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"Semmering 1912"

Chapter 60: KUSINE
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About This Book

A linked collection of short sketches and essays offering impressionistic observations of mountain landscapes, hotels, urban parks, and domestic gardens. The pieces move between lyrical landscape description, witty character sketches, and concise reflections on taste, solitude, and modern manners, often keyed to seasonal shifts and particular settings. Forms range from brief aphoristic fragments to longer travel impressions, united by a conversational, fragmentary voice that privileges mood, sensory detail, and ironic wit over linear plot, inviting readers to linger in small moments and refined perceptions.

KUSINE

Mit 52 Jahren stürzte meine Kusine ab vom Seekofel, beim Blumenpflücken.

Mit 16 erhielt sie ihr erstes Ballkleid von „Maison Marisson“.

„Sie muß die Schönste sein!“ sagte die Direktrice des Ateliers zuversichtlich.

Zum ersten Male dichte Rüschen in gelbem Musselin. Bis dahin trug man nur weiße Ballkleider.

Sie war die Schönste. Sie erregte Neid. Sie glaubte, ein Prinz werde kommen oder etwas Ähnliches, z. B. ein Bankdirektor. Was hätte sie anderes sich erträumen können, in gelben Musselin-Rüschen von der „Marisson“, und entouriert von allen?!

Zum Souper meldeten sich 14 Herren.

„Ich hab’ nur eine rechte Seite und eine linke“, sagte sie glückstrahlend.

Mit 52 Jahren stürzte sie vom Seekofel ab, beim Blumenpflücken.

Was sie erlebt, von 16 bis 52, ich weiß es nicht. Ich kenne nur ihren ersten Triumph und ihren letzten Absturz — — —. Dazwischen dürfte so eine Melange gewesen sein von beiden!