WeRead Powered by ReaderPub
Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte cover

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Chapter 16: Empfehlung.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The collection gathers brief lyric and satirical poems that observe human vanity, small‑town manners, seasonal life, and everyday absurdities. Verses alternate between playful epigrams, ironic anecdotes, and reflective meditations on love, aging, faith, and fate, often turning familiar scenes into moral or comic commentary. Natural imagery and domestic detail frame portraits of social types and private dilemmas, while humor ranges from gentle mockery to sharp satire, and the sequence moves between light verse, moral aphorism, and sober reflection.

Empfehlung.

Du bist nervös. Drum lies doch mal
Das Buch, das man dir anempfahl.
Es ist beinah, wie eine Reise
Im alten wohlbekannten Gleise.
Der Weg ist grad und flach das Land,
Rechts, links und unten nichts wie Sand.
Kein Räderlärm verbittert dich,
Kein harter Stoß erschüttert dich,
Und bald umfängt dich sanft und kühl
Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
Du bist behaglich eingenickt.
Dann, wenn du angenehm erquickt,
Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein.
Da giebt es weder Bier noch Wein.
Du schlürfst ein wenig Äpfelmost,
Ißt eine leichte Löffelkost
Mit wenig Fett und vieler Grütze,
Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
Schlaf wohl, und segne den Verfasser!