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Sämtliche Werke 16 cover

Sämtliche Werke 16

Chapter 16: XII. Die Katastrophe.
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About This Book

Ein erzählender Beobachter schildert das Leben auf einem verarmten Landsitz, dessen Alltagsordnung von Intrigen, flatterhaften Gönnern und selbstgerechten Figuren gestört wird. Im Zentrum stehen Machtspiele, launenhafte Autoritäten und ein manipulativer Vertrauter, deren Manöver Besitzverhältnisse und zwischenmenschliche Bindungen unterminieren. Die Erzählung entfaltet sich episodisch in komischen und bisweilen grotesken Begegnungen, die Heuchelei, soziale Ambition und blinden Opportunismus entlarven. In einer Folge eskalierender Vorfälle kommt es zu Zerwürfnissen, öffentlicher Bloßstellung und schließlich zu einer gewaltsamen Vertreibung, die die moralischen Widersprüche des Milieus offenlegt.

XII.
Die Katastrophe.

Ich war allein. Die Lage, in der ich mich befand, war unerträglich: Ich hatte einen Korb erhalten, und mein Onkel wollte mich ungeachtet dessen mit Gewalt verheiraten. Meine Gedanken schweiften unruhig umher, doch ich konnte keinen ruhig zu Ende denken. Misintschikoff und sein Vorschlag wollten mir nicht aus dem Sinn. Es galt, was es auch koste, meinen Onkel zu retten. Ich dachte sogar daran, Misintschikoff unverzüglich aufzusuchen und ihm alles zu erzählen ... Aber wohin war mein Onkel gegangen? Er hatte gesagt, daß er Nastenjka sprechen wolle, und hatte doch den Weg in den Garten eingeschlagen. Einen Augenblick dachte ich an heimliche Zusammenkünfte, und ein unangenehmes Gefühl regte sich in meinem Herzen. Mir fielen Misintschikoffs Worte ein: daß sie heimliche Beziehungen zueinander hätten ... Ich sann nach – wies dann aber jeden Verdacht unwillig von mir. Nein, mein Onkel konnte nicht betrügen, das lag ja auf der Hand. Doch meine Unruhe wuchs mit jeder Minute. Fast unbewußt trat ich hinaus auf die Treppe und ging dann in Gedanken versunken dieselbe Allee entlang, die mein Onkel verfolgt hatte. Der große Sommermond stand rot und noch niedrig über dem Horizont. Ich kannte den Garten gut und brauchte nicht zu fürchten, irrezugehen. Als ich mich der alten Laube näherte, die einsam am Ufer des schlammigen, schilfbewachsenen Weihers stand, blieb ich plötzlich wie angewurzelt stehen: ich vernahm deutlich Stimmengeflüster, das aus der Laube kam. Ich kann nicht sagen, welch ein eigenartig ärgerliches Gefühl mich erfaßte! Ich war überzeugt, daß mein Onkel und Nastenjka dort saßen, und ich ging geradeaus weiter, indem ich auf alle Fälle mein Gewissen wenigstens damit beruhigte, daß ich denselben Schritt beibehielt und mich nicht etwa unbemerkt heranzuschleichen suchte. Da vernahm ich plötzlich, daß zwei sich küßten, und darauf folgte eine Menge begeisterter Worte und dann – ein durchdringender weiblicher Schrei! Fast im selben Augenblick aber lief oder flog auch schon eine weißgekleidete Dame wie eine Schwalbe an mir vorüber. Es schien mir, daß sie das Gesicht mit den Händen bedeckt hatte, um nicht erkannt zu werden. Man hatte mich also aus der Laube bemerkt. Wie groß aber war meine Verwunderung, als ich in dem Herrn, der nach der aufgescheuchten Dame aus der Laube trat, – Obnoskin erkannte, Obnoskin, der nach Misintschikoffs Behauptung Stepantschikowo bereits verlassen hatte! Auch Obnoskin war nicht wenig verwirrt: seine sonst so anmaßende Haltung war völlig verschwunden.

„Entschuldigen Sie, aber ... ich hatte nicht erwartet, mit Ihnen hier zusammenzutreffen,“ brachte er stotternd und mit verlegenem Lächeln hervor.

„Dasselbe kann ich auch von mir sagen,“ entgegnete ich spöttisch, „um so mehr, als ich gehört habe, daß Sie bereits fortgefahren seien.“

„Nein ... das war nur so ... ich begleitete nur meine Mutter ... eine Strecke ... Aber darf ich mich an Sie mit einer Bitte wenden; denn ich weiß, daß Sie ein ehrenwerter Mensch sind ...“

„Und diese Bitte wäre?“

„Es gibt Fälle – und Sie werden mir darin zustimmen – in denen ein wirklich edler Mensch gezwungen ist, an den ganzen Edelmut eines anderen, gleichfalls edlen Menschen zu appellieren ... Ich hoffe, Sie verstehen mich ...“

„Hoffen Sie das nicht; denn ich verstehe Sie tatsächlich nicht.“

„Sie haben doch die Dame gesehen, die hier mit mir in der Laube war?“

„Gesehen – ja, aber nicht erkannt.“

„Ah, nicht erkannt ... Diese Dame werde ich alsbald meine Frau nennen.“

„Gratuliere. Aber womit kann ich Ihnen dienen?“

„Nur mit einem: es als tiefstes Geheimnis zu bewahren, daß Sie mich mit dieser Dame hier gesehen haben ...“

„Wer mag das gewesen sein?“ dachte ich, „doch nicht ...?“

„Wirklich, ich weiß nicht ...“ sagte ich. „Sie werden entschuldigen, daß ich Ihnen mein Wort nicht geben kann ...“

„Um’s Himmels willen, ich bitte Sie doch darum!“ flehte Obnoskin. „Begreifen Sie doch meine Situation! Es ist noch ein Geheimnis. Sie können gleichfalls einmal Bräutigam sein: dann werde auch ich meinerseits ...“

„Pst! Jemand kommt!“

„Wo?“

In der Tat bemerkten wir kaum dreißig Schritt von uns den Schatten eines Menschen vorübergleiten.

„Das ... das war Foma Fomitsch!“ flüsterte Obnoskin, am ganzen Leibe zitternd. „Ich erkannte ihn am Gang. Mein Gott! da kommen wieder Schritte! Von der anderen Seite! Hören Sie ... Leben Sie wohl! Ich danke Ihnen und ... flehe Sie an ...“

Obnoskin verschwand. Nach einer Minute stand mein Onkel vor mir, wie aus der Erde gewachsen.

„Bist du es?“ fragte er hastig. „Alles ist verloren, Ssergei, jetzt ist alles verloren!“

Ich bemerkte, daß auch er am ganzen Körper zitterte.

„Was ist verloren, Onkel?“

„Gehen wir!“ Er erfaßte krampfhaft meine Hand und zog mich nach sich. Während des ganzen Weges bis zum Sommerhaus sprach er kein Wort und ließ auch mich nicht sprechen. Ich erwartete etwas Außergewöhnliches und kann sagen, daß ich in meiner Erwartung auch nicht enttäuscht wurde. Als wir mein Zimmer betraten, schwindelte ihm und er wankte. Er war bleich wie ein Toter. Ich spritzte ihm sofort Wasser ins Gesicht. „Es muß etwas Furchtbares geschehen sein,“ dachte ich, „wenn ein Mann wie er – in dieser Weise ... fast ohnmächtig wird.“

„Onkel, was haben Sie nur?“ fragte ich schließlich.

„Alles ist verloren, Ssergei! Foma überraschte mich und Nastenjka im Garten ... gerade in dem Augenblick, als ich sie küßte ...“

„Als Sie sie küßten? Im Garten?“ Ich sah ihn verständnislos an.

„Im Garten, Freund, Gott wollte es so! Ich ging, um sie unverzüglich zu sprechen ... Ich wollte ihr alles sagen, wollte ihr zureden, sie zur Vernunft bringen ... in bezug auf dich, weißt du. Sie aber hatte schon seit einer ganzen Stunde auf mich gewartet, dort, bei der zerbrochenen Bank ... hinter dem Weiher ... Sie kommt oft dorthin, wenn ich mit ihr sprechen muß.“

„Oft?“

„Oft, oft, Freund! In der letzten Zeit haben wir uns dort fast in jeder Nacht getroffen. Nun haben sie uns wahrscheinlich aufgelauert – ich weiß es genau, daß sie spioniert haben, und ich weiß auch, daß Anna Nilowna die Hauptbeteiligte ist. So stellten wir denn unsere Zusammenkünfte ein: seit vier Tagen hatten wir uns nicht gesehen ... aber heute ging es doch nicht anders ... Du weißt doch selbst, wie notwendig es war ... Und wie und wo hätte ich sonst ein Wort mit ihr reden können? Ich ging also in der Hoffnung hin, sie dort anzutreffen ... Und sie saß auch schon seit einer Stunde da ... und hatte auf mich gewartet: sie hatte mir gleichfalls Wichtiges zu sagen ...“

„Wie kann man nur so unvorsichtig sein! Sie wußten doch, daß man Sie beide beobachtet!“

„Aber es war doch ein kritischer Augenblick, Ssergei! Wir mußten uns doch über so vieles aussprechen! Am Tage wage ich ja nicht einmal, sie anzusehen: sie sieht in den einen Winkel und ich absichtlich in den anderen, als wenn ich überhaupt nicht bemerkte, daß sie auf der Welt ist. In der Nacht aber treffen wir uns und können uns dann aussprechen ...“

„Und was geschah nun heute, Onkel?“

„Oh! Kaum hatte ich ihr zwei Worte gesagt, weißt du – da fing mein Herz zu hämmern an, und die Tränen traten mir in die Augen. Ich wollte sie bereden, dich doch zu heiraten – sie aber sagte mir ohne weiteres: ‚Dann lieben Sie mich offenbar überhaupt nicht, dann sehen Sie ja gar nichts!‘ Und plötzlich wirft sie sich an meine Brust, umarmt mich krampfhaft, weint und schluchzt: ‚Ich liebe nur Sie allein,‘ sagte sie, ‚ich werde keinen anderen heiraten! Ich liebe Sie schon lange, nur werde ich auch Sie nicht heiraten, sondern morgen noch fortfahren und ins Kloster gehen.‘“

„Donnerwetter! Hat sie das wirklich so gesagt? Und was geschah dann weiter – weiter, Onkel?“

„Da – ich blickte auf: vor uns steht Foma! Woher er nur gekommen sein mag? Er kann doch unmöglich hinter dem Gebüsch gehockt haben, um nur auf diesen Sündenaugenblick zu warten?“

„Der Schuft!“

„Ich erstarrte, Nastenjka lief fort, und Foma Fomitsch ging schweigend an uns vorüber und drohte mir nur einmal so mit dem Finger. – Begreifst du jetzt, Ssergei, was es morgen geben wird?“

„Wie sollte ich nicht!“

„Begreifst du?“ rief er verzweifelt aus und sprang vom Stuhl auf. „Begreifst du, daß sie sie verderben, verleumden, entehren wollen? Sie suchen einen Vorwand, um ihr eine Schande anhängen und sie dann aus dem Hause treiben zu können! Und jetzt haben sie ihn glücklich gefunden! Haben sie doch schon gesagt, sie hätte ein ehrloses Verhältnis mit mir! Ja, diese Schurken haben sogar gesagt, sie hätte auch eins mit Widopljässoff gehabt! Und das hat alles diese Anna Nilowna verbreitet! Was wird jetzt werden? Was wird morgen sein? Sollte Foma es wirklich erzählen?“

„Unbedingt wird er es erzählen, Onkel.“

„Wenn er es aber erzählt, wenn er es wagt ...“ Mein Onkel biß sich die Lippen und ballte die Fäuste. „Nein, nein! Ich glaube es nicht! Er wird es nicht sagen, er wird begreifen ... er ist ein Mensch mit edler Gesinnung! Er wird sie schonen ...“

„Schonen oder nicht schonen,“ unterbrach ich ihn entschlossen; „jedenfalls aber ist es jetzt Ihre Pflicht, morgen um Nastassja Jewgrafownas Hand anzuhalten.“

Mein Onkel blickte mich unbeweglich an.

„Sehen Sie denn nicht ein, Onkel, daß Sie dem Mädchen die Ehre nehmen, wenn Sie die Sache an die große Glocke hängen lassen? Sehen Sie denn nicht ein, daß Sie allem Gerede so schnell wie möglich die Spitze abbrechen müssen? Sie müssen jedem furchtlos und stolz in die Augen blicken können, Ihre Verlobung sofort veröffentlichen, alle Ihre Vernunftgründe zum Teufel schicken und Foma, wenn er dagegen auch nur zu mucken wagt, einfach zu Pulver zerstäuben! ...“

„Ssergei, Freund, ich dachte daran, als wir herkamen!“

„Und zu was haben Sie sich entschlossen?“

„Mein Entschluß steht fest! Ich hatte mich bereits entschlossen, noch bevor ich dir zu erzählen begann!“

„Bravo, Onkel!“

Ich fiel ihm um den Hals vor Freude.

Lange noch sprachen wir. Ich hielt ihm alle die unerbittlichen Gründe vor, die ihn zwangen, Nastenjka zu heiraten, und die er übrigens selbst noch viel besser begriff als ich. Aber ich kam nun einmal ins Reden. Ich freute mich unsäglich für ihn. Jetzt zwang ihn die Pflicht, anderenfalls hätte er sich wohl nie entschlossen. Vor der Pflicht aber, und noch dazu einer Ehrenpflicht, war er machtlos.

Doch ungeachtet alles dessen wußte ich entschieden nicht, wie das Vorhaben ausgeführt werden sollte. Ich wußte und glaubte ohne den geringsten Zweifel, daß mein Onkel um keinen Preis von dem ablassen werde, was er einmal als seine Pflicht erkannt hatte. Aber im Grunde fürchtete ich doch, daß er nicht rücksichtslos genug sein könne, um sich gegen die Herrscher in seinem Hause aufzulehnen. Nur deshalb bemühte ich mich so hartnäckig, ihn anzutreiben und in dieser Richtung vorwärtszustoßen: und so legte ich mich denn mit dem ganzen Eifer der Jugend ins Zeug.

„... Um so mehr, um so mehr müssen Sie es,“ wiederholte ich, „als jetzt bereits alles beschlossen ist und Ihre letzten Zweifel aufgehoben sind! Es ist etwas geschehen, was Sie nicht erwartet haben, obgleich es alle seit langer Zeit wissen: Nastassja Jewgrafowna liebt Sie! Wollen Sie es denn wirklich zulassen!“ rief ich heftig aus, „daß diese reine Liebe sich für sie in Schmach und Schande verwandle?“

„Niemals will ich das! Aber, Freund, ist es denn überhaupt möglich, daß ich so glücklich werden könnte? Und wie kann sie mich nur lieben, und wofür eigentlich? wofür? Ich glaube, es ist doch so gar nichts an mir ... Ich bin ein Greis im Vergleich zu ihr. Nein, das hätte ich nie erwartet! Liebling, mein Liebling! ... Höre, Sserjosha, vorhin fragtest du mich, ob ich nicht in sie verliebt sei: hattest du irgendeine ... Idee vielleicht?“

„Ich sah nur, Onkel, daß Sie sie so liebten, wie man noch mehr einen Menschen überhaupt nicht lieben kann; und daß Sie sie liebten, ohne es selbst zu wissen. Denken Sie doch einmal nach: Sie rufen mich aus Petersburg her und wollen mich mit ihr verheiraten, einzig damit sie Ihre Nichte werde und Sie, Onkel, uns dann ewig bei sich haben können ...“

„Und du ... du verzeihst mir, Ssergei?“

„Ach, Onkel ...“

Er preßte mich an sein Herz.

„Aber jetzt seien Sie auf der Hut; denn es haben sich ja dort alle gegen Sie verschworen. Sie müssen sich erheben und gegen alle kämpfen, und zwar gleich morgen!“

„Ja ... ja, morgen!“ wiederholte er etwas nachdenklich, „und weißt du, wir wollen die Sache männlich und vollkommen überzeugt von unserem Recht anfassen, mit wirklicher Charakterstärke ... ja eben mit Charakterstärke!“

„Lassen Sie den Mut nicht sinken, Onkel!“

„Nein, ich werde den Mut nicht sinken lassen, Ssergei! Nur eines: ich weiß nicht, welch einen Schlachtplan ich wählen soll!“

„Denken Sie jetzt nicht daran, Onkel. Morgen wird alles seine Lösung finden. Für heute beruhigen Sie sich. Je mehr man jetzt grübelt, um so schlimmer ist es. Und falls Foma den Mund auftut – dann entweder: ihn unverzüglich vor die Tür setzen, oder: ihn zu Staub zermalmen!“

„Geht es denn nicht auch ohne das? Freund, ich habe so beschlossen: morgen gehe ich in aller Frühe zu ihm und erzähle ihm den ganzen Sachverhalt, so wie ich ihn dir erzählt habe. Er kann mich doch unmöglich nicht verstehen wollen! Er ist doch ein edler Mensch, der edelste von allen! Aber sieh, was mich beunruhigt: was dann, wenn er meine Mutter und Tatjana Iwanowna heute schon von der bevorstehenden Werbung benachrichtigt hat? Das wäre doch furchtbar?“

„Tatjana Iwanownas wegen brauchen Sie sich nicht zu beunruhigen, Onkel.“ Und ich erzählte ihm meine Begegnung mit Obnoskin vor der Laube. Mein Onkel war maßlos erstaunt. Misintschikoff erwähnte ich mit keinem Wort.

„Eine phantasmagorische Person, in der Tat! Wirklich, eine phantasmagorische Person!“ rief er aus. „Die Arme! Man will ihre Naivität ausnutzen! Und war es wirklich Obnoskin? Aber er fuhr doch nach dem Tee fort? Sonderbar, höchst sonderbar! Ich bin wirklich betroffen, Sserjosha ... Das muß man morgen noch untersuchen, um gegebenenfalls Maßregeln ergreifen zu können ... Aber bist du auch überzeugt, daß es Tatjana Iwanowna war?“

Ich sagte, daß ich ihr Gesicht zwar nicht gesehen hätte, aber aus gewissen Gründen fest überzeugt sei, daß es Tatjana Iwanowna gewesen war.

„Hm! Oder sollte es nicht doch ein kleines Techtelmechtel mit einem der Hofmädchen gewesen sein, und dir hat es vielleicht nur so geschienen, daß es Tatjana Iwanowna war? War es nicht Dascha, die Gärtnerstochter? Das ist ein durchtriebenes Mädchen! Man hat sie bereits öfter bemerkt ... Nur deshalb sage ich es ja, weil man sie wirklich schon gesehen hat. Anna Nilowna hat sie ertappt! ... Aber nein, das ist auch unwahrscheinlich! Und er hat dir gesagt, daß er sie heiraten wolle? Sonderbar, sehr sonderbar ...“

Endlich trennten wir uns. Ich umarmte ihn zum Abschied.

„Morgen, morgen wird sich alles entscheiden,“ sagte er lebhaft, „noch bevor du aufstehst! Ich werde zu Foma gehen und ihm ritterlich alles aufdecken, wie meinem leiblichen Bruder, alles, was ich auf meinem Herzen habe, meine ganze Seele. Leb wohl, Sserjosha. Leg dich jetzt hin, du wirst müde sein. Na, und ich – ich werde in der ganzen Nacht wohl kein Auge schließen.“

Er ging. Ich legte mich unverzüglich schlafen; denn ich war in der Tat todmüde. Das war ein schwerer Tag gewesen! Meine Nerven waren überreizt, und bevor ich endlich einschlief, zuckte ich noch mehrmals zusammen und wachte immer wieder aus dem Halbschlaf auf.

Aber wie seltsam meine Eindrücke auch während des Einschlafens waren, so war ihre Seltsamkeit doch noch nichts im Vergleich mit der Seltsamkeit meines Erwachens am nächsten Morgen.