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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte cover

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Chapter 12: Der Renommist.
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About This Book

The collection gathers brief lyric and satirical poems that observe human vanity, small‑town manners, seasonal life, and everyday absurdities. Verses alternate between playful epigrams, ironic anecdotes, and reflective meditations on love, aging, faith, and fate, often turning familiar scenes into moral or comic commentary. Natural imagery and domestic detail frame portraits of social types and private dilemmas, while humor ranges from gentle mockery to sharp satire, and the sequence moves between light verse, moral aphorism, and sober reflection.

Der Renommist.

In einem Winkel, genannt die Butze,
Wo allerlei Kram,
Der nichts mehr nutze,
Zusammenkam;
Bei alten Hüten, alten Vasen,
Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen,
Befand sich ein Reiterstiefel auch,
Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch.
Großmächtig hat er das Wort geführt
Und ganz gewaltiglich renommirt:
»Ha, damals! Ich und mein Kamerad!
Immer fein gewichst von hinten und vorn,
Blitzblank der Sporn,
Durch die Straßen geklirrt,
Alle Herzen verwirrt,
Es war ein Staat!
Hurrah, der Krieg,
Maustodt oder Sieg!
Unser Herr Leutenant,
Schneidig, Schwert in der Hand;
Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd,
Verloren wär die Schlacht von Wörth.«
In dem Moment, zu aller Schrecke,
Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke
Ein strammer Reiserbesen.
»Hinaus! rief er, du alter Renommist!
Was schert es uns, was du gewesen;
Wir sehen, was du bist!« –
Ein Schubbs. Ein Schwung.
Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung.