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Sämtliche Werke 7-8 cover

Sämtliche Werke 7-8

Chapter 133: II.
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About This Book

A young man develops an all-consuming personal principle that drives his desire for solitary power and frames his moral thought. He fixes on wealth as a subtle instrument to secure the inward consciousness of strength, imagining possession and eventual renunciation of riches as proof of superiority. The narrative follows his youthful intellectual pride, social rebellion, and emotional immaturity, portraying how theoretical ideas collide with concrete actions and how self-love, ambition, and tentative turns toward religious and ethical reflection shape his search for identity.

Sechstes Kapitel.

I.

Ich bitte nochmals, nicht zu vergessen, daß mir der Kopf schon ein wenig benommen war: wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte ich wohl anders gesprochen und gehandelt. In einem Hinterzimmer dieser Miljutinschen Handlung konnte man Austern essen, und wir setzten uns also dort an ein Tischchen, das mit einem billigen, unsauberen Tischtuch bedeckt war. Lambert bestellte Champagner; das Glas mit dem kalten goldfarbenen Weine stand plötzlich vor mir und blinkte mich verführerisch an; ich aber ärgerte mich.

„Sieh, Lambert, hauptsächlich ärgere ich mich, weil du dir einbildest, mir auch jetzt noch so befehlen zu können, wie bei Touchard, während du doch hier der Diener aller bist.“

„Dummkopf! Na, stoßen wir an!“

„Du hältst es nicht einmal für der Mühe wert, dich vor mir zu verstellen; wenn du es doch wenigstens verbergen würdest, daß du mich betrunken machen willst!“

„Red’ keinen Unsinn, du bist ja schon betrunken. Wenn du jetzt noch etwas trinkst, wirst du nur lustiger werden. Nimm dein Glas, so nimm’s doch!“

„Was heißt das: ‚so nimm’s doch‘? Ich gehe einfach fort und damit Schluß!“

Und damit stand ich auf. Er wurde schrecklich wütend.

„Dir hat Trischatoff von mir was ins Ohr gesetzt! Ich hab’ doch gesehen, wie ihr dort zusammen getuschelt habt. Du bist ein Dummkopf. Alphonsina ekelt sich, wenn er ihr nur in die Nähe kommt ... Er ist gemein. Ich werde dir noch erzählen, was er für einer ist ...“

„Das hast du mir schon gesagt. Bei dir ist jedes dritte Wort Alphonsina; du bist entsetzlich beschränkt.“

„Beschränkt?“ Er verstand mich nicht. „Sie sind jetzt zum Pockennarbigen übergegangen. Das ist es! Darum habe ich sie davongejagt. Sie sind ehrlose Buben. Dieser Pockennarbige ist ein Erzschuft und wird sie noch ganz anders verderben! Ich aber habe von ihnen immer verlangt, daß sie sich anständig aufführen.“

Ich setzte mich wieder, griff ganz mechanisch nach dem Glas und trank einen Schluck.

„Ich stehe an Bildung hoch über dir,“ sagte ich.

Er aber war selig, daß ich mich wieder gesetzt hatte, und füllte sogleich mein Glas bis zum Rande nach.

„Du scheinst sie ja sehr zu fürchten?“ fuhr ich fort, ihn zu kränken (und sicherlich war ich in diesem Augenblick viel widerlicher als er). „Andrejeff schlug dir den Hut vom Kopf, und dafür hast du ihm fünfundzwanzig Rubel gegeben.“

„Das hab’ ich, aber er wird mir schon dafür büßen. Sie verschwören sich jetzt gegen mich, aber ich werde schon mit ihnen fertig werden ...“

„Der Pockennarbige scheint dich ja sehr zu beunruhigen. Und weißt du, ich glaube, ich bin jetzt der einzige, der dir noch verblieben ist. Alle deine Hoffnungen hast du jetzt auf mich gesetzt, – ist’s nicht so?“

„Ja, Arkadi, das ist so: Du bist jetzt der einzige Freund, der mir noch geblieben ist; das hast du gut gesagt!“ Er klopfte mir auf die Schulter.

Was sollte man mit einem so beschränkten Menschen anfangen? Er war ja geistig vollkommen unentwickelt und faßte meinen Spott als Schmeichelei auf.

„Du könntest mir aus einer schlimmen Lage helfen, wenn du ein guter Freund sein willst, Arkadi,“ fuhr er fort und sah mich liebevoll an.

„Wobei könnte ich dir denn helfen?“

„Du weißt doch selbst, wobei. Ohne mich würdest du die Sache wie ein Narr anfassen und alles nur verpfuschen, ich aber würde dir dreißigtausend Rubel geben; wir würden den Gewinn einfach teilen, und du weißt doch schon selbst wie und was! Na, und überhaupt: was bist du jetzt? Du hast doch nichts – keinen Namen, keine Familie; hier aber bietet sich dir mit einem Schlage ein ganzes Vermögen; und hast du erst einmal Geld, so kannst du noch wer weiß was für eine Karriere machen!“

Ich staunte nur so über die Art seines Vorgehens. Ich hatte zum mindesten erwartet, daß er mich zu überlisten suchen werde, und nun begann er mit mir so ohne alle Vorsichtsmaßregeln, als ob ich ein dummer Junge gewesen wäre! Ich beschloß, ihn anzuhören; ich tat es einerseits aus Vorurteilslosigkeit und andererseits ... aus schrecklicher Neugier.

„Sieh, Lambert: du wirst das zwar nicht verstehen, aber ich bin bereit, dich anzuhören, weil ich vorurteilslos bin,“ erklärte ich mit plötzlicher Entschlossenheit und trank wieder einen Schluck.

Lambert goß sofort wieder nach.

„Hör’ mich an, Arkadi: wenn so ein Bjoring gewagt hätte, mich in Gegenwart einer Dame, die ich vergöttere, zu schlagen und zu beschimpfen, – ich weiß nicht, was ich mit ihm getan hätte! Du aber hast den Schimpf eingesteckt, und ich kann dich einfach nur verachten: Du bist ja doch nur ein Waschlappen!“

„Wie wagst du, zu behaupten, Bjoring hätte mich geschlagen!“ schrie ich und wurde rot. „Eher habe ich ihn geschlagen, als er mich!“

„Nein, er hat dich geschlagen, nicht du ihn.“

„Du lügst; ich bin ihm dabei noch auf den Fuß getreten!“

„Er aber hat dich mit dem Arm zurückgestoßen und den Dienern befohlen, dich rauszuschmeißen ... und sie hat im Wagen gesessen und dich ausgelacht; sie wußte, daß du keinen Vater hast, und daß man dich ungestraft beleidigen kann.“

„Ich weiß nicht, Lambert ... wir führen eine Unterhaltung wie zwei dumme Jungen, daß ich mich rein schäme. Du willst mich aufhetzen und tust es so plump und offensichtlich, als hättest du einen Sechzehnjährigen vor dir. Du hast dich mit Anna Andrejewna verabredet!“ schrie ich wutbebend und trank dabei ganz mechanisch wieder einen Schluck.

„Anna Andrejewna ist eine schlaue Intrigantin! Sie wird noch dich und mich und die ganze Welt betrügen! Ich habe nur auf dich gewartet, denn du wirst bei der anderen mehr erreichen als bei dieser.“

„Bei welcher anderen?“

„Na, bei Madame Achmakoff. Ich weiß alles. Du hast mir selbst gesagt, daß sie den Brief, der in deinen Händen ist, fürchtet ...“

„Was für einen Brief ... du lügst ... hast du sie gesehen?“ stammelte ich verwirrt.

„Ich habe sie gesehen. Sie ist sehr schön. Très belle;[102] du hast einen guten Geschmack.“

„Ich weiß, daß du sie gesehen hast; aber mit ihr zu sprechen hast du doch nicht gewagt, und ich will auch nicht, daß du von ihr zu sprechen wagst!“

„Du bist noch ein Jüngling, und sie macht sich über dich lustig – das ist das Ganze! Wir haben in Moskau einen ähnlichen Fall mit einer solchen tugendhaften Dame gehabt: ach, wie stolz die war, und wie hoch sie die Nase trug! Und wie erzitterte sie, als man ihr sagte, wir würden alles erzählen, und wie gehorsam war sie dann – und wir nahmen natürlich das eine wie das andere: Geld und noch – du kannst dir schon denken was. Jetzt ist sie in der Gesellschaft wieder die unnahbare große Dame – Teufel noch eins, wie hoch oben sie wieder ist, und in was für einer Equipage sie wieder fährt, und dabei – wenn du nur gesehen hättest, in was für einer Spelunke das geschah! Du kennst das Leben noch nicht, wenn du wüßtest, vor was für Spelunken diese Damen nicht zurückscheuen ...“

„Das hab’ ich mir gedacht,“ murmelte ich unwillkürlich.

„Verdorben sind sie bis in die Fingerspitzen! Du ahnst es nicht, wozu sie fähig sind! Alphonsina ist einmal in solch einem reichen Hause gewesen, – geekelt hat sie sich einfach davor!“

„Das habe ich mir gedacht,“ entfuhr es mir wieder.

„Du aber läßt dich schlagen und hast dann noch Mitleid mit ihr ...“

„Lambert, du bist ein Schurke, du verfluchter Lump!“ schrie ich, da mir plötzlich alles klar wurde, und ich zitterte vor Wut. „Ich hab’ das alles schon im Traum gesehen, du standest mit Anna Andrejewna ... Oh, du verfluchter Lump! Hast du wirklich geglaubt, daß ich so ein Schurke sein könnte? Mir hat davon bereits geträumt, weil ich wußte, daß du mir Ähnliches sagen würdest! Und schließlich, das kann doch nicht alles so einfach sein, daß du mir so geradeaus und ohne Bedenken davon reden kannst!“

„Sieh mal, wie du aufbraust! Te-te-te!“ spottete Lambert und lachte triumphierend. „Nun, Freund Arkaschka, jetzt weiß ich glücklich alles, was ich wissen wollte. Darum hab’ ich auf dich gewartet. Höre mal: du hast dich also in sie verliebt und möchtest dich an Bjoring rächen – sieh, das war es, was ich wissen mußte. Ich hab’ mir das auch schon gedacht, die ganze Zeit, während ich auf dich wartete. Ceci posé, cela change la question.[103] Um so besser, da sie doch selbst in dich verliebt ist. Darum heirate sie, ohne zu zögern, das wird das Beste sein, was du tun kannst. Und was anderes kannst du auch gar nicht tun, du hast das Richtigste getroffen. Und dann vergiß eines nicht, Arkadi: daß du einen Freund hast, auf dem du meinetwegen reiten kannst – und dieser Freund bin ich. Dieser Freund wird dir helfen und dich mit ihr verheiraten: und sollte er auch alles aus der Hölle für dich herausholen müssen, Arkascha! Du aber gibst deinem alten Freunde dann dreißig Tausender für die Mühe, was? Ich werde dir mächtig helfen, da sei du unbesorgt. In solchen Geschäften kenne ich mich aus: du bekommst ihre ganze Mitgift ausgezahlt, bist dann ein reicher Mann und hast eine glänzende Zukunft vor dir!“

In meinem Kopf ging zwar schon alles durcheinander, aber ich sah Lambert doch noch mit Verwunderung an. Er sprach im Ernst, das heißt, nicht, daß man ihn ernst nehmen konnte, aber jedenfalls schien er doch im Ernst an die Möglichkeit zu glauben, mich mit ihr verheiraten zu können, und offenbar nahm er die Idee mit Begeisterung auf. Selbstverständlich merkte ich sofort, daß er mich fangen wollte, und das noch dazu in einer so plumpen Art, als hätte er es mit einem dummen Jungen zu tun gehabt; sicher habe ich das schon damals bemerkt; aber der Gedanke an eine Ehe mit ihr überwältigte mich dermaßen und nahm mich so schnell gefangen, daß ich – obgleich ich mich über Lambert wunderte, weil er von einem so phantastischen Einfall ernsthaft reden konnte – daß ich doch gleichzeitig selber ganz hingerissen an die Möglichkeit glaubte, ohne aber dabei auch nur für einen Augenblick das Bewußtsein zu verlieren, daß diese sich nie und nimmer verwirklichen konnte. Ich begreife selbst nicht, wie sich das alles in mir miteinander vertrug.

„Ja, aber ist denn das möglich?“ stammelte ich.

„Warum denn nicht? Du zeigst ihr das Dokument – da wird sie Angst bekommen und dich heiraten, um nicht ihr ganzes Erbe zu verlieren.“

Ich beschloß, Lambert in seinen gemeinen Vorschlägen nicht zu unterbrechen, zumal er sie mir mit einer Harmlosigkeit vorlegte, die nicht einmal zu ahnen schien, daß ich mich plötzlich dagegen empören könnte; indessen murmelte ich doch so etwas davon, daß ich sie nicht zwingen wolle:

„Aber ich will sie doch um nichts in der Welt mit Gewalt dazu bewegen, mich zu heiraten, wie kannst du so gemein sein, mir überhaupt solche Vorschläge zu machen?“

„Ei, was! sie heiratet dich ja ganz von selbst: du brauchst sie zu nichts zu zwingen, denn sie wird so erschrocken sein, daß sie von selbst alles tun wird. Und sie wird allein schon darum wollen, weil doch auch sie in dich verliebt ist,“ schloß Lambert, und sprach plötzlich die Hauptsache aus.

„Du lügst! Du willst dich über mich lustig machen! Woher kannst du wissen, ob sie in mich verliebt ist?“

„Unbedingt ist sie das! Ich weiß es. Auch Anna Andrejewna ist der Meinung. Ich sage dir das im Ernst und es ist wahr, daß Anna Andrejewna daran glaubt. Und dann werde ich dir noch etwas erzählen, wenn du zu mir kommst, eine Sache, aus der du ersehen kannst, daß sie in dich verliebt ist. Alphonsina ist in Zarskoje gewesen; sie hat da auch erfahren ...“

„Was kann sie denn da erfahren haben?“

„Komm, gehen wir zu mir! Sie wird dir alles selbst erzählen, und du wirst es gern hören. Bist du denn schlechter als irgendein anderer? Du bist hübsch, wohlerzogen ...“

„Ja, ich bin wohlerzogen,“ flüsterte ich atemlos. Mein Herz klopfte mächtig, und natürlich nicht nur vom Wein.

„Du bist ein hübscher Kerl, du bist immer gut gekleidet.“

„Ja, ich bin gut gekleidet.“

„Und du bist ein guter Kerl ...“

„Ja, ich bin ein guter Kerl.“

„Warum sollte sie da nicht ja sagen? Bjoring wird sie ohne Geld selbstverständlich nicht nehmen, du aber kannst sie durch ihren Vater an den Bettelstab bringen. Das wird sie nicht wenig erschrecken. Und wenn du sie heiratest, rächst du dich dadurch an Bjoring. Du hast mir doch selbst in jener Nacht gesagt, als ich dich halb erfroren zu mir brachte, daß sie in dich verliebt ist.“

„Hab’ ich dir das wirklich gesagt? Nein, so kann ich mich nicht ausgedrückt haben.“

„Doch, gerade so!“

„Vielleicht im Fieber. Dann habe ich dir wohl auch von einem Dokument etwas gesagt?“

„Ja, du sagtest, daß du einen Brief besitzest, und ich dachte noch: wie kann er, wenn er einen solchen Brief in der Hand hat, seinen Vorteil so aus dem Auge lassen?“

„Aber das ist ja alles nur Phantasie, und ich bin doch nicht so dumm, so etwas ernst zu nehmen,“ murmelte ich. „Erstens ist da der Altersunterschied, und zweitens bin ich doch ohne Herkunft.“

„Na, sie wird dich schon nehmen; sie kann ja gar nicht anders, wo es sich doch um so viel Geld handelt – das werde ich ihr schon klarmachen. Und außerdem liebt sie dich doch. Du weißt ja selbst am besten, wie sehr der alte Fürst dir zugetan ist; durch seine Protektion kannst du noch wer weiß was für Verbindungen anknüpfen; und was das betrifft, daß du keine Vorfahren hast, so ist doch heutigestags so was überhaupt nicht mehr nötig; wenn du nur erst Geld hast – dann geht’s schon von selbst höher und höher hinauf, und in zehn Jahren bist du ein Millionär, von dem ganz Rußland redet, was brauchst du dann noch einen Namen? In Österreich kannst du dir den Baron kaufen. Und wenn du sie heiratest, so nimm sie gleich fest in die Hand. Du mußt sie stramm halten. Wenn die Frau einen Mann liebt, so hat sie es gern, wenn er sie fest in der Faust hält. Die Frau liebt im Mann den Charakter. Mit dem Brief wirst du sie so erschrecken, daß sie sofort deinen Charakter zu fühlen bekommt. Und unwillkürlich wird sie sich dann sagen: ‚Er ist zwar noch jung, aber er hat doch Charakter!‘“

Ich saß da wie betäubt. Mit keinem anderen Menschen hätte ich mich zu einem so dummen Gespräch erniedrigt. Hier aber trieb mich ein geradezu wollüstiger Drang ... Zudem war Lambert so dumm und gemein, daß man sich vor ihm eigentlich gar nicht schämen konnte.

„Nein, weißt du, Lambert,“ bemerkte ich plötzlich, „du kannst sagen, was du willst, aber das meiste davon ist doch Unsinn; ich habe mit dir überhaupt nur deshalb davon gesprochen, weil wir alte Kameraden sind und uns voreinander nicht zu schämen brauchen; einem anderen gegenüber hätte ich mich niemals so weit vergessen. Und, vor allem, woher kannst du wissen, ob sie mich liebt? Das mit dem Kapital hast du dir sehr schlau ausgedacht, aber, sieh, Lambert, du kennst diese vornehmen Kreise nicht: bei ihnen geschieht das alles auf Grund der Überlieferung, sozusagen auf ererbten Fundamenten, und da würde sie eben, solange sie meine Fähigkeiten noch nicht kennt und nicht weiß, was ich in meinem Leben zu erreichen hoffe, doch nicht wollen. Aber ich will dir durchaus nicht verhehlen, Lambert, daß es da wirklich einen Punkt gibt, der einem Hoffnung machen könnte. Siehst du, vielleicht würde sie mich auch aus Dankbarkeit heiraten, weil ich sie dann von dem Haß eines gewissen Menschen befreien würde; denn sie fürchtet diesen Menschen sehr.“

„Ach, du meinst deinen Vater? Wie, liebt er sie denn wirklich so leidenschaftlich?“ fuhr Lambert plötzlich lebhaft und mit außergewöhnlicher Neugier auf.

„O nein!“ rief ich. „Wie schrecklich du doch bist, Lambert, und zu gleicher Zeit wie dumm! Wie könnte ich sie denn heiraten wollen, wenn ich wüßte, daß er sie liebt! Wir sind doch immerhin Vater und Sohn – da wär’s ja eine Schande! Er liebt Mama, nur Mama liebt er, ich habe gesehen, wie er sie umarmt hat. Ich hab’ ja selbst schon einmal geglaubt, daß er Katerina Nikolajewna liebte, aber jetzt weiß ich’s ganz genau, daß er sie vielleicht früher mal geliebt hat, sie jetzt aber schon seit langem haßt ... und sich an ihr nur noch rächen will; sie aber fürchtet sich vor ihm. Ich kann dir nur sagen, Lambert: wenn er sich rächen will, kann er unheimlich werden! Er ist dann wie wahnsinnig. Wenn er über sie in Zorn gerät, so ist ihm jedes Mittel recht. Das ist noch eine Feindschaft von der alten Art: um erhabener Prinzipien willen. Heutzutage pfeift man auf allgemeine Prinzipien; heutzutage gibt es keine allgemeinen Prinzipien mehr, sondern nur Einzelfälle. Aber davon verstehst du ja wieder nichts: du bist, weiß Gott, dumm wie ein Stiebel; ich erzähle dir hier von Prinzipien, und du hast wahrscheinlich überhaupt keine Vorstellung davon, was ein Prinzip ist. Du bist wirklich furchtbar ungebildet. Weißt du noch, wie du mich gehauen hast. Heute bin ich stärker als du – weißt du das auch?“

„Arkaschka, gehen wir zu mir nach Haus! Wir verbringen zusammen den Abend, trinken noch eine Flasche, und Alphonsina singt uns zur Gitarre vor.“

„Nein, ich will nicht. Höre, Lambert, ich habe außerdem meine ‚Idee‘. Wenn aus all dem anderen nichts wird und ich nicht heirate, so werde ich nur noch für meine Idee leben; du aber hast keine Idee.“

„Schon gut, schon gut, das erzählst du mir zu Haus, komm, laß uns gehen.“

„Nein, ich gehe nicht mit. Ich will nicht, ich tu’s nicht. Ich werde schon zu dir kommen, aber du bist und bleibst doch ein Schuft. Ich gebe dir die Dreißigtausend – meinetwegen; aber ich bin reiner und stehe höher als du ... Ich sehe doch, daß du mich nur betrügen willst. Und von ihr zu sprechen oder an sie auch nur zu denken verbiete ich dir jetzt: sie steht höher als alles in der Welt, und deine Pläne sind von einer solchen Niedrigkeit, daß man über dich nur staunen kann, Lambert. Ich möchte heiraten, gewiß – aber das ist eine Sache für sich; dazu brauche ich kein Geld, ich verachte dieses Geld. Ich würde ihr Geld auch dann nicht annehmen, wenn sie es mir selbst auf den Knien anböte ... Aber heiraten, heiraten – das ist etwas ganz anderes. Und weißt du, das hast du ganz gut gesagt, das von dem in der Faust halten. Lieben muß man, leidenschaftlich lieben, mit der ganzen Großmut, die im Manne liegt, und deren eine Frau überhaupt nicht fähig ist, und gleichzeitig muß man ein Despot sein – das ist richtig. Denn, weißt du, Lambert, die Frauen lieben den Despotismus. Du, Lambert, kennst die Frauen. Aber in allen übrigen Dingen bist du doch unglaublich dumm! Und weißt du, Lambert, du bist ja gar nicht so ein Schuft, wie es den Anschein hat, du bist nur fürchterlich einfältig. Deshalb habe ich dich auch trotz allem noch gern. Ach, Lambert, warum bist du so ein Lump? Was könnten wir sonst für ein Leben zusammen führen! Weißt du, Trischatoff ist ein lieber Kerl ...“

Diese letzten zusammenhangslosen Sätze stammelte ich, als wir schon auf der Straße waren. Oh, ich übergehe absichtlich nicht die geringste Kleinigkeit, damit der Leser sehe, wie leicht ich damals trotz aller Begeisterung, trotz aller Schwüre und Gelöbnisse – nach meiner Genesung und „Wiedergeburt“ die Vornehmheit und innere Schönheit zu suchen – fallen konnte, und noch dazu in solchen Schmutz! Und ich schwöre: wenn ich nicht vollkommen und ganz überzeugt wäre, daß ich jetzt schon ein ganz und gar anderer Mensch bin, ein Mensch, der sich im praktischen Leben wirklich einen Charakter erworben hat, so würde ich dem Leser um nichts in der Welt alles dies gestehen.

Wir traten aus dem Laden; Lambert hatte leicht den Arm um mich gelegt und stützte mich. Auf einmal sah ich ihn an und bemerkte denselben entschlossenen furchtbar aufmerksamen und im höchsten Grade nüchternen Ausdruck in seinem Blick – wie damals am Morgen, als er mich halb erstarrt gefunden und mich ebenso umschlungen haltend zur Droschke geführt und dabei mit genau derselben Aufmerksamkeit auf mein zusammenhangloses Gestammel gelauscht hatte. Bekanntlich kann bei Berauschten, die noch nicht vollkommen betrunken und abgefallen sind, plötzlich und auf Augenblicke gänzliche Ernüchterung eintreten.

„Um keinen Preis gehe ich jetzt zu dir!“ sagte ich entschlossen und wieder ganz bei Sinnen. Ich sah ihn höhnisch an und suchte ihn mit der Hand von mir wegzuschieben.

„Na, komm schon, Alphonsina wird uns Tee machen, komm!“

Er war natürlich überzeugt, daß ich mich von ihm nicht mehr losreißen könne, und hielt mich immer noch als sein sicheres Opfer mit Wonne umarmt: er hatte mich doch auch so nötig, gerade an diesem Abend, und dazu noch in einem solchen Zustande! Später wird es schon klar werden, weswegen!

„Ich will nicht!“ wiederholte ich. „He, hierher!“ rief ich einen vorüberfahrenden Droschkenkutscher an, der sofort anhielt, und ich sprang in den Schlitten.

„Was! wo willst du hin? Was fällt dir ein!“ brüllte Lambert erschrocken und klammerte sich an meinen Pelz.

„Wage es nicht, mir nachzufahren!“ schrie ich. „Daß du dich nicht unterstehst!“

In diesem Augenblick zog das Pferd an, und mein Pelz wurde Lambert aus der Hand gerissen.

„Na wart’, du wirst schon zu mir kommen!“ schrie er mir wütend nach.

„Wenn’s mir paßt – das hängt von meinem Willen ab!“ rief ich zurück, indem ich mich im Schlitten nach ihm umwandte.

II.

Er folgte mir nicht, freilich nur darum nicht, weil gerade kein zweiter Schlitten zur Stelle war, und so gelang es mir, ihm zu entkommen. Ich fuhr aber nur bis zum Heumarkt; dort stieg ich aus und entließ den Kutscher, denn ich hatte das starke Bedürfnis, zu Fuß zu gehen. Ich empfand weder Müdigkeit noch Trunkenheit, ich war nur ausnehmend munter. Es war ein großer Überschuß von Kräften in mir, ich fühlte mich zu jedem Unternehmen fähig und unzählige angenehme Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Mein Herz klopfte jäh und hart – ich hörte jeden Schlag. Und alles schien mir so schön und alles so leicht. Als ich an der Hauptwache am Heumarkt vorüberging, hatte ich die größte Lust, zum Posten hinzugehen und ihn zu umarmen. Es war Tauwetter; der Schnee auf dem Platz sah schon ganz schwarz aus und stank; aber auch das gefiel mir.

„Jetzt gehe ich den Obuchoffprospekt hinunter,“ dachte ich bei mir, „dann biege ich links ein und mache einen Umweg über die Ssemjonoffkaserne, das ist schön; alles ist schön. Den Pelz trage ich offen ... Warum nimmt ihn mir niemand ab, wo sind denn die Diebe? Auf dem Heumarkt soll es doch Diebe geben; mögen sie nur kommen, ich überlasse ihnen vielleicht meinen Pelz. Wozu brauche ich einen Pelz? Ein Pelz ist Eigentum. La propriété, c’est le vol.[104] Übrigens, was ist das für’n Unsinn, aber wie schön ist doch alles! Wie gut, daß es taut. Wozu Kälte? Kälte ist ganz überflüssig. Wieviel Unsinn man mit sich herumschleppt, aber es ist doch schön. Was habe ich soeben Lambert von Prinzipien gesagt? Ich sagte, es gäbe keine allgemeinen Prinzipien, es gäbe nur noch ‚Einzelfälle‘. Das war von mir geschwindelt, war eine Erzschwindelei! Und mit Absicht, um mich wichtig zu machen. Ein bißchen peinlich, aber das tut nichts, ich werde es schon wieder gutmachen. Schämen Sie sich nicht, Arkadi Makarowitsch, quälen Sie sich doch nicht deswegen! Sie gefallen mir, Arkadi Makarowitsch, Sie gefallen mir sogar außerordentlich, mein junger Freund. Schade nur, daß Sie ein kleiner Schuft sind ... und ... und ... Ach!“

Ich blieb plötzlich stehen, und mein Herz schlug mächtig vor Entzücken.

„Mein Gott! Was hatte er gesagt? Er sagte, daß sie – mich liebt! ... Oh, er ist ein Spitzbube, er hat viel gelogen; er hat das nur gesagt, damit ich bei ihm übernachte. Oder vielleicht auch nicht. Er sagte doch, Anna Andrejewna sei derselben Meinung ... Bah! Und Darja Onissimowna – ob die nicht manches für ihn ausgekundschaftet hat? Die schnüffelte doch überall herum. Warum bin ich eigentlich nicht mit ihm gegangen? Ich hätte dann alles erfahren. Hm! Er hat einen Plan. Ich habe ja alles bis zur letzten Einzelheit vorausgeahnt. Mein Traum! Ihr Plan ist nicht schlecht, Herr Lambert, nur ist das barer Unsinn, denn so wird das nicht sein! Oder vielleicht doch? Vielleicht – doch! Kann er mich denn verheiraten? Vielleicht kann er es wirklich. Er ist naiv und gläubig. Und dazu ist er dumm und frech, wie alle praktischen Leute. Dummheit mit Frechheit gepaart ist eine große Macht. Geben Sie es mir zu, Arkadi Makarowitsch, daß Sie sich vor diesem Lambert doch gefürchtet haben! Wozu braucht er anständige Menschen? Ganz ernsthaft hat er mir gesagt: ‚Hier gibt es keinen einzigen anständigen Menschen!‘ Aber wer bin ich denn selbst? Doch was rede ich! Als ob Spitzbuben nicht auch anständige Menschen nötig hätten? Zu Spitzbübereien sind anständige Menschen noch viel unentbehrlicher als zu sonstwas. Ha, ha! Das haben Sie in Ihrer großen Unschuld bis heute noch nicht gewußt, Arkadi Makarowitsch. Herrgott! Und wenn er mich wirklich mit ihr verheiratet!“

Ich stand plötzlich wieder still. Ich muß hier eine Dummheit eingestehen (sie liegt ja schon so weit hinter mir!) – die Dummheit, daß ich schon lange vorher hatte heiraten wollen – das heißt, eigentlich habe ich es ja nie gewollt, und es wäre ja auch niemals geschehen (und auch in Zukunft wird es nie geschehen, mein Wort darauf!), aber ich habe schon oft und schon lange vorher davon geträumt – und wohl abertausendmal und besonders nachts vor dem Einschlafen im Bett – wie schön es doch sein müßte, zu heiraten. Das hatte schon in meinem sechzehnten Jahre angefangen. Ich hatte auf dem Gymnasium einen Kameraden, einen Altersgenossen, Lawrowski hieß er; er war ein stiller, hübscher Junge, der sich übrigens durch nichts weiter auszeichnete. Gesprochen hatte ich mit ihm fast noch nie. Eines Abends saßen wir zufällig nebeneinander, und er schien ganz in Gedanken versunken zu sein; plötzlich sagte er zu mir: „Ach, Dolgoruki, was meinen Sie, wenn man doch jetzt heiraten könnte? Nein wirklich, wann soll man denn heiraten, wenn nicht jetzt? Gerade jetzt wäre die beste Zeit dazu, und doch ist es für unsereinen jetzt ganz unmöglich!“ Und so aufrichtig sagte er das. Ich stimmte ihm sofort von ganzem Herzen bei, denn ich hatte schon selbst von Ähnlichem zu träumen angefangen. Nachher kamen wir eine Zeitlang täglich zusammen und sprachen dann heimlich nur von diesem einen, immer nur davon. Dann aber – ich weiß nicht, wie es kam – suchten wir einander nicht mehr auf und sprachen nicht mehr davon. Seitdem träumte ich allein weiter. Das ist freilich alles gar nicht der Erwähnung wert, doch – ich wollte eben bloß feststellen, wie früh manchmal so etwas anfangen kann ...

„Es gibt nur einen ernsthaften Einwand,“ spann ich meine Gedanken weiter, während ich meinen Weg fortsetzte, „denn der geringe Altersunterschied kann selbstverständlich kein Hindernis sein; aber wenn man bedenkt: sie ist eine solche Aristokratin, und ich heiße – ‚einfach Dolgoruki‘! Das ist schrecklich! Hm! Aber könnte Werssiloff nicht, wenn er Mama heiratet, ein Gesuch einreichen und von der Regierung die Erlaubnis erwirken, mich zu adoptieren ... sozusagen in Anbetracht seiner Verdienste ... Er war doch im Staatsdienst, er hat sich doch um den Staat verdient gemacht ...“ Und plötzlich durchzuckte es mich: „O Teufel, diese Gemeinheit!“

Fast laut stieß ich es hervor, und ich stand zum drittenmal still – diesmal wie von einem Keulenschlage getroffen. Die ganze Qual der erniedrigenden Erkenntnis, daß ich mir solche Schmach hatte wünschen können, wie die Änderung meines Namens durch Adoption, dieser Verrat an meiner ganzen Kindheit – zerstörte in einem Augenblick meine gehobene Stimmung, und meine ganze Freude war wie Rauch verflogen. „Nein, das werde ich keinem Menschen sagen,“ dachte ich und errötete heiß, „so tief habe ich nur sinken können, weil ich ... verliebt und dumm bin ... Nein, wenn Lambert in einem recht hatte, so war es darin, daß heutzutage, in unserer Zeit, die Hauptsache der Mensch selbst ist, und dann erst kommt sein Geld. Das heißt, nicht sein Geld, sondern sein Vermögen. Wenn ich mich mit solchem Kapital an die Verwirklichung meiner ‚Idee‘ mache, so wird in zehn Jahren ganz Rußland von mir widerhallen, und ich werde mich an allen rächen können. Und mit ihr viel Umstände machen, hat auch gar keinen Zweck, darin hat Lambert wieder recht. Sie wird Angst haben und mich einfach nehmen. Sie wird auf die einfachste und erbärmlichste Weise einwilligen und mich nehmen. ‚Du kannst dir nicht vorstellen, nicht vorstellen kannst du dir, in was für einer Spelunke das geschah.‘ Diese Worte Lamberts fielen mir wieder ein. „Und so ist es,“ bekräftigte ich, „Lambert hat recht, hat tausendmal mehr recht als ich und Werssiloff und alle Idealisten! Er ist ein Realist. Sie wird sehen, daß ich Charakter habe und wird sich sagen: ‚Ah, er hat Charakter!‘ Lambert ist ein Schuft, und ihm kommt es nur darauf an, mir die dreißigtausend Rubel zu entreißen, und doch ist er in Wirklichkeit der einzige, der als Freund zu mir hält. Eine andere Freundschaft gibt es nicht und kann es gar nicht geben, die haben sich bloß unpraktische Leute ausgedacht. Und sie erniedrige ich damit durchaus nicht; wodurch erniedrige ich sie denn? Keineswegs: die Weiber sind alle so! Gibt es denn überhaupt ein Weib, das ganz ohne Gemeinheit wäre? Deshalb muß es auch den Mann über sich haben, deshalb ist es als untergeordnetes Wesen geschaffen. Das Weib ist Laster und Versuchung, der Mann ist Anstand und Großmut. Und so wird es bleiben für die ganze Ewigkeit. Daß ich aber im Begriff stehe, das ‚Dokument‘ auszunutzen, das besagt noch gar nichts. Das hindert mich nicht, anständig und großmütig zu sein. Schillersche Idealmenschen gibt es im wirklichen Leben nicht, die hat man sich nur ausgedacht. Dies bißchen Niedrigkeit aber – kann doch schließlich nebensächlich sein, wenn das Ziel erhaben ist! Das läßt sich später alles wieder abwaschen und gutmachen. Jetzt ist das nur Großzügigkeit, ist ‚das Leben‘, ist die Lebensweisheit, – ja, so nennt man das heutzutage!“

Oh, ich sage noch einmal: möge man mir verzeihen, daß ich diese Träumereien der Trunkenheit so eingehend wiedergebe. Was ich hier schreibe ist natürlich nur ein Auszug und eine Verdeutlichung meiner Träume von damals, aber es ist mir, als hätte ich diese Gedanken sogar mit eben diesen Worten gedacht. Ich mußte es wiedergeben, denn ich habe mich doch zum Schreiben hingesetzt, weil ich über mich selbst ein Urteil fällen wollte. Und was wäre wohl mehr zu verurteilen als diese Haltung? Kann denn im Leben etwas ernster sein? Der Wein entschuldigt mich nicht. In vino veritas.

So vor mich hingrübelnd und ganz versunken in meine Träume, hatte ich den Weg nach Hause zurückgelegt und war vor Mamas Wohnung angelangt, ohne es zu gewahren. Ja, ich gewahrte es auch dann noch nicht, als ich schon eintrat; erst in unserem kleinen Vorzimmer kam ich gleichsam zu mir, und da fühlte ich plötzlich, daß bei uns etwas Außergewöhnliches vor sich ging. Ich hörte in den Zimmern laut sprechen und aufschreien, und Mama weinte. In der Tür hätte mich Lukerja, die aus dem Zimmer Makar Iwanowitschs kam und in die Küche stürzte, beinahe umgerannt. Ich warf meinen Pelz ab und begab mich schnell zu Makar Iwanowitsch, da alle dort beisammen waren.

Im Zimmer standen Werssiloff und Mama. Mama lag in seinen Armen, und er hielt sie fest an sein Herz gedrückt. Makar Iwanowitsch saß wie gewöhnlich auf seiner Bank, aber so sonderbar haltlos, daß Lisa ihn mit ihrer ganzen Kraft an beiden Schultern festhalten mußte, damit er nicht umfiele, und doch neigte er sich immer mehr nach vorn und drohte ganz zu fallen. Ich stürzte näher, erschrak und begriff: der Alte war tot. Er war soeben gestorben, vielleicht eine Minute vor meinem Eintreten. Vor zehn Minuten hatte er sich noch so wie immer gefühlt. Nur Lisa war bei ihm gewesen: sie hatte dagesessen und ihm ihren Kummer erzählt, und er hatte ihr, genau wie gestern, den Kopf gestreichelt. Auf einmal hatte er zu zittern begonnen (so erzählte Lisa später), hatte aufstehen, hatte schreien wollen, und war dann lautlos nach links gesunken. „Herzschlag!“ meinte Werssiloff. Lisa hatte aufgeschrien, daß es durchs ganze Haus hallte, und da erst waren die anderen herbeigelaufen – und das alles eine Minute vor meinem Erscheinen.

„Arkadi!“ rief mir Werssiloff zu, „laufe sofort zu Tatjana Pawlowna. Sie muß unbedingt zu Hause sein. Bitte sie, sofort herzukommen! Nimm eine Droschke. Schnell, ich beschwöre dich!“

Seine Augen blitzten – ich erinnere mich dessen noch deutlich. Auf seinem Gesicht bemerkte ich nichts von Mitgefühl oder Tränen, nur Mama, Lisa und Lukerja weinten. Im Gegenteil – und ich erinnere mich dessen nur zu gut –, sein Gesicht hatte den Ausdruck einer außerordentlichen Angeregtheit, ja, fast möchte ich sagen, Begeisterung. Ich lief zu Tatjana Pawlowna.

Der Weg war nicht sehr weit. Ich nahm auch keine Droschke, sondern lief den ganzen Weg zu Fuß, ohne anzuhalten. In meinem Kopfe war ein wirres Durcheinander, und auch ich fühlte eine Art Begeisterung. Ich begriff, daß etwas Entscheidendes geschehen war. Als ich bei Tatjana Pawlowna klingelte, war meine Betrunkenheit spurlos verschwunden und mit ihr alle unedlen Gedanken.

Die Finnländerin öffnete: „Nicht zu Haus!“ sagte sie kurz und wollte die Tür sofort wieder schließen.

„Was heißt das, nicht zu Haus!“ Ich drängte mich mit aller Gewalt ins Vorzimmer. „Das ist nicht möglich! Makar Iwanowitsch ist gestorben!“

„Wa–as!“ hörte ich sofort Tatjana Pawlownas Stimme hinter der geschlossenen Zimmertür rufen.

„Ja, gestorben! Makar Iwanowitsch ist gestorben! Andrei Petrowitsch bittet Sie, sofort hinzukommen!“

„Hör, du lügst ...“

Der Riegel wurde zurückgeschoben, aber die Tür nur ein wenig geöffnet.

„Was ist geschehen? So erzähl doch!“

„Ich weiß selbst nicht, ich bin soeben nach Hause gekommen, da war er schon tot. Andrei Petrowitsch sagt: Herzschlag!“

„Ich komme sofort, im Augenblick. Lauf’, sag’, ich komme gleich; mach, daß du fortkommst, marsch, marsch! Was stehst du denn noch da?“

Ich hatte aber durch die halbgeöffnete Tür deutlich gesehen, daß jemand hinter der Portiere, die Tatjana Pawlownas Schlafraum abteilte, hervorgetreten war und jetzt im Zimmer hinter Tatjana Pawlowna stand. Unwillkürlich erfaßte ich den Türgriff und ließ Tatjana Pawlowna die Tür nicht mehr schließen.

„Arkadi Makarowitsch! Ist es wirklich wahr, daß er gestorben ist?“ ertönte eine mir so gut bekannte, wohlklingende Stimme, die mein ganzes Innere auf einmal erzittern machte: aus ihrer Frage hörte man, daß etwas die Sprecherin durchdrungen hatte und ihre Seele erregte.

„Na, wenn’s so ist ...“ bemerkte Tatjana Pawlowna und ließ die Tür offen, „wenn’s so ist ... dann seht zu, wie ihr miteinander fertig werdet. Habt es selbst gewollt!“

Sie stürzte hinaus, warf sich im Laufen einen Schal und den Pelz um und lief die Treppe hinunter. Wir blieben allein. Ich warf meinen Pelz ab, trat ins Zimmer und schloß die Tür hinter mir. Sie stand vor mir wie damals, bei jenem Stelldichein, mit leuchtenden Augen, und wie damals streckte sie mir beide Hände entgegen. Da knickten mir die Knie ein, und ich sank ihr buchstäblich zu Füßen.

III.

Ein Schluchzen saß mir in der Kehle, und Tränen traten mir in die Augen, ich weiß selbst nicht, weshalb; ich weiß auch nicht, wie es kam, daß ich dann neben ihr saß; ich weiß nur noch – und diese Erinnerung ist mir unsagbar teuer – daß wir nebeneinander saßen, meine Hand in ihrer Hand ruhte, und daß wir fieberhaft sprachen: sie fragte mich nach dem Alten und nach seinen letzten Augenblicken, und ich erzählte ihr von ihm. Man hätte denken können, ich weinte um Makar Iwanowitsch, während das durchaus nicht der Fall war; aber ich weiß ja, daß sie mich einer solchen kindischen Rührseligkeit ganz entschieden nicht für fähig halten konnte. Damals aber kam mir diese Möglichkeit plötzlich zu Bewußtsein, und ich schämte mich. Heute bin ich der Meinung, daß ich einzig aus Begeisterung geweint habe, und ich denke, sie wird das auch sehr gut verstanden haben, so daß ich wegen dieser Erinnerung ganz ruhig bin.

Auf einmal kam es mir aber sehr sonderbar vor, daß sie mich so eingehend über Makar Iwanowitsch ausfragte.

„Ja, haben Sie ihn denn gekannt?“ fragte ich sie verwundert.

„Oh, ich kenne ihn schon lange. Ich habe ihn nie gesehen, aber er hat auch in meinem Leben eine Rolle gespielt. Vieles von ihm hat mir seinerzeit jener Mann erzählt, vor dem ich mich fürchte. Sie wissen, wen ich meine.“

„Ich weiß jetzt nur, daß jener Mann Ihnen innerlich viel näher gestanden hat, als Sie mich haben ahnen lassen,“ erwiderte ich, ohne selbst zu wissen, was ich damit eigentlich sagen wollte, aber ich sagte es gleichsam vorwurfsvoll und mit gerunzelter Stirn.

„Sie sagten, er habe Ihre Mutter soeben geküßt und umarmt? Haben Sie das selbst gesehen?“ fragte sie mich hastig weiter – meine Bemerkung überhörte sie.

„Ja, ich habe es mit eigenen Augen gesehen; und glauben Sie mir, es geschah alles mit der größten Aufrichtigkeit und Innigkeit!“ beeilte ich mich, zu versichern, als ich ihre Freude sah.

„Gott gebe es!“ sagte sie und bekreuzte sich. „Jetzt ist er frei. Dieser herrliche Alte hatte sein Leben doch in Ketten geschlagen. Jetzt, wo der Alte tot ist, wird wieder das Pflichtbewußtsein und ... die Würde in ihm auferstehen, wie es schon einmal geschehen ist. Oh, ich weiß, er ist vor allen Dingen großmütig und wird dem Herzen Ihrer Mutter den Frieden geben, denn er liebt sie ja doch mehr als alles auf der Welt, und wird schließlich auch selbst Ruhe finden, Gott sei Dank – und es wäre auch Zeit.“

„Er ist Ihnen wohl teuer?“

„Ja, sehr teuer, wenn auch nicht in dem Sinne, in dem er es wünschte und in dem Sie jetzt fragen,“ antwortete sie ernst.

„Fürchten Sie denn nun für ihn oder für sich?“ fragte ich plötzlich.

„Ach, das sind schwierige Fragen, lassen wir das!“

„Gut, lassen wir das; selbstverständlich; nur habe ich von alledem nichts gewußt, vielleicht gar zu viel nicht gewußt. Aber mögen Sie recht damit haben, daß jetzt alles von neuem anfängt, und wenn einer schon auferstanden ist, so bin ich es, ich als erster. Ich stehe mit niedrigen Gedanken vor Ihnen, Katerina Nikolajewna, und vielleicht ist es noch nicht eine ganze Stunde her, daß ich auch durch die Tat niedrig an Ihnen gehandelt habe. Aber Sie sollen auch das wissen, daß ich jetzt hier neben Ihnen sitze und nicht die geringsten Gewissensbisse verspüre. Denn jetzt ist alles Alte verschwunden und alles, was ist, ist neu. Und jenen Schuft, der vor einer Stunde eine Gemeinheit gegen Sie plante, kenne ich einfach nicht und will ich überhaupt nicht mehr kennen!“

„Kommen Sie zu sich,“ sagte sie lächelnd, „Sie scheinen mir ein bißchen im Fieber zu sprechen.“

„Und kann man sich denn überhaupt verurteilen, solange man neben Ihnen sitzt?“ fuhr ich fort. „Da mag einer noch so anständig sein, oder mag auch noch so niedrig sein – Sie sind doch immer, wie die Sonne, unerreichbar ... Sagen Sie, wie haben Sie mir jetzt so entgegenkommen können, nach allem, was geschehen ist? Wenn Sie nur wüßten, was noch vor einer Stunde geschehen ist, gerade vor einer Stunde! Und was für ein Traum mir in Erfüllung geht!“

„Ich glaube, das kann ich mir schon denken,“ sagte sie mit einem stillen Lächeln. „Sie werden sich für irgend etwas an mir haben rächen wollen. Sie haben sich wohl gar geschworen, mich ins Verderben zu stürzen; und dabei hätten Sie ganz gewiß einen jeden auf der Stelle totgeschlagen oder verprügelt, der es gewagt hätte, in Ihrer Gegenwart auch nur ein schlechtes Wort über mich zu sagen.“

Oh, sie lächelte und scherzte: aber sie tat es nur aus unermeßlicher Güte, denn ihre ganze Seele war in dem Augenblick, wie ich später erriet, so voll von eigener niederdrückender Sorge und von einer so starken und gewaltigen Empfindung, daß sie wohl nur so mit mir sprechen und auf meine nichtigen, lästigen Fragen antworten konnte, wie man vielleicht einem kleinen Kinde auf seine naseweisen unablässigen Fragen antwortet, damit es Ruhe gibt. Das begriff ich plötzlich, und ich schämte mich, aber ich konnte mich schon nicht mehr zurückhalten.

„Nein,“ rief ich, ohne mich zu beherrschen, „nein, ich habe den nicht erschlagen, der schlecht von Ihnen sprach, im Gegenteil, ich hab’ ihm noch beigestimmt!“

„Oh, um Gottes willen, nicht beichten, nein, erzählen Sie nichts!“ Sie streckte plötzlich die Hand aus, um mich aufzuhalten, und aus ihrem Gesicht sprach geradezu schmerzliches Mitleid, aber schon war ich aufgesprungen und stand vor ihr, um ihr alles zu sagen; und wenn ich ihr damals alles gesagt hätte, so wäre es nicht dazu gekommen, wozu es später gekommen ist; denn es wäre bestimmt darauf hinausgelaufen, daß ich ihr alles gebeichtet und das Dokument ihr ausgeliefert hätte. Aber da begann sie auf einmal zu lachen:

„Nein, es ist nicht nötig, nichts ist nötig, ich will keine Einzelheiten hören. Ich kenne schon alle Ihre fürchterlichen Verbrechen: ich wette, Sie hatten die Absicht, mich zu heiraten oder so etwas Ähnliches, und haben gerade einen diesbezüglichen Plan geschmiedet, mit einem Ihrer Freunde oder einem Ihrer früheren Schulkameraden ... Ach, es scheint ja, daß ich es wirklich erraten habe!“ rief sie plötzlich und sah mir ernst forschend ins Gesicht.

„Wie ... wie haben Sie das erraten können?“ stotterte ich wie ein Narr vor lauter Betroffenheit.

„Das war, weiß Gott, nicht schwer. Doch genug, genug davon! Ich verzeihe Ihnen alles, nur hören Sie auf,“ sagte sie abwehrend und jetzt schon mit sichtlicher Ungeduld. „Ich bin selbst eine Träumerin, und wenn Sie wüßten, was ich alles in manchen Augenblicken ausdenke, wenn ich’s nicht mehr ertragen kann! Aber genug davon, Sie bringen mich immer von dem ab, was ich eigentlich sagen wollte. Ich bin sehr froh, daß Tatjana Pawlowna weggegangen ist: ich hatte schon die ganze Zeit den Wunsch, Sie wiederzusehen, aber in ihrer Gegenwart hätten wir uns doch nicht so aussprechen können. Ich glaube, ich trage die Schuld an dem, was Ihnen damals zugestoßen ist. Ja? Ich bin doch die Schuldige?“

„Sie die Schuldige? Aber damals habe ich Sie doch an ihn verraten, und – was haben Sie überhaupt von mir denken müssen! Daran habe ich seitdem die ganze Zeit gedacht, alle diese Tage, jede Minute hab’ ich daran gedacht und nur dies gefühlt!“ (Ich log nicht.)

„Sie haben sich ganz umsonst gequält, denn ich habe doch schon damals nur zu gut verstanden, wie das geschehen konnte: es ist Ihnen da in der Freude ihm gegenüber das Geständnis entschlüpft, daß Sie in mich verliebt waren, und daß ich ... nun, daß ich Sie angehört hatte. Dafür sind Sie eben zwanzig Jahre alt. Und Sie lieben ihn doch mehr als die ganze Welt, Sie suchen in ihm doch einen Freund, ein Ideal? Das habe ich sehr gut begriffen, aber nur etwas zu spät. O ja, ich war damals selbst schuld daran: ich hätte Sie unverzüglich zu mir rufen müssen, um Sie zu beruhigen; aber ich ärgerte mich zu sehr, und so bestimmte ich, daß Sie im Hause nicht mehr empfangen werden sollten. Und so kam es dann zu jenem Auftritt an der Vorfahrt und später zu Ihren Erlebnissen in der Nacht. Und wissen Sie, ich habe genau so wie Sie diese ganze Zeit daran gedacht, wie ich Sie heimlich treffen könnte, nur wußte ich nicht, wie ich das einrichten sollte. Und was glauben Sie, was ich dabei am meisten fürchtete? Daß Sie seiner üblen Nachrede über mich glauben könnten.“

„Niemals!“ rief ich.

„Ich schätze die Stunden unseres früheren Zusammenseins. Der Jüngling in Ihnen ist mir immer teuer gewesen, und vielleicht sogar auch diese Ihre Aufrichtigkeit ... Ich bin ja doch ein ernst veranlagter Charakter. Ich bin der ernsteste und düsterste Charakter von allen heutigen Frauen, merken Sie sich das ... hahaha! Aber wir werden uns schon noch aussprechen können, augenblicklich fühle ich mich nicht recht wohl, ich bin zu aufgeregt und ... ich glaube fast, ich bekomme eine Nervenkrise ... Gott, jetzt wird er mich doch endlich, endlich in Ruhe leben lassen!“

Dieser Ausruf entschlüpfte ihr ganz unbedacht; das begriff ich sofort und tat deshalb, als hätte ich ihn überhört, aber mein Herz war erzittert.

„Er weiß, daß ich ihm verziehen habe!“ sagte sie plötzlich vor sich hin, als wäre sie ganz allein mit sich.

„Haben Sie ihm denn wirklich jenen Brief verzeihen können? Und woher kann er denn wissen, daß Sie ihm verziehen haben?“ rief ich jetzt doch, denn ich konnte mich nicht mehr halten.

„Woher er das wissen kann? Oh, er weiß es,“ sagte sie versonnen, wieder wie zu sich selbst, und als hätte sie mich ganz vergessen. „Er ist jetzt erwacht. Und wie sollte er denn nicht wissen, daß ich ihm verziehen habe, da er doch meine ganze Seele auswendig kennt? Er weiß doch, daß auch ich ein wenig von seiner Art bin.“

„Sie?“

„Ja, ich; und das weiß er. Oh, ich bin nicht leidenschaftlich, ich bin ruhig: aber auch ich möchte, ganz wie er, daß alle Menschen gut wären ... Wegen irgend etwas hat er mich doch geliebt.“

„Wie hat er dann sagen können, in Ihnen wären alle Laster?“

„Das hat er nur so gesagt; für sich, im geheimen, weiß er etwas ganz anderes. Aber nicht wahr, sein Brief war doch unsagbar lächerlich?“

„Lächerlich?“

Ich hörte mit gespanntester Aufmerksamkeit zu; sie schien tatsächlich sehr erregt zu sein und ... sprach vielleicht Dinge aus, die keineswegs für meine Ohren bestimmt waren; aber ich konnte mich trotz der peinlichen Situation nicht enthalten, sie auszufragen.

„O ja, gewiß lächerlich, und wie hätte ich gelacht, wenn ... wenn ich mich nicht so gefürchtet hätte. Übrigens bin ich durchaus nicht so furchtsam, glauben Sie das nicht. Aber nach jenem Brief habe ich doch die ganze Nacht nicht geschlafen; er ist wie mit krankem Blut geschrieben ... und worauf kann ich mich nach einem solchen Brief noch verlassen? Ich liebe das Leben, ich fürchte entsetzlich für mein Leben, darin bin ich wirklich schrecklich kleinmütig ... Ach, hören Sie!“ rief sie auf einmal und wandte sich erregt mir zu, „gehen Sie schnell zu ihm! Er ist jetzt allein, er kann nicht die ganze Zeit dort bleiben, bestimmt ist er allein aus dem Hause gegangen: suchen Sie ihn schnell auf, unbedingt so schnell wie möglich, laufen Sie zu ihm, zeigen Sie ihm, beweisen Sie ihm, daß Sie sein liebender Sohn, daß Sie der liebe, gute Junge sind, mein Student, den ich ... Oh, gebe Gott Ihnen Glück! Ich liebe niemanden, und so ist es auch am besten; aber ich wünsche allen Glück, allen, und vor allen wünsche ich es ihm, und das soll er wissen ... womöglich jetzt gleich, das wäre mir sogar sehr lieb ...“

Sie stand auf, in ihren Augen blitzten Tränen, und plötzlich verschwand sie hinter der Portiere (es waren wohl hysterische Tränen nach dem Lachen). Ich stand allein da und war erregt und verwirrt. Ich wußte wirklich nicht, was sie denn in eine solche Erregung versetzt haben konnte, in eine Erregung, die ich bei ihr gar nicht für möglich gehalten hätte. Irgend etwas in meinem Herzen krampfte sich gleichsam zusammen.

Ich wartete fünf Minuten, schließlich zehn Minuten; die tiefe Stille schreckte mich plötzlich auf, und ich entschloß mich, zur Tür hinauszuschauen und zu rufen. Auf meinen Ruf erschien die Köchin Marja und sagte mir im gleichgültigsten Ton, die gnädige Frau hätte sich längst angezogen und die Wohnung durch die Hintertür verlassen.