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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte cover

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Chapter 27: Gedankenvoll.
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About This Book

The collection gathers brief lyric and satirical poems that observe human vanity, small‑town manners, seasonal life, and everyday absurdities. Verses alternate between playful epigrams, ironic anecdotes, and reflective meditations on love, aging, faith, and fate, often turning familiar scenes into moral or comic commentary. Natural imagery and domestic detail frame portraits of social types and private dilemmas, while humor ranges from gentle mockery to sharp satire, and the sequence moves between light verse, moral aphorism, and sober reflection.

Gedankenvoll.

Ich weiß ein stilles Fensterlein
Liegt heimlich und versteckt,
Das hat mit Laub der grüne Wein
Und Ranken überdeckt.
Im Laube spielt der Sommerwind,
Die Rebe schwankt und nickt,
Dahinter sitzt ein hübsches Kind
Gedankenvoll und stickt.
Im jugendklaren Angesicht
Blüht wundersüß der Mund
Als wie ein Rosenknösplein licht
Früh in der Morgenstund.
Im Netzgeflecht das blonde Haar
Umfaßt ein braunes Band,
Das liebe blaue Augenpaar
Blickt sinnend auf die Hand.
Und's Köpfchen scheint so still zu sein.
Ist doch ein Taubenschlag.
Gedanken fliegen aus und ein
Den lieben langen Tag.
Sie fliegen über Wald und Flur
In's weite Land hinaus.
Ach, käm ein einzig Täubchen nur
Und flöge in mein Haus.