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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte cover

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Chapter 66: Erbauliche Bescheidenheit.
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About This Book

The collection gathers brief lyric and satirical poems that observe human vanity, small‑town manners, seasonal life, and everyday absurdities. Verses alternate between playful epigrams, ironic anecdotes, and reflective meditations on love, aging, faith, and fate, often turning familiar scenes into moral or comic commentary. Natural imagery and domestic detail frame portraits of social types and private dilemmas, while humor ranges from gentle mockery to sharp satire, and the sequence moves between light verse, moral aphorism, and sober reflection.

Erbauliche Bescheidenheit.

Sehr schlecht befand sich Mutter Klöhn.
Sie kann nicht gehn,
Ist krumm und lahm
Und liegt zubett und rührt sich nicht.
Seit zwanzig Jahren hat sie schon die Gicht.
Herr Küster Bötel, welcher häufig kam,
Um gute Bessrung ihr zu wünschen,
Erzählt ihr auch des weitern,
Um sie ein wenig zu erheitern,
Die Mordgeschichte, die man jüngst verbrochen.
Ja, denken Sie nur mal,
Der Präsident von Frankreich ist erstochen
Von einem Strolch
Mit einem Dolch.
Ist das nicht ein Skandal?
Oh, Lü und Kinners, rief sie voller Graun,
Wat gift et doch vär Minschen.
Sau wat könn eck doch nich e daun!!
Herr Bötel sprach und sah sie freundlich an:
Dies Wort von Ihnen mag ich leiden.
Ein guter Mensch ist niemals unbescheiden
Und thut nicht mehr als was er kann.
Adieu, Frau Klöhn!
Auf fröhlich Wiedersehn!