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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte cover

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Chapter 68: Gründliche Heilung.
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About This Book

The collection gathers brief lyric and satirical poems that observe human vanity, small‑town manners, seasonal life, and everyday absurdities. Verses alternate between playful epigrams, ironic anecdotes, and reflective meditations on love, aging, faith, and fate, often turning familiar scenes into moral or comic commentary. Natural imagery and domestic detail frame portraits of social types and private dilemmas, while humor ranges from gentle mockery to sharp satire, and the sequence moves between light verse, moral aphorism, and sober reflection.

Gründliche Heilung.

Es saß der fromme Meister
Mit Weib und Kind bei Tisch.
Ach, seine Lebensgeister
Sind nicht wie sonst so frisch.
Er sitzt mit krummem Nacken
Vor seinem Leibgericht,
Er hält sich beide Backen,
Worin es heftig sticht.
Das brennt wie heiße Kohlen.
Au, schreit er, au, verdammt!
Der Teufel soll sie holen,
Die Zähne allesammt!
Doch gleich, wie es in Nöthen
Wohl öfter schon geschah,
Begann er laut zu beten:
Hilf, Apollonia!
Kaum daß aus voller Seele
Er diesen Spruch gethan,
Fällt aus des Mundes Höhle
Ihm plötzlich jeder Zahn.
Und schmerzlos, Dank dem Himmel,
Schmaust er, wie sonst der Brauch,
Nur war es mehr Gemümmel,
Und lispeln thät er auch.
Pohsit! Wie klingt so niedlich
Des Meisters Säuselton.
Er trank, entschlummert friedlich,
Und horch, da schnarcht er schon.

3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.