Der bekannte Brief Belinskis und eine andere Äußerung seiner Freunde, verstärkt durch eine Anzahl Kritiken zerrütteten Gogol endgültig. Er fühlt sich zu einer Gegenäußerung gezwungen und schreibt die „Beichte des Dichters“. Und Anfang 1848 gibt er seiner heißen Sehnsucht nach und reist nach Jerusalem. Nach seiner Rückkehr bleibt er in der Heimat, langsam nur schreitet die Arbeit an den „Toten Seelen“ vorwärts. Sein Lebensmut sinkt und allmählich unterliegt er in dem schweren Kampfe zwischen der ungeheuren Aufgabe, die er sich gestellt hat, und seinen immer schwächer werdenden geistigen und körperlichen Kräften. In dieser Zeit gewinnt der Geistliche von Rschew, Pater Mathäus, einen tiefgehenden Einfluß auf ihn, und seine strengen asketischen Worte peinigen die kranke Seele des Dichters so, daß er die Predigt des Geistlichen einmal mit dem Angstschrei unterbricht: „Genug, genug, es ist furchtbar!“ Hier soll bemerkt werden, daß ein starker Bestandteil von Gogols Religiosität die Furcht vor dem Jenseits war.
Kurz vor seinem Tode verbrannte er den zweiten Teil der „Toten Seelen“. Hartnäckig verweigert er die Annahme von Nahrung: er will sterben. Beides, Verzweiflung und Todessehnsucht, erklärt sich aus der peinigenden Ungewißheit des Dichters, ob seine Werke Gutes stiften würden oder nicht: bis zu seinem Tode kämpften in Gogol flammende Hoffnung und dumpfes Verzweifeln. Und hinzu kommt die unerträgliche Angst vor der Qual der Todesstunde, die nur einen Wunsch gestattet, sich so weit wie möglich auf den furchtbaren Augenblick der Abrechnung mit dem Irdischen vorzubereiten, um die Seele vor der ewigen Verdammnis zu retten.
Gogol starb in Moskau am 21. Februar 1852. Zu seinem Begräbnis erschienen die Spitzen der Stadt, die Leichenfeier fand in der Universitätskirche statt. Eine große Menge Volk hatte sich eingefunden, um dem Dichter die letzte Ehre zu erweisen.
Die feindlichen Stimmen verstummen, und die große Bedeutung Gogols stellt sich immer klarer, wahrnehmbarer heraus. Und in unsern Tagen wird keiner versuchen, an der Bedeutung seiner gewaltigen Dichtungen zu zweifeln, an diesem starken Darsteller der Wirklichkeit — dem ersten, den Rußland aus eigener Kraft hervorgebracht hat.
Anhang
Abende auf dem Gutshof bei Dikanka
(Erster Teil.)
Der erste Teil der in diesem Bande vereinigten Erzählungen erschien im September des Jahres 1831. Die Unterschrift des Zensors trägt das Datum „den 26. Mai 1831.“
I. Der Jahrmarkt in Sorotschintzy stammt aus dem Jahre 1830. 1851 wurde diese Novelle mit unwesentlichen stilistischen Änderungen in der Gesamtausgabe von Gogols Werken wieder abgedruckt.
II. Die Johannisnacht. Diese Erzählung erschien zuerst im Februar- und Märzheft der „Vaterländischen Annalen“ (Otetschestwennye Sapiski), Jahrgang 1830 und zwar anonym unter dem Titel: „Basawrjuk oder die Johannisnacht“. Eine kleinrussische Novelle (nach einer Volkssage), erzählt vom Küster an der Kirche zu Pokrowsk. Gogol arbeitete die Novelle später für die „Abende auf dem Gutshof bei Dikanka“ um. Hierbei beseitigte er einige Änderungen, die Swinjin bei der Drucklegung in den Vaterländischen Annalen eingefügt hatte, und schickte der Erzählung eine kleine Vorrede voraus, in der er auch auf Swinjins Änderungen hinwies.
III. Mainacht oder die Ertrunkene. Ist im Jahre 1829 entworfen und dann für die „Abende“ neu bearbeitet worden. 1851 fügte Gogol noch einige kleine Änderungen ein.
IV. Der verschwundene Brief. Stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1831, und wurde von Gogol für die Gesamtausgabe (II. Aufl.) noch einmal durchgesehen.
Abende auf dem Gutshof bei Dikanka
(Zweiter Teil.)
Der zweite Teil der „Abende“ erschien Anfang März 1832; die Unterschrift des Zensors trägt das Datum: „den 31. Januar 1832.“
I. Die Nacht vor dem Weihnachtsfest wurde 1831 niedergeschrieben und 1851 noch einmal durchgesehen.
II. Schreckliche Rache stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1831. In der ersten Ausgabe der „Abende“ lautete der Titel dieser Novelle „Schreckliche Rache“ („eine alte Sage“). In der zweiten und den folgenden Auflagen der „Abende“ vom Jahre 1836 wurde der Untertitel („eine alte Sage“) fortgelassen.
III. Iwan Fjodorowitsch Schponjka und seine Tante. Die Zeit der Entstehung dieser Novelle ist unbekannt.
IV. Der verhexte Ort. Auch über die Entstehungszeit dieser Erzählung liegen keine Nachrichten vor.
Der Herausgeber.
Druck von Mänicke und Jahn, Rudolstadt.
Fußnoten
[1] berühmter russischer Kritiker.
Anmerkungen zur Transkription
Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Transliteration der russischen Namen wurden nicht verändert.
Offensichtliche Fehler wurden, teilweise unter Zuhilfenahme des russischen Originaltextes, korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
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... Frieda Ichak. ...
... Frida Ichak. ...
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... Dikanka? Das ist ein Kopf, sag’ ich euch! Was konten ...
... Dikanka? Das ist ein Kopf, sag’ ich euch! Was konnte ...
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... Die Hexe hat deine sündige Seele in Verderben gestürzt! ...
... Die Hexe hat deine sündige Seele ins Verderben gestürzt! ...
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... „Verfügung: An den Amtman Jewtuch Makohonenko. ...
... „Verfügung: An den Amtmann Jewtuch Makohonenko. ...
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... erschien der Mondschein vom Leuchten der Schnees! ...
... erschien der Mondschein vom Leuchten des Schnees! ...
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... Dem Schmied überlief es kalt; er erschrak, wurde ...
... Den Schmied überlief es kalt; er erschrak, wurde ...
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... Weber Schapuwalenko. Grüß Gott, Ostop!“ ...
... Weber Schapuwalenko. Grüß Gott, Ostap!“ ...
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... Herrschaften es hier gibt!“ dache der Schmied. ...
... Herrschaften es hier gibt!“ dachte der Schmied. ...
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... kein Mensch kann ohne ein Frauchen leben,“ anwortete der ...
... kein Mensch kann ohne ein Frauchen leben,“ antwortete der ...
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... hät’ er viel Wunderliches erzählen können. Ja, ...
... hätt’ er viel Wunderliches erzählen können. Ja, ...
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... Und siehe da, der seltsame Greis knirrschte zischend ...
... Und siehe da, der seltsame Greis knirschte zischend ...
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... schon und schnarrchte laut über ganz Kijew. ...
... schon und schnarchte laut über ganz Kijew. ...
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... Hetmann selten zu essen bekommt. So was verschmäht ...
... Hetman selten zu essen bekommt. So was verschmäht ...
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... von seltsamem und schrecklichen Äußeren herein. Zum ...
... von seltsamem und schrecklichem Äußeren herein. Zum ...
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... vergangener Zeiten. ...
... vergangenen Zeiten. ...
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... und so hat er die Geschiche denn auch wirklich aufgeschrieben. ...
... und so hat er die Geschichte denn auch wirklich aufgeschrieben. ...
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... Unterwegs passierte nicht besonders Bemerkenswertes. ...
... Unterwegs passierte nichts besonders Bemerkenswertes. ...
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... etwa um irgendwelcher tiefer diplomatischen Pläne willen, ...
... etwa um irgendwelcher tiefer diplomatischer Pläne willen, ...
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... Kopfkissen! Und reiße dem Frauenzimmer ein bischen ...
... Kopfkissen! Und reiße dem Frauenzimmer ein bißchen ...
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... Burschen viel über Jerusalem gehört hatte? ...
... Burschen viel über Jerusalem gehört hatte. ...
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... „Wo sind die Fuhrleute,“ fragte der Großvater und ...
... „Wo sind die Fuhrleute?“ fragte der Großvater und ...
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... Stömen herab. Der Großvater zog sich die neuen ...
... Strömen herab. Der Großvater zog sich die neuen ...
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... bei Gott, rein wie zwei Holzklötze! Die roten Augen glotzen ...
... bei Gott, rein wie zwei Holzklötze! Die roten Augen glotzten ...
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... Augen nach einer Stelle, wo sie das Spülicht aufgießen ...
... Augen nach einer Stelle, wo sie das Spülicht ausgießen ...
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... Sommer verbrachte er in Zarskoje Selow, in glücklicher ...
... Sommer verbrachte er in Zarskoje Selo, in glücklicher ...
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... Pletniew und seinen andern Petursburger Freunden gefiel ...
... Pletniew und seinen andern Petersburger Freunden gefiel ...