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Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke cover

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke

Chapter 143: Der Prozeß.
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About This Book

The play satirizes provincial administration through a sequence of misunderstandings and escalating panic after local dignitaries mistake a passing junior official for a secret inspector. Efforts to conceal inefficiency and secure favor prompt theatrical flattery, bribes, and farcical attempts at impressing the supposed evaluator, while the supposed inspector and his servant exploit the error. Sharp comedic episodes expose vanity, petty corruption, and social pretensions as differing personalities react with fear, opportunism, and hypocrisy across the play's structured scenes.

Katerina Alexandrowna. Versuchen Sie es doch mit einem homöopathischen Mittel.

Iwan Petrowitsch. Da du gerade von Homöopathie sprichst — es ist wirklich merkwürdig, wenn man bedenkt, wie weit man es jetzt mit der Aufklärung gebracht hat, Katerina Alexandrowna. Ich war vor kurzem in einer Vorstellung. Und was glauben Sie? Ein Bengel, wie soll ich euch sagen, so groß (zeigt mit der Hand) und etwa drei Jahr alt, nicht mehr — ihr hättet sehen müssen, wie der auf einem ganz dünnen Seil tanzte! Ich versichere Ihnen, im Ernst, der Atem stockte einem vor Angst!

Alexander Iwanowitsch. Die Melas singt wirklich sehr schön.

Iwan Petrowitsch (bedeutungsvoll). Die Melas? O ja. Mit vielem Gefühl!

Alexander Iwanowitsch. Ausgezeichnet.

Iwan Petrowitsch. Haben Sie bemerkt, wie geschickt sie das ... nimmt ... (beschreibt mit der Hand Kreise vor den Augen).

Alexander Iwanowitsch. Jawohl, besonders das macht sie ganz wundervoll. — Doch es ist gleich zwei Uhr.

Iwan Petrowitsch. Wie! Wollen Sie schon gehen, Alexander Iwanowitsch?

Alexander Iwanowitsch. Es ist Zeit. Ich muß heut vormittag noch an ungefähr drei Stellen sein.

Iwan Petrowitsch. Nun, dann auf Wiedersehn. Wann sehen wir uns? Richtig, ich hab fast vergessen: morgen sind wir doch bei Lukian Fedossejewitsch?

Alexander Iwanowitsch. Ganz bestimmt. (Sie verabschieden sich.)

Katerina Alexandrowna. Leben Sie wohl, Alexander Iwanowitsch.

Alexander Iwanowitsch (in der Garderobe, während er sich den Pelz umlegt). Ich kann diese Art Menschen nicht ausstehen! Das tut nichts, wird nur immer fetter und stellt sich, als wäre er dies und jenes, als hätte es dies getan und jenes verbessert — die leibhaftige Tugend! Und welche Ansprüche das macht! Einen Orden! Und er wird ihn auch bekommen! Ja, er wird ihn bekommen — dieser Gauner! Er wird ihn bekommen! Solche Menschen haben ja immer Erfolg! Und ich? Hä? Fünf Jahre bin ich länger im Dienst und bis jetzt noch nicht einmal für einen Orden vorgeschlagen? Pfui, was für eine ekelhafte Physiognomie? Und dazu entwickelt er noch zarte Gefühle: er will ja gar nichts so besonderes, nur damit man merkt, daß seine Vorgesetzten ihm einige Aufmerksamkeit erweisen. Und er bittet mich noch, daß ich ein Wort für ihn einlegen soll! Da sind Sie an den Richtigen gekommen, Verehrtester! Ich werde ihm schon einen Dienst erweisen! Nein, mein Bester, du sollst keinen Orden bekommen! Keinen! Keinen!! (Klopft einige Male wie zur Bestätigung mit der Faust auf die Handfläche und entfernt sich.)

Der Prozeß.

1. Auftritt

Ein Kabinett.

Proletew (ein Sekretär, sitzt allein im Sessel und hat fortwährend den Schlucken). Was ist denn mit mir los? Grad als wenn’s mir aufstößt. Das Mittagessen von gestern steckt mir noch in der Kehle. Da ißt man und ißt — weiß der Teufel, was man alles ißt! (Es stößt ihm auf.) Da ist’s! (Es stößt ihm auf.) Schon wieder. (Es stößt ihm auf.) Noch einmal! (Es stößt ihm auf.) Jetzt schon zum viertenmal! (Es stößt ihm auf.) Der Teufel soll auch das viertemal holen! Jetzt will ich mal die „Nördliche Biene“ lesen und sehen, was da drin steht. Ah, wie ich diese „Nördliche Biene“ über habe! Grad wie ein Frauenzimmer, das als alte Jungfer sitzengeblieben ist. (Liest und schreit auf.) Krachmanow eine Auszeichnung! Ah? Petruschka Krachmanow! Solch ein kleiner Bengel war er. (Zeigt mit der Hand.) Ich habe ihn doch selbst im Kadettenkorps untergebracht. Ah? (Fährt fort zu lesen, plötzlich schreit er auf, indem er die Augen weit aufreißt.) Was ist das? Was ist das? Heißt das wirklich Burdjukow? Wirklich! Pawel Petrowitsch Burdjukow ist befördert worden! Ah? Nun? Ein bestechlicher Kerl, der zweimal von Gerichtswegen verfolgt wurde, der Vater ein Dieb, der den Fiskus bestohlen hat — der ekelhafteste Mensch, den man sich nur vorstellen kann — Hä? Und die ganze Welt hält ihn für einen aufrichtigen Menschen. Solch ein Schurke! Hat er nicht behauptet: „Der Prozeß Buchtjelew ist nicht sachlich entschieden worden, der Senat ist der Sache nicht auf den Grund gegangen!“ — Und warum? Der Schurke hat einfach erfahren, daß auf meinen Teil zwanzigtausend Rubel fallen würden — da denkt er sich, warum hat er die nicht bekommen? Der ist wie ein Hund, der auf dem Heu liegt: Was er selbst nicht kriegt, gönnt er auch einem andern nicht. Aber ich kenne dich, geh doch und schwindle andern etwas vor, verstell dich nur vor ihnen. Ich weiß genug von dir. Wahrhaftig, ich ärgere mich, daß ich in die Zeitung hineingesehen habe. Wenn man die liest, hat man nichts als Ärger und Ekel. He, Andrei!

2. Auftritt

Der Lakai (hereintretend). Was befehlen Sie?

Proletew. Trag diese Zeitung hinaus! Warum hast du sie überhaupt gebracht, du Narr! (Andrei trägt die Zeitung hinaus.) Was sagt man nur zu diesem Burdjukow. Ah, den würde ich, ohne viel Worte zu machen, einfach nach Kamtschatka schicken. Ich würde ihm mit dem größten Vergnügen einen Schabernack spielen, das muß ich gestehen — sofort in diesem selben Augenblick. Aber es hat sich bis jetzt noch keine, aber auch keine Gelegenheit gefunden ... Was soll ich machen? Gott zürnt mir wohl! Ah, ich würde dich schon streicheln, ich würde dir schon was um die Lippen schmieren ... Und was er für Lippen hat! Wie ein Stier — so ’ne Kanaille!

Der Lakai. Burdjukow ist da.

Proletew. Wer?

Der Lakai. Burdjukow ist da.

Proletew. Was für einen Unsinn redest du?

Der Lakai. Zu Befehl.

Proletew. Du lügst, Esel. Burdjukow? Pawel Petrowitsch Burdjukow?

Der Lakai. Nein, Pawel Petrowitsch nicht — irgendein anderer!

Proletew. Was für ein anderer?

Der Lakai. Belieben Sie selbst nachzusehen: er wartet draußen.

Proletew. Ich lasse bitten.

3. Auftritt

Proletew und Christophor Petrowitsch Burdjukow.

Burdjukow. Bitte entschuldigen Sie die Störung, die ich Ihnen verursache. Allerlei Umstände und Geschäfte haben mich aus unserm Städtchen vertrieben. Ich bin hergekommen, Sie um Ihre persönliche Hilfe und um Ihren Schutz zu bitten.

Proletew (beiseite). Das ist wirklich ein anderer. Aber er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. (Laut.) Was wünschen Sie? Womit kann ich Ihnen dienen?

Burdjukow (zuckt die Achseln). Gott, ein Prozeß. Eine Gerichtssache.

Proletew. Eine Gerichtssache? Gegen wen?

Burdjukow. Gegen meinen eigenen Bruder.

Proletew. Erlauben Sie mir, Sie zuerst um Ihren Namen zu bitten. Und dann setzen Sie mir Ihre Angelegenheit näher auseinander. Wollen Sie bitte Platz nehmen.

Burdjukow. Mein Name ist Burdjukow, Christophor Petrowitsch, und der Prozeß geht gegen meinen leiblichen Bruder, Pawel Petrowitsch Burdjukow.

Proletew. Was sagen Sie? Was? ... Nein!

Burdjukow. Ja, was starren Sie mich so an? Glauben Sie vielleicht, ich bin zu meinem Vergnügen mit der Post aus Tambow hierhergekommen?

Proletew. Gott segne Sie für diese gute Tat! Erlauben Sie mir, Ihre nähere Bekanntschaft zu machen. Etwas Gescheiteres hätten Sie sich nie ausdenken können. Nun soll man noch sagen, daß es keine Großmut und keine Gerechtigkeit gibt! Und was wäre das? Hier steht der leibliche Bruder! Durch Blutsbande verbunden — und er hat den Bruder nicht geschont! Ein Prozeß gegen den leiblichen Bruder! Erlauben Sie, daß ich Sie umarme.

Burdjukow. Mit Vergnügen. Ich hätte Sie selbst gern für Ihr Entgegenkommen umarmt. (Sie umarmen sich.) Das muß ich gestehen: vorhin, als ich Ihr Gesicht sah, hätte ich niemals geglaubt, daß Sie ein so vernünftiger Mensch sind!

Proletew. Da haben wir’s! — Wieso denn?

Burdjukow. Wirklich — im Ernst! Gestatten Sie mir eine Frage: Ihre selige Mutter hat wohl einen großen Schreck gehabt, als sie mit Ihnen schwanger ging?

Proletew. Was der für einen Unsinn zusammenschwatzt!

Burdjukow. Wirklich, seien Sie nicht beleidigt, ich werde Ihnen sagen, das kommt sehr oft vor. Bei unserm Vorsitzenden ist die ganze untere Gesichtspartie, ähnlich wie bei einem Schaf, gleichsam abgeplattet und mit Fell bewachsen — ganz wie bei einem Schaf. Und das infolge eines ganz unbedeutenden Umstandes: als die Selige beim Gebären war, da war ein Schaf am Fenster erschienen, und der Böse muß es reiten, daß es zu blöken anfängt!

Proletew. Bitte, lassen wir den Vorsitzenden und das Schaf in Ruh ... Nein, wie ich mich freue!

Burdjukow. Und wie ich mich erst freue, daß ich solch einen Gönner gefunden habe! Erst jetzt, wo ich Sie näher ansehe, finde ich, daß Ihr Gesicht mir bekannt ist: wir hatten in unserm Karabinierregiment einen Leutnant, der Ihnen ähnelte wie ein Tropfen Wasser dem andern. Ein schrecklicher Trunkenbold! Wissen Sie, ich kann Ihnen sagen: kein Tag verging, ohne daß seine Visage ganz zerschlagen war.

Proletew (beiseite). Wie es scheint, hat dieser Dorfbär nicht die Gewohnheit, seine Zunge im Zaum zu halten; aller Unrat, der in seiner Seele sitzt, muß auf die Zunge. (Laut.) Ich habe nicht viel Zeit, bitte, kommen Sie zur Sache.

Burdjukow. Erlauben Sie, aber das läßt sich im Sitzen nicht erzählen. Das ist ein schwieriger Kasus. Haben Sie die Gutsbesitzerin Jewdokia Malafejewna Merinow aus dem Ustjuger Kreise gekannt? Nein? Sie haben Sie nicht gekannt? Schön. Es war meine leibhaftige Tante und auch die dieser Bestie, meines Bruders. Ich und mein Bruder sind ihre nächsten Erben. — Belieben Sie das zu beachten: darum handelt es sich nämlich! Außerdem ist noch eine Schwester da, die den General Polawischtschew geheiratet hat: nun, über die wollen wir kein Wort weiter sagen, die hat ohnedies schon ihr Teil abbekommen. Nun erlauben Sie: da hat sich also dieser Gauner, mein Bruder, — in dieser Beziehung kann der Teufel noch von ihm lernen — an meine Tante herangemacht: „Tantchen, Sie haben Gottseidank schon siebzig Jahre lang gelebt, wozu wollen Sie sich bei einem so hohen Alter noch mit der Wirtschaft abgeben: lassen Sie lieber mich für Sie wirtschaften und für den Unterhalt sorgen.“ Und so geschah es! Merken Sie etwas? Merken Sie etwas? Er siedelte in ihr Haus über, und nun lebt er dort und herrscht dort wie der wirkliche Herr des Hauses. Hören Sie auch zu?

Proletew. Jawohl.

Burdjukow. Also schön. Ja also ... nun wird die Tante krank. Warum? — Gott mag es wissen. Vielleicht hat er selbst ihr etwas eingegeben. Man gibt mir von anderer Seite einen Wink. Merken Sie etwas? Ich komme hin: im Flur begegnet mir diese Bestie, das heißt mein Bruder, ganz in Tränen aufgelöst und wie abwesend, und sagt zu mir: „Nun, Brüderchen,“ sagt er, „nun sind wir für ewig unglücklich: unsere Wohltäterin ...“ „Wie, hat sie ihre Seele Gott überantwortet?“ — „Nein, sie liegt im Sterben.“ Ich trete ein und wirklich: die Tante liegt in den letzten Zügen und rollte nur noch die Augen. Nun, was soll man tun? Weinen? Das hilft ja auch nichts. Das hätte doch nichts geholfen, he?

Proletew. Nein, gar nichts.

Burdjukow. Was ist also zu machen? Nichts ist zu machen! Es war eben Gottes Wille! Ich trete näher heran. „Tantchen,“ sage ich, „wir sind alle sterblich. Unser Leben steht heut wie morgen in Gottes Hand, wie man zu sagen pflegt. Wollen Sie nicht rechtzeitig irgendeine Anordnung treffen?“ Und was tut das Tantchen? Ich sehe, sie kann kaum noch die Zunge bewegen und lallt nur: „Eh, eh, eh!“ Dieser Schuft aber steht neben ihrem Bett und sagt: „Tantchen erklärt hiermit, daß sie ihre Anordnungen schon getroffen hat!“ Hören Sie? Hören Sie?

Proletew. So ein ..! Hatte sie denn wirklich etwas derartiges gesagt?

Burdjukow. I wo, zum Teufel! Sie lallte nur: „Eh, eh, eh!“ Ich dränge also immer mehr. „Gestatten Sie, Tantchen, daß ich erfahre, was das für Anordnungen sind?“ Und was tut das Tantchen? Das Tantchen antwortet wieder nur: „Eh, eh, eh ...“ Jener Schurke aber erklärt wieder: „Tantchen sagt, das sich die betreffenden Anordnungen in ihrem Testament befinden!“ Hören Sie? Hören Sie? Was sollte ich da machen? Ich schwieg und sagte kein Wort!

Proletew. Aber erlauben Sie: warum haben Sie ihn nicht gleich Lügen gestraft?

Burdjukow. Was sollte ich machen? (Gestikuliert mit den Händen.) Er fing an zu schwören, sie hätte das wirklich alles gesagt! Nun — ich mußte ihm glauben!

Proletew. Und hat man das Testament geöffnet?

Burdjukow. Jawohl.

Proletew. Nun, und ..?

Burdjukow. Passen Sie auf: Sobald man nach Christenpflicht alles besorgt hatte, sagte ich, es sei doch jetzt Zeit, sich die letzte Willenserklärung der Seligen anzusehen. Der Bruder konnte kaum antworten: er war so voller Schmerz und Verzweiflung, daß er nur fortwährend weinte. „Nehmen Sie es“, sagte er, „und lesen Sie selbst.“ Die Zeugen versammelten sich, und man las das Testament vor. Nun, und was glauben Sie, steht in dem Testament? Folgendes: „Meinem Neffen Pawel Petrows Sohn Burdjukow“ — passen Sie auf — „hinterlasse ich zur Belohnung für seine kindliche Sorge um mich und für sein stetes Verweilen in meiner Nähe bis zu meinem Tode“ — merken Sie etwas? — „mein ererbtes und wohlerworbenes Gut im Kreise Ustjug,“ — aha, soweit ist es also gekommen! — „fünfhundert Seelen, Mobilien und alles Übrige!“ Nun, haben Sie gehört? „Meiner Nichte Maria Petrowna Powalischtschew, geborene Burdjukow, hinterlasse ich das ihr zukommende Gut von hundert Seelen ... Meinem Neffen“, aha, merken Sie etwas? Da ist die Eiterbeule! „Chrisanphy Petrows Sohn Burdjukow“, passen Sie auf, passen Sie auf, „vermache ich als Erinnerung an mich“, oho! oho! „drei Samtröcke und das ganze Gerümpel, das sich im Speicher befindet, als da sind: zwei Federbetten, das Fayencegeschirr, die Laken und Häubchen ...“ und der Teufel mag wissen, was für Lumpereien noch! Nun? wie gefällt Ihnen das? Ich frage Sie: wozu zum Teufel brauche ich drei Samtröcke?

Proletew. So ein Lump! Ich bitte Sie!

Burdjukow. Eine Schurkerei — das stimmt vollkommen. Ich bin durchaus einer Meinung mit Ihnen, aber ich frage Sie nochmals: wozu brauche ich drei Samtröcke? Was soll ich damit anfangen? Soll ich sie mir über den Kopf ziehen?

Proletew. Und haben die Zeugen unterschrieben?

Burdjukow. Natürlich, er hatte sich schon das rechte Lumpenpack zusammengetrommelt!

Proletew. Und die Selige hatte eigenhändig unterzeichnet?

Burdjukow. Darum handelt es sich ja — sie hat unterzeichnet, aber der Teufel mag wissen wie!

Proletew. Wie?

Burdjukow. Passen Sie auf: die Selige hieß Jewdokia, und sie hat so ein Zeug hingekritzelt, das keiner entziffern kann.

Proletew. Warum nicht?

Burdjukow. Ja das mag der Teufel wissen! Sie hätte doch Jewdokia schreiben müssen — in Wahrheit aber hat sie geschrieben: „Tauche ein!“

Proletew. Was Sie sagen!

Burdjukow. Oh, ich werde Ihnen sagen: der ist zu allem fähig! „Und meinem Neffen Chrisanphy Petrow: drei Samtröcke!“

Proletew (beiseite). Dieser Pawel Petrowitsch Burdjukow ist ein Hauptkerl, nie hätte ich geglaubt, daß er so ein Schlaukopf ist!

Burdjukow (gestikulierend). „Tauche ein!“ Was soll das bedeuten? Das ist doch kein Name: „Tauche ein!“

Proletew. Und was beabsichtigen Sie nun zu tun?

Burdjukow. Ich habe schon eine Eingabe behufs Kassierung des Testaments eingereicht, weil die Unterschrift falsch ist. Sie sollen mir doch nichts vorlügen: die Selige hieß Jewdokia und nicht „Tauche ein!“

Proletew. Sie haben ganz Recht! Doch erlauben Sie mir jetzt, die Sache in die Hand zu nehmen. Ich werde sofort einen mir bekannten Sekretär benachrichtigen, und Sie stellen mir inzwischen eine Abschrift von Ihrem Testament zu.

Burdjukow. Ich bin Ihnen unendlich verpflichtet. (Nimmt seinen Hut.) Durch welche Tür geht man hinaus, durch diese oder jene?

Proletew. Bitte durch diese.

Burdjukow. Aha. Ich habe bloß darum gefragt, weil ich noch wegen eines Bedürfnisses wohin muß. Also auf Wiedersehen, Verehrtester! ... Wie heißen Sie doch? ... Ich vergesse es immer.

Proletew. Alexander Iwanowitsch.

Burdjukow. Alexander Iwanowitsch. Alexander Iwanowitsch heißt einer von den Proldiukowskis; kennen Sie ihn?

Proletew. Nein.

Burdjukow. Er wohnt fünf Werst von unserm Gute. Leben Sie wohl!

Proletew. Leben Sie wohl, Verehrtester, leben Sie wohl!

4. Auftritt

Proletew. Später der Diener.

Proletew. Das ist ja ein unerwartetes Glück! Das ist geradezu ein Geschenk; einfach eine Schickung Gottes. Seltsam, aber man fühlt so ein unsagbares Vergnügen in der Seele, als ob einem die eigene Frau zum erstenmal einen Sohn geboren, oder der Minister einem in Anwesenheit aller Beamten einen Kuß gegeben hat. Bei Gott — etwas beinahe Magnetisches. He! Andrei! (Andrei tritt ein.) Geh sofort zu meinem Sekretär und rufe ihn her. Hörst du? Ja — und wart mal: hier hast du ein Trinkgeld, betrink dich ordentlich, heut erlaub’ ich’s dir; und da hast du noch etwas für deinen Jungen, für Kuchen. Sag dem Sekretär, er soll sofort ... es handle sich um eine höchst eilige Angelegenheit! Ach, endlich doch ... aber mit wie vieler Mühe! Auch in unsere Straße also zog das Glück ein! Warte, jetzt setze ich mich hin und pfeife, und wir wollen sehen, wie du tanzen wirst! Wenn ich erst aus meinen Kollegen ein Orchester zusammenbringe, dann sollst du mir tanzen, daß dir dein Leben lang die Hüften schmerzen sollen!

Das Vorzimmer

1. Auftritt

Das Theater stellt ein Flurzimmer dar. Rechts führt eine Tür zur Treppe, links eine zum Saal. Im Hintergrund, etwas zur Seite, die Tür zum Kabinett. Auf einer Bank, die durch die Länge des Raums bis zu dieser Tür reicht, schlafen Pjotr, Iwan und Grigori, einer den Kopf auf die Schultern des andern stützend. An der Tür, die zur Treppe führt, ertönt lautes Klingeln. Die Lakaien erwachen.

Grigori. Geh, mach die Tür auf! Man klingelt.

Pjotr. Und warum bleibst du sitzen? Du hast wohl Beulen an den Füßen, was? Du kannst wohl nicht aufstehen?

Iwan (beruhigend). Nun gut, ich werde gehen. Ich werde schon aufmachen. (Öffnet die Tür und ruft.) Das ist ja Andruschka!

(Ein fremder Diener in Mütze und Mantel tritt ein, er trägt ein Bündel in der Hand.)

Grigori. Nun, du Moskauer Nachteule, was hat dich hierher getrieben!

Der fremde Diener. Du Schuchoner Kauz, wenn du so viel herumgelaufen wärst wie ich! Sie befiehlt mir das da (hebt das Bündel empor) der Blumenhändlerin auf der Petersburgskaja zu bringen. Aber kein Gedanke, daß sie mir etwa eine Kopeke für eine Droschke gibt. Und auch zu eurem Herrn soll ich .. nun, schläft er noch?

Grigori. Wer? Der Bär? Nein, der liegt noch in seiner Höhle und hat noch nicht gebrummt.

Pjotr. Ist es wahr, daß eure Gnädige euch Strümpfe stopfen läßt? (Alle lachen.)

Grigori. Brüderchen, von jetzt ab sollst du die Stopferin heißen — wir werden dich alle so nennen!

Der fremde Lakai. Bist du ein Lügner! Nie habe ich einen Strumpf gestopft!

Pjotr. Aber es ist ja bekannt von euch: bis zum Mittag ist ein Diener bei euch Koch, und nach dem Mittag Kutscher, Lakai oder Stiefelflicker.

Der fremde Lakai. Nun und was ist schon dabei? Ein Handwerk steht doch dem andern nicht im Wege. Man kann doch nicht ohne Arbeit herumsitzen! Gewiß, ich bin Lakai und Damenschneider zugleich. Ich nähe für meine Gnädige und auch für Fremde — so bring ich doch noch ein paar Kopeken zusammen. Und ihr, was tut ihr? Ihr tut nichts!

Grigori. Nein Bruder, ein anständiger Herr wird seine Lakaien nicht mit solchen Arbeiten beschäftigen: dafür gibt es Handwerker genug. Der Graf Bulkin hat allein dreißig Diener, und dort, Bruder, dort gibt es nicht so was. „Petruschka, geh mal da und dahin.“ „Nein,“ würde er antworten, „nein, das ist nicht meine Sache. Belieben Sie doch Iwan zu beauftragen!“ Ja, so ist es! So sieht es aus, wenn ein Herr wie ein Herr lebt! Eure Alte, die aus Moskau angekommen ist, hat überhaupt eine Kalesche wie eine geknackte Nuß. Die Schwänze der Pferde sind mit Strippen zusammengebunden. (Alle lachen).

Der fremde Lakai. Nein, was du für ein Spaßvogel bist! — Und was hast du davon, wenn du den ganzen Tag herumliegst? Dabei kommt keine Kopeke heraus!

Grigori. Was brauche ich deine Kopeken? Wozu ist denn der Herr da? Den Lohn zahlt er mir doch aus, ob ich nun arbeite oder nicht. Für das Alter sparen brauche ich nicht. Das wäre ja ein netter Herr, der seinem Diener keine Pension für seine Arbeit aussetzt.

Der fremde Lakai. Übrigens ... die Kollegen wollen einen Ball geben?

Pjotr. Ja. Kommst du?

Der fremde Lakai. Ach, das wird schon ein Ball werden. Bloß dem Namen nach, sonst ...

Grigori. O nein Bruder, das wird ein richtiger Ball werden! Alle geben einen Rubel, und manche noch mehr. Der Koch des Fürsten hat fünf Rubel gegeben und übernimmt es persönlich, das Essen zu bereiten. Eine Bewirtung wird es geben — nicht etwa bloß Nüsse! Ein halbes Pud Konfitüren sind schon gekauft, dazu Eis ... (man hört ein dünnes Klingeln im herrschaftlichen Kabinet.)

Der fremde Lakai. Geh hin, der Herr klingelt.

Grigori. Der kann warten. — Man will ’ne Lumination machen. Mit der Musik ist auch schon verhandelt worden, man ist sich aber noch nicht einig geworden: es ist kein Baß da, sonst wäre man schon ... (Man hört ein etwas stärkeres Läuten aus dem Kabinett.)

Der fremde Lakai. Geh! Geh doch! Er klingelt.

Grigori. Der kann warten. — Wieviel gibst du?

Der fremde Lakai. Ach, was ist an diesem Ball dran. Das ist alles doch nur so.

Grigori. Nun binde mal deinen Beutel auf, du — Stopferin. Da, sieh ihn dir an, Petruschka, was für einer das ist ... (Pufft ihn mit dem Finger. Während dieser Zeit öffnet sich die Tür, der Herr im Schlafrock streckt die Hand aus und packt Grigori beim Ohr; alle erheben sich von ihren Plätzen.)

2. Auftritt

Der Herr. Was tut ihr eigentlich hier, ihr Müßiggänger? Drei Mann, und kein einziger erhebt sich von seinem Platz! Und ich klingle aus allen Kräften, ich habe beinahe die Schnur zerrissen!

Grigori. Es war nichts zu hören, gnädiger Herr.

Der Herr. Du lügst.

Grigori. Bei Gott! Warum soll ich lügen? Petruschka hat ja auch dabeigesessen. Das ist schon so eine Klingel, gnädiger Herr, die taugt gar nichts, niemals hört man etwas. Man muß den Schlosser rufen.

Der Herr. Nun, dann muß man eben den Schlosser rufen.

Grigori. Ich habe es dem Hausmeister auch schon gesagt. Aber was hilft das? Man sagt ihm etwas, und er schimpft einen nur aus.

Der Herr (erblickt den fremden Lakaien). Was ist denn das da für ein Mensch?

Grigori. Ein Diener von Anna Petrowna, der einen Auftrag an Sie hat.

Der Herr. Nun, Bruder, was hast du mir zu sagen.

Der fremde Lakai. Die gnädige Frau läßt sich empfehlen und läßt Ihnen mitteilen, daß die gnädige Frau heute bei Ihnen sein wird.

Der Herr. Weißt du nicht warum?

Der fremde Lakai. Das weiß ich nicht. Die gnädige Frau sagte nur: Sage Fjodor Fjodorowitsch, ich hätte befohlen, ihn zu grüßen, und ich werde heute zu ihm kommen.

Der Herr. Und wann? Um wieviel Uhr?

Der fremde Lakai. Um wieviel Uhr? Das weiß ich nicht. Die gnädige Frau sagten nur: „Melde Fjodor Fjodorowitsch“ sagte sie, „daß ich zu ihm kommen werde, und daß ich ihn persönlich aufsuchen werde“.

Der Herr. Gut. Petruschka, hilf mir schnell, mich ankleiden. Und ihr da — keiner wird empfangen, hört ihr? Allen wird gesagt, ich bin nicht zu Hause! (Geht, Petruschka folgt ihm.)

3. Auftritt

Der fremde Lakai (zu Grigori). Nun siehst du, da hast du’s bekommen.

Grigori (macht eine abwehrende Bewegung). Ach, das ist schon ein Dienst! Man mag sich so viel Mühe geben, als man will: man wird doch ausgescholten! (Die Klingel an der Flurtür erschallt.)

Grigori. Da kommt schon wieder ein Störenfried. (Zu Iwan.) Geh, mach auf! Was, hältst du Maulaffen feil! (Iwan öffnet die Tür, ein Herr im Pelz tritt herein.)

4. Auftritt

Der Herr im Pelz. Ist Fjodor Fjodorowitsch zu Hause?

Grigori. Nein.

Der Herr. Wie ärgerlich. Weißt du nicht, wohin er gegangen ist?

Grigori. Ich weiß nicht. Wahrscheinlich ins Departement. Wen darf ich melden?

Der Herr. Sag, daß Neweleschtschagin hier war. Und es hätte ihm sehr leid getan, daß er niemand zu Haus getroffen habe. Hörst du? Wirst du es auch nicht vergessen? Neweleschtschagin.

Grigori. Lentjagin?

Der Herr (eindringlich). Neweleschtschagin.

Grigori. Sie sind ein Deutscher?

Der Herr. Was — ein Deutscher! Ein Russe natürlich! Ne-we-lesch-tscha-gin.

Grigori. Hörst du, Iwan, vergiß nich. Erdaschtschagin. (Der Herr entfernt sich.)

5. Auftritt

Der fremde Lakai. Lebt wohl, Brüder. Es ist jetzt Zeit für mich.

Grigori. Nun, wie steht’s? Wirst du zum Ball kommen?

Der fremde Lakai. Das will ich mir noch überlegen. Leb wohl, Iwan. (Ab.)

Iwan. Leb wohl. (Er geht, um die Tür zu öffnen.)

6. Auftritt

Das Stubenmädchen eilt durch das Vorzimmer.

Grigori. Wohin? Wohin? So schenken Sie mir doch nur einen Blick. (Hascht sie beim Rock.)

Das Mädchen. Es geht nicht, es geht nicht, Grigori Pawlowitsch. Halten Sie mich nicht auf, ich habe gar keine Zeit. (Reißt sich los und eilt zu der Tür, die zur Treppe führt.)

Grigori (sieht ihr nach). Schau nur, wie die trippelt! (Lacht.) He he he!

Iwan (lacht). Hi hi hi. (Der Herr tritt herein; Grigori und Iwan machen plötzlich besorgte Gesichter und werden ernst. Grigori nimmt den Pelz von dem Ständer und legt ihn dem Herrn um die Schultern; der Herr entfernt sich. Grigori bleibt in der Mitte des Zimmers stehen und putzt sich die Nase mit dem Finger.)

Grigori. Jetzt haben wir freie Zeit: der Herr ist weg. Nun wäre ja alles gut, aber gleich kommt dieser Teufel, dieser Wanst von einem Hausmeister. (Hinter der Bühne hört man den Hausmeister lärmen: „Es ist ’ne wahrhaftige Strafe Gottes, zehn Mann im Hause und kein einziger räumt auf!“) Da schreit er schon, dieser Dickwanst.

7. Auftritt

Der Hausmeister (tritt sehr beleidigt und erregt herein und gestikuliert heftig mit den Händen). Wenn ihr euch nicht vor Gott fürchtet, so solltet ihr euch doch wenigstens vor eurem Gewissen fürchten. Die Teppiche sind bis jetzt noch nicht ausgeklopft! Sie, Grigori Pawlowitsch, sollten den andern ein Beispiel geben: und gerade Sie schlafen vom Morgen bis Abend. Die Augen sind Ihnen ja ganz verschwollen vom Schlaf, bei Gott! Sie sind ein wirklicher Schurke, Grigori Pawlowitsch!

Grigori. Bin ich denn kein Mensch, daß ich nicht auch mal einschlummern kann?

Der Hausmeister. Wer sagt denn auch ein Wort dagegen? Warum soll man nicht einmal einschlummern können? Aber doch nicht für den ganzen Tag! Und auch du, beispielsweise, Pjotr Iwanowitsch, ohne etwas gegen dich sagen zu wollen, du gleichst doch ganz einem Schwein — bei Gott! Was hast du zu arbeiten? Ein, zwei Leuchter putzen. Und warum sitzt du hier herum? (Pjotr entfernt sich langsam.) Und dir, Iwan, müßte man einfach einen Stoß ins Genick geben.

Grigori (indem er sich entfernt). Ach, dieses Leben — dieses Leben! Der Kerl steht auf und gleich beginnt er zu schreien!

Der Hausmeister (bleibt allein). Darin besteht eben die Ordnung, daß jeder Mensch seine Pflicht kennt. Wenn du ein Diener bist — so mußt du auch ein Diener sein, bist du ein Edelmann — so sei ein Edelmann, bist du ein Bischof — so mußt du ein Bischof sein. Sonst könnte ja jeder anfangen ... ich würde z. B. gleich sagen: „Nein, ich bin kein Hausmeister, sondern ein Gouverneur oder irgendeiner von der Infanterie.“ Aber darauf würde mir doch jeder antworten: „Nein, du lügst, du bist ein Hausmeister und kein General.“ — Ja! „Deine Pflicht ist es, über das Haus zu wachen und über das Benehmen der Diener!“ Ja! „Für dich heißt es nicht: ‚Bon jour comment vous français‘, sondern: halt Ordnung, gib deine Anweisungen!“ So ist’s! Jawohl!

8. Auftritt

Anuschka, das Stubenmädchen aus dem andern Hause, tritt ein.

Der Hausmeister. Ah, Anna Gawrilowna! Meine Hochachtung! Ich begrüße Sie mit außerordentlichem Vergnügen!

Anuschka. Machen Sie sich keine Mühe, Lawrenti Pawlowitsch. Ich komme absichtlich nur auf eine Minute zu Ihnen; ich habe den Wagen Ihres Herrn gesehen und erfahren, daß er nicht zu Hause ist.

Der Hausmeister. Daran haben Sie sehr wohl getan. Ich und meine Frau werden uns sehr freuen. Bitte, setzen Sie sich doch.

Anuschka (setzt sich). Sagen Sie, Sie wissen doch etwas von dem Ball, der in den nächsten Tagen stattfinden soll?

Der Hausmeister. Natürlich. Sehen Sie wohl, es war beispielsweise eine Kollekte veranstaltet: ein Mensch gibt etwas, und ein anderer gibt etwas, und wie gesagt, ein dritter ... Natürlich wird das sozusagen eine größere Summe ausmachen. Ich und meine Frau haben zusammen fünf Rubel gegeben. Natürlich: es ist doch ein Ball! Oder wie man zu sagen pflegt: eine Soiree! Es wird auch was vorgesetzt werden, wie gesagt, Erfrischungen und für die jungen Leute Tänze und Vergnügungen ähnlicher Art.

Anuschka. Ich werde unbedingt kommen, unbedingt. Ich bin nur hergekommen, um zu erfahren, ob Sie und Agafja Iwanowna da sein werden.

Der Hausmeister. Agafja Iwanowna spricht von nichts anderem als von Ihnen.

Anuschka. Ich fürchte mich nur wegen der Gesellschaft.

Der Hausmeister. Nein, Anna Gawrilowna, die Gesellschaft wird sehr gut sein. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich habe gehört, daß der Kammerdiener des Fürsten Tolstogub, der Büfettier und der Kutscher des Fürsten Brjuchowezki und das Stubenmädchen irgendeiner Fürstin da sein werden. Ich hoffe, daß auch einige Beamte kommen werden.

Anuschka. Nur eins gefällt mir gar nicht, daß auch die Kutscher da sein werden. Sie riechen immer nach schlechtem Tabak oder Wodka; und dabei sind sie alle so ungebildet und haben schlechte Manieren.

Der Hausmeister. Erlauben Sie mir Ihnen zu sagen, Anna Gawrilowna, daß es Kutscher und Kutscher gibt. Das ist natürlich richtig: die Kutscher haben ununterbrochen mit den Pferden zu tun und manchmal müssen sie, mit Verlaub zu sagen, sogar den Dung auskehren; gewiß, so ein einfacher Mensch — der trinkt ab und zu ein Glas Wodka und manchmal auch mehr, raucht gewöhnlich Bakun, wie es das einfache Volk meistenteils zu tun pflegt, und so ist es ja natürlich, daß er manchmal beispielsweise nach Dung oder Wodka stinkt — gewiß, das stimmt. Aber das müssen Sie doch selbst sagen, Anna Gawrilowna, daß es auch Kutscher gibt, die zwar Kutscher sind — die man aber nach ihren Gewohnheiten eher Stallbeamte als Kutscher nennen möchte. Ihr Amt oder ihre Obliegenheit sozusagen besteht darin, daß sie Hafer herausgeben oder einem Vorreiter oder Kutscher eine Zurechtweisung erteilen, wenn sie sich was zuschulden kommen lassen.

Anuschka. Wie Sie schön reden können, Lawrenti Pawlowitsch, ich bin immer ganz hingerissen.

Der Hausmeister (mit einem zufriedenen Lächeln). Oh, keine Ursache zu danken, Gnädigste! Gewiß, nicht jeder Mensch kann reden, nicht jeder hat sozusagen die Gabe des Wortes. Natürlich kommt es vor ... daß einer, wie man zu sagen pflegt, nur stammelt ... oder andere Fälle ähnlicher Art ... was ja allerdings eine natürliche Anlage ist ... Aber belieben Sie nicht, in mein Zimmer zu kommen? (Anuschka geht ab, Lawrenti Pawlowitsch folgt ihr.)

Fragment

Ein Zimmer im Hause Maria Alexandrownas.

1. Auftritt

Maria Alexandrowna, eine Dame mittleren Alters, und Michailo Andrejewitsch, ihr Sohn.

Maria Alexandrowna. Hör, Mischa, ich wollte schon längst mit dir sprechen: du mußt deinen Dienst wechseln.

Mischa. Meinetwegen morgen.

Maria Alexandrowna. Du mußt zum Militär.

Mischa (reißt die Augen auf). Zum Militär?

Maria Alexandrowna. Ja.

Mischa. Was sagen Sie, Mamachen, zum Militär?

Maria Alexandrowna. Warum bist du so erstaunt?

Mischa. Aber ich bitte Sie — wissen Sie denn nicht: man muß doch mit dem Junker anfangen!

Maria Alexandrowna. Nun ja, du wirst ein Jahr als Junker dienen, und dann wirst du Offizier werden — laß das nur meine Sorge sein.

Mischa. Aber was finden Sie Militärisches an mir? Auch meine Figur ist doch gar nicht militärisch. Ich bitte Sie, Mütterchen, wahrhaftig, Sie haben mich mit diesen Worten so überrascht, daß ich ... ich ... ich weiß einfach nicht, was ich davon denken soll. Ich bin Gott sei Dank ein wenig dick, und wenn ich noch die Junkeruniform mit den kurzen Schößen anziehen soll, werde ich mich schämen, mich anzusehen.

Maria Alexandrowna. Tut nichts. Man wird dich zum Offizier ernennen, und du wirst eine Uniform mit langen Rockschößen tragen, die deinen Embonpoint gänzlich verdecken wird, so daß man nichts davon merkt. Es ist sogar besser, daß du ein wenig beleibt bist — um so eher wird die Beförderung kommen: sie werden sich ja schämen, daß es in ihrem Regiment so einen dicken Fähnrich gibt.

Mischa. Aber Mutterchen, ich habe ja nur noch ein Jahr bis zum Kollegienassessor. Ich bin schon zwei Jahr lang Titularrat.

Maria Alexandrowna. Hör auf, hör auf! Dieses Wort „Titular“ peinigt meine Ohren; mir kommt immer gleich Gott weiß was dabei in den Sinn. Ich will, daß mein Sohn in der Garde dient, ich kann diese Garnitur jetzt einfach nicht mehr ansehen.

Mischa. Aber Mutterchen, bedenken Sie: sehen Sie mich einmal gut an, auch mein Äußeres. Schon in der Schule nannte man mich eine Schlafmütze. Beim Militär ist es doch immer notwendig, daß man mutig auf seinem Gaul sitzt, eine klangvolle Stimme, einen heldenhaften Wuchs und eine schlanke Taille hat.

Maria Alexandrowna. Das wirst du schon haben, das wirst du schon alles haben. Ich wünsche unbedingt, daß du dienst. Und es gibt einen wichtigen Grund dafür.

Mischa. Was für einen Grund?

Maria Alexandrowna. Nun — einen wichtigen Grund.

Mischa. Immerhin können Sie mir doch sagen, was für ein Grund das ist.

Maria Alexandrowna. Ach, ich habe meinen Grund — ich weiß auch gar nicht, ob du das richtig verstehen wirst. Die Gubomasowa, diese Närrin, sagte vorgestern bei den Rogoschinskis — und zwar absichtlich, damit ich’s hören sollte — ich saß als dritte in der Reihe: vor mir saß Sofia Wotruschkow, die Fürstin Alexandrin und nach der Fürstin Alexandrin gleich ich — und was glaubst du wagte diese abscheuliche Person zu sagen? ... Wahrhaftig, ich wollte mich schon von meinem Platze erheben und wenn nicht die Fürstin Alexandrin dagewesen wäre, weiß ich nicht, was ich getan hätte. Denk dir, sie sagte: „Ich bin sehr froh, daß man keine Zivilisten zu den Hofbällen zuläßt, die sind alle“ sagte sie, „mauvais genre, sie riechen nach etwas Unvornehmen. Ich bin froh,“ sagte sie weiter, „daß mein Alexis keinen solchen ekelhaften Frack trägt“. Und das alles sagte sie so geziert, in so einem Ton, so ... wahrhaftig, ich weiß nicht, was ich getan hätte. Und dabei ist ihr Sohn doch einfach ein Trottel, der nichts kann, als die Beine in die Höhe heben. So ein abscheuliches Frauenzimmer!

Mischa. Was, Mütterchen, das ist der ganze Grund?

Maria Alexandrowna. Ja, jetzt will ich es erst recht haben, ihr zum Trotz — daß mein Sohn bei der Garde dient und alle Hofbälle besucht.

Mischa. Aber Mütterchen, ich bitte Sie: — einzig weil sie eine Närrin ist ...?

Maria Alexandrowna. Nein, ich bin fest entschlossen: sie soll vor Ärger platzen, sie soll wütend sein.

Mischa. Aber ...

Maria Alexandrowna. Oho, ich werde es ihr schon zeigen! Sie mag tun was sie will: ich werde alle meine Kräfte anstrengen, und mein Sohn wird auch in der Garde dienen. Wenn er auch etwas dadurch verliert — er wird unbedingt dort dienen. Soll ich jedem ekelhaften Frauenzimmer gestatten, sich vor mir aufzublasen und ihre Stumpfnase noch höher zu tragen? Nein, nie wird das geschehen! Sie können machen, was Sie wollen, Natalia Andrejewna!

Mischa. Aber werden Sie sie damit auch ärgern?

Maria Alexandrowna. Nein, ich werde das nie zugeben!

Mischa. Gut, wenn Sie es verlangen, werde ich mich zum Militär versetzen lassen; aber wahrhaftig, es wird mir selbst lächerlich vorkommen, wenn ich mich in der Uniform sehen werde.

Maria Alexandrowna. Mindestens ist sie noch vornehmer als dieses Fräckchen. Und nun etwas anderes: ich will dich verheiraten.

Mischa. Wie, alles auf einmal? Ich soll den Dienst wechseln und mich außerdem noch verheiraten?

Maria Alexandrowna. Nun und was ist dabei? Als ob es nicht möglich ist, daß man den Dienst wechselt und zugleich heiratet.

Mischa. Aber ich hatte ja gar nicht die Absicht. Ich will noch nicht heiraten.

Maria Alexandrowna. Du wirst schon wollen, wenn du erst erfährst, wen. Mit dieser Heirat wirst du dein Glück machen: sowohl im Dienst wie in der Familie. Mit einem Wort: ich will dich mit der Fürstin Schlepochwostow verheiraten.

Mischa. Aber Mütterchen, das ist ja eine Gans allerersten Ranges.

Maria Alexandrowna. Gar nicht ersten Ranges. — Sie ist genau so eine wie alle andern. Ein ausgezeichnetes Mädchen, sie hat nur kein Gedächtnis: manchmal vergißt sie sich und sagt etwas Unpassendes; doch das ist nur Zerstreutheit, dafür klatscht sie nicht und sie wird sich nie etwas Schlimmes ausdenken.

Mischa. Aber ich bitte Sie, wie sollte sie auch klatschen! Sie kann ja kaum ein Wort hervorbringen und wenn sie es tut, dann nur so, daß man die Hände ringen möchte. Sie wissen ja selbst, Mütterchen, das Heiraten ist eine Herzensangelegenheit, man muß die Seele ...

Maria Alexandrowna. Nun ja! Als ob ich’s geahnt habe! Höre, laß diesen liberalen Tonfall! Er paßt nicht zu dir, ich habe dir das schon zwanzigmal gesagt. Anderen mag er vielleicht liegen, aber dich kleidet er schon gar nicht.

Mischa. Mütterchen, war ich Ihnen je ungehorsam? Ich bin schon bald dreißig Jahre alt, und ich gehorche Ihnen in allem wie ein Kind. Sie befehlen mir irgendwohin zu fahren, wohin ich in den Tod nicht fahren möchte — und ich tue es, ohne Ihnen auch nur zu zeigen, wie schwer es mir fällt. Sie befehlen mir, mich im Vorzimmer des Herrn Soundso herumzudrücken, und ich drücke mich im Vorzimmer des Herrn Soundso herum, auch wenn es ganz gegen meine Wünsche ist. Sie befehlen mir, auf den Bällen herumzutanzen — und ich tanze, trotzdem alle über mich und meine Figur lachen. Schließlich befehlen Sie mir den Dienst zu wechseln: und ich wechsle den Dienst, mit dreißig Jahren werde ich Junker, werde mit dreißig Jahren gleichsam von neuem geboren wie ein Kind — alles Ihnen zuliebe, und dabei reiben Sie mir jeden Tag den Liberalismus unter die Nase. Es vergeht kein Moment, wo Sie mich nicht einen Liberalen nennen. Hören Sie, Mütterchen, das schmerzt — ich schwöre Ihnen, das schmerzt. Ich habe doch wohl für meine aufrichtige Liebe und Anhänglichkeit an Sie mehr verdient, als ...

Maria Alexandrowna. Bitte, sprich nicht so. Als ob ich nicht weiß, daß du ein Liberaler bist! Ich weiß sogar, wer dir dies alles eingeredet hat: das kommt alles von diesem widerlichen Sobatschkin.

Mischa. Nein, Mütterchen, das ist zu viel, nun soll ich auch noch Sobatschkin folgen. Sobatschkin ist ein Lump, ein Spieler und alles, was Sie wollen. Aber daran ist er unschuldig. Ich werde ihm niemals erlauben, auch nur einen Schatten von Einfluß auf mich zu haben.

Maria Alexandrowna. Ach mein Gott, was ist das für ein furchtbarer Mensch! Ich erschrak förmlich, als ich ihn durchschaute. Ohne alle Grundsätze, ohne Tugenden — was für ein abscheulicher Mensch! Wenn du wüßtest, was er für Gerüchte über mich verbreitet hat! ... Drei Monate konnte ich mein Gesicht nirgends sehen lassen. Talgstümpfe soll man bei mir brennen! Wochenlang sollen die Teppiche in den Zimmern nicht mit der Bürste berührt werden! Die Pferde seien bei mir mit einfachen Stricken angeschirrt, und ich soll so spazieren gefahren sein: mit einem Kummet, wie bei einem gewöhnlichen Droschkengaul ... Ich wurde ganz rot vor Scham; über eine Woche bin ich nicht ausgegangen, ich weiß gar nicht, wie ich das alles überstehen konnte. Wahrhaftig, nur der Glaube an die Vorsehung hat mich noch aufrecht erhalten!

Mischa. Und Sie glauben, daß so ein Mensch Macht über mich gewinnen könnte? Sie glauben, ich würde erlauben, daß er ...

Maria Alexandrowna. Ich habe ihm gesagt, daß er es nicht wagen soll, sich vor meinen Augen zu zeigen, und es gibt nur ein Mittel, mit dem du dich rechtfertigen kannst: daß du jetzt deinen Trotz aufgibst und noch heute der Fürstin eine Deklaration machst.

Mischa. Aber Mütterchen, wenn das nicht möglich ist?

Maria Alexandrowna. Wieso ist das nicht möglich, wieso nicht?

Mischa (beiseite). Ein entscheidender Augenblick. (Laut.) Gestatten Sie mir, mindestens hier meine eigene Meinung zu haben, mindestens in einer Angelegenheit, von der das Glück meines zukünftigen Lebens abhängt. Sie haben mich bis jetzt nicht gefragt — aber wenn ich nun in eine andere verliebt wäre?

Maria Alexandrowna. Das ist ja etwas ganz neues für mich, ich muß gestehen, davon habe ich noch nichts gehört. Nun, und wer ist diese andere?

Mischa. Ach Mütterchen, ich schwöre dir, nie hat es ein ähnliches Wesen gegeben. Sie ist ein Engel: ein Engel an Leib und Seele.

Maria Alexandrowna. Und wo ist sie her? Wer ist ihr Vater?

Mischa. Ihr Vater ist Alexander Alexandrowitsch Odossimow.

Maria Alexandrowna. Odossimow? Der Name ist mir unbekannt. Ich weiß von keinem Odossimow ... Ist er ein reicher Mann?

Mischa. Ein seltener Mensch! Ein merkwürdiger Mensch!

Maria Alexandrowna. Und ist er reich?

Mischa. Was soll ich Ihnen sagen! Sie müssen ihn selbst sehen! Solche seelischen Vorzüge, wie er sie hat, gibt es auf der ganzen Welt nicht wieder.

Maria Alexandrowna. Aber was ist er? Wer ist es? Was ist sein Rang? Wie groß ist sein Vermögen?

Mischa. Ich verstehe, was Sie meinen, Mütterchen. Gestatten Sie mir, Ihnen meine Gedanken offen darzulegen. Wie auch die Verhältnisse sein mögen — es gibt jetzt in Rußland keinen Bräutigam, der nicht eine reiche Braut sucht. Jeder will seine Lage mit Hilfe der Mitgift seiner Frau verbessern. Das mag ja unter gewissen Verhältnissen verzeihlich sein: ich begreife, daß ein Mann, der im Dienste oder anderswo einen Mißerfolg gehabt hat, den vielleicht übermäßige Ehrlichkeit daran gehindert hat, sich ein Vermögen zu erwerben — kurz, was der Grund auch sein mag, — daß der ein Recht hat, sich eine reiche Braut zu suchen. Und vielleicht wären die Eltern ungerecht, die seine guten Eigenschaften nicht anerkennen und ihm ihre Tochter nicht zur Frau geben würden. Aber sagen Sie selbst: würde ein begüterter Mann gerecht handeln, der sich eine reiche Braut suchen wollte? Was sollte dann aus der Welt werden? Das ist doch ebenso, als wollte einer einen Mantel über seinen Pelz anziehen, wenn ihm schon ohnedies warm genug ist ... während dieser Mantel vielleicht jemand anderem die Schultern wärmen könnte. Nein, Mütterchen, das ist unrecht! Der Vater hat sein ganzes Vermögen der Erziehung seiner Tochter geopfert.

Maria Alexandrowna. Genug! Genug! Ich bin nicht imstande, mehr zu hören! Ich weiß schon alles — alles! Da hat er sich in eine Vagabundin verliebt, in die Tochter irgendeines Fourieurs, der vielleicht Gott weiß was treibt.

Mischa. Mütterchen ...

Maria Alexandrowna. Der Vater ist ein Säufer, die Mutter eine Köchin, und die Verwandtschaft besteht aus kleinen Polizeibeamten und Branntweinverkäufern! ... Und das alles muß ich mit anhören, muß das alles ertragen ... ertragen von dem eigenen Sohn, für den ich mein Leben nicht geschont habe! ... Nein, das werde ich nicht überleben!

Mischa. Aber Mütterchen, erlauben Sie ...

Maria Alexandrowna. Mein Gott, was für eine Moral haben denn die jungen Leute jetzt nur! Nein, das werde ich nie überleben, ich schwöre es dir, das werde ich nicht überleben ... Ah, wie wird mir, mir wird ganz schwindlig im Kopf. (Schreit auf.) Ach, ich habe Stiche in der Seite! ... Maschka! Maschka! Das Fläschchen! ... Ich weiß nicht, ob ich den Abend noch erleben werde! Grausamer Sohn!

Mischa (eilt auf sie zu). Mütterchen, beruhigen Sie sich. Sie schaden sich nur ...

Maria Alexandrowna. Und das alles hat dieser widerliche Sobatschkin angerichtet. Ah, ich weiß nicht, warum ich diese Pest bis jetzt noch nicht davongejagt habe.

Der Lakai (in der Tür). Sobatschkin ist gekommen.

Maria Alexandrowna. Was! Sobatschkin? Schickt ihn fort! Fortschicken, daß keine Spur mehr von ihm übrig bleibt!

2. Auftritt

Dieselben und Sobatschkin.

Sobatschkin. Maria Alexandrowna, seien Sie großmütig und verzeihen Sie mir, daß ich so lange nicht bei Ihnen gewesen bin. Aber bei Gott, es war mir unmöglich. Sie können sich gar nicht denken, wieviel Geschäfte ich zu erledigen habe ... ich wußte ja, daß Sie böse sein werden, wahrhaftig, ich wußte es ... (Er erblickt Mischa.) Guten Tag, Bruder, wie geht’s dir?

Maria Alexandrowna (beiseite). Ich finde einfach keine Worte. So ein Mensch! Und er entschuldigt sich noch, daß er so lange nicht hiergewesen ist!

Sobatschkin. Ich freue mich, daß Sie so wohl und gesund sind, soweit man nach dem Aussehen urteilen kann. Und wie steht’s mit der Gesundheit Ihres Herrn Bruders? Ich muß gestehen, daß ich ihn auch hier zu treffen hoffte.

Maria Alexandrowna. Da hätten Sie doch ihn aufsuchen sollen und nicht mich.

Sobatschkin (lächelt). Ich bin gerade zu Ihnen gekommen, um Ihnen eine höchst interessante Anekdote zu erzählen.

Maria Alexandrowna. Ich liebe die Anekdoten nicht.

Sobatschkin. — Von Natalia Andrejewna Gubomasowa.

Maria Alexandrowna. Was? Von der Gubomasowa? ... (Bemüht sich ihre Neugier zu verbergen.) Dann ist es wohl erst vor kurzem passiert?

Sobatschkin. In diesen Tagen.

Maria Alexandrowna. Um was handelt es sich denn?

Sobatschkin. Wissen Sie, daß sie ihre Mädchen eigenhändig prügelt?

Maria Alexandrowna. Nein! Was Sie sagen! Oh, was für eine Schande! Ist es nur möglich?

Sobatschkin. Ich schwöre es Ihnen, erlauben Sie mir, Ihnen den Hergang zu erzählen. Eines Tages befiehlt sie einem Mädchen, das sich irgend etwas hatte zuschulden kommen lassen, sich so, wie es sich gehört, aufs Bett zu legen. Sie selbst geht in ein anderes Zimmer — ich kann mich nicht mehr erinnern warum, aber ich glaube, um eine Rute zu holen. Inzwischen verläßt das Mädchen aus irgendeinem Grunde das Zimmer. Statt ihrer kommt Natalia Andrejewnas Mann hinein, legt sich aufs Bett und schläft ein. Natalia Andrejewna erscheint also mit der Rute, befiehlt einem Mädchen, sich dem auf dem Bett Liegenden auf die Füße zu setzen, deckt einen Lappen über ihn — und prügelt ihren eigenen Mann durch.

Maria Alexandrowna (schlägt die Hände zusammen). Mein Gott, welche Schande! Wie habe ich bis jetzt nur nichts davon erfahren? Aber ich muß Ihnen gestehen, ich war immer davon überzeugt, daß sie zu so etwas fähig sei.

Sobatschkin. Selbstverständlich. Ich habe es schon in aller Welt erzählt. Und da sagt man nun: dies Musterweib! Sie sitzt in ihrem Haus, beschäftigt sich mit der Erziehung ihrer Kinder und bringt ihnen selbst englisch bei! ... Eine schöne Erziehung! Jeden Tag prügelt sie ihren Mann durch wie eine Katze! ... Wahrhaftig, es tut mir leid, aber ich kann nicht länger bei Ihnen bleiben. (Verbeugt sich.)

Maria Alexandrowna. Warum haben Sie es so eilig, Andrej Kondratjewitsch? Schämen Sie sich nicht, nachdem Sie so lange nicht bei mir gewesen sind? ... Ich war immer gewöhnt, Sie als Freund des Hauses zu betrachten — bleiben Sie doch! Ich wollte noch mit Ihnen über etwas sprechen. Hör mal Mischa, der Wagenbauer wartet in meinem Zimmer auf mich: bitte sprich du mit ihm. Frage ihn, ob er es übernehmen will, die Kutsche bis zum ersten wieder in Stand zu setzen. Er soll sie blau anstreichen, mit hellen Ornamenten — in der Art wie die Kutsche der Gubomasowa. (Mischa entfernt sich.)

Maria Alexandrowna. Ich habe meinen Sohn absichtlich weggeschickt, weil ich mit Ihnen allein reden will. Sagen Sie, wissen Sie etwas darüber, ob es hier irgendwo einen Alexander Alexandrowitsch Odossimow gibt?

Sobatschkin. Odossimow? ... Odossimow ... Odossimow ... Ich weiß, daß es irgendwo einen Odossimow gibt ... aber ich kann mich ja genauer erkundigen.

Maria Alexandrowna. Bitte.

Sobatschkin. Ich erinnere mich ... Ja, ich erinnere mich, es gibt einen Odossimow, einen Tischvorsteher oder einen Abteilungschef ... ja, ja, es gibt so einen ...

Maria Alexandrowna. Denken Sie nur, es ist da eine komische Geschichte passiert ... Sie könnten mir einen großen Dienst erweisen.

Sobatschkin. Sie haben nur zu befehlen. Für Sie bin ich zu allem bereit: aber das wissen Sie ja selbst!

Maria Alexandrowna. Es handelt sich um folgendes: Mein Sohn hat sich verliebt ... oder richtiger gesagt, es ist ihm eine wahnsinnige Idee in den Kopf gekommen ... nun, er ist ein junger Mensch ... mit einem Wort: er ist in die Tochter dieses Odossimow verliebt.

Sobatschkin. Verliebt? Aber er hat mir doch nichts davon erzählt? Allerdings, wenn Sie es sagen, wird er wohl verliebt sein.

Maria Alexandrowna. Ich bitte Sie um einen großen Dienst, Andrej Kondratjewitsch ... Ich weiß, Sie gefallen den Frauen.

Sobatschkin. He he he! Woher wissen Sie das? Aber wirklich, denken Sie sich nur: in der Fastnachtswoche haben sich sechs Kaufmannsfrauen ... vielleicht glauben Sie, daß ich ihnen meinerseits irgendwie ... etwa den Hof gemacht habe oder sonst was ... Ich schwöre Ihnen, nicht einmal angesehen habe ich sie! Ja noch mehr! Kennen Sie diesen — wie heißt er nur gleich — Jermolay? Jermolay ...? Mein Gott, Jermolay, der in der Litejnaja wohnte, unweit der Kirotschnaja?

Maria Alexandrowna. Ich kenne dort niemanden.

Sobatschkin. Mein Gott, Jermolay Iwanowitsch, glaub ich — schlagen Sie mich tot, aber ich habe den Familiennamen vergessen. Seine Frau ist vor fünf Jahren in eine peinliche Geschichte verwickelt gewesen ... Sie kennen sie doch? .. Silphida Petrowna?

Maria Alexandrowna. Durchaus nicht. Ich kenne weder einen Jermolay Iwanowitsch noch eine Silphida Petrowna.

Sobatschkin. Mein Gott, der in der Nähe von Kuropatkin wohnte!

Maria Alexandrowna. Ich kenne aber auch Ihren Kuropatkin nicht.

Sobatschkin. Nun, Sie werden sich später daran erinnern. Also die Tochter ist fürchterlich reich. Bis zu zweimalhunderttausend Rubel Mitgift — ohne jeden Schwindel! Noch vor der Hochzeit soll man den Lombardschein in den Händen haben ...

Maria Alexandrowna. Nun, und Sie? Und da haben Sie sie nicht geheiratet?

Sobatschkin. Nein! Drei Tage lang lag der Vater vor mir auf den Knien und flehte mich an. Die Tochter hat es nicht verwinden können und sitzt jetzt im Kloster.

Maria Alexandrowna. Und warum haben Sie sie nicht geheiratet?

Sobatschkin. Mein Gott ... Ich sagte mir: der Vater ist Branntweinpächter, und die Verwandtschaft — lauter hergelaufene Leute ... Glauben Sie mir, später hat es mir wahrhaftig selbst leid getan. Bei Gott, hol’s der Teufel! Wie diese Welt eingerichtet ist! Überall nichts wie Konventionen und Rücksichten! Wie viele hat das schon zugrunde gerichtet!

Maria Alexandrowna. Und warum müssen Sie sich nach der Welt richten? (Beiseite.) Wahrhaftig, jetzt glaubt jedes emporgekommene Insekt, daß es ein Aristokrat ist. Der Mensch ist erst Titularrat, — und man höre nur, wie er spricht!

Sobatschkin. Nun ja, aber es ging nun einmal nicht, Maria Alexandrowna, wirklich, es ging nicht ... Sie verstehen, da hätte man gesagt: „Aha, weiß der Teufel, wen er geheiratet hat ...“ Allerdings passieren mir fortwährend solche Geschichten. Manchmal habe ich wirklich keine Schuld, von meiner Seite ist durchaus nichts geschehen, aber was soll man machen? (Spricht leise vor sich hin.) Dann findet man, wenn die Newa aufgeht, immer zwei bis drei ertrunkene Frauen — ich schweige lieber davon, weil man sonst noch in allerlei Geschichten verwickelt wird ... Ja, man liebt mich — und warum, frage ich? Man kann doch nicht sagen, daß mein Gesicht so sehr ...

Maria Alexandrowna. Hören Sie auf! Als ob Sie nicht selbst wüßten, daß Sie ein schöner Mann sind.

Sobatschkin (lächelt). Stellen Sie sich nur vor: schon als ich noch ein Knabe war, ging keine an mir vorüber, ohne mich mit dem Finger am Kinn zu fassen und zu sagen: „Oh, wie schön dieser Schelm ist!“

Maria Alexandrowna (beiseite). Ich bitte! ... Von wegen der Schönheit — das ist doch ein richtiger Mops! Und das bildet sich ein, daß es schön sei! (Laut.) Nun, dann hören Sie, Andrej Kondratjewitsch, bei Ihrem Äußeren wird das leicht zu machen sein. Mein Sohn ist bis zur Narrheit in das Mädchen verliebt und redet sich ein, daß sie die wahrhafte Güte und Unschuld ist. Wissen Sie, wäre es nun nicht möglich, ihm das Mädchen auf irgendeine Art in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen? Sie sozusagen ein bißchen herabzusetzen? ... Wenn auch Sie keinen Eindruck auf sie machen, so daß sie sich in Sie vergafft ...

Sobatschkin. Seien Sie überzeugt, Maria Alexandrowna, streiten Sie nicht! Sie wird es: ich lasse mir den Kopf abschlagen, wenn sie sich nicht in mich verliebt. Oh, Maria Alexandrowna, lassen Sie mich Ihnen erzählen, mir passierten schon andere Geschichten ... erst in diesen Tagen ...

Maria Alexandrowna. Wie es auch enden mag — ob sie sich nun vernarrt oder nicht: es ist nur notwendig, daß sich in der Stadt das Gerücht verbreitet, Sie hätten ein Verhältnis mit ihr ... und daß mein Sohn es erfährt.

Sobatschkin. Ihr Sohn?

Maria Alexandrowna. Jawohl, mein Sohn.

Sobatschkin. Hm.

Maria Alexandrowna. Was — hm?

Sobatschkin. Oh, nichts. Ich machte nur so: hm.

Maria Alexandrowna. Sie finden vielleicht, daß es zu schwierig für Sie ist?

Sobatschkin. Oh, nein, gar nicht. Aber diese Verliebten ... Sie glauben gar nicht, zu welch sinnlosen Dingen und unpassenden Kindereien sie sich hinreißen lassen: bald sind es Pistolen, bald ... weiß der Teufel, was. Nicht etwa, daß mich das irgendwie ... aber wissen Sie, es schickt sich nicht in der guten Gesellschaft.

Maria Alexandrowna. Oh! Was das betrifft, da seien Sie ganz ruhig. Verlassen Sie sich nur auf mich — das werde ich schon nicht zulassen.

Sobatschkin. Übrigens war das nur eine Nebenbemerkung. Glauben Sie mir, Maria Alexandrowna, wenn es sich darum handelte, mein Leben für Sie aufs Spiel zu setzen: bei Gott, ich würde es mit Vergnügen tun! Ich liebe Sie so sehr, daß es mir, um die Wahrheit zu sagen, fast etwas peinlich ist: sie mögen Gott weiß was glauben, und doch ist es nur tiefe Verehrung. — Ach ja, ausgezeichnet, daß ich mich daran erinnere! Ich wollte Sie bitten, Maria Alexandrowna, mir auf kurze Zeit zweitausend Rubel zu leihen. Weiß der Teufel, was ich für ein idiotisches Gedächtnis habe! Als ich mich anzog, habe ich immerfort daran gedacht: nur die Brieftasche nicht vergessen! Ich lege sie absichtlich auf den Tisch, gerade vor meine Augen. Und nun hab’ ich alles mitgenommen, hab’ die Tabaksdose mitgenommen und ein zweites Taschentuch — nur die Brieftasche ist auf dem Tisch liegen geblieben.

Maria Alexandrowna (beiseite). Was soll ich mit ihm machen? Gebe ich ihm das Geld, so wird er mich vollends auspressen, gebe ich’s ihm nicht, so wird er in der ganzen Stadt solch einen Unsinn über mich verbreiten, daß ich mein Gesicht nirgends sehen lassen kann. Das beste ist, daß er noch behauptet, die Brieftasche vergessen zu haben! Die Brieftasche hast du bei dir, das weiß ich genau, aber sie ist leer. Doch was soll ich machen — man muß ihm das Geld geben. (Laut.) Bitte, Andrej Kondratjewitsch, warten Sie hier, ich werde es Ihnen gleich bringen.

Sobatschkin. Sehr schön, ich werde mich ein Weilchen hersetzen.

Maria Alexandrowna (während sie weggeht, beiseite). Ohne Geld wird der Lump ja doch nichts machen.

Sobatschkin (allein). Diese Zweitausend kann ich gerade ausgezeichnet gebrauchen. Meine Schulden werde ich davon allerdings nicht bezahlen: der Schuster kann warten, der Schneider kann warten, und Anna Iwanowna kann auch warten: sie wird natürlich wieder Lärm schlagen, aber was soll ich machen? Ich kann doch nicht überall mit dem Gelde um mich werfen! Sie hat an meiner Liebe genug, und was das Kleid betrifft — da lügt sie, das hat sie! ... Ich werde es so machen: nächstens wird ein Fest stattfinden, und wenn mein Wägelchen auch noch neu ist, so kennt es doch jeder und hat es schon gesehen. Aber ich höre, daß Jochim soeben mit einem Wagen fertig geworden ist, der ganz nach der letzten Mode gebaut ist und den er noch niemandem gezeigt hat. Wenn ich diese Zweitausend noch zu meinem Wagen hinzulege, so werde ich ihn sehr gut dafür eintauschen können. Ah, wissen Sie, das wird Effekt machen! ... Auf dem ganzen Fest werden höchstens ein oder zwei solche Wagen zu sehen sein. Überall wird man dann von mir sprechen ... Inzwischen muß ich allerdings über Maria Alexandrownas Auftrag nachdenken. Mir scheint, daß es das Vernünftigste ist, wenn ich mit Liebesbriefen beginne. Wie, wenn ich etwa einen Brief in ihrem Namen schriebe und ihn zufällig in seiner Gegenwart fallen ließe oder ihn auf dem Tisch in seinem Zimmer vergesse? Gewiß, es kann allerlei Böses dabei herauskommen. Nun und das wäre? Schlimmstenfalls kann es Schläge geben ... Schläge tun natürlich weh, aber doch nicht so, daß man ... Außerdem kann ich ja auch davonlaufen; und wenn es irgendwie gefährlich wird — laufe ich geradezu in das Schlafzimmer Maria Alexandrownas und zwar direkt unter ihr Bett. Mag er mich doch dort hervorholen! Die Hauptsache ist, wie der Brief geschrieben werden muß! Ich kann in den Tod keine Briefe schreiben: das ist mein Ende! Der Teufel weiß warum! Im Gespräch könnte ich alles, scheint mir, sehr schön auseinandersetzen; aber sowie ich die Feder anfasse, so ist es mir, als ob mir jemand eine Ohrfeige gegeben hätte. Konfusion und nichts als Konfusion — ich kann die Hand nicht bewegen, und alles ist aus ... Vielleicht geht’s so: Ich habe noch einige Briefe, die vor kurzem an mich geschrieben worden sind; wenn ich einen von den besseren aussuchte, den Namen wegradierte und einen andern an seine Stelle setzte? Hm — das ist wirklich nicht übel? Bei Gott, ich werde mal in meinen Taschen nachsehen, ob ich nicht einen finde, den ich brauchen kann. (Nimmt ein paar Briefe aus der Tasche.) Zum Beispiel dieser! (Liest.) „Ich bin Gottseidank gesund, aber ich werde krank vor Schmerz. Oder haben Sie mich ganz vergessen, mein Herzchen? Iwan Danilowitsch hat Sie im Teater gesehen, mein Herzchen — ach, wären Sie doch zu mir gekommen und hätten Sie mich durch Ihre heiteren Gespreche beruhigt.“ Hol’s der Teufel, ich glaube die Orthographie stimmt nicht. Nein, mit dem läßt sich keine Falle legen, glaube ich. (Liest weiter.) „Ich habe ein Strumpfband für Sie gestickt, mein Herzchen.“ Und jetzt wird sie zärtlich. Etwas reichlich bukolisch und schmeckt nach Chateaubriand. Ah, hier ist noch etwas, vielleicht findet sich etwas Besseres darunter! (Faltet einen Brief auseinander, kneift ein Auge zu und bemüht sich, ihn zu entziffern.) „Lie-bens-wür-di-ger Freund!“ Nein, das heißt nicht liebenswürdiger Freund: aber wie heißt es denn nur? „Zärtlichster, Teuerster?“ Nein, auch nicht Teuerster, nein, nein. (Liest.) „Lu-lu-lu-mp.“ Hm. (Beißt die Lippen zusammen.) „Wenn du verräterischer Räuber meiner Unschuld, wenn du dem Krämer das Geld, das ich in der Unerfahrenheit meiner Seele für dich geborgt habe, nicht bezahlst, werde ich dich, du ekelhafte Fratze (das letzte Wort preßt er beinahe zwischen den Zähnen hervor) ... der Polizei anzeigen!“ Der Teufel soll sie holen, wahrhaftig, der Teufel soll sie holen! Es steht doch wirklich garnichts in diesem Brief. Gewiß: man kann alles sagen, aber man muß es doch anständig ausdrücken; in Worten, die einen Menschen nicht verletzen. Nein, nein, ich sehe, alle diese Briefe sind nicht geeignet. Man muß etwas Kräftiges suchen, etwas, worin etwas wie Siedehitze, wie man zu sagen pflegt — zu spüren ist. Ah, hier, hier — sehen wir uns mal das an! (Liest.) „Grausamer Tyrann meiner Seele!“ Aha, das ist gut. „Laß dich durch mein Herzensschicksal rühren!“ Sehr edel! Bei Gott, sehr edel! Da spürt man doch die Erziehung! Man sieht gleich, wie sich jemand benimmt. So muß man schreiben: empfindsam und doch wird der Mensch nicht beleidigt. Diesen Brief werde ich ihm zustecken. Weiter brauche ich ja gar nicht erst zu lesen: ich weiß nur nicht, wie man den Namen so ausradieren kann, daß nichts zu sehen ist. (Er blickt auf die Unterschrift.) Aha, das ist schön! Es steht gar kein Name darunter! Ausgezeichnet! Das kann ich unterschreiben! Nein, wie sich die Sache von selbst macht! — Und dabei sagt man noch: das Äußere kommt nicht in Betracht! Wenn du nicht hübsch wärst, so würde man sich nicht in dich verlieben, so würde man dir keine Briefe schreiben, und hätte ich keine Briefe, so würde ich nicht wissen, wie ich die Geschichte anfangen soll. (Tritt vor den Spiegel.) Heut hab’ ich mich noch ein bißchen gehen lassen: manchmal ist mir’s sogar, als ob ich ein bedeutendes Gesicht habe ... Schade, daß meine Zähne schlecht sind, sonst hätte ich die größte Ähnlichkeit mit Fürst Bagration. Ich weiß nur nicht, wie ich mir den Backenbart stehen lassen soll: so, daß er ringsherum eine ausgesprochene Freese bildet — wie mit Tuch benäht, wie man zu sagen pflegt — oder ob ich alles kahl abrasieren und mir nur unter der Lippe etwas zulegen soll? Ah?