ich will mir die Mittel schon verschaffen!‘ Wie er nun an seinen Bestimmungsort befördert, und wohin er eigentlich gebracht wurde, darüber ist nichts bekannt geworden. Und daher sind denn auch die Nachrichten über den Hauptmann Kopeikin im Strome der Vergessenheit untergegangen, in so einer Lethe, wissen Sie, wie die Poeten es nennen. Doch hier, sehen Sie wohl, meine Herren, hier schürzt sich, kann man wohl sagen, der Knoten unseres Romans. Wo also Kopeikin verschwunden ist, das weiß niemand; aber stellen Sie sich vor, es vergingen auch nicht zwei Monate, als in den Wäldern von Rjasan eine Räuberbande auftauchte, und der Hauptmann dieser Räuberbande, sehen Sie wohl, war kein anderer als der Hauptmann Kopeikin. Er sammelte sich allerhand fahnenflüchtige Soldaten und bildete aus ihnen gewissermaßen eine ganze Räuberbande. Dies war, können Sie sich, natürlich vorstellen, sogleich nach dem Kriege: da war noch alles an ein ungebundenes Leben gewöhnt, wissen Sie — das Leben galt damals kaum mehr als einen Groschen: eine Freiheit und Zügellosigkeit sag ich Ihnen, man pfiff auf alles — mit einem Wort, Verehrtester, er hatte eine ganze Armee zu seiner Verfügung. Kein Reisender konnte mehr ruhig passieren, und dies alles richtete sich, sozusagen, nur gegen den Reichsschatz. Wenn einer vorüber kam, der in seinen eigenen Geschäften reiste — na, dann fragte man nur: ‚was wollen Sie?‘ und ließ ihn laufen! Handelte es sich dagegen um einen staatlichen Transport; Viehfutter, Proviant oder Geld, — mit einem Wort alles, was sozusagen den Namen des Staates trägt — da gab’s kein Pardon. Nun, Sie können sich vorstellen, er brandschatzte den Beutel des Fiskus gründlich. Oder er hört etwa, daß der Termin für die Bezahlung der Staatssteuern vor der Tür steht — sofort ist er an Ort und Stelle. Er läßt sogleich den Dorfschulzen zu sich rufen und schreit: ‚her mit dem Zins und den Staatssteuern.‘ Na, Sie können sich denken, der Bauer sieht: ‚so ein hinkender Teufel, sein Rockkragen ist rot und glänzt vor lauter Gold wie die Federn eines Phönix, Teufel auch, das schmeckt nach Ohrfeigen.‘ ‚Da nimm, Väterchen, aber laß uns nur in Ruhe.‘ Er denkt natürlich: ‚das ist irgend so ein Kreisrichter oder womöglich noch was Schlimmeres sozusagen.‘ Das Geld aber, Verehrtester, das nimmt er natürlich in Empfang, ganz wie es sich gehört, und stellt den Bauern eine Quittung aus, um sie gewissermaßen vor den Behörden zu entschuldigen, und ihnen zu bescheinigen, daß sie das Geld wirklich abgeliefert und ihre Steuern vollzählich bezahlt haben, empfangen aber habe es der und der d. h. der Hauptmann Kopeikin; ja er setzte sogar noch sein Siegel darunter, mit einem Wort, Verehrtester, er raubt und stiehlt, daß es nur so eine Art hat. Mehrere Male wurden Soldatendetachements ausgesandt, um ihn zu fangen, aber mein Kopeikin kümmert sich den Teufel darum. Das waren eben lauter Schinderhannesse, verstehen Sie, die da zusammen gekommen waren ... Schließlich aber bekam er doch wohl Angst, als er sah, daß dies kein Spaß war, und daß er sich da sozusagen eine schöne Suppe eingebrockt hatte; die Verfolgungen nahmen jeden Augenblick zu, er selbst aber hatte sich unterdessen ein recht hübsches Kapitälchen zurückgelegt lieber Herr, na, und da rückte er denn sozusagen eines Tages ins Ausland aus, ins Ausland, Verehrtester, verstehen Sie wohl, d. h. in die Vereinigten Staaten. Von dort aus schreibt er einen Brief an den Kaiser, können Sie sich denken, einen äußerst redegewandten und so großartig stilisierten Brief, wie Sie sich nur vorstellen können. All diese Platos und Demosthenesse im Altertum — das sind sozusagen die reinsten Waschlappen oder Küster gegen ihn: ‚du darfst nicht glauben, Kaiser,‘ schreibt er, ‚daß ich dieses und jenes‘ ... Mit einem Wort, er ließ euch Perioden vom Stapel — geradezu glänzend! ‚Nur die Notwendigkeit war die Ursache meines Handelns,‘ sagt er; ‚ich habe sozusagen mein Blut vergossen und gewissermaßen mein Leben nicht geschont und nun habe ich, denken Sie sich bloß, nichts mehr zum Leben. Ich bitte dich, meine Kameraden straflos ausgehen zu lassen,‘ sagt er, ‚sie sind unschuldig, denn ich habe sie sozusagen verführt, übe Gnade und verfüge, daß in Zukunft, wenn die Verwundeten aus dem Kriege zurückkehren, können Sie sich denken, gewissermaßen für sie gesorgt werde ..‘ Mit einem Wort, der Brief war außerordentlich gewandt stilisiert. Na, Sie können sich denken, der Kaiser war natürlich gerührt. Es tat seinem kaiserlichen Herzen leid um den Mann, obwohl er tatsächlich ein Verbrecher war, und gewissermaßen sozusagen die Todesstrafe verdient hatte, na, und da er sah, wie ein Unschuldiger sozusagen zum Verbrecher werden kann und zugeben mußte, daß hier eine Unterlassungsünde vorlag — übrigens konnte man in jener unruhigen Zeit auch nicht für alles sorgen — Gott allein, kann man wohl sagen, ist ganz ohne Verfehlungen — mit einem Wort, lieber Herr, der Kaiser geruhte diesmal, sozusagen ein einzig dastehendes Beispiel seiner hochherzigen Gesinnung zu geben: er befahl, die Schuldigen nicht weiter zu verfolgen und gab zugleich strenge Ordre, ein Komitee zu gründen, das sich ausschließlich mit der Fürsorge um die Verwundeten zu beschäftigen habe sozusagen und dies ... Verehrtester — war gewissermaßen der Anlaß für die Gründung des Invalidenfonds, durch den jetzt sozusagen in jeder Hinsicht für die Verwundeten gesorgt ist, und ein ähnliches Institut gibt es tatsächlich weder in England noch in allen übrigen aufgeklärten Staaten, können Sie sich denken. Das also ist der Hauptmann Kopeikin, Verehrtester. Nun aber glaube ich folgendes: wahrscheinlich wird er all sein Geld in den Vereinigten Staaten vertan haben, und ist nun zu uns zurückgekehrt, um noch einmal zu versuchen, ob es ihm nicht vielleicht sozusagen, gewissermaßen mit einem neuen Unternehmen gelingen mag.“