Draußen die Blumen und Pflänzchen
Halten ihr Abendkränzchen
Auf dem Gartenbeet.
Der Mond in Silberlivree,
Leise geschäftig,
Kredenzt den Thau, den Blüthenthee,
Anregend und kräftig.
Und von Kelch zu Kelche
Geht ein Geflüster:
Also morgen ist er!
Frau Ehrenpreis (Veronika).
Ihren werthen Entsprießungstag –
Taubnessel (mit dem Hörrohr).
Frau Ehrenpreis (lauter).
Taubnessel.
Frau Ehrenpreis.
Distel (für sich).
Frau Ehrenpreis.
Distel.
Die gute Frau Ehrenpreis
Muß immer loben.
Und doch hat unser Röschen, das feine
Allerlei kleine
Grillen und Räupchen
Unter dem zierlichen Häubchen.
Gänseblümchen.
Distel.
Und senkt die Blätter,
Bald rüttelt, schüttelt und spreizt sie sich,
Je nach dem Wetter.
Gänseblümchen.
Klatschrose.
Drum sieht man auch häufig den Löwenzahn,
Den Rittersporn und den Baldrian
Dort wachsen und erscheinen.
Gänseblümchen.
Klatschrose.
Und dann dieser Musenknecht,
Dieser Dichter –
Distel.
Klatschrose.
Distel.
Gänseblümchen.
Klatschrose.
Distel.
Klatschrose.
Lilie (sanft).
Frau Ehrenpreis.
Ihr Tugendgebilde!
Lilie.
Ich denke doch – –
Levkoje, Tulpe, Päonie, Flox etc.
Frau Ehrenpreis.
Ein hochgeschickter –
Fräulein Federnelke –
Federnelke.
Distel (für sich).
Frau Ehrenpreis.
So lautet ihr holder botanischer Name.
Vielleicht läßt sie sich freundlich erweichen
Und schreibt und dichtet ein Billet,
Duftend, geistvoll und nett.
Das möge dann die dienende Biene,
Unsere süße geflügelte Schleckerkathrine,
Hinschwebend im frühesten Morgenwind,
Dem hohen Geburtstagskind
Ehrfurchtsvoll sumsend überreichen.
Gänseblümchen.
Federnelke (schreibt und liest).
»Nehmet dies Brieflein gnädig hin,
»Sintemalen dasselbe geschrieben
»Von allerlei Pflanzen, welche Euch lieben.
»Verleihe der Himmel Euer Gnaden
»Beständig ein sanftes Sonnenlicht
»Und frischen Thau und meinetwegen
»Auch hie und da ein wenig Regen,
»Nur Sturmwind nicht,
»Denn dieser thut der Schönheit Schaden.
»Ergebenst mit Herz und Honigmund
»Das Blumenkränzchen: Tugendbund.«
Gänseblümchen.
Federnelke.
Alle.
Mond.
Levkoje.
Flox.
Tulpe.
Päonie.
Alle.
(Die Blumen nicken. Der Mond geht unter. Der Poet, nachdem er noch einen Blick in die Nacht hinaus gebohrt, schließt leise das Fenster.)