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Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke

Chapter 92: 7. Auftritt
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About This Book

The play satirizes provincial administration through a sequence of misunderstandings and escalating panic after local dignitaries mistake a passing junior official for a secret inspector. Efforts to conceal inefficiency and secure favor prompt theatrical flattery, bribes, and farcical attempts at impressing the supposed evaluator, while the supposed inspector and his servant exploit the error. Sharp comedic episodes expose vanity, petty corruption, and social pretensions as differing personalities react with fear, opportunism, and hypocrisy across the play's structured scenes.

Arina Panteleimonowna. Bitte, nehmen Sie Platz.

19. Auftritt

Die Vorigen und Starikow.

Starikow (verbeugt sich lebhaft und schnell wie ein Kaufmann und stemmt die Hände ein wenig in die Seite). Guten Tag, Mütterchen Arina Panteleimonowna. Bei uns in der Passage war davon die Rede, Sie hätten Wolle zu verkaufen, Mütterchen.

Agathe Tichonowna (wendet sich verächtlich ab, halblaut murmelnd, aber so, daß er es verstehen kann). Hier ist doch kein Kramladen.

Starikow. Ei, also komm’ ich wohl nicht zupaß? Oder ist der Brei schon ohne mich ausgelöffelt?

Arina Panteleimonowna. Bitte, bitte, Alexei Dmitriewitsch, wenn wir auch nicht mit Wolle handeln, aber wir freuen uns doch sehr, daß Sie uns das Vergnügen machen. Bitte, nehmen Sie Platz.

(Alle sitzen schweigend da. Pause.)

Eierkuchen. Ein äußerst seltsames Wetter heute. Morgens, da sah es ganz so aus, als ob es regnen wollte. Jetzt jedoch scheint es wieder vorüber zu sein.

Agathe Tichonowna. Ja, dieses Wetter ist wirklich furchtbar ... Bald ist es hell, und bald regnet es unaufhörlich. Ein höchst peinliches Wetter.

Schewakin. Ganz recht! Zum Beispiel — sehen Sie in Sizilien, Mütterchen! Wir waren einmal im Frühjahr mit unserer Flotte dort. Die jetzige Jahreszeit entspricht ungefähr unserem Februar. Wenn man da seine Schritte ins Freie lenkt, dann leuchtet die Sonne. Und dann fängt es plötzlich an zu regnen, und wenn man genauer zusieht, dann regnet es wirklich.

Eierkuchen. Das Unangenehmste bei solch einem Wetter ist, alleine zu Hause zu sitzen. Bei einem verheirateten Manne, da ist’s doch eine ganz andere Sache. Der langweilt sich nicht; aber, wenn man alleine sitzt, das ist einfach nicht zum ...

Schewakin. Oh, eine tödtliche Langeweile!

Anutschkin. Ja, das dürfte man wohl behaupten.

Kotschkarjow. Ach was, die reinste Folter ist es. Man wird seines Lebens nicht mehr froh. Gott bewahre mich vor einem solchen Zustand.

Eierkuchen. Wie wäre es nun, mein Fräulein, wenn Sie in die Lage kämen, sich ein ... einen ... Gegenstand zu wählen? Kann ich Ihren Geschmack erfahren? Entschuldigen Sie, daß ich so frei von der Leber rede ... Was paßte Ihnen wohl am besten? Ich meine, welches Amt müßte Ihr Mann bekleiden?

Schewakin. Wollten Sie nicht einen Mann Ihr eigen nennen, der sich mit allen Stürmen des Meeres herumgeschlagen hat? ...

Kotschkarjow. Nein, nein, der beste Mann ist meiner Meinung nach nur einer, der ein ganzes Departement leiten kann.

Anutschkin. O bitte, warum denn ein solches Vorurteil. Warum wollten Sie einen Mann geringschätzen, der vielleicht nur bei der Infanterie gedient hat, der es aber doch versteht, die Formen der feinen Welt zu schätzen.

Eierkuchen. Entscheiden Sie, Fräulein!

Agathe Tichonowna (schweigt).

Thekla. So sprechen Sie doch, Mütterchen! Reden Sie doch einen Ton.

Eierkuchen. Nun Fräulein, bitte, wie steht’s? ...

Kotschkarjow. Wie denken Sie darüber, Agathe Tichonowna?

Thekla (leise zu ihr). Sagen Sie doch irgendwas, ... sagen Sie nur: „Ich danke bestens,“ oder „mit Vergnügen!“ Man sitzt doch nicht so stumm da.

Agathe Tichonowna (leise). Ich schäme mich ja! Ich schäme mich wirklich. Ich will lieber gehen ... wirklich, ich will gehen. Tantchen, bleiben Sie statt meiner hier.

Thekla. Ach, tu mir doch diese Schande nicht an. Lauf nur nicht fort, du blamierst uns ja nur. Weiß Gott, was sie von uns denken werden? ...

Agathe Tichonowna (wie vorher). Nein, ich geh ... ich geh ... ich geh wirklich ... (Sie läuft hinaus; Thekla und Arina Panteleimonowna folgen ihr.)

20. Auftritt

Die Vorigen ohne die Frauen.

Eierkuchen. Da haben wir’s! Jetzt laufen sie alle fort. Was soll das nun wieder bedeuten? ...

Kotschkarjow. Wahrscheinlich ist irgend etwas passiert? ...

Schewakin. Vielleicht ist die Toilette in Unordnung geraten. Man muß etwas nachhelfen ... Vielleicht das Mieder feststecken ... (Thekla kommt zurück; alle stürzen mit Fragen auf sie zu.) Nun, nun, was ist los?

Kotschkarjow. Ist was passiert? ...

Thekla. Wie soll denn was passiert sein! Bei Gott! Nichts ist passiert.

Kotschkarjow. Warum ist sie denn dann fortgelaufen?

Thekla. Ihr habt sie in Verlegenheit gebracht. Darum ist sie rausgelaufen. Sie war ja ganz verwirrt und wußte nicht mehr ein noch aus. Sie bittet mich, daß Ihr sie entschuldigen sollt. Ihr möchtet doch heute abend zu einem Glas Tee kommen. (Geht ab).

Eierkuchen. Eh, dieses Glas Tee! Deswegen kann mir die ganze Heiraterei gestohlen werden. Nun geht wieder die Plackerei von vorne los ... „Heute haben wir keine Zeit ... bitte kommen Sie morgen ... oder übermorgen ... auf ein Glas Tee! Wir müssen es uns noch überlegen“ ... Und dabei ist die Heirat doch ’ne ganz lumpige Sache. Erfordert durchaus kein Kopfzerbrechen. Hol’s der Teufel! Ich steh im Dienst, ich hab’ keine Zeit.

Kotschkarjow (zu Podkoliessin). Hör mal du, das Mädel ist nicht übel, was? ...

Podkoliessin. Durchaus nicht übel!

Schewakin. Nettes Mädchen das!

Kotschkarjow (beiseite). Teufel, dieser Esel ist wohl verliebt! Er verpfuscht uns womöglich noch die ganze Geschichte. (Laut.) Die ist doch nicht nett! Auch nicht im mindesten.

Eierkuchen. Die Nase ist zu groß.

Schewakin. O nein. Davon habe ich nichts bemerkt. Sie ist ein richtiges Röschen!

Anutschkin. Auch ich möchte mich dieser Ansicht anschließen. Es ist doch nichts Rechtes. Ich möchte sogar zweifeln, daß sie etwas von den Formen der feinen Welt versteht. Es ist noch die Frage, ob sie das Französische beherrscht.

Schewakin. Aha, dann gestatten Sie mir wohl die Frage, warum haben Sie es nicht versucht, mit ihr Französisch zu sprechen. Vielleicht kann sie es doch?

Anutschkin. Sie glauben, daß ich des Französischen mächtig bin. Ach nein, ich hatte leider niemals das Glück, eine dahingehende Erziehung zu genießen. Mein Vater war ein Schweinehund, sozusagen ... ein Lump. Er hat gar nicht daran gedacht, mich Französisch lernen zu lassen. Damals war ich ja noch ein Kind; es wäre also ganz leicht gewesen, es mir beizubringen. Ich hätte nur tüchtig Prügel zu bekommen brauchen, dann könnte ich heute Französisch.

Schewakin. Da Sie es nun aber nicht verstehen, was könnte es Ihnen nützen, wenn diese ...

Anutschkin. O nein! Bei einer Frau ist das etwas ganz anderes. Sie muß es unbedingt können; sonst ist eben ... dieses und das und ... (er macht ein paar Gesten) alles eben nicht in Ordnung.

Eierkuchen (beiseite). Mag sich ein anderer darüber den Kopf zerbrechen. Ich will unterdessen mal hinlaufen und mir das Haus und seine beiden Seitenflügel von unten ansehen. Wenn da nur alles in Ordnung ist, dann setze ich es heute abend noch durch. Diese Herren Freier sind mir gewiß nicht gefährlich, das ist ja man ’ne recht schwächliche Sorte. Solche Gesellen! Nein, die Frauenzimmer haben einen andern Geschmack.

Schewakin. Man sollte sich eine Pfeife anzünden! Haben wir vielleicht denselben Weg? Darf ich fragen, wo wohnen Sie doch gleich?

Anutschkin. Bitte sehr, in Peßki, in der Petrowski-Gasse.

Schewakin. Hm, das wäre allerdings ein Umweg. Ich wohne auf Wassiliewski-Ostrow, in der achtzehnten Linie. Übrigens kann ich Sie doch begleiten.

Starikow. Nein, die Herrschaften sind mir doch etwas zu hochnäsig. Na, Agathe Tichonowna, Sie werden noch einmal an mich denken. Ich empfehle mich Ihnen, meine Herren. (Er verbeugt sich und geht ab.)

21. Auftritt

Podkoliessin und Kotschkarjow.

Podkoliessin. Und worauf warten wir?

Kotschkarjow. Nein, sag mal, sie ist doch ganz reizend, was?

Podkoliessin. Ach, geh, aufrichtig gesagt, sie gefällt mir nicht!

Kotschkarjow. Da haben wir’s! Was soll das nun wieder heißen? Vorhin hast du doch selbst zugegeben, daß sie hübsch ist.

Podkoliessin. Ich weiß nicht, aber es ist wohl doch nicht das Richtige. Die Nase ist zu lang und dann: sie spricht ja nicht Französisch.

Kotschkarjow. Was soll denn das? ... Wozu hast du es denn nötig, daß sie Französisch spricht?

Podkoliessin. Nein, bitte, ein Mädchen, das heiraten will, muß Französisch können.

Kotschkarjow. Wozu?

Podkoliessin. So ... weil ... nun ich weiß nicht mehr warum; sonst ist die Sache eben nicht in Ordnung.

Kotschkarjow. Da haben wir’s! Irgendein Esel hat hier so was behauptet, und du läßt gleich die Ohren hängen. Sie ist entzückend, sag’ ich dir, einfach entzückend! Ein solches Mädchen findest du überhaupt nicht wieder.

Podkoliessin. Ich muß ja gestehen, im Anfang gefiel sie mir ebenfalls. Aber als nachher die andern kamen und sagten, die Nase sei zu lang, da sah ich genauer hin und fand wirklich, daß die Nase zu lang ist.

Kotschkarjow.

Ach, dieser Esel läuft umher,

Find’t seine eigne Tür nicht mehr!

Du Dummkopf, das wird doch absichtlich so geredet, um dich wegzugraulen. Ich hab’s doch genau so gemacht. So wird’s eben gemacht! Bester, ich sag’ dir, das ist ein Mädchen! Sieh dir nur mal die Augen an. Augen sind das! Die reden und glühen ja förmlich. Weiß der Teufel! Und die Nase ... Himmel, ist das ’ne Nase! Wie Alabaster so weiß. Ach was, Alabaster reicht da gar nicht heran. Sieh du sie dir nur erst mal ordentlich an.

Podkoliessin (lächelnd). Ja, jetzt sehe ich es selbst: sie ist wirklich schön.

Kotschkarjow. Natürlich ist sie’s! Hör mal: jetzt, nachdem sie alle fort sind, können wir gleich reingehen, du erklärst dich, und die Geschichte ist erledigt.

Podkoliessin. Nein, das tue ich denn doch nicht.

Kotschkarjow. Warum denn nicht?

Podkoliessin. Das wäre doch zu unverschämt. Wir sind doch so viele, mag sie selbst wählen.

Kotschkarjow. Was gehen denn dich die andern an? Fürchtest du dich vor der Konkurrenz. Wie? Oder willst du, daß ich sie alle in einer Minute hinausbefördere?

Podkoliessin. Ja, wie willst du sie denn hinausbefördern?

Kotschkarjow. Das laß nur meine Sache sein! Versprich mir nur das eine, daß du nachher dein Wort nicht zurücknimmst.

Podkoliessin. Weshalb sollte ich das nicht versprechen? Bitte schön, ich leiste ja gar keinen Widerstand. Ich habe die feste Absicht, zu heiraten! — —

Kotschkarjow. Deine Hand darauf!

Podkoliessin (reicht ihm die Hand). Hier.

Kotschkarjow. Nun, mehr brauch’ ich nicht. (Beide ab.)

Zweiter Aufzug

Zimmer im Hause Agathe Tichonownas.

1. Auftritt

Agathe Tichonowna allein; später Kotschkarjow.

Agathe Tichonowna. Nein, wie schwer wird einem doch eine solche Wahl! Wären es nur einer oder zwei. Aber nun gleich vier. Ja, wer die Wahl hat, hat die Qual! Nikanor Iwanowitsch ist ja nicht übel; obwohl er etwas zu mager ist. Iwan Kusmitsch ist übrigens auch nicht häßlich und, wenn ich die Wahrheit sagen soll, so ist zwar Iwan Pawlowitsch ein wenig dick, aber doch ein ganz stattlicher Mann. Schöne Geschichte! Was soll ich nur anfangen? Andererseits hat auch Baltasar Baltasarowitsch seine Vorzüge. Nein, wie schwer wird einem doch solch ein Entschluß! Es läßt sich gar nicht sagen, wie schwer. Wenn man die Lippen Nikanor Iwanowitschs nehmen und die Nase Iwan Kusmitschs darüber setzen könnte, und wäre dazu etwas von der Keckheit Baltasar Baltasarowitschs und dann noch ein wenig von der Fülle Iwan Pawlowitschs dabei — dann würde ich mich auf der Stelle entschließen. So aber, ach, ich mag gar nicht daran denken! Der Kopf schmerzt mir schon. Vielleicht wäre es das Beste, darum zu losen. Möge Gott entscheiden! Wen ich ziehe, der soll mein Mann werden. So, ich werde alle Namen auf Zettelchen schreiben, sie rollen, durcheinanderschütteln, und mag dann kommen, was kommen will. (Sie geht an das Tischchen, holt Papier und eine Schere herauf, schneidet einige Zettel, rollt sie und fährt fort.) Wie schrecklich ist doch die Lage eines jungen Mädchens, besonders wenn sie verliebt ist ... Kein Mann kann sich da hineinversetzen, ach, keiner wird sie auch nur verstehen wollen. So, jetzt sind sie alle fertig. Jetzt brauche ich sie nur ins Täschchen zu stecken, die Augen zuzumachen und dann mag kommen, was da will. (Sie legt die Zettel in den Pompadour und mischt sie mit der Hand.) Wie ängstlich ich bin! Ach, wenn Gott gäbe, daß ich Nikanor Iwanowitsch zöge ... Doch nein, warum grade ihn? ... Lieber schon Iwan Kusmitsch. Aber warum grade Iwan Kusmitsch? Die andern sind doch auch nicht schlechter. Nein, ich will an nichts denken. Wen ich herausziehe, der mag es schon sein. Endgültig! (Sie sucht mit der Hand im Pompadour herum und zieht statt eines Zettels — alle auf einmal.) Ach Herr Gott, jetzt habe ich alle auf einmal herausgezogen ... Ach, wie mein Herz klopft ... Nein, nein, nur einen! (Sie legt die Zettel wieder in den Pompadour und mischt sie von neuem. In diesem Augenblick kommt Kotschkarjow leise herein und tritt hinter sie.) Ach, wenn ich doch Baltasar Baltasarowitsch, nein, ich wollte sagen Nikanor Iwanowitsch ... Nein, nein, ich will nicht. Das Schicksal mag entscheiden.

Kotschkarjow. Nehmen Sie Iwan Kusmitsch! Fertig! Das ist schon das allerbeste.

Agathe Tichonowna. Ach! (Sie schreit auf, bedeckt das Gesicht mit beiden Händen und fürchtet sich, sich umzusehen.)

Kotschkarjow. Warum erschrecken Sie so? Haben Sie keine Angst; ich bin es. Wirklich, nehmen Sie schon Iwan Kusmitsch.

Agathe Tichonowna. Ach, ich schäme mich so. Gewiß haben Sie gehorcht.

Kotschkarjow. Das schadet doch nichts! Ich gehöre doch zur Familie. Vor mir brauchen Sie ja keine Geheimnisse zu haben. Lassen Sie mich doch Ihr Gesichtchen sehen.

Agathe Tichonowna (zieht die Hand zur Hälfte zurück). Nein, wirklich, ich schäme mich!

Kotschkarjow. Also, nehmen Sie Iwan Kusmitsch.

Agathe Tichonowna. Ach! (Schreit wieder auf und bedeckt das Gesicht von neuem mit den Händen.)

Kotschkarjow. Wirklich, er ist ein prächtiger Mensch; er hat sein Ressort famos in die Höhe gebracht. Wahrhaftig, ein seltener Mensch!

Agathe Tichonowna (zieht ihre Hände wieder langsam zurück). Wie aber ... und der andere? Nikanor Iwanowitsch? Das ist doch auch ein vortrefflicher Mensch.

Kotschkarjow. Aber, ich bitte Sie, das ist doch nur Bruch; im Vergleich zu Iwan Kusmitsch.

Agathe Tichonowna. Wieso denn?

Kotschkarjow. Aber das ist doch ganz klar! Iwan Kusmitsch ist eben ein Mensch ... nun also, ein Mensch, so, wie Sie ihn einfach nicht wieder finden.

Agathe Tichonowna. Und Iwan Pawlowitsch?

Kotschkarjow. Na, Iwan Pawlowitsch ist natürlich auch Bruch; kurz und gut, sie sind eben alle Bruch.

Agathe Tichonowna. Wirklich alle?

Kotschkarjow. Urteilen Sie doch selbst. Sie brauchen nur zu vergleichen. So oder so — Iwan Kusmitsch, und daneben die andern ... hergelaufenes Gesindel! Dieser Iwan Pawlowitsch, dieser Nikanor Iwanowitsch. Pfui Teufel noch einmal!

Agathe Tichonowna. Eigentlich haben Sie recht! Es sind wahrhaftig recht unansehnliche Menschen.

Kotschkarjow. Was? ... Unansehnlich? Pack! Strolche! Eine ganz gefährliche Bande! Haben Sie denn Lust, schon am Tage nach der Hochzeit geschlagen zu werden?

Agathe Tichonowna. O mein Gott! Welch ein Unglück ... ich könnte mir kein furchtbareres Unglück denken.

Kotschkarjow. Etwas Furchtbareres läßt sich auch gar nicht vorstellen.

Agathe Tichonowna. Also Sie meinen, ich soll Iwan Kusmitsch nehmen?

Kotschkarjow. Gewiß. Iwan Kusmitsch. Natürlich! Iwan Kusmitsch (Beiseite.) Ich glaube, die Sache geht glatt. Podkoliessin sitzt im Café, ich will gleich mal hinlaufen und ihn holen.

Agathe Tichonowna. Also, Sie meinen wirklich, daß ich Iwan Kusmitsch nehmen soll?

Kotschkarjow. Unbedingt Iwan Kusmitsch ...

Agathe Tichonowna. Und ich soll den andern einen Korb geben?

Kotschkarjow. Selbstverständlich! ...

Agathe Tichonowna. Wie soll ich das nur machen? Ich schäme mich ein wenig.

Kotschkarjow. Was ist dabei zu schämen? ... Sagen Sie doch einfach, Sie fühlen sich noch zu jung zum Heiraten.

Agathe Tichonowna. Das werden sie mir nicht glauben. Sie werden erst fragen: wie, warum, weswegen ...

Kotschkarjow. Ja, wollen Sie die Gesellschaft auf einmal loswerden, dann sagen Sie doch einfach: „Macht daß ihr rauskommt, Ihr Esel!“

Agathe Tichonowna. Aber nein, so was sagt man doch nicht!

Kotschkarjow. Versuchen Sie’s nur mal, seien Sie sicher, danach laufen sie alle davon.

Agathe Tichonowna. Nein, das wäre ja geradezu grob.

Kotschkarjow. Aber Sie sehen sie doch nicht mehr wieder. Da kann’s Ihnen doch gleich bleiben.

Agathe Tichonowna. Es schickt sich aber doch nicht. Und dann, sie könnten in Wut geraten.

Kotschkarjow. Das ist doch kein Unglück, wenn sie böse werden. Wenn’s noch irgendwelche Folgen hätte, dann wär’s was anderes. Das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist, daß Ihnen der eine oder der andere ins Gesicht spuckt. Weiter nichts! ...

Agathe Tichonowna. Nun, da sehen Sie’s!

Kotschkarjow. Nun? Was schadet denn das? Manch einem ist das schon ein paarmal passiert. Bei Gott! Da hab’ ich einen Bekannten, einen hübschen Kerl, mit roten Backen, der hat seinem Chef so lange auf dem Hals gelegen, ihn um Zulage gequält, bis der es schließlich nicht mehr aushielt, und ihm gradweg ins Gesicht spuckte. Bei Gott! „Da hast du deine Zulage,“ hat er ihn angebrüllt, „laß mich in Ruhe, du Satan!“ aber bekommen hat er die Zulage nachher doch. Was hat’s ihm geschadet, daß er ihn angespuckt hat? Ja, hätte er kein Taschentuch bei sich gehabt! Aber er hatte ja eins in der Tasche, nahm es heraus und wischte sich ab. (Draußen schellt es.) Aha, es klopft, da kommt wohl schon einer angezogen. Aber jetzt möchte ich keinem von ihnen begegnen. Sagen Sie, gibt es hier keinen zweiten Ausgang?

Agathe Tichonowna. Ja, doch, hier über die Hintertreppe ... Ich zittre am ganzen Körper. Wahrhaftig! ...

Kotschkarjow. Das macht nichts. Nur Mut und Selbstvertrauen! Leben Sie wohl. (Beiseite.) Ich muß doch den Podkoliessin schnell herschleppen.

2. Auftritt

Agathe Tichonowna und Eierkuchen.

Eierkuchen. Ich bin mit Absicht etwas früher gekommen, mein Fräulein, um Sie ganz allein zu sprechen und zwar in aller Ruhe. Was meinen Rang anbetrifft, Fräulein, so sind Sie, wie ich glaube, zur Genüge informiert. Ich bin Kollegien-Assessor; meine Vorgesetzten lieben mich; meine Untergebenen gehorchen mir; ich bedarf also nichts als einer Lebensgefährtin.

Agathe Tichonowna. Ja.

Eierkuchen. Jetzt aber habe ich eine gefunden, nämlich Sie! Bitte, antworten Sie mir, aber ohne Umschweife: Ja, oder nein! (Er betrachtet ihre Schultern; beiseite.) In der Tat, sie ist nicht so mager, wie die deutschen Mädchen; sie hat doch wenigstens was auf sich.

Agathe Tichonowna. Aber ich bin doch noch zu jung; ich will noch nicht heiraten.

Eierkuchen. Aber ich bitte Sie, mein Fräulein, warum bemüht sich dann die Vermittlerin? Nein, vielleicht wollten Sie etwas anderes sagen; sprechen Sie sich ruhig aus! (Es klingelt.) Teufel, die lassen einem ja nicht mal Zeit, die Sache richtig anzupacken.

3. Auftritt

Die Vorigen und Schewakin.

Schewakin. Mein gnädiges Fräulein, ich bitte Sie um Verzeihung, wenn ich vielleicht ein wenig zu früh erscheine. (Dreht sich um und erblickt Eierkuchen.) Aha, es ist schon jemand hier. Iwan Pawlowitsch, ich habe die Ehre!

Eierkuchen (beiseite). Hol’ dich der Teufel mit deiner Ehre. (Laut.) Also, wie steht’s, mein Fräulein? Sagen Sie doch nur ein Wort: Ja oder nein? (Es läutet. Eierkuchen spuckt wütend aus.) Schon wieder die Glocke!

4. Auftritt

Die Vorigen und Anutschkin.

Anutschkin. Vielleicht, mein Fräulein, dürfte ich etwas früher gekommen sein, als es die Regeln des Anstandes erlauben. (Erblickt die übrigen und begrüßt sie mit einem Ausruf des Erstaunens.) Ah, Ihr ergebener Diener!

Eierkuchen (bei sich). Zum Teufel mit deinem Diener! Dich hat der Satan hergeführt. Wenn du doch auf deinen dürren Stelzen zusammenklapptest! (Laut.) Nun also, mein Fräulein, entscheiden Sie sich jetzt! Sie wissen, mich ruft mein Dienst, ich habe nicht viel Zeit zu verlieren. Ja oder nein?

Agathe Tichonowna (verlegen). Es ist nicht nötig ... es ist nicht nötig ... nicht doch ... (Zu sich selber.) Ich weiß ja gar nicht, was ich spreche.

Eierkuchen. Wie, nicht nötig? In welcher Hinsicht nicht nötig?

Agathe Tichonowna. Ach nein, nein, das wollte ich ja gar nicht sagen. (Plötzlich Mut fassend.) Raus! (Schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen.) Ach, mein Gott, mein Gott, was hab’ ich nur gesagt!

Eierkuchen. Wie raus? Was bedeutet das: Raus? Ich muß Sie fragen, was Sie darunter verstanden haben wollen? (Stemmt die Arme drohend in die Seite und geht auf sie zu.)

Agathe Tichonowna (sieht ihn erschrocken an und schreit entsetzt auf). Mein Gott, er will mich schlagen! Er will mich schlagen!

(Sie läuft hinaus; Eierkuchen bleibt mit offenem Munde stehen. Auf ihr Schreien kommt)

Arina Panteleimonowna (hereingelaufen. Sowie sie ihm ins Gesicht sieht, schreit sie ebenfalls auf). Mein Gott, er will mich schlagen! (Läuft hinaus.)

Eierkuchen. Was für eine Komödie geht hier vor sich? Eine schöne Geschichte das! (Es läutet wieder an der Türe; man hört von draußen Stimmen.)

Stimme Kotschkarjows. So komm doch endlich! Komme doch rein! Was stehst du denn da?

Stimme Podkoliessins. Geh nur voran! Laß mich einen Augenblick. Mein Hosenträger ist mir losgegangen. Laß mich ihn erst wieder befestigen.

Stimme Kotschkarjows. Du läufst mir nur wieder weg.

Stimme Podkoliessins. Wahrhaftig nicht. Ich laufe nicht weg. Bei Gott nicht.

5. Auftritt

Die Vorigen und Kotschkarjow.

Kotschkarjow. Da haben wir’s! Als ob’s so nötig wäre, sich die Hosenträger in Ordnung zu bringen.

Eierkuchen (sich zu ihm wendend). Bitte, sagen Sie: das Fräulein hier ist wohl etwas dumm? Wie? ...

Kotschkarjow. Wieso? Was ist denn passiert?

Eierkuchen. Ihr Benehmen ist wirklich höchst merkwürdig. Sie läuft einfach hinaus und schreit in einem fort: „Er schlägt mich ... er schlägt mich!“ Weiß der Teufel, was das bedeuten soll!

Kotschkarjow. Aha ... Ja, das kommt bei ihr öfters vor. Sie ist eben ein bißchen beschränkt.

Eierkuchen. Sagen Sie bitte, Sie sind doch verwandt mit ihr ...

Kotschkarjow. Aber gewiß. Ich bin ihr Verwandter.

Eierkuchen. So ... und in welchem Grade?

Kotschkarjow. Das kann ich nicht so genau feststellen. Die Tante meiner Mutter hängt irgendwie mit ihrem Vater zusammen. Oder auch ihr Vater irgendwie mit meiner Tante. Meine Frau weiß darin besser Bescheid als ich. Das ist ihre Angelegenheit.

Eierkuchen. Und ist sie denn schon lange so albern?

Kotschkarjow. Ja, das hat sie schon seit der Geburt.

Eierkuchen. Hm, besser wär’s freilich, wenn sie etwas klüger wäre. Übrigens, mag sie doch dumm sein, auch gut, wenn nur das übrige in Ordnung ist.

Kotschkarjow. Ja, sie bekommt doch nichts mit!

Eierkuchen. Was? ... Und das steinerne Haus?

Kotschkarjow. Aber, das sind doch bloß Redensarten. Das heißt doch nur so — es wäre von Stein ... Wenn Sie wüßten, wie das Haus gebaut ist! Die Mauern sind doch nicht massiv! Zwei Reihen Ziegelsteine und dazwischen Sägemehl und Hobelspäne und allerhand solch ein Plunder.

Eierkuchen. Was sagen Sie? ...

Kotschkarjow. Natürlich, wissen Sie denn nicht, wie heutzutage Häuser gebaut werden? Doch nur, damit man sie beleihen kann.

Eierkuchen. Aber auf diesem Hause liegen ja keine Hypotheken.

Kotschkarjow. Von wem haben Sie sich denn das erzählen lassen? Das ist’s ja eben. Wenn’s nur die Hypotheken wären ... Die Zinsen für die beiden letzten Jahre sind noch nicht einmal bezahlt. Und dann hat sie noch einen Bruder im Senat, der streckt auch seine Finger nach dem Hause aus. Es gibt keinen größeren Halunken auf der Welt, als den. Seiner eigenen Mutter würde er den letzten Rock wegnehmen, der Elende.

Eierkuchen. Was hat mir denn aber die Vermittlerin gesagt ... Oh, diese Bestie, dieser Auswurf der Menschheit! (Beiseite.) Aber vielleicht lügt er nur? Ich muß die Alte einem strengen Verhör unterziehen. Und sollte etwas Wahres dran sein, na, dann soll sie mir ein ander Liedchen anstimmen.

Anutschkin. Dürfte ich Ihnen auch mit einer Frage lästig fallen? ... Ich muß gestehen, ich spreche selbst nicht Französisch, und da ist es außerordentlich schwer zu beurteilen, ob eine Dame es kann oder nicht. Spricht sie Französisch?

Kotschkarjow. Ach wo, keine Ahnung hat sie!

Anutschkin. Was sagen Sie?

Kotschkarjow. Wie, ich muß das doch wissen! Sie war ja mit meiner Frau im selben Pensionat. Ihre Faulheit war geradezu berühmt; kurz, immer war sie die Dumme. Vor allem der französische Lehrer, der hat sie beständig mit dem Stock geschlagen.

Anutschkin. Denken Sie sich! Sofort, als ich sie sah, hatte ich’s im Gefühl: die versteht kein Französisch.

Eierkuchen. Ach, hol’ euch der Teufel mit eurem Französisch. Aber dieses verfluchte Weib, die Thekla Iwanowna, diese Bestie, diese alte Hexe! Wenn Sie bloß wüßten, wie schön sie mir das alles ausgemalt hat. Die reinste Künstlerin! „Bitte, ein Haus,“ sagte sie, „und zwei Seitenflügel dazu, auf einem vorzüglichen Fundament, silberne Löffel, ein Schlitten — man braucht sich nur reinzusetzen und loszufahren.“ Mit einem Wort, man findet es selten in einem Roman so schön dargestellt. Ach, du alte Schuhsohle, verfluchte, warte, wenn ich dich nur in die Finger kriege ...

6. Auftritt

Die Vorigen und Thekla.

(Sobald sie sie erblicken, stürzen sie alle, durcheinandersprechend, auf sie zu.)

Eierkuchen. Ah, da ist sie ja! Bitte, komm mal her, alte Sünderin! Näher, immer näher, noch näher ... komm mal her!

Anutschkin. Also so konnten Sie mich hintergehen, Thekla Iwanowna?

Kotschkarjow. Weh dir, Barbara, jetzt warte deines Gerichts!

Thekla. Von all dem versteh’ ich kein Wort! Ihr macht mich ja ganz taub.

Eierkuchen. Eine Reihe Ziegelsteine, du alte Schuhsohle, und nichts als Hobelspäne dazwischen; und was hast du mir vorgelogen, von einem Zwischenstock, und weiß der Teufel was sonst noch?

Thekla. Ich weiß es doch nicht, ich hab’s nicht gebaut; vielleicht darf es gar nicht anders sein, vielleicht muß es nur eine Reihe Ziegelsteine haben, daher ist’s auch so gebaut worden.

Eierkuchen. Und dann die Hypotheken! Hol’ dich der Teufel, verfluchte Hexe! (Stampft wütend mit dem Fuße auf.)

Thekla. Du bist mir einer! Hier noch zu schimpfen. Ein andrer würde mir dankbar sein, daß ich mich so für ihn abgequält habe.

Anutschkin. Ja, Thekla Iwanowna, mir haben Sie auch erzählt, daß sie Französisch kann.

Thekla. Kann sie auch, mein Lieber. Deutsch und Französisch, alles kann sie; auf all die feinen Manieren versteht sie sich.

Anutschkin. O nein, mir scheint, sie spricht nur Russisch.

Thekla. Ist denn das so schlimm? Russisch ist doch verständlicher, daher spricht sie eben Russisch. Und spräche sie irgendeine barbarische Sprache, so säßest doch nur du in der Patsche. Kein Wort würdest du verstehen! Da ist doch über unser Russisch weiter kein Wort zu verlieren. Das kennt man wenigstens, auch die lieben Heiligen haben doch Russisch gesprochen.

Eierkuchen. Nun? komm mal näher, immer näher, du Hexe!

Thekla (weicht zurück und sucht die Tür zu erreichen). Nein, ich danke bestens. Ich kenne dich. Du bist ein gefährlicher Mensch. Ehe man sich’s versieht, haust du zu.

Eierkuchen. Paß auf, Herzchen, das bleibt dir nicht geschenkt! Ich nehm’ dich und bring’ dich zur Polizei; du sollst schon merken, was es heißt, ehrliche Leute zu betrügen. Darauf kannst du dich verlassen. Deiner Braut aber bestelle von mir: in meinen Augen ist sie ein Lump! Hörst du, vergiß es nicht, zu bestellen! (Geht hinaus.)

Thekla. Seht doch einer den an. Wie wütend der ist! Er denkt, weil er so dick ist, könnt’ es keiner mit ihm aufnehmen. Und ich sage dir, du bist selbst ein Lump! Hörst du!

Anutschkin. Ich muß Ihnen ebenfalls gestehen, meine Verehrteste, ich hätte nie gedacht, daß Sie mich so betrügen könnten! Wenn ich’s gewußt hätte, daß die Dame auf solch einem Niveau der Bildung steht, keinen Fuß würde ich über die Schwelle dieses Hauses gesetzt haben! Jawohl! (Geht hinaus.)

Thekla. Ihr habt wohl Tollkirschen gefressen, oder einen zu viel genippt? Seht mal an, mäkeln die hier herum; dem ist die Bildung wohl auch in den Kopf gestiegen!

7. Auftritt

Thekla, Kotschkarjow und Schewakin.

Kotschkarjow (sieht Thekla an und zeigt mit dem Finger laut lachend auf sie). Hahaha!

Thekla (ärgerlich). Na, was strapazierst du denn deinen Hals so?

Kotschkarjow (fährt fort zu lachen).

Thekla. Du wirst gleich platzen!

Kotschkarjow. ’ne schöne Heiratsvermittlerin bist du mir. Eine Künstlerin in deinem Fach! Du hast die Sache aber raus. (Lacht unaufhörlich weiter.)

Thekla. Was der zu lachen hat? ... Deine selige Mutter wird wohl auch nicht ganz bei Troste gewesen sein, als sie dich zur Welt brachte. (Sie läuft wütend hinaus.)

8. Auftritt

Kotschkarjow und Schewakin.

Kotschkarjow (fährt fort zu lachen). Herrgott, ich kann einfach nicht mehr! Bei Gott, ich kann nicht mehr! Ich halt’s nicht mehr aus, ich platze vor Lachen. (Lacht weiter.)

Schewakin (sieht ihn an und fängt gleichfalls an zu lachen).

Kotschkarjow (ermüdet in einen Stuhl sinkend). Wahrhaftig, mir geht die Puste aus! Ich fühle, wenn ich noch lange so weiter lache, so verrecke ich.

Schewakin. Ihr fröhliches Naturell gefällt mir außerordentlich. Wissen Sie, bei unserm Geschwader, das unter Kapitän Bolderow stand, war auch ein Kadett, namens Petuchow. Anton Iwanowitsch. Der war auch immer so fröhlich. Dem brauchte man nur den kleinen Finger zu zeigen, und schon lachte er los! Bei Gott! Und dann lachte er den ganzen Tag hindurch, bis zum späten Abend ... Wenn ihn einer nur ansah, kriegte er schon das Lachen, und eh’ man’s sich versah, lachte man selber mit.

Kotschkarjow (atemholend). Ach Gott, erbarme dich meiner. Diese dumme Gans, was die sich einbildet. Wie soll sie es fertig kriegen, einen Menschen zu verheiraten. Die will einen verheiraten! Ja, wenn ich die Sache in die Hand nehme, dann will ich schon eine Heirat zustande bringen.

Schewakin. Wirklich? ... In der Tat, könnten Sie den Heiratsvermittler spielen? ...

Kotschkarjow. Selbstverständlich! Ich übernehme es, jedes beliebige Paar zusammenzubringen.

Schewakin. Hören Sie mal, wenn das stimmt, so .... verschaffen Sie mir doch das Fräulein.

Kotschkarjow. Ihnen? ... Was brauchen Sie denn zu heiraten?

Schewakin. Warum denn nicht! Erlauben Sie mal, das ist doch eine seltsame Frage! Es ist doch klar, wozu.

Kotschkarjow. Sie haben doch eben gehört, daß sie nichts mitbekommt.

Schewakin. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren! ... Das ist ja nicht schön, aber bei diesem entzückenden Fräulein mit den reizenden Manieren, da kann man schließlich auch ohne Mitgift auskommen. Ein kleines Kämmerchen, (macht eine entsprechende Geste) ein kleiner Flur, eine kleine spanische Wand oder so etwas wie ein Vorhang ...

Kotschkarjow. Ja, aber was gefällt Ihnen denn an ihr so sehr?

Schewakin. Wenn ich offen sein soll, so ist es grade jene Fülle, die sie auszeichnet. Sehen Sie, ich bin ein großer Amateur in bezug auf ... auf ... rundliche Frauen.

Kotschkarjow (sieht ihn von der Seite an und sagt dann zu sich selbst). Na, damit kann er gerade nicht allzusehr Staat machen. Sieht selbst aus, wie ein ausgeschüttelter Tabaksbeutel. (Laut.) Wissen Sie, Sie sollten überhaupt nicht heiraten.

Schewakin. Wie meinen Sie das? ...

Kotschkarjow. Ganz einfach. Was haben Sie denn für eine Figur? Unter uns gesagt, Sie haben ja die reinsten Hahnenfüße.

Schewakin. Hahnenfüße? ...

Kotschkarjow. Natürlich! ... Gewiß! ... Wonach sehen Sie denn aus?

Schewakin. Nein, erlauben Sie mal, wie können Sie sagen, ich hätte Hahnenfüße?

Kotschkarjow. Sehr einfach! Das sind doch Hahnenfüße! ...

Schewakin. Gestatten Sie mal, mir scheint, in Ihren Worten liegt etwas: mir scheint, Sie werden persönlich!

Kotschkarjow. Ich sage Ihnen das doch nur, weil ich weiß, daß Sie ein vernünftiger Mensch sind. Einem andern hätte ich das doch nicht gesagt. Also gut, ich verschaffe Ihnen eine Frau; aber eine andere.

Schewakin. Dann möchte ich Sie doch bitten ... keine andere. Seien Sie schon so gut ... bleiben wir bei dieser.

Kotschkarjow. Schön, wenn Sie denn durchaus wollen ... meinetwegen. Aber unter einer Bedingung ... Sie dürfen sich nicht hineinmischen. Sie dürfen sich dem Fräulein überhaupt nicht zeigen. Ich werde alles allein machen.

Schewakin. Erlauben Sie mal, ohne mich geht es denn doch nicht. Immerhin werde ich mich doch wohl dabei sehen lassen müssen.

Kotschkarjow. Nein, durchaus nicht. Gehen Sie nach Hause und warten Sie auf mich. Heute abend ist alles in schönster Ordnung.

Schewakin (reibt sich die Hände). Famos! Das wäre ja famos. Sagen Sie, brauchen Sie denn kein Attest, kein Dienstzeugnis? Vielleicht dürfte sich das Fräulein doch dafür interessieren. Ich werde sofort laufen und es holen.

Kotschkarjow. Nein, nein, ich brauche nichts! Gehen Sie nur ruhig nach Hause. Verlassen Sie sich drauf, Sie bekommen noch heute Nachricht. (Er begleitet ihn hinaus.) Teufel auch, das würde dir wohl passen! ... Doch was ist das nur? Warum kommt denn der Podkoliessin nicht wieder? Das ist doch sehr merkwürdig! Er kann doch seine Hosenträger nicht ewig in Ordnung bringen ... Am Ende muß ich noch selbst hinlaufen und ihn holen.

9. Auftritt

Kotschkarjow, Agathe Tichonowna.

Agathe Tichonowna (sieht sich nach allen Seiten um). Sind sie fort? ... Ist niemand mehr hier? ...

Kotschkarjow. Niemand! ... Sie sind alle fort! ...

Agathe Tichonowna. Ach, wenn Sie wüßten, wie ich gezittert habe. Nein, so etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt. Ach, wie furchtbar war dieser Eierkuchen! ... Wie ein Tyrann wird der einmal seine Frau behandeln. Ich fürchte immer noch, er könnte jeden Augenblick zurückkommen.

Kotschkarjow. Nein, der kommt nicht wieder. Ich setze meinen Kopf ein, daß keiner von beiden seine Nase mehr zur Türe hineinsteckt.

Agathe Tichonowna. Und der Dritte?

Kotschkarjow. Welcher Dritte?

Schewakin (steckt leise den Kopf zur Tür hinein). Ich hörte für mein Leben gern, was ihr kleines Mündchen von mir sagen wird ... Oh, dieses zarte Röschen!

Agathe Tichonowna. Ich meine ... Baltasar Baltasarowitsch ...

Schewakin. Jetzt kommt’s, jetzt kommt’s! (Reibt sich die Hände.)

Kotschkarjow. Verflucht noch mal, ich denke mir, von wem reden Sie bloß? Der Kerl ist ja ein ausgemachter Tölpel! — Pfui Teufel nochmal!

Schewakin. Was ist das? ... Wahrhaftig, davon versteh’ ich kein Wort.

Agathe Tichonowna. Aber auf den ersten Blick machte er auf mich den Eindruck eines sehr guten Menschen.

Kotschkarjow. Er ist aber doch immer betrunken!

Schewakin. Bei Gott, ich verstehe nichts davon!

Agathe Tichonowna. Wahrhaftig ... er trinkt?

Kotschkarjow. Ich bitte Sie ... ein ausgekochter Lump!

Schewakin (laut). Nein, gestatten Sie! Ich habe Sie denn doch nicht gebeten, derartige Behauptungen aufzustellen. Hätten Sie einige Worte zu meinen Gunsten geredet, oder irgend etwas Lobendes gesagt, das wäre etwas anderes gewesen ... Mit diesen Worten jedoch, nein bitte, suchen Sie sich dafür einen andern aus. Nein, ich danke bestens. Ergebener Diener.

Kotschkarjow (beiseite). Warum mußte der Kerl nur zurückkommen! (Zu Agathe Tichonowna.) Sehen Sie, sehen Sie nur ... er kann sich ja kaum noch auf den Füßen halten. Und so benimmt er sich jeden Tag. Jagen Sie ihn doch zum Teufel, fertig! (Beiseite.) Daß dieser verfluchte Podkoliessin noch nicht da ist ... Dieser Lump! ... Na warte ... das will ich dir anstreichen! (Geht ab.)

10. Auftritt

Agathe Tichonowna und Schewakin.

Schewakin (beiseite). Verspricht, mich zu loben und ... statt dessen ... beschimpft er mich. Ein seltsamer Mensch! (Laut.) Mein gnädiges Fräulein, schenken Sie seinen Worten keinen Glauben.

Agathe Tichonowna. Nein, entschuldigen Sie mich, ich fühle mich nicht ganz wohl. Der Kopf schmerzt mir so. (Will gehen.)

Schewakin. Aber vielleicht gefällt Ihnen etwas nicht an mir? (Er zeigt auf seinen Kopf.) Bitte, achten Sie nicht darauf, daß ich einen gewissen Anflug von Glatze habe. Das macht nichts. Es ist mir vom Fieber zurückgeblieben. Mit der Zeit kommen die Haare schon wieder.

Agathe Tichonowna. Es interessiert mich nicht, was Ihnen fehlt.

Schewakin. Und dann, mein gnädiges Fräulein, wenn ich einen schwarzen Frack anziehe, wird mein Teint um vieles heller.

Agathe Tichonowna. Um so besser für Sie. Leben Sie wohl! (Sie geht hinaus.)

11. Auftritt

Schewakin allein.

Schewakin (ihr nachrufend). Mein Fräulein, bitte, gestatten Sie, sagen Sie mir bitte, was ist geschehen. Warum, weshalb? ... Haftet mir denn irgendein wesentlicher Makel an? ... Fort! Wie seltsam! Das passiert mir nun schon das siebzehnte Mal, und immer läuft es fast ebenso aus. Im Anfang geht alles glatt, und wenn die Geschichte zum Klappen kommt, dann, eh’ ich mich’s versehe, hab’ ich meinen Korb weg. (Geht nachdenklich auf und ab) Ja, ja ... das ist nun bereits die Siebzehnte .... Und was hat sie bloß? ... Warum sollte sie nicht zum Beispiel ... (Nachdenklich.) Eine dunkle, höchst dunkle Geschichte ... Wenn ich noch wirklich so häßlich wäre ... (Betrachtet sich.) Aber das kann doch kein Mensch behaupten! Gott sei Dank! Die Natur hat einen doch wirklich nicht stiefmütterlich behandelt. Unbegreiflich! Ob ich nicht schnell mal nach Hause laufe und in meinem Kästchen nachsehe? Ich muß doch da noch ein paar Verse liegen haben. Denen kann keine widerstehen ... Bei Gott! Und ich begreife das alles gar nicht! Zuerst schien’s mir so gut zu glücken. ... Ja, ich werde wohl kehrtmachen müssen. Schade, sehr schade! (Geht ab.)

12. Auftritt

(Podkoliessin und Kotschkarjow treten ein und blicken zurück.)

Kotschkarjow. Er hat uns nicht bemerkt! Hast du gesehen, mit was für einer langen Nase er abgezogen ist?

Podkoliessin. Tatsächlich? ... Also er hat eben so einen Korb bekommen, wie die andern?

Kotschkarjow. ... Einen mächtigen!

Podkoliessin (mit selbstgefälliger Miene). Das muß eigentlich recht peinlich sein, sich einen Korb zu holen.

Kotschkarjow. Das will ich meinen.

Podkoliessin. Ich kann es noch immer nicht glauben, daß sie es ihm so grade ins Gesicht gesagt hat, sie ziehe mich vor.

Kotschkarjow. — Zieht dich vor? ... Ich sage dir ... sie ist einfach hingerissen! Verliebt bis über die Ohren! Was sie dir nur für Kosenamen gegeben hat! Eine solche Leidenschaft! ... Sie glüht ja förmlich! ...

Podkoliessin (lächelt selbstzufrieden). Ja, das ist wahr ... Wenn eine Frau will, kann sie einem Worte sagen ... unsereiner würde niemals auf so etwas kommen: „Mein Frätzchen, mein Mistkäferchen, mein Fliegenpilzchen“ ...

Kotschkarjow. Ach, das ist noch nichts! Heirate mal erst! Die Worte, die du da in den ersten zwei Monaten zu hören bekommst, — na, du zergehst förmlich vor Wonne!

Podkoliessin (lächelnd). Wahrhaftig? ...

Kotschkarjow. Was für eine ehrliche Haut! Doch jetzt schnell zur Sache! Geh hin, erkläre dich sofort, eröffne ihr dein Herz und bitte Sie um ihre Hand.

Podkoliessin. Wie denn? Doch nicht etwa jetzt gleich? ... Was fällt dir ein!

Kotschkarjow. Natürlich gleich! Ah, da ist sie ja selbst!

13. Auftritt

Die Vorigen und Agathe Tichonowna.

Kotschkarjow. Mein Fräulein, ich bringe Ihnen hier einen Sterblichen, den Herrn, den Sie hier vor sich sehen. Es hat überhaupt noch keinen Menschen gegeben, der so verliebt war wie er. Gott behüte, das möcht’ ich ja meinem ärgsten Feinde nicht wünschen.

Podkoliessin (stößt ihn mit der Hand in die Seite, leise). Nein, hör mal, du treibst es aber zu toll!

Kotschkarjow (zu ihm). Das schadet nichts. (Leise zu ihr.) Seien Sie nur recht keck zu ihm; er ist noch etwas schüchtern. Sie müssen ziemlich herausfordernd sein. Klappern Sie nur tüchtig mit den Augen und dann werfen Sie ihm plötzlich einen Blick zu, daß er platt ist, der Bösewicht! Oder zeigen Sie ihm ein Stückchen von Ihrer Schulter, damit er mal hingucken kann, der Schuft, der! Übrigens hätten Sie auch ein Kleid mit kurzen Ärmeln anziehen können! Na, schließlich ist dies auch gut! (Laut.) Also, ich lasse Sie in der angenehmsten Gesellschaft zurück. Ich will nur noch einen Blick in das Speisezimmer und in die Küche werfen. Ich werde dort Bescheid sagen. Gleich muß der Diener kommen, der das Souper bringt ... vielleicht ist der Wein auch schon da. Na, auf Wiedersehen! ... (Zu Podkoliessin.) Mehr Mut, Mut! (Er geht.)

14. Auftritt

Podkoliessin und Agathe Tichonowna.

Agathe Tichonowna. Aber bitte schön, so nehmen Sie doch Platz!

(Beide setzen sich und schweigen.)

Podkoliessin. — Fahren Sie gerne spazieren?

Agathe Tichonowna. Wie meinen Sie das? ...

Podkoliessin. Im Sommer ist es doch schön, Kahn zu fahren.

Agathe Tichonowna. Ja, zuweilen mache ich einen Ausflug mit Bekannten.

Podkoliessin. Es läßt sich noch nicht voraussagen, was für einen Sommer wir in diesem Jahre haben werden.

Agathe Tichonowna. Aber hoffentlich wird er gut!

(Beide schweigen.)

Podkoliessin. Welches ist Ihre Lieblingsblume, gnädiges Fräulein?

Agathe Tichonowna. Am meisten liebe ich die Blumen, die stark duften. Zum Beispiel Nelken!

Podkoliessin. Den Damen stehen Blumen sehr gut.

Agathe Tichonowna. Ja, man muß sagen, sie machen recht viel Vergnügen!

(Beide schweigen.)

In welcher Kirche waren Sie am vorigen Sonntag?

Podkoliessin. In der Himmelfahrts-Kirche. Und eine Woche vorher, da war ich in der Kasanschen Kirche. Übrigens ist es doch ganz gleich, in welche Kirche man beten geht ... Nur ... die letztere ... die ist viel prächtiger.

(Beide schweigen.)

(Podkoliessin beginnt mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln.)

Bald findet in Katharinenhof ein Gartenfest statt.

Agathe Tichonowna. Ja, ich glaube, in einem Monat.

Podkoliessin. Oh, in kaum einem Monat!

Agathe Tichonowna. Es wird wohl sehr lustig werden.

Podkoliessin. Heute haben wir den Achten. (An den Fingern abzählend.) Den Neunten, den Zehnten, den Elften ... In zweiundzwanzig Tagen.

Agathe Tichonowna. Denken Sie nur, schon so bald!

Podkoliessin. Und den heutigen Tag habe ich dabei noch gar nicht mal mitgezählt.

(Pause.)

Was für mutige Leute doch unsere Russen sind!

Agathe Tichonowna. Wie? ...

Podkoliessin. Ich meine die Arbeiter! Stehen da ganz ruhig hoch oben auf dem Gerüst. Ich kam nämlich heute an einem Neubau vorüber. Sitzt so ein Stukkateur ganz gemütlich hoch oben und denkt sich gar nichts dabei. Er fürchtet sich nicht im mindesten.

Agathe Tichonowna. Ja! Und wo war denn das? ...

Podkoliessin. Auf dem Wege nach dem Departement, da, wo ich täglich vorüberkomme. Ich gehe doch jeden Morgen in den Dienst.

(Beide schweigen. Podkoliessin fängt wieder an, mit den Fingern auf den Tisch zu klopfen. Dann steht er auf, nimmt seinen Hut und macht eine Verbeugung.)

Agathe Tichonowna. Wie, Sie wollen schon gehen?

Podkoliessin. Ja, gewiß habe ich Sie gelangweilt. Entschuldigen Sie.

Agathe Tichonowna. Aber wie können Sie nur so etwas glauben? Im Gegenteil. Ich danke Ihnen von Herzen für die angenehme Unterhaltung.

Podkoliessin (lächelnd). Nein, wirklich, mir schien, daß ich Sie langweilte.

Agathe Tichonowna. Wahrhaftig nicht!

Podkoliessin. Oh, wenn ich mich geirrt haben sollte, so erlauben Sie mir doch, daß ich zu einer anderen Zeit ... vielleicht einmal abends ...

Agathe Tichonowna. Ich würde mich außerordentlich freuen ... (Sie verabschieden sich voneinander, und Podkoliessin geht.)

15. Auftritt

Agathe Tichonowna (allein).

Welch ein würdiger Mensch! Jetzt habe ich ihn erst recht kennen gelernt! Wahrhaftig, man muß ihn liebhaben! Und dabei so klug und bescheiden zugleich! Ja, sein Freund hatte vollständig recht. Schade nur, daß er so schnell wieder fortgegangen ist. Ich hätte ihm so gern noch ein wenig zugehört. Wie angenehm ist es, mit ihm zu plaudern. Und was vor allem so angenehm ist, er macht gar keine Redensarten. Ich hätte ihm auch noch einiges sagen mögen ... aber ich muß gestehen, mir fehlte der Mut dazu. Mein Herz klopfte so stark. ... Welch ein herrlicher Mensch! Ich will doch hingehen und es der Tante erzählen. (Sie geht hinaus.)

16. Auftritt

Podkoliessin und Kotschkarjow (treten herein).

Kotschkarjow. Warum nach Hause? Was für ein Unsinn ist das wieder? Warum nach Hause?

Podkoliessin. Ja, wozu soll ich denn hierbleiben? ... Ich habe doch alles gesagt, was nötig war.

Kotschkarjow. So? Hast du dich ihr ganz erklärt? ...

Podkoliessin. Ja, das wäre vielleicht noch das einzige; erklärt habe ich mich allerdings noch nicht!

Kotschkarjow. Eine schöne Geschichte! ... Warum denn nicht? ...

Podkoliessin. Ich bitte dich, ich kann doch nicht so plötzlich, so ohne alle einleitenden Worte mit der Tür ins Haus fallen: Mein Fräulein, wollen wir uns doch heiraten!

Kotschkarjow. Worüber habt ihr denn die ganze Zeit gesprochen? Mehr als eine halbe Stunde lang?

Podkoliessin. Nun. Über alles mögliche! Und ich muß sagen, ich bin sehr befriedigt. Ich habe die Zeit sehr angenehm verbracht.

Kotschkarjow. Nein, höre mal, sage doch selbst, mein Bester, wie sollen wir denn noch heute mit der ganzen Geschichte fertig werden? In einer Stunde spätestens müssen wir in die Kirche fahren ... zur Trauung ...

Podkoliessin. Du bist wohl verrückt? ... Heut sollen wir schon Hochzeit machen?

Kotschkarjow. Weshalb denn nicht? ...

Podkoliessin. Noch heute zur Trauung fahren! ... Welch ein Wahnsinn!

Kotschkarjow. Aber du hast mir doch selbst dein Wort gegeben und hast gesagt, sobald die Freier heraus sind, bist du bereit, dich zu verheiraten!

Podkoliessin. Nun ja, ich nehme auch jetzt mein Wort nicht zurück. Aber doch nicht gleich. Laß mir doch wenigstens einen Monat Zeit dazu.

Kotschkarjow. Was? ... Einen Monat!

Podkoliessin. Nun ja, freilich!

Kotschkarjow. Du hast wohl den Verstand verloren, was?

Podkoliessin. Ja, einen Monat brauche ich mindestens.

Kotschkarjow. Aber ich habe doch schon das Souper beim Traiteur bestellt. Du Klotz du! ... Nein, hör mal, Iwan Kusmitsch, sei jetzt nicht eigensinnig, Bruder. Laßt euch doch gleich trauen!

Podkoliessin. Ich bitte dich, Freund, was redest du da? ... Wie ist denn das gleich möglich?

Kotschkarjow. Iwan Kusmitsch, sieh mal, ich bitte dich recht herzlich ... wenn nicht für dich selbst, so tue es doch meinetwegen! Mir zuliebe!

Podkoliessin. Nein, tatsächlich — es geht nicht!

Kotschkarjow. Doch, doch, es geht schon, Liebster! Es geht alles, Liebling; laß die Launen.

Podkoliessin. Nein, wirklich nicht. Es geht nicht. Es ist wirklich nicht möglich.

Kotschkarjow. Warum nicht möglich? ... Wer hat dir das bloß eingeredet? Überlege doch selbst. Du bist doch ein gescheiter Kerl! Ich spreche nicht so, um dir zu schmeicheln oder weil du Expeditor bist, nein, einfach, weil ich dich liebe! — Genug, Herzchen, entschließe dich. Sieh doch die Sache mit vernünftigen Augen an!

Podkoliessin. Ja, wenn ich nur eine Möglichkeit sehen würde — ich wäre gerne bereit ...

Kotschkarjow. Iwan Kusmitsch, alter Kerl, lieber Freund ... willst du, daß ich vor dir auf die Knie falle? ...

Podkoliessin. Ja, wozu nur das alles?

Kotschkarjow (fällt auf die Knie). Nun gut, hier knie ich. Jetzt siehst du es, wie sehr ich dich bitte. Ich will dir’s mein Leben lang nicht vergessen. Herzchen, sei nicht eigensinnig!

Podkoliessin. Nein, Freund, es geht nicht! Wirklich nicht!

Kotschkarjow (steht auf, wütend). Schweinehund!

Podkoliessin. Gut, schimpf nur!

Kotschkarjow. Rindvieh! ... Einen größeren Esel, wie dich, hat es tatsächlich noch nie gegeben!

Podkoliessin. Schimpfe doch meinetwegen. Schimpfe nur!

Kotschkarjow. Für wen habe ich mich nun geplagt und abgerackert? Doch nur für dich; in deinem Interesse, du Schaf! Was geht mich die ganze Geschichte im Grunde an? ... Gut, ich gehe sofort meiner Wege und laß dich laufen. Was hab’ ich denn davon?

Podkoliessin. Ja ... hab’ ich dich denn um deine Bemühungen gebeten? Geh doch nur, bitte!

Kotschkarjow. Und ich sage dir, daß du zugrunde gehen wirst. Ohne mich wirst du zu nichts kommen. Wenn dich nicht ein anderer verheiratet, bleibst du dein Leben lang ein ... Dummkopf.

Podkoliessin. Und was kümmert’s dich? ...

Kotschkarjow. Ich bin doch nur um dich besorgt, du Dummkopf.

Podkoliessin. Und ich verzichte auf deine Besorgnis.

Kotschkarjow. Nun, so geh zum Teufel!

Podkoliessin. Gut. Ich gehe.

Kotschkarjow. Da gehörst du auch hin.

Podkoliessin. Nun schön, ich gehe schon.

Kotschkarjow. Geh nur, geh! Wenn du dir nur gleich ein Bein brächst! Wahrhaftig, es ist mein innigster Wunsch, daß dir irgendein besoffener Droschkenkutscher mit der Deichsel in die Gurgel fährt. Du Lappen du! Und das will ein Beamter sein, ... Das schwöre ich dir, von nun an ist alles zwischen uns aus. Komm mir nicht mehr unter die Augen!

Podkoliessin. Nun gut, du sollst mich nicht mehr sehen! (Geht.)

Kotschkarjow. Geh doch zu deinem alten Freunde, dem Teufel. (Öffnet die Tür und ruft ihm nach.) Esel!

17. Auftritt

Kotschkarjow (allein, geht aufgeregt im Zimmer auf und ab). Hat die Welt jemals einen solchen Menschen gesehen? .. Solch ein Esel! Übrigens, wahrhaftig, ich bin auch gut! .. Nein, sagt nur, ich möchte euch alle zu Zeugen anrufen: Bin ich nicht genau solch ein alter Esel? Bin ich nicht ganz dumm? ..... Was rege ich mich auf und schreie mir die Kehle wund? .. Sagt, was ist er mir? Er ist doch nicht mein Verwandter. Und ich bin weder seine Amme, noch seine Tante, noch seine Schwiegermutter, oder gar seine Patin! Was zum Teufel rackere ich mich seinetwegen ab? Gönne mir keinen Augenblick Ruhe ... mag er doch zum Satan gehen! Weiß der Teufel, wozu das alles! Wozu nur der Mensch mitunter etwas tut? ..... Solch ein Halunke! Diese niederträchtige, widerwärtige Visage! Nehmen möchte ich dich, du dummes Rindvieh; Nase, Ohren, Mund und Zähne ... einschlagen möcht’ ich dir ... (Macht mit der Hand wütend die entsprechenden Bewegungen.) Und was das Empörendste dabei ist: er geht einfach nach Hause ... er macht sich weiter keine Kopfschmerzen ... er schüttelt’s sich ab, wie ein nasser Hund ... Nicht zum Ertragen ist dieser Gedanke! Jetzt geht er heim, legt sich aufs Sofa und raucht sich eine Pfeife an. Dieser gemeine Patron! Wahrhaftig, es gibt ekelhafte Fratzen auf der Welt; aber so eine läßt man sich denn doch nicht träumen ... Bei Gott, eine widerwärtigere Visage läßt sich gar nicht ausdenken. Tatsächlich nicht! Aber nein, jetzt gerade nicht! Ich hol’ ihn zurück, den nichtsnutzigen Kerl. Er soll mir nicht entwischen, ich bring’ ihn wieder zurück, den Lump! (Er läuft fort.)

18. Auftritt