Abend in der Foochow Road, der Strasse der chinesischen Lebewelt. Ueberall elektrischer Lichterglanz und eine sommerlich gekleidete Menge. Zwei ausländische Gestalten sind im Gewühl; offenbar ein Ehepaar. Der Kleidung nach Deutsche und auf der Durchreise. Die schauhungrigen Augen der jungen Frau werden gar nicht satt. „O sieh mal, Männe hier!“, staunt fast jedes Wort, das dem zarten Mund entquillt. Das Paar bahnt sich den Weg durch das Gewühl. Plötzlich bleibt die Frau stehen und klammert sich fester an den Arm des Gatten. „Männe, hör mal!“ spricht die Frau und bleibt lauschend stehen; nein, sie spricht nicht, sie flüstert mit ehrfürchtigem Erschauern. Die Beiden lauschen gespannt. Oben, in einem Teehaus wird in wirrem Durcheinander auf Trommeln, Zimbeln und Metallbecken geschlagen; echt chinesische Musik; „O, Männe, Männe“ jubelt die Frau „wie zivilisiert die Chinesen geworden sind. Die spielen schon — Strauss!“ Mit verklärtem Blick zieht die Frau den Gatten weiter durch das Gewühl. Am nächsten Tag prangt ein besonderes Kapitel im Tagebuch: „Salomes Siegeszug in China.“
About This Book
A collection of essays and sketches offers vivid, observant portraits of everyday life in a major Chinese port city during a period of rapid social change, recording street scenes, public celebrations, shops, performers, and domestic customs. The writer contrasts traditional practices with newly adopted Western fashions, political symbols, and commercial habits, noting how modernizing impulses reshape manners, dress, and entertainment while provoking reflections on cultural loss and adaptation. Arranged as short, impressionistic pieces, the work blends reportage and personal reflection to trace social moods, urban characters, and the tensions between continuity and reform.